Nr. 71 Erster Blatt
179. Jahrgang
Moniag, 25. März 1929
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Präsident Hoover vettündei die neue Linwanderungsquole.
Präsident Hoover hat die amtliche Bekanntmachung erlassen, wonach vom 1. 3uli an öle deutsche Einwanderungsquote von 5 1 227 auf 29 957 Köpfe im 3ahr her- a b g e s e h t wird. Die englische Quote erfährt dagegen eine Verdoppelung. Cs werden mit dieser Bekanntgabe hier und da in der deutschen Presse Angriffe auf den Präsidenten verknüpft, die nach der Sachlage unberechtigt sind. Alm allen Mißverständnissen vorzubeugen, sei noch einmal kurz die Geschichte des Falles wiedergegeben. 3m 3ahre 1924 wurde im Kongreß ein neues Einwanderungsgesey angenommen, über dessen Bedeutung und Tragweite sich die wenigsten Mitglieder des Kongresses klar waren. Dieses Gesetz enthielt eine ganz neue Quotenverteilung mit der bewußten Absicht, die germanische Einwanderung, d. h. die deutsche und die skandinavische zugunsten der englischen zu verringern. Bald aber sah man ein, was für eine schwere Zurücksetzung für die deutsch-ameri- kanische Wählerschaft in dieser Behandlung lag, und in seiner Verlegenheit griff der Kongreß zu dem AuShilfsmittel, zunächst daS 3nkraft- treten des Gesetzes um ein 3ahr zu verschieben. Man hoffte, die Zwischenzeit zu einer vernünftigen Abänderung des Gesetzes auSnützen zu können. Da jedoch bei Behandlung der Einwanderungsfrage in Amerika auf der einen Seite so ziemlich sämtliche Rationalitäten der Welt, auf der andern Seite die mannigfachsten materiellen 3nteressen. z. D. die Furcht der organisierten Arbeiter vor der Einwanderung von Lohndrückern, in Frage kommen, drückte sich der Kongreß von 3ähr zu 3ahr immer wieder vor der heiklen Aufgabe und begnügte sich mit einer abermaligen Verschiebung um ein 3ahr. Dasselbe sollte auch 1929 in den letzten Tagen des Kongresses vor dem 4. März geschehen, aber da nutzte die Opposition im Senat die günstige Situation aus und vereitelte durch Obstruktion die abermalige Verschiebung.
Sowohl Präsident C o o l i d g e wie Präsident Hoover waren mit dieser Erledigung der Angelegenheit keineswegs eiiwerstanden. Das Gesetz legt dem Präsidenten die Pflicht auf, die neuen Quoten amtlich zu verkünden. Sowohl Eoolidge wie Hoover hatten sich von ihren 3ustiz- ministern Gutachten erstatten lassen, und beide waren übereinstimmend der Ansicht, daß es für den Präsidenten keine Möglichkeit gebe, sich der Erfüllung dieser Pflicht zu entziehen. So hat Präsident Hoover nunmehr die Ankündigung erlassen müssen, aber gleich hinzugefügt, daß er die Maßregel nicht billige, und hoffe, der Kongreß werde das begangene Unrecht schleunigst wieder gutmachen. Dazu bietet sich nunmehr eine willkommene Gelegenheit. Gleich nach seinem Amtsantritt hat Präsident Hoover den gesamten Kongreß zu einer Extrasession auf den 16. April einberufen, allerdings zu dem Zweck, der Landwirtschaft die versprochene Unterstützung zu verschaffen und zugleich den Zolltarif zu erhöhen. Es steht nichts im Wege, daß der
Kongreß auch die Einwanderungs- frage in Angriff nimmt und ein neues Gesetz erläßt, das an Stelle des nunmehr verkündeten am 1. 3uli in Kraft treten kann. Die Aeußerung Hoovers läßt erkennen, daß er seinen Einfluß in dieser Richtung geltend machen wird.
Wenn Hoover mit seiner Regierung und wenn die Führer beider Parteien, die im Wahlkampf Aenderung der der deutschen Einwanderung feindlichen Gesetzgebung versprochen haben, ihr Versprechen wahrmacheu wollen, dann können sie es. Die Obstruktion im Senat wird dann zwecklos, wenn sofort in beiden Häusern des Kongresses gleichlautende Dills eingebracht und mit möglichster Beschleunigung angenommen werden. Das kann mit Leichtigekit während der Zeit geschehen, in der die landwirtschaftlichen und die Zolltariffragen in den Ausschüssen beraten werden. Es kommt nur darauf an, ob der Präsident und die Führer der beiden Parteien im Senat die erforderliche Energie aufwenden, um die Opposition zum Schweiger» zu bringen. Allerdings darf man sich nicht verhehlen, daß infolge der oben geschilderten Verhältnisse eine
Friedrichshafen, 25.März. (WTB. Funkspruch.) Nachdem man angesichts der nicht gerade günstigen Windverhältnisse — der herrschende Ost- wind hatte sich während des Abends in einen mehr zur halle stehenden steifen Nordwest verwandelt — schon mit der Möglichkeit gerechnet hatte, daß der Aufstieg des „Graf Zeppelin" zum Mitkelmeerslug in letzter Minute abgesagt werden sollte, entschied sich Dr. Eckener nach längerer Wartezeit doch noch zum Start Bei der strengen Absperrung waren nur die Angehörigen dec Passagiere und die Besatzung, die Vertreter der Presse und die sonstige»» geladenen Zuschauer in der halle, in der der „Graf Zeppelin" fahrklar lag. Das hallenwr, durch das die Vollmondnacht hereinschimmerte, stand weit offen. Gegen 11.45 Uhr betraten d i e er st en Passagiere die halle, unter ihne»» die Gräfin Brandenstein-Zeppelin. Das Gepäck wurde verstaut. Um 11.52 Uhr geht die Besatzung an Bord. Die Passagiere sind mit Ausnahme von Staatspräsident Bolz und Reichsverkehrsminister a. D. von Guerard vollzählig anwesend. kurz daraus werden die Sandsäcke von Bord genommen. Punkt 12 Uhr gehe»» die anwesenden Passagiere an Bord. Da trifft auch Staatspräsident Bolz mit Minister von Guerard ein. Mai, hört, daß sie nicht früh genug geweckt worden sind. Dr. Eckener prüft mit seinen Offizieren die Windstärke. Plötzlich taucht er wieder in der Halle auf. Ungeachtet des nicht günstigen Windes will er es jetzt anscheinend doch mit dem Aufstieg versuchen. Alles ist an Bord. Der letzte
Befriedigung aller Rationalitäten nicht erreichbar ist und daß daher die Opposition im Senat von den unzufriedenen Elementen Zuzug erhalten wird. Es kommt allein auf den Senat an, weil die republikanische Mehrheit im Repräsentantenhaus stark genug ist, binnen kurzer Zeit mit Hilfe der Geschäftsordnung einen Gesetzentwurf durchzubringen, auf den sie sich geeinigt hat. Der Schwerpunkt des Kampfes liegt also ausschließlich im Senat, und dort muß von Anfang an der nötige Druck ausgeübt werden. Das tarnt der Präsident in diesem Augenblick, wo er zahlreiche Qlemter zu vergeben hat, leichter tun als später, und hiermit hat er eine sehr wirksame Waffe in der Hand. Sache der deutschamerikanischen Wählerschast muß es sein, ihrerseits mit dein entsprechenden Rachdruck den Präsidenten und die Führer beider Parteien an ihre Wahlversprechungen zu erinnern. Wird mit einigen, Geschick operiert, dann kann zweifellos das ^Unrecht aus der Welt geschafft werden, das der deutschamcrikanischen und der skandinavischen Wählerschaft zugefügt werden wird.
Ballast fällt. Das Schiss wird ausgewogen. Nachdem man noch Wasser gelassen Hal, ist alles In Ordnung. Um 0.46 Uhr seht sich das Luftschiff in Bewegung. Die Positionslaternen der Maschinengondel blitzen auf und in wenigen 2H i n u f e n ist das Schiss im Freien. Der starke Wind treibt das Schiss sofort nach Süden ab. Aber schon ertönt das Kommando „Luflschifs hoch!" Die Motoren springen an. Die Zurückbleibenden rufen den» Schiff die letzten G r ü hzu, die von den Maschinisten mit Lichtsignalen erwidert rottben. Bald ist das Luslschifs in direktem Kurse nach dem Rhein den Blicken entschwunden.
Lieber die Schweiz und Güdsrankreich.
Freiburg, 25. März. (WTB. Funkspruch.) Bald nach seiner Abfahrt aus Friedrichshafen wurde das Luftschiff „Graf Keppel im" in K o n > st a n z gesichte». Um 1.45 Uhr überflog es die Stadt Waldshut nm Rhein. Es konnte allerdings infolge der nebeligen Witterung nur außerordentlich schlecht gesichtet werden, aber die herbeigeeilte Bevölkerung konnte das Motorengeräusch sehr gut hören. Das Luftschiff flog dann wieder den Rhein entlang und verließ gegen 2 Uhr das deutsche Gebiet bei Basel. In Basel selbst wurde das Luftschiff bis nach 2 Uhr nachts beobachtet. Der „Graf Zeppelin" hat um 7.45 Uhr französischer Zeit Marseille überflogen. Er schlug östliche Richtung ein.
„Gras Zeppelin" zum Mlelmmßug gestartet.
Auf falschem Wege.
3mmer von neuem und immer wieder vergeblich wird gegen d i e Ueberspannung deSBerechtigungswesens, gegen die feit dem Kriege fast in der ganzen Bevölkerung verbreitete irrige Meinung Stellung genommen, daß die höchste zugängliche Allgemeinbildung, also der Weg über Gymnasium, Realgymnasium usw., Matururn und wenn möglich Universität das einzig erstrebenswerte Bildungsideal und das ..Sesam öffne Dich" für eine erfolgreiche Laufbahn im praktischen Leben sei, daß die Ehancen größer, die Entwicklungsmöglichkeiten breiter icien, als wenn man z. D. in einem kaufmännischen oder technischen Beruf mit abgeschlossener Real« und Dürgerschulbildung eintrete. Es ist ein unseliger Drang des Deutschen, so anerkennenswert der idealistische Urgrund dieses Dranges ist, gute Bildung mit humanistisch- akademischer Bildung zu verwechseln und eine Bescheinigung über eine bestimmte Anzahl abgesessener Schuljahre und Semester für eine Gewähr zu halten, daß man auch das praktische Leben erfolgreich absitzen werde.
DaS Arbeitsamt der deutschen Rechtsanwaltschaft hat kürzlich anläßlich seines zehnjährigen Bestehens eine Denkschrift herausgegeben, die mit erschreckender Deutlichkeit zeigt, wohin dieser Bildungsdrang z. D. auf dem juristischen Gebiet geführt hat. Schon zwei 3ahrgänge von Assessoren können von den Behörden nicht mehr untergebracht werden. Die Zahl der auf Erwerb drin- gendst angewiesenen Referendare steigt ins Unendliche; der Bedarf der Anwälte, deren Arbeit allgemein zurückgeht, verringert sich entsprechend und wird teilweise durch ganz unbeschäftigte Kollegen oder durch Richter im Ruhestand gedeckt. Die Organisationen der Referendare und Assessoren stehen, so führt der Bericht aus, ebenso ratlos wie unser Arbeitsamt vor dieser sichzur Katastrophe auswachsenden Tatsache, die alle beteiligten ©teilen zu immer stärkerer Anspannung der Kräfte zwingt.
Was hier von den Juristen gesagt wird, gilt mit geringen Abweichungen auch von den Philologen — man braucht nur an die Not der Junglehrer, an die Sperre pädagogischer Akademien wegen Uederbesetzung usw. zu denken — und von den Me. dizinern. Also vön oben her, von den eigentlichen akademischen Berufen wird schon ein verzweifelter Druck auf den Arbeitsmarkt ausgeübt, der das Einströmen akademischer oder halbakademischer Kräfte in diejenigen Berufsgattungen nicht verhindern kann, die an sich ein wesentlich kürzeres und weniger kostspieliges Ausbildungswesen beanspru. chen würden. Im Wettbewerb mit diesen Angeboten steigert nun aber auch der von unten her hin- einströmende normale Nachwuchs bei all diesen Berufen selbsttätig seine Ansprüche an den Bildungsgrad, an die „Berechtigungsscheine" der Bewerber. Und das mutz notwendig zu einem ganz schiefen Bild, zu einer unzweckmäßigen Halbbildung ganzer Berufskategorien führen, die nicht auf die Tüchtigkeit und körperliche Eignung, sondern auf die Abgangszeugnisse höherer Schulen und womöglich Kollegbücher ihrer Lehrlinge und Gehilfen sehen.
Bei einer Tagung in Hessen-Rassau, die vorn Lehrerverein und den Elternbeiräten der mittleren Schulen veranstaltet worden ist, hat der Redner sehr treffend diese Zustände und ihre Folgen mit ihrem ganzen Elend aufgezeigt. 3n die höheren Schulen treibt dieses Derech- tigungsunwesen ständig wachsende Massen hierfür ungeeigneter Schüler hinein. Auf der andern Seite werden die der Degabungsrichtung dieser Schüler dienenden Mittelschulen und Oberstufen der Volksschulen immer leerer, weil durch bad Berechtigungsunwesen auch dem tüchtigsten Volks- und Mittelschüler immer mehr Berufe verschlossen werden, für die er volllommen ausreichende Allgemeinbildung und vorzüglichste Eignung besitzt. Die Verknüpfung von Schulreife mit Derufsreife ist die Wurzel dieses Hebels, und es kann nicht genug geschehen, um den verhängnisvollen 3rrvorstel- lungen, die dabei zugrunde liegen, ein Ende zu bereiten. Es ist Dolkskraft. die hier vergeudet wird und ein Spott auf das Wort »Freie Dahn dem Tüchtigen".
Gegen die Ausartung des politischen Kampfs.
Ein Aufruf des preutzischcnJunenministers.
Berlin, 23. März. (WTB.) Der Amtliche Preußische Pressedienst verbreitet einen Aufruf des preußischen Ministers des Innern, Grzefinfki, in dem auf die in letzter Zeit fortschreitende Häufigkeit des Mißbrauches der verfassungsmäßig gewährleisteten Vereins- und Versammlungsfreiheit wie des Rechtes der freien Meinungsäußerung, auf die Ausschreitungen, die sogar Menschenleben gefordert haben, und die zum Teil organisierte Auflehnung gegen die Polizei, bei der Beamte erheblich zu Schaden gekommen find, und auf die Denkmalsbeschädigungen und antisemitischen Friedhofschändungen hingewiesen wird.
Er wiederhole noch einmal sehr ernstlich feine Mahnung an alle politischen Organisationen, Vüickie und die Führer der ihnen nahestehenden politischen Parteien und ersuche auch die in Frage kommende Presse dringend, durch Abkehr von dem verhetzenden und die Staatsautoritat untergrabeirden Ton auch ihrerseits zu einer Befriedung des öffentlichen Lebens beizutragen, so daß politische Meinungsverschiedenheiten wie
der in vernünftigen Formen ausgetragen werden und Andersdenkende von ihren politischen Gegnern unbelästigt bleiben. Wenn dieser letzte Versuch ungehört verhallen sollte, werde er gegen die radikalen Organisationen mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln rücksichtslos einschreiten und auch vor der Auflösung solcher Verbände und Vereinigungen nicht zuruckschrecken, die gleichzeitig die Form politischer Parteien haben.
3n einem an die Polizeiverwaltungen in Preußen gerichteten Erlaß ersucht Minister Grzesinsski unter Hinweis auf diesen Aufruf die Nachgeordneten Behörden, auch von sich aus alle Maßnahmen zu treffen, die geeignet sind, dem Treiben der radikalen Organisationen entgegenzutreten. Organisationen, die ihr gefährliches Treiben fortsetzen, sind aufzulösen. Oeffent- liche Versammlungen unter freiem Himmel und Tkmzuge, die eine unmittelbare Gefahr für die öffentliche Sicherheit darstellen, find vorbeugend polizeilich zu verbieten und zu verhindern. Versammlungen in geschlossenen Räumen, deren unfriedlicher Charakter feststeht, find gleichfalls vorbeugend zu verbieten, oder, wenn sie nach Beginn einen unfriedlichen Charakter annehmen, polizeilich aufzulöfen.
0er Wahlreformvorschlag der Demokraten.
Berlin. 25. März. Der demokratische Parteivorstand hat am Samstag die Veröffentlichung eines Wahlreformvorschlages beschlossen, wonach die Zahl der Reichstagsabgeordneten auf 450 festgesetzt wird. Das Reichsgebiet wird i'n 2 25 Wahlkreise eingeteilt. Gewählt ist. wer in einem Wahlkreis die absolute Mehrheit aller gültigen Stimmen erreicht hat. Darüber hinaus soll jede Partei oder jeder Wahlvorschlag soviel Abgeordnetensitze zugeteilt erhalten, als es ihrem prozentualen Qlnteil an der Gesamtzahl der im Reiche abgegebenen Stimmen entspricht. Es müssen aber auf die betreffende Partei oder den Wahlvorschlag im gesamten Reichsgebiet mindestens 3 Prozent aller abgegebenen gültigen Stimmen gefallen fein. Bei Anteilfähen entscheidet daS Los. Wahlberechtigt sollen außer
den 20 3ahre allen Deutschen auch Oester - reicher fein, die länger als ein 3ahr in Deutschland leben. Politische Schutzhaft schließt das Wahlrecht nicht aus. Dagegen sollen Reichswehrangehörige nicht wahlberechtigt sein, wohl aber Ausland- deutsche, die sich gerade im Reiche aufhalten. Die Benennung eines Bewerbers muh in jedem Wahlkreis durch mindestens 500 Wahlberechtigte des Wahlkreises unterzeichnet sein. Es genügen aber zehn Unterschriften, wenn die Partei des Kandidaten im letzten Reichstag mit 15 Abgeordneten vertreten war.
Zentrum und Koalition.
Eine Rede Stcgcrtvalds.
Büren (Westfalen), 24. März (WTB.) Auf einem Parteitag des Zentrums hielt der Reichstagsabgeordnete Dr. Stegerwald eine Rede über die politische Lage, in der auch auf die Koalitionsfrage zu sprechen kam und u. a. sagte: Es gibt nur dreierlei: entweder Diktatur oder Reichstagsauflösung, oder aber f e ft e Koalition. Diktatur bedeutet praktisch die Zerreißung der Reichseinheit. Reichötagsauflösung bedeutet Stärkung des Radikalismus. Mithin bleibt nur der Weg zu einer festen Koalition offen. Parteipolitisch wäre es für die Zen rumspartei das Beste, sie bliebe noch längere Zeit außerhalb der Regierung. Die Parteien sind indes nicht Selbstzweck; sie sind insbesondere im Zeitalter des parlamentarischen Regimes 3nftrumente der Politik und des Staates. Wer im Zentrumslager ein bewußtes Fernbleiben von der Regierung will, arbeüet praktisch, ob gewollt oder ungewollt, an der Anbahnung der Diktatur. Jede Regierungskoalition hat sich bewußt zu sein, daß die deutsche Politik in den nächsten 3ahren auf allen Gebieten Ausgleichspolitik sein muß. Alle Parteien, die in der Regierung vertreten sind, müssen in den nächsten Fahren den Witten mitbringen, den Staatswagen ohne Rücksicht auf vorübergehende Popu- larität oder Llnpopulärität uner allen Umständen bergauf zu schieben. Sie nützen damit dem deutschen Volk, dem Staat und profitieren dabei, auf längere Sicht gesehen, bestimmt auch selbst. '
Die Vereinigung Waldecks mit Preußen verfassungsmäßig.
Leipzig, 23. März. (WB.) Die Waldecksche Partei ,W i r t s ch a f t s b u n d" hatte gegen das Land Waldeck uni) die waldecksche Landesvertretung beim Staatsgerichtshof für das Deutsche! Reich Klage erhoben auf Ungültigkeitserklärung des waldeckschen Gesetzes über die Wahl zur waldeckschen Landesvertretung. Weiter wurde beantragt, die Wahl vom 17. Mai 1925 zur waldeckschen Landesvertretung für ungültig au erklären und festzustellen, daß die waldecksche Landesvertretung i n ihrer gegenwärtigen Zusammen- setzungzuälnrecht besteht. Schließlich wurde beantragt, das weideässche Gesetz über die "Bereinigung Waldecks mit Preußen vom 4. April 1928 für ungültig zu erklären, da es eine auf Grund eines ungültigen Gesetzes zustande gekommene Landesvertretung beschloß. Der Staatsgerichtshof wies in einer nichtöffentlichen Beschlußsihung sämtliche Anträge der Waldeck-' scheu Partei Wirtschaftsbund zurück.
Kündigung des Lohnabkommens im Nutz bergbau.
B o ch u m, 24. März. (WB.) 3n einer Funktionärkonferenz des Alten Bergarbeiterverbandes für das gesamte Duhrrevier wurde einstimmig beschlossen, das bestehende Lohnabkommen im Ruhrbergbau zum 1. Mai d. 3. zu kündigen. Die Bezirksleitung wurde ermächtigt, gemeinsam mit den übrigen am Tarif beteiligten Bcrgarbeiterorganifationen die Kündigung zu vollziehen und sich für die Schaffung eines verbesserten Lohntarifs einzusehen. Die gestern in Essen abgehaltene Konferenz deS Gewerkvereins Christlicher Bergarbeiter Deutschlands war ebenfalls einstimmig der Auffassung, die Lohnordnung zum nächstmöglichen Termin zu kündigen.
Wann verläßt Pius XI. den Vatikan ?
Rom, 23. März. (TU.) Das katholische Mailänder Blatt „Italia" will aus zuverlässiger Quelle erfahren haben, daß der Papst den Q3ati* Jan am 24. Juni -um erst« Male verlass^


