Ausgabe 
23.8.1929
 
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Nr. 197 Erstes Blatt

179. Jahrgang

Freitag, 25. August 1929

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Die Scholle.

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SietzenerAnzeiger

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Deutschland soll die Kosten tragen.

Oie deutsche Delegation in den Quotenstreit hineingezogen. Reue finanzielle Zumutungen über den ^oung-plan hinaus zum Ausgleich der englischen Forderungen. Am Gamstag Schluß der Haager Konferenz.

Haag, 22. Aug. (DB.) 3n Verfolg des heule gefaßten Beschlusses, die Verständigung durch Einzelbesprechungen vorzubereiten, fand heute nachmittag eine Besprechung der vier Gläubiger in ächte mit Ausnahme Eng­lands zum erstenmal unter Hinzuziehung deutscher Delegierter statt. Dabei waren die Reichsminister Dr. Lurtius und Dr. hilser- di n g zugegen. Rach einer Meldung des Reuter­bureaus soll Frankreich dabei vorgeschlagen haben, Deutschland zu den Opfern heranzu­ziehen, die nötig seien, um Englands Forde­rungen zu befriedigen. Deutschland solle aus seine Ansprüche aus einen Teil der 5 0 0 2H M- lionenGoldmark verzichten, die sich als Ueberschuß während der fünf Monate bis zum 1. September d. 3. ergeben. Dr. hilferdin, soll diesen Vorschlag ab gelehnt haben, doch werden die Er­örterungen heute vormittag fortgesetzt.

Heber die von Frankreich gestellte Zumutung be­richten die Blätter verschiedene Versionen aus dem Haag. Der Mehrzahl der Berichte zufolge soll der ungeschützte Teil der deutschen Annuitäten in folgender Form erhöht wer­den. 3n dem ungeschützten Teil in höhe von 660

der aufzunehmen und sie ohne Unterbre­chung mit der festen Absicht nachdrücklich f o r t- zusühren, zu Schlußfolgerungen zu gelangen, die in einer neuen Zusammen­kunft dieser Delegierten morgen nachmit- t a g vorgelegl werden sollen." An der Aussprache nahmen teil: Briand, Snowden, Henderson, Mos­coni und Adatschi, von deutscher Seite mehrfach Reichsminister Dr. Stresemann. Wie man erfährt, faßte der Vorsitzende 3 a s p a r die Diskussion da­hin zusammen, daß der deutsche Antrag allen Be­teiligten die Notwendigkeit vor Augen geführt habe, so lange zusammenzubleiben, bis eine glückliche Lösung gefunden worden sei.

Samstag fallt die Entscheidung.

Briand und die Briten zur Abreise entschlösse«.

Paris, 22. Aug. (WB.) Der Haager Korre­spondent der Agentur Havas berichtet: Das Hauptergebnis, das sich aus den Vorgängen des heutigen Tages ergibt, ist die Tatsache, daß d i e Entscheidung unwiderruflich am

Samstag fallen wird. Die Führer der Delegationen der einladenden Mächte haben sich heute darüber geeinigt, daß sie i h r e n A u f e n t° halt im Haag nicht über diesen Zeitpunkt hinaus ausdehnen wollen. Sie faßten die beiden einzigen Eventualitäten ins Auge, denen sie jetzt noch gegenübertreten wollen und von denen übrigens die eine ebenso wahrscheinlich ist wie die andere: entweder lehnt Snowden die letzten Vorschläge seiner Kollegen ab in diesem Falle hätte die Konferenz nur noch einen Mißerfolg ihrer Arbeiten in der letzten öffentlichen Sitzung festzustellen, oder der Voungplan wird schließlich vom englischen Schah­kanzler angenomme n. Dann wären nur noch auf Grund des Planes die Komitees zur Regelung seiner Anwendungsmodalitäten, denen es überlassen wäre, die Stadt, in der sie arbeiten wollen, selbst zu bestimmen. Snowden und Henderson haben bereits offiziell bekannt­gegeben, daß sie den Haag am nach st en Sonntag verlassen werden, um sich nach London zurückzubegeben. D r i a n d beabsichtigt gleichfalls, an diesem Tage nach Paris abzureisen, wo am Montag ein Ministcrrat stattfinden wird, in dem er der Regierung über die Haager Verhandlungen Bericht erstatten wird.

der ungeschützten Annuitäten überläßt, über die zu­

gunsten trer kleinen Slmiten verfügt-^rden^foktte:' :

Empörung ausgelöst. Es wird an die deutsche

Millionen Mark befinden sich auch die 88 Millionen für den Zins- und Tilgungsdienst der Dawesan­leihe. Run soll diese Summe, von 88 Millionen herausgenommen werden und z u d em g e- schützten Teil zugeschlagen werden, ohne daß sich dadurch die gesamten 3ahresleistungen Deutschlands erhöhen. 88 Millionen ist gerade die Summe, die zur Befriedigung der englischen An­sprüche noch fehlt, wenn man England 32 Millionen

Diese Kombination soll jedoch, wie derVorwärts" meldet, infolge des Widerstandes von Lurtius und t/.'ferding spät abends wieder fallen gelas- s c n worden sein, und es soll eine neue Möglich­keit erörtert worden sein, die in folgender Neue­rung bestehen würde: Während nach dem Zoung- plan die ungeschützten Zahlungen mit 37 3ahren aufhören, und in den letzten 21 3ahren nur noch geschützte Reparationen zu zahlen wären, will man eineArt ungeschühtenTeil inhöhevon 5 6 Millionen Ma rk bis zum3ahre 1988 neu schassen. Line dritte Version findet sich in der Voss. Ztg.", die folgendermaßen lautet: Die deutsche ungeschützte Annuität soll im Durchschnitt von 660 Millionen Mark jährlich nicht ver­ändert werden, dagegen soll eine gewisse Staf­felung einkrelen, und zwar derart, daß man die Annuitäten in den ersten 3ahren, während der Dienst der Dawesanleihe noch läuft, etwas erhöht, ihn dafür aber nach Ablauf der zwanzig 3ahre der Dawesanleihe entsprechend herabsinken läßt, so daß ein Durchschnitt von 660 Millionen herauskomml. Bei der Erhöhung für die nächsten 3ahre soll es sich um eine Summe von etwa 20 Mil­lionen handeln.

Berlin, 23. Aug. (LU. Funkspruch.) Die Forderung Frankreichs, daß Deutschland die finanzielle Befriedigung der englischen Wünsche übernehmen soll,

Delegation die Forderung gestellt, gegenüber die­sem neuen Erpressungsversuch fest zu bleiben. Die »Germania" erklärt:Deutschland darf keine Vermittlungsopser über den Voungplan hinaus bringen" und schreibt weiter,man müsse sich in der Tat wundern, daß man auf der Gegenseite, wo man um wenige Millionen seit Tagen feilscht, ein finanzpolitisch so unverant­wortliches Entgegenkommen erwarten könne, nur damit Frankreich und Italien ihre eigene Quote nicht zu verringern brauchten." DieD A Z." schreibt: Die allgemeine Rervosität ist auf das höchste gestiegen. Die Schlafwagen sind schon bestellt. Shylock drängt mit der Uhr in der Hand. Hier ist nichts zu beschönigen und zu verschleiern. Die Tatsachen sprechen für sich.

Die deutsche Reichsregierung muß die ihr ge­stellten Zumutungen ablehnen, zurückweisen, nicht einmal ernsthaft in Erwägung ziehen. Tut sie das nicht, so hat sie mit Herrn Briands liebenswürdiger Anterstühung sich politisch selbst vernichtet. Wir appellieren an die politische Ver­nunft der Männer, die verantwortlich zu handeln haben. Ls steht, mögen sie sich nicht darüber täuschen, für sie politisch und persönlich Ent­scheidendes auf dem Spiel."

DieD e u t s ch e T a g e s z e i t u n g" sagt:Man will uns unter den vollen Druck unserer eigenen Finanz schwierigkeiten setzen, um den Voungplan durchzudrücken, wie man einst die Hungerblockade aufrechterhielt, um uns Ver­sailles aufzuzwingen. Nur sind wir diesmal selbst daran schuld, daß wir so wenig Widerstandskraft besitzen. DerLo kalanzeiger" weist darauf hin, daß sich die deutsche Delegation darüber klar sein müsse, wenn sie einen Schritt in der Richtung der französischen Forderung täte, daß selbst in diesem Reichstag, selbst bei diesem geduldigsten aller Völker ein solcher Sturm losbrechen würde, daß er die Delegation und den Voungplan hinweg- fegte. DasBerliner Tageblatt" schreibt:In der Gefahrenzone, in die die ohne jede Moratoriumsmöglichkeit zu zahlende Summe von 660 Millionen Mark pro Jahr hineinreiche, sei

jede weitere Million ein Risiko, das kein ver­antwortlicher deutscher Minister auf die deut­sche Wirtschaft laden könne. Ls müsse bei die­sen Ziffern, die letzten Endes im Reiche der Hypothese liegen, auch einmal eine Grenze geben, die mit prinzipientreuer Hartnäckigkeit verteidigt werde. Solche Hartnäckigkeit sei ge­rade jetzt angebracht, da sich die Uneinigkeit im interalliierten Lager wieder einmal in einem Druck auf Deutschland auszuwirken scheine. Die Tatsache, daß Briand dis heute kein Räumungsdatum genannt hat, dürfe an diesen Erwägungen nichts ändern. Niemand, der die Lage der deutschen Wirtschaft und der deutschen Finanzen auch nur mit einigem Sachverständnis beurteilen könne, würde dafür eintreten können, ein früheres Räumungsdatum mit einer Erhöhung der deutschen Verpflich­tungen zu erkaufen. Das Blatt hofft, daß die deutsche Delegation im Haag sich des Ernstes unserer wirtschaftlichen Lage voll bewußt ist.

Rach älledem scheint also von den alliierten Mächten die übliche Taktik eingeschlagen worden zu sein, kurz vor dem Schluß der Konferenz einen Druck auf Deutschland auszuüben, um grundlegende finanzielle Zuge­ständnisse im Ausbau des Voungplanes zu erreichen, mit der für eine derartige Taktik üb­lichen Begründung, Deutschland müsse im Inter­esse der Einigkeit und Solidarität zur Rettung der Konferenz sich zu einem Entgegenkommen bereiterklären.

Die Heranziehung des deutschen Wirtschafts­und Finanzminifters zu den finanziellen Ver­handlungen der vier Gläubiger-Mächte ist jeden­falls ein deutlicher Beweis, daß gegenwärtig Be­mühungen im Gange sind, in den finanziellen Fragen Deutschlands Zustimmung zu diesen ncrc i finanziellen Lasten zu erreichen. Praktisch will man auf diese Weise die Klärung der politischen Fragen, vor allem die Räumung des Rhein­landes, somit durch neue finanzielle Opfer Deutschlands erkaufen. Cs muh auf das entschiedenste erwartet werden, daß in den gesamten finanziellen Fragen die deutsche Regierung an ihrem bisherigen Standpunkt fest­hält und nicht nur die obenerwähnten politi­schen Forderungen aufrechterhält, sondern auch jede Art neuer finanzieller La st en auf das entschiedenste ablehnt.

Die Sechs-MM-Besprechung geht weiter.

Haag, 22. Aug. (WB.) Das amtliche Kom­munique über die heutige Vorrnittagssihung lau­tet:Die Delegierten der sechs einla­denden Mächte sind heute vormittag 10.30 Uhr zusammengetreten, um die Prüfung der konferenz- arbeiten fortzusehen, und haben einstimmig be­schlossen, die privaten Unterhaltungen sofort wie­

Die Berliner presse fordert zu entschiedenem Widerstand auf

DerT a g spricht von einer unverschäm­ten Zumutung, die einen Angriff auf die deutsche Währung bedeute. Das Blatt spricht die Befürchtung aus, daß die deutsche Dele° r 4fGtir»nihrer Sucht, Frankreich - ^nigegenzu- kommen, sich zu irgendwelchen Zugeständnissen bereiterkläre. Die Befürchtungen scheinen nicht ganz unbegründet zu sein, denn der Bericht­erstatter desVorwärts" im Haag demen­tiert zwar das Gerücht, daß Hilferding den Gläu­bigern eine Erhöhung der ungeschützten deut­schen Zahlung um 100 Millionen Mark ange­boten habe, fährt aber fort:Dabei weih jeder, dah alle deutschen Minister sich gegen neue Zugeständnisse mit der denkbar größten Ent­schiedenheit gewehrt haben und dah sie jetzt, wenn sie durch die Gegenseite auf die­sen Weg gedrängt werden, es sich für sie nur darum handeln kann, in überaus heiklen, verantwortungsvollen und zähen Verhandlungen das meiste für Deutschland herauszuholen und noch Schlimmeres für Deutschland zu verhüten."

Rervosität in Berlin.

Kriscnstimiuung in der Wilhelmslratze.

Berlin, 22. Aug. (TA.) lieber die Stim­mung in Berliner politischen Kreisen schreibt dieDAZ" unter der AeberschriftRervosität in Berlin": Die ungünstigen Rachrichten aus dem Haag haben auch in Berliner politischen Kreisen alarmierend und stark beun­ruhigend gewirkt. Donnerstagmittag kursier­ten Gerüchte über Rücktrittsabsichten des Reichsfinanzmini st ers Hilfer­ding, dessen Verantwortlichkeit an der kata­strophalen Zuspitzung der finanziellen Schwierig­keiten heute so wenig bestritten werden kann wie je. Wie man hört, hat Hilferding seine Stimme gegen den Wissellschen Entwurf zur Reform der Arbeitslosenversicherung abgegeben. Das ist anscheinend der Versuch, sich noch einen möglich st guten Abgang zu sichern.

Wie weit bei einem Fehlschlag der Haager Konferenz sofortige innerpolitische Weiterungen erwachsen, hängt namentlich vom Zentrum ab, das vorläufig eine sehr undurchsich­tige Haltung einnimmt.

3n unterrichteten Kreisen rechnet man durch­aus mit einer K a b i n e 11 s kr i s e für die nächste Zeit. Die Sozialdemokratie, um ihre bisherigen Mißerfolge zu vertuschen, sucht bereits Stimmung für die Weimarer Koalition zu machen.

Der Zusammentritt des Reichsta­ges, mit dem bei normalem Verlauf der Haager Verhandlungen erst für Ende September ge­rechnet wurde, ist bei einem Abbruch der Haa­ger Konferenz schon für anfangs oder Mitte September zu erwarten. Die So­zialdemokratie wird freilich alles daransetzen, um den Zusammentritt des Parlaments möglichst weit hinauszuschieben. Das beweist auch der schleppende Gang der Beratungen über die Ar­beitslosenversicherung.

Zwischen zwei Mühlsteinen.

Leipzig, 23. Aug. (T.-A.) Die nationallibe­ralenLeipziger Reuesten Rachrich- t e n schreiben in ihrer Freitagsausgabe über die Konferenz im Haag u. a.:Noch nie ist Deutsch­land Gegenstand der Politik der anderen gewesen, wie auf dieser Konferenz im Haag, die unsere Regierung so sehnlich herbeigewünscht hatte. Was in Locarno begann, ist im Begriff, zwischen zwei Mühlsteine zu geraten, zwischen das weltwirtschaftliche Interesse Englands

und das weltkapitalistische Interesse Franko r e i ch s. Ob es vor dem Schicksal des Jer- mahlenwerdens bewahrt bleibt, dazu können die deutschen Vertreter der Locarnopolitik kaum noch etwas tun. Die Schlacht im Haag ist von der deutschen Politik bereits in Paris ver­loren worden. Die Frage ist jetzt nur noch, ob ein l eidlich geordneter Rückzug mög­lich, oder ob es auch dazu nicht schon zu spät ist. Ein Stresemann-Fnterview.

Deutschland muß Klarheit verlangen.

London, 22. Aug. (Tel.-An.) DerMan­chester Guardian" veröffentlicht ein Interview seines Haager Sonderberichterstatters mit Dr. Stresemann. Von Dr. Stresemann wurde die Lage vom deutschen Gesichtspunkt aus wie folgt dargestellt:Ich habe niemals eine solche Konfusion auf einer Konferenz gesehen. Es hat offensichtlich an einer ausreichenden Vorbereitung gefehlt, die deutsche Ab­ordnung war 14 Tage lang still, aber sie konnte wirklich nicht länger warten und war gezwungen, auf irgendeine Entscheidung zu drängen. Sie lehnt eine Vertagung der Konferenz entschieden ab. Deutschland kann nicht fürWöchen oder Monate völlig im Anklaren gelassen werden." Auf die Frage, ob die politischen Fol­gen eines Fehlschlages für Deutschland ernst wären, antwortete Dr. Stresemann, daß man auch in den anderen Ländern verstehen müsse, daß es um weit mehr gehe, als um eine ver­hältnismäßig kleine Summe Geldes. Da soviel von Opfern der Gläubigermächte gesprochen werde, halte Dr. Stresemann sich für berechtigt, daran zu erinnern, welch große Opfer von Deutschland gebracht würden, das alles zu bezahlen. In einem kurzen Leit­artikel antwortet derManchester Guardian", daß Snowden im Haag weit mehr als eine Geld­forderung, nämlich einen neuen Kurs der britischen Außenpolitik verträte. Im übrigen stimmt das Blatt Stresemann durchaus zu, daß hinsichtlich der Verpflichtungen Deutsch­lands Klarheit geschaffen werden sollte und For­derungen über die Bestimmungen des Voung­planes hinaus nicht erhoben werden dürften.

Hugenberg an Stresemann.

Tas Volksbegehren gegen den Noung-Plan.

Berlin, 22. Aug. (TA.) Der Reichs aus­schuß für das deutsche Volksbegeh­ren, hinter dem die Deutschnationale Volks­partei und der Stahlhelm steht, hat an Dr. Stresemann folgendes Telegramm gesandt: Der Verlauf der Haager Verhandlungen zeigt, daß Methoden und Taitik der deutschen Außen­politik trotz aller Warnungen der nationalen Opposition und aller bisherigen Mißerfolge un­verändert blieben. Ein Volk, dessen Diplomatie die einfachen und klaren Linien der eigenen Interessen nicht erkennt und vertritt, wird nie­mals Freunde haben: denn niemand hat zu seinem Handeln Vertrauen. Die dortigen Er­fahrungen haben bewiesen, dah die Stellung­nahme der deutschen Regierung zum Pariser Tributplan nicht nur cor Kind und Kindes­kindern unverantwortlich, sondern auch taktisch falsch waren. Der Voungplan ist ein Anglück sowohl für Deutschland wie für die Ruhe, Wirtschaft und Entwicklung der andern Völker. Er bringt dieLiquidierung" des Krieges nicht. Daß der deutsche Außenminister sich be­müht, ihn zu retten, muß unserem Volke den Hohn der ganzen Welt eintragen. Diese diplo­matische Methode führt Deutschland in eine un­mögliche Lage. Rach den ursprünglichen amtlichen Ankündigungen sollten wir für den unerträg­lichen Voungplan wenigstens die Räumung von Rhein und Saar bcdingungs- und entschädigungslos eintauschen. Die Gefahr, auch sie noch erlaufen zu müssen, w-ri) um so brennender, wenn wir, die Opfer des Planes, als seine Verteidiger auf treten. Dieser Vorgang bedeutet die geschichtliche Verurteilung eines Systems, bei dem Jahre hindurch die Außenpolitik nicht auf Leistungen, sondern auf nackten Mehrheitsverhältnissen beruht. Deutschland kann für die Zukunft durch die Ergeb­nisse einer solchen Politik nicht ge­bunden werden, zumal die Welt weiß, daß das wirkliche und gesunde deutsche Volk nicht hinter ihr steht. Dies k.'arzustellen, sowie zu verhindern, daß der Voungplan in Deutschland eine Mehrheit findet, werden wir keine Anstrengung scheuen. Ramens des Reichsausschusses für das deutsche Volksbegehren. Gez. Hugenberg, Seldte.

Höhere Schulen und Verfaffungstag in Preußen.

Berlin, 23. Aug. (Priv.-Tel.) Nach den dies­jährigen Berfassungsfeiern der Schulen sahen sich zahlreiche Rektoren der höheren Schulen veranlaßt, dem Provinzialschulkollegium zu berichten, daß Schüler und Schülerinnen von ihren Eltern offenbar aus politischen Gründen von den offi- Zielten Feiern ferngehalten worden seien. Zu diesen Berichten nimmt jetzt das Pro-