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Indem ich der Hoffnung Ausdruck gebe, daß sich Ihre große Arbeitskraft und Erfahrung im Inter- effe unseres Vaterlandes weiterhin auswirken möge.
italienischen Vorbesprechungen angeregt habe, finde die volle Unter st ühung Frankreichs. In der Driand am Samstag vom italienischen Botschafter überreichten Bote sei dieser Gedanke näher erläutert worden. Der vorgesehene Mittelmeerpakt, der entweder das im Zusammenhang mit der Washingtoner Konferenz abgeschlossene Pacific-Abkommen oder das Locarno-Abkommen zum, Muster nehmen werde, würden außer Frankreich und Italien auch England und auf Grund einer Pariser Unterredung auch Spanien beitreten.
mit schwerster Sorge und Mißtrauen erfüllen. Deswegen, Standesgenossen, fordern wir auf, in unsere Reihen einzutreten!"
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Oie Haager Konferenz.
Optimistische Stimmung in Paris.
P a r i s, 23. Dez. (WTB.) Das „Echo de Paris" bemerkt zu der gestrigen Unterredung zwischen Ministerpräsident T a r d i e u und Premierminister Iaspar, daß als Zeitpunkt für die Eröffnung der zweiten Haager Konferenz der 3.Januar beibehalten werde. Entgegen gewissen Gerüchten habe Iaspar nicht um eine Späterlegung der zweiten Haager Konferenz ersucht. In Regierungskreisen sei man über den Ausgang der Konferenz ziemlich o p t i m i st i s ch, und man glaube sogar, daß diese Konferenz in einer Woche zum Abschluß gebracht werden könne. Ministerpräsident T a r - dien werde die französische Delegation führen und bis zum Schluß der Konferenz im Haag verbleiben.
Ungarns Standpunkt auf der zweiten Haager Konferenz.
B u d a p e st, 23. Dez. (WTB.) Wie „QI Reggel" von maßgebender Stelle erfährt, wird die ungarische Regierüng auch in der zwei- ten Haager Konferenz folgenden Standpunkt einnehmen: 1. Ungarn kann keine neuen Reparationslasten auf sich nehmen. 2. Die ungarische Regierung hält nicht nur an der Aufrechterhaltung des Schteds- s y st e m s fest, sondern fordert auch Bürgschaften für die Vollziehung der Urteile der Schiedsgerichte. 3. Die vor das Schiedsgericht gehörenden Angelegenheiten dürfen auf leinen Fall mit der Reporationsfrage in Verbindung gebracht werden.
Aus aller Welt.
Bier Menschen Opfer eines Schnecsturms.
Breslau, 23. Dez. (WTB.) Der „Schlesischen Zeitung" zufolge fanden gestern zwischen Spindlerbaude und Prinz-Heinrich- Baude im Riesengebirge zwei Herren und eine Dame im Schnee st urm den Tod. Eine vierte Person wird vermißt.
Ueker das Touristenunglück werden folgende Einzelheiten bekannt: Es handelt sich um eine Berliner Gesellschaft, bestehend aus zehn Personen, die zwischen der Prinz- Heinrich-Vaude un) der Spindler-Baude in unübersichtlichem Gelände den Weg verlor. Drei von ihnen kämpften sich schließlich biS zur Prinz-Heinrich-Baude durch. Sie kamen in halber st ar rt em Zustande dort an und erzählten von dem Unfall. Eine sofort in die OLcse geleitete Hilfsexpedition fand gegen Mitternacht noch drei Personen, ebenfalls in^halberstarrtem Zustande auf. die sie nach dec Spind- ler-Daude transportierte. Heute morgen wurden drei weitere Personen aufgesunden, die aber bereits tot waren. Es handelt sich hierbei um zwei Herren und eine Dame aus Berlin: eine vierte Person aus Hirschberg, ein Mann namens Les sei, toutce später auch als Opfer des Schneesturmes erfroren aufgefunden.
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Attentatsplan gegen die belgische Königssamilie.
Brüssel, 24. Dez. (WTB. Funkspruch.) Die belgische Telegraphenagentur verbreitet Mitteilungen des Blattes „Independance Beige" über die Verhaftung des italienischen Anarchisten Berneri in Belgien, dec Briefe an den belgischen Ministerpräsidenten und zwei seiner Kollegen gerichtet habe, in denen Drohungen gegen sie erhoben wurden, für den Fall, daß die königliche Familie ihre Zustimmung zur Verehelichung der Prinzessin Marie-Iosä mit dem Kronprinzen von Italien, Umberto, geben sollte. Das Blatt meldet weiter, daß die italienische Polizei einen Attentatsplan entdeckt habe.
Das Attentat sollte gegen die belgische königliche Familie verübt werden, wenn sie sich zur Teilnahme an den hochzeiksseierlichkeiten nach Rom begeben würde, und zwar sollten in Mailand Bomben geworfen werden.
Berneri habe sich als Organisator der Verschwörung bekannt und eingestanden, daß er nach Brüssel gekommen sei, um einen Anschlag gegen den italienischen Iustizminister Rocco zu verüben, wenn dieser am 27. Dezember zu einer Konferenz in Brüssel weilen würde. Schließlich meldet die „Independance Belge", daß eine zweite Verhaf tung gleichzeitig mit der Berneris vorgenommen worden sei. Es handele sich hierbei um einen* Brüsseler Einwohner namens Pascale Rusconi.
Beurlaubung des Staatssekretärs Schmid.
Berlin, 23.Dez. (WB.) Der Staatssekretär im Reichsministerium für die besetzten Gebiete, Schmid, hat die Reichsregierung um seine Beurlaubung nachgesucht, die ihm mit Wirkung vom heutigen Tage bewilligt worden ist.
(Staatssekretär Schmid hatte in seiner Eigenschaft als Reichstagsabgeordneter der Deutschen Dolkspartei bei dem Vertrauensvotum im Reichstag gegen die Regierung gestimmt.)
„Ein Sieg Or. Schachts."
Paris, 23.Dez. (WTB.) Der Rücktritt des Reichsfinanzministers Dr. H i l f e r d i n g wird von der Morgenpresse als ein Sieg Dr. Schachts bezeichnet und dessen Ernennung zum Delegierten für die zweite Haager Konferenz als ein Beweis dafür, daß Deutschland dort Forderungen vorbringen werde.
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Vom Volksentscheid zum Gericht
Ein Ausruf des Reichsausschuffes.
Unglück auf See.
Ern chinesischer Dampfer mit 250 paffag eren gesunken.
Hongkong, 23.De;. (IBB.) Der chinesische Dampfer „L i k s ch e o n g", der rund 2 5 0 ch i - nesische Passagiere, darunter Frauen und Kinder, und eine chinesische Besatzung an Bord halte, ist heute nacht kur; nach dem Verlassen des Hafens Sroabue in der südchinesischen Provinz ftroan- iung im Sturm untergegangen. Rach den bisherigen Berichten konnten sich nur zwei Matrosen retten, während alle Passagiere er- trunken sind.
Schiffbruch eines italienischen Dampfers.
Paris, 23.Dez. (WB.) Die Funkstation von Marseille hat einen Funkspruch des Dampfers „I m e r e t h i e" aufgefangen, der gestern von Oran in See gegangen ist und in der Rähe der Balearen den italienischen Dampfer „Leonardo" in Seenot treibend enge» troffen hat. Er nahm die aus Kapitän und elf Mann bestehende Besatzung des italienischen Dampfers an Bord. Das Wrack des „Leonardo" treibt in südlicher Richtung ab.
Unwetter an der spanischen Küste.
Sechs Fischer ertrunken.
Paris, 24.Dez. (WTB. Funkspruch.) Wie aus Huelva berichtet wird, sind zwei spanische Fischkutter im Rebel zusammen g e st o ß e n. Einer der Fischkutter wurde leck und sank in wenigen Minuten. Die Mannschaft konnte bis auf drei Mann, die ertrunken sind, von dem anderen Kutter gerettet werden.
Rach einer Meldung aus S a n L u c a r herrscht an der ganzen spanischen Küste äln- Wetter, so daß keine Schiffe auslaufen können. Ein Fischkutter, der trotz des Sturmes das Meer zu gewinnen suchte, schlug um. Drei Mann der Besatzung ertranken.
Wettervoraussage.
Von dem neuen nordwestlichen Tiefdruckgebiet hat sich ein Teilwirbel gebildet, der heute morgen über Holland und dem Kanalgebiet lag. Er verursachte an seiner Vorderseite Temperaturanstieg, Trübung und verbreitete Niederschläge. Dabei gestaltet sich über Deutschland das Witterungsbild wie folgt: Zunächst haben wir im Osten Deutschlands durch den Hochdruckeinfluß Kälte bis zu 10 Grad: sie nimmt westwärts stark ab und liegt bei uns um Null Grad, im östlichen Deutschland erreichen die Temperaturen 6 Grad über Null. Entsprechend verteilen sich auch die Niederschläge. Oestlich von uns gehen sie in. Form von Schnee, westlich in Form von Regen nieder. Die Erwärmung wird sich durch den <5tö- rungseinfluß weiter durchsetzen, so daß die zunächst noch auftretenden Niederschläge auch bei uns mehr in Regen übergehen. Die Temperaturen steigen zu- nächst an.
Wettervoraussage für Mittwoch. Wechselnde Bewölkung, milder, zunächst noch zeitweise Q^jederschläge, meist in Form von Regen.
Mitterungsaussichten für Donnerstag: Teils wolkig, teils au'heitcrnd, Temperaturen schwankend, jedoch nicht stürk.r zurück- gehend, nur vereinzelte Riederschläge wahrscheinlich.
Lufttemperaturen am 23. Dezember: mittags 1,4 Grad Celsius, abends — 0,2 Grad: am 24. Dezember: morgens —1,7 Grad. Maximum 1,6 Grad. Minimum —2,6 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 23. Dezember: abends — 1,0 Grad: am 24. Dezember: morgens -s- 0,6 Grad Celsius. — Riedcrschlag 6,1 Millimeter Schneehöhe 8 Zentimeter.
Amtliche Dintersporlnachrichten.
Vogelsberg (Hoherodslopf): Schneetreiben, minus 7 Grad, 12 Zentimeter Schnee, 8 Zentimeter Reuschnee, Pappschnee, Ski und Rodel sehr gut. — (Herchenhainer Höhe): Schneetreiben, minus 6 Grad, 12 bis 15 Zentimeter Schnee, 10 Zentimeter Reuschnee, Pappschnee, Ski und Rodel sehr gut.
Odenwald (Tromm): Regen, plus 3 Grad, Sportmcg ichkeit: keine. — (Qkcu.rlirchen): D dccit, minus 1 Grad, 7 Zentimeter Schnee, 5 Zentimeter Reuschnee, Pappschnee, Sli und Rodel mäßig.
Taunus (Kleiner Feldberg): Leichterer Schneefall, minus 4 Grad, 14 Zentimeter Schnee, 6 bis 10 Zentimeter Reuschnee, Pulverschnee. Sportmöglichkeiten für Ski und Rodel.— Sauerland (Winterberg): Leichter Schneefall, minus 7 Grad, 15 Zentimeter Schnee, Pulverschnee, Sportmöglichkeit für Ski und Rodel gut. —
Schwarzwalds Feldberg): Bewölkt, 0 Grad, 45 Zentimeter Schnee, Firnschnee, Sportmöglich- keit nur für Rodel möglich.
Alpen (Garmisch-Partenkirchen): Bewölkt, 0 Grad, 18 Zentimeter Schnee, Pappschnee, Sport- möglichkeit für Ski und Rodet sehr gut
Im „Abend" heißt es: Die Hugenbergfront ist das Gegenstück zu den Kommunisten. Ihre Hoffnung ruht nicht darauf, daß sie einmal die Mehrheit des Volkes gewinnen könne, sie richtet sich auf Putschistische Unternehmungen. Der Reichsausschutz des Herrn Hugenberg tröstet sich, daß es sich nur um ein Vorgefecht handele. Das scheint eine optische Täuschung zu sein. Richt Vorgefecht, sondern Rückzugsgefecht! Die um Hugenberg haben in Deutschland keine Zukunft.
Die „Deu t sche Zeitung" spricht von einem Sieg des Volksentscheides und sagt: Ein überwältigender Erfolg! Wagemut und Kampfgeist haben die nationale Angriffsfront ein gewaltiges Stück in das feindliche Feld vorgetragen.
Der „Lokal anzei ger" führt aus: Die Zahl der Wachenden und Wollenden ist nicht zurückgegangen, sondern hat sich vermehrt. Wer sich zum Volksbegehren eingetragen hatte, ist dem nationalen Sturmbanner treu geblieben und hat andere zu ihm mitgerissen.
Die „Kreuzzeitung" schreibt: Das Ergebnis von beinahe sechs Millionen bleibt zwar immer noch hinter der Gesamtstimmenzahl der hinter dem Volksbegehren stehenden politischen Gruppen bei den letzten Reichstagswahlen zurück, es zeigt aber dem In- und Ausland den erwachenden Willen des deutschen Volkes zur Selbstbestimmung seines Schicksals auf anderen Wegen, als dem seither betretenen.
Die „Deutsche Tageszeitung" weist darauf hin, daß es nicht gelungen ist, die Millionen heranzuholen, die bei richtiger Anlage für diesen großen nationalen Kampf doch wohl hätten herangeholt werden können. Der Kampf gegen die drohende Tributknechtschaft darf, so betont das Blatt, mit der gestrigen Abstim- mung nicht zu Ende sein. Er muß vielmehr fortgesetzt werden. Dabei ist freilich notwendig, für ihn die breite sachliche Grundlage zu suchen, auf der allein doch noch ein Erfolg möglich ist.
Oer amerikanische Staatssekretär zum Volksentscheid.
Washington, 23. Dez. (WTB.) Staatssekretär S t i m s o n bemerkte zu den Meldungen über das Ergebnis des deutschen Volksentscheids, er wolle sich nicht in innere deutsche Angelegenheiten einmischen, jedoch halte er, wie er bereits am 31. August d. I. anläßlich der Einigung im Haag aus geführt habe, den QZoungplan für eine Verbesserung gegenüber der bisherigen Lage und sehe in ihm einen erheblichen Schritt vorwärts zum Wohle ganz Europas. Aus diesem Grunde freue er sich, daß der Poungplan gestern vom deutschen Volke nicht abgelehnt worden sei.
Aufruf zur Gründung steierischer Bauernwehren.
Wien, 24. Dez. (WTB. Funlspruch.) In einem Aufruf, den die Vertrauensmänner des Landbundes zur ©rünbui.g eigener st e i e- rischer Bauernwehren verbreiten, heißt es u. a.: „In den Sturmjahren 1918 '19 hat die Bauernschaft des steirischen Hinterlands Bauernwehren geschaffen, die das steirische älnterland vom Feind befreiten. Die Bauernwehren werden auch heute dem Feind gewachsen fein, der fortgesetzt von Diktatur spricht und sie bald links, bald rechts errichten will, um eine einseitige Herrschaft einiger machthungriger Leute herbeizuführen. Die ewigen Unruhen, welche ohnehin die schwer leidende Wirtschaft ganz zugrunde richten, müssen endlich ein Ende nehmen. Wir wollen Ruhe und Arbeitsfrieden und sonst nichts. Die Bauernwehren treten geschlossen hinter den Bundeskanzler S ck o b e r auf den festen Boden der Cßerfaffung uno demokratischen Republik. Sie lehnen die Diktatur der Roten, ebenso wie die der Reaktion ab. Die oberste Führung des Heimatschuhes geht Wege, welche die Bauernschaft
Ein Miitelmeerpaki?
Paris, 23. Dez. (WTB.) „Reuhork Herald" zufolge ist in hiesigen Kreisen' von einem besonderen Sicherheitsabkommen unter den Mittelmeermächten die Rede, das auf der Londoner F l o 11 en k o n fe re nz I Gestalt annehmen konnte. Dieser Gedanke, den l die italienische Regierung bei den französisch-
tte Haager Konferenz sehr wesentlich überdauere.
Der „B ö r s e n»C o u r i e r' weist darauf hin, daß die Sozialdemokratie in bedenklicher Weise über die gesamte Arbeitsverwaltung verfüge. Das jetzt noch einigermaßen gewährleistete Gleichgewicht zwischen den Rücksichten auf das Arbeitgcbertum und denen auf das Arbeitnehmer tum fei gestört, wenn die Sozialdemokratie das Arbeits- und Wirtschafts- Ministerium beherrsche.
Der „Lokalanzeiger" schreibt, mit dieser Llmbesetzung der Ministerien feien die «sachlichen Schwierigkeiten keineswegs gelöst. Die Wirtschaft werde der Volkspartei kaum vergessen, daß sie ihre Belange der So- zialdemokratie ausgeliefert habe.
Die „Deutsche Tageszeitung" kommt zu dem Schluß, daß das Aktivum dieses ministeriellen Revirements die Abhalfterung des Herrn Dr. Hilf er ding stark beeinträchtige, wenn nicht überhaupt illusorisch werde durch die Auslieferung des Wirtschaftsressorts an einer Sozialdemokraten.
Der „Vorwärts" nimmt zu der Reubesehung der beiden Ministerien nicht Stellung. Er verweist auf eine Zusammenkunft des Vorstandes der sozialdemokratischen Reichstagssraktion am Montag nachmittag, in der versucht worden fei, die Bedenken des Abgeordneten Dr. Hertz gegen die älebernahme des Reichsfinanzministeriums zu zerstreuen. Dr. Hertz habe sich aber nicht entschließen können, das Reichsfinanzministerium zu übernehmen.
Or. Hertz hat verzichtet.
Berlin, 23. Dez. (Priv.-Tel.) Reichstagsabgeordneter Dr. Hertz (Soz.) hat lt. „Vorwärts" geglaubt, das ihm angetragene Amt des Reichsfinanzministers nicht annehmen zu können. In einer Zusammenkunft des Vorstandes der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion hat Dr. Hertz am Montagnachmittag die lebhaften sachlichen Bedenken, die er gegen eine Llebernahme des Finanzministeriums hegt, zum Vortrag gebracht. Hierauf begab sich der Reichskanzler, der der Sitzung beiwohnte, zum Reichspräsidenten, um ihm den bisherigen Wirtschaftsminister Moldenhauer (D. Vpt.) als Finanzminister und den sozialdemokratischen Abgeordneten Robert Schmidt, Berlin, als Wirtschaftsminister vorzuschlagen.
Briefe des Reichskanzlers.
An Hi-ferding.
Berlin, 23. Dez. (WB.) Amtlich. Der Reichskanzler hat an den Reichsfinanz- minister a. 5). Dr. Hilferding das folgende Schreiben gerichtet:
„Sehr geehrter Herr Reichsminister!
Im Auftrage des Herrn Reichspräsidenten übermittele ich Ihnen die älrkunde, wonach der Herr Reichspräsident Sie in Genehmigung Ihres Antrages vorn 20. Dezember d. I. von Ihrem Amt als Reichsminister der Finanzen entbunden hat.
Es ist mir ein aufrichtiges Bedürfnis, bei Dieser Gelegenheit zum Ausdruck zu bringen, .mit wie großem Bedauern ich Sie aus dem Reichskabinett scheiden sehe. Ihr reiches Wissen auf allen Gebieten der Finanz- und Wirtschaftspolitik wurde von allen Mitgliedern des Reichskabinetts stets in hohem Maße geschäht Ich gedenke mit besonderem Dank Ihrer wertvollen Mitarbeit bei den während der Dauer Ih.er Am'.stä.ig eit geführten Reparationsverhandlungen, insbesondere den schwierigen und verantwortungsvollen älnlerhandlun- gen während der Haager Konferenz. Roch in den letzten Tagen haben Sie maßgeblich zum Erfolg großer Geseheswerke beigetragen. Ich tnenne nur die soeben vom Reichstag verabschiedete Reuregelung der Zollgesetzgebung, Deren Auswirkungen für unser gesamtes Wirtschaftsleben von größter Bedeutung sein werden. Auch für die kommende Reform der Fi- nanzgesehgebung des Deutschen Reiches haben Sie durch Gestaltung des von der Reichs» regierung dem Reichstag Vorgelegen Finanz- Programms und einer Anzahl von wichtigen Gesetzesvorlagen eine Grundlage geschaffen, die für die späteren Arbeiten auf diesem Gebiet von größter Bedeutung sein wird.
Wer mit Ihnen gemeinsam gearbeitet hat, weiß, daß diese Ihre unermüdliche Tätigkeit dem ernstesten Pflichtgefühl und stärkster Hingabe an Die schwierigsten Aufgaben entsprang. Ich darf Ihnen bei Ihrem Scheiden meinen und allen Ihrer Ministerkollegen aufrichtigen Dank aussprechen.
In vorzüglicher Hochachtung bin ich
Ihr sehr ergebener Müller."
An Popih.
An den Staatssekretär i. e. R. Professor Dr. P o - p i tz hat der Reichskanzler unter dem 23. d. M. das folgende Schreiben gerichtet:
„Sehr geehrter Herr Staatssekretär!
Der Herr Reichspräsident hat Sie auf Ihren, dem Herrn Reichsminister der Finanzen am 19. Dezember vorgelegten Antrag in den einstweiligen Ruhestand versetzt.
Ich nehme die lleberfenbung dieser Urkunde gern zum Anlaß, um Ihnen namens der Reichsregierung für Ihre in langen Jahren dem Deutschen Reich geleisteten großen Dienste aufrichtigen Dank auszusprechen.
Sie haben die Finanzpolitik Deutschlands in xefjn entscheidungsreichen Jahren maßgeblich beeinflußt. Ihrer wertvollen Mitarbeit bei der ersten großen Steuergesetzgebung des Jahres 1919 folgte die von Ihnen wesentlich bestimmte Steuernotgesetzgebung des Jahres 1924, durch die die Grundlagen für die Stabilisierung der deutschen Währung geschaffen wurden. Mit der bedeutsamen F i n a n z r e f o r m von 1 925, die die Aufrick)- tung eines normalen Steuersystems nach der Stabilisierung zum Ziele hatte, wird Ihr Name stets verbunden sein. Auch Ihrer tätigen Mitwirkung bei den Fragen der Reichsreform, sowie Ihrer vorbereitenden Arbeiten für die bevorstehende F i - nanzreform darf ich dankend gedenken.
In einer einzigartig dastehenden Weise haben Sie die schweren und umfassenden Probleme des Finanzausgleiches beherrscht und sich auf diesem Gebiet große Verdienste erworben.
Bei all Ihren Arbeiten, die Sie mit besonderer Entschlußfähigkeit und Tatkraft durchführten, haben Sie sich stets mit ganzer Kraft für die Staatsidee und Staatsautorität eingesetzt. Ihnen hierfür noch besonders zu danken, ist mir Bedürfnis.
Berlin, 23. Dez. (TU. Funkfpruch.) Der Reichsausfchuh für das Volksbegehren erlaßt folgenden Aufruf:
„6 Millionen verantwortungsbewußter Deutscher haben sich allem Wahlterror der Regierung zum Trotz zu den Forderungen des Volksentscheids bekannt.
6 Millionen verantwortungsbewußter Deutscher haben der Katastrophenpolitik der heuttgen Parteiregierung das Urteil gesprochen!
Da das Freiheilsgeseh weder eine Verfassungsänderung enthält, noch ein vom Reichstag beschlossenes Gesetz beseitigt, genügt zu seiner A n - nähme die einfache Mehrheit der 3 a- Stimmen. Die Regierung vertritt einen a n - deren Standpunkt, der im Gesetz keine Stühe findet. 3m vertrauen auf die Unparteilich- teil der deutschen Gerichte werden wir das Recht des Volkes weiter verfechten.
Gestützt auf das Ergebnis des Volksentscheides bestreiten wir der Regierung und dem Reichstag die Befugnis zur Fortführung der Poung-Polilik!"
Weitere preffestimmen.
Berlin, 23. Dez. (Priv.-Tel.) Mit Ausnahme der hinter dem Reichsausschuß für das Volksbegehren stehenden Ptesse verzeichnen sämtliche Berliner Blätter die Riederlage der Volksbegehrler mit großer Genugtuung. Es wird darauf hingewiesen, daß die Kosten des nutzlosen Volksentscheids 3,5 Millionen Mark betragen, die zu Lasten des Steuerzahlers gehen.
Das „Berliner Tageblatt" erklärt: Das deutsche Volk hat mit überwältigender Mehrheit sich gegen die Katastrophenpolitik und für die Fortführung jener Befreiungspolitik entschieden, die von Wirth und Rathenau begonnen, von Stresemann fortgesetzt worden ist.
Die „Vossische Zeitung" bezeichnet die Zahl der Reinstimmen in Ostpreußen und in Pommern als auffallend hoch und sagt: Gin deutliches Zeichen des sozialen Druckes, der einen erheblichen Teil der abhängigen Bevölkerung zwang, wenigstens zur Urne zu gehen, da sie eine einfache Richtbeteiligung nicht riskieren durften.
Die „Germania" führt den Zuwachs an Stimmen gegenüber den Eintragungen zum Volksbegehren auf die verhängnisvollen Verwicklungen zurück, in die die deutsche Regierungspolitik der letzten Wochen verstrickt war. Die ernste Krise der Reichsfinanzen habe der Aktion Hugenbergs einige Hunderttausend neue Mitglieder zugefuhrt. Das Zentrumsb^att spricht die dringende Erwartung aus, das die Reichsregierung dieser Lehre Rechnung trage.
Ihr sehr ergebener
Müller.'


