Ausgabe 
24.1.1929
 
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gewinnen. Der Wunsch des Antragstellers. im Großstadtverkehr eine Art Vorort- Tarife zu schaffen, beschäftigt schon seit Jahren die Reichsbahndirektion Frankfurt (Main).

Die an fünf Platzen des R.ichsbahnbere.chs ein- geführt-en Fahrfcheinhefte mit 25 Pro­zent Ermäßigung je Fahrt bedeuten indes zunächst einen Versuch, der a.'s solcher eine toea- tcre Ausdehnung vorerst nicht finden kann. Das Ergebnis des Versuchs, das wohl in diesem Jahre erkennbar sein wird, muffe abgewartet werden. Die Reichsbahndirektion Frankfurt vertrete die Auffassung, daß die im Vorortverkehr anderen Großstädten bewilligten tariflichen Vorzugsrechte auch von Frankfurt beansprucht werden durften. Im übrigen wurde eine Fülle von F a h r p l a n - wünschen lokaler Art erörtert. Den Wunsch, im Nahverkehr der Großstädte den Zugverkehr zu vermehren, kennen die Reichsbahndirektionen zur Genüge. Cs solle alles geschehen, was nach Lage der Verhältnisse ohne Beeinträchtigung der Betriebssicherheit und des Verkehrs möglich fei. Ein neues Eilzugpaar auf der «Strecke FrankfurtLimburg sei für den nächsten Sommer in Aussicht genommen. Ebenso werden weitere Verbesserungen in der Richtung nach Darmstadt und MainzWiesbaden ge- schassen. Der Wunsch, für Frankfurt a. W. in Berlin «inen etwa um die Mitlernachtsstunde ab­fahrenden Schne.Izug zu erhalten, wird von der Reichsbahndirelt'.on Frankfurt a. M. voll gewür­digt. Ein neuer Zug, der allein Frankfurter Interessen bediene, sei niemals rentabel. Die Reichs, ahndirelt.on Frankfurt a.M. werde sich aber unabläßlich bemühen, für den D 180 eine Ab­fahrtszeit in Berlin zu erreichen, die den aus dem frankfurter und Kasseler Drrkehrsgebiet laut ge- worde-ien Wünschen entspreche.

Oderbeffen.

Gängertag des Horloff- Weltertal - Sängerbundes.

! Hungen. 22. Jan. Am Sonntag fand im Saale desDarmstädter Hoss' der diesjährige ordentliche Vertreter tag des Horloff- Wettertal-Sängerbundes ftfltt Rach Begrühungsworten des 1. Vorsitzenden Bocher, Ruppertsburg, verlas der Schriftführer S o m - m e r, Hungen, die Protokolle der letztjährigen Zusammenkünfte. Lehrer Debus. Rupperts­burg. erstatlete dann den umfangreichen Jahres­bericht. Dem Bunde gehören 12 Vereine an: Hungen, Inheiden, Langd, Rodheim, Rupperts­burg,Eintracht" undHarmonie" Laubach, Röthges, Villingen, Altenhain, Wetterfeld und Gvntcrsürchen, das aber zur Zeit keinen Diri­genten hat und somit seine Tätigkeit vorüber­gehend eingestellt hat. Bis auf diesen letzten Verein waren die Vertreter aller Dunoesvereine in Stärke von 53 Herren anwesend. Die Zahl der Sänger hat sich im Geschäftsjahr etwas er* höht; sie beträgt jetzt 407. Im abgelaufenen Jahre wurden ein Sängertag, eine Vorstand- sihung, ein Dirigententag und ein Bundesfest in Villingen abgehalten. Der Bund ist in seiner Entwicklung ein gutes Stück vorwärts gekom­men. Die Rechnungsablage, die an Stelle des erkrankten Rechners W i n g e f e l d. Wettcrseld, durch einen anderen Herrn vorgenommen werden muhte, zeigte einen verhältnismäßig günstigen Stand des noch jungen Bundes. Di« Einnahmen betrugen 120,05 ML., dis recht geringen Aus­gaben 5,60 Mk.. so daß ein äleberschuß von 114,45 Mk. verblieb, der auf der Sparkasse Lau­bach zinstragend angelegt wurde. Zur Abhal­tung des diesjährigen Wertunglsingens. das mit keinem Fest verbunden werden soll, hatten sich zwei Vereine, Laubach und Wetterfeld, gemeldet. Die Mehrheit der Versammlung entschied sich für Laubach, da hier die ©aatoerjältntffe besser sind. Wetlerseld wird wahrscheinlich durch Ab­haltung eines Sängertages im August entschä­digt werden. Das Wertungssingen wird am 12. Mai stattfinden. Jeder Verein hat dabei einen Pflichtchor (Drauh' ist alles so prächtig") und einen selbstgewäblten C)or, der möglichst ein Volkslied sein soll, vorzutragen. Erstmalig

Das Pensum.

Von Hans Tlatonek.

Am Vorabend meiner Abreise nach Paris überreichte mir mein Freund, der Privatdozent für Romanistik, einen Zettel. Er war lang und inhaltreich wie die Allonge eine 3 Wechsels, der zum Protest geht.Also, mein Lieber, die Sachen, die unter der Abteilung a) stehen, müssen Sie unbedingt gesehen haben. Unter Buchstaben b) finden Sie die fakultativen Sehenswürdig- feiten, unter c) die Theater, in die Sie gehen müssen, unter d) die anderen, in die Sie gehen sollen. Unter e) habe ich die schicken echt Pariser Lokale angeführt, an denen man nicht vorüber­gehen kann, wenn man etwas auf sich hält. Aber tun Sie Geld in Ihren Beutel, f) finden Sie Tanzlokale: sehr zu empfehlen. Run reifen Sie mit Gott."

Das tat ich denn auch. Den Zettel legte ich in meinen Bädeker. Den Bädeker legte ich in den Koffer. Dort blieb er liegen, bis mich auf der Rückreise plötzlich ein Schreck durchzuckte. Es war eine Empfindung, ähnlich der au3 der Schulzeit, wenn man nicht präpariert hat und aufgerufen wird. Ich nahm den großen Zettel vor, rigoros von einem Gründlichen für einen Gründlichen bearbeitet, der etwa sechs Wocken Paris durch­nimmt. Und ich war nur ein Oberflächling, der es nur bis 1000 Schritte Paris gebracht hatte. Mein Gewissen schlug. Wie würde ich be­stehen? Was sollte ich sagen, wenn er, der besten Kenner einer, mich nach Gruppe c) befragte? Wie gut ist doch ein Bädeker im letzten Augenblick! Ich holte, knapp vor den Toren der lieben Hei­matstadt. nach, was nur irgend nachzuholen war.

'Der gefürchtete Augenb.ick kam: Ich stand vor meinem Berater, dem Privatdozenten der Ro­manistik, dem man in puncto Paris nicht fo leicht etwas vormachen kann. Rach der herz­lichen Begrüßung ging er mit gerunzelter Stirn sofort in medias res:Also, was lagen Sie zu Ingres, mein Lieber! Herrlich, was?" Ich be­jahte, aber das genügte ihm nicht. Mein Gott, sch bin wirklich, auf Ehre, im Louvre gewesen, aber der Louvre hat einen kleinen Fehler er ist ein unendlicher Irrgarten der Kunst, und in seinem Innern sitzt der Minotaurus, ein Un­geheuer auö Langeweile und Ermattung, das einen verschlingt. Unb es hatte mich verichlun- gen, ehe ich zu Ingres kam. Lind dann war eS so fürchterlich heiß, und einen guten Teil der Zeit hat man in angenehmem Halbschlummer auf den grünen Samtpolstcrn der Ruhebänke der-

will man in diesem Jahre zwei Werter zur Be­urteilung der Chöre heranzwhen. Man war der Meinung, daß erfahrene Praktiker, die auch den finanziellen Verhältnissen des Bundes Rechnung tragen, bestimmt werden sollen. Vor allen kommt der seitherige Wertungsrichter, Rektor S ch a a d, Hungen, wieder in Betracht. Als zweiter wurde Lehrer Stein. Lich, dessen Zu­stimmung jedoch noch ungewiß ist, ausersehen. Eine sehr lebhafte Aussprache rief der Punkt Beitritt zum Hessischen und zum Deutschen Sängerbund" hervor. Es wurde anerkannt, daß es fe6r zweckmäßig sei, wenn alle Vereine in einem Gcsamtbund zusammengeschlossen seien, an­derseits aber auch darauf hingewiesen, daß dabei mehr Rücksicht auf die schlechten finanziellen Ver­hältnisse der kleinen Landvereine, wie sie'sich gerade in unserer Gegend vorfinden, genommen werden müsse. Man beschloß unter den derzeiti­gen Verhältnissen von dem Beitritt zum Hessi­schen Sängerbund abzusehen. Scharfe Kritik er­fuhr das Verhalten derGema" undAfma". Den Bundesvereinen ist es unmöglich, neuere Chöre zur Aufführung zu bringen, da für die Aufführung Beträge von 10 bis 15 Mark ent­richtet werden müssen. Es wurde u. a. ge­äußert. daß man das Vorgehen dieser Verbände eigentlich begrüßen müsse, denn dadurch seien gerade die Landvereine wieder auf das Arbeits­feld gewiesen worden, das ihnen gehört, zum deutschen Volkslied. das sie in den ver­gangenen Jahren zum Teil sehr stiefmütterlich behandelten. Rur Volks- und aufführungsfreie Lieder sollen in Zukunft im Bunde gelungen werden. Den Vertretern des Bundes für ihre Mitarbeit, sowie dem GesangvereinLiedcrcranz", Hungen, für den Vortrag einiger recht schöner, aufführungsfreier Chöre dankend und die Sänger zu weiterer Pflege des deutschen Liedes ermah­nend, schloß der stellvertretende Vorsitzende die Versammlung.

Sertretdag des Mdaiai-SängcrbuM.

-4- Eichelsdorf. 21. Jan. Der gestrige Ver­tretertag des Riddatalsängerbun- d e s war überaus stark beschickt. Fast die Hälfte aller Vereine war ziemlich gesc o,sen erschienen. Rach einem gesanglichen Willkommgruß durch den Gesangverein Eintracht (Eichelsdorf) begrüßte der 1. Bundesvorfitzende, Th. Schäfer, die Versammelten im Lehrchen Saale und gav einen fura umrissenen Rückblick auf das abge­laufene Dundesjahr. Als wichtigsten Ereignisse wurden der Anschluß an den Hess. Sängerbund und die im Sommer unternommene Rheinreise hervorgehoben. Der Schriftführer des Bundes, Prokurist Michel (Ober-Schmitten) verlas die Sitzungsberichte, wahrend der Rechner, Bürger­meister M a n t e ( (Ober-Schmitten) über die ft» nanziellen Angcle^enhn'en referierte. Siner Ein­nahme von 425,94 Mk. stand eine Ausgabe von 300,45 Mk. gegenüber, so daß ein LIeb?rfchuß von 65,49 Mk. verblieb. Das gesamte Bundesoer- ntögen beträgt 155,73 Mk. Der Beitrag beläuft sich auch im kommenden Jahre auf 10 Pf. pro Sänger. Einem Antrag wurde dahin stattgegeben, daß Eünftig den Dundesrereinen Mitteilung zu- geht, wann und wo Borstandssitzungen statt- sinden. Zum Wertungssingen in Schotten am 5. Mai fingen die Vereine einen Wahlchvr und den PflichtchorWo gen Himmel Eichen tagen. Der letzte Chor wird gleichzeitig als Massenchor gesungen. Außerdem beteiligt sich der Bund an dem Gesangswettstrett in Ridda. an der Dannerwe.hr des Gesangvereins Einarts- hausen und dem 50.Jubiläum des Bersins R a i n r o d. älm fünftig einer Häufung von fest­lichen Veranstaltungen ent^egrnzuwirlen. sand der Antrag, daß neben dem Werttlngssingen nur ein weiteres Gesangsfest innerhrl^ des Bundes stattsinden darf, einstimmige Annahme. Den Bun- desvercinen wurde aufge^eben, zum Dundessest des Hess. Sängerbundes in Darmstadt am 12., 13. und 14. Juli wenig stnrs Abordnunzen zu entsenden. Der Dundesvo. stand wurde zum achten Male einstimmig wieder gewählt. Der 2. Bundes- Vorsitzende, Ehrenchormeister Linck (Schotten), der den letz'en Teil der Verhand­lungen leitete, schloß die Tagung mit einem be­geistert aufgenommenen Hoch auf das deutsche

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bracht: so blinzelnden Auges auf irgendeinen Riesenschinken, oder hinaut träumend auf den sonnenflimmernden Obelisk des PlaCe de la Con­corde. Unö dann diese Ablenkung durch die zahllosen Kopisten und zumal Kopistinnen, die mit so rührendem Fleiß sich an der Gioconda ab.^uclcn; teil 3 Prosessionisten d:s Kunsthandels, teils Enthusiasten aus Dilettantismus. O diese beklexten Kittel, da; Malgerät, die Palette in den zarten Händen, die belegten Brote im weißen Papier, der geflüsterte Rat der Kollegen, von fachmännischen Gebärden begleitet, und der vorn ewigen Gleichmaß des Louvres stumpfe Blick der schnauzbärtigen Aufseher! Mir haben die vielfältigen Winz glli en des Lebens, aus denen es sich zusammen,etzt, immer die großen Kanonen der Kunst übertönt. Aber das wagte ich nicht meinem Examinator zu sagen. Und dann: dieser ungeheure Louvre fügt sich keine Tageseintei­lung. Geht man vor dem Essen hin, bekommt man, strapaziert von solch gigantischer Fülle, alsbald Hunger und geht, von solch profanem Gefühl vertrieben, wieder fort Kommt man nach dem Essen, verfällt man unfehlbar dem Siesta- und Verdauungsbedürsnis, wiewohl die Jahrhunderte von allen Seiten nur so aus einen herunterblicken. Der Louvre hat seine Tücken, und wenn man bis zu Ingres kommt, hat man be­stimmt Watteau nicht genügend berücksichtigt.

Leicht verstimmt, verließ mein Privatdozent dieses Gebiet und wandte sich dem Abschnitt c) feines Pensums zu.Dieser Darstellungsstil der Comedie Francaise großartig und einfach, nicht?"Einfach großartig", erwiderte ich und lenkte rasch auf die Mistinguette, dieses fleisch­gewordene und doch schaumige Parisertum, das man in so konzentrierter, so amüsanter, so echter Form nirgends findet. (Etwas für eilige Paris- Reisende.) Aber gerade hier, wo ich ein wenig beschlagen war, begehrte er nichts zu wissen und war plötzlich bei der Academie Fran^aise, die ich leider Gottes auch bei der Bädeker-Lektüre Über­schlagen hatte. Er hatte seinen Zettel genau im Kopf, er bestand auf seinem Schein und ver­langte für feinen gutgemeinten Rat den Wucher­zins exakter Kenntnisse Ach, Ich versagte jäm­merlich bei all den Instituten, Museen, Baulich­keiten, die er von mir forderte. Den Fife-o-clock- | Tee im Claridge-Hotel bestand ich so einiger­maßen. aber bei Den ersten Austern Pruniers verwickelte ich mich in Widersprüche, und das MontmartrelokalZum blutigen Kaninchen" hatte I ich geschwänzt.

Er war höchst unzufrieden.Ja. was haben I Sie denn eigentlich in den zehn Tagen in Paris

Lied. An den gesanglichen Darbietungen beteilig­ten sich Sängerlranz Ridda, Eintracht Eichels­dorf. Männerchor 1832 Schotten. dieMänner- gefangberein Rainrod und Ober-Schmit- ten.

Vogelsberger Sängervereinigung.

I Gedern, 22. Jan. Am Sonntag tagte hier die diesjährige Delegiertenversammlung der Vo­gelsberger Sängervereinigung. Er­öffnet wurde die Tagung mit demDrnttschen Sängergruß" und dem ChorWo gen Himmel Elchen ragen". Beide Chöre wurden klangvoll und begeisternd vom GesangvereinLie­de r k r a n z" (Gedern) unter der Stabführung von Lehrer Riedel vorgetragen. Hebet die Stellung der Vogelsberger Sängervereinigung im Hessischen Sängerbund und ihre besoirderen Aus­gaben referierte der Vorsitzende, Lehrer 6trof­ft n g e r (Ober-Lais). Rachdem die Vogelsberger Sängervereinigung im vergangenen Jahre ihren Beitritt zum Hessischen Sängerbünde vollzogen hat und innerhalb des Bundes dem GauVogels- berg-Süd" angehört, wurde die Frage einer ein­gehenden Prüfung unterzogen, ob die Vogels­berger Sängcrvereinigung mit ihren 17 Vereinen und mehr als 500 Sängern noch Gxistenzberech- tlgung habe, oder ob es ratsamer scheine, ohne dieses Bindeglied die einzelnen Vereine unmittel­bar dem Hessischen Sängerbünde anzugliedern. Es wurde festgestellt, daß der Anschluß der Ber­einigung an den Hesfischen Sängerbund brispiel- gebenb auf eins ganze Reihe von Brudervereinen im Vogelsberggebiet gewirkt habe und daß die Rotwendigkett des Bestehens ter Vogelsberger Sängervereinigung durch die Abgeschiedenheit und die wirtschaftlich? Lage unserer Gebirgsdvrfer gegeben fei. da diese Hmstände es den Vereinen verbieten. Deranstallungen des Hessischen Sänger­bundes geschlossen zu besuchen. Den Rechenschafts­bericht über das vergangene Geschäftsjahr er­stattete der Bundesrechner Anwn Hoffmann (Gedern). Herr Riedel berichtete eingehend über die Provinzialtagung des Hessischen Sänger­bundes in Gießen. Die bei den Vereinen herr­schende große Hnklarheit in der Deitragsfrage rief eine lebhafte Aussprache hervor. Cs wurde beschlossen, für das laufende Jahr neben dem Beitrag zum Hessischen (Deutschen) Sängerbund die Gemabeiträge für alle aktiven Mitglieder zu zahlen und Darauf hinzuwirken, daß die im Vereinsgebiet bestehenden, oder zu Veranstaltun­gen der Dundesvereine herangezoaenen Musik- Derehte und -kapellen in ähnlicher Weise sich bei derÄsma" versichern. Das diesjährige Bundes- sängerftst der Vogelsberger Sängervereinigung wird vom GesangvereinGiebetfreurib zuOber- Lais am 9. Juni veranstaltet, der damit das Fest seines 25jährigen Bestehens verbindet. Die Do: standswahl ergaa die Wiederbetrauung des bisherigen Vorstandes. Rur das Amt des Bun- desdirigenten wurde Lehrer Riedel neu über­tragen. Es wurden noch die Fragen der Sänger- chrungen und des Gauwerlungssingens besprochen. Der Besuch des vom Hessisch-en Sängerbund in Darmstadt geplanten Bun desfestes wurde warm empfohlen.

Lanvkreis Gießen.

aL Allendorf (Lahn), 23. Jan. Für das Jahr 1928 ist von hier standesamtlich zu berichten: Geboren wurden 20 Kinder, und zwar 14 Knaben und 6 Mädchen: gestorben sind 11 Personen, darunter 3 in der Klinik zu Gießen, 9 weibliche und zwei männliche Personen. Getraut wurden 5 Paare, von denen bei jedem Paare eine Person von auswärts War. Die Zahl der Arbeitslosen ist in unserer Gemeinde auf 82 gestiegen.

3 Allendorsa. d. Lda.. 23. Jan. Montag ahend hielt der hiesige Kriegerverein feine diesjährige erst' Generalversammlung in der Gastwirt­schaft des Mitgliedes Eberhard Ranft ab. Aus dem Geschäftsbericht, der von dem 1. Vorsitzenden, Lehrer Strack, vorgetragen wurde, ging hervor, daß der Verein im vergangenen Geschäftsiahr wieder einen crf~eulid)en Zuwachs an Mitgliedern zu verzeichnen hat und zur Zeit 76 Mitglieder besitzt. Die Kassen- oerhältnisse sind zufriedenstellend. Trotzdem der Ver­ein im verstossenen Jahre für die Herstellung des

gesehen?" Ja. was hatte ich denn eigentlich in den zehn Tagen. . .? Ist der raschere Herz­schlag, wenn man abends die Ehamps Elhfees herunterschlendert, die Rede wert, oder ÖaS er­schauernde Glück, wenn man vom Mont Martre die Stadt im Lichterglanz aufflammen sieht? Kann ich Ehre damit einlegen, daß ich von der Madeleine" bis wett hinaus in den Faubourg einem Mädchen von unsagbarem Liebreiz nach­gegangen bin, ganz ohne jede Chance, bis sie an einer Rormaluhr plötzlich am Arm eines jungen Menschen hing, am Ziel und eingebettet, wie ein kleiner Fluh, der in den größeren mündet? Kann ich etwas hermachen von so winzigen Din­gen, die nur in Rcrv und Gefühl schwingen, die im Luftkreis weben und im Blute als glückliche Erinnerung kreisen?

Mit Recht, ich bin bei der Reifeprüfung durch­gefallen. Mein Privatdozent ist von mir ent­täuscht. Ich habe mich seines Zettels nicht würdig erwiesen. Zur Strafe, das seh ich selber ein, muh ich repetieren. Im nächsten Frühjahr geh ich wieder nach Paris: aber ohne Pensum, damit mich nachher kein Reiseberater abfragen kann.

Affen.

Von paul Eipper.

Der junge Gorilla.

Ganz kann man feine Jebe Art erst erfassen, wenn der dunkelgraue Bursche an die mensch­liche Brust geklettert ist und sich mit allen Bieren fest am großen Freund verankert. Mit feinen vier Leben.jähren ist er ganz einfach ein Kind, ein stilles, nachdenkliches Wesen; und wenn er in seinen wohlgeformten Fingern die Banane hält, genießerisch Stück um Stück der süßen Frucht zwischen den Zähnen mahlt, so möchte man am liebsten dauernd bei ihm Im Käfig sitzen, den muskulösen Rücken trauen und leise flüsternd Zwiesprache mit ihm halten.

Bobby" antwortet ml dumpfem Ooov, geht bedächtig um seinen menschlichen Kameraden herum, halb aufgerichtet, die vorderen Hände zu Fäusten eingezogen, knabbert am Rockärmel, und plötzlich steht fein Kopf uns dicht gegenüber, eine lange Zeit, indes die großen braunen Tier- augen ernst und fragend in unsere Gedanken brennen.

Dor drei Jahren wurde dieser Gorilla in Ka­merun auf eine Farm gebracht, fast noch ein Säugling. Dort lebte er bis zum März diese- Jahres, und nun obliegt dem Berliner Zoologi-

Schießstandes größere Aufwendungen machen rrmhk^ vervneb noch em Kassenbestand von 130 Mark. Bei der Vorstandswahl wurde der settherige Vorstand einstimmig wiedergewählt. Zur Zett besteht der Vor­stand aus den Herren: Lehrer Strack, 1.Vor­sitzender; Wagnermeister Kl. Wallenfels L, 2. Vorsitzender; Weißbindermeister (5hr. Ranfts Rechner; Landwirt Ehr. Wallenfels, Schrift­führer; Maurermeister Heinrich Käs II., Maurer­meister Ehr. Paulus II. und Rechner orm- hals, Beisitzer, sowie Landwirt Ludwig K l l n g e I Höfer als ständiger Beisitzer für die Kriegsbeschä­digten und Kriegerhinterbllebenen. Weiter wurde noch der Beschluß gefaßt, am 2. Februar einen Fa­milienabend mit Konzert und Tanz in den Räumen der Gastwirtschaft Ranft abzuhallen. Die Zahl der Arbeitslosen in unserer Stadt, die seither schon beträchtlich war. ist nunmehr sett Beendigung der Holzhauerei auf 70 gestiegen.

Tg. w r o b c n - 03 u | e rf. 23. Jan. Die Holz- Hauerarbeiten im hiesigen Gemeindewald sind beendet. Die erste Holzverstsi-gerung fin­det in Kür e statt.

: Reiskirchen, 23. Jan. In der Nacht zum Dienstag wurde aus einem offenen Hof in der Burkharosfelder Straße Bettwäsche gestoh- l e n. Die Wäsche hatte schon mehrere Tage ge­hängt. Don den Tätern konnte bisher eine Spur nicht entdeckt werden.

is. Steinbach, 23. Jan. Ein von Gießen kommender Personenauto kam auf der stark abfallenden glatten Straße oberhalb un­seres Dorfes durch starkes Bremsen ins Rut­schen und fuhr gegen einen Bierwagen der Brauerei Jhring-Melchior in Lich Die Pferde scheuten, und rannten mit dem schwer beladenen Wagen die Böschung hin­unter, wo di« Deichsel brach. Zum Glück blieben Pferde und Fuhrmann wie durch ein Wunder unverletzt. Wich das Auto wurde nun leicht beschädigt.

ch L i ch. 23. Zan. Der TurnvereinLich 1860 (D. T.) hielt am Samstagabend imHolländischen Hof" seine diesjährige Generalversammlung unter der Leitung des ersten Vorsitzenden, Reinhard Zimmer, ab. Ein Rückblick auf das verflossene Jahr zeigt, daß der Verein bei den turnerischen Ver­anstaltungen recht schöne Erfolge zu verzeichnen hatte. Aus der Rechnungsablage ging hervor, daß her Kassenbestand trotz der hohen finanziellen Lasten der letzten Jahre, die durch den Erweiterungsbau der Turnballe entstanden waren, recht günstig ist. die infolge der Satzung bzw. durch freiwilligen Rück­tritt ausscheidenden Vorstandsmitglieder wurde Neu­wahl vorgenommen. Diese hatte folgendes Ergebnis: Zum 2. Vorsitzenden wurde Heinrich Vater neu- gewählt; wiedergewählt wurde als 1. Turnmart Hch. Volz. Als Beisitzer wurden Kaufmann Tiru ff und Karl Ludwig durch Neuwahl bestimmt, wäh­rend Karl Bolz bas Amt eines Frauenturnwarts übernimmt.

# Hungen, 23. Jan. Gutspächtrr Werner Weih vom benachbarten Hof Graß erlegte in seinem JagdbezirkHubb einen kapitalen Achtender. Vermutlich ist das Tier einer der Taunushirsche, die in der vergangenen Woche verschiedentlich in der Wetterau gesichtet wurden. Im hiesigen fürstlichen Waldbezirk wurden Wildschweine aufgespürt, die aber beim Rahen der Jäger die Flucht ergriffen. Es handelt sich um sieben Schwarzkittel, unter denen sich ein schwerer Keiler befand.

s. äl t p h e, 23. Jan. Am Freitag feierte die älteste Einwohnerin unseres Dorfes, sowie des ganzen Kirchspiels Trais-Horloff, die Witwe Karoline Raab, geb. Momberger, ihren 91. Geburtstag m geistiger und körper­licher Rüstigkeit. Sie hat sechs Enkel und sieben älrenlel. Bon den verschiedensten Seiten gingen ihr Glückwünsche und Geschenke zu. Ganz beson­ders erstaunlich ist, mit welcher Frische die Greisin noch Unterhaltung pflegt und liest. Sie entsinnt sich noch deutlich der Vorgänge des llnruhenjahres 1848, als die Dauern sich unter Trommeln zusammenrotteten, um den Gräflich Laubachschen Besitz an sich zu bringen. Mit Humor weiß sie noch zu berichten, wie dann später die Rot im Dors groß war, als dl« Rädelsführer gesucht wurden. Fast täglich macht ....... . a

schen Garten das schöne Amt, dieses von frühester Jugend an mensch ichen Umgang gewöhnte Go- rillakind zu betreuen und großzuziehen, damit dem Tier,reund dereinst das noch nie Dage­wesene ermöglicht werde, der Anblick eines ausgewachsenen afrikanischen Urwa'.drie'sn.

Der alle HamadrhaS.

Da sitzt der alte Hamadryas; seine Mähne schillert sllbcrgrau und der Schullerbehang glänzt in der Sonne, daß man den Gott Thot leib­haftig vor sich $u sehen glaubt. Die Hände hat er auf feine Kme gelegt, erst spielen die Finger ein wenig, dann ist alles ohne Bewegung; oie älmrisse seiner Gestalt erinnern in der ®e- schlo.senhcit an eine ägyptische Plasttt.

Vor ihm hocken die weiblichen Mantelpavian^ teilen und geckern, streiten sich um eine Erdnuß oder spielen mit ihren Kindern, die, fast unbe­haart, Zwergen gleichen mit duntelbraunen Köpfen und einem grotesken Rattenschwanz. Sie geben keinen Augenblick Ruhe, klettern ihren Müttern auf den Kopf, greifen nach allem, was sie fassen können und bringen erst recht Zanke­reien zwischen den Weibera zustande. Hei, nun brennt © an allen Ecken! Eine wilde Jagd tost über den Affenfelsen, und plötzlich klafft mitten in diesem Trubel geräuschlos der Rachen des großen Alten auf. Fürchterliche Eckzähne leuch­ten In der Sonne wird er gereizt aufheulen und zum Angri f übergehen?

Rein, der große HamadryaZ gähnt nur. ihn langweilt diese aufgeregte Welt.

Der Schimpanse.

Da ist der Schimpanse Charly ein anderes Temperament. Wehe, wenn auch nur tm Scherz jemand fernen Wärter anpacken will! Was In der Rähe ist, sei es Stuhl, Kaffeetasse oder ein Spazierstock, Charly heult und schleudert den Gegenstand voller Wut ans Gitter.

Sonst ist der Schimpanse äußerst verträglich, sehr wohlerzogen, der geborene Artist. Aber in einem kann er seine Abstammung nicht ver­leugnen: die Reugier steckt ihm tief im. Blut. Als zwei Leopardenkinder geboren wurden, brachte man an einem warmen Frühlingstag Charly mit seinen beiden afrikanischen Vettern zusammen. Wie er sie beobachtete, aufmerksam, altklug und doch aus respektvoller Distanz! Es stand ja ein höchst merkwürdiger Geruch um die beiden kleinen Dinger Erinnerung an Gefahr, die Wttterung de; Todfeindes aus den Ur­wäldern seiner Heimat...