Nr. 21 Erstes Blatt
179. Jahrgang
Zreilag, 25. Januar 1929
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Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange: für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumfchein: für den Anzeigenteil Kurz Hillmann, sämtlich in' (Biehen.
Oie Wartegeldempfänger.
Ter Reichstag
berät die geplante Rcuregctung.
Berlin, 24. Fan. (V.D.Z.) Auf der Tagesordnung steht als einziger Punkt das Gesetz über die Wartegeldempfänger. Die aus Wartegeld gefetzten Beamten find bisher nur dann verpflichtet, einer neuen Einberufung Folge zu leisten, wenn sie eine P l a n st e l l e erhalten sollen, die ihrem früheren Rang entspricht. Durch den Personalabbau ist die Fahl der Wartestandsbeamten sehr groß geworden. Die Borlage will ihre Fahl dadurch vermindern, daß sie sie vervflichtet, auch außer- planmäßige Stellen anzunehmen, wenn die Beschäftigung an ihrem Wohnsitz mindestens vier oder außerhalb mindestens acht Monate dauert. Ferner können die Wartegeldempfänger sich unter Anrechnung der Wartezeit freiwillig pensionieren lassen. Aeltcre Wartestandsbcamte sollen zwangsweise pensioniert werden können. Mit der Beratung verbunden wird ein deutschnationaler Antrag zur Aenderung des Beamtengesetzes.
Reichsstnanzmintster Dr. Hilfer - d i n g teilt mit, daß die Zahl der Wartegeldempfänger durch die Personalabbauverordnung auf 110 000 gestiegen, inzwischen allerdings wieder aus 38 000 gesunken sei. Er hofft, daß recht viele von ihnen die Vergünstigungen des vorliegenden Entwurfes in Anspruch nehmen und sich pensionieren lassen werden. Die Regierung erwarte von dem Gesetz eine Ratio- naltsicrung der Beamtenverhältnisfe. Die Beamten könnten wählen, ob sie sich wiederverwenden oder pensionieren lassen wollten.
Abg. G o t t h e i n e r (Dn.) erinnert an die Mitteilung des früheren Finanzministers Dr. Köhler, daß di« Wiederverwendung der Ab- gebauten an dem Wider st and der Ressorts scheitere. (Hört! Hört! bei den Dn.) Darauf sei wohl diese neue Borlage zurückzu- führen. Es Hub« lange gedauert, bis sie gekommen sei. Sie fei aber trotzdem nicht gut. Der Entwurf greis« tief inwohlerworbeneRechte der Beamten ein und müsse deshalb gründlich geprüft werden. Schon jetzt könne man feststellrn, daß er in wesentlichen Posten die Rechtsstellung der Wartestandsbeamten verschlechtere. Zu begrüßen fei die Tendenz, durch Bergünstigung Pensionsanträge zu erleichtern. Abzulehnen sei aber jede Zwangspensionierung. Zu begrüßen sei die dem deutschnationalen Antrag entsprechende Bestimmung des Entwurfes, die die richterliche Rachprüfung der Bor- aussctzungen für die Zwangspenfionierung fordert.
Abg. Sigfried (Wp.) begrüßt die Vorlage, die den Sparsamkeitsgrundsähen seiner Partei entspreche. Allerdings werde die Partei dem Gesetz nur dann zustimmen, wenn aus ihm dem Reich kein« neuen finanziellen Belastungen erwachsen.
Abg. Dr. Frick (R.-S.): Rach dieser Rede scheint mir die Wirtschaftspartei regierungsfähig geworden zu sein. (Heiterkeit.) Die Entrechtung der Wartestandsbeamten wird durch dieses Gesetz nicht aufgehoben, sondern fortgesetzt. Das Gesetz bringt neue Eingriffe in wohlerworbene Rechte der Beamten. Das machen wir nicht mit! Damit schließt di« erste Beratung des Gesetzes. Die Vorlage wird dem Haushaltungsausschuh überwiesen.
Da die Tagesordnung erschöpft ist, schließt Präsident Löbe die Sitzung. Am Freitag soll das Sleuervereinheitlichungsgesetz beraten werden. Die Etatdebatte in Preußen.
Keine fristgerechte Verabschiedung des Haushaltsplans.
Berlin, 24. Fan. (TU.) Der A e l t e st e n- r a t >..s jj-Oihischen Landtages hielt am Donnerstag die angekündigte Sitzung ab zur Rach- prüsung der Frage, ob der Anregung des preußischen Finanzministers stattgcgeben werden könne, den neuen preußischen Hau.'halt noch vor Ostern zu verabschieden. Das Bureau des Landtages hatte auftragsgemäß einen Plan vorgelegt, der eine erhebliche Beschrän- tung der Redezeiten vorsieht. Für diese Einschränkung sand sich im Aeltestenrat nicht die erforderliche 2/4- Mehrheit. Der Plan einer Verabschiedung vor Ostern ist damit gescheitert. Es wurde angeregt, die zweite Lesung des Haushalts zum mindesten noch vor Ostern zu erledigen, so daß nach Ostern der Haushalt nach Vornahme der dritten Lesung möglichst bald verabschiedet werden kann. Die Entscheidung über- diese Anregung soll in einer für Freitag angesehten weiteren Sitzung des Aeltestenrats fallen.
Aus eigener Kraft.
Berlin, 25.Jan. (Priv.-Tel.) Das Reichs- juftizmlnifterium dürfte in diesem Jahre auch wieder das seltene Beispiel geben, daß eine Reichsbehörde sich ganz aus eigener Kraft erhält. Es verlautet wenigstens, daß dieses Ministerium bei 16 800 000 Mark Einnahmen nur einen Ausgabenbedarf von annähernd 15 Millioneu verzeichnet und somit einen Ueberschuß von mehr als 1,5 Millionen ergibt. Allerdings hat diese Aufstellung auch ihre Schattenseiten, denn im wesentlichen dürsten die Einnahmen des Reichcjustiz- Ministeriums auf den Patentgebühren des ihm angeschloffenen Patentamtes beruhen. Wesentliche Einnahmen aus der Reichsjustiz, d. h. also aus dem Reichsgericht ufm. kommen nach unseren Informationen nicht in Frage. Schon verschiedentlich hat die Industrie an den hohen Patent-
Clsaßdebaiie in der pariser Kammer.
Paris, 24. Fan. ($11.) Die mit größter Spannung erwartete Elfah-Debatte begann mit einer einstündigen Rede des regierungstreuen elsässischen sozialistischen Abgeordneten Grum- 6 ad). Während der ersten zwei Stunden verlies die Sitzung verhältnismäßig ruhig. Die Tribünen waren ganz teilnahmslos. Rur Poin- c a r 6, der die ganze Zeit über der Sitzung beiwohnte, machte mehrmals von feinem Platze aus charse Zwischenbemerkungen, mit denen er aus die Beziehungen der Autonomisten zu den Kommunisten hinwies. — Grumbach be- chwor die Kammer, vor dem 3n- und Auslande die nationale Würde zu bewahren. Er entwickelte den bekannten sozialistischen Standpunkt, der keinerlei Verständnis für die Eigenart des Elsaß' zeigt und den elsässischen lebensnotwendigen Forderungen nur spärliche Zugeständnisse machen will. Den Beweis für seine Behauptungen blieb Grumbach der Kammer schuldig.
Der katholisch-demokratische Abgeordnete Brom bemühte sich dann um den Rachweis, dah die Fehler im Elsaß nicht von den Katholiken begangen worden seien. Frankreich habe dem Elsaß unbestreitbar zahlreiche Wohltaten gebracht, aber ernste Fehler seien trotzdem begangen worden. Rach dem Waffenstillstand habe man im Elsaß ein grenzenloses Vertrauen zu Frankreich gehabt, aber man habe nur an d i e reiche Bourgeoisie gedacht, ohne sich um das Volk zu kümmern. Auch sei das Gerechtigkeitsgefühl des Volles nicht beachtet worden. Angeklagte hätten vor Richtern erscheinen müssen, die ihre Sprache nicht verstan- d e n. Bei den geringsten Kleinigleiten führe man die Leute geschlossen vor den Richter. — Der Abgeordnete Brom beschwör zum Schluß Frank» reich, es möge sich Müh« geben, das Elsaß zu verstehen. Durch das Elsaß könne Frankreich Deutschland erreichen und umgekehrt.
P 0 i n c a r 6 protestierte gegen die Behauptung des Abgeordneten Brom, als seien die Elsässer einem System der Verfolgung ausgesetzt. Er könne im Gegenteil Beweise dafür liefern, dah Geschworene vom Colmarer Prozeh fortgesetzt den stärksten Angriffen ausgesetzt gewesen seien.
Der elsässische Abgeordnete M i ch e l Walter erklärte, allmählich habe sich durch daS systematische Richtverstehen der sozialen Probleme ein Unbehagen herausgebildet. Das Elsaß habe niemals auf seineMuttersprache verzichtet. Die elsässischen Rationalisten seien nicht Agenten des Auslandes. Die Bedrohung mit einem Druck hätte bei den Elsässern niemals Erfolge gehabt, selbst nicht unter der deutschen Herrschaft.
Das Elsaß wolle unter keinen Umständen auf seine partikularistifchen Fdeen verzichten und werde den Versuchen der Regierung, die Vereinheitlichung der Verwaltung auch im Elsaß durchzusü)re.i, den häveften W derftand entgeg n° setzen. Fmmer stärker werde die Bewegung, die sich gegen die Pariser Ausgleichsbemühungen richt«. Er, Walther, und seine Freunde seien niemals weitergegangen, als eine Autonomie innerhalb Frankreichs zu fordern. Das Elsaß sei von keinerlei auswärtigen Einflüssen abhängig und weise jeden Vorwurf, den man ihm mache, zurück. Mit Gewalt werde die Regierung im Elsaß nichts erreidjen. Fede Bemühung, den elsässischen Autonomismus zu unterdrücken, werde vergeblich verpuffen. Der Prvzeh von Colmar bedeute eine große Ungerechtigkeit, Männer. wie Karl Hauh und Ricklin, die Frankreich während des Krieges die größ- ten Dienste erwiesen hätten, hatten das Schicksal, das man ihnen bereitet habe, nicht verdient. Könne man wirklich behaupten, daß die elsässischen Autonomisten keine wahren Patrio- len seien? Der Autonomismus sei nichts anderes als ein französisches föderalistisches
Programm. Der Redner verlangte di« Zurückziehung aller Maßnahmen, die gegen den Heimatbund ergriffen worden seien und ein« Amnestie zugunsten der Verurteilten von Kolmar, die Freiheit der Presse und die Abberufung der Spitzel.
Zum Schlüsse der Sitzung kam es zu einer erregten Kundgebung. Nachdem der Abg. Walther die Tribüne verlaßen Halle, erhob sich
poincar^
und erklärte, die Redner hätten ohne Ausnahme nur von den Fehlgriffen der franzöfifchen Regierung gesprochen. Manche Irrtümer gebe er zu. doch hätten sie es ängstlich vermieden, darauf hinzuweifen, wie große Verdien ft e sich Frankreich in den letzten zehn Jahren um das Elsaß erworben hätte. Poincare erklärte in sehr erregtem Tone, es fei zwar nicht angebracht, nachzuforschen, welche Haltung Elsässer während des Krieges eingenommen hätten, als sie sich mit dem deutfchen Regime hätten abfinden müssen, aber man dürfe
doch nicht zu weit gehen. Ricklin habe als Präsident des Landtages nicht nur eine deutsche, sonder» sogar eine kaisertreue Erklärung abgegeben; denn er habe eine feiner Reden mit dem Ruf geschlossen: „Es lebe Elsaß-Lothringen, es lebe Deutschland, es lebe der Kaiser!" Poincacrö verlas darauf einen längeren Artikel aus der „Gazette des Ar- dennes", in dem Dr. Ricklin betont habe, daß die Elsaß-Lothringer nicht wollten, daß der Krieg um ihretwillen anbauere; denn das Elsaß wolle deutsch bleiben. Wer dies geschrieben habe, der dürfe sich nicht an die Spitze einer separatistischen Bewegung stellen. Die Zeitungen dieser Bewegung dürften nicht wagen, die französische Re- gierung anzuklagen, daß sie für den Krieg verantwortlich fei und baß sie bas Massaker fortgefe ;t habe, um bie Elsässer entgegen ihrem Willen zu Franzosen zu machen. Diese Minberheit wolle ganz Frankreich stören unb belohne Frank- reich schlecht, bas für bas Elsaß boch sehr viel getan habe. Eine solche Belohnung fei ber größte Schmerz für einen Franzosen.
Oie Schwierigkeiten der Koalition.
Eine sozialdemokratische Darstellung der Lage. - Parteien und Kabinett. Das Jtcid) und preußm. — Ein interfraktioneller Ausschuß?
Berlin, 25.Jan. (prlv.Tel.) Der Sozial- bemokralifche Pressedienst schreibt zu ber Frage ber Regierungskoalilion im Reich u. a.: Ls ist selbstverständlich, baß bie bisherige Form bes Regierens, bie sog. lockere Binbung, ihre Grenzen Hst, unb es kann kaum einem Zweifel unterliegen, bah wir uns einem kritischen Moment nähern. Lr liegt in der Rolwenbigkeil, ben Etat zu verabschieben unb für bas Defizit eine Deckung zu finben. Daraus ergibt sich für ben Reichskanzler bie Jlotroenbigteit, jetzt, ohne zunächst ossizielle Derhanblungen zu eröffnen, mit ben leitenden Stellen ber einzelnen Parteien Fühlung zu nehmen unb ba» Terrain zu f 0 n - bieten. Mit biefen Unterhaltungen ist denn auch bereits am Mittwoch begonnen worben.
Sicherlich werben Sozialdemokraten, Demokraten, Zentrum unb Deutsche volksparlei — bie Bayerische Volkspartei nimmt eine Sonberstellung ein — bie Frage nach ihrer grunbsählichen Bereitschaft zu einer koalitionsmäßigen Binbung m i t einem 3 a beantworten. Richt ganz so gewiß ist es, ob sie alle auch gewillt siub, auf eine neue Diskussion ber sachlichen Voraussetzungen zu verzichten. Aber bamit siub bie Schwierigkeiten noch nicht beseitigt. Sie liegen jetzt insbesoubere auf bem Gebiet ber zahlenmäßigen Vertretung ber einzelnen Fraktionen im Kabinett. Mit biefen Schwierigkeiten aber ist es noch nicht genug. Die Volkspartei hält an ihrem Anspruch aus Hinzuziehung zur preußischen Regierung fest 3hre Parole lautet: Ohne Preußen keine Koalition im Reich, unb ob sich nun bie preußische Frage so schnell eriebigen läßt, wie bie Situation im Reich es erforbern würbe, ist fraglich.
Man konnte nun auf ben Ausweg verfallen, wenn bie eigentliche Große Koalition zur Zeit nicht zu erreichen ist, einen interfraktionellen Ausschuß auf bie Beine zu stellen, ber über bie jeweilig strittigen Fragen eine Verständigung herbeiführt. Indessen scheint auch diese Lösung keine allgemeine Zustimmung zu finden, unb
wir stehen vor ber Frage, ro i e benn nun eigentlich bas Schiff über bie Klippen ber nächsten Zeit, namentlich übet bie bes Llals unb bet Deckungsgesehe, hinweggebrachl werben soll. Unter allen Umffänben, auch wenn eine Binbung zustaube kommt, wirb eine Verstänbigung über bie Probleme, bie uns jetzt auf ben Leib rücken, nicht leicht her- beizufühten fein. Aber immerhin wären bie Aussichten unenblich viel günstiger, als wenn bie Fraktionen aufeinanber gcr keine Rücksicht zu nehmen brauchten. Das wäre bann bie Ktifi », unb bie, bie es angeht, sollten es sich wohi überlegen, ob sie es auf biefen Ausgang ankommen taffen wollen unb wie sie sich bie Beenbignng ber Krisis denken.
Oie Oemokraien zum Haushaltsdefizit.
Statt Steucrerhöhung weitgehende Ersparnisse.
Berlin, 24. Fan. (Telun.) lieber die Frak- tionssihung der dernokralischen Reichstagfraktion wird folgendes Kommunique ausgegeben: „Die deutsch-demokratische Reichstagsfraktion hat sich in zwei Fraktionssihungen mit den Fragen des neuen Haushalts beschäftigt. Hierbei wurde allseits die Aufsassung vertreten, daß man der bisherigen Haltung der Fraktion entsprechend danach streben sollte, den Haushalt unter möglichster Vermeidung einer Verstärkung der Gesamt st euerla st vermöge weitgehender Ersparnisse namentlich auch im Wege der Beschränkung einmaliger Sachausgaben ins Gleichgewicht zu bringen. Die Fraktion beschloß, Vorschläge auszuarbeiten, aus deren Verwirklichung sie eine wesentliche Herabsetzung des Defizits erhofft. Für unbedingt geboten hält sie jedoch, daß rechtzeitig zwischen den in der Regierung vertretenen Fraktionen eine Vereinbarung zustande kommt, damit die einzelnen Teile der Regierungsmehrheit nicht gegeneinander arbeiten, sondern sich über die gemeinsame Lösung der unbestreitbar vorhandenen großen Schwierigkeiten verständigen."
gebühren, die ben Etat des Reichsjustizministeriums so günstig gestalten, Kritik geübt, aber bie Regierung vertritt nach wie vor ben Standpunkt, bah si« auf diesen wesentlichen Einnahmeposten nicht verzichten könne.
Fleischzölle.
Tie Landtagsrcde des Preußischen Landwrrtschastsministcrs
Berlin. 25.3an. (Priv.-Tel.) Zollerhöhungen sind zumeist ein zweischneidiges Schwert. Sie veranlassen sehr oft die Gegenseite, auf jede Zollhinaufsehung mit zwei anderen zu antworten. Ein Staat, der Wert auf gute Wirtschaftsbeziehungen zu seinen Rachbarn legt, wird sich infolgedessen stets bemühen, zu vernünftigen Zollvereinbarungen zu gelangen. Deutschland hat in sämtlichen Han delsvertr agsver Handlungen Der letzten Fuhre versucht, auf dem Wege der Meistbegünstigung oder in anderer Weise ftir.er Wirtschaft eine gröhereBewegungs- freihert zu verschaffen. Bis zu einem gewissen Grade ist das bei der F n d u st r i e gelungen. Di« Landwirtschaft dagegen Hal vieliach Opfer bringen müssen, ohne daß rhr ausreichende Gegenleistungen anoeboten werden konnten. Tatsächlich ist die Rot unserer Landwirte zum Teil auch mit auf die ungehemmte Einfuhr ausländischer Lebensmittel zurückzuführen, mit deren Preisgestaltung sie wegen der eigenen finanziellen Lasten und Geste- hungskosten^ nicht Schritt haften können.
Irgend etwas zur Linderung der Rot der Land
wirtschaft muß aber nun endlich geschehen, wollen wir nicht eines Tages mitten in einer Kator- strophe stehen. Wie es scheint, ist man innerhalb der von den Sozialdemokraten beherrschten Regierung Preußens zu der ftleberzeugung gelangt, daß sich die E r Hw h u n g der F le is ch z ö l le auf die Dauer nicht mehr umgehen läßt. Die Rede des Landwirtschaftsministers Steiger im Landtag, die er unzweifelhaft im vollsten Einverständnis mit seinen sozialdemokratischen Ministerkollegen gehalten hat. läßt darauf schließen, daß man bei der Reichsregierung in diesem Sinne vorstellig werden will. Es wäre töricht, sich nun irgendwelchen Hoffnungen hinzugeben, die sozialdemokratische Partei als solche hat wiederholt sehr vernünftig« Pläne eigener Parteigenossen zunichte gemacht. Fnteressant ist es aber, daß man im Preutzenkabinett sich doch ^.iv.lch für landwirtschaftlich« Schutzzölle zu erwärmen beginnt
Kein Arbeiisbeschaffungsprogramm.
Berlin, 25. Fan. (Priv.-Tel.) Wie wir hören, beschäftigt man sich an zuständigen Stellen Aur Zeit mit der Frage, ob angesichts des hohen Standes der Arbeitslosigkeit die Ausstellung eines Arbeitsbesch afsungs- Programms von feiten der Regierung ratsam unb möglich ist. Inzwischen liegt auch in dieser Richtung ein Antrag der Kommunistischen Partei vor. der ein ausgedehntes Arbeits- beschasfungsprogramm fordert. Die verantwortlichen Steifen scheinen aber übereinstimmend die Ansicht zu vertreten, daß zur Zeit die Auf
stellung eines erweiterten Arbeitsbeschafsungs- programms nicht möglich ist. Außerhalb der ohnedies vorgesehenen Etatsmittel für die produktive Erwerbslosenfürsorge ist das Reichssinanzministerium nicht in der Lage, zur Zeit weitere wesentliche Gelder zur Verfügung zu steilen. Zudem macht man geltend, daß nach den bisherigen Erfahrungen nur ein sehr gut d u r ch g e a r b e i t e t e s Programm die notwendigen finanziellen Auswendungen rechtfertigt, da produkftve Erwerbslosenfürsorge auch im volkswirtschaftlichen Sinne produktiv sein muh.
Der Bolschewismus in Arabien.
London, 25. Jan. (WTB. Funkspruch.) Nach der „Times" ist in London die Nachricht eingegan- gen, daß nach mehrmonatigen Unterhandlungen ein Handelsvertrag zwischen einer Sowjet- Mission und dem Jman Jahja des arabischen Königreichs Jemen unterzeichnet worben ist. Das Blatt sagt: Der Vertrag hat eine große wirtschaftliche Bedeutung. Da er aber eine ftänbige Handelsdelegation mit diplomatischen Privilegien vorsieht, kann er von Agenten der kommunistischen Internationale dazu benutzt werden, den Jemen als Zentrale für ihre Propaganda in Indien zu verwenden. Die Beziehungen zwischen Jman Jahja und dem Protektorat Aden sind (eit einiger Zeit nicht g u t und man glaubt, daß sie mindestens zum Teil auf die Anwesenheit von Sowjetagenten in ber Hauptstadt des Jemen, Sanaa, zurück- zuführen sind.


