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.Zollfrieden" bewirkt gerade das Gegen­teil, indem er nur verhindert, daß der zoll- politische Selbsterhaltungstrieb nationaler In­dustrien fortfährt, sich vor allem auf Kosten der traditionelen britischen HanDelsin'eres.en aus- zuwirken. Dabei entfallet man in England und im ganzen britischen Imperium unbekümmert um kon.inentaleuropäischen Interessen, eine von Jahr zu Jahr lebhaftere Propaganda für eine britische Reichszollunion. Rach dem Mu­ster der USA. sollen sich die künftigen 1166. (United States of England) gegen den kon- t i n e n ta le u r o p ä i sche n Ausfuhrhan- D e l absperren. Der Prophet dieses Zukunfts- gebildes ist der Kanadier Lord Deaverbrook, der Besitzer des großen Presselrutzs, der selbst den Kampf für einenReichsfreihandel" für

seine Lebensaufgabe erklärt. Es ist zwar völlig ausgeschlossen, daß dieses Ideal je verwirklicht werben kann, aber auf jeden Fall läßt sich durch eine entsprechende Propaganda die unaufhaltsam fortschreitende Verflechtung der Dominions in die Weltwirtschaft im Sinne einer Steigerung des Teharrungsvermögens der Tevorzugung bri­tischer Waren beeinflussen. Man kann ja unter Umständen mit der nordamerikanischen Aus­fuhrhandelspolitik Kompromisse in dec Richtung gemeinsamer Anstrengungen zur Verdrängung kontinentaleuropäischer Konkurrenz auf nicht- angelsächsischen Märkten schließen und dadurch dieamerikanische Gefahr" von sich ablenken. Im Jahre 1929 führten die Vereinigten Staaten 8 Prozent ihrer Fabrikerzeugnisse aus. Eine Steigerung dieser Ausfuhr nur um 1 Prczent

würden Werte in Höhe von ungefähr 70 Mill. Dollar ergeben, eine Summe, die größer ist als der Gesamtwert der britischen Ausfuhr nach südamerikanischen Ländern.

Es verhält sich mit den Zollabrüstungsparolen nicht anders wie mit den militärischen Ab­rüstungsparolen. Wenn man schon nicht nach einem biblischen Beispiel der Sonne gebieten kann, stillzustehen, so möchte man doch den natürlichen Gang der Dinge aufhalten, soweit es vom menschlichen Willen abhängt. Dem wah­ren Interesse aller zukunfisträchtigen Völker ent­spricht es, neue gemeinsame Kampffronten zu organisieren, statt sich in Abrüstungsfronten ent» wicllungsfeindlicher Weltmächte einreihen zu lassen.

Kehraus im Reichstag.

Schuldentilgungsfonds, Tabaksteuererhöhung und Beitragserhöhung in der Arbeitslosen­versicherung bewilligt. - Die Zollvorlage verabschiedet.

Berlin, 21. Dez. (VDZ.) Auf der Tages­ordnung der heutigen Sitzung steht zunächst die erste Beratung des Initiativgesetze s d e r Degierungspartein zur außerordentlichen Tilgung der schwebenden Reichsfchulh.

Abg. Dr. Brüning (Zentr.) gibt namens der Regierungsparteien folgende Erklärung ab: Der Entwurf eines Gesetzes zur außerordentüchen Tilgung der schwebenden Reichsschuld ist ein­gebracht worden aus der Notwendigkeit heraus, noch vor der Vertagung des Reichstags die Voraussetzungen für die Heberwin- dung der Kassenschwierigkeiten des Reiches zu schaffen. Die Ste.lung der von den Antragsstellern vertretenen Parteien zu dem Fi­nanzprogramm, dcsfen Grundzüge die Regierung entwickelt hat, wird dadurch nicht geändert. Die Parteien sind sich bewußt, auf dem hiermit ein­geschlagenen Wege gleichzeitig die Fortfüh­rung der durch das nationale Interesse ge­botenen Außenpolitik zu gewährleisten.

Reichskanzler Mül er:

Ich habe im Reichstag auf die Notwendigkeit der llcberwindung der -U t moschwicrigkeiten mit aller Deutlichkeit hingewiesen. Als die Ver­handlungen mit einer amerikani­schen Danksirma am Mittwoch noch zu keinem abschließenden Ergebnis geführt hatten, habe ich das Kabinett berufen. Die ReichSregie- rung war in dieser Sitzung einstimmig der Auf­fassung, daß innerhalb 2 4 Stunden Klarheit über die Heberwindung der Kassenschwierigkeiten g s. a fe.i We den mußte. Das Kabinett ersuchte mich, dazu Ver­handlungen mit dem Herrn Reichsbankprä­fi d e n t e n zu führen. Diese Verhandlungen er­gaben, daß zur Behebung der vorhandenen Schwierigkeiten eine Erweiterung des So­fortprogramms dr R ich.'regierung nit'g war. Das Ergebnis dieser Verhandlungen fand seinen Ausdruck in dem vorliegenden Antrag. Der Antrag ist also unter Mitwirkung der Reichsregierung entstanden. Sachiich entspricht der Antrag dem 14. Punkt des Finanz­programms. 5>:r vorliegende Gesetze..twurj nimmt einen Teil dieses Programms vorweg. Er legt für das Gtatsjahr 1930 d i e Tilgung von 450 Millionen Mark gesetzlich jetzt schon fest. Das erwies sich als notwendig, nach­dem gegen die Erwartung der Regierung sich herausgeftellt hatte, daß das vom Reichstag ge­billigte Sofortprogramm zur raschen Beschaffung der nötigen Ultimokredite von 330 Millionen Mark nicht ausreichte. (Hört! Hört!) Es ist nunmehr Aufgabe dieses hohen Hauses, durch baldige Verabschiedung dieses Gesetzentwurfes auch den Willen des Deutschen Reichstages zur Mitwirkung an der raschen Sanierung der Rcichs- finanzen zu bekunden. Die Annahme dieses Ge­setzentwurfs wird nicht ohne Rückwirkung auf das Finanzprogramm der Reichs­regierung sein. Die Regierung w'rd unverzüglich die notwcndigen Arbeiten leisten, um diesen neuen Teil des Sofortprogramms in d:n Rah­men ihres allgemeinen Finanzprogramms ein­zugliedern. Es wird dabei besonders zu prüfen sein, ein wie großer Betrag, der zur Tilgung der Reichsschulden im Jahre 1930 erforderlichen 450 Millionen durch Senkung der Ausgaben des Etats gewonnen werden kann. Die Fi­nanzlage des Reiches zwingtzurSparfam- keit. Der Weg, den die Rnchsregierung gehen will, ist gewiß schwierig und dornenvolli Er wird aber von Regierung und Reichstag be­schritten werden müssen, wenn wir zu einer endgültigen Sanierung der Richs i.a-.zen kom­men wollen. (Beifall bei der Mehrheit.)

Abg. Or. Bang (Sn.)

erklärt, Minister Hilferding habe zunächst die Lage nicht richtig dargestellt und habe von Kafsen- schwierigkeiten gesprochen, während es sich um ein Finanzdefizit handelte. Ein erster Vor­wurf ist der Regierung daraus zu machen, daß sie im Etat 1929 die Einnahmen zu hoch, die Aus­gaben zu niedrig angefetzt hat. Unser Mißtrauen gegen Dr. Hilferding ist so groß, daß das tech­nische Mittel des Plihtrauensvotums zu seinem Ausdruck gar nicht ausreicht. (Lachen links.) Mit dem von Dr. Schacht vorgeschriebenen Tilgungs­fonds dankt die Regierung ab und begibt sich unter die Geschäftsaussicht des Reichsbankprüsidenten. An se ne Sielte wird nach Annahme des Vonng-Plancs die in­ternationale Tributbank treten. Ter Tilgungsfonds ist das Begräbnis des mit fo viel Brimborium aufgemachten Finanzprogramins. Das Lügengebäude bricht zusammen. Wir sind Herrn Schacht dankbar, daß er die Demaskierung der Kreise berbeigeführt hat, die alle möglichen Märchen über die günstigen Wirkungen des Boung-Vlanes verbreiteten. Im Gegensatz zu früher heißt es jetzt: Erst Reparationen, d a n n B r o t ! Am Ende dieser Politik steht das Ultimo unseres Volkes. Rettung kann uns nur werden durch die Beseitigung des jetzt herrschen­den Systems.

Abg. Dr. Neubauer (Komm.) meint, aus der Verfassungspräambel müßte der Satz ge­strichen werden:Die Staatsgewalt geht vom Dolle aus"! Tatsächlich gehe jetzt die Staats­gewalt auS von den fetten der Groß­banken. Dr. Schacht fei der Diktator Deutsch­lands und hinter ihm stehe das internationale Finanzkapital. Die Sozialdemokratie habe sich

dem Finanzdiktator Schacht unterworfen und sich einen Maulkorb anlegen lassen.

Abg. Stöhr (Nat.-Soz.) führt aus: Der vor­liegende Tilgungsantrag ist das Produkt einer Paarung des Leichtsinns mit schlotternder Angst vor dem, was ist, und was noch kommen kann. Herrn Dr. Schacht betrachten wir nicht als den Messias einer besseren Zeit, sondern als den Vollstrecker des unerbittlichen Willens des internationalen Finanzkapitals, aus der Arbeit und dem Schweiß des deutschen Dolles Tribute zu pressen.

Abg. K l o e n n e (Dnt. Arb.-Gem.) spricht sich kurz gegen den Tilgungsfondsantrag aus. Die Linke habe das Reich bankrott gemacht, aber nicht daraus ge­lernt.

Damit schließt die Aussprache. Der Jnitiatiogesetz- entwurf auf Bildung des Tilgungsfonds w.rd in erster und zweiter Beratung angenommen.

Es folgt die dritte Beratung des Initiativantrages der Regierungsparteien auf

Erhöhung der Tabaksteuer.

Abg. Stöhr (Rat.-S.) bestreitet, daß die Natio­nalsozialisten von den Zigarettenkonzernen finanziert werden. Die Nationalsozialisten hätten vielmehr die Monopolstellung dieser Konzerne bekämpft, im Gegensatz zu den Sozialdemokraten, die alle ihre Grundsätze über Bord geworfen hätten.

Von den Regierungsparteien sind A e n d e - rungsanträge eingegangen. Danach wird die Steuer für Feinschnitt-Pfeifentabak weiter ermäßigt. Die infolge der Steuererhöhung stellungslos werden­den Angestellten und Arbeiter sollen unbeschadet der Arbeitslosenversicherung für die Dauer eines halben Jahres mit 75 v. H. des durchschnittlichen Arbeits­verdienstes unterstützt werden.

Abg. B ü l l (Dem.) bedauert die ü b e r h a st e t e Erledigung der Vorlage. Nur die bekannten zwangsläufigen Umstände könnten seine Freunde veranlassen, für das Tabaksteuergesetz zu stimmen.

Abg. Dr. Hertz (Soz) erklärt, seine Partei stimme der Vorlage nur zu angesichts der Kassen­schwierigkeiten des Reiches, und weil die Vorlage einige Verbesserungen erfahren habe.

Abg. Dr. Hoff (D. Vp.) äußert Bedenken gegen die kurze Dauer der Kontingentierung, erklärt aber, daß die Deutsche Volkspartei die Vorlage annehmen werde.

Die Aenderungsanträge der Regierungsparteien werden angenommen. Dazu gehört auch eine Steuerherabsetzung für Zigarettenpapier.

Die Samstagsihung des Reichstags war an sich bis oben hin bepackt mit Sensationen. Die Ver­ständigung zwischen Sozialdemokraten und den Regierungsparteien über die gesamte Zoll- n o d e 11 e und deren Verabschiedung gegen die kommunistischen Stimmen bei Stimmenthaltung der Deutschnationalen, die endgültige Annahme der erhöhten Tabak st euer und der erhöhten Beiträge zur Arbeitslosenversiche­rung wo auch ein Teil d^r Deutschen Volks- Partei mit der Minderheit stimmte dazu der Kampf um das Tilgungsgeseh verounden mit einer richtiggehenden Mitternachisfitzung: das alles gab wirklich einmal politischen Auf­trieb; und wurde trotzdem totgeschlagen durch den Kamps um den Skalp des Reichsfinanz­ministers Dr. Hilferding. In den Rachmit- tagsstunden war auch da' entschieden. Herr Dr. Hilferding erklärte sich mit feinem Staatssekretär Popitz solidarisch und te...e Dem Kabinett mit, daß er sein Rücktrittsgesuch einge­reicht habe. Eine notwendige Klärung, Denn tatsächlich war der Finanzmtnister nach einer solchen Serie von Mißerfolgen nicht mehr zu halten. Er hat von Anfang an eine unglückliche Hand gehabt, eben weil er kein Mann Der Tat, sondern ein Mann Des Grü­belns ist. Zweifellos klug, aber unentfchlofsen, er stolpert über seine eigenen Bedenken, obwohl ihm vielleicht die Erkenntnis des Notwendigen nicht fehlte. So hat et im Kabinett Luther ver­sagt, und es war ein schwerer Fehler der So­zialdemokraten, daß sie ihm in fo kritischen Zei­ten noch einmal das gleiche Finanzmini­sterium anvertrauten. Gewiß soll man nicht alle Schuld auf ihn häufen. Er hatte die Erbschaft seiner Vorgänger zu übernehmen, er hatte auch Darunter xu leiDen, Daß der Reichstag ihm im Frühjahr fein Steuerprogramm zerriß und durch mehr unechte als echte Abstriche im Etat Das Gleichgewicht herzustellen suchte. Aber Daß Herr Dr. Hilferding sich Das alles gefallen ließ, ist eben ein Beweis feiner Unzulänglich­keit. Noch mehr, Daß er nun Den ganzen Sommer über Der Entwicklung ruhig zusah, sich nicht rührte, als Die kurzfristigen Verschuldungen sich häuften und Die Kassenschwierigkeiten lawinen­artig wuchsen, und Daß er endlich, nur um gegen Den Neich^bankpräsiDenten recht zu behalten, eine amerikanische Anleihe betrieb und Bin­dungen einging, die zu einer Demarche Der französischen Regierung führten; Beweis genug, Daß ihm Die Dinge über Den Kopf ge­wachsen waren. ES konnte auch kaum mehr die Rede davon sein, daß man ihn Den Sozial­

3n namentlicher Schlußabstimmung wird die To­baksteuervorlage mit 258 gegen 147 Stimmen bei neun Enthaltungen angenommen.

Der Jnitiativentwurf über die Erhöhung des Beitrags zur A r b e i t s l o s e n v e r f i ch e- rung wird in namentlicher Abstimmung mit 248 gegen 156 Stimmen bei neun Enthaltungen ange­nommen. Dagegen haben auch einige Mitglieder der Deutschen Volkspartei gestimmt.

Damit ist das Sofortprogramm endgültig verab­schiedet.

3n der wiederholten Abstimmung über Die Fut­termittelzölle wird im Gegensatz zu gestern von Den Abg. Dr. Horlacher (Bayer, vp.) und Schiele (Dnt) beantragte Erhöhung Des Zolles für Futtergerste ab­gelehnt. aber Die Verbilligungsprämie für Futter­roggen angenommen. Es gilt also ein Zollsatz von 5 Mark für Das 3ahr 1930 und 2 Mark vorn 1. 3a- nuar 1931. 3n namentlicher Abstimmung wirD Die Zollvorlage mit 311 gegen 40 Stimmen bei 64 Ent­haltungen angenommen.

Erne Nachisihung.

Bei starker Besetzung Des Sitzungssaales und der Tribünen eröffnet Vizepräsident Esser die Nacht- sitzung mit der amtlichen Mitteilung vom Rück­tritt des Reichsfinanzmini st ers Dr. Hilferding und eröffnet die dritte Beratung des Initiatiogesetzentwurfes der Regierungsparteien über die Bildung eines Tilgungsfonds von 450 Millionen.

Abg. Dr. Neubauer (Komm.) führt aus, mit dem vorliegenden Entwurf sei dem ganzen deutschen Volke gezeigt worden, daß seine Geschicke vom internationalen Finanzkapital be­stimmt werden, daß sogar die Konkurrenzkämpfe der amerikanischen Großbanken auf dem Rücken des deutschen Volkes ausgetragen würden. Bezeichnend fei es, daß imB. T. Theodor Wolff den Diktator des Trustkapitales Dr. Schacht beschwört, nach Dem Haag zu gehen. Hilferding ist gegangen, aber die Regierung, die seine Politik gedeckt hat, sitzt noch da und schickt Ergebenheitsadressen an Schacht.

Weitere Wortmeldungen lagen nicht vor. (Lebhaf­tes Hört, Hört! bei den Kommunisten.) Der Initia­tivgesetzentwurf wurde mit den Stimmen der Re­gierungsparteien, und zwar mit 255 Stimmen gegen 131 Stimmen angeornmen bei vier Stimmenthaltungen.

Vizepräsident Esser schl'eßt die Sitzung mit guten Weihnachtswünschen für die Abgeordneten.

Demokraten zuliebe noch länger im Amt lieh, weil Die übrigen Regierungsparteien jedes Vertrauen zu ihm verloren hatten und Die Koalition Darüber in Die Brüche gegangen wäre. Das Gescheiteste war es schon. Daß nach Erledigung Des Sofortprogramms auch Die So- zialDemokraten ihn fallen l eßen. Der Reichswirt- schaftsminister Professor Moldenhauer tritt eine schwere Nachlassenschaft an, und es wird großer Energie aller hinter Der Regierung stehenden Parteien beDür.en, um Die Reichsfinanzen jetzt hoffentlich endgültig in Ordnung zu bringen. Oie amtliche Verlautbarung.

Berlin. 21.De). (WB.) Amtlich. Der Herr Reichspräsidenk Hal auf Vorschlag des Reichs­kanzlers Den Reichsminister Dr. h i l s e r D i n g in Genehmigung seines Abschiedsgesuches von Dem 21mte Des Reichsmini st ers Der Finan­zen entbunDen. Der Herr Reichspräsident hat ferner Den Staatssekretär im Reichsfinanzministe­rium Dr. Popitz auf seilen Antrag in Den einstweiligen RuhestanD verseht. Es wird Damit gerechnet. Daß Der Reichspräsident den Landwirtschaftsminister Dr. Moldenhauer kom­missarisch mit der Leitung des Reichsfinanzminiske- riums beauftragen wird.

Hilserdings Abschiedsbrief.

Störungen von außen."

Berlin, 22. Dez. (£11.) Nach Dem »Börsen- Courier" fjat das Schreiben, mit Dem Dr. Hilfer- ding Den Reichskanzler um seine Entlassung gebeten hat, fctgenDen Wortlaut:

»Nachdem Die Aufnahme des Kredits zur HcDcrtolnDung Der llltimoschwierigkeiten ge­sichert ist, fallen Die Gründe weg. Die meine politische HanDlungsfreihei t ein­geengt haben. Die von mir verfolgte Politik sah vor: Die fortschreitenDe KonsoliDierung Der schwebenDen SchulDen, Die bereits Durch Den Abschluß Der Kreuzer-Anleihe ein- gclcitct war, Die VerwenDung Der Er­sparnis aus Dem Voung-Plan zur Beseitigung DeS Defizits im Haus­halt Der Jahre 1923 und 1929 und zur Ent­lastung DerWirtschaftDurchSteuer- s e n k u n g e n von wirfsamem Ausmaße und zu einem nahen Zeitpunkt. Diese Politik ist Durch Eingriffe von außen gestört und kann Deshalb von mir nicht weitergeführt werden."

Or. Hilserdings Rücktritt.

OasEnilaffungelge'uch hes^eichsfinanzminist^rsunhhesStaaissekre'ärspopih genehmigt. - Minister Moldenhaurr mit her Führung her Geschäfte beauftragt.

Der Demokratische Börsenkurier schreibt Dazu: Hilserdings letzter Akt sei Der vergebliche Ver­such, sein eigenes Versagen auf Störungenoon außen" zurückzuführen, feine eigenen Pläne. Deren Auswirkung zu erleben uns erspart blieb, als Die einzig glorreiche hinzustellen. Eines sei gewiß, Daß n i e m a n D Diesen als Ergän­zung zum BilDe HilferDings wertvollen 216- schiedsbrief mit Dem WunscheAus Wie- Dersehen" beantworten werde.

Um Hilserdings Nachfolge.

Tie Sozialdemokraten

fordern die Ernennung von Dr. Hertz.

Berlin, 22. Dez. (VDZ.) Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion beschäftigte sich am Sonntag früh nach der letzten Plenarsitzung des Reichstags mit dem Rücktritt des Reichsfinanzrninifters Dr. hilfer­ding. Dabei tarn einmütig die Auffassung zum Aus­druck, daß die Fraktion nicht auf den durch das Ausscheiden Dr. hllferdlngs frei- werdenden vierten Sih im Reichska­binett verzichten könne. Der Reichskanzler wurde daher aufgefordert, das Finanzministerium wieder mit einem Sozialdemokraten zu besehen. Die Fraktion sprach dabei den Wunsch aus, daß die Wahl auf D r. Hertz fallen möge. Dr. Hertz hat sich noch nicht darüber erklärt, ob er diesen Posten annehmcn würde. Dr. Hertz, der nun voraussichtlich Nachfolger Dr. hilserdings wer­den wird, ist 1883 in Worms geboren und studierte Staatswissenschaften in München und Tü­bingen. von 1919 bis 1922 war er politischer Re­dakteur der unabhängigenFreiheit" in Berlin. 3n den kehlen 3ahren war er Sekretär der sozialdemokralifchm Reichstagsfraktion. Etats- und Finanzfragen, zu denen er im Reichstage häu­fig das Wort ergriff, waren wahrend feiner Tätig­keit als Abgeordneter sein wichtigstes Arbeitsgebiet.

Attentatevorbereitungen in Agram.

Tie kroatische Opposition gegen Belgrads Militärdiktatur.

Belgrad, 23. Dez. (WDB. Funkspruch.) Wie aus Agram gemeldet wird, wurde Dort Der Vorsitzende Der ehemaligen kroatischen Bauernpartei und Nachfolger Stefan RaD'.tschs in Der Parteiführung, Dr. Wladimir M a t s ch e k, verhaftet. Die Verhaftung Matschiks soll in Zusammenhang stehen mit Der Aufdeckung eines geplanten Höllenmaschinenanfch'ages, Der gegen 6ie zum Geburtstag des Königs nach Belgrad fahrenden kroatischen De­putationen verübt werden sollte. Wegen dieses Anschlages wurden b.reitZ in den letzten Tagen in Agram zahlreiche Verhaftun­gen vorgenommen. Aus Den Aussagen von Ver­hafteten soll hervorgehen, daß mit Den Höllen­maschinen, Die gefunden wurden und in Den Händen Der Polizei sind, ein Attentat auf den Zug geplant war, und ferner ein Attentat in der Agramer Kathe­drale während des Gottesdienstes am Geburts­tag des Königs. Unter Den Verhafteten befinden sich Der ehemalige Abgeordnete Der Raditfch- Partei, Ielasitsch, und e'.n eh ma i^er Ob rst B e g i t s ch. Ihre Aussagen, in Denen sie ihre Teilnahme an Den versuchten Attentaten zu - gaben, sollen Matschek infofern belastet hab n, als er Die Vorbereitung des Attentats Durch Geldzuwendungen gefördert haben soll. Matschek wurde daraufhin verhaftet.

M ßglücktes Attentat auf hen Vizekön'g von Znhien.

Delhi, 23.Dez. -(WTD. Funlspruch.) Gegen den Eisenbahnzug des Dizekönigs von Indien, Lord Irwin, wurde eine Bombe gss- schleudert. Ein leerer Speisewagen tounie zerstört. Der Dizekonig ist nicht verletzt. Ein Zugbeamter wurde leicht verletzt. Der Ort, an Dem Das Attentat auf Den Vizekönig erfolgte, ist etwa anderthalb Kilometer von der Station Der neuen Hauptstadt New-Delhi entfernt. Die Bombe wurde durch ein Fenster des Speise­wagen geschleudert, in dem sich aber niemand befand. Die Explosion wurde von Den Leuten auf Der Station gehört. Sie glaubten aber, es handele sich um ein Nebelsignal. Die Explosion war fo stark, daß der Fußboden des Speisewagens zer­stört wurde.

Aus oller Wrli.

Papageienkrankheit in Berlin?

Zwei eigenartige Todesfälle sind zur Zeit Ge­genstand eingehender Untersuchungen durch Die meDizinischen Stellen in Berlin. Der in Dah­le m wohnende Geologe Prof. Dr. Harbort, ist unter grippe- und typhusartigen Symptomen gestorben. Gleichzeitig erkrankten die Frau des Professors, Die beiden Töchter, das Hausmädchen, die Hausschneiderin sowie zwei Bekannte der Familie. Die Hausschneiderin ist ebenfalls g e st o r b e n. Die behandelnden Aerzte glaubten zunächst an eine Grippe- oder Typhuserkrankung. Als Dann aber zwei Der Papagei en. Die sich im Besitz Des Professors befanden, eingingen, kam man auf Die Vermutung, Daß Die verstorbenen b;to. erkrankten Personen von Den Vögeln infi­ziert worden sein könnten. Der Direktor des Untersuchungsamts für ansteckende Krankheiten ist zur Zeit Damit beschäftigt, in Gemeinschaft mit Dem Institut für Die Parasitenkunde an Der tier­ärztlichen Hochschule Die Krankheitserreger enD» gültig festzustellen. Fast alle Anzeichen Deuten daraus hin, daß es sich um Die sog. Papa­geienkrankheit handelt.

versunkener Sporlruhm.

Man spricht im allgemeinen nur von dem unge­heuren Summen, die Die bekannten Sportgrößen verdienen, aber wer weiß, wie schnell der Ruhm auch seinen klingenden Wert verliert. Da ist Suzanne Len gl en, die nach glänzendem Aufstieg Berufs­spielerin wurde, aber damit gescheitert ist, und nun hört man, daß die einst in der ganzen Welt gefeierte Tennissvielerin sich heute in einem Pariser Mode­salon als Verkäuferin ihr Brot verdient. Oder Kurt Prenzel, Der bekannte Boxer, der als Taxichauffeur in Cbikago sich den Lebens­unterhalt verdient, während N a u j o k s im großen Berliner Sportpalast als Angestellter für die Sauberhaltung der Arena unbekannt und ungefeiert zu sorgen hat.