Nr. 274 Erstes Blatt
|79. Jahrgang
Zreitag, 22. November (929
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Gietzencr Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhefsen
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Chefredakteur.
Dr. Fnedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen.
Der Kasseler Parteitag der Deutschnationalen.
Der Parteivorstand billigt die Richtlinien Hugenbergs für eine Fortführung des bisherigen Kurses und die Beibehaltung des H 4 des Freiheitsgesetzes.
raffel, 22. Noo. (TU.) Der Parteitag der Deutschnationalen Partei begann am Donnerstag mit einer Sitzung des Parteivorstandes, in der dcr Parteivorsitzende Geheimrat Dr. H u g e n b e r g u. a. folgendes ausfuhrte: .„Volksbegehren und Doltsent- scheid gegen Ooungplan und Kriegsschuldlüge weisen den Weg für eine grundlegende 11 m ft e I • lung d e r deutschen Außenpolitik. Die Losung ist: Freiheit! Wir werden sie ohne Krieg haben, wenn unser Volk sie wirklich und ernstlich will. Gestützt auf ein freiheitsliebendes und ehrliches Volk können und werden wir eine auswärtige Politik der gegenseitigen Auslöschung der Kriegsschulden der Welt treiben. Es ist der einzige Weg, der Deutschland und damit die gesamte Kullürwelt vor dem Bolschewismus bewahrt. Auf ihm werden wir auch eine wirkliche Sicherheit und dauernde Befreiung der Nheinlande und der Saar ohne Gefahr der Wiederbesetzung erreichen. Wir verwerfen feierlichst die Absicht, die Erfüllung des Voungplanes auf Kosten der Lebenshaltung des deutschen Arbeiters und der anderen leidenden und kämpfenden Berufsstände möglich zu machen. Es gibt, wenn und solange der Poungplan über uns lastet, keine Ordnung in Deutschland. Wenn andere Parteien darauf rechnen sollten, nach Annahme des Pariser Tributplanes zu seiner Erfüllung die Bun- tKsgcnoffenfd)flft der Deutschn. Volkspartei unter der falschen Firma der Ordnung unserer Finanz- und Volkswirtschaft zu erlangen, so täuschen sie sich.
Die inuerpolitische Entwicklung Deutschlands wird seit elf Jahren durch die Vorherrschaft einer marxistischen TU i n b c r - he i t gehemmt. Ermöglicht wurde die Vorherrschaft dadurch, daß sogenannte bürgerliche, d. h. nichtmarxistische Parteien mit ihr paktieren. Ls kann nur dann in Deutschland besser werden, wenn diese Parteien ihren Pakt mit der Sozialdemokratie lösen, vorübergehende Koalitionen dieser Parteien mit weiter rechtsstehenden Gruppen ändern an diesem Zustand nichts, weit der innere Vorbehalt, demnächst wieder mit links regieren zu wollen, jede ersolgreiche Ossensive der Rechten lähmt. Die VRVP. ist dagegen selbstverständlich zu jeder Zusammenarbeit mit denjenigen bereit, die gleichzeitig im Reich und in Preußen in eine bewußte und klare Kampfstel - I u n g gegen den Marxismus und mit uns für Ordnung und Sauberkeit im Reich, Staat undGemeinden, für eine vernünftige F i n a n z g e b a h r u n g und Sparsamkeit auf allen Gebieten, für die Iviederaufrichtung der Canbivirt- schast unb der übrigen kranken Teile der wirtschaft, für die Beseitigung der Grundlagen der Arbeitslosigkeit, für die Würde unb bic verfassungsmäßige Freiheit bes Beamtentums unb für ben wirklich christlichen Charakter unseres Staats und Volkslebens eintreten. Die Einleitung einer solchen Zusammenarbeit kann nicht über Richtlinien oder politische Glau- benebekenntnisse, sondern nur über ein Programm großer positiver Arbeit gehen. Im übrigen ist bas heutige fioalifionsfgftem nur s o - lange haltbar, wie bic Witte daraus rechnen kann, Gesetze unb Beschlüsse, ble ihr erwünscht, den marxistischen Bunbesgenossen aber unangenehm sind. mH uns durchzusehen. Diesem Schaukelspiet müssen wir im Interesse aller deutschen Stände eine klare unb beutlidjc Absage geben. Das ist keine negative, sondern eine im höchsten Maße fruchtbare unb wirksame Opposition.
An den Bericht deS Parteivorsihcnden schloß sich eine eingehende Aussprache, an deren Schluß die Versammlung einstimmig auf den Voden der Darlegungen trat und dem Partei- Vorsitzenden ihr Vertrauen ausdrückte. Der Sinn der Richtlinien ist, daß der bisherige Kurs weitergesteuert werden soll. Es wird zum Ausdruck gebracht, daß die Deutschnationale Volkspartei keineswegs grundsätzlich Opposition zu machen beabsichtige, sondern jederzeit bereit ist, in eine ,n i ch t m a r x i st i s ch e Regierung" einzutreten, und zwar gleichzeitig im Reich und in Preußen. Zunächst aber bestehe keine andere Möglichkeit, als die bisherige OppositionSpolitik fortzu- setzen. Der Voungplan wird auch in diesen Richtlinien scharf abgelehnt. Von maßgebender deutfchnationaler Seite wird unterstrichen, daß in der Parteivorstandssihung auch die Opposition au Worte gekommen, aber die "Annahme der Richtlinien schließlich einstimmig erfolgt sei.
Der Parteivorstand beschäftigte sich dann no-ij in einer mehrstündigen lebhaften Aussprache m i t §4 des Freiheitsgesetz ent Wurfes. Es wird versichert, daß von den nicht ganz 100 Mitgliedern des Parteivorstandes 85 anwesend waren, darunter auch eine Anzahl von denen, über die bekannt ist, daß sie einen anderen taktischen Standpunkt einnchmen als die Parteiführung. Das angenommene Vertrauensvotum ist ausgebaut auf der Forderung Geheim
rat Hugenbergs, daß das Freiheitsgesetz in seiner jetzigen Form ohne jeden Vorbehalt unterstützt werde, d. h. also, daß der Parteivorstand sich dafür entschieden hat, den § 4 nicht fallen z u lassen. Er hat dazu die Erwartung zum Ausdruck gebracht, daß auch die Reichstagsfraktion der Deutschnationalen Volkspartei für den § 4 stimmen werde.
Gegen den deutsch-polnischen Handelsvertrag.
Kassel, 21. Rov. (WTD.) Auf dem deutsch- nationalen Parteitag nahm der landwirtschaftliche Reichsausschuß zum Handelsvertrag mit Polen eine Entschließung an, in der schärfster Einspruch gegen die Absicht der Reichsregierung erhoben wird, auf dcr Grundlage der beiderseitigen uneingeschränkten Meistbegünstigung einen zeitlich begrenzten Handelsvertrag mit Polen abzuschließen. Durch einen Vertrag auf solcher Grundlage würden lebenswichtige Interessen der deutschen Landwirtschaft, insbesondere aber des deutschen Ostens, preisgegeben
werden. Die Entschließung erklärt, di« erleichterte Einfuhr polnischer Agrarerzeugnisse würde ein weiteres Abgleiten der Preise zur Folge haben müssen.
Verkaufssonntage und Volksentscheid.
Berlin, 21. Rov. (WTB.) Der pren- ß i s ch e H a n d e l s in i n i st e r hat die nachgeordneten Behörden davon verständigt, daß er gegen bic Freigabe des 22. Dezember. des sogenannten Goldenen Sonntages, kein Bedenken habe. Die Verkaufszeit an diesem Sonntag soll jedoch nicht mehr als sechs Stunden betragen. Ferner sollen die Regierungspräsidenten entsprechend der Anregung des Reichsinnenministers prüfen, ob in Orten, in denen vor Weihnachten ein Geschäfts- verlehr im Handelsgewerbe für weniger als drei Sonntage zugelassen ist, ein weiterer Sonntag freigegeben werden soll. Diese Freigabe wäre in jedem Falle davon abhängig zu machen, daß die Einzelhandelsverbände sich verpflichten, bei ihren Mitgliedern am Heiligen Abend einen Geschäftsschluß um 17 11 b r sicherzustellen.
DasMsprogramm sm dieLandwirlschaß.
In enger Zusammenarbeit zwischen _ dem Reichsernährungsministerium und den führenden landwirtschaftlichen Organisationen sind Richtlinien ausgearbeitet, deren Zweck darin besteht. jenen Kreisen unserer landwirtschaftlichen Bevölkerung, deren Existenzgrundlage der Getreideanbau darstellt, einen Schutz vor weiteren Verlusten zu gewähren, wie sie durch das ständige Sinken der Getreidcpreisc entstanden sind. Ratürlich ftimmen diese Vorschläge nicht hundertprozentig mit den Forderungen der Landwirtschaft überein. Das Ministerium hat geglaubt, von sich aus nicht unbedeutende Aenderungen vornehmen zu müssen, so daß man in der Tat über den Wert des Agrar- Programms verschiedener Meinung sein kann. Ob die Pessimisten Recht behalten, wird sich erst in der Zukunft zeigen, wenn jene Bestimmungen zur Anwendung gelangen, die sich auf Richtpreise für Roggen unb eine befristete Zollerhöhung für Gerste bez-iehen. Interessant ist. daß bic' Absicht besteht, im Zusammeichang mst der Ausarbeitung eines Handelsvertrages mit Polen die Warlchauer Regierung zum Abschluß einer Roggenausfuhrkonvention zu bringen, wonach beide Teile davon Abstand nehmen sollen, sich beim Verkauf von Roggen gegenseitig zu unterbieten unb sich damit unerträgliche Verluste beizubringen, lieber diese Hilfsmaßnahmen ist sich das Reichskabinett vor einigen Tagen schlüssig geworden, eine entsprechende Gesetzesvorlage wird sofort dem Reichstag zugehen, damit noch vor Weihnachten das Agrarprogramm in Kraft gesetzt werden kann.
Maßnahmen auf dem Roggenmarkt.
Berlin, 21. Noo. (WB.) Bekanntlich tritt die Zolltarif Novelle vom 17. August 1925 am 31. Dezember dieses Jahres außer Kraft. Wenn sie nicht verlängert werden würde, würden nicht nur wichtige Agrarzölle, sondern auch eine große Reihe
sehr wichtiger Industriczälle in Fortfall kommen. Es ist beabsichtigt, in Verbindung mit der B« r - langemng der genannten Zollnovelle die' im Sommer dieses Jahres unerledigt gebliebenen zoll- politijck)en Fragen auf landwirtschaftlichem Gebiete zu regeln und daneben einige dringliche 'Dl a fp nahmen auf dem Gebiet der M a r 11 r e g u l i e = ru n g zu treffen.
Es handelt sich zunächst um bas ©etreibcproblem, bei dein wiederum die fRoggen frage im Vorder gründ steht. Infolge der guten Roggenerntcn der beiden letzten Jahre sind große Ue bersch üsse vorhanden, die preisdrückend aus den M a r k t wirken. Der Gedanke, durch Einführung eines Beimahlungszwanges von Roggen zum Weizen einen vermehrten Roggenverbrauch zu erzielen, Hot sich infolge unüberwindlicher technischer Schwierigkeiten als undurchführbar herausge- stellt. Es bleibt daher nur übrig, einen Anreiz zur verstärkten Rogge nverfütterung zu geben. Dies soll dadurch erreicht werden, daß verbilligter Roggen aus dem Osten nach dem Westen geschafft und dort zusammen mit niedrig dci fünfter G e r st e den Schweinemästcrn zugeführt wird. Wer nicht den Nachweis erbringt, daß er derartigen verbilligten Roggen zu Fütterungs- zweckcn getauft hat, wird in Zukunft G erste nur z u erhöhten Zollsätzen, nämlich fünf Mark, beziehen können. Als weitere Maßnahme zur Stützung des R o g g e n m a r k t e s ist die Einlagerung einer größeren Menge Roggen beabsichtigt. Für Roggen und entsprechend für die übrigen (Betreibenden wird ferner erwogen, die Zölle den jeweils geltenden Preisverhältnissen anzupassen. Grundsätzlich sollen die jetzigen Zölle für Getreide beibehalten, aber bei Unterschreiten b e - stimm ter Preisgrenzen erhöht und bei Ueberschreiten gewisser Preise ermäßigt werden. Ferner werden auf dem Gebiete der Vieh- und Fleischzölle, die bereits im Handelspolitischen Ausschuß des Reichstages behandelt worden find, Maßnahmen zu treffen fein, die den Beschlüssen des vorgenannten Ausschusses im wesentlichen entsprechen.
Eröffnung derGaarverhrmdlungen
p a r i s, 21. Rov. (IVB.) Außenminister B r i a n d hat heute vormittag vor Beginn der Saarvcrhand- lungen den deutschen Botschafter v. h o e s ch und den Leiter der Saardelegation, Staatssekretär von 5 i m j o n , empfangen, v. Simfon hat, ebenfalls in Begleitung des deutschen Botschafters, bereits gestern abend dem Generalsekretär des Außenministeriums Philippe B e r t h e k o t einen Besuch ab- geftattet. lieber die erste Sitzung der deutschen und französischen Delegation ist von deutscher und französischer Seite folgendes gemeinsame Kommunique veröffentlicht worden:
Die deutsch-französischen Verhandlungen über die Saarfrage haben heute um 11 Uhr im französischen Außenministerium begonnen. Der Minister für öffentliche Arbeiten, Pernot, der Vorsitzende der französischen Delegation, hat die deutsche Delegation begrüßt, die Ausgabe der Kommissionen dargelegt und den Wunsch der französischen Delegation zum Ausdruck gebracht, zu einer Verständigung zu gelangen, die geeignet ist, die wirtschaftliche Annäherung zwischen den beiden Ländern zu fördern. Herr von S i m f o n , der Präsident der deutschen Delegation, hat auf die Ansprache des Ministers Pemot geantwortet, indem er zum Ausdruck brachte, daß die deutsche Delegation den gleichen Wunsch habe, und indem er das von Deutschland in diesen Verhandlungen verfolgte Ziel dar
legte. 3m Anschluß hieran wurde geprüft, welche Arbeitsmethode die zweckmäßigste fein würde. Es wurde die Bildung von drei Unteraus- schüsfen beschlossen; 1. ein Unterc^isschuh für die Bergwerksfragen, 2. ein Unterausschuß für Handels- und Zollfragen, 3. ein Unterausschuß für j u r i ff i f d) e J r a g e n. Ferner wurde vereinbart, daß die Unferausfdjüffe jufammenfreten sollen, ‘ sobald ihr Arbeitsprogramm von den Vorsitzenden der beiden Delegationen feftgelegf roor- d?n ist.
wie verlautet, wird vor Montag ober Dienstag kommender Woche keine weitere Sitzung der deutschen und französischen Saarverhandlungsdelegationen ffattfinben, da die Einsetzung der Unterausschüsse einige läge in Anspruch nehmen wird.
Eaardebatte in der Kammer.
Briand jicgt über Franklin-Bouillon.
Paris, 21. Rov. (WB.) In der heutigen Kammersitzung begründeten vor der Abstimmung Fran 51 in Bouillon, der Sozialist F r v f - färb unb der Radikale Guernut ihre In- terpellationsanträgc über das Saarproblem. Franklin Bouillon erklärte, er habe geglaubt, daß die Saarverhandlungen nicht eingeleitet werden würden, bevor Frankreich durch Anwendung deS Voung-Planes den guten Willen
Deutschlands feststellen könnte. Der Zusammentritt der deutschen und der französischen Saardelegation stehe im Widerspruch zu den Erklärungen der Regierung. Briand habe erklärt, daß zwischen dem Problem der Rheinlandräumung unb dem der Regelung der Saarsrage keine Verbindung bestehe. Werde diese Behauptung jetzt noch ausrechterhalten werden, während man bereits zwischen zwei Haager Konferenzen Verhandlungen über das Saargebiet eingeleitet habe? Deutschland gebe zum ersten QUale feine Absichten bekannt. Der Führer der deutschen Zentrumspartei habe erklärt, daß das Ergebnis deS Haag nicht als endgültige Liquidierung des Krieges angesehen werden könne. Also sei die Stunde für eine Verhandlung noch nicht gekommen.
Außenminister Briand betonte in seiner Antwort auf die Ausführungen Franklin-Bouillons: Die französische Regierung habe auf das Verlangen der deutschen Regierung, die Saarfrage auf die Tagesordnung der Haager Verhandlungen zu sehen, eine ablehnende Antworrt erteilt, da die Saarfrage eine ausschließlich deutsch-französische sei. Er habe hinzugefügt. daß man die deutschen Vorschläge hinsichtlich des Saargebietes a n 6 ö r e n unb, wenn sie geeignet erschienen, in Erwägung ziehen werde. Wenn Franklin-Bouillon von einem Verzicht auf das Saar- gebiet spreche, so wisse er sehr wohl, daß das nicht möglich sei. Franklin-Bouillon hoffe wohl, die Mehrheit auseinanderzutreiben; er, Briand, habe das Recht, daran zu erinnern, daß die Politik, bic er seit einer gewissen Anzahl von Jahren verfolge, vom französischen Parlament gebilligt worben sei.
Briand sagte: Ich bin überzeugt, als guter Franzose gehandelt zu haben, indem ich vor 1935 bic Daarfrage anschneiden lieft. Ich hielt es für unsere Aufgabe, mit ber Reichsregierung darüber zu verhandeln. Ich verstehe nicht die Erregung des Herrn Franklin Bouillon, da d a s Parlament über das Ergebnis der Beratungen zu beschließen haben wird. Ich habe Dr. Stresemann darauf a-ufmerffam gemacht, daß bic politischen Rechte der Saarbevölkerung geschützt werden müßten. Wie kann man unter diesen Umständen von einer Prei sgabe des Saargebietes sprechen? Herr Franklin-Bouillon weiß das genau. Warum stellt er immer wieder diese Behauptung auf? Die Verhandlungen find wirtschaftlicher Na- t u r, und da es sich vor allem um die Bergwerke des Saargebietes handelt, ist der Minister für öffentliche Arbeiten zum Vorsitzenden der fran- zösisschen Abordnung berufen. Ich bedauere, daß man hier von ber Tribüne Behauptungen aufstellt, die das Land beunruhigen. Meine Politik wird von einer größeren Mehrheit des französischen Volkes geteilt, doch habe ich nicht die Absicht, alle acht Tage von der Tribüne aus über sic zu sprechen.
Ministerpräsident T a r b i e u bezeichnete bic Aussprache über die Saarverhandlungen als unnütz, schädlich und zwecklos unb beantragte ihre Vertagung. Die Vertrauensabstimmung ergab eine Mehrheit von 337 Stimmen für die Regierung.
Nie Räumung des Koblenzer Brückenkopfes.
Koblenz, 22. Rov. (T.-Ä.) Rachdem im Laufe des Mittwoch die französischen Gendar- merieftationen in Diez, Montabaur, Oberlahn- ftein und Bad-Ems zurückgezogen worden sind, sind im Lause des Donnerstag auch die Genbar merieftationen *in Reuwied, Aarweiler, Andernach. Boppard unb St. Goar aufgehoben worben. Auf ber rechten Rheinseite des Koblenzer Brückenkopfes ist kein französischer Soldat und fein französischer Gendarm mehr, mit Ausnahme der kleinen Fahnenwache auf der Festung Ehrenbreitstein. Inzwischen ist auch die ilcbergabc des Oberpräfidiums in Koblenz, des bisherigen Sitzes der Rheinland- kominiffion. an die Reichsvermögensverwaltung erfolgt. Das freie Verfügungsrecht ist allerdings den Deutschen noch nicht zurückgegeben worben, ba ber Beschlagnahmebefehl für das Gebäude vorläufig noch weiter besteht. Die Beamten und Angestellten der Interalliierten Rheinland f o m m i s f i o n . an ihrer Spitze der fran- zösifche Oberbelegierte Tirard, haben Koblenz verlassen, um sich nach Wiesbaden zu begeben, wo sie am Mittwoch ihre Arbeit aufgenommen haben. In ben letzten Tagen hat bic Koblenzer Räumung weitere günstige Fortschritte gemacht.
Eine gegenrevolutionäre Organisation in der Ukraine.
Moskau. 21. Rov. (Tel.-Ag. der Sowjetunion.) Die staatliche politische Verwaltung der lltraine hat eine gegenrevolutionäre Gegenorganisation aufgedeckt, an deren Spitze der ehemalige Ministerpräsident ber Petl- jura-Rcgierung und gegenwärtige Leiter der autokevhalen Kirche der Pikraine, Tsche- chowski, der ehemalige Minister ber Pctljura- Regierung unb späteres Mitglied der ukrainischen Akademie der Wissenschaften Jefremow, der ehemalige Außenminister Petljuras R i - kowski, ber Kiewer Professor Germlse unb andere standen. Der Organisation wird zur Last gelegt, den Sturz der Sowjetmacht und die plmwandlung der illtainc in einen bürgerlichen Staat unter Kontrolle eines Rachbaar--


