Ausgabe 
24.8.1929
 
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geböte gemacht hat. Auch ist Deutschland in kei­ner Weise an dem Angebot der vier fibrigen Gläubiger ni ächte an England beteiligt, das nach einer englischen Presse­erklärung von Snowden als ungenügend ab­gelehnt worden ist. Es ergibt sich hieraus, daß die Dinge heute noch völlig im Fluh sind.

Bei der Königin zu Gast.

Eine Nachtsitzung der Konferenz ohne England.

Haag, 23. 2lug. (Tel.-äln.) Königin Wil­helmine der Riederlande hat am Frei­tagabend um 7 Uhr in dem Königlichen Palais im Haag ein offizielles Diner gegeben, zu dem die Führer der im Haag anwesenden Abordnungen mit ihren Damen eingeladen waren. Von der Rutschen Delegation nahmen die vier Reichsmini st er an dem Diner teil. Außer den Delegierten waren nur einige Mitglieder des Hofes und der niederländische Außenminister eingeladen worden.

Im Anschluß an das Diner wurden um 22,30 Ahr die Besprechungen der Delegierten Frankreichs, Belgiens, Italiens, Japans und Deutschlands fortgesetzt. Von deutscher Seite nahmen wieder die Reichsminister Dr. Curtius und Dr. Hilferdina an den Despsrechungen teil, idie um 23,40 Ahr beendet waren. Die Er­örterungen galten der Frage der S a ch l e i st u n- g e n, insbesondere der Kohlenlieferungen. Es ist ferner die vor allem auf englischer Seite als Hauptschwierigkeit empfundene Bestimmung des Voungplaires behandelt worden, wonach Deutschland im Falle eines Transfer­aufbringungs-Moratoriums dasRecht hat, langfristige Sachlieferungsver­träge mit seinen Gläubigern abzuschließen. Die englische Regierung hat in dieser Bestimmung eine wesentliche Gefährdung der englischen Koh­lenausfuhr gesehen. Es wird gegenwärtig ver­sucht. für die deutschen Kohlensachlieferungen nach Italien ein jährliches Maximum festzu­setzen. Die Besprechungen werden Samstagmor­gen 11,45 Ahr fortgesetzt werden.

Snowden lehnt denKuhhandel" der Gläubiger ab.

London, 24. Aug. (WTv. Funkspruch.) Aus dem Haag melden die Blätter, daß in finanzieller Beziehung nach wie vor völlige Verwir­rung herrsche, in den politischen Verhandlungen einige Fortschritte erzielt seien. Line Reuter-Mel­dung aus dem Haag von gestern abend besagt: Die vier Mächte haben Deutschland in das Durcheinander hineingezerrt. Sie haben es den Deutschen überlassen, Vorschläge zu machen, die es ihnen ermöglichen sollen, Snowden e i n neues Angebot zu unterbreiten. Tatsächlich ist Deutschland zu verstehen gegeben worden, das Schicksal der Konferenz hänge mehr oder weniger von ihm ab. 3n britischen Kreisen wird behauptet, daß Snowden es ablehnt, sich an einem solchen Kuh­handel zu beteiligen, und daß er vielmehr darauf bestehen wird, daß die Zugeständnisse von den vier Mächten kommen und nicht von Deutschland. Die vier Mächte versichern also, ihr letztes Wort gesprochen zu haben und be­mühen sich, die Verantwortung für einen Fehlschlag der Konferenz Deutschland aufzuladen. Dieses sehr durchsichtige Manöver wird der britische Schah- kanzler sicherlich mühelos durchschauen.

In einer Unterredung mit Jaspar soll Snowden ausdrücklich erklärt haben, daß er den Vorschlag, England den aus der Uebertragung der Dawes- anleihezahlungen aus dem ungeschützten in den ge­schützten Teil der deutschen Tributzahlungen frei werdenden Betrag zur Verfügung zu stellen, nicht annehmen könne. Ein derartiger Gedanke sei für England nicht diskutierbar. England habe nicht die Absicht, eine Befriedigung seiner Forde­rungen lediglich zu La st en Deutschlands zu erreichen. England hatte nach wie vor an dem Verteilungsschlüssel von Spa fest und verlange dem­entsprechend einen 22prozentigen Anteil an den deutschen Tributleistungen.

Wird weiter verhandelt?

Die Franzosen wollen Montag reisen.

Haag, 23. Aug. (Tel.-An.) Die Verschiebung der Sechs-Mächte-Vesprechung auf Samstag kann nur in dem Sinne bedeutet werden, daß die Eini­gung in den Finanzfragen wieder an Aussicht verloren hat. Man will unter allen Amständen -Zeit gewinnen, um weiter verhan­deln zu können. Ein Abschluß der Konferenz am Samstag dürfte unwahrscheinlich sein. Mit einem Fortgang der Verhandlungen in der n ä ch st en Woche ist zu rechnen. Auf französischer Seite wird allerdings davon ge­sprochen, daß am Montag die Schl uh - sitzung der Konferenz stattfinden wird und daß Montagabend die Delegationen den Haag verlassen werden. Am Dienstag soll eine französische Kabinettssihung stattfinden, an der Driand teilnehmen würde. Auf französischer Seite wird in raschem Tempo mit allen Mitteln des Druckes gearbeitet, um auf dem Wege eines deut­schen Angebotes in den finanziellen Fragen eine Einigung mit England herbeizuführen. Die deut­sche Delegation befindet sich in einer außerordent­lich schwierigen Lage. Die Annahme des Voung- planes durch sämtliche Mächte ist nach Lage der Dinge kaum denkbar. Es scheint weit wahr­scheinlicher, daß in einer offiziellen Schlußsitzung die unüberbrückbaren Gegensätze von den einzelnen Regierungen festgestellt werden und die Konferenz vertagt wird.

Das Organisaiionskomiiee.

Haag, 23. Aug. (WB.) Das im $oungplan vor­gesehene Organisationskomitee für die Anpassung der nach dem Dawesplan erlassenen deutschen Gesetze ist zu seiner ersten konstituierenden Sitzung unter dem Vorsitz des früheren belgi­schen Ministerpräsidenten Delacroix im Haag zusammenaetreten und hat zum neutralen Vor­sitzenden Herrn Marcus W a l l e n b e r g (Stock­holm) gewählt.

Das Komitee besteht aus drei Anteraus- schüssen für die Anpassung der Regelung der verpfändeten Einnahmen, des Barckgesehes und des Reichsbahngesetzes und setzt sich wie folgt zusammen:

Sturmsahrt über den pazifischen Ozean.

Lieber unerforschtem Gebiet.

Seit mehr als vierundzwanzig Stunden strebt derGraf Zeppelin", der so viel an deutschen Hoffnungen mit sich trägt, quer übereden Pazifischen Ozean der atlantischen Küste zu. Der kleine Anfall, den Dr. Eckener in Tokio hatte, hielt ihn zum Glück nicht lange auf. Man unterschätzt eben die Schwierigkeiten, mit denen er zu kämpfen hat. Die Luftschiffhalle, in der das Lustschiff als Gast in Japan untergebracht war, ist immerhin schon siebzehn Jahre al t. Sie stand ehemals in Jüterbog und ist nach dem Kriege nach Japan transportiert wor­den. Sie reicht für die Raumverhältnisse eines modernen Luftschiffs kaum aus, beinahe ein Wunder, daß nicht mehr passierte. Begreiflich aber auch, wenn Dr. Eckener unter solchen Am- tänden beim zweiten Start sehr vorsichtig zuwege ging. Er wird seine Rerven auch jetzt noch brauchen. Die Fahrt über den Pazifik ist vielleicht der abenteuerlichste Teil der Reise, weil hier die Antersuchung der Luftströmungen, die doch auf dem Atlan­tischen Ozean schon ziemlich weit gediehen ist, vollkommen fehlt. Roch niemals hat ein Luft­schiff das Wasser gekreuzt, auch die Flugzeuge haben sich nur bis Hawai getraut. Es ist also auch jetzt wieder wie über Sibirien gewisser­maßen unerforschtes Gebiet, das Dr. Eckener unter sich hat. Im Vertrauen aber auf das bewährte Luftschiff und die eigene Tüchtig­keit wird er auch diese Fahrt nach San Diego überwinden, um dann nach kurzer Frist den letzten Teil der Reise anzutreten, der ihn nach Lake hur st zurückführt.

Lieber dem Weltmeer.

Tokio, 24.Aug. (Associated Preß.) Um 1 Uhr morgens hiesiger Zeit (17 Uhr MLZ.) gab der Graf Zeppelin" durch Funkspruch den folgenden Standort an: 36 Grad nördlicher Breite, 151 Grad östlicher Länge. Diese Position befindet sich etwa 600 Meilen östlich von kasurnigaura und deutet an, daß das Luftschiff der Dampferroute nach Seattle folgt. Die Durchschnittsgeschwindigkeit betrug 96 Stundenkilometer. Aus den Standortmel­dungen desGraf Zeppelin" geht hervor, daß das Luftschiff mutig in hie weiten Strecken des StillenOzeans hinein steuerte, statt der Grohzirkelroute zu folgen und sich in der Rühe der langgestreckten Inselgruppen zu halten, die sich von Japan bis nach Alaska hinziehen. Dr. Eckener bekundete dabei hinsichtlich der Wetterlage die gleiche scharfe Beobachtungsgabe, die chon bei den früheren Flügen den Erfolg gewähr­leistete.

Die Führung desGraf Zeppelin" teilte der Re­gierungsfunkstation durch Funkfpruch mit, daß er Freitagabend japanischer Zeit einen plötzlichen Gewitter st urm mit Böen vor sich gehabt habe. Als das Luftschiff um 22 Uhr (14 Uhr MLZ.) einen Standort bekannt gab, kündigte es zugleich an, daß es feine Geschwindigkeit gestei­gert habe und 130 Kilometer zurücklege. Dr. Lckener ist nach dem Abflug von Kasurnigaura nach Südosten abgedreht, um den an der Küste von Of- kaido herrschenden Winden auszuweichen. Anschei­

nend ist er aber doch in den Ausläufer des Sturmes hineingeraten. Lin weiterer Funkspruch von Bord desGraf Zeppelin" teilt mit, daß das Luftschiff etwa drei Stunden nach dem Abflug von Kafumi-, gaura in einen Sturm geriet, der es hef- t i g schüttelte. Es herrschte jedoch k e i n*e Un­ruhe an Bord. Die Sturmzone war bald durch­fahren und die Passagiere konnten in aller Ruhe ihre Abendmahlzeit einnehmen. Nachdem derGraf Zeppelin" das Sturmgebiet umfahren hatte, nahm das Luftschiff bei mondhellem, klarem Wetter und einer Fluggeschwindigkeit von nahezu 150 Stundenkilometer seinen Kurs etwa 600 Kilometer südlich der zuerst geplan­ten Route. Wenn sich die Wetterlage nicht wesentlich verbessert, wird Dr. Eckener voraussichtlich den Kurs über den Stillen Ozean betbebalten. Das Luftschiff befand sich zwischen der nördlichen und der südlichen Dampferstrahe über dem ein­samsten Teil des Stillen Ozeans.

Die Funkstation Ochiischi erhielt Samstag vor­mittag 10 Uhr Tokioer Zeit (2 Uhr früh MEZ.) einen Funkspruch vomGraf Zeppelin", in dem sein Standort mit 161,25 Grad östlicher Länge und 39,20 Grad nördlicher Breite angegeben wird, hier­nach ist das Luftschiff von Kasurnigaura etwa 2 2 0 0 Kilometer entfernt. Line etwas spä­tere Meldung gibt die Position desGraf Zeppe­lin" mit 1350 Kilometer südlich und etwas östlich von der Südspihe der Halbinsel Kam­tschatka an. Das Luftschiff verfolgt nach dieser Meldung nordöstlichen Kurs in Richtung aus die A l e u t e n. Passagiere und Mannschaft befin­den sich in bester Verfassung. DerGraf Zeppe­lin" hatte seit seiner Abfahrt die rund 2 2 0 0 fiilometer in 17 Stunden 47 Minuten zurückgelegt, was einem Durchschnitt von 117 Kilo­meter in der Stunde ergibt. Um 5 Uhr früh MEZ. befand sich das Luftschiff auf 40,5 Grad nörd­licher Breite und 165 östlicher Länge. Diese letzte Standortmeldung wurde von einem Amateurfunker in San Franzisko aufgefangen, demzufolge das Luftschiff weiter meldete: Wir treten ineinTief- druckgebiet ein. Unsere Geschwindigkeit ist nicht sehr groß. Die Funkstation Mackay bei San Fran­zisko erhielt um9Uhrvorniiltags MLZ. eine Meldung vomGraf Zeppelin", die den Standort des Luftschiffes mit 168 Grad 30 Ulin, östlicher Länge und 41 Grad 5 Ulin, nördlicher Breite an­gibt. 3n der Meldung heißt es weiter: Wir ma­chen 50 Knoten durch dichten Rebel.

Oie Wetteraussichten.

San Franzisko, 24. Aug. (WTB. Funk­spruch.) Nach einer Mitteilung des Wetterbureaus von San Franzisko liegt ein großer Nebel­gürtel in der Fahrtrichtung desGraf Zeppe­lin". Auch werde das Luftschiff bei der Fahrt nach Amerika frischen Winden begegnen. Westlich vom 170. Grad westlicher Länge ist die Windrich­tung von der Behringsee her südlich, östlich von demselben' Meridian herrscht Südwind. Wie das Wetterbureau erklärt, ist die Gegend der Aleuten st e t s sehr fteblig. Dr. Eckener werde aber gewiß im Stande sein, seinen Kurs den Windrichtungen vorteilhaft anzupassen.

Verpfändete Einnahmen: Mi.isterial- rat Dr. Berger, Staatssekretär a. D. Bergmann, Andrew Macfadyean, Gaillet-Billotteau.

Bankgesetz: Sir Charles Addis, Delacroix, Ministerialdirektor Dr. Scheffer, Geheimrat Bocke.

Reichsbahngeseh: Bianchini, Ministerial­direktor Professor Dr. Dorn, Leverve, Ministe­rialdirektor Bogel.

Das Komitee trat unter dem Vorbehalt zu­sammen, daß auf der Konferenz ein grundsätz­liches Einvernehmen zustande kommt.

Oie Kaffenlage des Reichs. Neue Anforderungen des Neichsarbeits- ministeriums.

Berlin, 23. Aug. (Priv.-Tel.) Mit der Tatsache, daß eine Verlängerung des Schatzanweisungskredits notwendig ge­worden ist, rückt die Lage der Reichskasse wieder bedeutend stärker in den Vordergrund. Rach unseren Informationen sollen die 145 Millionen Mark Schatzanweisungen, die am 30. September fällig sind, nach einem Angebot des Banken­konsortiums bis zum 31. Januar 19 3 0 prolongiert werden. Damit würde die Reichskasse ohne Frage eine Erleichterung er­halten, und es ist anzunehmen, daß das Reichs­finanzministerium das Banlenangebot auch akzep­tiert. Run besteht allerdings noch eine andere Gefahr, und das ist die, daß die Reichskasse in Anbetracht der Unklarheit über die Reparationen noch nicht in der Lage ist, bestimmte Dispositionen zu treffen. Sollten am 1. September auch noch die Dawes­zahlungen fällig sein, so wird die Reichskasse diesen Anforderungen selbstverständlich genü­gen können, wenn es auch mancherlei Schwie­rigkeiten verursachen dürfte. Bedeutend schwie­riger werden sich allerdings die Verhältnisse in der Reichskasse in den Mintermonaten gestalten, weshalb der Reichsfinanzminister ja auch so gro­ßen Wert darauf legt, daß er in Zukunft von der Gefahr neuer Mehr anforderun- gen seitens der Arbeitslosenver­sicherung verschont bleibt. Wie man hört, hat das Reichsarbeitsministerium aber auch noch eine ganze Reihe anderer Forderungen in Vorbereitung. So sollen die Etatsansätze für die Invalidenversicherung, wie auch die für die Krisenfürsorge nicht ausreichen. Im ganzen handelt es sich hierbei wiederum um einen Betrag, der über 100 Millionen Mark hinausgeht. Der Haushalt ist aber nach keiner Richtung hin in der Lage, diesen Rach» tragsforderungen zu entsprechen. Sie müssen un­bedingt aus dem Wege von Einsparun­gen bei anderen Positionen des Reichsarbeitsministerrums gedeckt werden. Hinzu kommt noch, daß dem Reiche noch weitere Anforderungen drohen, die sich aus dem Defizit des Jahres 1928 ergeben, und andererseits dadurch, daß die Einnahmen dieses Jahres mit rund 300 Millionen Mk. unter den Etatsansähen liegen. Diese Summe, 1 die insgesamt 450 Millionen Mark ausmacht,

stellt eine unerhörte Belastung der Reichs­finanzen dar, und es wird noch ernster Prü­fungen bedürfen, um für diese Anforderungen eine Deckung zu finden. An und für sich rechnet der Reichsfinanzminister ja damit, diese Fehl­beträge durch die Reparationseinspa­rungen zu decken, vorausgesetzt, daß der Voungplan in Kraft tritt. Aus diesem Grunde wird die ablehnende Haltung des Reichsfinanz­ministers bei der Abstimmung über die Der- sicherungsreform auch durchaus erklärlich.

Forderungen des Rsichsstädtebundes.

Finanzausgleich und Arbeitslosenversicherung.

Kiel, 23. Aug. (WB.) Auf der Tagung des Reichsstädtebundes begründete der Präsident des Reichsstädtebundes, Dr. H a e k e l, eine Entschlie­ßung zum Finanzausgleich, in der dar­auf hingewiesen wird, daß die Belastungen der mittleren und kleinen Städte bis ins Uner­trägliche gestiegen seien und eine stärkere Berücksichtigung dieser Städte bei der Ueber- weisung von Reichssteuern verlangt wird. Die Entschließung wurde gegen die Kommunisten an­genommen. Es heißt darin u. a.: Der endgül­tige Finanzausgleich in Reich und Ländern darf nicht nur das einseitige Ziel verfolgen, die Reichsfinanzen, zu sanieren und die an sich er­wünschte Milderung einzelner untragbarer Steuerlasten durchzuführen, sondern muß zugleich den in besonderer Rot läge befind­lichen mittleren und kleinen Gemein­den ein Existenzminimum sicher st el- len, das ihnen die Erfüllung ihrer gesetz­mäßigen Aufgaben ermöglicht. Dies kann er­reicht werden durch zweckentsprechende Ergän­zung der gemeindlichen Einnahmen, die nicht nur bestimmten Gemeindegruppen, sondern allen mittleren und kleinen Gemeinden zugute kommt, auf Gebieten, die eine stärkere Belastung ver­tragen, ferner durch ausreichende Be­teiligung der Gemeinden an den gro­ßen Steuern in Verbindung mit einer aus­gleichenden Verteilung dieser Einnahmen sowie durch gleichzeitigen gerechten Ausgleich der Polizei- und Schullasten innerhalb der Länder, vornehmlich bezüglich der mittleren und höheren Schulen, die gerade die mittleren und kleinen Städte unverhältnismäßig stark belasten und die die Erfüllung einer Kulturpflicht dar­stellen, die eigentlich Aufgabe des Staates ist.

Im weiteren Verlauf der Verhandlungen wurde über die vorliegenden Entschließungen zur Re­form der Arbeitslosenversicherung abgestimmt. Im Hammelsprung wurde mit 298 gegen 285 Stimmen eine durch eine vom Zentrum beantragte Einfügung ergänzte sozi aldemo- kratische Entschließung angenommen, die besagt: Die Mitgliederversammlung des Reichs­städtebundes erkennt die Rotwendigkeit einer Re­form der Arbeitslosenversicherung an. Sie erhebt aber gegen jede nicht unbedingt notwendige Ein­schränkung der Versicherungsleistungen die stärk­

sten Bedenken und warnt vor einer solchen durch die tatsächlichen Verhältnisse nicht gerechtfertigten Einschränkung.

Aus aller Welt.

Löwenjagd in Gumbinnen.

Durch Rachlässigkeit eines Angestellten des Zirkus Alberti entwichen in Gumbinnen abends um 9 Uhr drei Löwen aus dem Zirkus. Der Verwalter des in Stadtnähe liegenden Gutes Drücklerhöfchen, aufmerksam gemacht durch das Brüllen einer Kuhherde, begab sich aus feiner Wohnung, um die Ursache der Unruhe festzu­stellen. Als er in die Dunkelheit hinauskam, er­hielt er plötzlich von hinten einen Schlag cn den Rücken. Als er sich umwandte, sah er einen starken Löwen hinter sich. Auf seinen Zuruf hin wich der Löwe zurück, so bah der Verwalter seine Wohnung wieder erreichen und die Tür schließen konnte. Jetzt wurden, Herrschaft und Personal des Gutes alermiert. Man sah durch die Fenster, wie die Löwen im Garten und auf dem Hof herumliefen. Inzwischen er­schienen Angestellte des Zirkus auf dem Hof, Zum die Bestien wieder einzufangen. Glücklicher­weise gelang es, die Tiere auf dem Hof, der ein geschlossenes Viereck bildet, zu stellen und durch Vorsehen von Gittern in drei Gebäudewinkeln abzusperren. Der Raubtierwagen wurde an die provisorischen Käfige herangebracht und auf Zu­reden ihres Bändigers kehrten die Löwen in die Gefangenschaft zurück.

Der deutsche Flieger Morzik Sieger im Luropa- Rundflug.

Rach dreitägiger Verhandlung hat der mit der Prüfung der Ergebnisse des Internationalen Europarundfluges betraute Sportausschuß dis Liste der Punktwertung festgestellt, der- zufolge der deutsche Flieger Morzik von der Deutschen Verkehrsfliegerschule a l s Sieger aus dem Wettbewerb hervor- gi n g. Die endgültige Plazierung der übrigen Teilnehmer kann erst später erfolgen, da gegen drei Sieger, und zwar gegen die Engländer Broad und Miß Cpooner sowie gegen den auf einer deutschen Maschine mitgeflogenen Kanadier Carberry eine Untersuchung wegen Ueberfiegens einer verbotenen Zone in Italien eingeleitet Zworden ist, deren Ergebnis auf die Gesamtwer­tung einen Einfluß haben kann. Von den 31 am Ziel eingetroffenen Konkurrenten sind 11 Deut - s ch e. Da der Sieger ein Deutscher ist, so wird die Organisierung des nächstjährigen Europa- rundfluges dem Deutschen A e r'o - C l u b zu- fallen. Rach der Punktwertungsliste ergibt sich für die ersten zehn die folgende Bewertung: Morzik 138,5 Punkte, Droad-England 135,25, Carberry-Kanada 131, Lusser-Deutschland 128,25, LGuazzatti-Italien 127,25, v. Dungern-Deutsch- land 126,75, Kleps-Tschechoslowakei 126,5, Ca- staldo-Italien 124,2, Gelmetti-Italien 122 und Miß Spooner-England 121,5 Punkte. Von den übrigen Teilnehmern stehen Roeder an 1., Poß an 15., Kneer an 17., Offermann an 18., Kirsch an 19., Siebel an 20., Iunck an 27. und Croneiß an 29. Stelle.

Schweres Motorradunglück bei Leipzig.

Auf der Lützener.Straße fuhr ein vorschrifts­widrig mit drei Mann besetztes Motor­rad gegen ein Fuhrwerk. Bei dem Anprall wur­den alle drei heruntergefchlexdert. Der eine geriet unter ein Pferd, der zweite unter ein gerade vorüberfahrendes anderes Fuhr­werk. Beide wurden auf der Stelle ge­tötet. Der dritte Fahrer blieb bewußtlos liegen. Er wurde ins Krankenhaus gebracht und ist noch nicht vernehmungsfähig.

Oie Wetterlage.

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Wettervoraussage.

Durch den Südseiteneinfluß der nördlichen Stö­rung hält die Zufuhr seuchtwarmer ozeanischer Luftmassen an. Sie haben ferner zu Rieder­schlägen geführt und in ganz Deutschland wei­teren Temperaturanstieg verursacht. In ihrem Bereich dauert das wechselhafte Wetter mit Auf­heiterung fort, wobei es strichweise noch zu Schauern kommt.

Wettervoraussage für Sonntag; Wechselnde Bewölkung mit Aufheiterung, vereinzelte Schauer, Temperaturen schwankend, um West drehende Winde.

Wettervoraussage für Montag: Zeit­weise bewölkt, sonst aufheiternd, Temperaturen im allgemeinen etwas zurückgehend.

Lufttemperaturen am 23. August: mittags 20,1 Grad Celsius; am 24. August: morgens 17,5 Grad. Maximum 20,5 Grad, Minimum 15,4 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 23. August: abends 19,4 Grad; am 24. August: morgens 17,4 Grad Celsius. Niederschlag 1,1 mm. Sonnen­scheindauer 3% Stunden,