40. Stiftungsfest und beteiligte sich an den Festen der örtlichen Vereine. Der Rechnungsbericht des Rechners Karl Klein zeigte in Einnahme 2960 34 Mk., denen in Ausgabe 2845,37Mk. gegen» überstehen, so daß ein Ueberschuft von 114,97 Mk. verbleibt. San! der eifrigen Tätigkeit des Derems- dieners Philipp Klein konnte die erfreuliche Feststellung gemacht werden, daß keine Beiträge mehr als rückständig ausstehen. Die Rechnung, von den Rechnungsprüfern Ludwig Volk und Wilhelm Feh für richtig befunden, fand die Genehmigung der Generalverfammlung. Der De- richt des 1. Turnwarts Ernst Pfaff gab ein Bild von der Vorwärtsentwicklung des Vereins im letzten (Zähre. Der durchschnittliche Besuch einer Turnstunde betrug 14 bis 15 -Zöglinge und 20 bis 22 Schüler. Das Turn- .und Sportabzeichen wurde von den Turnern Rudolf Ufer und Wilhelm Müller errungen. Lieber den Stand der Frauenabteilung berichtete grauen» turnwart Fritz Morneweg. Die -Zahl der Turnerinnen, einschließlich Schülerinnen, stieg von 20 bei Beginn des Jahres auf 31 am Schluß des Jahres. 62 Turnstunden wurden insgesamt von 1130 Turnerinnen besucht. Die V o r st a n d s» Wahl hatte folgendes Ergebnis: 1. Vorsitzender Sattlermeister Karl W e i ß, 2. Vorsitzender Lehrer Raul. Schriftführer Karl K l i n t e I, 2. Schrift» führer August Müller, Rechner Karl Klein, Zeugwarr Karl Eh ring, 1. Turnwart Ernst Pfaff. 2. Turnwart Heinrich Adolph, Frauenturnwart Fritz Morneweg, Schüler- turnwart Rudolf Jung, Beisitzer Jakob Frey, Heinrich Lang und Wilhelm Weber. Der Termin für das Winterfest wurde auf Samstag, 1. Februar 1930, festgelegt, während einige Wochen später ein Werde turnen in größerem Stile geplant ist.
Z Lollar, 23. Okt. Dieser Tage wurde hier durch den Prüfungsausschuß des Ortsgewerbevereins Lollar und Umgebung die diesjährige Herbst-Gesellenprüfung vorgenommen, der sich acht Lehrlinge, und zwar vier Schreiner, zwei Schlosser, ein Zimmermann und ein Schneider unterzogen. Das Ergebnis der Prüfung war ein recht günstiges, sämtliche Prüflinge bestanden: vier konnten die Rote „gut“ und die übrigen „im ganzen gut" erhalten. An die Prüfung schloß sich eine kleine Feier, bei der der Vorsitzende des hiesigen Ortsgewerbevereins, Spenglermeister Gerhard Fuchs, die Gesellenbriefe überreichte und beherzigenswerte Worte an die Junggesellen richtete. Ebenso wandte sich Berufsschullehrer Eberle in eindrucksvoller Ansprache an diese, worin er besonders den Wert der Fortbildungsschule für den angehenden Handwerker betonte.
> Lollar, 23. Ott. Pfarrassistent Geiß unseres Kirchspiels hat von Mitte Oktober ab seinen Dienst in der ihm übertragenen definitiven Stelle in Ober-Ofleiden angetreten. Daß vorläufig kein Rachfolger für ihn in unser großes Kirchspiel kommt, ist auf den großen Mangel an geistlichem Rachwuchs unserer Landeskirche zurück» zuführen.
> Mainzlar, 23. Oft Mit dem neuen Schuljahr hat unser neuer Lehrer Ricolai, der bis jetzt viele Jahre in Gonterskirchen (Kr. Schotten) tätig war, seinen Dienst hier angetreten.
V Mainzlar, 22. Oft. Zu der bevorstehenden Gemeinderatswahl liegen hier drei Wahlvorfchläge vor, eine Landbundliste, eine unparteiische und eine sozialdemokratische Liste. Spitzenkandidat der Landbundliste ist der Landwirt und seitherige Gemeinderat Wilhelm Müller, auf der unparteiischen Liste steht der Kaufmann und seitherige Gemeinderat W. PH. Schlapp an erster Stelle, während auf der sozialdemokratischen Liste der Former und seitherige Gemeinderat 2oh. Spaar als Spitzenkandidat verzeichnet ist.
> Daubringen, 23. Oft. Da unsere langjährige Krankenschwester Elisabethe G r ö l z aus Mainzlar krankheitshalber ihr Amt in Daubringen niedergelegt hat, beschloß der
Liebe in Ketten.
(Roman von Hans Mitteweider.
Copyright by Martin F uchtwanger, Halle (Saale).
20 Fortsetzung. Nachdruck verboten.
Er küßte sie innig. Stürmische Leidenschaft war nicht seine Art, aber so gefiel er Käthe viel besser, als wenn er überschwenglich seine Gefühle offenbart hätte. Sie waren beide zueinander, als seien sie noch nicht Mann und Frau, als müßte er immer noch um sie werben.
Sie schmiegte sich an ihn und kuschelte sich in ihn hinein, denn in ihr war jetzt alles nur Glück. Jede Sorge war von ihr gewichen, unö wenn ganz im Hintergrund ihrer Gedanken manchmal die Erinnerung an Berndt Klausen wach werden wollte, dann wich sie alsbald wieder zurück. —
Sie lauschte weiter auf das, was Felix sprach.
„Du fragtest mich wegen des Unglücks mit dem Motorrade", sagte er. „Du irrst, wenn du annimmst, daß ich es herbeigeführt hätte. Ich gebe zu, daß ich es hätte vermeiden können, hätten meine Gedanken sich nicht allzuoft mit dir befchäftigt. Aber daß ich etwa die Absicht gehabt hätte, das Leben von mir zu werfen, das — o nein, Käthe, niemals würde mir das ein* fallen. Ich bin der letzte meines Geschlechts, das durch dich wieder aufblühen soll..
Errc tend barg Käthe ihr Gesicht an seiner Schulter. Lind er streichelte zärtlich ihr Blondhaar. Seine Blicke fielen dabei auf das Drief- blatt, das auf dem Boden lag, und er entfann fich dessen, was da geschrieben stand.
„Schahkindel", sagte er weich, „entsinnst du dich, wie du hilflos auf dem Kai standest unö nicht wußtest, wohin du dich in der fremden Stadt wenden solltest? Damals half ich dir. 2lber es wäre doch auch möglich gewesen, daß ein anderer das getan hätte. Lind ich weiß, du würdest ihm vertraut haben, würdest mit ihm gegangen Jein, arglos, wie du es ja heute noch bist. Du fürchtetest dich nicht vor uns Männern, weil du uns nicht kanntest. Lind so bist du damals auch mit Herrn von Dodenstein gegangen, als er dich In dem Restaurant ansprach..."
„Du weißt...?" fragte Käthe atemlos vor Erregung.
„Ich weiß alles", bestätigte er. „Richt, weil ich dir nachgeforscht hätte. Das wäre mir sehr leicht geworden, wenn ich es gewollt hätte, sondern weil Herr von Dodenstem ein Ehrenmann ist und vor unserer Hochzeit zu mir kam. um mir alles anzuvertrauen. Er erzählte mir die Geschichte deines Leidens: er erklärte auch, wie es gekommen war, daß du Kellnerin wurdest, und daß du mit ihm gingst. Daß du in seiner Woh-
Verein „Kleinkinderfreunb“, der die Kinderschule betreut, schon vor längerer Zeit, eine Krankenschwester für unser Dors allein anzustellen. Da jedoch zu diesem Herbst noch keine Schwester aus Ronnenweiher abkömmlich war. war sich der Vorstand des „Kleinkinderfreund" einig, bis zum Eintreffen einer neuen Schwester, Frl. Else Guhmann aus Kirchberg, die in Krankenpflege ausgebildet ist und während des Krieges darin tätig war, vorläufig anzustellen.
v. Londorf, 22. Ott. Zu der bevorstehenden Gemeinderatswahl sind hier sechs Listen eingereicht. Die alten Gemeinderatsmitglieder haben drei gemeinschaftliche Listen ausgestellt, der Bauernbund zwei, und die Gewerbetreibenden eine Liste eingereicht. — Rach dem der Boeger- sche Saal vor längerer Zeit an die Zigarrenfabrik Rinn & Cloos übergegangen und jetzt eine Fabrik daraus geworden ist, war unser Ort ohne größeren Saal. Diesem Mangel ist jetzt durch den Dau eines Saales, den der Gastwirt Louis Lich errichtet hat, abgeholfen worden. Am Sonntag wurde der Saal einge- weiht. — Der hiesige Synagogen- und Wohltätigkeitsverein ,feiert am kommenden Samstagabend sein 25jähriges Bestehen im Saalbau Lich. — Bei dem am Sonntag im Saale des Gastwirts Louis Lich stattgehabten Mannschaftsturnen beteiligten sich die Turnvereine Londorf, Kesselbach, Mainzlar und Rordeck. Die Leistungen der Ober- und Hnterftufen waren in allen Vereinen gut und zeugten von fleißiger Schulung. In der Oberstufe errang den ersten Sieg Tv. Londorf, den zweiten Tv. Mainzlar,' den dritten Tv. Rordeck. In der ilnterftufe erhielt den ersten Sieg Turnverein Mainzlar, den zweiten Tv. Kesselbach und den dritten Tv. Londorf.
xp Weitershain,22. Okt. Ein Kaufmann von hier stürzte von seinen. Motorrad und zog sich schwere innere Verletzungen zu. Der Schwerverletzte wurde in bedenklichem Zustande in die Gießener Klinik überführt.
H Lich, 23. Oft. -^er Aufmarsch der Parteien zur Reuwahl des Stadtvorstandes ist nunmehr erfolgt. Fünf Wahlvorschläge wurden eingereicht, die durchweg nach beruflichen Ständen gegliedert sind. Es bringen die Beamten, der Bauernbund (Landwirte), der kaufmännische Mittelstand, der gewerbliche Mittelstand und die Sozialdemokratische Partei je eine Liste. Es wird hier vielfach bedauert, daß eine derartige Zersplitterung eingetreten ist. Obwohl angesehene Männer unserer Stadt, denen am allgemeinen Wohl gelegen ist, sich ernstlich für ein Zusammengehen bemüht haben, konnte nicht einmal eine Spaltung zwischen dem kaufmännischen und dem gewerblichen Mittelstand verhindert werden. Dem Vernehmen nach soll diese Kluft durch eine enge Listenverbindung wieder überbrückt werden. Lieber sonstige Listenverbindungen läßt sich heute noch kein .Urteil bilden. Von den bisherigen Stadfvorstandsmitgliedem kandidieren zwei nicht mehr, neun sind auf den eingereichten Wahlvorschlägen bevorzugte Plätze eingeräumt, so daß mit ihrer Wiederwahl mit einiger Bestimmtheit gerechnet werden kann, ein Mitglied hat sich an aussichtslose Stelle sehen lassen. Um die drei übrigen Sitze muß gestritten werden. Die eingereichten Wahlvorschläge weisen an erster bis fünfter Stelle folgende Bewerber auf: Kennwort: Erb (Beamter). 1. Ludwig Erb, Rektor: 2. Heinrich Vater, Kanzleiassistent: 3. Wilhelm Schäfer, Postschaffner: 4. Jakob Schmidt, Verwalt.»Ass.: 5. Heinrich Roth II., Reichsbahn- Ass. Kennwort: LudwigWolfll. (Bauernbund). 1. Wolf, Ludwig II., Landwirt: 2. Märle, Heinrich, Landwirt: 3. Eise, Christian, Landwirt: 4. Zimmer, Karl, Landwirt: 5. Liftmann, Joh. Jakob, Landwirt. Kennwort: Bürgerliche Liste (Handel). 1. Heller, Ludwig, Metzger- meister: 2. Insel, Karl Ludwig, Friseur: 3. Veite, Wilhelm, Kaufmann: 4. Schmidt, Hermann Ludwig, Steuerassistent: 5. Jhring, Hans, Drauerei-
nung geschlafen hast, wußte ja deine Tante tm voraus. Du aber wußtest nicht, daß das eine letzte Prüfung für dich fein sollte, daß Frau Bottrup sich insgeheim sorgte, du könntest doch ...
Lassen wir das! Du sollst wissen, daß ich alles kenne, was ich aus deinem Leben wissen muhte. Ich begriff auch, weshalb du erschrakst, als du im Kasino deine hilfsbereite Freundin Derty wiedersahst..."
„Auch sie kennst du?" fragte Käthe außer sich.
Er nickte lächelnd.
„Herr von Bodenstein hatte mir alles berichtet. Lind weil ich mit dem Plane umging, dieses wackere Mädchen für die Hilfe zu belohnen, die es dir geleistet hat. als du der Verzweiflung nahe warst, so ließ ich durch Dodenstein Erkundigungen über diese Derty einziehen. Ich wußte, daß sie meinen Freund Altberg geheiratet batte...“
„Als du ihn damals erblicktest, wußtest du, daß feine Frau in der Rähe sein muhte? Du wolltest uns Zeit lassen, die Lleberraschung zu überwinden? — Oh, Felix, wie gut, wie sehr gut du bist!"
„Wie könnte ich dir gegenüber anders fein!“ rief er. „Lind jetzt, mein Kätherle, gelt, jetzt forgst du dich nicht mehr, daß ich hinter deine „Geheimnisse" kommen könnte? Ich weiß alles, was du gesündigt hast..
Da küßte sie ihn dankbar und schmiegte sich an ihn. Lind in ihr wurde eine Stimme laut, die sie mahnte:
„Jetzt ist die rechte Zeit! Jetzt kannst du ihm auch das andere noch sagen, was er noch nicht weiß!"
Schon öffnete sie die Lippen, um alles zu beichten, da wurde an die Tür geklopft. Der Diener meldete den Gutsverwalter von Turnau, und rasch erhob sich Felix.
„Du entschuldigst mich, Käthe," sagte er. „Ich habe den Mann bestellt, um ihm Weisungen betreffs der Arbeiten zu geben, die demnächst auf dem Gute ausgesührt werden sollen. Altberg will mir den Techniker, den er entdeckt hat und der eine Gröhe auf seinem Spezialgebiet ist, einige Zeit zur Verfügung stellen. Damit die Arbeiten möglichst rasch beendet werden können, muh ich dem Verwalter Verschiedenes sagen. Ich denke, ich werde in einer halben Stunde wieder bei dir fein können."
Käthe aber war auf einmal wieder sehr blaß geworden. Mitten in ihrem Glück war das Schreckgespenst jäh wieder aufgetaucht, das sie ängstigte. Der Techniker war doch kein anderer als Derndt Klausen!
Felix aber, der schon halb abgewendet von ihr stand, merkte nichts von ihrer Unruhe. Sie gab sich Mühe, ihrer Stimme einen ruhigen Klang zu verleihen, als sie nun sagte:
„Felix, du willst selber nach Turnau?"
direktor. Kennwort: Mittelstandsliste (Gewerbe). 1. Feh, Christian, Dauunterneh- mer: 2. Schmidt, Heinrich VIII., Geschäftsführer: 3. ©tengler, Heinrich, Maurermeister: 4. Zimmer, Heinrich I., Wagnermeister: 5. Ohlemutz, Gustav, Küfermeister. Kennwort: S.P. D. 1. Schöne, Konrad, Schuhmacher: 2. Schöne. Job. Adam IN.» Schreiner: 3. Trechsler, Karl Kd., Strahenwart, 4. Lang, Johann, Arbeiter: 5. Walz, Heinrich, Schlosser.
# Hungen, 23. Okt. Wahrend bei den letzten Gemeindewahlen von vier Jahren eine Einheitsliste ausgestellt wurde, sind diesmal nicht weniger als sechs Listen eingereicht worden. Es sind dies die Sozialdemokratische Partei mit Hermann Schuld an der Spitze, die Vereinigte Liste (Wilhelm Widerstein), die Liste der Handwerker und Gewerbetreibenden (2. Sulzbach), die Landbund- liste (Helnr. Hofmann), die Beamten - und Angestelltenliste (Wilhlem Albrand), die Liste der nationalsozialistischen deutschen Arbeiterpartei (Fritz Hesse).
I E b e r st a d t, 23. Okt. Am Sonntag feierte die zahlreich versammelte Gemeinde das Erntedankfest im festlich geschmückten Gotteshaus, auf dessen Altar manches Prachtstück des diesjährigen Erntesegens prangte. 2n dankenswerter Weise trug der Mädchenchor von Arnsburg durch zwei mehrstimmige Lieder zur Verschönerung der Feier bei. — Ein f recher Diebstahl wurde am Montag in einem hiesigen Gasthaus ausgeführt. Karn da um die Mittagsstunde ein fremder Wanderer herein und trank ein Glas Bier. Die kurze Abwesenheit der Wirtin benutzte er, um sich stillschweigend zu empfehlen, nicht ohne einen größeren Geldbetrag aus einem Kästchen auf dem Ausschanktisch zu entwenden. Der Diebstahl wurde sofort bemerkt und die Verfolgung von mehreren Männern ausgenommen: doch entkam der Dieb querfeldein in Richtung Dorf-Gill.
+ Eberstadt, 22. Okt. Wir berichteten im August, daß bei dem hiesigen Wagnermeister Buß zwei junge Iltisse eingefangen wurden. Die beiden alten und zwei junge, also der größere Teil der Jltisfarnilie, die sich dort häuslich niedergelassen hatte, aber in ihrem Familienglück plötzlich gestört wurde, verzog sich auf Nimmerwiedersehen. Herr Buß pflegte die beiden anderen Iltisse in einem Käfig. Als besonders eigenartig sei erwähnt, daß den beiden Gefangenen die dargereichten Hühnereier erst von Menschenhand angelocht werden mußten, andernfalls sie nichts damit anzufangen wußten und Kurzweil mit ihnen trieben. Die Pfleglinge gediehen gut und wurden recht zutraulich. Ein in Gießen gastierender Zirkus kaufte kürzlich Herrn Buß die beiden Iltisse zu einem ansehnlichen Preise ab. So kamen sie in die Menagerie des Zirkus, und zwar als die ersten Vertreter ihrer Art.
Kreis Friedberg.
WDR. Friedberg, 23. Okt. Zum heutigen Schweinemarkt waren 325 Ferkel aufgetrieben. Es wurden bezahlt für sechs Wochen alte Tiere 25 bis 30 Mk., für sechs bis acht Wochen alte 30 bis 40 Mk., für acht bis 12 Wochen alte 40 bis 55 Mk. Das Geschäft war sehr flott, der Markt wurde geräumt.
pb. Butzbach, 22. Okt. Am Sonntagabend hielt Duchdruckereibesitzer K. Schneider im überfüllten Saal des „Hessischen Hofes" einen längeren Lichtbildervortrag über seine Ame rikareise , die er als Gauvertreter in Gemeinschaft mit dem Sieger des vorjährigen Deutschen Turnfestes, Reuter von Gießen, zum Besuche einer Anzahl deutsch-amerikanischer Turnvereine unternommen hatte. Der Andrang zu dem Vortrag war so stark, daß der Saal polizeilich gesperrt werden mußte. Schneider gab bekannt, daß er den Vortrag w ederholen würde. — Dom vorhergehenden Sonntag sei nachträglich noch berichtet, daß an diesem Tage der Turn - und Sportverein von 1846 sein
„2a, Schatz, es wird das Deste fein,“ antwortete er.
„Dann laß mich während dieser Zeit zur Tante nach Ronnenwerth gehen!“ bat sie. „Ich liebe die Llnruhe nicht, die durch solche Arbeiten erzeugt wird."
„Du hast recht, Käthe. Verzeihe, daß ich nicht gleich daran gedacht habe. Aber vielleicht läßt es sich einrichten, daß wir beide jetzt erft mal nach Turnau fahren, nur auf einen Sprung. Dann bringe ich dich zu Tante Adelheid und hole dich dort ab, sobaw alles vorüber ist. Ist dir das recht?"
Da mußte Käthe Wohl zustimmen. Aber nachdem Felix von ihr gegangen war, befiel eine marternde Llnruhe ihr Herz. Obwohl sie sie zu bannen suchte, indem sie sich an die Versicherungen erinnerte, die Felix ihr eben noch gegeben hatte, vermochte sie das Glücksempfinden nicht wiederzufinden, das sie eben noch erfüllt hatte.
„Ich muß es ihm so bald wie möglich sagen!" nahm sie sich vor.
„Lind was wird dann werden?" fragte die Stimme in ihr. „Weiht du nicht, daß Felix vor dem Gesetz überhaupt nicht dein Gatte ist, sondern jener, dem du In London angetraut wurdest! Weiht du nicht, dah sogar das Zuchthaus dir winkt, wenn alles an den Tag kommt?"
Da erbebte Käthe und brach in Tränen aus. Sie flüchtete in ihr Zimmer und warf sich dort auf ein Ruhebett. Sie war der Verzweiflung nahe und kam sich ganz verworfen vor, weil sie diesen Mann so betrog, der ihr vollkommen vertraute.
„Wenn Derndt doch gestorben wäre!"
2mmer wieder muhte sie es benlen. Lind stets erschrak sie vor diesem Gedanken.
Es war ein Glück, dah Felix länger abgehalten wurde, als er vermutet hatte. Käthe vermochte sich etwas zu beruhigen. Sie kühlte die verweinten Augen und gab sich alle Mühe, jeden Gedanken an Derndt Klausen aus ihrer Seele zu bannen.
Als Felix endlich kam, war sie leidlich ruhig. Ihr Mann setzte sich zu ihr und sagte:
„Der gute Altberg ift bereit, mir den Techniker sogleich abzutreten, damit du recht bald nach Turnau übersiedeln kannst. Der Graf meint, Klausen könnte ja bann von Zeit zu Zeit noch kontrollieren, ob alles in Ordnung ist. — Wäre es dir recht, Käthe, wenn wir da gleich heute noch hinfahren? Ich finde es günstig, dah ich dem Verwalter an Ort und Stelle alles erllären kann."
„Lind der — Techniker wird auch hinkommen?"
„Wohl kaum, Schatz, denn Altberg läht ihn ja nicht von sich. Aber es könnte möglich sein, daß er noch einträfe, während wir in Turnau sind."
Ab t urnen hielt. Am Abend fand im „Hessin schen Hof" eine Siegerehrung des verflossenen Wettkampfjahres statt. Dühnenschauturnen aller Wteilungen, sowie musikalische Darbietungen ter Hauskapelle umrahmten die Feier. Hierbei hielt der 1. Vorsitzende Dr. Rau eine mit grohem Beifall aufgenommene packende Rede auf die Sieger und Siegerinnen. Bei diesem Anlaß wurde Dr. Rau durch den 2. Vorsitzenden, 2uL Vahrner, das Turn- und Sportabzeichen in Silber überreicht. Letzterer betonte dabei, dah Dr. Rau der erste im Verein wie überhaupt in unserer Stadt sei, der sich dieses ehrenvolle Abzeichen errungen habe.
Q Gambach, 21. Okt. Gestern wurde hier in feierlicher Weise das Erntedankfest gefeiert ym Vormittagsgottesdienst wirkten der Posaunenchor und der Gesangverein Harmonie mit. Im Anschluß daran wurden dann die diesjährigen Konfir. manden oorgestellt. Es sind vier Knaben und sechs Mädchen.
Kreis Büdingen.
!! 03 üb in gen, 22. Okt. Aus dem Gemeinderat: Die Kraftverkehrsgesellschaft Hanau Stadt und Land G. m. b. H. in Hanau will eine Kraftwagenverbindung zwischen Hanau und Büdingen eröffnen. Die Stadt Bübingen erklärt sich bereit, sich an ber Auto- berbinbung Büdingen—Hanau mit 10 Prozent ber aufgemachten Kosten, bzw. bes durch Einnahme nicht gebockten Betrages für eine Probe- fahrzeit bis zum 31. März 1930 zu beteiligen. — 2m Gaswerk soll der Einbau eines Gas- saugers, ferner die Einführung einer elektrischen Leitung in den Reinigungsraum, sowie die Beschaffung einer Lademulde erfolgen. Der hierzu notwendige Kredit in Höhe von etwa 6000 Mk. soll im Wege ber Kapitalaufnahme erfolgen. — 2m Felbbereinigungsverfahren in der Gemarkung Büdingen lehnte der Gcrneinbe- rat die Beteiligung an den Kosten ber geplanten Kälberbachverlegung ab. Für die spezielle Bearbeitung bes zum Wunschtermin zu stellenden Antrages bezüglich ber Zuteilung von Bauplätzen und 2nbuftriegelänbe, sowie der Zusammenlegung von Aecker und Wiesen, wurde vom Gemeinderat eine besondere Kommission gebildet. Weiter ist ber Ocmeinberat damit einverstanden, dah das für eine Llmgehungs- strahe nötige Gelände zunächst nur in der Teilstrecke von der Strafte Büdingen—Rinderbügen bis zur Felbscheuer bes Landwirts Schwarz in ber vorbersten Mehlbach, ausgeschieben wird. — Der Hessische Verkehrsverb and hatte um die Gewährung eines regelmäftigen Beitrages nachgesucht. Der Gemeinderat konnte diesem Ersuchen nicht entsprechen. Ebenso muftte ber Bezug ber Zeitschrift „Hessische ßanbgcmeinbe" für die Mitglieber bes Gemeinderats aus Ersparnisgründen abgelehnt werden.
+ Büdingen, 23. Okt. Für die bevorstehende Kreistagswahl für Den Kreis Büdingen liegen sie ben W ahlv orschlä ge vor mit folgenden Spitzenkandidaten: 1. Sozialdemokratische Partei: Oberjustizsekretär Glenz in Büdingen: 2. Demokratische Partei: Oberamtsrichter Dr. Andrae inOitn- berg: 3. Kommunistische Partei: Hrch. 2üngling in Glauberg: 4. Handwerk und Gewerbe: Rudolf Schweikher in Ortenberg; 5. Reue evangelische Volksgemeinschaft (Richtung Pfarrer Weidner, Oberlais): Bürgermeister Bopp in Langenbergheim: 6. He ss. Landbund und De u tsch n a ti on a le Volks Partei: Richard Wolf in Sfsolbcrlxrch; 7. Deutsche Volkspartei: Fabrikdirektor Ewald Morhenn in Hirzenhain.
ch Drtenberg, 23. Okt. Die Vorbereitungen zum berühmten Örtenberger „Kaltenmark t", dessen 600-2ahrseier vor zwei Jahren begangen wurde und der als Pferbemarkt an ber Spitze der hessischen Märkte steht, sind in vollem Gange. Der schön gelegene Marktplatz, ber in mustergültigem Zustand ist und auch bei
Da brannte es Käthe auf der Zunge, zu erwidern, daß sie unter keinen Umständen mitfahren würde. Sie hätte ein Unwohlsein vorschützen können, und f;e war überzeugt, dah Felix sie dann gern entschuldigen würde. Aber in ihr war jetzt auf einmal der Wunsch rege geworden, sestzustellen, ob das Schicksal sie vernichten oder schonen wollte. Sie muhte es auf eine Probe ankommen lassen.
Und ganz insgeheim war in ihr der Gedanke, daß Derndt Klausen sie nicht mehr kennen und nicht auf die Vermutung kommen würde, die schöne Frau von Turnau sei jenes arme Mädchen, das er in jäher Laune mit sich nach London genommen, dort geheiratet und dann schnöde verlassen hatte!
Sicher würde es so werden, wenn sie beide doch einmal zusammentrafen! Und dieser Gedanke bohrte sich so fest in Käthe ein, dah sie einwilligte.
Kurz vor ihrer Abreise erhielt Käthe noch einen Dries von Tante Adelheid, in dem sie ihr mitteilte, daß Isolde von Kletten bei der alten ‘Baronin von Turnau als Gast weile und sich ganz in deren Herz zu schmeicheln verstanden hätte. Käthe solle sich vor ihr hüten und ja vor Fellx kein Geheimnis mehr haben.
Käthe war zu Tode erschrocken. Isolde weilte in der Rahe von Ronnenwerth, bei Felix' Mutter, und sie hatte sich in deren Gunst gesetzt und sicher schon deren Herz burch ihre verleumderischen Reden vergiftet.
Würde die vornehme Dame verstehen können, dah ihre Schwiegertochter Kellnerin gewesen war?
Käthes Herz krampfte sich zusammen bei diesem Gedanken. Sie fand ihre Ruhe erst wieder, als sie sich sagte, daß Fellx seiner Mutter gewiß alles erllären würde.
Immerhin blieb die eine Lüge, deren sich Tante Adelheid schuldig gemacht hatte, indem sie behauptete, ihre Richte sei unmittelbar aus Duitenzorg gekommen.
Felix nahm, wie immer, ein ganzes Abteil erster Klasse und brachte Käthe darin unter, liebevoll für jede Bequemlichkeit sorgend. Schnell verging ihnen die Fahrt.
In Turnau geleitete Felix Käthe sogleich in die Räume, die schon für sie eingerichtet waren. Er freute sich, als sie ihm herzlich dafür dankte, daß er alles so schön hatte machen lassen.
Dann eilte Baron Felix fort, um alles Nötige zu erledigen, und sie sah ihn erst abendS toieber. Doch da konnte er ihr berichten, daß er so weit gekommen war, um sie am nächsten Tage nach Ronnenwerth bringen zu können.
(Fortsetzung folgt.)


