Ausgabe 
23.11.1929
 
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nenb sich fragt, warum Wohl dieser seltsame Mensch sich so lange Zeit läßt, etwa wie Leonardo beim Malen der Mona Lisa oder des Abend­mahls?

Es ist vollkommen klar, daß selbst das unver­gleichliche Genie Goethes denFaust" nicht in einer so kurzen Lebjmszeit hätte schaffen können, wie sie einem Byron gegönnt war. Dom Himmel durch die Welt zur Holle wird Dr. Faust ein langes, langes Leben geführt, um zu begreifen, dahöie Tat alles, nichts der Duhm ist"! Der Teufel muhte alle denkbaren Möglichkeiten er­schöpfen, um Faust zu verführen und einzu­sehen. dah es doch noch eine höhere Macht gebe, als die des Teufels, nämlich die Macht Gottes! Die Rafael, Mozart, Byron, Hölderlin. Rietzsche, Schillerwußten" metaphysisch um ihr nahes Ende und so drängten sie die ungeheure Fülle ihres Genius mit der Kraft des Titanen in den Brennpunkt ihres Schaffens, in dem das Eisen zum Stahl geschmiedet ward und aller Erden­rest sich verflüchtigte. Ihr Werk empfing den ewigen Farbenglanz, unerhörte Schönheit und Geistigkeit, glühendes Leben, stürmischen, brau­senden Rhythmus. Wir Sterblichen können uns nur in Ehrfurcht neigen vor dem Schicksal dieser Titanen, vor der Herrlichkeit ihres ewigen Werkes!

Man glaube auch nicht, das) das Schicksal hier ungerecht war in der Verteilung der Lebens­freuden an die Kurz- und Langlebigen! Am Ende seines langen, scheinbar so erfolgreichen und äußerlich glücklichen Lebens sagte Goethe, dah er in seinem langen Leben eigentlich in Summa nur wenige Tage vollkommen glücklich war. ünö Rietzsche, der so früh in fein geistiges Grab sank, sprach das h.'rr'iche Wort:Welche Seligkeit, seine Hand auf Jahrtausende zu legen." Er, der in demRachtgesang aus hohen Bergen" sehnsüchtige Ausschau nach Freunden hielt, sagte: Dem Volke fremd und nützlich doch dem Volke, zieh ich des Weges, Sonne bald, bald Wolke, und immer über diesem Volke!" Die ganze Persön­lichkeit und das gesamte Leben der Gewaltigen ist eben aus einem einzigen, organischen Stück, untrennbar, unauflösbar.'ein göttliches Geheim­nis, entzogen aller Seelenanalytik, allerPsycho­analyse", die hier nur anmuten, wie ein Versuch mit untauglichen Mitteln am falschen Objekt. So sahen und sagten feinfühlig und sehr wissend die überaus klugen und welterfahrcnen, s:elenkun- digen Scholastiker und römischen Rechtsgelehrten. Der Genius, der Held, kann nur mit den Mähen seines eigenen Wesens gemessen werden, mit Mähen, die für den Dutzendmenscheninkommen­surabel" sind! Darum zerbrach ja das Sterb­liche der Helden und Genien das Moh der stumpfen Masse, darum zerbricht sich diese seit Ewigkeiten den Kopf um das Schaffen und Wir­ken der Hohen, Llnnahbaren, Göttlichen!

Die chemischen Elemente haben alle ihren eigenen Schmelzpunkt und Derdampfungsgrad. Die von uns hergestellten haben einen von un­serem Zutun teilweise abhängigen Schmelzpunkt und Verdampfungsgrad. Die Elemente, die vom Herrgott oder der Ratur gezeugten, sind von uns unabhängig. Die Helden und Riesengeister gleichen in manchem den Meteoren, die auf ihremtranslatorischen" Wege durch den dunk­len unermeßlichen Weltraum dunkel dahinziehen und nur aufleuchten und für uns Sterbliche sicht­bar werden, wenn sie durch unseren irdischen Luftraum schieben. Vorher und nachher waren und werden sie dunkel nur, wenn sie in unsere armselige Welt geraten, strahlen sie von überirdi­schem Feuer, Licht und Glanz. Sie folgen und unterliegen Gesetzen, die uns unbekannt sind. Ohre Bahnen sind uns nur verständlich, wenn sie kreisförmig oder elliptisch sind. Sind sie para­bolisch oder gar hyperbolisch, dann kommen sie aus der Unendlichkeit und tauchen wieder in die älnendlichkeit. Aber wir Sterblichen können ihnen nicht folgen, sie nicht begreifen, wir können sie und ihre Gesetze nur ahnen, nur schweigend ver­ehren. Diese Genien und Helden sind Flammen, die schneller und langsamer Verladern nach der ihnen eigenen, göttlichen Flammendynamik, und dahinschweben,wie ein Komet entschwindend, unendlich Licht mit ihrem Licht verbindend"!

Aber nun kein Mißverständnis: Auch diese Hohen sind uns Sterblichen verwandt! Sie sind, wenn nicht alles trügt, zu uns g:sandt, um Licht in unsere irdische Finsternis zu bringen, unsere Seele mit Klarheit und unsere Herzen mit Wärme zu erfüllen. Darum werden auch wir uns trösten dürfen mit der stillen, aber starken Zuversicht, dah auch wir unser Schicksal adlig und würdig gestalten können, wenn wir, wie der philosophische Maler Böcklin, in stiller Stunde lauschen auf die auch uns vernehmlichen Klänge aus einer besse­ren, höheren, göttlichen Welt. Wenn wir unsere Pflicht und Schuldigkeit jederzeit nach bestem Wissen und Gewissen erfüllen, bis unsere Ahr abgelausen, unsere Flamme im Erlöschen ist. Bereit sein ist alles! Der Rest ist Schweigen!"

Führertagung

-es Reichslandbundes.

Präsident Lchiclc über die staatspolitischen Aufgaben des deutschen Bauern.

B c- r l i n , 22. Nov. (WB.) Eine Führertagung des Reichslandbundes eröffnete der Präsident des Reichs­landbundes, Reichsminister a. 2). Dr b. c. Schiele mit einer Ansprache, in der er u. a. folgendes aus- ührte: Wir müssen uns fretmachen von der lieber- chätzung städtischer Lebens- und Denkweise und tädtischer Zivilisation. Die wichtigste Boraussetzung ür eine Heimstätten- und Siedlungspolitik besonders im Osten ist die Wiederherstellung der Rentabilitätvorallemunsererbäuer» lichen Betriebe, wobei es jedoch ein verhäng­nisvoller Irrtum wäre, wenn man sich agrarpolitisch so einseitig einstellen wollte, daß man glaubte, aus- schließlich unter Betriebsgesichtspunkten die großen Probleme zu lösen, vor denen unsere Staatspolitik hier steht.Die Wiederherstellung der Rentabilität ist aber auch im Hinblick auf die A r b e i t s l o s i g k e i t in Deutschland notwendig, die die deutsche Wirtschaft stärker belastet als die ausländischen Tributverpflich­tungen. Eine Intensivierung vor allem un­serer östlichen Landwirtschaft wäre geeignet, die Landflucht einzudämmen, indem s,e dem Be- völkcrungsüberschuß des Landes In der Heimat Ar- beits- und Aufstiegsmöglichkeiten gibt. Jeder in der Landwirtschaft tätige Arbeiter setzt anderthalb Ar­beitskräfte in der Industrie in Nahrung. Rechnet man vorsichtig mit einem allmählich herbeizuführenden Mehrbedarf an ländlichen Arbeitskräften oon 500 000 Menschen, so ergibt das neue Arbeitsmög- lichkeiten in der Industrie für drei- viertel Millionen Menschen. Die Befrei- ung non den Ketten von Versailles, Besinnung auf

die wirklichen Grundlagen unserer eigenen Kraft, Sammlung des deutschen Volkstums im mitteleuro­päischen Raum, das ist der Sinn unserer deutschen Geschichte geworden, darin liegt die Aufgabe, die uns unser Schicksal stellt. Wir wissen, daß wir vor der Geschichte nur bestehen werden, wenn wir aus einem Arbeitsvolk wieder ein Bodenvolk wer­den, wenn es uns gelingt, uns ein lebens st ar- tes deutsches Bauerntum zu erhalten und zu vergrößern.

Das Volksbegehren verfaffungsändernd.

Ein Beschluß des Rcichsknbinclts.

Berlin, 22. Rov. (WTD.) Das Reichs- k a b i n e t t befaßte sich in seiner heutigen Sitzung unter dem Vorsitz des Reichskanzlers mit den in­folge der Einbringung des Volksbegehrens aufgeworfenen Fragen. Insonderheit war das Reichskabinett der Ansicht, dah das Volksbegeh­ren verfassungsändernd und daher zur Annahme des Gesetzes durch Volksentscheid nach Art. 76 Abs. 1 Sah 4 der Reichsverfassung die Zu st immungderMehrheitderStim rn- berechtigten erforderlich ist.

Der Reichswahlausschuh wird, wie wir von unterrichteter Seite erfahren, in den nächsten Tagen zusammentreten, um das endgültige Ergebnis des Volksbegehrens feftzustellen. Vorsitzender des Reichswahlausschusses ist der Reichswahlleiter Professor Dr. Wagemann, stellvettretender Vorsitzender Geheime Reg.-Rat M e i s i n g e r, Direktor im Statistischen Amt. Zu Mitgliedern sind berufen: der Deutschnatio­nale Dr. Tänzler, der Volksparteiler Staats­sekretär a. D. Dr. K e m p k e s, M. d. R., vom Zentrum Rögierungsdirektor Dr. K l ö ck e r, der Sozialdemokrat D i t t m a n n, der Demokrat Stephan und der Kommunist T o r g l e r.

Aufklärung der Lüneburger Bombenatieniaie.

Altona, 22. Nov. (WB.) Landgerichtsdirektor Masur (Berlin), der die Ermittlungen in der Bombenangelegenheit leitete, gab folgenden Bericht aus: Der verhaftete Landwirt Amandus Dick jun. aus Rönne gestand, an drei Lüneburger Attentaten beteiligt gewesen zu sein. Auch der verhaftete Landwirt L u h rn a n n aus Clues, Kreis Winsen, gab die Beteiligung an den ersten beiden Born- benattentaten in Lünburg zu. Alle drei Lüneburger Attentate sind somit aufgeklärt. Gestern wurden weiter zahlreiche Verhaftungen wegen Verdachts der Beteiligung an den Sprengstoffatten­taten vorgenommen, und zwar in Lüneburg, in der Umgebung von Lüneburg, in Friedrichskoog, Leek, Flederwurth, Harblek und Lunden.

Handwerk und Staat.

Ter preußische Handelsminister über die Aufgaben des Handwerks.

Berlin, 22. Rov. (WTB.- Auf der Ober­meistertagung des Berliner und Märkischen Handwerks sprach Handelsminister Dr. Schrei­ber über politische und wirtschaftliche Rotwen- digkeiten. Änsere wirtschaftlichen Schwier'gkeiten sind zurückzuführen auf die Störungen, die der verlorene Krieg und seine Liquidierung hervor- gerusen haben. Die wichtigste Folge ist unser außerordentlicher Kapitalmangel. Dieser muh durch die Senkung der Lasten be­kämpft werden, die bisher die Kapitalbildung gehemmt und behindert haben. Der Voungplan gibt uns die Möglichkeiten hierzu, wenn er auch nicht ausreicht, um gleichzeitig alle Reformen vorzunehmen, so besonders neben der Sen­kung der Einkommensteuer eine grund­legende Reform der Gewerbesteuer, deren Last sich gegenüber der Vorkriegszeit ver­vierfacht hat. Wir müssen suchen, durch Der- waltungsvereinfachung weitere Er­sparnisse zu erzielen. Das Handwerk ist als Mittler des wirtschaftlichen und ku'turellen Auf­stiegs für den Staat besonders wert­voll auch als Träger des Dewuhlseins der Rotwendigkeit der Qualitätsarbeit. Das Hand­werk ist b o d e n st ä n d i g. Gs muh in fortschritt­lichem Sinne teilnehmen an der wirt­schaftlichen und gesellschaftlichen Cr.twick u-g. 3e mehr das Handwerk das erkennt und danach handelt, um so mehr wird seine Zukunft ge­sichert sein.

Oie rheinischen Eisenbahnen.

Eine amtliche Erklärung.

Berlin, 22. Rov. (WTB. Amtlich.) In ver­schiedenen Presseäußerungen der letzten Tage ist die Besorgnis ausgesprochen worden, dah in den im Monat August abgeschlossenen Verein­barungen über die rheinischen Eisenbahnen den in der Botschafterkonferenz vertretenen Re­gierungen ein dauerndes Heber« wachungsrecht eingeräumt worden sei, dem­zufolge künftig in der demilitarisierten Zone kein Bahngleis, keine Brücke, keine Laderampe gebaut werden könne, ohne dah zuvor die Bot- schafterkonferenz die Genehmigung erteilt hätte.

Diese Besorgnis ist unbegründet. Bereits am 9. Rovember ist darauf hingewiesen worden, daß die Botschafterkonferenz weder rechtlich noch tatsächlich die Befugnis in Anspruch nimmt, Deutschlands Freiheit zur wirtschaftlichen Entwicklung des Eisenbahnsystems in der demili- tarifierten Zone zu beeinträchtigen.

Aus dem Finanzausschuß des Hessischen Landtags.

Darmstadt, 22. Rov. Im Finanzausschuh des Hessischen Landtages wurde die Regierungs­vorlage über die Instandsetzung der Solquellen des Bades Salzhausen genehmigt. Mit neun gegen vier Stimmen angenommen wurde die Re­gierungsvorlage über die Errichtung eines Reben­gebäudes mit Dienst- und Warteräumen sowie einem ilnterftellraum für Motorfahr euge bei der Gendarmeriesta ton in Beerfelden.Man will hier, was auch der Sparürmmissar anregt, den Ver uch machen, durch die Zusammen­legung mehrerer Gendarmerie st a- t i o n e n zu einer Gendarmerie-Grohstation Er­sparnisse zu machen, ferner aber auch versuchen, durch die Anschaffung eines Kraftfahrzeuges den Dienst zu erleichtern und einen verstärkten Ein­satz von Gendarmeriekräften bei notwendigen Anlässen möglich machen.

Zu den Eingaben des Offenbacher Frauenver- eins, des Verbandes hessischer Frauenvereine und des Darmstädter Frauenvereins auf An­stellung von Polizeibeamtinnen er­klärte die Regierung, dah sie sich ein abschlie­ßendes Urteil über die Anstellung von Beam­tinnen im Poli^eidienst noch nicht gebildet habe, da auch die Ergebnisse in den anderen Ländern sehr verschieden seien.

Die Kurkapelle von Bad-Nauheim hat wiederholt den Ausschuß beschäftigt. Es lag erneut eine Eingabe vor, auch die Regierung hatte eine Denkschrift unterbreitet. Nach längerer Aussprache lehnte der Ausschuß bei einer Stimmenthaltung die Forderung der Kurkapelle ab, das ganze Jahr über angestellt zu bleiben. Die Anstellung sei für Bad- Nauheim zu teuer.

Stalins Kampf gegen die Opposition.

Todesstrafe für Beamte, die die Rückkehr nach Moskau verweigern.

K o w n o , 22. Rov. (TU.) Rach Meldungen aus Moskau hat das Kollegium der OPGU. den ehemaligen Botschaftsrat der Sowjet-Union in Paris, Bessedowski, zum Tode verur­teilt. Das Eigentum Dessedowskis in der Sow­jetunion wurde beschlagnahmt. Außerdem hat die OGPU. angeordnet, dah der Vorsitzende der russischen Staatsbank, Scheinmann, der sich in Berlin aufhält, sofort nach Moskau zurückkehren solle, um vor ein Kriegs­gericht gestellt zu werden. Scheinmann hat es abgelehnt, nach Moskau zu kommen, weil er zur Rechtsopposition gehört und die Politik Stalins nicht mehr mitmachen will. Meh­rere Beamte der russischen Handelsvertretungen in Konstantinopel und Athen sind wegen großer Unterschlagungen vom Obersten Gericht der Sow­jetunion gleichfalls zum Tode verurteilt worden. Die Urteile konnten aber nicht voll­streckt werden, weil die Beamten es abge­lehnt haben, die Reise nach Moskau an­zutreten.

Soeben wird ein Beschluß des Zentral­er e k u t i v k o m i t e e s der U. d. S. S. R. ver­öffentlicht, wonach die Weigerung eines bei einer Sowjetinstitution im Ausland angeftellten Sowjetbürgers, in die Sowjetunion zu - rückzukehren, als Verrat bezeichnet wird. Solche Personen werden als außerhalb des Ge­setzes stehend erklärt, was die Einziehung des gesamten Eigentums des Verurteilt ten und die Verurteilung zum Tode 2 4 S tunden nach Festellung seiner Personalien zur Folge hat. Alle derartigen Angelegenheiten gelangen vor den Obersten Ge­richtshof. Dieses Gesetz hat rückwirkende Kraft.

Das deutsche Eigentum in England.

Die geschädigten England-Deutschen gegen Snowden.

London, 22. Nov. (WB.)Financial News" veröffentlichen eine Erklärung der Gesellschaft der in England enteigneten Deutschen zur den gestrigen Ausführungen Snowdens im Un­terhaus. Darin heißt es: Snowdens Erklärung ist ebenso unbefriedigend wie die gesamte Hal­tung der bisherigen Regierungen zu dieser Frage. Snowden erklärte nicht, ob die Sachverständigen der Gläubigerländer im Poung-Ausschuß bei der Erörte­rung dessen, was Deutschland zahlen kann, auch die Entschädigungszahlungen berück­sichtigt haben, die Deutschland auf Grund des Vertrages seinen eigenen Untertanen I c i ft e n müßte. Diese Zahlungen würden mehr als vier vollständigen Annuitäten unter dem Poungplan gleichgekommen fein. In der Erklärung wird gefragt: Wenn die Vereinigten Staaten hundert Prozent freigeben können, Südafrika 95 und Japan 70 Prozent, soll Großbritannien dann aufseinezehnProzent stolz sein? Zum Schluß nimmt die Erklärung Bezug auf die von Snowden nicht berücksichtigte st ä n b i g e Serftimmung der deutschen öffent­lichen Meinung und die Fortsetzung der Bit­terkeit der Kriegs- und Waffenstillstandsperiode durch die britische Arbeiterregierung und stellt fest: Es ist nicht zu spät für die britische öffentliche Mei­nung, auf einer sympathischeren Haltung zu bestehen und die Herausgabe des Ueberschusses aus dem enteigneten deutschen Besitze herbeizuführen.

Aus aller Welt.

ClsmenceauS Befinden sehr ernst.

Paris, 22. Nov. (WB.) Die Aerzte haben heute vormittag Clömenceau wieder untersucht und eine neue Kampfereinspritzung für notwendig erachtet, da die Magenbeschwerden des Patienten außerordentlich heftig uno schmerzhaft sind. Der Pessimismus der Aerzte wird in der Umge­bung Clsmenceaus geteilt. Seit dem frühen Morgen erkundigen sich fortgesetzt politische Persönlichkeiten nach dem Zustand des Kranken. Der ehemalige Mit­arbeiter Clsmenceaus Mandel erklärte den Jour­nalisten der Zustand Clömenceaus sei schwer be­unruhigend. Die Aerzte bezeichneten heute abend das Befinden Clsmenceaus als sehr ernst. Es zeigte sich eine Urämie; die Nieren arbeiteten schlecht. Wie in den späten Abendstunden bekannt wird, ist in dem Befinden CISmenceaus eine w e ° sentliche Wendung zum Schlimmen ein­getreten, so daß das Ableben nur noch eine Frage von Stunden ist. Clämenceau ist bereits in Agonie und die Aerzte, die einen letzten operativen Eingriff versuchten (Clömenceau leidet bekanntlich an einer schweren Harnsäureoergistung), mußten von dem Vorhaben Abstand nehmen, da sie sich selbst von der Zwecklosigkeit überzeugt haben.

Die Nachforschungen nach dem Düsseldorfer Mörder.

Die Kriminalpolizei unternimmt seit einigen Tagen besondere Streifen, um den Massenmörder zu ermitteln. Es wurden zwar zahlreiche Personen fest genommen; aber ein An­halt, daß sich unter ihnen der Mörder befindet, besteht nicht. Diese Streifen werden auch wei­terhin beibehalten. Donnerstagabend wurde in Mettmann ein 29jähriger Erwerbsloser Walde­mar Stelzer verhaftet, der verdächtigt worden ist. mit den Morden in Verbindung zu stehen. SS handelt sich vielleicht um den Radfah­rer, der von der Polizei feit langem gesucht wird, der in Oberkassel und im Benrather Gebiet

Frauen In unsittlicher Beziehung belästigt hat. Der vielfach genannte Knecht Restroy ist noch nicht ermittelt und wird wei­ter gesucht. Bei der Einsendung der Briefe, die alle als Mörderbriese bezeichnet werden, handelt es sich größtenteils um Mystifikationen. Ein Drittel der Briefe konnte bereits ausge- schaltet werden.

Bei dem in Mettmann Verhafteten Stelzer handelt, es sich offenbar um einen anormalen Menschen. Er redete stets über große Probleme, schrieb Briefe an Hindenburg, den päpstlichen Runtius usw., die aber, da er sie stets un­frankiert absandte, zurückkamen. Religiöse Fragen behandelte er stets in Gedichtform und gab sie den Leuten zu lesen. Bei der Haussuchung fand man die verschiedenartigsten Sachen, die daraus hindeuten, daß Stelzer anormal ver­anlagt ist. In seinem Zimmer wurde außerdem ein blutbefleckter Rock gefunden. Man fand auch eine Reihe von Photographien, die Stelzer in den verschiedenartigsten Verkleidungen, darunter auch in Frauenkleidung, darstellen. Eines der Bilder, das seineDraut^ dakstellt, ist mit verschiedenen Bemerkungen versehen. Dicht neben diesen Bemerkungen ist ausgezeichnet, wie der Braut der Kopf abgehauen wird. Bemerkenswert ist noch, daß im Jahre 1926, also zu einer Zeit, zu der E/elzer poch in Breslau weilte, zwei Kinder in Breslau ermordet wurden. Der Täter konnte bisher nicht gefaßt werden. Die Tele- graphen-Llnion gibt diese Meldung derMett­manner Zeitung" mit allem Vorbehalt wieder, da in der Pressebesprechung in der D. sjcl- dorfer Kriminalpolizei Einzelheiten über die Ver­nehmung des Stelzer nicht zu erhalten waren.

Großfeuer in Aachen.

In der Rheinischen Sperrhölzer- und Furnitu- ren-A-G. brach in der Rächt Feuer aus. Rach kurzer Zeit sandte der ausgedehnte Gebäudekom­plex eine riesige Feuergarbe zum Himmel. Die Feuerwehr mußte sich damit begnügen, den Brand auf seinen Herd zu beschränken. Die Fabrik ist bis auf die Grundmauern Niederge­bra n n t. In dem Gebäude wollte die Rheinische Tricotagen G. m. b. H. nächsten Monat ihren Be­trieb eröffnen. Die Maschinen beider Fabriken sind in die Tiefen gestürzt und liegen unter dem Schutt begraben. Der Schaden wird auf an­nähernd eine halbe Million Mark geschäht.

Straßenränder bei Eberswalde.

In der Nähe von Eberswalde bei Berlin wurden auf offener Landstraße zwei dreiste Raubüberfälle verübt. In den Vormittagsstunden wurde bei dem KleinbahnhofEisenspalterei" in einem Hohlweg ein Geldtransport der Eberswalder Fabrik Schering-Kahlbaum, der über 20 000 Mk. von einer Dank in Eberswalde zu der außerhalb der Stadt gelegenen Fabrik bringen sollte, von zwei be­waffneten Räubern überfallen und beschossen. Der Kutscher des angegriffenen Ge­fährts spornte die Pferde an und konnte flüchten. Die Polizei konnte die beiden Arbeiter Joseph Schmidt und Schäfer auf dem Stettiner Bahnhof in Berlin als die Täter verhaften. Gegen 520 Uhr wurde ebenfalls in unmittelbarer Nähe von Ebers­walde auf der Chaussee WerneuchenEberswalde ein zweiter Ueberfall verübt. Ein Räuber sprang auf den Kutscherbock eines Wagens der Schultheiß-Patzenhofer-Brauerei, der sick) auf der Rückfahrt in die Stadt befand. Der Kutscher, der mehrere hundert Mark bei sich hatte, konnte einen bereitliegenden Hammer hervorholen, mit dem er dem Unbekannten aus den Kopf schlug. Der Räuber stürzte vom Wagen, während der Kutscher nach Eberswalde fuhr und die Polizei verständigte. Eine Streife nach dem Täter blieb ergebnislos.

Die Wetterlage.

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Wettervoraussage.

Mit dem weiteren Vordringen der Warmluft an der Vorderseite des kräftigen britischen Tiefs hat auch bei uns bereits Erwärmung eingesetzt, so daß heute nacht die Temperaturen kaum noch unter Null lagen. Nur Süddeutschland meldete noch etwas Frost. Wenn auch die Störung mehr nordöstlichen Weg einzuschlagen scheint, so zieht sie doch nicht vorüber, ohne ihren Einfluß bis in unser Gebiet hin geltend zu machen. Bei südwestlichen Winden, die später mehr nach Westen umdrehen, wird unter dem Zu­strom feucht-milder ozeanischer ßuftmaffen vielfach Bewölkung auftreten, wobei auch vereinzelt Regen- fälle niedergehen.

Wettervoraussage für Sonntag: Meist wolkiges und mildes Wetter mit vereinzelten Niederschlägen. Südwestliche Winde.

Witterungsaussichten für Montag: Unbeständiges, wechselnd wolkiges Wetter, allmählich wieder kühler, zeitweise Regenschauer.

Lufttemperaturen am 22. Rovember: mittag- 1,9 Grad Celsius, abends 1,4 Grad; am 23. Ro­vember: morgens 1,5 Grad. Maximum 2,3 Grad, Minimum 0,6 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 22. Rovember: abends 1,0 Grad; am 23. Rovember; morgens 1,2 Grad Celsius,

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