Nr. 500 Erstes Blatt
179. Jahrgang
Montag, 25. Dezember 1929
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General-Anzeiger für Oberhessen
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Dr Friedr Wilh Lange. Derantwortlich für Politik Dr. Fr Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den AnzeigenteU Max Filler, sämtlich in Dietzen.
Der Volksentscheid über das Freiheiisgeseh gescheitert.
Ruhiger Verlauf des „Goldenen Sonntags" in Berlin und im Reich. — 5,8 Millionen Ja-Stimmen bei 42,1 Millionen Stimmberechtigter. - Die verfaffungsändernde Zahl von 21 Millionen nicht erreicht.
Oie amtliche Bekanntgabe.
Das vorläufige amtliche Abstimmungsergebnis.
Berlin, 23.Dez. (WB. Amtlich.) Das vorläufige amtliche Endergebnis des volks- cnlfcheids über das Freiheilcgefeh ergab folgende Zahlen: Stimmberechtigt waren 42 111 173. Es wurden abgegebn: 6 293 109 Stimmen, davon waren ungültig 130 707 Stimmen. Mit Rein stimmten 337 320, mit 3a 5 825 032 gleich 13,8 o. £). der Stimmberechtigten. Da das beantragte Gesetz verfassungsändernd ist, hülle der Volksentscheid 21 055 586 Ja-Stimmen auf sich vereinigen müssen. Davon ist nicht einmal ein Drittel erreicht worden. Die hinter dem Volksentscheid stehenden Parteien erzielten bei der letzten Reichstagswahl vom 2Nai 1928 etwa 7 Millionen Stimmen.
Der Volksentscheid ist damit gescheitert.
Das Ergebnis in denWahllreisen
1. Ost Preußen. Stimmberechtigte 1 341 042. Sa 359 495, Rein 27 528. (Volksbegehren 320 898 - 23.93 v. H.)
2. Berlin. Stimmberechtigte 1 540 882, Sa 132 205, Olein 6235. (Volksbegehren 95 646 = 6,21 v. H.)
3. Potsdam II. Stimmberechtigte 1 286 099, Sa 188 015, Olein 8330. (Volksbegehren 130 649 = 10.16 v. H.)
4. Potsoam I. Stimmberechtigte 1 270 449. Sa 241 727. Olein 13 710. (Volksbegehren 190 583 = 15,00 v. H.)
5. Frankfurt a. b. O. Stimmberechtigte 1 056 202, Sa 260 833, Olein 16 275. (Volks- Legehren 201 232 = 19,05 v. H.)
6. Pommern. Stimmberechtigte 1 172 255, Sa 391 406, Olein 25 888. (Volksbegehren 385 757 = 32,91 v. Sy)
7. Breslau. Stimmberechtigte 1 233 250, Sa 220 140, Olein 18 496. (Volksbegehren 164 201 — 13 31 v. H.)
8. L i e g n i h. Stimmberechtigte 789 850, Sa 152 150, Olein 12 038. (Volksbegehren 109 943 = 13.92 v. Sy)
9. Oppeln. Stimmberechtigte 822711, Sa 100 052, Olein 11 040. (VolkÄiegehren 61989 = 7,53 v. H.)
10. Magdeburg. Stimmberechtigte 1 095 723 Sa 233 166, Olein 13 477. (Volksbegehren 181 437 = 16,56 v. $).)
11. Merseburg. Stimmberechtigte 937693, Sa 230 083, Olein 14 227. (Volksbegehren 174 341 = 18,59 v. H.).
12. Thüringen. Stimmberechtigte 1 473488 Sa 356 757, Olein 14 781. (Volksbegehren 241 378 = 16,38 D. H.)
13. Schleswig-Hol st ein. Stimmberechtigte 1041330, Sa 190 318, Olein 10 607 (Volksbegehren 140841 — 13,52 v. H-).
14. Weser-Eins. Stimmberechtigte 953 939, Sa 162 623, Olein 6429 (Volksbegehren 112 044 = 11,71 v. H.).
15. O ft Hannover. Stimmberechtigte 6i9 4S5, Sa 1Z9 c94. Olein 10 201 (Volksbegehren 134 532 *= 19,80 v. H.).
16. Südhannover - Braunschweig. Stimmberechtigte 1 302 321, Sa 215 194, Vein 15 164 (Volksbegehren 143 739 = 11,04 v. H.).
17. 02 estfalen Olord. Stimmberechtigte 1 554 601, Sa 104 597, Olein 5358 (Volksbegehren 59 881 = 3,85 v. H.).
18. Westfalen Süd. Stimmberechtigte 1 601 821, Sa 90 820, Olein 4434 (Volksbegehren 51 159 = 3,19 V. H.).
19. Hessen - Olassau. Stimmberechtigte 1 644 365, Sa 171 339. Olein 7130 (Volksbegehren 89 670 = 5,45 v. H.).
20. Köln - Aachen. Stimmberechtigte 1 436 372, Sa 34161, Olein 2658 (Volksbegehren 18 881 - 1,31 v. H.).
21. Koblenz-Trier. Stimmberechtigte 776 332, Sa 39 715, Olein 2584 (Volksbegehren 9916 = l,23v. H-).
22. Düsseldorf O st. Stimmberechtigte 1 462 113, Sa 46 272, Olein 2868 (Volksbegehren 29 370 = 2,01 v. H-).
23. Düsseldorf 02 e st. Stimmberechtigte 1 121 280, Sa 65 716, Olein 3905 (Volksbegehren 35 412 = 3,16 v. H.).
24. Oberbayern - Schwaben. Stimmberechtigte 1 610 676, Sa 129 562, Olein 7896 (Volksbegehren 69 101 = 4,29 v. Sy).
25. Aiederbahe^n. Stimmberechtigt 791 509, Sa 35126, Olein 2580 (Volksbegehren 19 522 = 2,46 S.H.).
26. Franken. Stimmberechtigte 1 620 203, Sa 311 343, Olein 10147 (Volksbegehren 215 052 = 13,27 v. H.).
27. Pfalz. Stimmberechtigte 590 188, Sa 32 481, Olein 1884 (Volksbegehren 16 691 — 2,83 v. H.).
28. Dresden-Bautzen. Stimmberechtigte 1299108, Sa 202 585, Olein 12 058 (Volksbegehren 122 704 — 9,45 v. Sy).
29. Leipzig. Stimmberechtigte 917989, Sa 122 924, Olein 7411 (Volksbegehren 82 397 - 6,98 v. H.).
30. Chemnih-Zwickau. Stimmberechtigte 1 247 715, Sa 264 260, Olein 12 885 (Dolksbe- gehren 198 449 = 15,90 v. Sy).
31. Württemberg. Stimmberechtigte 1 717 104, Sa 202 504, Olein 5333 (Volksbegehren 110 546 = 6,44 V.H.).
32. Baden. Siimmberechtigte 1 495 624, Sa 85 238, Olein 3830 (Volksbegehren 33 098 — 2,21 v. H.).
33. Hessen-Darm st ad t. Stimmberechtigte 913 361, Sa 78 308, Olein 4127 (Volksbegehren 27 700 = 3.03 v. H.).
34. Hamburg. Stimmberechtigte 887 319, Sa 46 792, Olein 2262 (Volksbegehren 35 650 = 4,02 v. H.).
35. Mecklenburg. Stimmberechtigte 588 448, Sa 147 375, Olein 13064 (Volksbegehren 122 752 = 20,86 v. H.).
Das Ergebnis in Hessen.
Provinz Starkenburg.
Kreis Dar m st ad t. Stimmberechtigte 104 091, Sa 6367 (6 v. Sy), Nein 354, (Volksbegehren 2091).
Kreis Bensheim. Stimmberechtigte 46 547, Sa 3909 (8,2 v. Sy), Nein 306, (Volksbegehren 1091).
Kreis Dieburg. Stimmberechtigte 42 399, Sa 4912 (11,4 d. Sy), Nein 196, (Volksbegehren 1787).
Kreis Erbach. Stimmberechtigte 30 963, Sa 4608 (14,7 v. H ), Nein 302, (Volksbegehren 1917).
Kreis Groß-Gerau. Stimmberechtigte 49 889, Sa 2282 (4,4 v. Sy), Nein 118, (Volksbegehren 380).
Kreis Heppenheim. Stimmberechtigte 31 314, Sa 1737 (5 o. Sy), Nein 138, (Volksbegehren 341).
Kreis Offenbach. Stimmberechtigte 123 358, Sa 2357 (1,9 o. Sy), Nein 245.
Provinz Oberheffen.
Kreis Gießen. Stimmberechtigte 67383, Sa 8416 (12,3 v. Sy), Nein 384, (Volksbegehren 3034).
Kreis Alsfeld. Stimmberechtigte 24 413, Sa 7385 (29,9 D.Sy), Nein 185, (Volksbegehren 3960).
Kreis Büdingen. Stimmberechtigte 28180, Sa 4634 (16,2 v. Sy), Nein 284, (Volksbegehren 1842).
Kreis Friedberg. Stimmberechtigte' 58 045, Sa 7240 (12,1 v. Sy), Nein 394, (Volksbegehren 2314).
Kreis Lauterbach. Stimmberechtigte 19 537, Sa 6559 (33 v. Sy), Nein 294, (Volksbegehren 2338).
Kreis Schotten. Stimmberechtigte 18 137, Sa 6174 (33 v. Sy), Nein 177, (Volksbegehren 2089).
Provinz Rheinhessen.
Kreis Mainz. Stimmberechtigte 109629, Sa 1829 (1,6 v. Sy), Nein 116, (Volksbegehren 466).
Kreis Alzey. Stimmberechtigte 27 452, Sa 2653 (9,5 v. Sy, Nein 224, (Volksbegehren 901).
Kreis Bingen. Stimmberechtigte 30567, Sa 663 (2,1 o. Sy), Nein 85, (Volksbegehren 81).
Kreis Oppenheim. Stimmberechtigte 32 374, Sa 3076 (9,3 v. Sy), Nein 229, (Volksbegehren 848).
Kreis Worms. Stimmberechtigte 66 461, Sa 3487 (5 o. Sy), Nein 193, (Volksbegehren 1591).
Kreis Marburg.
Stimmberechtigt 22137, abgegebene Stimmen 8116, davon Sa-Stimmen 7915, Olein-Stimmen 114, ungültig 87, Beteiligung 32,7 v. Sy, Volks» begehren 5224.
Kreis Weh ar.
Stimmberechtigt 45 887, Ja-Stimmen 5806, Olein-Stünmen 242, Volksbegehren 2012.
Erste preffestimmen
Berlin , 23. Dez. (Funkspruch.) Die wenigen, am Montagfrüh erscheinenden Blätter nehmen zu dem Ergebnis des Volksentscheid ausführlich Stellung. Der „Montag" (Shugenberg-Konzern) stellt fest, daß alle Versuche, den Volksentscheid ungünstiger zu gestalten, als das Volksbegehren, die auch in Streifen unternommen worden feien, die der nationalen Opposition eigentlich sehr nahe stehen sollten, gescheitert seien. Für Deutschland entscheidend bleibe, ob die Sa-Stimmen das zum Volksentscheid gestellte Gesetz zur Annahme gebracht hätten oder ob das Gesetz abgelehnt sei. Aus diese Frage gebe es z w e i Antworten. Aber es gebe keine Snstanz, die über diese beiden Antworten hinaus die Entscheidung stellen konnte. Die Verfassung von Weimar und das Gesetz zur Durchführung des Volksentscheids hätten hier in den Bestimmungen ein Loch, durch das jede Regierung vor der politischen Wirkung eines gegen sie ergangenen Volksentscheides durchschlüpfen könne. Die Reichsregierung habe sich bereits ihre Verteidigung zurechtgelegt. Sie erkläre, daß das Gesetz gegen den '2)oungpian d i e Reichsverfassung ändere und verlange mit dieser Begründung für das Gesetz eine MehrheitderStimmberechtig- ten von 21 Millionen Sa-Stimmen. Weil die Regierung ihrer Austeguna über den verfassungsändernden Charakter des Gesetzes selbst nicht sicher sei, hat sie sich noch eine zweite Verteidigungs- stellung gebaut. Sie behauptet, daß bei der Abst.m- mung im Volksentscheid über jedes Gesetz, das vorher im Reichstag abgelehnt sei, sich die Mehr- heitderStimmberechtigtenbeteiligen müsse, obwohl überhaupt kein Gesetz zum Volksent- scheid gestellt werden könne, wenn es nicht vorher vom Reichstag abgelehnt fei, abgesehen von Abänderungsgesetzen des Reichstages selbst. Auch diese Behauptung sei verfassungsrechtlich sehr umstritten. Der Reichsausschuß bestreitet, daß das Gesetz verfassungsändernd sei. Er bestreitet, daß die Mehrheit der Stimmberechtigten sich beteiligen müsse. Es gebe keine Snswnz, die objektiv hier in Namen des Volkes rcchtsprechen könnte. Es gebe nur ein Wahlprüfungsgericht, das das Ergebnis des Volksentscheides formal feststelle. Es ist aus Vertretern der großen Parteien zusammengesetzt und habe damit eine Mehrheit der Parteien, die die Regierung unterstützten. Das Wahlprüfungsgericht spricht also kein Recht, sondern mache die Politik der Regierung. So verbaue die Regierung gegen den Grundsatz der Volksgesetzgebung dem Volksrecht den Weg. Die Regierung wird behaupten, daß das Gesetz abgelehnt sei und unbekümmert aus der 2. Haager Konferenz den $ o u n g p I a n u n - terschreiben. Die nationale Opposuion bestreite der Regierung nach dem Ergebnis des Volksentscheids das Recht zu solcher Unterschri t. Der Wahlausschuß betrachtet den Volksentscheid als g e - wonnen.
Die „M o n t a g 5 p o ft" (Ullstein) schreibt, trotz aller Bemühungen sei der Volksentscheid ein Mißerfolg geworden. Bei objektiver Prüfung werde man überall d.e erwartete Zunahme der Stimmen jegenüber dem Volksbegehren feststellen können. Es ei oqn vornherein klar gewesen, daß bei einer Ab- timmung di e Beteiligung erheblich grö- 3 e r fein mußte als bei der Eintragung in öffentlich ausliegende Listen, zumal nach den Erklärungen der Negierung die Beamten diesmal überhaupt nicht
zum Volksentscheid, darüber im Zweifel hatten fein können, daß ihrer Stimmenabgabe oon Regierungsseite nicht das geringste Hindernis bereitet werden würde. Die Zahl der Sa-Stimmen sei noch immer erheblich geringer als die Stimm Ziffern der Deutschnationalen und Nationalsozialisten bei den letzten Reichstagswahlen. Ueber das Mißlingen des Volksentscheids habe von Anfang an nicht der geringste Zweifel bestanden, da zu feiner Annahme die verfaffungsändernde Mehrheit oon über 50 v. Sy aller Stimmberechtigten, also mehr als 20 Millionen, notwendig gewesen wären. Trotz aller Bemühungen der Regisseure sei es ein Mißerfolg geworden. Das deutsche Volk habe begriffen, es habe gefprod)en, indem es schwieg. Das Volk wolle leben und arbeiten für den Wiederaufbau des deutschen Vaterlandes.
Kritik am Houngplan.
Wichtige Ausführungen Dernburgs.
Amsterdam. 22. Dez. (TU.) Der ehemalige Kolonialstaatssekretär und spätere Oleichsfinairz- minifter Dr. Bernhard Semburg, demokratischer Oleichstagsabgeordneter, schreibt im „Telegraaf" u. a.: Die Stimmung in Deutschland habe sich in den letzten Wochen keineswegs zugunsten des Planes gebessert, das Mißlingen des Volksentscheides dürfe doch nicht als eine Entscheidung zugunsten des Poungplanes aufgefaht werden. Einen der größten Einwände gegen den Poung-Plan bilde der geringe Einfluß, welcher der Aeichs- regierung auf die Reichsbahn nach dem Voung-Plan gewährt wird. Die Oleichsbahn biete heute kein Unterpfand mehr. Ihre Tarifpolitik fei ein wichtiger Faktor für den Innen- und Außenhandel. Die größte Sorge bildet indessen der Umstand, daß der Voung-PIan mit feinen Aebenabkommen statt einer Erleichterung für Deutschland wenigstens in den ersten Jahren, bedeutend höhere Lasten bringe. Die mit dem Plan verbundenen besonderen Abkommen verlangen von Deutschland schwere Opfer, und es sei zweifelhaft, ob Deutschland diese zusammen mit den Jahreszahlungen des Boung-Planes werde leisten können. Zu diesem neuen Abkommen gehöre das Warkabkomnien mit Belgien, die Besah ungs- kosten, die nach dem Dawes-Plan aus den Jahreszahlungen bezahlt wurden, und die gewaltigen Ausgaben, die der Wiederaufbau des Rhein- landes nach der Oiäumung von Deutschland fordern wird, nachdem Deutschland auf eure Entschädigung hierfür verzichtet hat. Durch den Fortfall des durch den ilebergang vom Dawesplan zum Vvung-Plan entstehenden Ueberschusses von 300 Millionen werde der Boung-Plan seinem Olamen nach am 1. April, tatsächlich aber erst am 1. Oktober in Kraft treten. Die Gegnerstaaten müssen alle diese Schwierigkeiten gründlich erwägen, denn eine große Belastung würde es zweifelhaft machen, ob die Dawes-Obligationen trotz der erstklassigen hypothekarischen Garantie Käufer finden werden. Außerdem fei zu befürchten, daß Deutschland den ausländischen Kredit zu sehr in Anspruch nehmen muß.
VnWeZoWedelWoM.
Von Otto Eorbach.
Die Zeiten, wo sich John Bull für den Stellvertreter Gottes auf Erden Hal e.i konnte, wo ihm alle Dinge zum besten gereichten, wo er nur seine Stimme für „Freiheit" und „Fortschritt" zu erheben brauchte, damit in allen Teilen der Welt alles nach seinem Wunsche verlies, sind unwiderbringlich dahin. Der natürliche Gang der Dinge geht dem Anspruch des AngelfachsentumS auf Weltherrschaft wider den Strich, Man muß ihn auszuhallen oder wenigstens zu bremsen suchen, mutz verhindern, daß die anderen Völler ihrem eigenen Vorteil gemäß zu denken lernen, muh ihren traditionellen Hang, sich britischer Welllenlung zu fügen, künstlich starten, muß die Geister verwirren, wo klare Köpfe sie zu befriedigen drohen.
Seit dem Jahre 1927 hat der Welthandel den Olückschlag überwunden, den ihm der Weltkrieg bescherte. Daß die kontinenta'enropäischen Länder mit diesem allgemeinen For.schritt nicht Schritt halten konnten, ist nicht zu verwundern, da Europa überhaupt ausgehört hat, der begün- ftigle Schauplatz des Weltverkehrs zu fein. Viel erstaunlicher ist, daß England mit feinen lebhaften traditionellen Beziehungen zu überseeischen Ländern, wo die wirtschaftliche Entwicklung feit dem Weltk.i.ge sprunghaft vorwär s geht, nicht einmal daskontinentaleuropäische T e mpo einzühalten vermag. Der Wert der Einfuhren aller Länder stieg nach Maßgabe der Warenwerte vom Jahre 1913 von 1536 Millionen Mark im Jahre 1913 auf 1793 Millionen Mark im Jahre 1923, aber Englands Ausfuhrziffern hoben, ebenfalls auf Grund der Dorkricgspreise berechnet, diejenigen des Jahres. 1913 noch nicht wieder erreicht. Englands Anteil am Welthandel sank von 13,9 v. H. im Jahre 1913 auf 12,1 V.H. im Jahre 1925, 11,4 v. H. im Jahre 1927 und weniger als 11 V.H. im Jahre 1923. Im 2ahre 1913 nahmen die europäischen Märkte 34,C2 v. H. der englischen Ausfuhr auf, 1928 nur mehr 27,9 v. H.
Für den gesunden Menschenterstand auf dem europäischen Kontinent müßte sich aus diesen Ziffern ergeben, daß britischer Otat in europäischen Wirtschaftslagen ein schlechter Otat ist, dem man mißtrauen soll, aber es hat noch gute Weile, bis der gesunde Menschenverstand in der Politik konlinenlaleuropäischer Länder zum Durchbruch kommt. Wider französisch-europäische Sirenenklänge, wie Briands paneuropäische Anregungen, ist man, wenigstens in Mit.eleuropa einigermaßen gefeit, aber als England das Schlagwort vom „Zollfrieden" in die paneuro- päische Diskussion warf, fand es in weiten Kreisen hemmungslosen Beifall. Schienen sich nicht wieder einmal britische Staatsmänner als gewiegte Prak.i er im Vergleich zu kontinentaleuropäischen. Verfechtern paneuropäischer Otomantil zu bewähren?
Wie liegen nun die Dinge in Wirklichkeit? Dasselbe England, das mit zäher Ausdauer übet öie Aufrechterhaltung einer britischen Oleichszollfront wacht, die sich vor allem gegen Kontinentaleuropa richtet und in dieser Hinsicht noch möglichst bet» tejert werden soll, möchte zugleich die Bestrebungen zrr Aufrichtung einer europäischen Zoll- front in seinem Sinne lenken. Auch in den bri- Men Dommions ist der natürliche Gang der Dmge nicht günstig für England, aber infolge cer pDllbeöcr-ugung immer noch weniger ungünstig als für kontinentaleuropäische Länder Englands An.eil am Einsuhrhandel der Länder des britischen Weltreiches ist durchschnittlich 36 d. H.. derjenige am Ein,uhrhandel fremder Län- dec 9,6 v. H. Indien und China kaufen von der Außenwelt ungefähr die gier'en Mengen Waren. °ber 1923 betrug die britische Ausfuhr nach ?^7nn£? ml C0° Mund Sterling, die nach China 15 717 000 Pfund Sterling. Australien und Ar- gentmren fuhren ungefähr die gleiche Oltengc ^aren ein. aber Australien kaust jährlich für "Millionen Pfund mehr englische Ovaren a^s Argentinien.
, pRf11 ^nnn aus diesen Ziffern ersehen, wie katastrophal eS_ für den englischen Ausfuhr- handel fern müßte, wenn in den britischen Dominions dieselben Gesetze internationalen Wettbewerbs wirlsani würden, wie in anderen Teilen ^^e. An und für sich hat auch die Zollpolitik ter Dominions die Tendenz, die Vorzugsstellung des Mut.erlandes z i schwächen. Australiens Einfuhren stiegen von 78 196 639 Pfund Sterling im Jahre 1913 auf 161 127 759 Pfund eterang im Jahre 1927. der britische Anteil gleichzeitig nur von 40 948 803 auf 67 786 167 Pfund Sterling.
02 as England in feinen Dominions an Boden verliert, gewinnen hauptsächlich die Vereinig- n. bon Olordamerika, denen dar t fettreich 40 Prozent seiner Eesanu- ausi'uhr aonimmt. Es liehe sich nun denken, daß bie kontinentaleuropäischen Länder ihre Zoll- polllil einheitlich in dem Sinne orientierten, can ):e ihren Waren durch gemeinsame Anstrengungen b:sonders auf britischen Märkten leisteten Eingang verschafften, aber rin bloße»


