Ausgabe 
22.11.1929
 
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staates cnrgestrebt zu haben. Sie soll in Ver­bindung mit der Petljura-Zentrale in Polen, sowie einigen Vertretern von Aus­landstaaten in der Likraine gestanden haben. Die Leiter und Mitglieder der Organisation wurden verhaftet und werden demnächst vor dem Obersten Gerichtshof der Ukraine abge- urtellt werden.

Oie Reichsreform.

Dr. Poctzsch-Hesster über den Weg zum Einheitsstaat.

Berlin, 21. Rov. (WB.) 2m Rahmen der Vorlesungen der Verwaltungsakademie sprach der sächsische Ministerialdirektor und aktive Mit­arbeiter an der Landerkonferenz Dr. Poehsch- Heffter über den Einheitsstaat. 3n einer ein­gehenden Darstellung der historischen Entwicklung zeigte er, das) neben den hündischen Elementen und den preußischen Hegemoniebestrebungen die Idee des einheitlichen Rational­staates sich immer durchgesetzt habe. Seit 1918 feien die Länder nicht mehr erfüllt von einer S t aa ts id ee , sondern lediglich von einer rei ­nen Derwaltungsaufgabe, und nur die äußeren, überalterten Formen täuschten heute noch über diese Tatsachen hinweg. Er ging dann auf die Schwierigkeiten und auf die verschiedenen Vorschläge ein, wobei er auch auf den Gedanken des ehemaligen Reichsministers Koch-Weser, einen dezentralisiertenEinheitsstaat zu schaffen, hinwies, der aber an dem Wider­stand Preußens gescheitert sei. während der Vorschlag des ehemaligen Reichskanzlers Lu­ther ebenfalls auf politische Widerstände stieß. Demgegenüber versuche die Landerkonferenz einen Weg zu finden, dessen elastisches System auf die besonderen süddeutschen Ver­hältnisse Rücksicht nehme. Abschließend wies der Vortragende darauf hin, daß in den Arbeiten der Landerkonferenz ein ungeheurer gedanklicher Fortschritt enzielt sei, daß aber der politische Wille zu einer Reichs­reform noch der Stärkung bedürfe.

Das Ergebnis der Länderkonferenz.

Keine Klärung.

Berlin. 22.Rov. (Pr.^T.) Die Anfang die­ser Woche veranstaltete Tagung des Llnteraus- schusscs des Verfassungsausschusses der Länder- konferenz hat trotz der durchgeführten Abstim­mungen im Grunde genommen die äußerst schwie­rigen Probleme noch lange nicht zur vollkom­menen theoretischen Klarheit gebracht. Völlig unklar ist noch, wie die Länder sogenann­ter mittlerer Ordnung, also Thüringen, Hessen usw., praktisch gestaltet werden sollen, und vor allem ist die hochpolitische Frage noch unübersichtlich, welche Derwaltungsselb- ständigkeit den Ländern der alten Ord­nung, also Sachsen, Bayern, Württemberg und Baden, und welche Souveränität ihnen zu­kommen soll. Wie groß die Vertoirrung ist, zeigt die Tatsache, daß bei der Abstimmung über den Artikel 1 des Gemeinschaftsreferates der baye­rische Ministerpräsident Held, der Reichspost­minister Schätze! und der Reichsfinanzminister Dr. H i l f e r d i n g zu den Opponenten gehörten. Rein sachliche Bedenken sollen den Finanzminister auf die Seite seiner bayerischen Kollegen in diesem Cinzelfall geführt haben. Erst spätere Konferenzen werden eine wirkliche Klärung der Kräfteverhältnisse bringen.

OerKampf um dieRückgave des deutschen Privateigentums in England.

Gchahkanzler Snowden berust sich auf den Houngplan.

Conbon, 21.Rov. (1BB.) 3m Unlerhause nahm Schahkanzler Snoroben in einer langen Erklä­rung zur Frage der Verfügung über dasbeschlag- nahmle beutsche Privateigentum Stel­lung. Er erklärte, er habe ben Rat derbritischen Sachoer ständigen im Houngausschuß eingeholt, unb es sei ihm mitgeteilt worben, bah bie Frage der Verfügung über bie lleberschüsse aus bet Liquidation des deutschen Eigentums von den Aus- schuhsachversiändigen in Paris eingehend erwogen worden sei. Es sei die Absicht der britischen Sachver­ständigen wie aller anderen Gläubigerländer ge­wesen^ daß bie lleberschüsse aus bet Liquidation die­ses Eigentums im Einklang mit dem Vertrag von den in Frage kommenden Gläubiger­mächten zurückbehalien werden sollten. Rur auf Grund dieser Verständigung hätten sie elnge- roiUigt, eine Herabsetzung der deutschen Ver­pflichtungen zu befürworten. Die englische Regierung sei der Ansicht gewesen, dah die Zurückbehaltung des Ueberschusses von 14 Millionen Pfund Sterling aus dem Ertrage des liquidierten Eigentums einen u n - trennbaren Teil des Sachoerständigen- planes bilde, und dah unter keinen ll m - ständen auf kosten Englands irgend­einer Aenderung des Planes 3 u ge- ftimmt werden würde, wie sie die Zurückerstattung irgendeines Teiles dieser Summe an die deutsche Regierung in sich schliehen würde, wenn der Zoung- plan endgültig angenommen wäre, würde die Regierung das deutsche Eigentum in seiner Gesamt­heit oder Ansprüche im Werte von über 10 Mil­lionen Pfund Sterling freigegeben Haden, einen weit größeren Betrag, als irgendwelche Summen, die, wie er glaube, vor irgendeiner anderen Gläu­bigerregierung freigegeben worden seien oder wahr­scheinlich freigegeben werden würden. 3m Hinblick auf die £ a ft e n, die der britische Steuer­

zahler infolge des Krieges fragen solle, sei er der Ansicht, dah der Verzicht auf diese Ansprüche bas höchste Mah von Freigiebigkeit barffelle, bas zu rechtfertigen sei, und nach seiner Meinung verleihe dieser Verzicht in größtmöglichem Umfange den von ihm in einer Stellung von ge­ringerer Verantwortlichkeit geäußerten Wunsche, dah diese Vertragsbestimmungen schliehlich fallen gelassen werden möchten, Wirksamkeit.

Oie Unverletzlichkeit des Privateigentums. Der Kampf um ein Prinzip.

London, 21. Rov. (WB.) Ein gestern von derTimes" veröffentlichter Brief des Unter» Hausmitgliedes Clement Daves hatte an der Bewegung zugunsten der Rückgabe des Ueber- schussä aus der Liquidation des deutschen Pri­vateigentums abfällige Kritik geübt. Heute er­widert das Llnterhausmitglied 2an MacPher- s 0 n in einem ausführlichen Schreiben, in dem er Urteile von hervorragenden 2uristen, wie Lord Birkenhead und Lord H a l d a n e , über die Unverletzlichkeit des Privat­eigentums in Kriegszeiten anführt und dazu bemerkt: So gewichtig diese juristischen Gut­achten auch sein mögen, so ist doch mein Aufruf aus anderen und, wie ich glaube, höheren Er­wägungen heraus erfolgt. 2m Friedensvertrag ist vorgesehen, dah die deutschen Privatpersonen von ihrer eigenen Regierung ent­schädigt werden sollen. Das ist aber bei der Höhe der Reparationsleistungen nicht m ö g - l i ch. Erwägungen der Gerechtigkeit und der Zweckmäßigkeit erfordern, daß zum minde­sten der Ueberschuh des Erlöses der Li­quidation den deutschen Eigentümern zurück­erstattet wird.

Aus aller Welt.

Verschlechterung im Befinden Elömenceaus.

Clemenceau wurde Donnerstag früh von einem plötzlichen Unwohlsein befallen. Vormittags traten heftige M a g e n s ch m e r z e n auf. Der Arzt stellte fest, daß bas Befinden wenig zufrieden­stellend sei und gab eine Morph iurnein- spritzung. Er erklärte später, es sei e i n e e r n st e Krise eingetreten, da die Morphiumeinspritzung keine Erleichterung brachte. Am frühen Nachmittag wurde eine Kampfereinspritzung gemacht. Am Nachmittag wird eine Besprechung der behan­delnden Aerzte stattfinden.

Die Rordpolfahrl desGras Zeppelin".

Dr. Eckener teilte in einer Besprechuna über die Vorbereitungen für die Nordpolfahrt des Luftschiffes Graf Zeppelin" mit, daß zur Zeit noch keine Einbauten im Luftschiff vorgenommen werden. Das Schiff steht noch voll unter Gas. Auch während der Einbauten sollen nur die Zellen entleert werden, bie bei den Arbeiten hindernd wirken könnten. Ueber

die Veränderungen, die im Innern des Luftschiffes vorgenommen werden sollen, kann noch nichts Be­stimmtes beschlossen werden, da alles von den wei­teren Verhandlungen mit dem in Frage kommenden Hauptversicherer abhängt. Man rechnet damit, daß in etwa 14 Tagen die Frage der Versicherung des Luftschiffes gelöst sein wird. Bis zu diesem Zeit- puntt wird der Chef der englischen Versicherungsge­sellschaft, der British Aviation Insurance Company in London, Kapitän Lamplugh, in Friedrichs­hafen erwartet. An die Lösung der technischen Fragen kann erst gegangen werden, wenn die Versicherung abaeschlossen ist. Der Luftschiffbau Zeppelin, der auf das Fahrtunternehmen keinen Ein­fluß hat, sondern lediglich bas Luftschiff an bie Aero-Arktik vers chartert, übernimmt nur die Ausgabe, das Luftschiff in den Zustand zu ver­setzen, der für eine solche Fahrt erforderlich ist, und stellt außerdem eine erfahrene Mannschaft. Alle anderen Fragen, auch die Versicherung, gehen

die Aero-Arktik an; sie vergibt auch die Presse­rn 0 n 0 p 0 I c. Sobald bie Dersicherungsangelegen- heit erledigt ist, wird mit den Ginbauten begonnen, bie bis Anfang Februar 1930 beendet sein müssen. Mitte Februar werden die ersten Probefahrten unternommen. Während des Winters sollen keine Fahrten ausgeführt werden, bie etwa der Erkundung der Einwirkung der Kälte ober anderer Witterungs­einflüsse bienen könnten, da solche Erfahrungen be­reits zur Genüge gesammelt sind und bie statistischen Aufzeichnungen hierüber restlos Aufschluß geben.

Die Baupläne für bas neue Luftschiff L. Z. 128.

D i e neue Zeppelinhalle ist in ihrem Rohbau vollendet; das westliche Tor geht ebenfalls seiner Vollendung entgegen. Bis Mitte nächsten Monats wird die Halle ihrer Bestimmung übergeben werden können. Anfang nächsten Monats wird mit dem Bau des neuen Luftschiffes L. Z. 128 begonnen, dessen Pläne bereits fertig gestellt sind. Das neue Luftschiff wird im Frühjahr 1931 fertig sein und im Sommer bereits seine großen Fahrten antreten. Nach den Bauplänen werden die Passagierkabttien und der Salon nicht mehr in bie vordere Gondel aufgenom­men, sondern in den Jnnenraum des Schiffes, unb zwar in seine Mitte, gelegt werden. Die Dorder- gonbel, bie kleiner ausgeführt wird, dient nur noch als Führer- und Navigationsftand, gewissermaßen als Kommandobrücke. Im übrigen wird der äußere Anblick etwa der gleiche fein wie beimGraf Zeppe­lin", nur wird der Schiffskörper etwas gedrungener erscheinen.

Banbitenüberfall auf ben Orienkexpretz.

Ein Bericht aus Z a r i b r 0 d (Südslatvien) teilt mit. daß der Orient-Expreß auf dem Wege von Konstantinopel nach Paris zwi­schen der serbischen Grenzstation und Zaribrod von Banditen angegriffen worden ist. Rach Darstellung desTimes"-Korrespondenten ist der Zug mit Bomben beworfen und aus Gewehren und Revolvern heftig be­schossen worden, er hat aber dennoch, wenn auch mit beschädigter Maschine, d i e Station Zaribrod erreichen können, wo dann fest- gestellt wurde, dah niemandverleht worden ist. Der Anschlag wird einer bulgarischen Räuberbande zugeschrieben, die über die jugoslawische Grenze gekommen sein soll.

Reue Briefe des Düsseldorfer Mörders.

Der Düsseldorfer Mörder hat der P f l e g « m u t - t e r der von feiner Hand ums Leben gekommenen fünfjährigen Gertrud Aldermann, einer Frau Wiese, zwei Briese geschrieben, in denen e' die Ermordung des Kindes in allen Einzelheitc, schildert. Frau Wiese unternahm, als sie die Briefe gelesen hatte, einen Selbstmordversuch. Bon ben beiden Briefen enthält der erste und längere b i c genaue Schilderung de r Tat. Er beginnt mit Versen, bann fällt der Schreiber in einen bra- matischen Dialog. Rede unb Gegenrede werben an­geführt, unb bann wird ber UeberfaU auf bas Kind in allen Einzelheiten geschildert. Das zweite Schrei­ben ist in seiner Wirkung womöglich noch entsetz­licher. Es ist ein Liebesbrief an bas tote Kind, ge­trieben von bem Mörber. Diese Briefe werden zur Zeit von den Schriftsachverständigen untersucht.

Großes Aufsehen erregte in Budapest auf der Arenastraße eine Frau, die in ber Mitte des Fahr- bamms laut zu schreien begann unb rief:Hier i st der Düsseldorfer Mörder! Er steckt in Frauenkleibern. Ergreift ihn!" Dabei zeigte sie auf eine in der Nähe stehende Frau. Den herbeigeeilten Polizisten erzählte die aufgeregte 5rau, sie sei von der betreffenden Person in deutscher Sprache angesprochen unb gebeten worden, einen Spa­ziergang in das nahe Stadtwäldchen zu unternehmen. Die unbekannte Person hätte auch über Düsseldorf

Helene Böhla».

3u ihrem 70. Geburtstage.

Von Hanns Martin Elster.

Aus der Harmonie einer seligen Kinderzeit im Frieden eines von einer glücklichen Che durch­wärmten Elternhauses wandert die werdende Frau und Dichterin auf die Kampfplätze des Le­bens und der Liebe, des Weibtums und der Geistesfehnsucht. 3n reifenden 2ahren überwindet sie die Gefahren und Röte des Streites in steter innerer Läuterung zur Weisheit empor und kommt wieder jener Harmonie des Kinderpara- dieses nahe. Helene Döhlaus Lebensweg. Er spiegelt sich in ihren epischen Dichtungen, die Über die Offenbarung des 2ndividuellen hinaus Zeitausdruck werden, und dadurch sowie durch ihre formale Kraft von höherer Bedeutung sind, als manches mit größerem Ehrgeiz unter­nommene Werk.

Festgebunden war die 2ugend in die patrizisch- philistriösen Formen eines bürgerlichen Be­hagens in einer mittelgroßen thüringischen Landstadt, in Weimar. Wohl I^bte eine leise literarische Atmosphäre um das alte Derleger- und Druckerhaus. Aber durchaus zeitabgewandt, rückwartsschauend. erstarrt mit Traditionsange- boten. Richts beutet: in der ererbten ehrbaren Gesetzlichkeit daraus hin, daß jedes 2ndividuum seine Gesetze und seine Zukunft in sich trägt. Wohl ahnte die Weisheit der Großmutter diese Men­schenbestimmung. aber der Ettern Wille erkannte sie nicht an: für ihn gab es nur das Herkömm­liche und Festgelegte strengen Diedermeiertums. 2edes Temperament mußte die Fesseln sprengen. Kaum regte sich im wachsenden Mädchen eigenes Fühlen, Denlen. Beobachten, setzte der Kampf ein. Er konnte bei der Willenskräftigkeit des seelisch-geistigen Triebes nur mit einer Los­lösung aus dem Elternhause enden. Ein wvhlge- fühltes, tieferlebtes Paradies ging verloren: die süße Kindheit ward abgetan und ward nun nur geistiges Eigentum im 2nnern der Dichterin, verlangte nach Gestaltung schon aus Sehnsucht heraus, die sich in stillen Stunden verlorene Tage zurückrief. Die erstenRatsmäde l"- unb Altweimargeschichten" entstanden unb führten bis zum Jahre 1903 mit dem letzten BandeDie K r i st a l l ku g e l". Sie malten in süßer Traumverlorenheit, sich selbst abschlie­ßender Heiterkeit und Humorhafter Freude am Tatsächlichen, am Gegenständlichen, natürlich in Sprache und Ton und immer voll Bestreben, der Wirklichkeit treu zu bleiben, ein Bild von der Biedermeierzeit, den Grobmuttertagen, da Goethes hohe Greisengestalt noch durch Weimars Straßen schritt unb von der eigenen Lügend aus der Perspektive eines durchschnittlichen Dürger- lebens heraus, wie es reizvoller, wahrhafter und sonniger in deutscher Literatur nicht wieder ge­geben worden ist. Ganz in der Denkweise:Das einzige was auf Erden das Herz ruhig und glücklich macht, ist: gut miteinander sein."

Gut miteinander sein hier bejahte die Seele der jungen Dichterin stets. Ohne aber allein

davon erfüllt zu sein. 2hr Leben über Güte hinaus zur Größe zu entwickeln blieb geheimster Trieb. Die romantische Rtehschesehnsucht nach dem 2deal und dem Liebermenschen gebar in der Stunde der Liebe den Konflikt mit der Kompro- mißler-k und der feigen Alltäglichkeit beschränk­ten Bürgertums. Die geistige Entwicklung sand Bestätigung in einem Mann, der nun Lebens­erfüllung ward. Die Dichterin errang nach lan­gen Kämpfen, unter völliger Loslösung von Weimar das Glück der Che mit Omar al Raschid Bey in Konstantinopel und verlebte dort und in München die reifenden 2ahre, die vollends die Augen öffneten über Welt und Menschen. 2hres Mannes Seist bot sie der Welt nach seinem Tode dar in seinem WerkDas hohe Ziel der Er­kenntnis Aranada üljsanishad" (1912).

Sie sieht nun hinter die Dinge und Erschei­nungen in das Wesen des Seins bei steter Treue gegen die Wirklichkeit. 2hr warm durch­bluteter Realismus wird symbolisch durchädert. 2mRangierbahnhof", ihrem künstlerisch besten Roman, gibt sie ein Zeit- und Kulturbild von menschlichen Gehaltes und ein seelisches Selbstbildnis mit dem Begehren über alle Milt.ck- mähigkeit hinaus, zugleich auch den scharfen Widerspruch zwischen Che und Beruf auf dem Hintergrund anschaulich gezeichneter Münchener Künstlertums und lebenswahr gestalteter ästh.ti- scher Direklionslosigkeit in g.schlossen komponier­ter Handlung unb treffsicher charakterisierten Menschen.

Die Rot der künstlerisch arbeitenden Frau, deren Leben unter dem Zwiespalt von Che und innerem geistigen Trieb zum Leiden wird, wirft nun auch Helene Döhlaus, die von Haus aus so fest in Heimat, Familie und Gesundheit ver­wurzelte, sachlich denkende Ratur, aus ber Dahn ruhigen Wachsens. Einflüsse nur zeitlichen Lite­ratentums machen sich fühlbar. Die Dichterin kommt in verschärfte Kampfstellung zu ben Er­scheinungen des Lebens und der Zeit; die als Erbin kulturvollen Dürgertums in denRats- mädelgeschichten" einst so Gerechte wird unge­recht: gegen den Mann, die Gesellschaft und ihr eigenes Geschlecht. 2n ihr wühlt stärker und stärker dasGift, das Llnzufriedenheit, Freud­losigkeit, Kraftlosigkeit, der große hoffnungslrse Druck des Lebens aus uns herauspressen", die Zeiten der jungen Liebe sind vorüber, und das Sichsügen in die Zeiten der Pflichten will noch nicht gelingen. 2mRecht der Mutte r, imHalbtier" bäumt sich nochmals wie einst gegen die 2ugendwelt ihre Seele auf gegen die Fesseln des wirklichen Lebens. Die romantischen Elemente geraten wieder mit den bürgerlichen in Streit. Unmöglich können aus solcher Stim­mung txinc Kunstwerke entstehen: die Tendenz siegt, wodurch zwar 2ntereffc erweckt wird, aber nicht tieferes ®tlcb:n und W.ltüberschauen. Man sieht eine Seele in zweiter Gärung, verliert aber nie den Glauben an sie.

Er wird immer neu bestätigt, sobald das Auge wieder der Weimarer Welt sich zuwendet, oder der Traum der Liebe abermals sich ausspinnt: in wundervollen Roveilen, in Denen nur Die

Seele und bie Güte regieren, neben denen die wilde Verbitterung ' s Lebensverpassens in den Verspielten Leuten" ober in den Schlimmen Flitterwochen", wo der Mann zum Sklaven der Frau wird, seltsam kontrastiert.

Aber diese Dichterin wäre nicht die starke Persönlichkeit, die sie ist, hält: sie sich nicht freiringen können. Sie findet den Weg zur Har­monie zurück imHaus zur Flamm'". Ein­zelne Flammen aus verlassener Höllenglut flackern noch herüber, aber schon strahlt erobertes seeli­sches Glück Glanz über Welt- und Menschheits­betrachtung. Der Zorn gegen den Mann, die Gesellschaft und die Blutgebundcnheit eigenen Wesens ist verebbt und hat sich zu gerechter An­erkennung der tatsächlichen Lebensvedingungen in Weltanschauungshumor gewandelt. Der Pessi­mismus wird überwunden, und die Wohnung des Lebens wird zum idealen Heim, in dem die Weisheit herrscht. Wundervollstes Dichtertum eint sich reifem Menschensein. Die Sprache hat sich zu Einfachheit verklärt und beruhigt das Belebteste oft feierlich. Rur noch das Wertoollste des Lebens wird gegeben: aus einer warmen Mütterlichkeit heraus. Der Deruf der Frau: die Gemütswerte als Aufgabe und 2nhalt ihres Seins werden bejaht aus vornehmen Herzen. Die Kräfte des Gemüts sind zum Künstlerischen erhoben. Der Adel der Seele ist erreicht.

Run ist die Dichterin auch int Besitz der Kraft, ihr eigenes Leben zum Kunstwerk zu erheben: in Isebies". Fast alles Gegenständliche ist den erlebten Tatsachen nachgestaltet als der Dich­terin Selbstbiographie in Romanform und mit veränderten Ramen. Aber doch nicht etwa nur eine anekdotische Wiedergabe ihres CrdenwegeS, sondern ergreifendste Deichte von der Entwick­lung einer reinen, edlen Frau, die allen Erschei­nungen des Lebens gegenüber aufrichtig und treu gehandelt und in aller Rot und in allem Streit doch beseeligend erkannt hat, was die eigentliche Destimmung der Frau ist, die Liebe als Liebende, als Mutter. Milde erstrahlt von den mystisch durchwebten Gedankengängen aus, eine Milde, wie nur eine Frau sie besitzt, die das Leben kennt und es überwunden hat. Dieser Humor, diese Milde bestimmen fortan ihre mo­dernen Romane, wieDie leichtsinnige Ehe liebste" (1925),2 m Garten der Frau Maria Strom" (1926).

Helene Döhlau gehört als Persönlichkeit, mit ihrem dichterischen Gesamtwerte zu den großen Dichterinnen unserer Zeit... Sie steht ebenbürtig neben einer Cbner-Eschenbach und Ricarda Huch. Sie wird immer zu den großen deutschen Frauen zählen, weil sie wie kaum eine zweite Dichterin die Seele der^ deutschen Frau edel und wahr verkündet hat. wie ist eine Fortbildnerin vornehmsten weimarischen Frauentums, in dem sich Der Ade! des Herzens einer Frau Rat, der sie als ihre letzte Gabe reiner Verehrung das stimmungsvolle Romanb'.ld ihrer 2ugend,Die kleine Goethemutter" (1928) spendete, mit der Kultur des Geistes einer Herzogin Anna Amalia vereinen. 21jc bisheriges Werk gibt

Den Wunsch ein, daß es in einem Altersbuche noch Den krönenden Abschluß finden möge, den die Weisheit dieser Seele verspricht.

$rau im Mond" ein Film.

Das Motiv ist alt. Man denkt zuerst an Jules ^Lerne. Dann auch an den minder bekannten, vor etwa dreißig Jahren erschienenen, ausgezeichneten Marsroman von Kurd Laßwitz, der heute wieder eine damals kaum geahnte Aktualität erreicht. Der Ge­danke des Weltraumschiffes, der Ueberwindung der Erdschwere, der Erreichbarkeit der Stratosphäre und eines uns umgebenden Planetensystems ist ja mit den neuesten Raketenversuchen zum mindesten wieder ein greifbares Diskussionsthema geworden. Der Ufa­filmFrau im Mond", nach dem Manuskript der Thea v. H a r b 0 u von Fritz Lang mit einem großen Mitarbeiterstabe filmisch inszeniert, überträgt die Idee aus den enggezogenen Vorstellunasgrenzcn des geschriebenen Wortes ins Bildhafte. Man wird zuaeben müssen, daß der Versuch im großen ganzen auf eine imponierende Weise gelungen ist. Auch wenn man Bedenken,Einwände, ungelöste Fragen mit nach Hause nimmt, sie beziehen sich doch wohl nur auf Einzelheiten, die für das Gesamtbild nicht entscheidend sein können. Sicher ist, daß hier eine grandiose Idee mit einer außerordentlichen Energie der Gestaltung und einem riesigen Aufwand an Geld und Technik anschaulich gemacht worden ist. Es ist ein Film entstanden, der ein weit über den Durch­schnitt hinausreichendes Maß von Phantasie, Span­nung, technischem und darstellerischem Können be­weist, und der schon um seiner Fabel willen des Interesses zahlloser Zeitgenossen sicher sein darf. Denn das an sich schon gerade jetzt aktuelle Grund­motto ist eingelassen in eine ganz spielsilmmäßige Kriminal- und Liebeshandlung, die zweifellos in manchen Teilen anfechtbar erscheint und Zugeständ­nisse an den Publikumsgeschmack enthalten mag, die aber andererseits den inneren Auftrieb der eigentlichen Fabel wesentlich steigert und das um­fangreiche Werk niemals langweilig werden läßt. Auch wer diese Rahmenhandlung ganz oder teilweise als unzugehörig, störend oder mißlungen ablehnt, wird billigerweise anerkennen müssen, daß bas Ganze den noch Immer sehr seltenen Werken zugerechnet werden muß, die schöpferisch für den echten Film Neuland erobern, abseits und abgcgrenzt gleicher- maßen von der Literatur wie vom Tonfilm, die beide, wie wir glauben, den stummen Film als sol­chen nicht entscheidend und nicht auf die Dauer weiter und höher entwickeln, sondern bestenfalls Hilfsmittel ober Ergänzungen bilben können. Von der im allgemeinen sehr tüchtigen Besetzung scheinen uns in erster Linie Willy Fritsch und Gerda Maurus wichtig, die allerdings hier ihre große Leistung In denSpionen" nicht ganz erreicht: fer­ner Rasp, Wangenheim, Starck-Gstet- t e n b a u r. Klaus Pohl, derMondprofessor" Manfelbt, wirkt anfangs sehr eindringlich, verliert aber in späteren <3»enen an Format. Der Film läuft seit gestern bei großem Besuch Im Licht­spielhaus; man sollte ihn entschieben gesehen haben.r

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