Glück gewählt. Die Kasse Betagt in Bem Verstorbenen einen sachkundigen und gewissenhaften Menschen.
Kreis Friedberg.
= B a d -R a u he i m , 23. April. Eine wohlgelungene, gut besuchte Bismarck - Feier veranstaltete am Samstagabend die hiesige Bereinigung der Dismarckfreunde. Die Festrede hielt Studienrat Dr. Lenz (Gießen), der das Lebenswerk des großen Kanzlers zeichnete. Bismarck solle uns allezeit ein Vorbild sein im Willen zur Tat und in seinem Glauben än die gute deutsche Sache. Fräulein von der Heydt (Gießen) und Malermeister Maub von hier verschönten die Feier durch den Vortrag einiger ansprechender Lieder. Recht eindrucksvoll war das lebende Bild „Huldigung an Bismarck'.
Kreis Büdingen.
Ridda, 23. April. Am Sonntagnachmittag fand hier im Hotel „Zur Traube" eine außerordentliche Generalversammlung des Reiter- und Fahrvereins Ridda statt, in der über den Dau einer Reithalle verhandelt wurde. Da maßgebende Personen von hier derartige Hallen in anderen Städten eingesehen und deren Einrichtungen geprüft hatten, konnte ein Plan über den Reubau der Versammlung vorgelegt und zur Begutachtung unterbreitet werden. Rach eingehender Aussprache wurde der Bau endgültig beschlossen. Die Halle soll 16 Meter breit und 40 Meter lang, aus Holz mit festem Dach so angeführt werden, daß sie neben ihrem Hauptzweck als Reithalle auch bei besonderen Festlichkeiten als F e st h a l l e Verwendung finden kann. Sie wird in diesem Falle für ungefähr 1200 Personen Sitzgelegenheit bieten und soll zum ersten Male bei dem großen S ä n g e r f e st Ende 3uni d. 3. als Festhalle dienen. Deshalb wird in oller Kürze mit dem Bauen begonnen werden. Die Baukosten werden etwa 10 000 Mark betragen und sollen durch Anteilscheine der Mitglieder und Gönner des Vereins aufgebracht werden. Die Halle kommt auf den schön gelegenen Festplatz unserer Stadt, auf die Gänsweide, ganz nahe bei die neue Turnhalle, längs der Ridda zu stehen.
h. Fauerbach bei Ridda, 22. April. Auf tragische Weise ist hier heute der 43 Jahre alte verheiratete Landwirt Karl Schauermann aus dem Leben geschieden. Er hatte sich früh morgens in feine Wirtschaftsgebäude begeben, um sein Vieh zu füttern. Da seine Angehörigen nach einiger Zeit merkten, daß im Hofe alles ft in und der Mann nicht tätig war, wollten sie einmal nach ihm sehen und fanden ihn in der Scheunentenne in den letzten Zügen. Der Sterbende konnte keinerlei Auskunft mehr geben. Da die Todesursache nicht sicher fest- zuftellen war, erfolgte Anzeige des Falles beim Amtsgericht. Wahrscheinlich wird die Leiche seziert, um die Todesursache festzustenen.
Michelnau, 23. April. Das hiesige Dasalt-Lavatuffwerk „Hessische Steinbrüche", das fast als einziger Außenbetrieb während des ganzen Winters voll beschäftigt war, mußte jetzt den größten Teil seiner Arbeiterschaft entlassen. Trotz der beginnenden Bausaison liegen keine Aufträge für Lieferung von Bausteinen vor. Man hofft aber, bis Ende Mai wieder hinreichend beschäftigt zu sein. Das Werk, das gleichzeitig das Material für Denkmäler, Grabsteine, Stein- und Backöfen liefert, ist oft der Treffpunkt von Geologen aus ganz Deutschland. Es ist beabsichtigt, noch in diesem Frühjahr auf dem bis jetzt ungenutzten Gelände eine Geflügelfarm zu errichten, in der bis zu 2000 Hühner gehalten werden sollen.
Aus dem Riddatal, 23. April. Infolge der von dem Vogelsberger Automobil- unö Motorradklub Schotten am vergangenen Sonntag veranstalteten Sternfahrt war auf der Durchgongsstraße Ridda—Schotten der Auto- und Motorradverkehr ungemein lebhaft. Zwischen
Aoman einer Mchi
von Paul Rosenhayn.
11 Fortsetzung.
Nachdruck verboten
„Du weißt Ole," sagte Marcelle gereizt, „daß jetzt der Elou unseres Abends kommt. Die Oper ist aus; Eva Sunivan dürfte in zehn Minuten hier sein. Du mußt den Gästen ein paar Worte über sie sagen."
„Llber die Gäste wissen doch, wer Eva Sulli» van ist'', antwortete der Staatsrat kleinlaut.
„... daß Eva Sullivan die berühmteste Sängerin Amerikas ist — so berühmt, daß man einen Dampfer nach ihr benannt hat. Und daß dieser Dampfer heute nacht in Kopenhagen eintreffen wird. Begreifst du nicht? Eva Sullivan wird das Ereignis dieser ganzen Saison fein — du wirst dich im Abglanz des Lichtes sonnen, Ole, das von Eva Sullivan ausstrahlt."
Ole Krentz senkte den Kopf und sagte leise — seine Stimme zitterte ein wenig, man konnte nicht recht, sagen, ob vor Rührung oder Müdigkeit —: „Meine gute Mareelle, ich bin müde."
„Ratürlich: du bist müde!"
„Ich kann mich kaum mehr auf den Deinen halten."
„Das ist geradezu ein Skandal! Wir geben unfern großen Dali - und der Herr des Hauses möchte am liebsten ins Dett gehen!"
Wenn Herr Krenh das hoffnungsvolle Leuchten in den Augen seiner Frau gesehen hätte, so wurde er vielleicht ein wenig stutzig geworden sein. Aber er sah es nicht, denn er hielt seine Augen fast geschlossen, und er sagte nur mit einer unendlich gequälten Stimme:
„Meine liebe Marcelle — es ist ein altes Gesetz, das schon die alten Griechen kannten..." „Allmächtiger!"
r •* • -daß man nicht gegen die Ratur ankämpfen soll. Wer hungrig ist, soll essen. Wer müde ist, muh schlafen."
„Lind diese geistreiche Konversation willst du uns entziehen?"
„Ich schenke dir morgen, was du willst."
Man wird dich gar nicht fortlassen. Die Gäste wissen daß dort die Tür zu unseren Privaträu- men ist. Siehst du, wie deine Freunde vom Mini- sternim des Aeuhern schon herübersehen?"
■®aEHm möchte ich dich um eins bitten, meine gute Marcelle mache mit mir einen kleinen Rundgang. Schlendere mit mir bis an jene Tür. Verwickle die Herren vom Auswärtigen Amt rn em Gespräch; inzwischen verschwinde ich"
„Lind ich?"
„Komm", sagte Herr Krentz und nahm den Arm seiner Frau. „Komm, schlendern wir. Ihr amüsiert euch viel besser ohne mich."
Eichelsdorf und Ober-Schmitten wurde ein die Straße überquerender junger Bursche von einem Motorrad erfaßt und hingeworfen. Der Fahrer landete im Chausseegraben, konnte aber später die Fahrt fortsetzen. Ein Schulmädchen wurde an derselben Stelle nur durch die Geistesgegenwart des Lenkers vom Lieberfahrenwerden bewahrt. Die Straße ist gerade an Sonntagen von Spaziergängern stark belebt.
Kreis Alsfeld.
te* Alsfeld, 23. April. 3n der gestrigen Stadtvorstandssihung beschäftigte man sich zunächst mit der Errichtung einer S ammelw a se nm ei st erei in der Gemarkung Alsfeld. Bürgermeister Dr. Böl- s t n g teilte mit, daß Bestrebungen im Gange seien, diese Anstalt nicht auf dem vom Kreisausschuß bereits erworbenen und konzessionierten Gelände in der Gemarkung Hopfgarten zu errichten, sondern auf der sogenannten Kupferwiese am Ende des Waldes Homberg in der Gemarkung Alsfeld. Der Vorsitzende erläuterte eingehend die Bedenken, die vom Standpunkt der Stadt Alsfeld gegen diesen Plan zu erheben sind. Rach längerer Aussprache wurde folgender Beschluß gefaßt: „Gegen die Absicht, auf der sogenannten Kupferwiese im Homberg in der Gemarkung Alsfeld eine Sammelwasenmeisterei zu errichten, erhebt die Stadt Alsfeld Einspruch, da durch die Errichtung einer solchen Anstalt die Gefahr erwächst, daß der Wald Homberg, die Haupterholungsstätte der Alsfelder Bevölkerung, infolge der mit dem Betriebe verbundenen Geruchsbelästigung derartig von üblen Gerüchen erfüllt wird, daß er als Ausflugs- und Erholungsstätte nicht mehr in Betracht kommen kann. Außerdem besteht die große Gefahr, daß durch die vor- erwähten Geruchsbelästigungen der Wert der Waldjagd des Hombergs wesentlich herabgemindert werden wird, so daß hierdurch für die Stadt Alsfeld eine dauernde Schädigung hinsichtlich des Iagdpachterlöses zu erwarten ist." Wie mitgeteilt wurde, wird auch das zuständige Forstamt Eudorf dagegen Einspruch erheben, ebenso der Derkehrs- unb Derschönerungsverein Alsfeld. — Die Fe st - setzung der S teue rau sschl a gs sä tze für bie Gemeindesteuern im Rechnungsjahr 1 9 29 erfolgte auf Grund eines Llmlagebedarfes von 123 000 Mk., ohne Erhöhung, wie im Vorjahre. Infolgedessen bleiben die Aus- schlagssähe für die Grund- und Gebäudesteuern, sowie für die Sondergebäudesteuer dieselben, wie im vorigen Iahre. Infolge der Steuerveranlagung der Gewerbekapitalien wird eine Aenderung der Gewerbesteuersähe notwendig; diese wurden festgesetzt auf 43 Pfennig auf je 100 Mk. Steuerwerk des Gewerbekapitals und auf 1,50 Mk. auf je 100 Mk. Steuerwert des Gewerbeertrages. — Der Voranschlag zum Prämienmarkt wurde in der vorgelegten Form ohne Aussprache genehmigt, ebenso der Lotterievertrag mit dem Kollekteur Karl Becker in Alsfeld. Die Lotterie ist in diesem Iahre umgeändert worden, und zwar in der Weise, daß, abgesehen von den ersten großen Gewinnen, die Sachgewinne bleiben, alle übrigen Gewinne Geldgewinne sind, die nach verschiedenen Beträgen gestaffelt werden. Der Voranschlag schließt mit 17 365 Mk. in Einnahme und Ausgabe ab. — Aenderung der Filialsteuerordnung: Infolge der Aenderung der Bestimmungen des Gemeinde- umlagengcsetzes über die Erhebung der Filialsteuern ist eine dementsprechende Abänderung der seitherigen Ortssahung notwendig geworden. Es wurde hierzu die von dem Minister des Innern vorgelegte Mustersatzung angenommen. Der Steuersatz wurde einheitlich für alle steuerpflichtigen Unternehmungen auf 100 Proz. der allgemei nen Gewerbe st euer festgesetzt, welches der Höchstsatz ist. Die seitherige Orts- sahung vom 21. April 1929 tritt außer Kraft.
r. Ober-Ohmen, 20. April. Ein hiesiger Landwirt, der seinen Betrieb nahezu vollständig
Die beiden gingen an dem dunkelhaarigen Exoten vorüber, der einen heißen Blick mit Marcelle wechselte; Herr Krenh nickte ihm freundlich und ergeben zu. „Ein entzückender Mensch!" sagte er anerkennend, und wandte sich herum, um den Fremden mit einem wohlgefälligen Blick zu streicheln.
Ein paar Schritte hinter ihnen ging Peter, der Diener. In der Hand die Importenkiste.
„Wenn ich eine Frau wäre — in den tat ich mich verlieben."
„Wenn du meinst", sagte Marcelle gedehnt. Er streichelte ihr begütigend über den Arm. „Aber — du nimmst mir doch den kleinen Scherz nicht übel?"
„Ich nehme dir überhaupt nichts übel."
Da waren sie an der Tür.
2llles verlies programmgemäß; die Herren umringten Marcelle.
Herr Krentz aber ging mit den müden Schritten eines Mannes, der sich mit schwerer Arbeit seine Rachtruhe verdient hat, die Treppe hinauf.
Er ging über den läuferbelegten Korridor, sah sich mit einem glückseligen Lächeln um und verschwand in seinem Schlafzimmer.
Das Deckenlicht glühte auf; es schimmerte auf der hellen Birke; geräuschlos zog der Staatsrat die Tür hinter sich zu.
Während er ins Innere des Zimmers trat, verschwand die Müdigkeit seiner Bewegungen — fast als ob sie eine vorgetäuschte gewesen wäre. Es verschwand der müde Ausdruck aus seinem Gesicht — und es wich das strahlende Epikureerlächeln aus seinen hellen Augen. Seine Gestalt straffte sich; der scharfe und harte Ausdruck seiner Züge hatte kaum mehr Aehnlichkeit mit dem Gesicht des Staatsrats Krentz.
Er steckte die Hände in die Hosentaschen, blickte zu Boden, und während er mit kurzen, schnellen Schritten im Zimmer auf und ab ging, grub sich eine tiefe Falke zwischen feine Qlugenbrauen.
Die Tür ging auf.
Ohne anzuklopfen, trat Peter, der Diener, ein.
„Run?"
JPeter drückte leise die Tür hinter sich zu. „Hier ist die Aufnahme."
Krenh sah mit hellem Lächeln auf die Impor- tenfifte, die der Diener immer noch in der Hand “US- „Hot er etwas gemerkt?"
„Rein."
Stau gesehen, daß du heraufgekom- men bist?
o hatte Schwierigkeiten mit dem
JtobaL Alle Welk glaubte natürlich, eß wäre wirklich eine Zigarrenkiste. Zweimal mußte ich mich taub stellen."
-Hattest du genug Licht?"
„®r stand unter der Girandole."
®er Staatsrat nahm den Abzug, der noch von Wasser troff, und rollte ihn auseinander.
auf Weidewirtschaft umgestellt hat, beantragte bei der Gemeinde zur Vergrößerung seinerHauptweide gemeindeeigenes Gelände tauschweise zu erwerben, da sich seine kleinen parzellierten Grundstücke infolge zu teurer Einfriedigung und der geringen Futtermengen zum Weidebetrieb nicht eignen. Dem Anliegen wurde seitens der Gemeindestattgegeben, da es für sie gleichgültig ist, ob sie dieses oder jenes Grundstück verpachtet. Im Wege eines Abschätzungsverfahrens soll die endgültige Regulierung vorgenommen werden. Auch mit Privatpersonen hat dieser rationelle Weidewirt verschiedene Abkommen getroffen. — Die vor zwei Iahren versuchsweise angelegte K i r - schenplantage fand im vorigen Herbst eine ebensogrohe Erweiterung, die sich sehr gut über den Winter hinaus durchgeseht hat, so daß die Gesamtanlage in einigen Iahren zu berechtigten Hoffnungen Anlaß gibt.
Kreis Schotten.
v. Schotten, 22. April. Im Saale „Zur Krone" fand heute nachmittag die feierliche Ueberreichung der Gesellenbriefe an die jungen Gesellen statt, die sich in diesem Iahre der Prüfung unterzogen hatten. 33 hatten die Prüfung mit gutem Erfolg bestanden, das gute Prüfungsergebnis wurde besonders hervorgehoben. Der Vorsitzende des Vereins für Gewerbe, Herr C. Z e f ch k y, eröffnete mit freundlichen De- grüßungs.r orten die stattliche Derfamn.lu g. Herzliche Glückwünsche sprach die Handwerkskammer- nebenftelle Friedberg aus, für das Hochbauamt Schotten Daurat Kessel, für die Stadt Schotten Dürgermeister Menge!, für die Schule Rektor Ll l r i ch. Die Obermeister der einzelnen Innungen der Metzger, Däcker, Schreiner usw. die Herren Meidt, Hofmann, Straub, Schmidt überreichten die einzelnen Gesellenbriefe mit besonderen Glückwünschen. Die ausgestellten Gesellenstücke, Zeichnungen, Möbel, Schuhe, Kleidungsstücke usw., sanden ungeteilten Beifall der Besichtigenden. Eine kleine Rachfeier hielt die Gesellen, Meister und Gäste noch beisammen.
Schotten, 22. April. Die hiesige Forstschule wird im neuen Schuljahr von 24 Forst- schülern besucht. Davon entfallen 16 auf den hessischen, 5 auf außerhessischen Staatsanwärter- dienst, während 3 der Schüler für den privaten Forst dienst vorbereitet werden. — Zum Schulbeginn wurden innerhalb des Kreises zwei Schul st ellen abgebaut (Ulrichstein und Ober-Seemen), dafür zwei neue Lehrer- ft e 11 e n errichtet (Eichelsdorf und Ober-Schmit- ten). — Schulrat Kinkel hat mit Ende der abgelaufenen Woche feinen Dienst in Gießen (Land) angetreten. Der hiesige Kreis und seine Lehrerschaft sehen diesen Beamten mit Bedauern scheiden. Während seines sechsjährigen Wirkens war er bestrebt, die zeitgemäßen Forderungen auf dem Gebiet der Erziehung und des Unterrichts in die Schulkörper hineinzutragen, ohne die Bedeutung des Ueberlieferten zu verkennen. Er errichtete die K u l t u r f i I m ft e 11 e beim Kreisamt und stand allzeit in denkbar bestem Verhältnis zu seiner Lehrerfchaft. Sein Rachfolger, Schulrat H a s e n z a h l aus Mainz, hat bereits feine Dienstverrichtungen übernommen.
Ll Laubach, 22. April. Am Samstagabend tagte im „Solmser Hof" die H a up t ve r s a m m° l u n g des Laubacher Wü r g e r v e r e i n s unter dem Vorsitz des Zigarrenfabrikanten Hohmann. Dieser erstattete zunächst den Rechenschaftsbericht, aus dem hervorging, daß der Verein mancherlei wertvolle Anregungen gegeben hak. Die Mitgliederzahl hat sich auf die Zahl 172 erhöht. Die Rechnungsablage ergab einen Kassenbestand von 114 Mk. Die Vorstandswahl ergab die Wiederwahl des alten Vorstandes. An Stelle des verstorbenen Schriftführers, Rechnungsrat Kampfrad, wurde Stadtrechner Schmidt, an Stelle des verzogenen Oberstudiendirektors Dr. Hainer das Gemeinderatsmitglied Kaufmann Emmelius gewählt. Eine
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Klar und scharf in jeder Einzelheit: das Bild des dunkelhaarigen Fremden.
„Konntest du Räheres über ihn erfahren?" Der Diener zuckte die Achseln. „Sein Hut hat keine Initialen."
„Was für eine Firma steht auf der Plakette im Mantel?"
„Keine."
Der Staatsrat spitzte den Mund zu einem Pfiff. Dann ging er ans Telephon.
„Die Polizeipräfektur!"
Der Diener sah ihm aus feinen ruhigen Augen zu. Er ging an den Schrank, öffnete ihn geräuschlos und nahm einen Mantel heraus, der grau und von unglaublicher Länge war.
„Sind Sie es, Herr Präfekt? Hier ist Krenh. Ich komme."
Damit legte er den Hörer auf die Gabel. „Hier sind die Ueberschuhe", sagte der Diener. „Was tut meine Frau?"
„Sie ist mit ihm in den Wintergarten gegangen."
„Und die Frau Polizeipräfekt?" „Tanzt."
„Er darf unter keinen Umständen das Haus verlassen. Du mußt irgend etwas erfinden, was ihn zurückhält."
Der Diener machte eine Handbewegung, als ob er sagen wolle: „Kümmere dich nicht um meine Angelegenheiten", und laut setzte er hinzu, in jener tiefen Tonart, mit der man ein Gespräch für abgeschlossen erklärt: „Das Auto wartet am Hinterausgang."
„Schalte die kleine Rachttischlampe ein; man kann den Schein von drüben sehen. Und schließe dies Zimmer hinter dir ab."
„Gute Rächt", sagte Peter, der Diener. ♦
„Wenn ich diese Tür hinter mir schließe," sagte Marcelle Krenh, „so wirst du zu Linda Andersen zurückkehren. Willst du eß leugnen?"
Er sah ihr lächelnd in die Augen. „Hast du so wenig Vertrauen zu mir? Zu meiner Liebe?"
Sie hob lächelnd den Kopf; aber es war ein böses, fast feindseliges Lächeln. „Rund heraus: ich habe kein Vertrauen zu dir. Aber ich liebe dich. Das ist mein Unglück."
„Wie kannst du die Liebe ein Unglück nennen?" fragte er mit seiner weichen Stimme.
Sie schmiegte sich näher an ihn. „Ich weih, daß sedes Wort, das du sprichst, sinnlos ist. Rein, schlimmer als das: daß es eine Lüge ist. Aber ich kann nicht anders — der Klang deiner Stimme berauscht mich. Wenn ich in deine Augen sehe, dann spüre ich, wie das Fieber durch meinen Körper rast. Ich weiß, daß alles, was ich tue — jedes Wort, das ich spreche, jeder Schritt, den ich gehe — daß alles von Anfang bis zu Ende xu meinem Verderben sein wird. Aber ich bin dir verfallen, Fedor — das Leben ist schal und
längere Aussprache veranlaßte die Frage bete Entschädigung für die bedeutenden Kosten für die Umlegung der E le k triz i t ä ts le i t un- gen und die höhere Stromstärke, die das Ueber- landwerk Oberhessen eingerichtet hat. Es wurde angeregt, eine gemeinsame Aktion der betroffenen Gemeinden zwecks Zwang zur Ersatzpflicht herbeizuführen. — Die Aussaat von Hafer und Gerste ist nahezu beendet. Die Bestellung ging gut von statten; das Erdreich zerfiel wie Asche. Ein warmer Regen wird von den Landwirten ersehnt, denn das Wachstum ist sehr gering; der Klee u nd der Wiefenwuchs stehen nicht schlecht, machen aber gar keine Fortschritte. Infolge des vergangenen trockenen Herbstes wurde man gezwungen, zu früh mit Heu zu füttern, und jetzt beginnt sich mehr und mehr Futtermangel einzustellen.
T Gedern, 22. April. Unter starker Beteiligung der Einwohnerschaft fand gestern nachmittag die Prüfung der im Laufe des- letzten Iahres neu gegründeten Freiw. Sanität ß- kolonne vom Roten K.r e u z durch den Provinzialinspekteur, Sanitätsrat Dr. Hahn au8 Bad-Rauheim, statt. Ein Cisenbahnunfall wurde angenommen. Die verschiedensten Arten von Verletzungen, Quetschungen, Verbrennungen usw. wurden behandelt. Die erste Hilfeleistung wurde von den gutgeschulten Sanitätern tadellos durchgeführt. Die Prüfung bestand aus einem praktischen und einem theoretischen Teil. Die Leistungen und Antworten der Prüflinge waren der deutliche Beweis dafür, daß die Kolonne während ihrer Ausbildungszeit außerordentlich viel und gewissenhaft gearbeitet hat. Rach der Prüfung beglückwünschte Sanitätsrat Dr. Hahn die Kolonne zu ihren ausgezeichneten Leistungen. Ganz besonders würdigte er in anerkennenden Worten die im Dienste der Nächstenliebe geleistet« Arbeit und Mühe des Kolonnenarztes Dr. Bach. Dann dankte der Inspekteur dem Kolonnenführer ■Sailer, der durch feine Begeisterung der Ko- lonnensache einen großen Dienst erwiesen habe.
Preußen.
Dillkreis.
WSR. Dillenburg, 23. April. Der Konkursverwalter gibt bekannt: In dem Konkurs über den Rachlaß des Prokuristen Fritz Ange r st e i n in Haiger soll die Schlußverteilung stattfinden. Dazu sind verfügbar 110 8 4 Mark. Zu berücksicht'gen sind Forderungen im Betrage von 1 1 1 3 8 6 Mk., darunter keine bevorrechtigten. Das Schlußvrrzeichnis liegt auf der Gefchäftsstelle des b’cfigen Amtsgerichts zur Einsicht aus. In der Ueverschal düng Anger st eins hat man auch die Ursache des achtfachen Familienmordes zu suchen. — Der 25 Iahre alte Grubenmaschinist Franz Heines aus Mudersbach hat sich auf der Erzgrube Grundseifen bei Birken im Westerwald in den 70 Meter tiefen Förderschacht gestürzt, wo er mit zerschmetterten Gliedmaßen t o t liegen blieb. Die Tat geschah in einem Anfall von geistiger Umnachtung.
Maingau.
WSR. Frankfurt, a. M., 23. April. Der Kriminalpolizei ist es gestern gelungen, fünf Personen, die gemeinschaftlich Autodieb- stähle begangen haben, sestzunehmen. Es handelt sich um Personen, die sich längere Zeit wohnungs« und arbeitslos hier herum treiben und auch zum Teil Einbruchsdieb stähle begangen haben. Die Autodiebstähle, die in letzter Zeit enorm zugenommen haben, kommen auf ihr Konto. — Heute mittag ging in der Dreikönigstrahe ein mit zwei Pferden bespannter Lastwagen durch. Die Pferde rannten durch das Schaufenster in einen Laden hinein. Dabei wurde ein Pferd getötet, während das andere erst nach längeren Bemühungen durch die Feuerwehr erheblich verletzt befreit werden konnte.
öde und grau, wenn ich dich nicht habe — nur in deinen Armen ist das Glück. Ich finde keine Ruhe, wenn du nicht bei mir bist." Und indem sie ihren Mund auf den feinen preßte, setzte sie flüsternd, mit zitternder Stimme, hinzu: „Sei gnädig, Fedor. Meine ganze Schuld ist, daß ich nicht ohne dich sein kann."
Er nickte mit geschlossenen Augen. „Alles, was ich plane, Marcelle, hat doch nur einen einzigen Zweck. Du liebst mich — ich bete dich an; du muht es fühlen, daß ich dich anbete. Ich will dich aus diesem Hause, aus den Armen diese- Mannes, aus diesem schrecklichen Lande holen, an die Sonne, ans Meer, zu den Palmen des Südens; zur Musik, zur ewigen brennenden Melodie des Lebens. Und du glaubst noch immer nicht, daß ich es ernst meine?“
Sie senkte den Kops. „Ich möchte eß gern glauben, Fedor — ja: ich will es glauben. Ich will glücklich sein — ich will mit dir an den Quellen des Lebens trinken. Mit dir will ich dem Gesang des Meeres lauschen. Und wenn du mich betrögest, Fedor — wenn du mich betrögest — so wäre es dennoch ein schöner, ein unendlich glücklicher Traum gewesen. Mag das Erwachen kommen — mag der Tod kommen — ich habe in deinen Armen geruht, Fedor — das ist die Seligkeit, die ich vom Leben erflehe."
„Warum sollte ich mit dir in die Welt gehen — wenn nicht aus Liebe?"
Ein Schritt klang auf; Sokoloff hob den Kopf. Peter, der Diener, ging durch den Wintergarten.
„Liebst du wirklich keine andere als mich? Schwöre mir, daß du die Frau Präfekt nicht liebst!"
Er runzelte die Stirn. „Dieser Diener gefällt mir nicht."
Sie sah dem Davonschreitenden nach, der eben durch den Hinterausgang verschwand. „Er ist der harmloseste Mensch von der Welt."
Sokoloff schüttelte den Kopf. „Wir müssen morgen früh abreifen.“
„Wird man dich nicht erkennen?" fragte sie. „Hast du einen Pah?"
Ungeduldig antwortete er:
„Olein. Wir müssen als Mann und Frau reisen. Verstehst du? Als Herr und Frau Staatsrat Krenh."
„Ia... aber...“
»Mit dem Diplomatenpaß deines Mannes."
„Ich soll..."
„Ratürlich."
Er wandte sich zu ihr herum, und die Falte zwischen feinen Augenbrauen vertiefte sich.
„Wenn du es wünschest, Fedor..." „Weiht du, wo er seinen Pah aufbewahrt?" „Ia. Im Geheimtresor feines Schlafzimmers.' „Du mußt ihn holen."
(Fortsetzung folgt)


