Ausgabe 
23.9.1929
 
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Nr. 225 Erstes Blatt

179. Jahrgang

Montag, 25. September 1929

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Di« Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle.

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Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen.

Frankreichs bedrohte Sicherheit.

Zehn 2ahre lang haben wir bei jeder möglichen und unmöglichen Gelegenheit aus Frankreich den Ruf herüberschallen Höreri, daß trotz des Ausgangs des Welt­krieges seine Sicherheit durch das benachbarte Deutschland aufs 2leu- Herste bedroht sei. Mit diesem Argument ist die französische Politik ein Jahrzehnt lang krebsen gegangen, hat sie den Ruhreinbruch bömäntelt, hat sie die Fortdauer der Besatzung am Rhein­land zu rechtfertigen versucht, hat sie jsden Fort­schritt in der Abrüstungspolitik verhindert, und soeben erst im Haag hat auch D r i a n d wieder damit operiert. Der jetzige französische Minister­präsident, der sonst soviel uno so eifrig von seinem Friedenswillen zu sprechen wußte, hat wiederum davon gefaselt, daß die Sicherheits- Vorkehrungen Frankreichs an seiner Ostgrenze noch nicht fertig gestellt seien und daß dahea: besondere Maßnahmen getroffen werden müßten. Mit dem Gerede von der bedrohten Sicherheit Frankreichs haben auch die Franzosen bis zum letzten Augenblick die Forderung einer besonderen Kontrollkommission für die entmili­tarisierte Zone int Westen Deutschlands zu be­gründen versucht.

Wie unaufrichtig alle diese tönenden Redens­arten von der bedrohten Sicherheit sind, ist von deutscher Seite ebenso oft und ebenso eindringlich nachgewiesen worden, aber umsonst. 2ctzt ist ganz unerwarteter und überraschender Weise i n Frankreich selb st ein Mann aufgestanden, der seinen Landsleuten endlich einmal die Wahr­heit gesagt hat. Innenminister T a r d i e u hat sich in einer Rede in seinem Wahlkreis Belfort gegen diejenigen Elemente gewandt, die dauernd davon sprechen, daß Frankreich durch die un­geschickte Politik seiner leitenden Staatsmänner der Früchte seines Sieges verlustig gegangen sei. Zu ihrem Rutz und Frommen hat er eine Bi­lanz des Sieges für Frankreich gezogen, wie sie sich heute dem geistigen Auge Tardieus darstellt. Was Frankreich heute als Frucht seines Sieges anführen kann, zählt Tardieu in folgen­den Punkten auf:

Die Unabhängigkeit Frankreichs wiederhe-c- gestellt; die Handlungsfreiheit nach andeirihalb verhängnisvollen Jahrhunderten für unsere Po­litik wiedergewonnen; Elsaß und Lothringen in den Schoß der französischen Familie zurück­geführt; Zertrümmerung des Bersklavungsinstru- ments, das sich Dreibund nannte; an unserer Seite auf unserem befreiten Kontinent Belgien, die Tschechoslowakei, Rumänien, Südslawien, Po­len. Griechenland; das linke Rheinufer und 50 K' ometer des rechten Rheinusers für das Heer irrerer Rachbarn gesperrt; unser nordafrikani­scher Besitz von der deutschen Hypothek auf Marokko befreit; unser Kolonialreich mit Syrien, Kamerun und Togo um 800 000 Quadratkilo­meter, 16 Millionen Einwohner und eine halbe Milliarde Handelsverkehr vermehrt. All das zählt nicht für diejenigen, die berufsmäßig die Ration entmutigen und für ihre leichtgläubigen Anhänger."

Das klingt wahrlich anders, als die weh­leidigen Ieremiaden der französischen Rationa­listen, und ihnen werden wir in Zukunft, wenn sie wieder von der deutschen Drohung mit einem Ueberfall auf das arme schwache Frankreich sprechen, diese Rede ihres heutigen Innenministers vorhalten. Er hat seinen Landsleuten aber auch noch mehr gesagt. Er hat ihnen vorgehalten, in wie glänzender wirtschaftlicher Lage sich heute Frankreich als einer weiteren Folge des Bertrages von Versailles befindet. Cs ist. nach den Ausführungen Tardieus, von dem Joch der Meistbegünstigungsklausel befreit, die ihm durch den Frankfurter Vertrag auf­gezwungen worden war; dank der elsässischen Kaligruben geht es der französischen Land­wirtschaft so gut, daß sie in der Lage ist, zu exportieren; die französische Erzeugung von Stahl und Eisen ist verdoppelt worden, die der Wolle und Bauwolle um ein Drittel erhöht; die französische Handels­flotte ist mehr als doppelt so stark» als in der Zeit vor dem Kriege; die industrielle Ausrüstung ist sogar verzehnfacht. Auch diese keineswegs übertrieben günstige Schilderung Tardieus wer­den wir anführen, wenn es demnächst wieider zu wirtschaftlichen Auseinandersetzungen und spä­ter zu einer Revision des Voung-Plans kommt. Man könnte den Franzosen sagen, daß geradezu eine Perversität darin liegt, wenn ein so reiches und mächtiges Bolk von dem unterlegenen Gegner achtzig Jahre lang Tributleistungen verlangt und ihn bis zum letzten Tropfen auspreht. Cs ist eigentlich bedauerlich, daß der französische Minister diese Rede e r n jetzt in Belfort und nicht vor der Haager Konferenz gehalten hat; noch besser wäre es sogar gewesen, er hätte sie in Paris vor den Sachverständigen gehalten. Dann wäre sicherlich in Paris und im Haag ein ganz anderes, besseres und gerechteres Er­gebnis erzielt worden. Eine größere moralische und sachliche Rechtfertigung der Haltung Deutsch­lands in jeder Hinsicht konnten wir uns in der Tat nicht wünschen.

General Guittaumat über die Rheinlandräumung.

Paris, 22. Sept. (WB.) Der Oberkommandie- rende der französischen Besatzungstruppen im Rhein­land, General ©uillaumat, hat einem Sonder­berichterstatter desJournal" erklärt: Wir haben offiziell mit der Räumung der zweiten

Außenpolitische Verhandlungen der Opposition.

DieRationalliberaleKorrespondenz" über einepariserFühlungnahmedeutschnationalerKreise

Berlin, 21. Sepk. (WB.) Die Rational. Liberale Lorrefp ondenz (RLL.) macht in ihrer heutigen Ausgabe aussehenerregende Mittei­lungen, wonach der deutschnationale Abg. klönne ohne Wissen der deutschen amtlichen Stellen m i t ft an; öflfchen Militärkreisen und Po­litikern über ein deutsch-französi­sch e s Militärbündnis unterhandelt habe. Die Korrespondenz hatte bereits kürzlich an- gcdeutet, daß von deulschnationaler Seitein Paris sehr viel weitergehende, ja viel gefähr­lichere Angebote gemacht worden feien, als die von hugenberg bekämpfte Politik der Verständigung". Die deutfchnatiouale Pressestelle hatte die R.L.L. darauf der Verleumdung beschuldigt. Die heutige verösfentlichung der R.L.L., die, wie sie sagt,we­nigstens in etwas den Schleier lüsten wolle", be­sagt: Herr fUönne reist seit dem Jahre 1926 i n politischer Mission nach England und Frankreich. Lr hat in zahlreichen Gesprächen mit französischen Politikern den Franzosen e i n Militärbündnis und ein Zusammen­gehen Deutschlands und Frankreichs gegen Sowjet rutzland angetragen. Er hat über dasselbe Thema mit einem hervorragenden be­kannten englischen Politiker in Paris Bespre­chungen gehabt. Lin französischer General, der aus seiner Tätigkeit im Zusammenhänge mit Fragen der Entwaffnung Deutschlands wohl be­kannt in Deutschland ist und als ein hervorragen­der Kenner des augenblicklichen Rüstungszustandes in Deutschland gelten muh, ist mi t Wissen von her rn Klönne und mit Wissen der hin­ter ihm stehenden deutschnationalen Hintermänner im Winter 1927/28 inkognito nach Berlin gekommen, um mit deutschen Militärs die Frage eines deutsch-franwsijchen Militärs,imdnll^s zu be­sprechen. Dieser hohe französische Offizier stand wäh­rend seines Aufenthaltes in Berlin in enger Füh­lung mit Herrn Klönne, der es übernommen hatte, auf hochgestellte Militärs des Reichswehrministe. riurns einzuwirken. Selbstverständlich vertief aber die Mission des französischen Generals ergeb­nislos, weil die erwähnten amtlichen Stellen keine Reigung hatten, sich in diesem Konsortium zu betätigen. Dah aber die deutschnationalen Auhen- politiker es unterlassen hatten, das Aus­wärtige Amt von diesem Schritt in Kennt­nis zu fetzen, versteht sich von selbst. Herr Klönne hat diese Besprechungen im Winter 1927/28 in Berlin fortgesetzt, und zwar mit fran­zösischen in Berlin tätigen Militärs hohen Ranges. 3m Frühjahr 1928 wurden diese Besprechungen nach Paris verlegt und maßgebende Poli­tiker der französischen Rechtsparteien, darunter ein bekannter ehemaliger Militäx, beteiligt.

Eine Entgegnung Dr. Mnnes.

Das Auswärtige Amt

von alten Besprechungen unterrichtet.

Berlin, 21. Sept. (TU.) Reichstagsabgeordne­ter Dr. Klönne teilt der Telegraphen-Union mit: Die Rational-Liberale Correspondenz, das amtliche Sprachrohr der Partei des Herrn Reichsaußen- ministers, brachte unter dem. 21. September 1929 Mitteilungen über Verhandlungen deutschnationaler .Herren, bei denen ich genannt wurde und die ich nicht unwidersprochen lassen will. In dem angezogenen Artikel sind Wahrheit und Dichtung in erstaunlicher Weise gemischt. Es ist r i ch t i g , daß ich (nicht 1926, sondern 1927) in London U n - t e r h a n d l u n g e n mit führenden engli­schen Politikern gepflogen habe, die die Ent­wicklung Europas und besonders die deutsche Sache betrafen. Bei diesen Gesprächen, bei denen ich meine Stellung als Privatmann, der ohne Auftrag der Re­gierung ober seiner Partei, nur seine eigene Mei­nung zum Ausdruck brachte, ausdrücklich betonte, führte ich etwa aus, daß Deutschland für eine

deutsch - englisch - französische Zusammenarbeit nur bann in Frage tarne, wenn wenigstens bie ele - mentarften beutschen Forberungen er­füllt würden. Als solche nannte ich nicht nur, wie bie R.L.C. richtig ausführt,Räumung ber Rhein- lanbe unb Rückgabe ber Saar, Wiberruf ber Kriegs- schulblüge" (unb zwar burch ben ehemaligen Feinb- bunb),gewisse Erhöhung bes beutschen Heeresbe- stanbes", fonbern unb bas vergißt die R.L.C. bezeichnenderwAise in erster Linie die unbedingte Rückgabe des Weichsel-Korridors, volle Wiederher­stellung der deutschen Souveränität unb eine Revi­sion bes Dawesplanes in bem Umfang, baß Deutsch­land höchstens die Hälfte ber festen Dawes-Annuität zu zahlen hätte.

Es versteht sich von selbst, daß ich das Aus­wärtige Amt über diese IInterhal * t uu gen. obwohl sie rein privater Natur wa­ren, alsbald unterrichtet habe.

Den französischen General, der auf seiner Tä­tigkeit im Zusammenhang mit Fragen der Ent­waffnung Deutschlands Wohl bekannt ist, offen­bar General Walch, kenne ich nicht, kann also mit seiner Demarche nicht in Verbindung gebracht werden. Alle darüber gemachten Ausführungen sind unrichtig. Dagegen habe ich mit fran­zösischen politischen Persönlichkeiten im Winter 1927/28 in Berlin Unterhaltungen ähnlicher Art wie vorher in London gepflogen, wobei ich nach meiner Auffassung über die Rechbergschen Pläne gefragt wurde, und dieselben Forderungen, wie in London vertrat. Ich glaube nicht, daß irgend jemand das Recht hat, derartige Unterhaltungen Angebote zu nennen. Im Frühjahr 1928, ebenso wie 1929, war ich nicht in Paris. Die hieran geknüpften Bemerkungen sind ebenfalls frei er­trinken. Dagegen hatte ich während der Pariser Devhandlringen übr-r den Vvungplan den Be­such französischer Politiker, wob«

Berlin, 22. Sept. (Prio. T.) x3n Anbetracht der Tatsache, dah von französischer Seite bis zum heutigen Tage noch nicht die Lrn en- nun gen der Mitglieder der französi­schen Saardelegation erfolgt find, ist es leider trotz des fortgesetzten Drängens von seilen der deutschen Stellen noch nicht möglich gewesen, diese Verhandlungen zu eröffnen. In Paris ent­schuldigt man sich damit, dah die zuständigen Her­ren auf Urlaub wären, unb dah deshalb die (Ernennungen noch nicht vollzogen werden könnten. Wie wir hören, versucht jedoch das Auswärtige Amt nach wie vor, die sofortige Ausnahme ber Verhandlungen zu erreichen, doch rechnet man in eingeweihten Kreisen jetzt nicht mehr damit, dah diese vor Oktober zustande« kommen können.

Die Gaargruben.

EineAeutzerung des Industrielle» Röchling.

Paris, 21. Sept. (TU.) Der3ntranfigeant veröffentlicht eine llnfcrrebung mit dem deutschen Industriellen Hermann Röchling über die (Saarfrage. Röchling erklärte u. a., für ihn gäbe es keine (Saarfrage. In Deutschland sei man der Ansicht, daß die lächerliche Lage s o - fort beendet werden müsse. Die Einwohner des Saargebietes seien immer sehr gute Freunde der Franzosen gewesen und hätten mit ihnen Beziehungen unterhalten. Die Saarbewohner möchten wieder gute Freunde Frank­reichs werden. Dies sei aber nur möglich, wenn die Franzosen sofort aus dem Saarge­biet verschwände.c. Die Saarbewohner wünschten nur eine Rückkehr zu Deutschland. Selbst wenn man eine außerordentliche Lage für das Saargebiet schaffen würde, so würden seine Einwohner verlangen, wieder deutsch zu werden. Auf die Frage des Berichterstatters, ob man sich verständigen könne, indem man Frankreich in dieser oder jener Form, beispiels­

über den Vvungplan selber gesprochen wurde. Auch hier war von Angeboten von einer der beiden Seiten nicht die Rede, auch in diesem Falle habe ich das Auswärtige Amt unverzüglich unterrichtet. In wie ob­jektivem (Sünne dies geschah, darüber mögen die betreffenden Herren des Auswärtigen Amtes Auskunft geben.

Ich erlaube mir die Frage zu stellen, ob sich der Herr Reichsauhenminister von den Herren des Auswärtigen Amtes über Dinge, die er jetzt offenbar für sehr wichtig hält, nicht unterrichten lieh, ober duldet er es, daß in dem Blatte, das bekanntermaßen seine Politik vertritt, grobe Irreführungen über Abgeordnete verbreitet werden?

2m übrigen bin ich der Meinung, dah eine Außenpolitik in dem von mir skizzierten Rahmen, in denen die deutschen Leibensnotwendigkeiten in den Vordergrund gestellt werden, den An­schauungen und Sorberungen des nationalen Deutschlands entspricht. Die sogenannte Ver­ständigungspolitik des gegenwärtigen Herrn Reichsauhenministers kann ich allerdings nur älntertoerfung^olitif nennen. Solange freilich untere ehemaligen Gegner die Chance haben, mit dem amtlichen Deutschland eine derartige Politik zu machen, werden sie zu einer ehr­lichen Verstäichigungspolitik nicht bereit sein.

Gez. Dr. Kilönne."

Berliner Besprechungen mit Renault).

Berlin, 21. Sept. (WB.) 2m Anschluß an die Veröffentlichung derRationalen Korrespon­denz" erklärtDer 2u ngdeu t sche", daß der Stahlhelm und der Vorsitzende der Deutschnatio-

weise durch die Schaffung einer internationalen Gesellschaft, eine dauernde Beteiligung an den Saargruben gewähre, antwortete Röchling mit erhobener (Stimme:Riem als werden die Saarbewohner sich dazu bereitfinden, über einen Vertrag auch nur zu verhandeln, der nicht zur Grundlage den wesentlichen Vorbehalt hätte, daß die Saargruben an ihre ehe­maligen Besitzer, den preußischen und den bayerischen Staat, zurückgegeben werden. Frankreich mutz jede Hoffnung auf eine etwaige Wiedergewinnung der Regierungsgruben auf* geben. Wir wollen sie Frankreich fortnehmen, um jede Versuchung für die Zukunft auszuschal­ten/ Die Schaffung eines autonomen Saarstaates lehnte Röchling mit aller Ent­schiedenheit ab, da die kleinen autonomen (Staa­ten zwischen den großen Rationen keinen Wert hätten. Auher den eingangs erwähnten Haupt­forderungen sind wir bereit, die möglichen wirt­schaftlichen Abmachungen zu prüfen und notfalls einen Modus vivendi für den liebergang anzu- erfennen. Röchling erklärte sich als Anhänger der Abschaffung der Zollschranke an der Saargrenze und für eine freihändlerische Politik. Vorbesprechungen in Heidelberg.

Berlin, 22. Sept. (Priv.-Tel.) Am Montag findet auf Einladung bes Auswärtigen Amtes in Heidelberg eine Sitzung bes Saaraus­schusses mit ben Vertretern ber Reichs- und ßänberminifterien unter Anwesenheit bes Führers ber beutschen Delegation für bie deutsch-französischen Saarverhanblungen, des Staatssekretärs z. D. von Simson, statt. Gegenstanb ber Beratungen ist eine Aussprache über bie bevorstehenden beutsch-fran­zösischen Verhanblungen unb bie Beteiligung ber Saar an biesen Verhanblungen. Die beutsche Delegation wirb bei biesen Verhanblungen zum erstenmal vollstänbig versammelt sein und eine Ergänzung durch Vertreter ber Gewerk­schaften unb bes Wirtschaftslebens im Saargebiet erfahren.

Frankreich verfiWpi die Saawerhandinngen.

Besatzungszone begonnen. In Wirklichkeit aber ist n o ch n i d) t 5 getan, als bafc wir bie Kisten vernagelten. Das ist alles. Die phan­tastischsten Nachrichten sjnb, wie ich weiß, bereits in Frankreich im Umlauf. Man hat sogar gemelbet, daß Regimenter, die niemals im Rheinland gestan­den haben, bie Grenze passiert hätten. Einige Quartiermacher sinb wohl bereits zurückge­reist, aber nur, um bie Kasernen für bie Aufnahme ber Truppen, bie Deutschland verlassen sollen, vor- gubereiten. Die regulären Abteilungen werben c r st in einiger Zeit, unb zwar progressiv, abtrans­portiert werben. Die Interalliierte Rhein- lanbkom Mission wirb nach Wiesbaden verlegt werben, (obalb man sie bort unterbringen kann. Wiesbaben, in ber brüten Zone gelegen, ist vor­läufig noch von ben Engländern besetzt. Unsere Verwaltungsstellen werden gleichfalls in bie brüte Zone verlegt werben. W"nn wir auf bie Linie Trier-Mainz-Wiesbaden gurüdgegangen find, wirb die französische Fahne in Koblenz her­untergeholt werben. Aber man bars nicht bamit rechnen, baß bies vor Enbe September geschehen sein wirb. Im nächsten Jahre wirb bie (Räu­mung der dritten Zone erfolgen. General

©uillaumat knüpfte an diese Bemerkung die Worte: Das Rheinland wird alsdann ermessen, was es an ben Besatzungstruppen verliert." (!)

Die sabotierte Abrüstung.

Lord Cecil zieht seine Anträge in Gens zurück.

Gens, 22. Sept. (Priv.-Tel.) Die mit so viel Hoffnungen angekurbelte Genfer Abrüstungsdebatte ist dank ber französischen Quertreibereien vollkom­men versandet. Es hat zwar an Worten schärf­ster Kritik bei fast keinem Delegierten gefehlt, auf allen Seiten war man sich darüber einig, daß auf dein Gebiete der Abrüstung bisher so gut wie gar nichts geschehen sei und daß endlich ein­mal ernstlich an diese große Aufgabe des Völker­bundes herangegangen werden müsse. In dem Augenblick aber als man sich in der dritten Kom­mission des Völkerbundes die Frage vorlegte, was zu geschehen habe und ob di e Cecilschen Vorschläge eine geeignete Basis> bildeten, war der Augenblick für die französische Gegenaktion eingetreten, die auch diesmal wieder zur vollsten Zufriedenheit der Pariser Re­gierung und ihrer Verbündeten mit Osteuropa unb

auf dem Balkan verlaufen ist. Frankreich unb seine Gefolgsleute im Völkerbund verschanzten sich im­mer wieder dahinter, daß die dritte Kommission nicht zuständig für die Abrüstung sei, daß man vielmehr bas Schwergewicht der Verhand­lungen in die vorbereitende Abrü- ftungsfonfercnx f e I b ft legen müßte. Mit diesem Vorwand haben sie sich auch tatsächlich durchgesetzt. Immerhin mußten sie eine Konzession in der Weise machen, daß sich die dritte Kommis­sion später noch einmal mit dieser Angelegen­heit beschäftigen solle, wenn auf der Abrüstungs­konferenz bie Dinge nicht vom Fleck kommen soll­ten. Der Grieche Politis hat es verstanden, zur Ueberbrüdung der Gegensätze eine sehr geschickte Entschließung auszuarbeiten, bie auch angenom­men wurde, nachdem die Engländer vorläufig auf die Weiteroersolgung ihrer Landabrüstungspläne Verzicht gekeift et hatten. Da ein Termin für den Zusammentritt der Vorbereitenden Abrüstungs­kommission noch nicht vereinbart ist, werden wohl wieder Monate ins Land gehen, bis man Neues über das vielerörterte und noch nie gelöste Pro­blemAbrüstung" hören wird.