Ausgabe 
25.4.1929
 
Einzelbild herunterladen

Kriegslastenetat einzustellen. Er würde dann auf fünf Milliarden steigen, aber das wäre ein nützliches Menetekel für die frisch-fröhlichen Kriegsfreunde. Bei einer Pensionskürzung würde der finanzielle Effekt gering sein. Das Warte­st andsbea in tengeseh müsse alsbald von der Regierung wieder vorgelegt werden. Die Wartestandsbeamten seien durchaus zur Arbeit bereit. Bei den Versorgungsanwärtern zeige sich eine katastrophale Entwicklung. 3hre Hinterbringung müsse mit allen Kräften gefördert werden. Alle diese Schwierigkeiten seien nur im Zusammenhang mit der Schaffung eines neuen freiheitlichen Beamtenrechts unter Aufrecht­erhaltung des Berufsbeamtentums zu über­winden.

Die Ausschußentschließung auf Vorlage eines Pensionsgesetzes für politische B e - amte wird mit großer Mehrheit angenommen, ebenso Entschließungen auf bessere Unterbringung der Versorgungsberechtigten und andere Etatisie- rung der Lasten für die Kriegsopfer. Der Haushalt wird in der Ausschußfassung angenommen.

Abg. Frau T e u s ch (Zentr.) erstattet darauf den mündlichen Bericht des Sozialpolitischen Ausschusses über die kommunistischen und sozialdemokratischen Anträge zum Schutz der Schwangeren und Wöchnerinnen. Der Ausschuß schlägt einen Gesetzentwurf über Wo chenhilfe vor. Da- nach soll ein Wochengeld in Höhe des Krankengel­des, jedoch mindestens 50 Pf. täglich, für vier Wochen vor und sechs zusammenhängende Wochen unmittelbar nach der Niederkunft gezahlt werden, das jedoch für die Zeit vor der Entbindung auf drei Viertel des Grundlohnes erhöht werden soll. In einer Entschließung ersucht der Ausschuß um einen Gesetzentwurf, durch den der Schwangeren- und Wöchnerinnenschutz auch für die Landarbeiterinnen und Hausgehilfinnen geregelt werden soll Die Aus- schußoorlage wird in allen drei Lesungen ange­nommen, ebenso die Ausschußentschlicßung.

Eine umfangreiche Arbeitslosenstatistik.

Berlin, 25. April. (Priv.-Tel.) Zur Vorberei­tung einer Reform d e r Reichsan st alt für Arbeitsvermittlung und Arbeits­losenversicherung ist ein umfangreicher Apparat in Bewegung gesetzt worden. Annähernd 1000 Beamte dieser Anstalt sind zur Zeit damit be­schäftigt, auf Grund des Standes der höchsten Ar­beitslosigkeit dieses Winters mit 2,5 Millionen eine ausführliche Statiftik auszuarbeiten, die für eine Novelle zur Aenderuny des Gesetzes über die Arbeitslosenversicherung, mit der noch im Laufe des Sommers zu rechnen ist, die notwendigen U n terlagen bieten soll. Bon jedem einzelnen Ar­beitslosen werden die vorhandenen Angaben über seine frühere Arbeitstätigkeit, über die genauen Gründe seiner Arbeitslosigkeit, über die darüber ge­machten Erhebungen, kurz über alle irgendwie in Frage kommenden Probleme statistisch ausgewertet. Mit besonderen Karteiordnermaschinen und mit dem Einsatz aller verfügbaren Kräfte hofft man, noch im Laufe des nächsten Monats in der Lage zu fein, dem Neichsarbeitsrninifter die Ergebnisse dieser um- sangreichen statischen Untersuchung vorlegen zu können.

Ein Apotheken-Resormgeseh?

Berlin, 25. April. (Priv.-Tel.) Das alte Problem einer Reform der Apotheken- g e s e h g e b u n g, für die schon eine ganze Reihe von Entwürfen der zuständigen SteUen im Reich und in Preußen vorliegen, ist immer noch nicht gelöst, obgleich jetzt wieder von unterrichteter Seite verlautet, daß sich das Reichsinnenministe­rium dieser Angelegenheit annehmen wolle. In den zuständigen Fachkreisen gehen die Meinungen über den konkreten Inhalt eines solchen Gesetzes aber noch sehr auseinander. Rur in dem einen Grundsatz ist man sich einig, daß eine Reform der Arzneimittelgesehgebung notwen­dig ist und daß im Interesse der Bevölkerung die Versorgung mit einwandfreien Arzneimitteln im Dordergrund stehen muß. Aber über diesen allgemeinen Grund'a; hinaus sind die Fragen des Konzessionswesens vor allem, der Be­kämpfung des Geheimmittelunwesens ufto. noch stark umstritten.

Eine neue Gparakiion?

Berlin, 25. April. (Priv.-Telft Der mehrfach er­örterte Gedanke, im Herbst einen Nachtragsetat zum Reichshaushalt 1929 einzubringen und hierbei auf die vertagten Steuervorschläge, vor allem auf die Bier st euer, zurückzukommen, hat lautBerl. Tageblatt" bisher keine feste Gestalt angenom­men. Dagegen erhalt sich die Strömung, die eine neue Sparaktion bevorzugt. Dabei ist u. a. an eine gründliche Aenderung der Methoden bei der Invalidenversicherung gedacht. Ferner erwägt man eine Aenderung des Ren­te n b a n k g e s e h e s mit dem Ziel, die Rück­zahlung derReichskredite an dieses In­stitut auf einen längeren Zeitraum zu verteilen.

Aus dem Petitionsausschuß des Hessischen Landtags.

Darmstadt, 24. April. Im Petitionsausschuh des Hessischen Landtages wird ein demokratischer Antrag zur Nachholung der durch die lange Frokt- periode zurückgekommenen Bestellungsarbeiten in Landwirtschaft und Weinbau die Bestimmungen über die Sonntagsruhe vorübergehend auf­zuheben, für erledigt erklärt, da die Regierung schon vor einiger Zeit die örtlichen Polizeistellen angewiesen hat, im Sinne des Antrages entsprechende Ausnahmeregelung vorzunehmen. Ein Zentrumsantrag auf K r i s e n f ü r s o r g e für d i e Tabakarbeiter ist inzwischen erledigt worden, da das Reichsarbeitsministerium eine ent­sprechende Einbeziehung in den Kreis der Unter» stützungsberechtigten auch für die Tabakarbeiter am geordnet hat.

Eine längere Aussprache entspann sich über einen Antrag Späth, Wesp und Genossen (Zentr.) wegen der Beschäftigung von ausländischen (polnischen) Arbeitskräften namentlich in landwirtschaftlichen Betrieben. Namentlich war eine Aeußerung verlangt worden, wieviel auslän­dische Arbeiter auf staatlichen oder vom Staat verpachteten landwirtschaftlichen Gütern beschäftigt werden. Die Regierung wies den Antragstellern nach, daß durch die Maßnahmen mit dem Landes- arbeitsamt Frankfurt a.M. die Zahl der ausländi- schen Saisonarbeiter bereits sehr stark herabge­setzt worden ist.

Ein Antrag der Abg. Dr. Werner (frkls.) und Bohm (Dnll.) wegen des behördlichen Ein­kaufs in Warenhäusern wird durch die An­nahme eines Antrages des Berichterstatters Dr. Wolf (Vrp.) erledigt. In ihm wird die Regierung ausgefordert, bei solchen behördlichen Einkäufen in

Sie Spaniensahri desGraf Zeppelin".

Friedrichshafen, 25.April. (1DIB. Blink­spruch.) während der ziemlich regnerischen Rächt zum Mittwoch ist das eustschisfGraf Zeppelin" an der spanisch-portugiesischen Rordwestküste ent­lang gezogen und hat Lissabon zwischen 9 und 9.30 Uhr vormittags überflogen. Sein Erscheinen über der portugiesischen Hauptstadt bedeutete für die Bevölkerung, die noch nie ein lenkbares Luft­schiff gesehen hatte, eine große Sensation, vier Militärflugzeuge waren demGras Zeppelin" ent­gegengeflogen und begleiteten ihn auf seinem Fluge über die Stadt. Um 14.30 Uhr wurde Sevilla überflogen und vier Postsäcke abgeworfen. Zwischen Dr. Eckener und dem Bürgermeister von Sevilla wurden Begrüßungsfunksprüche gewechselt. Um 16 Uhr überflog das Luftschiff die Küste bei La di; und befand sich gegen 17 Uhr über afrikanischem Boden und zwar über der Stadt langer. Bei wundervollem weiter fuhr es in geringer höhe über die Stadt und konnte von der Bevölkerung ausgezeichnet gesehen werden. Für die Mehrzahl der Bewohner war das Erscheinen des Luftschiffes ein freudiges Ereignis, man erzählt jedoch auch, viele ältere Eingeborene hätten ihr Mißfallen dar­über geäußert, daß Menschen es unternähmen, sich in Regionen zu bewegen, die allein Gott vorbehal­

ten bleiben sollten, von langer funkte das Luft­schiff:Rach Ueberquerung der Meerenge bei herr­lichstem Wetter in Tanger afrikanische Post abge­worfen, beturbante Araber balgen sich in wilder Begeisterung um die Sendung aus dem Luftschiff, vor uns liegt jetzt die felsenflcmkierle, wunderbare Gran-Ioseph-Durchfahrt, In strahlendster Sonne. Kurs weiter auf 2H a (a g a. Der nächste Funkspruch von Bord ging um 23 Uhr in Friedrichshafen ein: Im warmen Lichte der sinkenden Sonne geht die Fahrt an der bei solcher Beleuchtung phantastisch schönen Südküfte Spaniens entlang, um 18.30 Uhr war Malaga passiert, und um 20 Uhr überflogen wir Almeria. Die schneebedeckte Kette der Sierra Revada leuchtet im Rorden im schönsten Alpen­glühen, der Vollmond erhebt sich blutrot aus dem warmedunst des friedlich atmenden Meeres. Es herrscht schwacher Westwind bei 19 Grad Wärme." Das Luftschiff fuhr in etwas verlangsamter Racht- fahrt der spanischen Miltelmeerküste entlang, vorüber an Hunderten kleiner spanischer Häfen und Städte, Um 4.30 Uhr erreichte derGraf Zeppelin" bei lang­sam dämmerndem Morgen das lichterglanzende Barcelona. Die Passagiere, die noch schliefen, wurden sofort geweckt. Bei schönem und ruhigem Wetter geht der Kurs weiter auf Rizzo.

Die Regiemngskn'sis in Oesterreich.

Um die Nachfolge Seipels.

Wien, 24. April. (Priv.-Tel.) Als Herr Dr. Seipel vor drei Wochen von fernem Amte zurücktrat, da gab es in der Christlich-Sozia­len Partei zunächst einen Stoßseufzer der Er­leichterung. Er war seinen Freunden zu mächtig und zu unabhängig geworden, hatte auf die Rot­wendigkeiten der Parteitaktik nicht immer die er­forderliche Rücksicht genommen, weil er doch eben in erster Linie Staatsmann war. Die Partei- bureaufraten sahen deshalb schon die Gefahr einer Spaltung und waren heilfroh, als Herr Seipel, ohne zwingenden Grund, sich zurückzog. Sie wer­den inzwischen gemerkt haben, daß sie eigentlich keinen Grund zur Freude hatten, denn die Krise, die sich ins Endlose zieht, droht nachgerade zu einer Tragikomödie der Christlich-Sozialen Partei zu werden, weil sie sich als vollständig unfähig erweist, die auseinanderstrebenden Kräfte zusammenzuhalten.

Der linke Flügel, der vor allem in Wien zu­hause ist und hier stark mit den Sozialdemokraten zu kämpfen hat, wollte dem Kurs einen Ruck nach links geben. Er setzte zunächst auch seinen Willen durch. Es gelang, in Verhandlungen mit der Sozialdemokratie zu kommen, um die Opposition abzumildern und eine Art Ar­beitsprogramm zu schaffen, das an der Grundlage der bisherigen Regierungskoalition mit den Agrariern und den Großdeutschen festhielt, aber doch den Sozialdemokraten weniger Angriffs­punkte bot. Run sollte nur noch der Kanzler ge­funden werden, der dieses Programm verwirk­lichte.

Aber gerade da setzten eigentlich die Schwierig­keiten erst ein. Denn jetzt wurde aus dem Kampf zwischen dem rechten und dem linken Flügel der Christlich-Sozialen der Kampf zwischen Stadt und Land. Auch im Reich erfreut sich ja die Hauptstadt nicht gerade allgemeiner Be­liebtheit. In Oesterreich ist das aber noch viel schlimmer, well Wien für das kleine Land tat­sächlich viel zu groß ist und mit Recht den we­nig schmeichelhaften Beinamen eines Wasser­kopfes für sich in Anspruch nehmen muh. Das Lieberwiegen der Sozialdemokraten und sozial­politische Experimente, die in den letzten Jahren in Wien gemacht sind, haben in den Ländern sehr starke Abneigung gegen dieses System er­zeugt.

Jedenfalls wollten die ländlichen Kreise der Christlich-Sozialen keinen Wiener an der Spitze des neuen Kabinetts sehen. Lind sie haben sich damit durchgesetzt, so daß tatsächlich die ganze erste Garnitur der Partei für die Kabi­nettsbildung nicht mehr in Frage kam und der städtischen Gruppe nichts weiter übrig blieb, als selbst das kleinere Liebel zu wählen und den

Die Christlich-Soziale Partei. Landeshauptmann von Vorarlberg vorzuschlagen, der zwar in seinem eigenen Lande unbegrenztes Ansehen genießt, sonst aber wenig bekannt ist. Er hat aus persönlichen Gründen a b g e l e h n t, und jetzt ist man auf den Um« weg verfallen, den Professor Mittelberger in den Vordergrund zu schieben, ebenfalls aus Bregenz, von dem lediglich bekannt ist, daß er die rechte Hand seines Landeshauptmanns war. Er kann natürlich ein sehr guter Bundeskanzler werden, er kann auch das Gegenteil sein, jeden­falls bedeutet seine Wahl eine Verzweiflungs­tat, die in die inneren Zustände der Christlich- Sozialen Partei ein bedenlliches Licht fallen läht.

Mittelberger verhandelt.

Wien, 24. April. (WTB.) Der Rationalrat hielt heute eine kurze formelle Sitzung ab, in der der Präsident lediglich mitteilte, daß die Wahl der Regierung noch nicht vorgenom­men werden könne, da der Hauptausschuh noch nicht in der Lage sei, einen Vorschlag zu unter­breiten. Die nächste Sitzung, in der die Wahl der Bundesregierung vorgenommen werden soll, wurde für nächsten Freitag 15 Lihr einberufen. Der aus Vorarlberg heute früh hier eingetroffene Landessinanzreserent Dr. Mittelberger trat im Laufe deS Vormittags mit den Vorsitzenden der Koalitionsparteien wegen Liebernahme der Kanzlerschaft in Fühlung. Die Großdeut- schen nahmen zunächst eine abwartende Haltung ein. Hingegen erklärte der Land- bund bei aller Würdigung der Verwaltungs­tätigkeit Dr. Mittelbergers in Vorarlberg, an einer von ihm gebildeten Regierung nicht teil­nehmen zu können, da in der Aussprache einerseits die Bedenken gegen die Betrauung eines Politikers, welcher mit 'Fragen der Dun- despolitik keine nähere Berührung gehabt habe, nicht zerstreut worden seien, und well ander­seits Dr. Mittelberger in den grundlegenden wirtschaftspolitischen Fragen sich nicht in­formiert erklärt und daher irgendeine grundsätzliche Zusage nicht habe geben können. Der neue österreichische Kanzlerkandidat wurde im Jahre 1879 bei Feldkirch geboren und wirkte seit 1905 als Gymnasialprofessor. Im April 1915 wurde er zum Obmann des Presse­vereins für Vorarlberg gewählt und bald darauf als Obmann an die Spitze der christlich-sozialen Parteiorganisation Vorarlbergs berufen. 3m Ro- vernber 1918 wurde Dr. Mittelberger Mitglied des provisorischen Landtags von Vorarlberg und I im Laufe des nächsten Jahres Mitglied der Lan­desregierung. Seit 1923 gilt er als der best- | bewährte Finanzreferent des Landes.

erster Linie die mittel ft ändischen Be­triebe zu berücksichtigen.

Die Beisetzung des Prinzen Heinrich.

Eckernförde, 24. April. (WTB.) Heute nachmittag hat auf Schloß Hemmelmark unter großer Beteiligung die Trauerfeier für den Prinzen Heinrich von Preußen stattgefunden. Schon lange vor der angesehten Zeit fanden sich die Abordnungen der Marine- und Militärvereine, studentischer Verbindungen und des Stahlhelms mit ihren Fahnen im inneren Hof des Schlosses ein. Die Mitglieder des Ska­gerrak-Klubs waren fast vollzählig erschienen. Die Reichswehr hatte eine Delegation ent­sandt. Insgesamt hatten sich mehrere tausend Personen ackf Schloß Hemmelmark versammelt. Der Sarg, der bereits am Montag nach einer Andacht ün engsten Familienkreise geschlossen worden war, wurde um 1 Lihr nachmittags in der Vorhalle auf einer Lafette aufgebahrt. Zu Seiten des flaggenbedeckten Sarges nahmen ehe­malige Marineoffiziere Aufstellung, die um 2 ilbr von den Prinzen, die die letzte Ehrenwache über­nahmen. abgelüst wurden. Unter den Trauer­gästen befanden sich als Vertreter des Re ichspräsidenten Staatssekretär Dr. Meißner, Admiral Dr. R a e d e r als Ver­treter des Reichswehrministeriums, General H a s s e, die Konteradmirale Hansen und G I a- ö t s ch, für die Stadt Kiel, deren Ehrenbürger Prinz Heinrich war, Oberbürgermeister Dr. L u e k e n, von der alten Wehrmacht u. a. Ge­neralfeldmarschall v. Mackensen und die Ad­mirale v. S ch r 5 d e r und v. F i s ch e l. Die Trauerrede vor dem Sarge hielt Llniversitäts- prosessor Dr. R e n 11 o r f f, Kiel, der des Heim­gegangenen als aufrechten Menschen und Sol­daten gedachte. Rach abschließendem gemein­samem Gesang trugen Marineoffiziere den Sarg zu dem nahen Erbbegräbnis, wo Prinz Heinrich zur letzten Ruhe gebettet wurde.

Wahlen in Dänemark.

Kopenhagen, 25. April. (WTB. Funk­spruch.) Bei den gestern abgehaltenen Wahlen zum Falleting erhielten nach dem vorläufigen Schluhergebnis Konservative 233868Stim­men (24 Sitze), Linke 402 146 (43 Sitze), Radi­kale 151 729 (16 Sitze), Sozialdemokraten 593235 (61 Sitze), Rechtsver band 25 795 (3 Sitze), Schleswiger 9787 (1 Sih), Kom­munisten 3655 (0). Die Sozialdemokraten ge­wannen 8 Mandate, der Rechtsverband gewann ein Mandat, die Konservativen verloren 6 Man­date und die Linke verlor 3 Mandate. Die Man­datszahl der Schleswigschen Partei und der Ra­dikalen bleibt unverändert. Auf den Färöer- Inseln finden die Wahlen bekanntlich zu einem späteren Zeitpunkt statt.

Aus aller Welt.

Der Untergang derToyakuni Marn".

Havas berichtet aus Tokio, daß weitere 32 Lieberlebende des gesunkenen Dampfers Toyakuni Maru" gerettet worden sind. E s fehlen noch 89 Passagiere.

Deutsches weltausstellungsgut durch die Luft nach Barcelona.

Der Verband deutscher Seidenwebereien wird in der ersten Maiwoche sein gesamtes Aus­stellungsgut, daS auf der Weltausstellung in Barcelona gezeigt werden soll auf dem Luftwege von Krefeld nach Barcelona senden. Fast eine Tonne wertvollsten Materials wird von der Deutschen Lufthansa in weniger als 36 Stunden über Krefeld nach Bar­celona befördert werden.

Eine Saartagung.

Die 9. Tagung des Bundes der Saar­vereine wird vom 8.10. Juni in Münster i. Wests, stattfinden. Das Protektorat hat Reichs­kanzler a. D. vr. st. c. M a r x übernommen. Mit der Tagung wird eine große Saarkundgebung

für das abgetrennte Saar- und Pfalzgebiet und gegen die Saarlüge am Sonntag, dem 9. Juni in der Stadthalle in Münster verbunden fein. Unter dem Leitwort:Weg mit der Saarlüge!" soll diese Kundgebung auf die großen Gefahren der französischen Saarpropaganda Hinweisen und auf eine baldige Bereinigung der Saarfrage drängen.

Späte Folgen des Frostes.

In Landeck (Schlesien) war durch den ungewöhn­lich starken Frost der Vormonate ein vor einem Haufe eingebauter gußeiserner Behälter zur Aufnahme von Niederschlagswasser aus der Hauptgasleitung zerfroren. Das Gas drang durch das Erdreich in die benachbarten Häuser. Dort wurden gestern früh der im Erd­geschoß schlafende 54 Jahre alte Hausbesitzer Fuchs und seine 53 Jahre alte Ehefrau bewußtlos aufge- funden. Fuchs, Vater von elf Kindern, konnte nicht mehr gerettet werden. Die Ehefrau hofft man am Leben zu erhallen.

Ein Kind Im Gänfesiall verbrannt.

3m Gänsestall des Landwirtes Thamm in Preilsdorf in Schlesien hatten mehrere Kinder mit Streichhölzern gespielt. Plötzlich fing das Stroh Feuer. Während die übrigen Kinder hinauseilten, stellte sich das fünfjährige Kind der Familie Langer verängstigt in die äußerste Ecke des Stalles, wo es von den Flam­men erfaßt wurde und lebendig verbrannte.

...in angetrunkenem Zustand."

Als abends der Maschinist Lösch aus Duisburg- Beeck in angetrunkenem Zustande nach Hause kam, geriet er bald mit seiner Familie i n Streit. Als er versuchte, seine Tochter mit einem Hammer anzugreifen, wollte sein Sohn die Streiten­den trennen. Vater und Sohn rangen miteinander, wobei der Vater einen Faust schlag unter das Kinn erhiell, zu Boden fiel und bald darauf ft a r b. Die Todesursache muß die Obduktion ergeben.

Zuchthaus für eine Brandstifterin.

3n Reuwied hatte sich die Ehefrau Reu­bauer aus Betzdorf wegen vorsätzlicher Brand­stiftung und Versicherungsbetrugs vor dem Schwurgericht zu verantworten, während ihrem Ehemann Beihilfe hierzu zur Last gelegt wurde. 3n der Rächt zum 11. August v. 3. war das den Eheleuten Reubauer gehörige Anwesen in Donnersberg völlig niedergebrannt. Zur Zeit des Ausbruchs des Brandes hate sich bic Ehefrau Reubauer mit sechs meist jüngeren Kin­dern im Hause befunden, während ihr Mann auf einer Grube zur Arbeit war. Menschen­leben kamen bei dem Brande nicht zu Schaden, auch das Vieh und ein Teil des Hausgerätes konnten gerettet werden. Ein Frankfurter Krimi­nalkommissar, der eigens für die vielen Brand- fälle auf dem Westerwald stationiert wurde, stellte fest, daß vorsätzliche Brandstiftung vor­lag. Das Anwesen war mit 13 500 Mk. viel z u hoch versichert und der Verdacht richtete sich gegen die Ehefrau. Die Kinder erzählten, die Mutter habe am Abend zuvor lange mit ihnen gebetet und ihnen gesagt, sie sollten wach bleiben, bis der Vater käme, auch habe sie ihnen erzähll, wie sie sich verhalten müßten, wenn es brenne, und obendrein waren fast alle Kinder völlig angezogen, als der Brand ausbrach. Weiter hatte auch ein Kind gehört, wie die Mutter in der Rächt aufgestanden und die Stiege zum Speicher fjin auf ge­gangen war. Auf Grund dieser Aussagen legte die Mutter ein volles Geständnis ab. Sie wurde wegen Brandstiftung in Verbindung mit Versicherungsbetrug zu einem 3ahr Zuchthaus verurteilt, während der Ehemann mangels Be­weises freigesprochen wurde.

------------e

Die Wetterlage.

U torwa.

<2

-Jin

9-

9

15

-2

o

Q,

0

Mittv/och. d.24. April 1929,7h aM5_.

Owolkenlos. 0neuer. 0 naib bedeckt.» wolkig. bedeckt Itegtn » Schnee a Graupeln, e Mebei K Gewitter.©Windstille.«<>V sehr «eifhter Ost massiger Südsüdwest (S stürmischer Hordwes» Oie Pfeue fliege" mildem winde. Die neiden Stationen stenenden Zan­

ten geben die Temperatur an. Pie Linien verbinden Orte mit gleichem, auf Meeresniveau umoerechneien Luftdruck

Wettervoraussage.

Die südskandinavische Störung verursachte durch den Zustrom kühler Luftmassen rauhes und un­freundliches Wetter. Durch die mehr südöstliche Ver­lagerung der Störung, bleiben wir zunächst noch unter ihrem Einfluß, so daß immer noch das kühle und regnerische Wetter mit Nachtfrostgefahr be­stehen bleibt. Weiterhin ist mit vereinzelten Schnee- oder Regenschauern zu rechnen, jedoch wird noch im Lause des morgigen Tages durch den ansteigenden Luftdruck eine Beruhigung der Wetterlage eintreten.

Vorausfagefür Freitag: Rach anfäng­lich unbeständig wechselnd wolkigem Wetter mit einzelnen Schnee- oder Regenschauern, mehr auf- heiterndes Wetter, nachts Frostgefahr.

Vorhersage für Samstag: Wolkiges Wetter mit Aufheiterung, nachts Frostgefahr.

Lufttemperaturen am 24. April: mittags 8,8 Grad Celsius, abends 5,8 Grad: am 25. April: morgens 3,7 Grad. Maximum 9,5 Grad, Minimum 0,6 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 24 April: abends 9,8 Grad; am 25. April: morgens 5,1 Grad Celsius. Niederschlag 0,8 mm. Sonnenschein­dauer 7K Stunden.