Ausgabe 
23.9.1929
 
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nahen Volkspartei Geheimrat Hugenberg durch die Chefredakteure Freiherr v. Medern und Dr. Krieg! mit dem Mitglied der französischen Kammer Paul Rena ul d im Hause des Kaft- industriellen Arnold Rech berg über die Be­dingungen für ein Zusammengehen mit Frank­reich verhandelt hätten.Der Zungdeutsche" stellt eine Reihe von Fragen, die darauf hinauslaufen, ob die beiden genannten Journalisten im Auf­trage des C tahchelms und im Auftrage des Ge­heimrats Hugenberg diesen Bedingungen zu- gestimmt hätten. Dazu übermitteln beide Herren uns eine Erklärung, aus der hervvrgeht, daß Ende April d. I. in der Wohnung des Generals v. Lippe anläßlich einer Tee-Einladung in Anwesenheit mehrerer anderer Herren, darunter Rech berg, eine Besprechung stattgefunden hat, in der Freiherr v. Wedem und Dr. Kriegk in selbstverständlicher Ausübung ihres journalisti­schen Berufs sich über die politischen Anschauungen Renaulds unterhol- t e n haben. Es sei nicht wahr, daß die beiden Genannten in irgendeiner Form beauftragt waren oder sich als Beauftragte bezeichnet hätten. Es sei ebensowenig wahr, daß sie irgendwelchen Bedingungen Renaulds zustimmten. Renauld habe in dieser Unterredung das Programm einer Verständigung zwischen Deutschland und Frankreich mit weitgehenden poli­tisch en und militärischen Angeboten entwickelt. Er habe aber durchblicken lassen, daß er seine persönliche Ansicht und nicht das Angebot der französischen Regierung ver­trete. Die Feststellung, inwieweit die damals in Berlin vielfach verbreiteten angeblich fran­zösischen Angebote wirklich von der fran­zösischen Regierung vertreten wür­den, sei der Zweck dieser informatorischen Be­sprechung gewesen. Diese Feststellung sei abso­lut negativ gewesen. Darauf sei Herrn Re­nauld von den beiden Genannten erklärt worden, daß diese Angebote vom nationalpolitischen deut­schen Standpunkt aus nicht ausreichend seien.

Rechbergs Aktion.

Die deutsch-franzöMche Interessen­gemeinschaft.

Berlin, 22. Sept. (Priv.-Tel.) Der bekannte Kaliindustrielle Arnold Rechberg veröffentlicht im Anschluß an die Mitteilungen derRational- Liberalen Eorrefpondenz" eine Erklärung, in der es heißt: Ich bin von Anfang an der Ansicht gewesen, daß eine für die Zukunft unseres Vaterlandes so entscheidende Frage, wie die Verständigung zwischen Deutschland und Frank­reich, von welcher die Befriedung Europas ab­hängt. der Parteipolitik entzogen werden müsse. Ich bin daher von vornherein bestrebt gewesen, sowohl den deutschen Rechts­parteien angehörige Politiker und Wirtschafts­führer, darunter auch den. Herrn Abgeordneten Dr. Klönne, an meinen Verhandlungen mit französischen Staatsmännern zu beteiligen, als solche, welche den Parteien der Mitte und den Linksparteien angehören. Weine Verhand­lungen mit französischen Staatsmännern beruhen auf der Grundlage einer zu verwirklichenden industriellen, militärischen und po­litischen Interessengemeinschaft zwischen Deutschland und Frankreich. Die deutsch- französische Interessengemeinschaft soll sich gegen keine dritte Macht richten. Es soll insbesondere England Iber Eintritt in diese Interessengemeinschaft offengehalten werden. Ich habe denn auch mit Wissen meiner deutschen und französischen Freunde englische Staatsmänner über die Entwicklung der Verhandlungen auf dem Laufenden gehalten, und deren Billigung ge­funden. Ich meinerseits habe über die Verhand­lungen loyalerweise noch in diesem Frühjahr den deutschen Botschafter in Paris Herrn von H o e s ch eingehend informiert, der mir erklärt hat, er werde meine Mitteilungen an das deutsch« Auswärtige Amt weitergeben.

pariser Echo.

Paris, 23. Sept. (Funkspruch. Privatlelegr.) Die Enthüllungen der Rationalliberalen Korre- spondenz über angebliche Pläne eines deutsch- französischen Bündnisses finden in einigen Blät­tern besondere Beachtung. Der Berliner Kor-

Tierfreundschasten.

Don Afrikaforscher Hans Schomburgk.

Wit seiner Mutter stand das kleine Rashorn unter dem spärlichen Schatten der Schirmakazie. Sie standen nur da und dösten. Wollten sich zur Ruhe ni-dertun. Auch diese einfache Handlung erfordert Ueberlegung, und das kleine Gehirn des großen Tieres arbeitet sehr langsam.

Plötzlich ein Blitzstrahl aus einem Dornbusch. Ein scharfer Knall, dann ein weicher Anschlag, der klingt, wie wenn ein Zebra den Huf aus wcicheni Schlamm zieht.

Das kleine Rashvrn fuhr behende herum. Der Schreck war ihm in die Seele gesprungen. Die Mutter machte einige schwerfällige, groteske Sprünge. Legte sich dann zum Erstaunen des Kalbes ruhig auf die Seite. Aber die Ruhe der Mutter übertrug sich nicht auf das Kleine. Die Furcht hatte sein Inneres aufgewühlt. Mit dem tleinen Ansatz des Dorderhornes stieß es die Mutter, doch so fest war ihr Schlaf, daß sie sich nicht rührte. Es blieb bei der Mutter stehen. Rahm den Kopf hoch, um die Witterung einzu­saugen.

Äe Jäger, die aus dem Dusch traten, fanden, daß es sehr arrogant aussah, wie es so dastand auf seinen vierstämmigen Beinchen, mit erhobe­nem Kopf. Sobald es Witterung bekam von seinem Todfeind, dem Menschen, flüchtete es ängstlich miesend zur toten Mutter. Stand zitternd bei ihr, ein rührend trauriges Bild der Der- waistheit. Schwierig war der Fang. Es wehrte sich nach Leibeskräften. Teilte kräftige Püffe aus. Da es nicht folgen wollte, wurde es von acht kräftigen Regern in einer schnell improvisierten Hängematte zum Lager getragen.

Im Lager fühlte cs sich einsam und verlassen. Rur schwer konnte es sich an die Menschen ge­wöhnen, die ihm Futter gaben. Die Witterung, die von ihnen auSströmte, flößte ihm noch lange Zeit Furcht ein.

Einige Ziegen kamen in das Lager, sie sollten Milch spenden für den kleinen Gast. Diese Ge­schöpfe, die aus vier Beinen gingen, erinnerten an die Antilopen der freien Steppe Vor ihnen hatte das kleine Rashorn keine Furcht. Aus der Einsamkeit seiner kleinen Seele sprang die Sehnsucht nach einem Gefährten. Rie war es alleine gewesen. Jeden Schritt seines jungen

refpondent desEcho de Paris" glaubt, daß die Reichsregierung durch Bekanntgabe der Vor­gänge auf die anläßlich der Haager -Konferenz gegen sie geführte Kampagne hcche antworten wollen. Denen, die Stresemann beschuldigten, Frankreich zu weit entgegengekommen zu sein, wolle der deutsche Außenminister beweisen, daß die Rationalisten selbst nicht vor Zugeständnissen zurückschreckten. Das heiße gute Innenpolitik treiben. Blätter wie das radikale .Oeuvre" und der sozialistischeP o Pula ir e" sind auf­gebracht darüber, daß einige nationalistische fran­zösische Parlamentarier (Renauld) mit den rechts­stehenden deutschen Kreisen, die bisher die Wi­dersacher des Friedens gewesen seien, verhandelt hätten und erwarten von ihnen eine Stellung- nahme.Quotidien" spricht sogar von einem Skandal, denn während die Regierungen aus die Geheimdivlomatie verzichteten, gebe es einfältige Leute, die die Geheimdiplomatie auf eigene Faust wieder einführten.Figaro" hebt hervor, daß auch dem Vorschlag der deut­schen Rationalisten niemals Vertrauen entgegen­gebracht werden könne, denn es werde darin die Streichung des Artikels von der Kriegsschuld gefordert.

Ser Paragraph 4 des Volksbegehrens.

Eine Erklärung des Reichsausschusses.

Berlin. 21. Sept. (TU.) Der Reichsaus - schuh für das deutsche Volksbegehren teilt mit: Das Präsidium des Reichsausschuffes ist am Samstag, 21. September, in Berlin zu einer Sitzung zusammengetreten, in der erneut der ein­mütige Wille zum Ausdruck kam. sich für das Volks­begehren zur Verhinderung des Zoungplanes und zur endgültigen Beseitigung der Kriegsschuldlüge mit allen Kräften einzusehen. Um die Absicht des Reichsausschusses, die Person des Reichs­präsidenten vor jedem Zusammenhang mit dem Gesetzentwurf zu schützen, auch gegenüber bös­williger Auslegung noch schärfer zum Ausdruck zu bringen, wurde durch die Einführung des Wortes d e r e n folgende Fassung des § 4 einstimmig be­schlossen:

Reichskanzler und Reichsminister und deren Bevollmächtigte, die entgegen der Vorschrift des § 3 Verträge mit auswärtigen Mächten zeichnen, unterliegen den im §92 Jlt. 3 Strafgesetzbuch vor­gesehenen Strafen."

Die Vertreter des Reichslandbundes und der Christlich-nationalen Bauern- und Landoolkpartei hielten ihre grundsätzliche Stellung- nähme gegen die Strafbestimmung des § 4 gemäh den Beschlüssen ihrer Vorstände auf­recht. Getragen von dem unerschütterlichen Wil- len zum schärfsten Kampf gegen Zoungplan und Kriegsschuldlüge erklärten sie jedoch, daß Reichs­landbund und Christlich-nationale Dauern- und Landoolkpartei Schulter an Schulter mit den ande­ren verbänden im Reichsausschuh für b i e g e - meinsame Sache kämpfen werden.

Am Sonntag, 22. September, traten die Führer der Landesausschüsse im großen Saal des Reichs- landbundes zusammen.

Sonnlagsschießerei in Berlin.

Propattandaumzug der Nationalsozialisten.

Derlin, 22. Sepi. (WTB.) Bei einem Pro- pagandaumzug, den die Rationalsozia li- st en heute mittag durch Reukolln und den Süd­osten der Stadt veranstalteten, kam es an ver­schiedenen Stellen Zusammenstößen zwi­schen den Teilnehmern und politisch Anders­denkenden, bei denen die Polizei ein­greifen und Feststellungen vornehmen mußte. Als der Zug die Luisenbrücke passierte und dort ein Gedränge entstand, fielen mehrere Schüsse, durch die aber niemand verletzt wurde. Die Polizei nahm neun Angreifer fest. Bei einem von ihnen sand man eine Schreck­schußpistole, aus der, wie festgestellt wurde, zwei Schüsse abgegeben worden waren. Aus dem

Lebens hatte es mit der Mutter getan. So schloß es sich einer Ziege an, die bald die Scheu vor dem kleinen Ungeheuer überwand und es neben sich duldete.

Sv entstand aus der Derwaistheit eines jungen Tieres eine Freundschaft mit einem Tier anderer Art, die später zur Gewohnheit wurde, ein Lebenlang dauerte.

Das tägliche Leben zeigt uns viele Freund­schaften zwischen Tieren verschiedener Arten. (Aber den edlen AusdruckFreundschaft" kann man bei Tieren nur mit Vorbehalt anwenden. In den meisten Fällen handelt es sich um Ge­wöhnung, wenn nicht gar um künstliche Dressur.

Die Freundschaft zwischen Hund und Katze ist immer indirekt. Sie geht über den Menschen, mit dem beide leben. Ohne dessen Vermittlung würde nie eine Freundschaft entstehen. Rie würde eine Freundschaft zwischen einem Hund und einer Schlange möglich sein. Die angebome Furcht vor der Schlange, die in jedem wilden Tier stark aus­geprägt, hat sich naturgemäß auch auf den Hund vererbt. Affe, Fuchs und Hahn, die man in einer Zirkusgruppe sieht, werden in Gegenwart des Dompteurs friedlich zusammen arbeiten. Sich selbst überlassen, würde der Affe dem Hahn säuberlich die Federn ausrupfen, und sehr bald würde der Fuchs dem Kahlgerupsten ein fried­liches Grab in seinem Magen bereiten.

Wahre Tierfreundschaften entstehen nur aus einem starken, rein tierischen Instinkt. Mutter­liebe, Sehnsucht des jungen Tieres nach Ersah für die verlorene Mutter, oder gegenseitiger Schutz in der Wildnis.

Eine Löwin, der die Jungen abgenommen wurden, und der man als Ersatz junge Hunde anlegt, wird aus dem natürlichen Trieb, dem Drang der Muttermilch, die jungen Hunde adop­tieren. Sie läßt die Kleinen nur zu gerne saugen, da sie ihr eine Erleichterung verschaffen. Aus der Gewohnheit entsteht eine Freundschaft für ein ganzes Tierleben.

In der afrikanischen Wildnis sieht man häufig Elefanten mit Giraffen, Zebras oder großen Antilvpen zufammenstehen. Hier benutzt der kluge Elefant, dem die Ratur nur schwache Augen ge­geben hat, die scharfen Lichter seiner Gefähr­ten als Schuh gegen den Erbfeind, den Menschen. Während Giraffen. Zebras und Antilopen ßch den ungeheuer entwickelten Geruchsinn des Ele­fanten dienstbar machen.

Spreewaldplah am Görlitz« Bahnhof wurde ein Privatkraftwagen, in dem der Reichstags­abgeordnete Dr. Goebbels und vier andere Rationalsozialisten saßen, von Andersdenkenden angehalten. Im Verlaufe der Auseinander­setzungen wurden auf beiden Seiten meh­rere Schüsse abgefeuert. Die Polizei nahm den Abg. Dr. Goebbels und die übrigen Insassen des Autos fest und führte sie der Ab­teilung I A des Polizeipräsidiums zu. In dem Auto fand man eine Pistole und mehrere Hülsen. Der Chauffeur des Wagens hatte einen Streif­schuß am Halse erhalten, Um 7 Hfjr abends wurde der Reichstagsabg. Dr. Goebbels sowie die übrigen vier Insassen seines Autos wieder freigelassen. Wie festgestellt wurde, war das Auto, in dem Dr. Goebbels und feine Parteifreunde saßen, von politisch Anders­denkenden scharf bedrängt worden, worauf einer der Insassen des Wagens Schüsse aus einer Schreckschußpistole abgab. Von den im Laufe des Sonntags Festgenom­menen befinden sich noch 15 im Polizeipräsi­dium, doch ist auch mit ihrer Freilassung zu rechnen.

Oer Kapitalbedarf der deutschen Industrie.

Tie Düsseldorfer

Tagung des:>:eichsverbandes.

Düsseldorf. 21. Sept. (WTB.) Auf der Mitgliederversammlung des Reichsverbandes der Deutschen Industrie sprach Dr. Wrrner Kehl, Mitglied des Vorstandes der Deutschen Dank in (Berlin, über das ThemaD ie Bedeutung des internationalen Kapitalmark- t e s für Deutschland". Deutschlands Wirt­schaft sehe sich auf den internationalen Kapi­talmärkten einer Lage gegenüber, die ebenso schwierig sei wie der internationale Wettbewerb selbst und durchaus nicht die Tendenz habe, uns um unserer selbst willen -zu helfen. Die jähr­lichen Investitivnsbedürfnisse Deutsch­lands berechnet Dr. Kehl mit mindestens zehn Milliarden M k. Der dringende, um leden Preis Befriedigung suchende Kapitalbe» darf komme in dem hohen deutschen Zins- f u ß zum Ausdruck. Das Verhältnis zwischen eigenem und fremdem Kapital sei in Deutsch­land unbefriedigend. 40 Prozent eigenem Betriebskapital stehe nach dem Bud«. das die meisten Betriebsbilanzen bieten, 60 Prozent frem­des Kapital gegenüber. Dr. Kehl wies darauf hin, daß jetzt die Zeit gekommen sei, wo die öffentliche Hand der privatenWirt- schäft einmal den Vortritt in der Inanspruchnahme des Auslandes für dre Kapitalbeschaffung lassen sollte, und zwar schlug er als Weg der In­anspruchnahme des ausländischen Kapitalmark­tes vor, in viel größerem Umfange als bisher ausländisches Kapital in der Ge­stalt langfristiger und verantwort- l ich er Beteiligungen hereinzunehmen, da ja die kurzfristige Verschuldung einen Höhepunkt erreicht habe und da die Reparationen drohten, das Ergebnis ausländischer, langfristiger An­leihen für sich in Anspruch zu nehmen.

Generaldirektor Meinhardt von der Os- ram-Gesellschaft erklärte, die Beteiligung des Auslandkapitals könne begrüßt werden, wenn es am offenen Markt Aktienpakete kaufe. Ge­fährlich werde aber der sog. Ausverkauf dann, wenn die Einflußnahme des ausländischen Kon­kurrenzunternehmens dazu dienen solle, die deutsche Ausfuhr zu drosseln. Da­gegen sei gegen eine Minderheitsbeteiligung des Auslandes, die zu angemessenen Preisen abge­geben werde, nichts einzuwenden, wenn eine Schädigung der Ausfuhr nicht eintrete und die Leitung des Unternehmend auch deutsch bleibe.

Direktor Sempell von den Vereinigten Stahlwerken meinte, es erscheine besonders be­denklich, wenn man einem fe ft gefügten ausländischen Konkurrenzunterneh­men eine maßgebende Beteiligung gebe. Ge­schlossene Minderheiten hätten im Aktienleoen schon oft eine große und ausschlaggebende olle gespielt. Jedenfalls handelt es sich um die Ab­gabe von industrieller Substanz, die von der deutschen Wirtschaft und mit deutscher

Madenhacker und die weißen Kuhreiher fin­den Rahrung an den Zecken, die Dickhäuter, Antilopen und Krokodile plagen. Gewähren ihrer­seits wieder ihren Gastgebern Schutz, indem sie aufflattern und Warnungsrufe ausstoßen, wenn Gesahr droht.

Rur bei wenigen Tieren verschiedener Gat­tung ist es der Sexualtrieb, der eine Freund­schaft festlegt. Auch dann nur in der Gefangen­schaft. Den Beweis hierfür erb.ach.« Karl Hagen- beck, dem es zuerst gelang, Löwen und Tiger zu kreuzen.

Die Freundschaft der veirschiedenen Affen in einem Käfig ist immer nur passiv. Meist nur eine bewaffnete (Neutralität. Zwei Affen allein in einem Käfig werden sich, besonders wenn sie nicht gleichen Geschlechtes, bald aneinander gewöhnen. Aus der Gewohnheit entsteht eine Freundschaft, obwohl der birefte Sexualtrieb fehlt. Genau wie ein Hund sich schneller mit einer Katze als mit einem Kater anfreundet.

Je höher die Tiere in ihrer geistigen Entwick- lunh stehen, desto schwerer ist es, sie zu einer Freundschaft mit einem Tiere niederer Art zu bewegen.

Ich habe alle Versuche gemacht, meinen jungen Elefanten, den ich im Jahre 1907 in Deutsch- Ostafrika fing, an irgendein Haustier zu ge­wöhnen. Vergeblich. Ziege, Kalb oder Esel duldete er Wohl in seiner Rahe, betastete sie auch mal mit dem Rüssel, ohne jedoch das ge­ringste Zeichen von Enttäuschung zu zeigen, wenn sie ihn verließen. Rie hat er eine Bewegung gemacht, ihnen zu folgen, oder älnruhe gezeigt, wenn sie fort waren. Er fühlte sich nur zum Menschen als dem ihm geistig nahestehenden Wesen hingezogen. Wehe, wenn ich ihn verließ, ohne einen seiner Wärter bei ihm zu lassen. Sofort fing er an zu trompeten, zu schreien und zu loben. Dis er ein gewisses Alter erreicht und damit eine sicherere Selbständigkeit erlangt hatte, war es überhauvt unmöglich, rhn am Tage oder in der Rächt ohne die Gesellschaft eines Menschen zu lassen.

Roch ausgeprägter ist aber dies Gefühl der Zugehörigkeit zum Menschen bei den Menschen­affen, Schimpansen, Gorilla. Orang-Utan oder Gibbon, entwickelt. Ein Tier ist für den Menschen­affen genau wie für ein Kind ein Spielzeug, das er je nach Laune herzt oder quält. Gewiß

Arbeit geschaffen worden sei, deren Rückführung unter deutsche Leitung aber sehr fraglich sei. Direktor Sempell empfahl dem Reichsverband die Untersuchung des Problems der Ueberfremdung, das in den Rahmen des großen Wirtschafts- Programms des Reichsverbandes gehöre.

Generaldirektor D ü ch e r von der AEG. er­klärte. ein Unternehmen sei nicht überfremdet, wenn Ausländer an dem Risiko des Unter­nehmens beteiligt und mithaftbar gemacht wer­den. Wenn man ein Unternehmen durch Beteili­gung des Auslandes zu stärken versuche, um ihm auf den internationalen Märkten seine Kon­kurrenzfähigkeit zu erhalten, dann bedeute das eine nationale Tat.

Rückkehr des Reichskanzlers und des Außenministers.

Reichskanzler Müller wird seinen Erholungs­urlaub auf der Bühler Höhe am nächstes Mittwoch abfchließen und nach einem kurzen Besuch in Heidelberg die Rückreise nach Berlin an­treten. Der Reichskanzler wird an der am 30. Sep­tember stattfindenden Reichstagssitzung teilnehmen und feine Dienstgcschäfte wieder äuf­ne h m e n. Ebenso wird im Laufe der nächsten Woche auch Reichsminifter Dr. Stresemann wieder in Berlin eintreffen. Am 26. September wird das Kabinett vollständig in Berlin versammelt fein.

Aus aller Welt.

Die nächsten Fahrten desGraf Zeppelin".

Die Hamburg-Amerika-Linie gibt Einzelheiten über die geplanten nächsten Fahrten desGraf Zeppelin" bekannt. Am 25. oder £6. September wird das Luftschiff zu einer Achtstunden- fahrt über Schweizer Gebiet aufsteigen, an der 24 Passagiere teilnehmen können. Der Fahrpreis ist vom Luftschiffbau auf 400 Mk. fest­gesetzt worden. Einige Tage später, am *^>. oder 29. September, soll eine achtstündige Süd­deutschlandfahrt nördlich bis Upn, zurück über München, angetreten werden. Die Zahl der Passagiere beträgt wiederum 24, der Fahrpreis ist ebenfalls der gleiche. Die dritte Fahrt am 5. oder 6. Oktober führt dann über Schlesien nach Berlin. Dort wird das Luftschiff mbr licherweise eine Rächt am Ankermast f e ft machen. Die Heimfahrt erfolgt über Ost Preußen. Sämtliche Plätze zu dieser Reise sind bereits auSüerfauft. Schließlich wirdGraf Zeppelin" am 10. Oktober eine 14 stündige Fahrt nach Holland unternehmen, an der 20 Passagiere zu einem Passagepreis von 700 Mark teilnehrncn können.

Deutscher Turn- und Sporttag in Reuyork.

(Bei dem Deutschen Tum- und Sporttag im Lewiston-Station zu Ehren Dr. Eckeners und zum Gedächtnis Hünefelds wurde Bürger­meister Walker eine Hünefeld-Plakette überreicht. Eine Ansprache hielt u. a. General­konsul v. Lewinski. An der Veranstaltung nahmen zahlreiche deutsch-amerikanische Sport­kreise teil.

Der Konstrukteur des 42-cw-Rlörserv f.

Im 48. Lebensjahr starb das frühere Mitglied des Krupp-Direktoriums Major a. D. Dr. ing. e. h. Max Sieger.

Die Grubenkataslrophe in klein-Rosseln.

Die Zahl der Todesopfer der beiden (Berg- Werkstatastrophen von K'.ein-Rosseln hat sich a u f 29 erhöht, da von den Verletzten inzwischen nochsechs ihren Cßetleßungen erlegen sind. Die elsässisch-lothringische Presse betont übereinstimmend, daß es notwendig sei, scho­nungslos die für das Grubenunglück Verant­wortlichen festzustellen. Es dürfe keine falscheRücks ich t genommen werden. Vor allem müff «untersucht werden, ob in Klein-Rosseln alle erforderlichen Sicherheitsmaßnahmen getroffen gewesen seien. Cs werden Stimmen laut, daß das Unglück auf die schlechte Bewette­rung des St. Charles-Schachtes zurückführen. Heber die direkte Hrfache des Unglücks tauchen allerlei Vermutungen auf. Man nimmt an, daß ein Kurzschluß die Explosion hervorgerufen habe. Die Grubendirektion führt sie auf un­geschicktes Hantieren eines Benzol-

lann er dies Spielz«ug gelegentlich lieben. Eine wahre Freundschaft wird er nie dafür empfinden. Wie anders verhält er sich aber dem Menschen gegenüber. Ich will nicht von seinem Herrn spre­chen, dem er eine Liebe und Treue geschenkt hat, wie sie kein anderes Tier aufbringen kann. Aber auch andere Menschen, mit denen er einmal wahre Freundschaft geschlossen hat, wird er nicht vergessen, auch wenn er sie monatelang nicht ge­sehen hat.

Meine SchimpansinCleo", die ich aus dem Kongo mitbrachte, spielte zwar gerne mit einer kleinen Antilope, die mit uns reifte. Wahre Liebe dagegen schenkte sie nur einem kleinen Mu- lattenmäbchen, die aus ihrer Kongoheimat von ihrem Vater zur Erziehung nach Europa ge­bracht wurde.

Die Liebe meiner kleinen SchimpansinSusi" zu mir ging so weit, daß sie sich noch in Afrika ohne Zaudern ins Wasser stürzte, das sie doch sonst so fürchtete, um mir zu folgen. In Berlin verließ sie sofort ihren Spielgefährten, den Schim­pansenBobby", wenn sie mich nur von weitem sah.

Cs gibt für den fühlenden Menschen kein schö­neres Bild als die Freundschaft zweier ver­schiedener Tiere. Der denkende Mensch soll aber den Grund, die älr.ache dieser Freundschaft zu ergründen suchen und immer berücksichtigen, daß Tiere Tiere, aber leine Menschen sind!"

Amerika wird nochmals entdeckt.

Die KaravelleSanta Maria", die gegen­wärtig vor Sevilla liegt, ist eine getreue Rach­bildung jenes historischen Fahrzeugs, mit dem Christoph Columbus zur Entdeckung der neuen Welt aufbrach. Dieses Schiff wird nun im Mai des nächsten Jahres, am gleichen Tage und zu der gleichen Stunde von Spanien aufbrechen, zu ter einst Columbus absuhr, um eine zweite Entdeckungsfahrt" nach Amerika zu unterneh­men. Auch die Zeremonien bei der Abfahrt wer­den die gleichen sein wie vor der historischen Reise. Die Karavelle wird einen Block aus den Steinbrüchen von Palos mit sich führen: er soll dazu dienen, in Amerika ein Denkmal aufzu­richten. Im Gebiet von San Domingo wird ein Leuchtturm gebaut, der den Ql amen des Amerika­entdeckers tragen soll.