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24.5.1929
 
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Nr. 119 Erster Blatt

179.3af?rgang

Zreitag, 2\. Mal 1929

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Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen.

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Dr. Vogler legt sein Gachverständigenmandat nieder.

Berlin, 23.2TlaL (XU.) Wie nunmeher atnl- 11 ch b e ft ä t i g f wird, Hal Generaldirektor Vog­ler der Reichsregierung mitgeteilt, daß er seinen Posten als Sachverständiger im Pariser Sachverständigenausschuh niedergelegt habe. Zu seinem Nachfolger ist Geheimrat ft a st l ernannt worden. Zu dem Rücktritt Dr. Voglers erfahren wir noch, daß sich Dr. Vogler bereits seit lieber- reichung der deutschen Gegenvor­schläge zu dem Owen Poungschen ftompromih- plan mit dem Gedanken getragen hat, seine Ge­wissensbedenken durch ein Ausscheiden aus den Be­ratungen zum Ausdruck zu bringen. Als freier und für sich unabhängiger Sachverständiger hat felbff- verständlich jedes einzelne Mitglied der Pariser Kon­ferenz es lediglich vor feinem eigenen Gewiffen zu verantworten, ob es die Teilnahme an den Ver­handlungen für zweckmäßig und fruchtbar zu halten vermag. Die Entscheidung, für feine Perfon diefe Frage zu verneinen, hat Dr. Bögler gestern ge­troffen, nachdem aus der Antwort der G 1 ä u b i g e r f a ch v e r st ä n d i g e n ihm flar ge­worden ist, wie diese auf die deutschen Vorschläge und Vorbehalte reagiert haben.

Die Gründe des Rücktritts.

schon der Young Vorschlag für Dr. Bögler unannehmbar.

Berlin, 23.Mai. (TU.) Zum Rücktritt Dr. Böglers nimmt der Chefredakteur derDeut­schen Allgemeinen Zeitung", die be­kanntlich Dr. Bögler nahesteht, und deren Aus­führungen aus diesem Grunde Beachtung ver­dienen, u. a. wie folgt Stellung:

Cs handelt sich bei den Rücktrittsabsrchten Dr. Böglers um einen Entschluß, der im Grunde schon fünf bis sechs Wochen zurück- liegt. Herr Dr. Bögler hat damals bet der Ueberreichung des TZoungschen Memoran­dums keinen Zweifel darüber gelassen, daß er dieses Memorandum in der Form, die es bei der Ueberreichung hatte, für unannehmbar hielt. Diese Mitteilung hat er auch der Regierung ge­macht. Er hat schliehlich, um einen Beweis des guten Willens zu geben, sich damit einverstanden erklärt, über den Boung-Plan zu verhandeln, wenn eine Anzahl, im ganzen zehn, Vorbe­halte von der Gegenseite akzeptiert wurden. Bekanntlich hat sich die deutsche Gesamtdelegatton diesen Standpunkt zu eigen gemacht. Sie hat den Poung-Plan unter der Boraussehung angenom­men, daß die Gegenseite ihn gleichfalls an­nimmt und zweitens, daß die deutschen Vor- behalte Berücksichtigung finden. DieseBor- behalte stellen nicht etwa eine Privatarbeit Dr. Böglers dar, sondern sind in der deutschen Dele­gation einstimmig beschlossen worden.

Dr. Vogler hat bei seiner Stellungnahme auf folgende Punkte das Hauptgewicht gelegt: Ein­mal dürfte er eine Ausdehnung der Tri­butpflicht auf 58 Jahre an sich für un­erträglich halten. Cs liegt die Tleberlegung nahe, daß man einem arbeitsamen und sparsamen Dock' und insbesondere dessen junger Heranwach­sender Generation wohl sagen kann, daß es not­wendig ist, infolge des verlorenen Krieges auf Drei- bis Dierjahrzehnte eine schwere Last auf sich zu nehmen, aber Sechsjahrzehnte mit diesen drückenden Abgaben zu belasten, ist wohl schon psychologisch unmöglich. Dazu kommen, nicht nur nach Ansicht Dr. Vog­lers, sondern nach Ansicht aller Sachverständi­gen, die Summen, über die sie verhandelten und diediedeutscheLeistungsfähigkeit weit übersteigen. Unter solchen Umständen mußte eine klare und eindeutige Revrsrons- forme! geschaffen werden, die es ehrlichen Leu­ten allein ermöglichen könnte, einer solchen Be­lastung evtl, zuzustimmen. Diefe Revlswns- oder Sicherheitsklausel ist praktisch gefallen, prak­tisch sind die Kompromißvorschlage, die die deutschen Vorbehalte hinsichtlich der restlichen 21 Jahre enthielten, gleichfalls a b g e l e h n t worden.

In dieser Situation glaubt offenbar Dr. Vog­ler die Verantwortung für die Zustimmung nicht übernehmen zu können und es scheint uns äußerst zweifelhaft, ob überhaupt irgend le­in a n d diese Verantwortung zu übernehmen in der Lage ist. Dr. Schacht befindet sich gegen­über dem erpresserischen Machtwillen der Haupt­gläubigerstaaten in einer Situation, die sich von der Dr. Voglers kaum unterscheidet.

Oie Meinung der presse.

B e r I i n , 23. Mai. (TU.) Der Rücktritt Dr. Bög­lers wird von der gesamten Berliner Presse ein­gehend behandelt. DieVossische Zeitung" glaubt berichten zu können, daß entscheidend auf den endgültigen Entschluß Böglers der Druck eingewirkt habe, der von der Schwerindustrie unter Führung Fritz Thyssens ausgeübt worden sei. Die Hugenbcrg nahestehende Gruppe der Schwerindustriellen habe verantwortungslos und jeder Kontrolle entzogen ihre Macht geltend gemacht", um den ihr wirtschaft­lich verbundenen deutschen Sachverständigen in ihrem Sinne bestimmend zu beeinflussen. 3m übrigen be­tont das Blatt, daß das Zusammentreffen der offi­ziellen Mitteilung über Böglers Rücktritt mit der Verschärfung der sachlichen Gegensätze in Paris eine

sehr ernste Situation geschaffen habe. DasB e r I. Tageblatt" betont ebenfalls, daß Bögler auf den Druck der rechtsstehenden Führer der Schwerindu­strie zurückgetreten sei. Das Blatt bezeichnet das als um so bedauerlicher, als der Moment, in dem der zweite Hauptdelegierte die deutsche Delegation ver­lasse, ein besonders schwieriger fei. Daß dieser Vor- stoß eines Teils der Schwerindustrie Bögler gegen­über Erfolg gehabt habe, müsse um so mehr be­fremden, als Bögler Mitglied der Volkspartei sei. Der Pariser Berichterstatter des Blattes berichtet aus Paris, daß der Rücktritt Dr. Böglers in den einzelnen Delegationen eine gewisse Bestürzung her­vorgerufen habe. Aus der Pariser Atmosphäre lasse sich die Demission folgendermaßen erklären: Sie dokumentiere nach außen hin die Wandlung der Konferenz in eine in er ft er Linie poli­tische Beratung. Dr. Bögler sei offenbar nur bereit gewesen, als ein wirtschaftlicher Sachverständiger Deutschlands Interessen zu vertreten, während seine Kollegen allem Anschein nach die Absicht hätten, auch unter den ver­änderten Umständen weiterzuarbeiten

DerVorwärts" bezeichnet den Rücktritt als ein Ergebnis von Vorgängen, die sich in Kreisen der deutschen Schwerindustrie vollzogen hätten und meint, daß hinter Vogler und seinem Rücktritt Kreise ständen, die in internattonalen Verhandlungen stets eine sehr unglückliche Hand bewiesen hätten. Vogler habe die deutsche Dele­gation in einem Augenblick verlassen, in dem sie in einem überaus schwierigen Endkampf stand. Das mache sein Verhalten noch weniger ver­ständlich. Ob das deutsche Volk und die Wirt­schaft besser führen, wenn in Paris nichts zustande komme, als wenn ein schwer er­trägliches Komp romiß geschlossen werde, sei eine Frage der reinen Zweckmäßigkeit und der taktischen Auffassung. Vom Arbeiterstand­punkt aus könne nur gesagt werden, daß ein Scheitern der Pariser Verhandlungen für die Massen des schaffenden Volkes bedrohlichere Fol­gen hätte, als für die sogenannten Wirtschafts- führer.

In derGermania" wird ausgeführt:Dr. Böglers Rücktritt ist nicht nur eine persönliche Kund­gebung und Meinungsäußerung, vielmehr muß man berücksichtigen, daß er zum Mitglied der deutschen

Delegation eben deswegen von der Reichsregierung ernannt worden ist, weil er einer der reprä­sentativsten Vertreter der unmittel­bar Werte schaffenden Wirtschaft ist. Deshalb ist weiter sein Rücktritt als wicktiges Zei­chen für die skeptische Beurteilung der Pariser Entwicklung durch bedeutende Kreise der Wirtschaft und als W a r n u n g s s i g n a l an alle Verhandlungsparteien auf der Reparationskonserenz anzusehen." DieD. A. Z.", die die Beeinflussung Dr. Vöglers durch irgendeine deutsche Industrie- gruppe in Abrede stellt, betont, daß dasjenige, was als Forderung der Gläubiger heute aus Paris ge­meldet wird, grundsätzlich für keinen einzi­gen mit diesen Fragen befaßten Menschen annehm­bar sein kann, nicht nur für Dr. Vögler nicht." DieB ö r s e nz e i t u n g" wendet sich ebenfalls gegen den Artikel Bernhards in derVofsischen Ztg." und stellt fest, daß in, diesem Artikel die rheinisch- westfälische Industrie mit Schmähungen über­häuft und Dr. Vögler durch die U n t e r st e l l u n g beleidigt werde, er habe seinen Entschluß u n - ter ungeheurem sozialen und wirt­schaftlichen Druck gefaßt. Das Blatt gibt dann Der Ueberzeugung Ausdruck, daß die Beschimpften sich selbst zur Wehr setzen würden und wendet sich dann gegen den Abgeordneten Bernhard, der ver­langt habe, daß deutscherseits die Verhandlungen den starren Wirtschaftlern genommen und in die weicheren Hände der Politiker gelegt würden. Aus Wut darüber, daß dieser politische Plan mißlungen sei, drehten diese Kreise den Spieß um und beschuldigten Dr. Vögler und die Schwer­industrie politischer Machenschaften. Die Deutsche Tageszeitung" meint, daß man für die Haltung Dr. Vöglers nur volles Verständ­nis aufbringen könne. Es sei eine üble Diskre - biti o n feiner Persönlichkeit, wenn man in den Linksblättern den Versuch mache, Dr. Vögler als ein willenloses Werkzeug gewisser schwerindustrieller Kreise hinzustellen. Dieschamlose Hetze", die aus diesem Anlaß von der Linkspresse entfesselt werde, stelle einen Höhepunkt nationalerWürde- losigkeit dar. DieDeutsche Tageszeitung" hofft, daß die Reichsdelegation ebenso wie die Reichsregierung sich endlich zu dem Entschluß auf­raffe, hier dem für Deutschland entwürdigenden Spiel ein Ende zu machen.

Oie Auffassung in London.

ManwünschiOeutschland die Schuld an demScheiiern der Konferenz zuzuschieben.

London, 23. Mai. (TU.) Die Ansichten über die Wirkung des Rücktrittes Dr. Voglers aus dem weiteren Verlauf der Pariser Verhand­lungen sind in London geteilt. 2n Finanz- und politischen Kreisen, die seit längerer Zeit auch während der verschiedenen Krisenpunkte un­entwegt an der Ansicht festhielten, daß die Kon­ferenz nicht ohne jedes Ergebnis aus­einandergehen werde, ist auch heute ein aus­gesprochener Pessimismus nicht zu verzeichnen. Die Wirkung des Rücktrittes Voglers, die eine gewisse symptomattsche Bedeutung hat, wird zwar nicht verkannt, aber man glaubt, daß der innere Zwang der Pariser Verhandlungen schließlich über alle Hindernisse siegen werde. In extremen konservativen Kreisen wird die am Donnerstag früh bereits vomDaily Mail" angedeutete Linie eingenommen und die publi­zistische Vorbereitung für die Ab - schiebung der vollen Schuld an einem möglichen Scheitern auf Deutsch­land getroffen. DieCvening Rews", das Abendblatt des berüchtigten Rothemere-Kon- zerns, bringt die tendenziöse äleberschrist: Herr Vogler tanzt nach der Pfeife von Herrn Krupp. Die übrige Presse schließt sich dieser Tendenz­mache nicht an. Es ist aber sehr wahrscheinlich, daß ein deutsches Beharren auf der gegenwär­tigen Ablehnung von den Tributgläubigern mit der deutschen Schuld an einem Scheitern der Konferenz gleichgestellt würde, da für die gegen­wärtige zahlenmäßige Differenz zwi­schen dem ersten amerikanischen Plan und den letzten Forderungen der Alliierten kein Hnter- schied mehr bestehe, der einen Abbruch nach alliierter Ansicht rechtfertigen würde. Dieser Hinweis liegt nahe, nachdem man von deutscher Seite die Leistungsfähigkeit gewisser­maßen über Rächt von 1650 Millionen auf 2050 Millionen heraufsetzte. Angesichts dieser Sachlage wird es sehr schwierig sein, der Welt plausibel zu machen, bah der Hauptton der deutschen Zustimmung zu dem Doungvorschlag auf öen deutschen Vorbehalten lag, zumal auf der Gegenseite die Tatsache propagandistisch unter den Tisch fällt, daß die Frage der 21 Schuldenjahre der Alliierten nach dem 37.Tri- butjahr sowie das abgelehnte Aufbring- Moratorium für die deutsche Abordnung u n- überwindbare Schwierigkeiten be­reiten.

Oie Denkschrift der Gläubigerstaaten in Berlin eingegangen.

Berlin, 24. Mal. (TU.) Die Denkschrift der Gläubigerstaaten ist am Donnerstagabend in Berlin eingetroffen und wird von den zuständigen Regierungs st eilen geprüft. Das Kabinett wird sich voraussichtlich nach der Rückkehr des Reichskanzlers M ü l l e r, die für den heuttgen Frei­

tag erwartet wird, mit dem Stand der Pariser Verhandlungen und mit der Denkschrift befassen. Wie dieDAZ." erfährt, haben am Donnerstag Besprechungen der an der Kriegsentschädi­gungsfrage interessierten M i n i ft e r des Auswär­tigen, der Finanzen und der Wirtschaft stattgefun­den. Eine Stellungnahme dazu komme zunächst nicht in Frage, da die Sachverständigen in Paris erst Stellung nehmen müßten.

Dreistündige Aussprache in paris.

Pause in den Besprechungen

Paris, 23. Mal. (WB.) Die deutschen Delegier­ten Dr. Schacht unb ft a ft l haben mit den vier Vertretern der ©läubigernafionen Addis, O u e e- nay, Pirelli unb (Butt heute nachmittag in Anwesenheit amerikanischer Delegationsmitgliebet eine eingehenbe, nahezu dreistündige Aussprache über die Antwort der ÖJläubigerbelegationen gehabt, ohne daß irgendwelche Beschlüsse gefaßt worden sind. Die Gläubigervertreter werden nunmehr ihre Delegationen über den deutschen Standpunkt unter­richten; erst dann werden die Besprechungen hier­über weitergehen. Inzwischen werden voraussichtlich zwischen Dr. Schacht, Owen Poung und Sir Josiah Stomp Besprechungen über andere Fragen geführt werden.

Wenig Hoffnung.

Englische Pressestimnten zum Stand der Reparationskonserenz.

London, 24. Mai. (WTB. Funkspruch.) lieber den Stand der Pariser Verhandlungen äußert sich der diplomatisch« ftorrefponbent desDaily herald" wie folgt: Die Lage ist derart ernst ge­worden, daß sogar der Rücktritt Dr. Voglers zu einem unwesentlichen Zwischenfall geworden ist. Der wichtige Faktor ist, daß die deutsche Delegation we­sentliche Teile der alliierten Denkschrift als völlig unannehmbar betrachtet. Rach vier Monaten scheinen die Sachverständigen, wenn nicht ganz so weit wie ursprünglich, so doch immer noch in beängstigendem Ab st and vom Ziel zu fein. Die Aussicht auf eine baldige Vereinbarung, die vor einigen Tagen gut schien, ist völlig ge­schwunden. Dem Pariser Korrespondenten der Daily Rews" zufolge, herrschte gestern abend in französischen Kreisen düstere Stimmung.

Der Pariser Korrespondent derTime s mel­det: Dr. Schacht deutete gestern nachmittag öffentlich an, daß vom deutschen Standpunkt aus die Lage verzweifelt ist. Zweifellos ist in deutschen Kreisen durch die neuen Vorschläge viel

(Erbitterung entstanden und deutsche Beob­achter, die bisher dringend für Versöhnung eintra­ten, sprechen heute in einem anderen Ton. Die An­nahme, daß Dr. vögler von einer Gruppe deutscher Industrieller zum Rücktritt gezwungen wurde, er­scheint ganz ungerechtfertigt.

Oie Laieranveriräge vor dem römischen Senat. Rom, 23.Mai. (WB.) 3m Senat begann die Diskussion über die Lateranoerträge. Der Senat war voll besetzt. Auch zwei Prinzen aus dem könig­lichen Hause, nämlich die Herzöge von Apu­lien und Pistoja, hatten ihre Senatorensitze eingenommen. Es sprachen fünf Senatoren, darun­ter Senator B e v i o n e, der aus dem liberalen Journalismus stammt. Seine Rede erregte ein ge­wisses Aufsehen. Er erklärte zunächst, daß die Aus­söhnung zwischen dem Vatikan und dem Quirinal bei den französischen Rechtsparteien große Besorgnis erregt hätte. Er polemisierte dann gegen bi e An­sprache b e 5 P a p st e s an die Schüler des Fesuiten-Gymnasiums von Montragone, der gegen­über er die Rechte des Staates bei der Erziehung berIugend unterstrich. Die Rede Beoiones würbe von allgemeinem Gemurmel auf ber rechten Seite bes Hauses unterbrochen, als er bie Behauptung aufstellte, baß selbst bann, wenn das Konkordat aufhören würde zu existieren, der Aus- söhnungsoertrag nicht mehr rückgängig gemacht werden könnte. Wie verlautet, soll im weiteren Verlauf der Debatte namens der Oppo­sition der berühmte Philosoph BenedettoCroce eine Erklärung verlesen.

Opfer der G. P. Ll.

Angebliche Gegenrevolutionäre in MoSlau hingerichtet.

Moskau, 23. Mai. (Telegraphenagentur der Sowjetunion.) Eine amlliche Mitteilung gibt be­kannt, daß die staatliche politische Verwaltung (G. P. U.) im Eisenbahnwesen und in der Gold- und Platinindustrie 3 ro e i gegenrevolutionäre Organisationen aufgedeckt habe, die den Sturz der Sowjetmacht durch Sabotageakte, Desorganisa­tion unb burch Unterstützung einer ausländischen In­tervention anstrebten. Die führende Rolle in der ersten Organisation spielten der frühere Vorsitzende der Direktion und Großaktionär der privaten Bahn MoskauKasan, v. Meck, unb der ehemalige Chef des Transportwesens im kaiserlich-russischen Gene­ralstab, Welitschko, die beide in der letzten Zeit bedeutende Posten im Verkehrskommissariat bekleide­ten. Der Führer ber zweiten Organisation war der ehemalige Finanzminister für Handel unb Industrie im Kabinett Kerenskis Paltschinski, der zuletzt als Professor am Leningrader Institut für Berg- unb Hüttenwesen tätig war. Die genannten Persön­lichkeiten würben burch Beschluß bes Kollegiums der G. P. U. gestern zum Tobe verurteilt; bas Urteil ift bereits voll streck t. Die übrigen Teilnehmer ber Organisation wurden zu Gefängnis­strafen von verschiedener Dauer verurteilt.

Oer WoldemaraS-Attentäter zum Tode verurteilt.

Kow n o, 23. Mai. (WTB.) Der unter dem Verdacht der Beteiligung am Attentat auf den litauischen Diktator Wol­de in a r a s verhaftete Student D 0 sylius hat gestanden, daß er an der Tat beteiligt war. Er hat die Rarnen einiger Mitschuldigen an­gegeben und den Studenten G u d e l i s als den­jenigen bezeichnet, von dem der Plan zu der ganzen Tat herrührt. Gudelis ist bereits gestern vorn Kriegsgericht zum Tode verurteilt worden.

Oer Weltverband derVölkerbuudsligen fordert die allgemeine Abrüstung.

Madrid, 22. Mai. (TU.) In der Vollver­sammlung des Weltverbandes der Völkerbunds­ligen, die am Mittwoch unter dem Vorsitz deS Grafen Bernstorff stattfand, wurde eine von dem belgischen Vertreter Rollin einge­brachte Entschließung angenommen, in der die Beschleunigung der Abrüstung durch Abschluß von Sicherheitsverträgen vorgeschlagen wird. In der Aussprache erklärte der deutsche Vertreter R h e i n b a b e n, daß Deutschland in den Fragen der Entwaffnung und Abschluß von Sicherheits­verträgen am weitesten fortgeschritten sei und daß Deutschland auch weiterhin bereit sei. am Ausbau eines Systems von Sicherheitsver­trägen mitzuarbeiten, um dadurch die allgemeine Abrüstung zu beschleunigen. Lord Robert Cecil als Vertreter Englands hob die rege Mitarbeit ber deutschen Abordnung hervor und betonte, daß zur Forderung der Friedensbewegung ein weiterer Gesichtskreis als der rein na­tionale unerläßlich sei. Der französische Ver­treter Jouvenel wies auf die aufopfernde Arbeit des Grafen Bernstorfs in der Ent­waffnungsfrage hin und begrüßte das Zustande­kommen der gemeinsamen Entschließung.