Ausgabe 
23.1.1929
 
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direkt hinter Den Elefanten her rennen: »Mir zit­ierten oie Hände, als ich das Stativ auseinander- zerrte. Herr Gott, wenn nur jetzt alles in Orb- nuna war. Die Elefanten waren schon unruhig. Ihre Rüssel fuhren Witterung nehmend in bie Luft Wie seltsame Schlangen standen sie hoch aufgerichtet, gleich Wesen von eigenem Leben. Was war mit dem Apparat? Die Hohenkurbel lieh sich nicht drehen. Bei dem raschen Lauf durch den Busch muhte etwas verbogen sein. 3d) stellte, beinahe weinend vor Wut und Aufregung, das vordere Stativbein tiefer, bis ich Die Ele­fanten ins Bild bekam. Endlich konnte ich kur­beln. Es war herrlich. Die Herde kam auf uns zu . 3ch kurbelte immer weiter. Die Ele­fanten stutzten. Einen Moment standen sie tote eine Mauer. Dann ging ein plötzliches Zittern durch die Reihe. Sie mochten kehrt. Ich kur­belte ihre Flucht. Dann sank ich neben dem Apparat zu Boden..."

Bei den Kavirondos, unter denen Roh sich einige Zeit aufhielt, reizten ihn zunächst die Ohrpflöcke zur Filmaufnahme. Die Reger hatten nämlich ihre Ohrläppchen durchlöchert und manche trugen dicke Pflöcke In den Ohren, unter dem Äacken von einem Ohrloch in das andere gescho­ben, ober der Balken lag unter bem Kinn ober auf der Stirn. Aber bei der Großaufnahme fehlt, als er einen Augenblick fortgegangen ist, Plötzlich bie Kurbel. Die Refervekurbel war gebrochen: die Aufnähme stand auf dem Spiel.Es ist fast hoffnungslos, die Kurbel wiederzubekommen, aber ich muh und muß sie haben. Am Ende des Dam­mes zögere ich. Dann laufe ich instinktiv nach rechts ins Schilfdickicht und weih Gott, ba hockt einer und probiert, wie sich die Kurbel als Ohrschmuck macht." Später kurbelte Roh die Länge der Kavirondo-Weiber und vor allem den großen Stiertanz, zu dem die Kavirondos auf ihren Reitochsen angeritten kommen und wobei sie ihren fabelhaften Strauhenfederfchmuck an­legen. Der Tanz der Frauen war ziemlich pri­mitiv:Unter Händeklatschen und Singen kamen sie in einer Art Foxtrott auf mich zu, aber wenn sie bann kehrt machten und ich all bie auf- und abwippenden Schwänzchen vor mir hatte, kostete es Muhe, Ernst zu bleiben." Das ganze Bild aber dieses Tanzfestes machte einen gewaltigen, geradezu märchenhaften Eindruck, der im Film festgehalten werden konnte. fb.

Wirtschafte

Zur Lage der Kunstseidenindustrie.

Es ist in letzter Zeit kein Tag vergangen, an dem nicht neue Rachrichten aus der inter­nationalen Kunstseideindustrie an die Oessentlichkeit gelangt sind. Die Bewegung der Kunstseideaktien an den Börsen, auch an den deutschen, zeigt, daß auch die Spekulations- freife, für die die Kunstseibeaktion stets ein sehr beliebtes Spekulationspapier abgegeben haben, sehr nervös geworden sind. Es dreht sich, wenn man diese Alarmnachrichten auf einen General­nenner bringt, um bie grundlegende Frage, ob der Aufstieg der Kunstseidenindustrie, der In den letzten Jahren in allen Ländern mit Kunstseide- Produktion ein in seiner Art einzig dastehendes Ausmaß erfahren hat, auch weiterhin anhalten wird, wenn auch in beschränktem Umfange, ober aber ob bereits jetzt die ersten Anzeichen eines beginnenden Abstiegs der Kunstseidekonjunktur sich bemerkbar machen. Die Weltproduktion von Kunstseide, die im Jahre 1913 sich auf nur 11 000 Tonnen stellte, stieg bis zum Jahre 1923 auf 47 000 Tonnen, bis 1927 auf 120 020 Tonnen, die Schätzung für 1928 lautet auf etwa 150 000 To. An dieser starken Steigerung find alle Eunftfeibe» produzierenden Länder beteiligt, an der Spitze bie Bereinigten Staaten von Amerika, die ihre Prodicktion von 17 000 Tonnen im Jahre 1924 auf rund 40 000 in 1928 steigern konnten. Deutsch­land erhöhte seine Produktion von 1924 bis 1928 von rund 11000 Tonnen auf etwa 25 000. Eine der kommenden Kunstseideinduftrien, die den Weltmarkt weitgehend beeinflussen wird, ist die italienische, deren Produktion sich für 1928 be­reits auf etwa 30 000 Tonnen stellte. Augenblick­lich liegen die Verhältnisse am internationalen Kunstseidemarkt so, baß zwei Unternehmungen, nämlich die englische Celanese Co. und die ita­lienische Solle Chatillon, einen bestimmenden Ein­fluß haben. Besonders die englische Gesellschaft betreibt, man kann wohl sagen seit ihrer Grün­dung, eine ausgesprochene Dumpingpolitil am Weltkunstseidemarkt, bie bereits zur Folge ge­habt hat, daß der Preis für Acetatseide, Die qualitativ und daher im Preise bisher über der b l'igeren Viscosefei.de gelegen hat, heute fast dem Preise für Viscoseseide gleichkommt. Wenn nun in jüngster Zeit die deutsche Vi?cose-Konven- tion, in der alle deutschen Discofefeideerzeuger

zusammengeschkosfen find. zu dem Entschluß ge­kommen ist, den besteh:nbe.i Preiszwang für ihre Mitglieder aufzuheben, so liegt der Grund einzig und allein darin, aus der Abwehrstellung der deutschen Kunstseideindustrie heraus den Kampf mit den Außenseitern, insbesondere der italieni­schen Soite-Chatillon auf dem deutschen Kunst­seidemarkt, bann aber auch auf bem Weltmarkt erfolgreich aufnehmen zu können. Es ist selbst­verständlich, baß ein solcher Kampf nur einen Sinn hat, wenn er gleichmäßig und gleichzeitig von allen Mitgliedern der deutschen Kunstseide- Konvention betrieben wird. Die Preisbindung der deutschen Kunstseidefabrllen auf Grund der bestehenden Konvention war natürlich für bie ausländische Konkurrenz ein gegebenes Mittel, um mit Erfolg auf den Jnlandmarkt einzudrin­gen. Die Soite-Chatillon hat bisher durch ihre starken Preisherabsetzungen große Absahersolge auch in Deutschland erzielt, ob diese anhalten, muß angesichts der Freiheit in der Preisgestal­tung für die Mitglieder der deutschen Kunst­seidekonvention bezweifelt werden. Anderseits muß man sich jedoch darüber klar fein, daß ein Anhalten der bisher rapide gestiegenen Pro- duktionszisfem der Kunstseideindustrie auch bei gesteigerten Derwendungsmög'ichkrllrn deswegen nicht mehr möglich ist, well die Zahl der Kunst­seide herstellenden Unternehmen in der ganzen Welt sich erhöht hat und weil die großen Kunstfeidekonzeme selbst eine Expansionspolitik getrieben haben, die doch wohl nicht mit der Entwicklung des Bedarfs in Einklang zu bringen ist. Es ist auch fraglich, ob bet den Gestehungs­kosten durch umwälzende Fortschritte in der Technik der Herstellung eine erhebliche Ermäßi­gung erzielt werden kann. Unter diesen Umstän­den kann man die Aussichten nur sehr vorsichtig beurteilen, ein gesunder Optimismus hinsichtlich der Entwicklung durste jedoch nach wie vor be­rechtigt sein.

Kein Uebergang der Aktienmajo­rität von Opel an General Motors. Wie Geheimrat von Opel auf Anfrage des W.T.B.-Handelsdienst erklärt, find die Rach­richten, wonach 51 Prozent des Aktienkapitals der Adam Opel A.-G. an General Motors übergehen sollen oder bereits übergegangen seien, vollkommen aus der Luft gegriffen.

Adlerwerke vorm. Heinr. Kleher A. - G., Frankfurt a.M. In Frankfurt wird ein Zusammenschluß der Aktionäre der Adler­werke erstrebt, die die etwaige Zusammenlegung des Aktienkapitals der Adlerwerke ablehnen.

* Reue achtprozentige Anleihe der Stadt Kassel. Wie die Preußische Staats­bank (Sechandlung) durch den Amtlichen Preußi­schen Pressedienst mitteili, wird die neue acht- prozentige Anleihe der Stadt Kassel von 6 003 000 Mark durch ein unter ihrer Führung stehendes Bankenkonsortium in der Zell vom 24. bis 31. Januar zum Kurse von 93 Prozent zur öffent­lichen Zeichnung aufgelegt werden. Die Anleihe lautet auf Feingolbbasis. ist reichsmündelsicher und wird spätestens bis zum Jahre 1950 in jährlichen Raten zuzüglich der ersparten Zinsen getilgt. Die Stadt Kassel ist berechtigt, vom Jahre 1934 ab eine Verstärkung der Tilgung oder eine Gesamtkündigung der Anleihe vorzunehmen.

Zahlungsschwierigkeiten der Baldur Pianoforte-Fabrik A.-G. Die Baldur Pianoforte-Fabrik A.-G., Frank­furt a. M.,hat bekanntlich in der Generalversamm­lung vom 27. Juni 1928 die Herabsetzung des Aktienkapitals von 505 000 Mark auf 105 000 Mark beschlossen. Diese Sanierung sollte bis zum 30. April d. I. durchgeführt werden. Runmehr ist die Gesellschaft in Zahlungsschwierigkeiten ge­raten. Einer auf heute einberufenen Gläubiger- Versammlung werden verschiedene Vorschläge un­terbreitet werden. Die Bilanz per 31. Dezem­ber 1928 weist einen Verlust von 91 000 Mk. auf.

e Freigabegelder für den Horb deutschen Lloyd. Wie W.T. D.-Handels- dienst hört, ist beim Norddeutschen Lloyd als erste Zahlung aus der amerikanischen Freigabe ein Betrag von etwas über 2 Mill. Dollar ein­gegangen, der im wesentlichen den Gegenwert der von der amerikanischen Regierung beschlag­nahmten Hoboken-Piers nach Abzug der Hypo­thek und der nach gesetzlicher Vorschrift vorläu­fig einzubehaltenden 20 Prozent darstellt. In der Summe sind für Zinsen rund 500 000 Dollar enthalten. Das Verfahren wegen Entschädigung der beschlagnahmten Schiffe nimmt seinen Fort­gang.

Frankfurter Börse.

F r a n k s u r t a. M.. 23. Jan. Tendenz- weiter er­hall. Zu Beginn der heutigen Börse konnte die sich schon an der gestrigen Abendbörse bemerkbar machende Erholung weiter fortsetzen. Ungünstige Momente lagen nicht vor, so daß die erneute Hausse

an der gestrigen Neuyorker Börse, die weitere E r = Mäßigung des Berliner Privatdis­kontsatzes sowie das Eintreffen einiger Orders vom Auslande eine Beruhigung und Befriedigung auslöste. Das Geschäft war jedoch nicht umfangreich und beschränkte sich zumeist nur auf Spezial- werte. Orders von Publikumsseite fehllen fast noch vollkommen, und bei der Spekulation war daher eine gewisse Zurückhaltung nicht zu verkennen. Abgaben von außenstehenden Kreisen lagen kaum vor, und das an den Markt kommende Material fand ohne Schwierigkeiten Unterkunft. Gegenüber der gestrigen Abendbörse gingen die Gewinne zirka bis zu 2,25 n. H. Im Vordergründe des Interesses standen vor allem Elektrowerte. Hier nahm verschiedentlich die Schweiz Material aus dem Markt. Auch Chade- a ttlen büßten 1,50 Mark ein. Am Chemie­markt hatten I.. G.- F a r b e n kleines Geschäft, doch waren diese 1,5 v. H. gebessert. Holzver­kohlung behauptet. Nach dem starken Kursein­bruch der letzten Tage bestand auch für Deutsche Linoleum eher Interesse mit plus 4 v. H. Am Montanmarkt traten H a r p c n e r mit plus 3,25 v. H. stärker hervor. Hier scheint immer noch die gesteigerte Kohlenförderung nachzuwirken, denn ein anderer Grund zur Bevorzugung dieses Papiers war nicht zu erkennen. Die übrigen Werte dieses Marktes waren vereinzell bis 1,5 v. H. fester, teil- weife sogar nur behauptet. Am Automarkt wur­den in Da i m 1 e r Jnteressenkäufe bei einer Steige­rung von 2,4 v. H. vorgenommen. Einige Nachfrage bestand in Nachwirkung der ersten eingegangenen Freigabegelder bei Norddeutscher Lloyd. Weiter für Schiffahrtswerte bei einer Besse­rung bis zirka 1 v. H. Bon B a n k w e r t e n waren nur Reichsbank mit plus 2,5 v.H. bevorzugt. Renten still. Nach den ersten Kursen wurden ver- chiedenttich Realisationen, aber auch weiter kleinere Deckungen der Spekulation vorgenommen, und es traten Schwankungen, die sich in kleinstem Rahmen hielten, ein. Das Geschäft war ziemlich klein, die Kurse blieben gegen den Anfang gut behauptet. Am Geldmarkt mar Tagesgeld zu 4,5 v. H. unver- ändert. Am Devisenmarkt nannte man Mark gegen Dollar 4.2076, gegen Pfund 20 405, London gegen Kabel 4,8498, gegen Paris 124,08, gegen Ma­drid 29,69, gegen Mailand 92,70, gegen Holland 12,0990.

BerUuer Börse.

Berlin, 23. Jan. Schon im gestrigen Abendver­kehr waren Kursbesserungen die Regel. Nach­dem Einzelheiten über die Insolvenz der Berliner Bankfirma G. Löwenberg & Co. bekannt ge­worden waren, betrachtete man die Lage für die Börse etwas ruhiger und schritt zu Deckungen und Rückläufen. Trotzdem war die Nervosität der Börse auch heule noch nicht von der Börse genommen, ob­wohl die Kurserholungen im heutigen Vormittags- verkehr weitere Fortschritte machten. Günstig auf­genommen wurde der Beschluß des Verwallungsrats der Deutschen Reichsbahn G. m. b. H., vor­läufig keine neue Anleihe aufzulegen, auch der feste Verlauf der gestrigen Neuyorker Börse regte an. Die Spekulation blieb aber vorläufig noch recht zurück- hallend, und erst als am Markt das vorliegende Material ziemlich glatt Aufnahme fand, schritt sie auch verschiedenllich zu Deckungen. Die ersten Kurse brachten im Durchschnitt Abweichungen von 1 bis 3 o. H., wobei die Gewinne überwogen. Für den Schiffahrtsmarkt regte die Freigabezahlung an den Norddeutschen Lloyd etwas am Elektrowerte konnten sich bis zu 5 v.H. bessern, wobei Schweizer Käufe angeblich eine Rolle spielten. Die Führung hatten hier Bergmann, RWE. und S ch u tf e r t. Sonst waren noch Kunstseiden- a k t i e n 5 resp. 7 o. H. höher, und von Nebenwerten Daimler, Stöhr, Deutsche Atlanten stärker gesteigert. Durch schwache Haltung fielen Maxirnilianshütte mit minus 3 v. H. und Berger mit minus 5 v. H. auf. Deutsche A n - leihen ruhig. Ausländer uneinhelllich. Bos- nier, Anatolier und Mexikaner aber schwächer. In diesem Zusammehang ist auf eine starke, angeblich englische Nachfrage für Diamond Sher (23 bis 24) hinzuweisen, wobei man von einer Fusion mit einem Unternehmen einer verwandten Branche sprach. Pfandbriefmarkt ruhig, ßi- quidationspfandbriefe und Anteile eher schwächer. Der Geldmarkt lag bei unveränderten Sätzen weiter leicht. Tagesgeld 3,5 dis 6 v. H., Monatsgeld 7 bis 8 o. H., Warenwechsel etwa 6,25 v. H. Im Ver­laufe kam die Nachwirkung der schwachen letzten Tage mehr zum Ausdruck. Die Umsätze ließen erheblich nach, das Geschäft beschränkte sich nur auf berufs­mäßige Spekulation. Ablösungsschuld für Neubesitz wurden im Verlaufe bei steigenden Kursen lebhafter gehandelt. Auch sonst konnte man erneute Kurs­gewinne bis zu 3 v. H. feftfteüen. Svenska plus 3 Mk.

Franksurtor üfctrcit^tsönc.

Frankfurt a.M. 23. Jan. Am Produkten, markt war zum heutigen Hauptmark die Tendenz

weiter feft Das Geschäft blieb jedoch ziemlich fleht Die höheren Auslandnotierungen boten jedoch eine Anregung, so daß die Händler in einzelnen Ge- treidearten zu größeren Deckungen schritten. Ver­mehrtes Interesse bestand für Weizen, sowie Weizen­mehl. Auch Roggenmehl war im Einklang hiermit etwas gefragt, während Roggen selbst eher vernach­lässigt blieb. Am Futtermittelmarkt war noch Inter­esse für Roggenkleie und für Mais für Futter­zwecke vorhanden. Es wurden notiert: Weizen 24. Roggen 23,50; Sommergerste für Brauzwecke 24,50 bis 24,75; Hafer, inländischer, 23,50 bis 23,75; Mais (gelb) für Futterzwecke 23,50 bis 24; Weizen mehl, suddeutsches, Spezial 0, 33,50 bis 34; Rogaen mehl 30,50 bis 31,25; Weizenkleie 14; Roggenkleie 14,75 bis 15 Mark. Tendenz: fest.

Bücheriisch.

Gotthold Ephrairn Lessi n g.Den!- inäler der Deutschen Dichter-Gedächtnis-Stiftung". 63 Seiten 8°. Kartoniert 0,60 Mark, Ganzleinen 1,50 Marl

H. älnikvwer: Der Rhythmus im deutschen Wort. Eine naturgemäße Begrün­dung oer deutschen Rechtschreibung. 34 Sellen 8°. Verlag von Adolf Bvnz & Comp., Stuttgart 1929. Preis 80 Pf. (13)

Eingesandt.

(Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Vera:llwortung.)

Zur Umlegung

der Müllabfuhr, und Sttaßevreinlguvgsgebühre».

Angeregt durch die von juristischer Seite in Nr. 13 desGießener Anzeigers" vom 16. Januar gemach­ten Ausführungen fei mir als alteingesessenem (Bie- ßener gestattet, kurz einiges über die geschicht­liche Entwickelung der Müllabfuhr und Straßenreiniguna auszuführen.

Aellere Gießener dürften sich wohl noch ent­sinnen, daß frittier auf jedem Grundstück eine Müll grübe ober eine sonstige Vorrichtung vorhanden war, in die der in den Haushaltungen aufkommende Müll entleert wurde. Von Zeit zu Zeit ließ der Hauseigentümer den angesammelten Müll auf eigene Rechnung entleeren. Später übernahm dann die Stadt die Abfuhr des Mülls in eigene Regie. Daß von feiten der Stadt die Arbeit ohne ©egenteiftung übernommen wurde, ist wohl nicht anzunehmen, jedenfalls wurden die entstandenen Unkosten in bie allgemeinen Abgaben einkalkuliert. Der Hauseigen­tümer wiederum hielt sich dadurch schadlos, daß er die Mieten entsprechend höher festsetzte.

Aehnlich ist die Sachlage bei der Straßenreini­gung. Auch hier dürften sich die älteren Gießener erinnern, daß früher die Reinigung der zum An­wesen gehörenden Straßenanteile durch den Haus­eigentümer erfolgte, bis dann die Stadt diesem bie Arbeit abnahm. Die Kosten hierfür sind wiederum in die allgemeinen Abgaben einkalkuliert worben, während der Hauseigentümer sich durch Höherfest- setzung der Mieten entschädigte.

Jedenfalls wurde beiden Punkten bei der Fest­setzung der Mieten vor dem 1. Juli 1914 hinreichend Rechnung getragen. Da sich nun die heutigen Miet­preise auf bie am 1.3uli 1914 gültigen Friedens­mieten aufbauen, trägt also meiner Auffassung nach der Mieter bereits die Kosten der Müllabfuhr und Straßenreinigung.

Ich weiß nicht, ob die Stadtväter, die io zum großen Teile feine alteingesessenen Gießener sind, diesen Umständen bei bem bekannten Stadtverord­netenbeschluß Rechnung getragen haben. Jedenfalls erscheint es grotesk, wenn nun auf einmal eine Ortssatzung beschlossen wird, wonach neben der 120prozentigen Friedensmiete die Umlegung der genannten Gebühren, die nun aus den allgemeinen Abgaben herausgenommen und als besondere Ge­bühren erhoben werden, erfolgt. Mit dem gleichen Recht könnte dann auch ein Beschluß herbeigefuhri werden, daß die Kanalreinigungsgebuhr ebenfalls umgelegt wird, denn hier liegt der Sachverhalt ebenso wie bei der Müllabfuhr und Straßenretm- gung. Ich erinnere nur die alten Gießener an die berühmten Tonnen", die früher die Winkel zwi- schen den Häusern schmückten. Diese mußten die Hauseigentümer durch einen Oekonomen abfahren und entleeren lassen.

Ich hätte eigentlich von unseren Stadtvatern er­wartet, daß sie das ohnehin bestehende gespannte Verhältnis zwischen Hausbesitzer und Mieter nicht noch durch die Umlegung von Steuern und @e> bühren unerträglicher gestalten, um so mehr, als sich sicher ein Weg gefunden hätte, die erhöhten Müll­abfuhr- und Straßenreinigungsgebühren in die all- gemeinen Abgaben einzubeziehen.

Ein alteingesessene rGießene rMiet er, dessen Großvater und Urgroßvater selbst Hauseigentümer waren.

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ifübtten Zistern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. ReichSbankdiSkont 6,5 Prozent, Lombardzmsfuß 7,5 Prozent..

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Schwedische Noten Schweizer Noten

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22. Januar

23. Januar

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Amtliche Geld

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1,774 69.495

Geld

Briet

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112.04

112.14

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112.26

112,36

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112,01

114,10

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41.91

10,592

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Belgrad

7,375

7.389

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7,394

Sntajxft

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73,43

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Lissabon

18,37

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Daniig . Pnnftautia.

51,46

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SUben

5,435

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20.907

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Berlin. 22. Januar

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Br«'

Sruerilatttiche No«» .....

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Belgische Nmen .......

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Dänische Note« .......

111.88

112.32

Englische .......

20.366

0.446

Äni9t!i1 k-S- -U-

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Don unser« Berlin. 24.3 Die OeslenMlett und Menge Au wirtschast aus Mnn auch ovl bayerischen 2aue lind, eine gewiss der Hot der Det< nötige Mrhandn bei der Landwir nickt um ein b um eine nahmen zugunste des andern Ae Auswirkung schastlichen u handelt, unter öei doch die Klagen tigt.

Die Verhältnis! sich die Landwii allen anderen bei Periode und noch hat es lmsängiil sachlich Unterricht nid für die spes legenden Derussst wände insbesonde Leite säst niemc widerlegt werde die Entschuli des ges amte Inflation,; bei pflegender i : Reihe von Jahr feil hätten schaf wand, der besc und großen lar hoben wird - billiger QIntyrud allein von a DoMgsausmaß i .Rentner, Hausbi ben 80 bis durch Inflation,1 tungsgeseh usw. leit als Kriegskc wie kann der hm sein Perm und Boden in Umsange erhalt rechtzeitig einen Uhes verkau ans dem Ausla, ;nwckgeströmten und Lauernstelle genug in der H iungsschulöen aw uurchzuführcu uni Ä

-«r Einwand wäi u-chtdieKap ?"°°ndu ik'egsbesihes in tzals. also etw Me. wenn die Mo mit der § »*

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Bas- Unb der N 1927 h°°n etr NjU. , ej. Xn,,QnbiDirti, f'tt ^^stellt

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