lir. 20 ZWeitsr Blaff Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Donnerstag, 24. Zanuar 1929
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Oie MMmbesirebungeri im Lugendsirajrecht.
Von 3ugenbrid)ier Amtsgerichtsrat Gros in Gießen.
Bekanntlich stehen wir mitten in einer Reform des Strafrechts. Das weiß nicht nur der Fachmann, sondern jeder, der die Zeitungen liest und die Reich tagsverkandlungen verfolgt hat. Zwar wehren sich die Praktiker, die Preise und große Teile des Bolles nicht mit Anrecht gegen die krankhafte Llebcrfülle neuer Gesetze und gegen die Aenderung gesetzlicher Borschristen, aud) gegen die allzu vielen Zick-Zack-Sprünge, die in der Gesetzgebung des Reiches und der Länder beobachtet werden können, so dah niemand mehr bestimmt weih, was überhaupt noch als Recht in Kraft ist. Allein der Erlaß des Jugendgericht igefehes war eine große, notwendige erste Reform in unserer Strafgesetzgebung. Sie hat sich bewährt und bisher unserer Lugcnö zum besten gedient. Die Zahl der Fälle, in denen beifpielswei c innerhalb meines Dienstbezirks eine erkannte Eeiängni stra e tatsäch ih velzeg-n wurde, ist minimal. Bewährung.fristen wuroen mit verschwindenden Au^nahmen eingehalten. so dah die angedrohten Freiheitsstrafen erlassen werden konnten, zum Segen des Jugendlichen und seiner Angehörigen und — zur Freude des Richters. Diese Erfolge, die gewiß überall festgestellt werden können, ließen und lassen die Anhänger der Jugend-Sira rechtsresormbewc- oung nicht ruhen, um auch für jene noch im Jugendalter Stehenden, die bereit; das 18. Lc- benLjahr vollendet haben, eine Aenderung der zur Zeit geltenden Strafrecht inormen auch für diese Alterskla.se zu erreichen, die deren noch nicht erworbener geistiger und sittlicher Reife in besonderer Weise Rechnung tragen sollen. Insbesondere ist es die ,Bereinigung für Jugend- geeichte und für Jugendgericht Hilfe", die der zur Zeit in Fluß befindlichen Reformbewegung un Jugendstrafrecht eine besondere Richtung zu geben sucht. Der Auffassung der genannten Bereinigung, daß Jugendliche auch nach Dollen- bung des 18. Lebensjahres recht feiten die geistige Reife und den inneren Halt eines Volljährigen besitzen, ist unbedingt zuzustimmen. Gerade die Zahl der im Alter von 13 bis 21 Lebensjahren Bestraften erreicht in der Statistik eine erschreckend hohe Awlnahmezisfer im Verhältnis zu anderen Altrrsklas en. Deshalb kann man als Praktiker der Auffassung nur beitreten, daß Jugendliche auch nach Vollendung des 18. Le- bansjahres den Volks'ährigen im Strafrecht noch nicht völlig gleichgestellt werden sollten, und daß auch bei ihnen der Erziehungsgedanke noch mehr in den Vordergrund gestellt werden muß. Cs ist eben die Ausgabe der Strafrechtspflege, so lange einen erzieherischen Einfluß auf den Rechtsbrecher auszuüben, als es möglich ist. Selbstverständlich bin ich mir dabei bewußt, dah es aus Gründen, deren Erörterung hier zu weit führte, Menschen gibt, die jeglicher Erziehung und Besserung trotzen, bewußt und un- bewußt.
Ich bin der Auffassung, dah, zur Zeit jedenfalls, nur für 18 bis 20 Jahre alte Jugendliche ein weiterer Strafrahmen zu bilden ist. Mit 20 Jahren erlangt der Deutsche bekanntlich das Wahlrecht. Es geht denn doch wohl nicht an. dah die Gesetzgebung dem Staat.bürger auf der einen Seite das allgemeine Stimmrecht gewährt, ihm aber auf der anderen Seite bescheinigt, daß ihm in ethischer, intellektueller Hinsicht in strafrechtlicher Beziehung die volle Reife und damit die volle Berantworllichk.lt noch nicht zuge- fprochen werden könne. Die Dorschriten über anderweit.ge Altersgrenzen — löjähr gr können z. B. ein Testament errichten, oder ein 16jäh- riges Mädchen darf die Ehr schließen — liegen auf ganz anderen Rechte gebieten und gehen von ganz anderen Voraussetzungen aus.
Zur Erörterung steht weiter die Frage, ob die Zuchthausstrafe oder gar die Todesstrafe gegen Jugendliche ausgesprochen werden soll. Die To- beSftrafe gegen Erwachsene ist ein Problem, das noch die heftigsten Kämpfe erregen wird, wie sie das schon zu allen Zeiten getan hat. Bei Jugendlichen kann sie jedenfalls nicht in Frage kommen. Don der Vollstreckung von Zuchthausstrafen gegen Jugendliche verspreche ich mir keinen besonderen Erfolg. Die mit ihr verbundene
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Roman von 3. Gchrieider-Koefsi!.
llrbeberrechtsschutz Oskar Meister, Werdau L Sa.
53 Fortsetzung Nachdruck verboten.
Hettingen brach auf dem Bet e hinter sich zusammen. „Alles umsonst gewesen." stöhnte er. -Alles umsonstI" Mit beiden Fäusten hielt er die hämmernden Schläfen zusammen.
Fehmann, selbst aufs tiefste erschüttert, legte ihm bittend die Hand auf die Schulter. „Um einen solchen Preis ist die Ehre eines Weibes zu teuer bezahlt, AchimI"
„Rein!" schrie Hettingen auf. „Ich hatte meinen letzten Tropfen Blutes dafür gegeßen."
„Armer Mensch I So groß ist deine Liebe — — noch immer!" _
.Ich bitte dich, geh jetzt, Hans! Geh!--
Aber komm wieder!" settze er hastig hinzu.
.3a, mein Lieber! In einer Stunde bin ich wieder da!"
„Und sorge, Hans, daß sie geschont wird — ich nehme alle Schuld auf mich. Sage —Jd> hatte sie gebeten, zu mir zu kommen und —“
Lehmann nickte. „Ich werde schon das Rechte sagen.. Achim. Sei ganz beruhigt."
„Und — Hans —" _
Der Doktor hörte ihn nicht mehr. Die Ture klappte bereits hinter ihm ins Schloß.
'Beide Arme über den kleinen Tisch werfend, wühlte Hettingen sein Gesicht darein. Alles umsonst gewesen! Alles umsonst! Und sie? — Das Weib, um dessenlwillen er dieses Namenlose gelitten hatte? Sie —
Dichts. als ein trockenes würgendes Schluchzen ging durch den Raum.
Der Schnellzug Mailend—Eh'asso donnerte durch die Rächt der schweizerisch-italienischen Grenze entgegen. In den Gängen der Schlafwagen herrschte tiefste Stille, nur die beiden
Die SvdpoleMdiiion Mit Witkins un- Mrd.
Jahreszeit für die Forschungen darstellt. — Byrd wäh.te seine Balls an dec Küste des Roß-Meeres, der tiefiten Einbuchtung des Sti.len Ozeans ins Festland, von wo aus auch die früheren Südpo.'eSpeditionen ihren Ausgang nahmen. Vor drei Wochen ist hier Byrd mit feinen drei Dampfern und Flugzeugen einge- trofien und hat fein Hauptquartier in der Walsischbucht ausgefchlagen. Die Bafis der Expedition von Wilkins ist die Deception- Insel, ein kleines Eiland der Süd-Shetland- Jnseln (südlich von Südamerika). Von hier hat
Das Antarktische Festland, der durch ewiges Eis bedeckte, saft gänzlich unlekanitte sechste Kontinent der Erde, in des,en Witte.punkt der Südpol Hegt, wird gegenwärtig von zwei Forschungs- expeditionen, des Briten W i l k i n s und des Amerikaners Byrd (beide durch ihre Rordpolslüge bekannt), durchsorscht. Das Innere diefer 13 Millionen Quadratkilometer (also ein größeres Gebiet a.ä Europa) umfaßende., Eiswüste, die sich 3300 Meter hoch über Lent Meeresspiegels befindet, wurde bis jetzt nur viermal von Menschcn- fuh betreten. Rach einem ersten Vorstoß des
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englischen Kapitäns S c 0 t t, der am 29. Dezember 1902 im Süd-Dictoriaiand bis zum 82. Breitengrad vordrang, gelangte der ebenfalls englische Forscher Shackleton am 9.Januar 1909 bis zur Breite 88° 28*. also in die nächste Rahe des Südpols (90"). Dem kürzllch so tragisch verschollenen norwegischen Polarforscher Amund- s e n war es vergönnt, am 14. Dezember 1911 ate Erster den Südpol zu erreichens Kapitän Scott, der ein paar Tage nach ihm, am 18. Januar 1912 ebenfalls zum Südpol gelangte, ist auf dem Rückwege in den furchtbaren polaren Eisstürmen umgekommen. Seither wurden nur Expeditionen zur Erforschung der Küsten des Antarktischen Äontinentd unternommen (Forschungsreise von Mawson bn Jahre 1911/13, Deutschlandexpedition 1912).
Die Expeditionen von Wilkins und Byrd versuchen an Stelle der monatelang dauernden Hundeschlittensahrten, mit dem Flugzeug die Antarktis zu entschleiern. In der Antarktis herrscht gegenwärtig (wie auf der ganzen Süd- Hälfte der Erde) Hochsommer, der mit feiner dort monatelang scheinenden Sonne die beste
er mit seinem auf dem Rordpolslug bewährten Piloten, dein Rorweger Eielson. am 19. Dezember 1923 feinen ersten Flug unternommen, den ersten Flug überhaupt über die Antarktis. Die wissenschaslliche Ausbeute dieses üVxstündigen Fluges über eine Strecke von 2000 Kilometer ist beträchtlicher als manche monakekange Hundeschlitten fahrten. Es wurde sestgestellt, dah das Graham-Land, das bis jetzt, wie es unsere Hauptmarke zeigt, für eine Halbinsel des westlichen Antarktts gehalten wurde, kein Teil des Festlandes darstellt, fonbent in zwei Haupt- infeln zerfällt (siehe unsere Rebenkarte). Zur Illustrierung der Möglichkeiten des Flugzeuges beim Erreichen von schwer zugänglichen Gebieten, wollen wir noch bemerken, dah der Flug von der Deceptton-Jnsel bis zum Dicht- hosen-Tal des Graham-Landes zwei Stunden in Anspruch nahm, während für dieselbe Strecke der Polarforscher Rordenskjöld vor 25 Jahren erst in einer zwei Wochen langen, mühseligen Hundeschlittenrei e auf dem Cis des gefrorenen Meeres benötigte.
Brandmarkung wird stets ehre derartige sein und bleiben, dah dem mit Zuchthaus bestraften jungen Menschen jeder Anschluß an bessere Elemente der gesitteten Gesellschast für die Zukunft zur äln- möcklichkett werden wird. Immerhin mag die Zuchthausstrafe im Gesetz nicht ausgeschlossen werden, da sie als Drohmittel von gewisser abschreckender Wirrung zu sein vermag.
Meines Dafürhaltens sollten die 13- bis 20- jährigen. die gewissermaßen auf einer Brücke
zwischen den ganz Jugendlichen und den Dollverantwortlichen stehen — ich möchte sie als ältere Jugendliche bezeichnet wissen —, und nicht, wie schon vorgeschlagen worden ist, als .Junge Menschen", da ja auch das kleine Kind ein solcher ist — noch der Zuständigkett des Jugendgerichts gesetzlich unterstellt werden, und zwar wegen aller von ihnen begangener Delikte. Bisher haben die Jugendgerichte noch nirgends versagt. Schwerste Verbrechen sind von ihnen
Schaffner liefen auf lautlosen Fühen hin und zurück, gähnten verschlafen und lehnien ab und zu den Kopf an die kühlen Scheibern
In Chiafso kam die Ablösung. Das bedeutete Ruhepause bis zum nächsten Mittag.
Die Grenze!
Verschlafene Gesichter! Ein Empvrsahren tn den Betten — Zollkontrolle!
„Gnädigste haben keinerlei Gepäck?" fragte der Schaffner und sah nach der jungen Drme hinüber, die langausgestreckt ruyig in den Kissen lie- genblicb. Sie schüttelte den Kops und drehte das Gesicht verärgert nach der anderen Seite.
„Wenn ich um Ihren Paß bitten dürfte. Gnädigste! Sie werden dann Wetter nicht mehr belästigt fein!“
Mit der Rechten nach dem lleinen Handtäschchen greifend, nahm sie ein dunkelgrünes Büchlein heraus und reichte es dem Beamten.
Zehn Minuten später überbrachte er es ihr wieder. „Gnädiges Fräulein haben noch zwei Stunden Ruhezeit bis Bellinzona! Wenn Sie wünschen, werde ich Sie wecken."
Völlig verblüfft sah sie in das glattrasierte Männergesicht. Woher wußte der Beamte, daß sie nach Bellinzona wollte?
Er sah ihr Erstaunen. „Ich dachte nur,“ sagte er entschuldigend, „Gnädigste hätten den Aufruf in den Blättern gelesen!"
„Welchen Aufruf? Sie saß schon in den rechten Ellenbogen gestützt und suchte in feinen Augen. „Welchen Aufruf? Reden Sie doch!"
„Ich werde Ihnen einige Zeitun,en aus dem Speisewagen bringen." Er war schon davongelaufen, ehe sie noch etwas weiteres zu sagen vermochte. Wenige Minuten spater kam er mit einigen Blättern in der Hand zurück. »Hier!'
Er hatte eines derselben bereits aufgeschlcnen und zeigte nach ein paar Zeilen in dicken, großen wettsvaktigen Lettern:
Maria Richthofen!
Sofortiges Eintreffen in Bellinzona dringend erbeten, Dr. Hans Feßmann
FehmannI Wenn Dr. Feßmann in Bellinzona war, — dann war Joachim krank! Schwerkrank!
— Vielleicht schon tot! — .Tot!" wimmerte sie auf.
"Kann ich Ihnen irgendwie behilflich sein?" erbot sich der Schafsner, dem die Rot der schönen junge i Reisenden nun wirklich zu Herzen ging.
Die Decke mit sich zu Boden ziehend, saß sie vor ihm auf dem Rand des Bettes und sah ihn verzweifelt an. »Wie lange, sagten Sie, ist noch, bis wir in Bellinzona eintreffen?"
»Zwei Stunden.'
,Unt> Wartezeit hier in Chiasso?“
»Roch eine halbe!"
»Ich kann es so lange nicht mehr hinausziehen —, jemand, der mir sehr nahe steht, muh sehr krank sein, sonst würde man mich nicht rufen. Können Sie mir irgendeine Fahrgelegenheit besorgen, die mich rascher nach Bellinzona bringt?! Der Preis spielt keine Rolle. In Lire oder Franken — wie es gewünscht wird — Rachttaxe selbstverständlich. — Ich bezahle sie doppelt, wenn Sie mir nur einen Wagen verschaffen — wenn nötig, steuere ich selbst."
Der Schaffner überlegte und schüttelte dann den Kopf. „(36 läßt sich kaum rn.achen! Und viel Zeitvorsprung läßt sich davon nicht erwarten, meine Gnädigste. Zudem — der Aufruf steht schon seit drei Tagen in allen großen Blättern — da spielen diese zweieinhalb Stunden wohl keine nennenswerte Versäumnis mehr."
.Seit drei Tagen." In Marias Augen stand nichts mehr als eine hoffnungslose Leere.
Sie sah ihn tot! Das stolze Siegfriedgesicht von mattem Kerzenschimmer umflackert. Mit reglosen, über der Brust gefalteten Händen, die em anderer ihm zurcchtgelegt hatte.
„3oad)im!“
Ihre Zähne gruben sich in die Knöchel der Frnger und hinterließen tiefe, ovale Eindrücke. Gehörte sie denn zu den Verfluchten, die für eine einzige Stunde der Schuld für alle Ewigkeit vom Schicksal verfolgt wurden mtt nimmerendendem Leide? —
„Joachim!"
Mit heiserem Weinen bettete sie das Gesicht in die Hände. Er hatte vielleicht noch nach ihr
abgeurteilt worden und es hieße, sie zu Bagatellgerichten herabdrücken, wenn man ihnen nicht für die Aburteilung aller Straftaten volles Vertrauen schenken wollte. Auch Erz^hungsmaß- regein müssen für ba3 genannte Zeitalter noch für zulässig erklärt werden.
Ganz besonders zu fordern ist die beschleunigte Durchführung eines jeden Sirasver- fahrens, insbesondere gegen Jugendliche, und von besonderer Wichtigkeit ist, so wichtig wie die Strafe selbst, der Vollzug einer Freiheitö- ftrafe, wenn er sich als nV wendig erwiesen hat. Don seiner Art und Wein düngt oft die ganze Wirkung einer Freiheiisstr f: ab. Ein Achtzehnjähriger war vor ctsichen eueren zusammen mit Erwachsenen vom damaligen Schwurgericht wegen Totschlags zu 1 > . Jahren Gefängnis verurteilt worden. Er verbüßte nach veralteten Dorschriften die Strafe in einer Anstalt, in der er auch Erwachsene sehen und sprechen konnte. So lernte er auch die Schlimmsten kennen. Wegen braver, ordentlicher Führung war ihm ein Teil seiner Strafe erlassen worden. Ich sprach ihn am Tage vor seiner Entlassung. Er sagte zu mir wörtlich: .Herr Amtsrichter, als ich ins Gefängnis ging, war ich ein ordentlicher Kerl, hier erst bin ich schlecht geworden." Sprechen diese Worte nicht Bände?
Darum ist die wichtigste Forderung, um das in diesem Zusammenhänge noch zu sagen, die Heranbildung eines seines Pfsichtenkreises bewußten und ihm gewachsenen mustergültigen Auf- sichtspersonals. das dem Strafgefangenen in Erkenntnis der diesem gebührenden richtigen Fürsorge, insbesondere dem noch erziehbaren Jugendlichen den Ernst seiner Lage erkennbar machen und ihm zugleich Helfer und Wegbereiter für die Zukunft fein kann. Solange es fast überall noch an diesem ersten Erfordernis fehlt, wird der Staat immer wieder für die Strafanstalten und das Endziel der Strafrechtspflege viel gutes Geld umsonst aus- geben. Aber die besten Dorschriften werden in der Welt nichts nützen, wenn die, die berufen fein sollen, sie auszuführen, ihrem Amte nicht gewachsen sind. Es muß Geist fein, der die Rormen des Rechts, der Rechtsfindung und des Strafvol'z.'.gs erfüllt. Richt Gewalt, nicht Willkür und nicht Schablone. 'Vergessen wir nie, daß in der Jugend die Zukunft unseres Dolkes liegt, älnd darum nochmals: „Strafe fei Fürsorge." Rur in diesem Sinne darf der Gesetzgeber tätig werden.
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WSR. Frankfurt a. M., 23. Jan. Heute trat unter dem Dorsih des Präsidenten der Reichsbahndircksion Frunlsurt(Main) der Lande s e i f e n b a f) n r a t für die drei Reichsbahn- direktionkbezirke Kassel, Mainz und Frank- s u r t (Main) zu feiner ersten Tagung nach der erfolgten Reuwahl feiner Mitglieder zusammen. Rach verschiedenen geschäftlichen Mitteilungen wurde die Wahl von 4 Mitgliedern und 4 stellvertretenden Mitgliedern für den Reichs- eisenbahnrat vorgenommen. Gewählt sind: Geheimer Reg.-Rat Dr. Häuser (Stellvertreter Dr. K l e f e n z), Kammer ienrat Schill (Stellvertreter Großkausmann Gotthardt). Fürst von Jfenburg-Birstein (Stellvertreter Rittergutsbesitzer von Keudell), Gewerk- schaftsselretär M i s b a ch (Stellvertreter Ge- werkschaftssekretär Roth). Aus der Tagesordnung stand wieder der Antrag, die Tarife auf dem Wege durch den Distelrasen- Tunnel der hierdurch erzielten kürzeren Der- bindung anzugleichea. Die Reichsbahndirektion Frankfurt (Main) wiederholte ihre bereits in der vorigen Sitzung gegebene Zusage, die Frage zu prüfen, bedauerte aber, mit Rücksicht auf die inzwischen eingctrctene Per onen- und Güler- tarifänbcrimg die Erhebung noch nicht zum Abschluß gebracht zu haben. Zu dem Antrag auf Freigabe der Schnellzüge für Reisende mit Sonntagskarten äußerte sich die Reichsbahndircksion Frankfurt (Main) dahin, daß die Zulassung im Jahre 1925 in verschiedenen dicht besiedelten Bezirken betriebliche Schwierigkeiten ergeben hätten, die es nach erfolgter Tarifreform geboten erscheinen lassen, deren Wirkung abzuwärten und erst dann erneut diese Frage zu prüfen Ein äleberblick lasse sich aber erst nach Ablaus der kommenden Reifeperiode
verlangt, noch um ihr Kommen gebeten, als er fühlte, daß es zu Ende ging — — und sie — sie hatte, während er im Todeskampfe rang, in Mailand in Konzerten und Theatern gesessen und Shimmy und Foxttott getanzt, um sich zu betäuben und Vergessen zu finden.
Und dann wie in jäher, fürchterlicher Gewißheit: „®r hat selbst Hand an sich gelegt! —“ sagte eine Stimme in ihr.
Sie wurde ganz ruhig. Riemand war schuld daran, als sie allein. Dann gab es auch für sie nur noch dieses eine.
Die Räderpaare des Schnellzuges hatten sich längst in Bewegung gesetzt. Sie merfte es erst, als bei einer mächtigen Kurve ihr Körper sachte gegen die Wand gelehnt wurde. Ein Blick auf Die älhr an ihrem Handgelenk zeigte ihr die elfte Rachtstunde. Wie die Minuten schlichen! Ewigkeiten lagen zwischen jeder einzelnen derselben.
„Lugano!" rief draußen eine Stimme mit scharfem Asizent.
„Lugano!" Wonnen von Erwartung und Freude hatte dieses eine Wort sonst in ihr aus- gelöst. Palmen und Schnee! Blauender Frühlingshimmel und tändelndes Wellengeplätscher des Sees.
In dieser Stunde regte sich nichts in ihr.
Bellinzona! — — Wann würde endlich eine Stimme den Ramen dieser Station In die Rächt rufen
„Bellinzona!" ein leises Klopsen. „Sine kleine halbe Stunde noch, Gnädigste."
Eine halbe Stunde noch — — bann kniete sie vor ihrem Toten!"
Mit Fingern, die ganz starr und ungeschickt toaren, begann sie sich zurechtzumachen. DaS gerippte Rouleau flog in die Höhe. Draußen lag der Zauber einer Mondnacht über dem Gelände. Unten im Tale glänzten Lichter. Don grünweihem Schimmer umslossen, starrten die schneebedeckten Häuvter der Berge hernieder.
„Wo bist du. Liebster?"
Mit brennenden Augen sah sie zu den ewig schweifenden, majestätisch sich zur Höhe reckenden Gipfeln empor. (Fortsetzung folgt)


