Ausgabe 
23.3.1929
 
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Sachsen ohne Parlament.

Der Staatsgerichtshof erklärt die LandtagSwahle« für ungültig.

Leipzig. 22. März. (WD.) Der Staats- gerichtShof des Deutschen Reiches verhandelte heute unter dem Vorsitz deS ReichS- gerrchtspräsidenten Dr. SimonS die verfas­sungsrechtliche Streitsache der sozialdemokratischen Fraktion des Sächsischen Landtages und deS Landes Sachsen über die Gültigkeit der sächsischen Landtagswahlen am 31. Ok­tober 1926. Entsprechend dem Anträge der sozial­demokratischen Fraktion fällte der StaatsgerichtS- hof die Entscheidung: Die Wahlen vom 31. Ok­tober 1926 zum Sächsischen Landtage sind un­gültig. Die Regierung des Freistaates Sachsen ist verpflichtet. Reuwahlen herbeizuführen. Die Reichsverfassung habe nur eine Bestimmung über das Landtagswahlverfahren, nämlich den Artikel 17. Wenn ein Landtagswahlgesetz diese Bestimmung verletze, so sei das auf Grund dieses Wahlverfahrens gewählte Parlament auf einer fehlerhaften Grundlage ent­standen.

Die sächsische Regierung wird sich, wie verlautet, in einer für morgen einberufenen Kobinettssitzung mit dem Urteil des Staatsgerichtshofes beschäftigen. Ebenso sollen die Schritte beraten werden, die sich als Folge dieses Urteilspruches für die sächsische Re­gierung nunmehr ergeben. Die Lage ist verfassungs­rechtlich insofern besonders schwierig, als die Rs° gierung nach der sächsischen Verfassung den Landtag nicht auflösen kann, sondern die­ser auf Grund des Urteilsspruches als über­haupt nicht existierend anzusehen ist. Die gesetzgeberischen Arbeiten sind damit bis auf wei­teres vollkommen ins Stocken geraten. Es kann weder der Etat noch auch ein Notetat beraten und verabschiedet werden.

Ein Sund Volksnalionaler Industrielles.

Berlin, 23. März. (Priv.-Tel.) Wie wir von gut unterrichteter Seite hören, sind die schon vor längerer Zeit eingeleiteten Versuche des Iungdeutschen Ordens, auch in der In­dustrie Fuß zu fassen, soweit fortgeschritten, daß nach den b:sher'gen Dis-ositionen Mit e der kom­menden Woche eine Vereinigung gegründet wird, die den Titel .Bund Dolksnativnaler Industrieller^ tragen soll. Ungefähr 200 Industrielle der Fertigwarenindustrie aus allen Teilen Deutschlands haben sich zusammengetan und wollen, wenn auch nicht in direkter Ver­bindung mit dem Iungdeutschen Orden und seiner voll-nationalen Aktion, so doch gleichsam eine Art wirtschaftspolitischer Parallel- vrganisation schassen. Die Gründung soll in Berlin stattfinden. Es scheint also dem Jung- deutschen Orden gelungen zu sein, parallel mit seiner volkZnationalen Organisation auch in der Industrie Anklang und Unterstützung zu finden. Gleichzeitig hat man aber auch versucht, mit ge­wissen Arbeitnehmerkreisen, wie ärn von Hülsen geleiteten christlich-sozialen Arbeiterschaft und dem Gewerk- sch.aftsring, der von dem Abgeordneten L e m m e r geführt, der Demokratischen Partei vahesteht, Fühlung zu nehmen.

Gegen HilferdingS Steuerprogramm.

EinePräsidialtaguug des ReichsverbaudeS der deutschen Industrie.

Berlin. 22. Marz. (WB.) Bor dem Präsi- dium des Reichsverbandes der Deutschen In­dustrie sprach der Vorsitzende des Steueraus­schusses des R.ichsverban'. es. Direktor Dr. Haust» m a n n. über den gegenwärtigen Stand und die Entwicklungslinien der industriellen Finanz- und Steuerpolitik. Sr legte im einzelnen die Rvtwendigkeit dar. daß die Industrie die Etats von Reich, Ländern und Gemeinden kritisch betrachten und nach großen GesichtspunktenA u s- gabensenkungen aufzeigen müsse, durch die für fühlbare Steuersenkungen ins­besondere auf dem Gebiete der besonders drücken­den direkten Steuern der Weg gewiesen wird. Daneben müsse alsbald die grundsätzliche Frage erörtert und Vorschläge gemacht werden, inwie­weit das deutsche Haushaltsrecht grund­legend umzugestalten ist. Schließlich würdigte der Redner das Steuerprogramm der ReichSregie- rung kritisch und unterstrich nochmal- den Stand­punkt der Wirtschaft, daß die vorgesehenen Steuererhöhungen grundsätzlich abzulehnen seien.

Der Hessische Landtag geht in die Ferien.

Eine Entschließung fordert Reichshilfe für das besetzte Gebiet.

Präsident Delp eröffnet die Sitzung um 10.30 älhr. Die Minister sind vollzählig erschienen. Die Bänke der Abgeordneten weisen dagegen erheb­liche Lücken auf. Zu Beginn Oer Sitzung stimmte das Haus mit Ausnahme der Kommunisten ein­mütig folgender Entschließung über das besetzte hessische Gebiet zu:

Der Hessische Landtag verfolgt mit lebhafte­stem Interesse die das besetzte Gebiet ber^rend« außenpolitische Entwicklung. In dem heißen Wunsche, daß die Räumung bald er­reicht werden möge, ist sich das ganze Hessen­land einig, das unter der Besetzung bekanntlich stärker leidet, als jedes andere deutsche Land. Fälle wie der des Technikers Hensel in Mainz, dessen eidliche Aussagen über schwere Miß­handlungen bei der Vernehmung durch Be­amte der Sürätö auf Grund der Ermittlungen über den Hergang und die Person des Mißhan­delten einen Zweifel an ihrer Richtigkeit nicht zulassen, beleuchten blitzartig den schweren Druck, unter dem die Devölkerung des besetzten Gebiete« noch immer steht. Der Hessische Landtag erwartet, daß von den amtlichen Stellen deS Reiche- und eds Landes alls, was möglich ist, g- schieht, um die Wiederholung derartiger Vor­kommnisse zu verhindern.

Der Hessische Landtag erwartet aber auch, daß in finanzieller Hinsicht gerade dem besetzten hessischen Gebiet vom Reich so weitgehend geholfen wird, als eS unter Berücksichtigung der finanziellen Schwierigkeiten irgend möglich ift Die Richtberücksicütigung Hessen- an den für die Grenzgebiete auSaeworfenen Aeichs- mittela muß angesichts der schweren Wirtschaft-

Oie Einheitswerte in der Besteuerung der Landwirtschaft. Oer Reichsfinanzminister gegen die Anträge auf Senkung der Einheitswerte.

Berlin, 22. März. (DDZ.) Der Steuerausschuß des Reichstags befaßte sich mit den Anträgen zur Aenderung der Einyeitswerte für die Landwirtschaft. Abg. langen (Dem.) be- gründete einen Antrag, landwirtschaftlichen Kultur­boden zur Vermögenssteuer nu r m i t 5 0 v. H. des überprüften Einheitswertes anzurechnen und das Inventar der Pächter nur mit 10 statt 20 o. $>

Abg. Herold (Ztr.) beantragte eine Ueberprü- fung der Einheitsbewertung, eine Herabsetzung des Einheitswertmultiplikators auf 15, Herabsetzung der Pauschalsätze für nicht buchführende Landwirte und Maßnahmen zur Derbesierung der Feststellung der Einheitswerte.

Abg. Dr. Fisher (Dem.) beantragte eine An­weisung an die Finanzämter, auf Antrag des Steuer» pflichtigen bei Festsetzung des Einheitswerles noch nachträglich den Ertrag des Grundstücks zu berück­sichtigen, wenn der Antragsteller nachweift, daß die Nichtberücksichtigung zu einer besonderen Unbilligkeit geführt hat.

Reichsfinanzminister Hilferding.

führte u. a. au«, daß der von den Demokraten eingebracht Senkungscmtrag allein hinsichtlich der Landwirtschaft einen Vermögenssteuer- ausfall von etwa 40 bis 50 Mil­lionen ergeben würde. Da« sei aber Int Hin­blick auf die gegenwärtige Finanzlage des Reiches völlig untragbar. Daß bei der Bewer­tung in einzelnen Fällen gewisse Härten borge» kommen seien, wolle er nicht bestreiten. Eine Lleberprüfung der Einheitswerte für den gegen­wärtigen Zeitraum komme selbstverständlich keineswegs in Betracht, da die stark beschäftigten Finanzämter dieser Aufgabe nicht gewachsen wären. Dagegen würde die Bewertung f ü r den nächsten Zeitraum überprüft werden. Bei der Landwirtschaft erfolge die Lleberprüsung zwangsläufig dadurch, daß der Dewertungsbeirat für jeden neuen Feststellungsraum die Ver­gleich s b e t r i e b e neu zu bewerten habe, wö­bet er übrigen- andauernd bestrebt sei, die Zahl dieser für dte ganze Bewertung maßgeblichen Be­triebe zu vermehren; bei bem städtischen G run dbesitz werde man für den nächsten

Zeitraum ernstlich bemüht sein, von der Zu­grundelegung de- Wechrbeitragswertes als Ausgangspunkt loszukommen. Im übrigen sei es nicht so, wie behauptet werde, daß die Einheitswerte über die Reichsvermögenssteuer hinaus ein weitgehendes Anwendungsgebiet hät­ten. Insbesondere gelten sie nicht für die Renten­bankbelastungen und abgesehen von Sachsen. Mecklenburg-Schwerin und Braunschweig auch nicht für die Grundsteuer. In den Fällen, in denen die Einheitsbewertung 1928 für den Steuer­pflichtigen eine unbillige Härte dqrstelle. werde durch entsprechenden DilligkeitLerlaß entgegen­gekommen werden.

Ministerialdirektor Zarden.

vom Rcichsfinanzministerium trat der Behauptung entgegen, daß bei den landwirtschaftlichen Grund­stücken die Werte erheblich über den Ertrags- werten und den Kaufpreisen lägen. Bei den besten Böden sei eine Senkung, bei den mittleren ein Stehenbleiben und bei den schlechten Böden eine Erhöhung der Werte festzustellen. Der Regie­rungsvertreter wandte sich im übrigen dringend gegen den demokratischen Antrag, die landwirtschaftlichen Betriebe für die Vermögenssteuer mit dem halben Einheitswert anzusetzen, zumal von den übrigen Dermögensbesitzern entfpre« chende Forderungen gestellt werden würden. Das Ergebnis würde schließlich auf eine Halbierung der Vermögenssteuer hinauslaufen. Nach weiterer sehr ausgedehnter Debatte, an der sich die Vertreter aller Parteien beteiligten, wurden sämtliche An­träge bis noch Vorlegung der Denkschrift durch die Reichsregierung zurückgestellt.

Mit den Stimmen der Sozialdemokraten, der Demokraten, des Zentrums, der Bayerischen Volks­partei und tyr Wirtschafts Partei wurde dann eine Entschließung angenommen, die sich für Herab­setzung der Einheitswerte ausspricht, aber nach den Erklärungen des Reichsfinanzministers die Reichsregierung nur ersucht, die erforderlichen Maß­nahmen zum Ausgleich unbilliger HSr- ten mit tunlichster Beschleunigung zu treffen und darüber dem Steuerausschuß alsbald zu berichten.

lichen Schäden, die die neue Reichsgrenze im Westen auch für daS besetzte hessische Gebiet mit sich gebracht hat (z. D. stärkste Absatzverluste in Elsah-Lothringen und im Saargebiet), als eine unbegreifliche Zurücksetzung des Landes angesehen werden, gegen die der Land­tag mit Rachdruck Einspruch erheben muh. Dem besetzten Gebiet Hessens muß ein Ausgleich für diesen Fall werden durch stärkere Berücksichtigung bei der Verteilung sonstiger Fonds. Insbesondere fordert der Hessische Landtag, daß bei der bevor­stehenden, vom Reichstag einaelriteten umfassen­den Hilfsaktion das besetzte hessische Gebiet be­sonders bedacht wird."

Alsdann begründete Abg. W e f p (Zentr.) einen Antrag auf Herabsetzung der Alters­grenze auf 60 Jahre und Erhöhung der Rente der Invalidenversicherung. Der Antrag wurde angenommen.

Ein Bauernbundantrag, der die möglichste Aus­schaltung des überflüsfigenZwischen- Handels bei staatlichen Lieferungen und die be­vorzugt« Heranziehung der hessischen Wirtschaft bel Staatsausträgen verlangt, wird angenommen.

Die Regierung wird ferner ersucht, sich bei der Reichsregierung für eine Zahlung der Wai­senrente wieder bis zum 18. Lebensjahre ein- zusetzen.

Für die Fortsetzung der Sicherungsarbriten am Darmstädter Schloß werden 160 000 Mk. bewilligt.

Gegen die Stimmen der Rechten wird die Re­gierung ersucht, bei jeder Neuregekuna der Löhne der Forstorbeiter die Allgemeinoerbindlichkeit her­beizuführen. Abg. Houry (D. Vp.) beantragt, bei HolzverkSufen durch den Staat wie vor dem Kriege zinslose Stundung bis zum Ende des Rechnungs- jahres zu gewöhnen. Der Antrag wird abgelehnt. Ein abgemitberter Antrag wird der Regierung als Material überwiesen.

Alsdann wird das Gemeindebeamten-' gefetz in zweiter Lefuna verabschiedet.

Als Arbeitgeberdorlehen für Be* omtenwohnungen werden 400 000 Mk. be­reitgestellt.

Alsdann berät man eine Aenderung zum G c -- meindeumlagengesetz hinsichtlich der Filial­steuer.

Abg. Dr. Niepoth (D.Dp.) gibt aus Grün­den steuerlicher Gerechtigkeit die grundsätzliche Be­rechtigung einer Filialsteuer zu. Die Regierunas- Dortage, Die die Filialsteuer auf 100 v. H. der Ge­werbesteuer begrenzt, findet einstimmige Annahme.

Die Regierungsvorlage über vermehrten Schutz der Heilquellen zur Sicherung der Sprudel in Dad-Rauheim und der Entnahme von kohlen­säurehaltigem Quellwosser für die öffentliche Hand wird debatteloS angenommen. Die Regie­rung erhält einstimmig die nachgesuchte Ermäch­tigung, die bereits früher bewilligten Mittel für Maßnahmen der werteschaffenden Er- werbslosenfürsorge im Restbeträge von 1 438 000 Mk. verwenden zu dürfen.

Damit war die Tagesordnung erledigt. Präsi­dent Delp teilte mit. daß die Ausschußarbeiten gleich nach den Osterfeiertagen beginnen werden. Da« Plenum werde aber wahrscheinlich erst nach Pfingsten zusammengerufen Werdern Mit den besten Osterwünschen für die Abgeordne­ten schließt er bann die Sitzung.

Aus alter Welt.

Der Mord auf Schloß Zannowitz.

Die Untersuchung des Mordes auf Schloß Ianno» witz ist insofern in eine neue Phase eingetreten, als das 2anbe9frhninaIpoIUeiamt Berlin auf Er­suchen des Untersuchungsrichters beim Landgericht Hirschberg die Entsendung von Berliner Kriminalbeamten angeordnet bat Krimi­nalpolizeirat Hoops, Kriminalkommissar Günther Braschwitz und ein weiterer Beamter haben sich nach Hirschberg begeben. Noch dem visherigen Stand der Untersuchung erscheint es ausgeschlossen, daß in absehbarer Zeit eine Aufklärung der Iamio- witzer Vorgangs erfolgen Tann. Die Vernehmung des Grafen Christian Friedrich ist zu Ende geführt worden Wie es heißt, hat Graf Christian auch

weiterhin daran festgehalten, daß er am Tode sei­nes Vaters unschuldig sei. Authentische Mitteilun­gen über das Ergebnis der Vernehmung liegen allerdings nicht vor. Nachmittags wurden der jün­gere Bruder des Ermordeten, Graf Karl zu Stol­berg-Wernigerode, und die erwachsene Tochter, Grä­fin Antonie durch den Untersuchungsrichter ver­nommen.

In den Kreis der Ermittlungen in Iannowitz wird folgendes Vorkommnis gezogen: Es haben sich Zeugen gemeldet, die beobachtet haben wollen, wie ein Motorradfahrer etwa eine Halde Stunde vor der Tat ein Motorrad am Bahnhof Iannowitz In Verwahrung gab und nach dem Schloß zu ging. Kurz nach der Tat, als bereits Hilferufe aus dem Schlöße drangen, wollen dieselben Leute beob­achtet haben, wie der Betreffende am Bahnhof wieder fein Motorrad bestieg und in Richtung Hirschbera davon fuhr Einige Zeugen wollen bekunden, daß sie den Betreffenden genau kennen und auch genau misten, daß er i m Schlosse ein- und ausging. Weiter wird berichtet, daß am Freitagnachmittag beim Unter­suchungsrichter ein intimer Freund und Verwandter des verhafteten Grafen Christian, der Grundbesitzer Baron Karl von Haugwitz, erschienen fei unb eine Sprecherlaubnis mit dem Verhafte­ten verlangt habe, die er auch erhielt. Graf Chri­stian habe aber erklärt, daß er ihn nicht spre­chen wolle. Baron Haugwitz erklärte: ,Ich kenne den Grafen Christian gut und empfand es daher als eine Notwendigkeit, ihn zu sprechen. Eines Mor­des halte ich ihn für nicht fähig. Ich glaube eher, daß er irgend eine dritte Person schützt. Ich kann mir auch denken, wer diese Person fein könnte." Einen Namen zu nennen, lehnte der Baron ob.

Schwerer Tornado in den vereinigten Staaken.

Gin schwerer Tornado hat Rord-Carvlina und die benachbarten Staaten heimgesucht und große Verheerungen auf einem 50 Kilometer langen und 400 Meter breiten Geländestreifen angerichtet, der zwischen Wilson und Stantvnsburg liegt. Aus dieser Strecke wurden viele Farmhäufer zerstört. $ie telephonischen und telegraphi­schen Verbindungen sind unterbrochen, und die AutoomnibuSlinien über Land wurden zum großen Teil lahmgelegt, doch kamen keine Men­schen zu Schaden. In Calhoun im Staate Georgia wurde eine Schule während des Unterrichts abgedeckt und zerstört, die Schulkinder konnten jedoch rechtzeitig in Sicherheit gebracht werden. In der Rahe von Gastonviüe wurden verschiedene Gebäude zerstört und fünf Personen verletzt. Die Orte Merillton und Maxwelltown in Alabama find verwüstet und in Merillton über 30 Gebäude zerstört worden. Dabei find zweiPersonen getötet und etwa 20 schwer verletzt worden. In Maxwelltown wurde die Kirche zerstört und ihre Trümmer zum Teil eine halbe Meile weit weggetragen.

Vrobefahrl de»Graf Zeppelin".

Unter Führung von Kapitän Flemming ist das Luftschiff©raf Zeppelin" Freitag gegen 14.30 Llhr nach einer längeren, durch die Gene­ralüberholung des Schiffes bedingten Pause zu einer Probefahrt mit einigen Gasten an Bord «ufgefhegen. Während der Fahrt wurden die Orte um den Bodensee zwischen Konstanz und Lindau berührt. Um 6 Upt lag daS Schiff wie­der in der Halle. Die neuen Einrichtungen, vor allem die neuen Flächenbespannungen am Leit­werk, haben sich gut bewährt. Die Liste der Teilnehmer an der Orientfahrt des »Graf Zeppelin" liegt nunmehr vor. Reben dem preußischen Ministerpräsidenten Braun unb dem Reichstagspräsidenten Löbe nehmen an der Fahrt teil: Ministerialrat Knipser, der württembergische Staatspräsident Bolz, Staats­sekretär Dr. S a u 11 c r, Ministerialdirektor Dr. Staudinger, Minister a. D. Keil. Mini- nisterialrat Staiger vom württembergischen Wirtschaftsministerium, Ministerialrat Dr. Kuesgen. Gräfin Brandenstein-Zep­pelin . Lady Drummond-Ha h, der tourt- jembergische Landtaaspräsident Pflüger, Kor­vettenkapitän Fricke, Kapitän z. See 2an«. Stau Stubtt unb Vertreter der Presse.

Großfeuer auf einem fränkischen Dorf.

3n Pfeffershofen brach in einem Stadel Feuer aus, das sich mit unheimlicher Geschwin­digkeit zu einem verheerenden Großfeuer aus- wuchS und an den Strohdächern reiche Rahrung fand. Insgesamt sind drei Wohnhäuser und vier Rebengebäude ein Raub der Flammen geworden. Sämtliches Mobiliar, Ge­treide, Futtervorräte und landwirtschaftliche Ge­räte usw. sind fast restlos mitverbrannt. Das Vieh konnte gerettet werden, nur einige- Klein­vieh ist in den Flammen umgekommen. Der Schaden ist sehr bedeutend. Man vermutet, daß das Feuer angelegt worden ist.

Ueberfchwemmungen an der mittleren Donau.

DaS Eistreiben auf der Donau oberhalb von Budapest hat fast gänzlich aufgehört. Bei Budapest ist die Donau fast vollständig eis­frei. Die Blätter bringen nähere Einzelheiten über bie äleberschwemmung beiRaghMaros. Danach ist dort die Donau mehr als 5 Meier über ihren normalen Wasserstand gestiegen. Am User stehende Gebäude, Kaimauern, Bäume und andere Objekte wurden von den Eisblöcken glatt wegrasiert. Mehr als hundert HLiser wur­den überschwemmt. Der Üeberflutung ist auch ein Mann zum Opfer gefallen, der von den EiSmassen erdrückt wurde.

vierzehn Bergleute verschüttet.

Sine ungewöhnlich starke Srderschütte- runfl ist morgens gegen 5 älhr in der Stadt Beuchen durch das Zubruchgehen eine- StollenabschnitteS in den unter der Stadt sich hinziehenden Anlagen der Karsten-ZentrumS- Grube verursacht worden. An der Bruchstelle unter Tag wurden 14 Bergleute durch nieder­gehende GesteinSmassen von der Außen­welt abgeschnitten. Den sofort eingesetzten Rettungskolonnen gelang es, sämtliche 14 Berg­leute, von denen zwei einen "Nervenschock erlitten haben, in Sicherheit zu bringen. Während der letzten drei Tage ist die Stadt schon zu wiederholten Malen von ähnlichen Grderschütte­rungen heimgesucht worden.

Generalmusikdirektor Kleiber operiert

Der Generalmusikdirektor der Berliner Staate* oper, Erich Kleiber, mußte wegen einer schwe­ren Blinddarmentzündung schleunigst ove- riert werden. Die Operation ist gut verlaufen. Der Zustand des Patienten jedoch sehr ernst, da zu der Blinddarmentzündung eine Bauchfellent­zündung hinzugetreten ist. Trotzdem hoffen die Aerzte, daß Kleiber die Krisis überstehen wird.

Fünf Todesopfer bei einer Theatervorstellung

Bei einer Vorstellung lebender Bilder in einem Vorstadttheater von Havanna fingen die Kostüme einer Anzahl junger Mädchen, die in dünne leichtbrennbare Stoffe gekleidet waren, plötzlich Feuer: 5 Mädchen verbrannten.

Siebzig Millionen hören Rundfunk.

Im Verkehrsausschuh des Völkerbünde- wur­den mtereffante Zahlen über die Verbreitung deS Rundfunks bekanntgegeben. Danach wird die Zahl der Rundfunkhörer auf der ganzen Welt auf 70 Millionen geschätzt. In Frankreich, Bel­gien, Holland unb Spanien betrug die Zahl der zugelassenen Empfang sapparcte im Vorjahre über 7,1 Million, was einen Zuwachs von 1,4 Millionen gegenüber dem Jahre 1926 be­deutet. In Deutschland wurden zum 1. Ja­nuar d. I. 2 635 000 Personen gezählt, die radio- telephonische SmpfangSapparate besitzen.

Oie Wetterlage.

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22. Marz 1929. T aMs.

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Wettervoraussage

Ausläufer des atlantischen Tiefs haben sich zu einer Depression ausgebildet, deren südliche Spitze heute morgen bis über unser Gebiet reicht. Daher ist es auch bei uns zum Auftreten leichter Niederschläge gekommen. Die Winde werden an ihrer Rückseite allmählich nach Nordwesten umdrehen, dabei gehen die Temperaturen etwas zurück. Im Westen ist das Azurenhoch bis nach dem Festlonde hin vorgeftoßen. Wir können daher wieder mit einer Besserung der Wetterlage rechnen. Die Wolkendecke wird bis mor­gen wieder allmählich durchbrochen, und die Nieder­schläge werden nachlasien.

Wettervoraussage für S .-n. >tag: Wolkig mit Aufheiterung, Temperaturen etwas sinkend, höchstens noch vereinzelt leichte Regen­schauer, westliche bis nordwestliche Winde.

Wettervoraussage für .on^ tag: Teils wolkig, teils heiter, meist trocken.

Lufttemperaturen am 22. März: mittags 13,6 Grad Celsius, abends 7,9 Grad: am 23. März: morgens 6,7 Grad Celsius. Maximum 13,7 Grad Celsius, Minimum 3,7 Grad Celsius. Erdtempe­raturen in 10 cm Tiefe am 22. März': abends -5,3 Grad Celsius; am 23. März: morgens 2,6 Grad Celsius. ~ Niederschlag 0,5 Millimeter.