Ausgabe 
24.10.1929
 
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Oie deutsche Seerüsiung

In diesen Tagen ist in Wilhelmshaven der fünfte von den sechs durch Artikel 181 des Versailler Vertrages zugeiaisenen kleinen Kreuzern, der Kreuzer .Leipzig", vom Stapel gelassen worden. Außer diesen kleinen Kreuzern hat Deutschland Anspruch auf sechs Linienschiffe zu je 10000 Tonnen, von denen ein erster Ersahbau, der im Vorjahr vielumslrittene und neuerdings vom Ausland als ein wahres Wunderwerk lebhaft erörterte Panzerkreuzer A erbaut wurde. Ferner auf 12 Zerstörer zu je 800 Tonnen und auf 12 Torpedoboote zu je 200 Tonnen. In kleinen Kreuzern ist die neue Reichsmarine nunmehr am besten ausgerüstet. Mit 30 000 Tonnen rangiert sie an siebenter Stelle, hinter Spanien mit 50 000 Tonnen, Italien mit 90 500 Tonnen, Frankreich mit 108 000 Tonnen, den Vereinigten Staaten mit 165 000 Tonnen, Japan mit 213 600 Tonnen una England mit 435 600 Tonnen. England ist also in dieser Klasse, in der unser Dauprogramm am umfassendsten war und in acht Jahren fünf Schiffe ergeben hat, immerhin rund 15m a I s o stark tote Deutschland. In allen anderen Klassen ist der Abstand natürlich noch viel größer.

Die Bedeutung der Flotte liegt aber angesichts der uns auferlegten Beschränkungen für uns heute, abgesehen von den Verhältnissen in der Ostsee gar nicht mehr in der Kampfkraft. Sie liegt vielmehr darin, daß die Deichsmarine in überseeischen Ländern eine Propaganda- auf gäbe zu erfüllen hat, daß sie die Verbin­dung, mit den Reberscedeutschen Herstellen soll, und hast sie durch ihr regelmäßiges Auftauchen in fremden Häfen das Bewußtsein erweckt, der deutsch- Außenhandel sei auf den Hochstraßen der See du?ch eine zwar kleine, aber technisch voll­kommene Vind vorzüglich disziplinierte Reichsflotte geschützt. 'In diesem Sinne kann auch die kleine deutsche Marine durch ihre Qualität und durch die technischen Errungenschaften, die unter dem Zwang der Versailler Vertragsbestimmungen auf eine besondere Höhr getrieben worden sind, um unsere kleinen Schiffe besonders leistungsfähig und praktisch zu gestalten, dazu beitragen, deut­sches Wissen und Können dem Ausland zu ver­mitteln.

Und gerade die Fortschritte, die bei den auf­einanderfolgenden Kreuzerbauten: Emden von 192125, Königsberg und Karlsruhe 1927, Köln 1928 und nun Leipzig erzielt worden sind und bu bei der Leipzig ganz besonders auffällige Ergebnisse erbrachten, haben in diesem Sinne Propagandabedeutung. Denn hier ist schon im Aeußeren durch die Anlehnung der Form an die Schiffe der Hapag, die berühmte Ballinklasse, durch die Anbringung von Oelzellcn an die Außenseite usw., eine deutlich sichtbare Reue- rung erzielt. Die Ges chwindigkeit des Schiffes, das mit Motorenantrieb 32 Kneten fahren soll, ist bei den Belastungen, wie sie durch die vorgeschriebene Tonnage erzwungen werden, eine außerordentlich hohe und stellt der deutschen Schiffbaukunst ein glänzendes Zeugnis aus. Deshalb wirken diese Marine-Dcubauten zugleich als Mittel zur Empfehlung der deutschen Werften im Auslande und haben unmittelbare wirtschaftliche Rückwirkungen.

Die große Diskussion, die .Panzer A in allen Fachkreisen der Welt hervorgerufen hat, wird eine ähnliche Wirkung haben. Man spricht von einem .Wunderschiff" und behauptet, daß es den Sanzen Kriegsschiffbau revolutionieren müsse; man edient sich seiner als Argument in den Flotten­beschränkungsverhandlungen zwischen England und Frankreich, und so wird der deutsche Kriegs- schissbau, der voraussichtlich niemals für Kampf­zwecke verwendet werden wird, zu einem In­strument, mit dessen Hilfe der Rüstungsabbau gefördert wird. Das ist aber nicht die schlechteste Wirkung der zwangsweise beschränkten und in diesem Rahmen wertvollen deutschen Seerüstung.

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Das Winterprogramm des Konzertvereins.

Vom Vorstand des Gießener Konzert­vereins wird uns geschrieben:

Die Anerkennung, die dem Konzertvcrein in der abgelaufenen Spielzeit aus den verschie­densten Kreisen und insbesondere von berufener Seite zuteil wurde und deren er mit Dankbar­keit gedenkt, hat ihn aufs neue in seinen Be­strebungen bestärkt und im Kampfe gegen Hin­dernisse aller Art ermutigt. Wie so vieles andere, befindet sich auch der Musikbetrieb allenthalben in ernsten Krisen, die es mit allen Kräften zu überwinden gilt. Dazu genügen aber die An­strengungen des einzelnen nicht; es bedarf viel­mehr andauernder^ eifriger Mitarbeit aller ernste Musik liebenden Kreise, wenn die drohende Ge­fahr gebannt werden soll! Angesichts dieser Rot­lage wenden wir uns auch für den Konzcrt- verein an unsere Mitbürger mit der ebenso höflichen wie dringenden Bitte, nicht allein unsere Veranstaltungen zu besuchen, sondern sich auch sür Werbung neuer Mitglieder einzu­setzen. Rur auf diesem Wege kann die Weiter- sührung der Konzerte und das Bestehen einer Institution, die Heuer im 138. Dereinsjahre steht, gesichert werden.

Im bevorstehenden Winterhalbjahre sollen die üblichen 10 Konzerte beibehalten werden. Auch die im vergangenen Iahre eingeführte und recht beifällig ausgenommene Dreizahl der Orchester- Konzerte bleibt bestehen. Zu ihrer Durchfüh­rung sind nach überaus schwierigen und erst in den letzten Tagen abgeschlofscncn Verhandlungen wiedergcwonnen bez. neu verpflichtet worden: das Frankfurter Symphonie-Orchester, das Meininger Orchester und das Ko­blenzer städtische Orchester.

Alle drei Konzerte finden unter Leitung un­seres Universitätsmusikdirektors Dr. Stefan Temesvarh statt. Das reiche Programm an dieser Stelle in allen Einzelheiten aufzuzahlen, würde zu weit führen. Es seien lediglich erwähnt einige unserer Mu.ikgemeinde gewiß willkommene Schöpfungen unserer Größten, wie Mozarts Symphonie in O-Dur. Bee thovcns Klavier- Konzert in Ss-Dur und die 5. Symphonie in C- Moll, Bruckners 3. Symphonie. Brahms I. Symphvnie, Re gers Romanttsche Suite, die Tannhäuser-Ouvertüre usw.

Als S o l i st e n treten in diesen Konzerten auf: Dr. 3. Hobohm aus München und unsere ein-

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iysestener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Donnerstag, 24. Oktober 1929

Glückliches Frankreich.

Während fast ganz Europa sich in schweren Geldsorgen befindet, ist die französische Regie­rung in der Lage, ihr Steuerbudget auf der Ein­nahmeseite um ganze zwei Milliarden Franken zu senken. Aber nicht genug damit, im Laufe der letzten drei Iahre konnten von den 48 Mil­liarden ausgegebenen Staatsbons 23 Milliarden zurückgekauft werben. Weiter haben sich im gleichen Zeitraum die Staatsrenten um 76 Milliarden erhöht. Wie man sieht, wächst der Wohlstand Frankreichs auf der ganzen Linie immer weiter. Erst jetzt kann man übersehen, welche Befruchtung das französische Wirtschafts­leben durch unsere Rcparationslieserungen er­halten hat und wie günstig sich unsere unge­heuren Zahlungen für den französischen Staats­bürger ausgewirkt haben. In erster Linie sind es aber wohl die deutschen Sachliefe­rungen, die diese Entwicklung gefördert haben. Mit Hilfe unserer gelieferten Lokomotiven, Ma­schinen, Chemikalien und Kohlen konnte die fran- zösische Industrie auf das Modern st e aus- gerüstet und das französische Verkehrswesen von Grund auf erneuert werden. Da­durch hob sich die Konkurrenzfähigkeit Frankreichs so enorm, daß sich selbst die Amerikaner ge­zwungen sahen, gegen die Einfuhr französischer Waren mit Schutzzöllen vorzugehen. Am schwer­sten hat aber unzweifelhaft Deutschland un­ter der französisa-en Konkurrenz gelitten, der bis zum Jahre 1925 das deutsche Absatzgebiet ohne Einschränkungen zur Verfügung stand und die seit diesem Zeitpunkt durch verhältnismäßig nied­rige Zölle nur in mäßigem Umfange daran ge­hindert wird, ihren Kampf gegen die deutschen Waren auf deutschem Boden in dem bisherigen Tempo fortzusehen. Auf Grund der neuen Re­parationsabmachungen steht dem französischen Staat auf Jahrzehnte hinaus eine sichere Ein­nahmequelle zur Verfügung, deren Erträgnisse er für Staatsaufgaben verwerten kann, was natürlich prakttsch auf eine weitere Entlastung des französischen Steuerzahlers hinausläuft. Die nächsten Staatsaufgaben sieht die französische Regierung aber in einem verstärkten Aus­bau ihrer Rüstungen; sie ist jetzt daran gegangen, ihr Ostfestungssystem zu vervollstän» digen, hofft aber schon im Winter 1930 die wesentlichsten Anlagen fertiggestellt zu haben.

Aus der Provinzialhauptsiadt.

Gießen, den 24. Oktober 1929.

Oie Wahworschläge zur Provinz aliagswahl.

Zur Wahl des Provinzialtages für die ProoinzOberhefsen liegen, wie gestern schon kurz berichtet, 18 W a h l v o r s ch l ä g e vor, die in der amtlichen Reihenfolge wie nachstehend geordnet sind:

1. Sozialdemokratische Partei.

2. Kommunistische Partei.

3. Zentrum.

4. Evangelische Volksgemeinschaft (Christlicher Volksdienst).

5. Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (Hitlerbewegung).

6. Hessischer Landbund, Kreis Friedberg.

7. Hessischer Landbund, Kreis Schotten.

8. Hessischer Landbund, Kreis Büdingen.

9. Hessischer Landbund, Kreis Gießen.

10. Volksrcchtpartei (Reichspartei für Dolksrecht und Aufwertung).

11. Hessischer Landbund, Kreis Lauterbach.

12. Hessischer Landbund, Kreis Alsfeld.

13. Deutsche Demokratische Partei.

14. Deutsche Volkspartei im Kreise Gießen.

15. Deutsche Volkspartei in den Kreisen Büdingen und Friedberg.

16. Deutsche Volkspartei in den Kreisen Alsfeld, Lauterbach und Schotten. ____________

heimische Künstlerin Paula Hcgner, die nach dem erfolgreichen Kammermusikabend im vcr- gangenen Jahre hier zum ersten Mal? solisti ch mit dem Orchester zusammenwirkt. Das Lokal der Orchester-Konzert? ist das Stauch at:r._ Dagegen finden die fünf Solistenabende, wie üblich, in der Reuen Llniversitäts-Aula statt Sie sind dem Gesang, instrumentalen Vorträ­gen und der Kammermusik gewidmet.

Wilhelm Backhaus, die üie-genannte Gei­gerin Alma Moodie, die auch auf dem Konzert­podium heimische, hervorragende holländische Sängerin A. van K r u y s w Y l von der Staats­oper in Wiesbaden, sowie Künstlerv.reinigungen wie das bekannte Rose-Quartett aus Wien und das Döbereiner-Trio aus München sind Träger dieser Konzerte. Sie st.hen wie Back­haus und Alma Moodie von früher her in bestem Andenken, während das Rose-Quartett und das Döbereiner-Trio zum ersten Male zu uns kommen. Die alte Musil auf Originalinstru­menten, die das Trio hier zum besten gibt, soll keineswegs nur als musikhistorisches Ereignis gewürdigt werden, sondern das Trio will uns in erster Linie einen ästhetischen Genuß bereiten und zeigen, was unsere Vorjahren auch in dreier Beziehung vermocht haben.

Die der Zahl nach beiden letzten Konzerte sind Ausführungen geistlicher Werke in der Stadtkirche. Das erste am Montag. 16. De­zember, mit einem Programm, das ganz auf den feierlich-fröhlichen Charakter der Weih­nachtszeit abgestimmt ist und in dem in der Hauptsache einfchlcwige Chöre, Arien und Rezr- tative von Seb. Bach zum Vortrag kommen. Es wirken dabei unter Leitung Dr. Temesvarys mit: der Akademische Gesangverein, das Collegium musicum und ferner mit solistischen Beiträgen der Violinvirtuose Prof. R. Reih aus Weimar, der u. a. einige von ihm selbst bearbeitete und herausgeg'bene So­naten des Altmeisters Biber (geb. 1644) spielt, während Frau Reitz-Bergmann verschie­dene Rezitative und Arien zumeist aus dem Weihnachtsoratorium vor trägt.

Den Beschluß bildet Mozarts weihevolles, von ihm unvollendet hinterlassenes Requiem. Es ist von Mozarts Schüler, dem bekannten Wiener Kapellmeister Franz Taver Süßmayer. der wohl mit des Meisters Willen und Abllchten vertraut war, sie aber nicht immer getroffen Hat, ergänzt und'seitdem stets und allenthalben in dieser Ge­stalt aufgeführt worden. Das bevorstehende Kon­zert ist für Gießen insofern ein Rovum, als das

17. Deutschnationale Dolkspartei.

18. Mittelstandsvereinigung (Wirtschaftspariei).

Em kal.er Winter steht bevor?

Die Meteorologen haben sich in den letzten Tagen mehrfach über die Aussichten des kom- menben Winters geäußert. Fast allgemein ist dabei zum Ausdruck gekommen, daß es kalt, kalt und nochmals kalt werden soll. Laien­erfahrungen und Wissenschaft lehren bekanntlich, daß auf einen warmen Sommer ein kalter Winter zu folgen pflegt. Auch der hundertjährige Ka­lender weist auf einen ungewöhnlich fal­ten Winter hin. Wenig beachtet worden ist es jedoch, daß sich auch das Verhalten des Rils und des Indusstromgebietes mit verblüffender Regelmäßigkeit für die Voraussage der Winter- | temperaturen in Mitteleuropa verwerten läßt. Hohem Wasserstand und großen Pleberschwem- mungen in diesen Gebieten folgte stets ein stren­ger. geringer Rilflut und indischer Dürre ein milder Winter. Aegypten hat in diesem Iahre die gewaltigsten Pleberschwemmungen seit 1878 gehabt, und in Indien sah es nicht viel belfer aus.

Girszcner Wochcnmarktpreise.

Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Butter 210 bis 220, Matte 30 bis 35, Käse (10 Stück) 60 bis 140. Wirsing 15 bis 20. Weiß- traut 10 bis 12, Rottraut 10 bis 15. gelbe Rüben 10 bis 12, rote Rüben 10 bis 15, Spinat 25 bis 30, Römischlohl 10 bis 12, Sinter-Kohlrabi 8 bis 10, Grünkohl 20 bis 25, Rosenkohl 45 bis 50, Feldsalat 103 bis 120, Tomaten 20 bis 25, Zwie­beln 10 bis 15, Meerrettich 50 bis 80, Schwarz­wurzeln 40 bis 60, Kürbis 5 bis 8, Pilze 25 bis 30. Kartoffeln 4% bis 5, Aepfel 10 bis 15. Birnen 10 bis 15, Dörrobst 30 bis 35, Preisel­beeren 40 bis 45, Pfirsiche 40 bis 60, Zwetschen 10 bis 15, Honig 40 bis 50. junge Hähne 120 bis 130, Suppenhühner 100 bis 120, Gänse 10? bis 120, Rüsse 50 bis 60 Pf. das Pfund; Tauben 70 bis 90, Eier 16 bis 17, Blumenkohl 30 bis 80, Salat 15 bis 20, Salatgurken 20 bis 30, Endivien 10 bis 15, Ober-Kohlrabi 10 bis 15, Lauch 5 bis 10, Rettich 10 bis 20, Sellerie 10 bis 30 Pf. das Stück; Radieschen Dd. 10 bis 15 Pf.; Kartoffeln 3,50 bis 4 Mk., Wirsing 12 bis 15, Weißkraut 6 bis 8, Rottraut 8 bis 10, Aepfel 8 bis 12, Dirnen 8 bis 10 Ml. der Zentner.

Taten für Freitag 25. Oktober.

Sonnenaufgang 6.40 Uhr, Sonnenuntergang 16.47 Uhr. Mondaufgang 22.30 Uhr, Monduntergang 14.35 Uhr.

1825: der Komponist Johann Strauß (Sohn) in Wien geboren (gestorben 1899); 1838: der Kom­ponist George Bizet in Paris geboren (gestorben 1875).

Reuer Vorstand der Bergwerks­direktion Wölfersheim. Der Minister für Arbeit und Wirtschaft hat den Dergrat bei der Dergwerksdirektion Wölfersheim, Dr.-Ing. Sauer, zum Vorstand der Dergwerksdirektion Wölfersheim ernannt

Viehzählung am 2. Dezember. Der Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft hat die Durchführung der alljährlichen allgemei­nen Viehzählung am 2. Dezember angeordnet Sie bewegt sich im Rahmen der bisherigen Zäh­lungen.

** Der Turnverein von 1846Gießen hielt am Samstag im .Postkeller" die diesjährige Generalversammlung ab, die außerordentlich gut besucht war; ein Beweis dafür, daß die Mit­glieder regen Anteil am Vereinsleben nehmen. Mit großer Befriedigung fonme "'er erste Spre­che.'. il.fbe f ttäts-Durecudire ttoe Erle in se nein ausführlichen Berio-k hervorheben, daß auch i)as abgelaufcne Dereinsjahr ein besonders bewegtes Turnjahr war, mit Stolz konnte er auf die große Zahl der errungenen hervorragenden Siege Hinweisen. Allen Vorstandsmitgliedern und

Turnern dankte der erste Sprecher für ihre selbst­lose und uneigennützige Tätigkeit zum Wohle des Vereins und unserer großen deutschen ^.urn- sache. Dann folgten die Berichte der einzelnen Fachwarte über Turnen, Schwimmen, Fechten. Sport Spiel und Wandern. Reu eingeführt in den Winterplan ist noch das Eishockey. Alle Berichte, die mit besonderem Interesse verfolgt wurden, legten Zeugnis ab von der eifrigem Tätigkeit die in allen Abteilungen herrscht. Eine rege Aussprache fand zu allen Berichten statt In den Vorstand wurden neu- bzw. wiederge­wählt: Andreas R e i n i n g als zweiter Sprecher iRegierungsbaurat Mangold lehnte eine Wie­derwahl ab), Ludwig Schneider als Rechner. Karl Erb als Oberturnwart, Fritz Linker und Heinrich Zimmermann zu Schriftführern. Karl Reuter zum zweiten Turnwart, Franz Sauer zum Schwimmwart, Karl Hergen- r ö t h e r zum Fechtwart, Georg B e 11 o f und Wilhelm Scheid zu Beisitzern. Mit einem freu­dig aufgenommenen dreifachen Gut Heil auf die edle deutsche Turnsache wurde die Generalver­sammlung geschlossen.

Oberheffen.

Landkreis Gieren.

00 Klein-Linden, 23. Oft. Zu den kom- mciuen Gemeinderatsway len |inb her fünf Wahlvorschläge enger eicht worden. Wahlvorschlag l trägt das KennwortBür­gerliche Liste" und enthält folgende Ramen: 1. Wilhelm Erle, Lokomotivführer; 2. Fritz Jung, Kaufmann; 3. Gg. Reurath, Dreher; 4. Friedrich Knapp, Wagenmeister; 5. Karl Klein, Eisen­bahnsekretär; 6. Heinrich Magold, Maurermeister'. 7. Gottfried Bendecoth, Lolomotivführer a. W.; 8. Wilhelm Steinmüller, Postschaffner. Wahl­vorschlag II trägt das KennwortL i st e der Bürgerlichen" und enthält folgende Ra­men: Wilhelm Rinn, Angestellter; 2. Friedrich Stein, Bäckermeister; 3. Friedrich Weller III., Dahnsteigschaffner; 4. August Ruhl II., Mecha­niker; 5. Valentin Kehl, Schrei ne rmeister; 6. Wil­helm Fink, Architekt; 7. Heinrich Bechtold. Elektroinstallateur; 8. Friedrich Lenz II., Wciß- bindermeister. Wahlvorschlag III mit dem KennwortSozialdemokratische Par­tei" enthält die Ramen: 1. Philipp Germer III., Kraftfahrer; 2 Heinrich Reuschling, Dreher: 3. Jakob Hofmann, Schriftsetzer; 4. Friedrich Weigel II.. Gla ec; 5. Otto Steinmüller, Metall­arbeiter; 6. August Schmidt, Eisenbahner; 7. Hch. .Seipp, Kupferschmied; 8. Friedrich Volk, Eisen­bahnbeamter. Wahlvorschlag IV mit dem KennwortChristlich-Sozialer Volks­dienst" enthält die Ramen: 1. Wilhelm Ufer; 2. Philipp Weigel XXII.. Landwirt; 3. Emst Holler, Kaufmann; 4. Ludwig Theiß II., Ober­schaffner; 5. Karl Lenz, Dreher; 6. Wilhelm Iung, Eisenbahninspektor; 7. Karl Hof; 8. Lud­wig Lenz XIV., Dreher. Wahlvorschlag V mit dem KennwortHessischer Landbund" enthält mir sechs Ramen, und zwar: 1. Philipp Klein, Werlführe.a '.Wärter; 2. Wilhelm Langs­dorf I., Landwirt; 3. Ludwig Iung XVI., Land­wirt; 4. Ludwig Lenz XV., Gärtner; 5. Wilhelm Weller II., Landwirt; 6. Wilhelm Vvlkmann. Schlosser. Zwischen dem Wahlvorschlag I mit dem KennwortBürgerliche Liste", und dem Wahlvorschlag IV mit dem KennwortChristlich- Sozialer Dollsdienst". ist Lihenverbindung ein­gegangen worden, während die Liste des Hessi­schen Landbundes, Wahlvorschlag V, und Wahl- vorschlaz IIListe der Bürgerlichen", Verbin­dung eingegangen sind.

* Klein-Linden. 22. Oft. Der Turn­verein Klein-Linden hielt am Sonntag .in Turnerheim seine diesjährige General­versammlung ab. Aus dem Jahresbericht des ersten Vorsitzenden, Sattlermeister Karl Weih, war zu entnehmen, daß während des verflossenen Jahres zwei Mitgliederversammlun­gen und sechs Vorstandssitzungen abgehalten wur­den. Der Verein feierte im September l. I. sein

Werk dieses Mal in einer neuen und schon rühmlichst bekannten Bearbeitung von Gerhard von Keußle r zu Gehör gebracht wird.

Rährres ist aus dem gedruckten Programm ersichtlich, das unentgeltlich in der Musikalien­handlung von Emst Challier auf Verlangen ab­gegeben wird. Ebenso sind Reuanmeldungen an diese Stelle zu richten, von der auch jede ge­wünschte Auskunft gern erteilt wird.

Manolescu" - ein Film.

Ein guter Film, mit großen Mitteln, be­deutender Ausstattung und einer technisch und künstlerisch sehr qualitätvollen Linienführung. Lebendig, umspringend, fest ineinandergreifend eine über internationale Schauplätze Paris. Monte Carlo, Berlin und London stürmisch abrollende Handlung, die keine Lücken und keine toten Punkte auf weist und dabei, sehr filmge­recht, mit einem Mindestmaß an Bildtiteln aus- kc-mmt. (Der Umfang des zu einem Film be­nötigten Textes wird immer gewisse Schlüsse auf dessen Gesamtwert zulassen.) Voraussetzung für solche Sparsamkeit ist eine formal und geistig gleichmäßig hochstehende Regieführung, wie man sie hier von Turjanski zu sehen bekommt, den sehr routinierte Photographen unterstützen. Der starke Eindruck dieses von der Ufa ge­schaffenen Filmwerkes wird, abgesehen von Regie und Handlung, die sich als ein Ausschnitt aus dem phantastisch bewegten Leben eines wahr­haft großzügigen und in gewissem Sinne sogar fast sympathischen Hochstaplers darstellt von einer ausgezeichneten Besetzung bestimmt. Den Manolescu gibt Ivan Mvsjukin, einer der allerbegabtesten ausländischen Filmspieler, dessen glänzende Leistung als Casanova vielen noch in Erinnerung fein wird. Die Rolle, die er hier zu spielen hat, ist jener nicht ganz unähnlich, und er gestaltet sie mit der gleichen Intelligenz, der selben Ausdruckskraft und Spielintensitätt Er hat auch ebenfogute Partner wie damals; eine glän­zende Gegenspielerin vor allem in Brigitte Helm, die hier wiederum eine bestechende Lei­stung bietet und der großen Garbo immer ähn­licher wird, obwohl zu bemerken ist, daß f e in dieser Rolle ihre Mittel nicht ganz so großartig zur Entfaltuna bringen kann, wie etwa vor turpem als Rina Petrowna in derWunderbaren Lüge". Aus der übrigen, sehr respektablen Besetzung sind vor allem George, Dita P a r l o und Elsa Wagner hervorzuheben. Das Manuskript

stammt von Robert Liebmann (nach einer Rovelle von Hans S z e k e 1 y). Der Film läuft feit gestern im neuen Programm des Licht­spielhauses in der Bahnhofstraße und soll hiermit nachdrücklich empfohlen werden.r

Oie falsche Totenmaske.

Das Sterbezimmer zu Walmer Castle, in dem der Herzog von Wellington im Jahre 1852 sein Leben aushauchte, wird von Reisenden viel besucht. Cs ist ein stimmungsvoller Raum, und neben dem Lehnsessel, in dem dergrößte Engländer seiner Zeit" dahinschied, liegt auf einem Tischchen eine Totenmaske in Bronze, ein Gesicht mit strengen und eXen Zügen, das von allen Besuchern mit Rührung bewundert wird. Run teilt aber Gerald Mellesley in derTimes" mit, daß man seit 24 Jahren eir.ee falschen Totenmaske des großen Feidherm so viele Be­achtung geschenkt hat. Die ehre Totenmaske, die sich in dem Besitz der Familie zu Apsley House befindet, sieht ganz anders aus. Es ist merk­würdig, daß keinem der Tesucher bisher aus­gefallen war, wie sehr sich das Gesicht des Herzogs in dieser Totenmaske in seinem Sterbe- zimmecverändert" hatte. Sie zeigt einen noch verhältnismäßig jungen Mann mit straffer und glatter Haut und einem kahlen Schädel, mit hoher Stirn und spitzem Kinn. Wellington aber war ein Greis von 83 Jahren mit stark ver­runzelter Haut, niedriger <5tim und eckigem Kinn, der sich noch eine Fülle weihen Haares bewahrt hatte. Die einzige Aehnllchleit zwischen den beiden Gesichtern besteht in einer ausge­sprochenen Adlernase. Diese scheint denn auch zu derTaufe" den Anlaß gegeben zu haben. Wel- lesley, der der Geschichte der falschen Totenmaske nachgegangen ist, teilt mit. daß sie aus Windsor Castle stammt, wo sie 1905 aus allerlei Ge­rümpel mit anderen Dingen von dem Inspektor der königlichen Waffen- und Kunstsammlungen, Guy Laking. ausgegraben wurde. Dieser glaubte, die Totenmaske Wellingtons gefunden zu haben, teilte feinen Fund dem König Eduard mit und erhielt von ihm die Erlaubnis, die BronzemaSle für das Sterbezimmer des Herzogs zu stiften. Riemand weih, wessen Züge in diesemewigen Antlitz" festgehalten sind. Aber daß es nicht die des Siegers von Waterloo sind, ist über alle Zweifel erhaben, und da man jetzt auch noch Ab­güsse nach dem echten Original entdeckt hat. so wird die falsche Totenmaske durch einen Abguß der echten erseht werden.