Ausgabe 
22.10.1929
 
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Liebe in Ketten.

Vornan von Hans Mitteweider.

Copyright by Martin F uchtwanger, Halle (Saale). 18. Fortsetzung. Nachdruck verboten.

Sie ahnte nicht, wie nahe sie der Wahrheit kam. Käthe aber konnte nicht antworten. Ihre furchtbare Erregung machte sich in einem Strom von Tränen Luft. Sie preßte das Gesicht an Lie Schultern Bertys. und diese fragte nicht weiter, sondern ließ sie weinen. Sie wußte, wie wohltätig manchmal Tränen wirkten.

Endlich verstummte das Schluchzen Käthes, und jetzt sagte Berty, indem sie dieser über das herrliche Blondhaar strich:

Nun schließe mir dein Herzchen auf, Kleine! Sprich! Verschaffe dir Erleichterung! Ich sehe doch, daß dich etwas druckt, fast erdrückt ein Geheimnis. Kannst du es mir nicht anvertrauen, Käthe? Zweifelst du wirklich noch, daß es bei mir in sicherster Obhut sein wird?"

Ich kann nicht!" stöhnte Käthe.Es ist so schrecklich, so entsetzlich, daß es all mein Gluck noch zerstören wird!"

Das wollen wir mal erst darauf ankommen lassen!" erwiderte Derty kampflustig.Ich helfe dir, und es müßte sonderbar zugehen, wenn wir beide nicht Siegerinnen blieben. Aber erst mußt du mir alles sagen, Käthe! Rede doch! Scheue dich nicht!"

Käthe jedoch schüttelte verzweifelt den Kopf.

Sie wußte, sie würde Derty alles sagen können: «ber sie wußte auch, daß weder diese noch sonst jemand ihr würde helfen können.

Mit zwei Männern verheiratet!

Ich kann nicht!" stöhnte sie verzweifelt auf. Wenigstens jetzt noch nicht, Derty! Frage mich nicht! Ich beschwöre dich! Eines Tages wirst du alles erfahren, erfahren müssen. Rur nicht jetzt!" . .

Auch nicht, über was du so erschrocken bist?" Käthe schüttelte wieder den Kopf: doch Derty ließ sich nicht beirren.

Du bist vorhin erschrocken, als dein Mann aus dem Wagen stieg. Riemand war da zu sehen als er, der Graf und der Ingenieur, und da du weder vor deinem Felix noch vor meinem Dodo erschrocken sein kannst, so kann es sich nur um den Ingenieur handeln. Stimmt es?"

Da nickte Käthe nun doch.

Und warum fürchtest du dich vor ihm?"

3a, ich fürchte mich vor ihm!" stieß Käthe nunmehr hervor.Ach, Derty, wenn du es ver­magst, dann berede deinen Mann, daß er diesen Menschen fortschickt I"

Du, das würde einen harten Kampf geben!" erwiderte Derty.Du solltest nur gesehen haben,

wie erfreut er über die Ankunft dieses Mannes war, von dem er schon lange geschwärmt hat. Ich wüßte nicht, wie ich ihn hinausbringen sollte. Du kennst ihn also? Don früher?"

Wieder nickte Käthe hoffnungslos: denn sie sah all ihr Glück in Scherben brechen. Tonlos fragte sie:

Und dieser dieser Mann soll auch zu mei­ner.! Manne kommen?"

Das haben die beiden wenigstens schon be­sprochen: es wird sich schwer ändern lassen."

.Dann muh ich fort. Derty, sogleich! Ich kann, ich darf ihm nicht begegnen. Rate mir doch! Hilf mir! Ach, Derty, ich bin ja so unglücklich!"

Abermals begann sie zu weinen, und wieder ließ Derty sie gewähren. Sie war erfahren genug, um etwas von der Wahrheit zu ahnen, aber auch, um nicht weiter in Käthe zu dringen.

Hin und her überlegte sie, was sie tun könnte, um die Freundin zu beruhigen, und endlich kam ihr ein Gedanke.

Run höre mal zu. Käthemädel!" sagte sie in ihrer burschikosen Art.Dielleicht geht die Sache so zu deichseln: du nimmst dich hübsch zusammen, daß dein Mann über dein Aussehen nicht stutzig wird, und dann bittest du ihn recht schön, daß er mit dir weiterfährt, irgendwohin. Vielleicht kann er eine Iacht mieten und mit dir eine Welt­reise antreten. Jedenfalls mußt du ihn dazu bringen, daß er nicht nach Turnau geht, solange dieser Mensch in der Rähe ist, und wenn dein Mann ihm doch schon Aufträge gegeben hat, so mag er sie während eurer Abwesenheit erledigen. Wenn ihr zurücllommt, muß er wieder weg sein und darf natürlich niemals wiederkommen. Denkst du, daß es so gehen wird?"

Käthe hatte schweigend zugehört. aber je weiter Derty sprach, desto mehr hellte sich das Gesicht der Verzweifelten auf, und schon leuchtete aus ihren blauen Augen, in denen noch die Hellen Tränen standen, wieder die Hoffnung.

Ja, Derty, ja, so will ich es machen! Du bist so gut und so klug! Wie soll ich dir nur danken?"

Das fehlte noch, Kleine! Lins beide hat der Zufall nicht ohne Grund zusammengeführt: davon bin ich überzeugt. Mein Verdienst ist es keines- salls: aber weil wir uns nun einmal gefunden haben und Freundinnen geworden sind, wollen wir auch treu zueinander halten. Dist du über­zeugt, Käthe, daß ich dir helfen will, was auch kommen mag?"

Ja, Derty, ja!"

Dann ist alles in Ordnung, Kind! Lind nun, Kopf hoch! Es wäre doch noch schöner, wenn du dich vor diesem Manne fürchten und um seinet­wegen unglücklich werden wolltest! Was du mit ihm vorgehabt hast, das kümmert mich jetzt nicht. Vielleicht erzählst du es mir später noch, und wenn nicht, dann ist es auch nicht schlimm. Vor­läufig aber will ich dir sagen: ich weiß, daß du

nicht fähig bist, etwas zu hin, dessen du dich schämen müßtest, und wenn du Llngluck gehabt hast, dann ist es sicher nicht deine Schuld ge­wesen."

Da erfaßte Käthe beide Hände der Freundin. Sie atmete wieder auf, und da sie in Cannes so vieles Schöne sahen, so wurden beide allmählich wieder heiter. Im Innern Käthes freilich hockte noch die Furcht: aber sie hoffte doch, daß Felix ihr ohne weiteres die Ditte gewähren würde, die sie ihm vorbringen wollte.

Wenn sie ein Jahr auf Reisen waren, dann war alle Gefahr vorbei, dann fürchtete sie Derndt Klausen nicht mehr, dann war sie noch durch ein anderes Dand als nur durch die Liebe an Felix gefesselt, ein Dand, das nicht mehr zer­rissen werden konnte.

Trotz ihrer Sorgen lächelte sie selig, und als sie heimkam und an die Brust ihres Gatten flog, als et sie zärtlich küßte und sie fragte, wie es ihr gefallen habe, da rief sie:

Ach, Felix, die Welt ist ja viel herrlicher, als ich je geahnt habe. Ich möchte noch viel mehr von ihr sehen alles! An deiner Seite möchte ich rund um die Erde ziehen: ich möchte die Pyra­miden sehen, die Tempel Indiens, die Wunder Asiens! Felix, können wir nicht miteinander das alles genießen? In einer Jacht nicht auf einem Dampfer ganz allein wollen wir sein, wir zwei allein mit unserem Glück! Lind wo es uns gefällt, da bleiben wir, bis es uns weiter­lockt. Felix, sag' ja! Du glaubst nicht, wie ich mich sehne, mit dir zusammen die weite Welt kennenzulernen!"

Verwundert schaute er auf sie. Er hatte diesen Wunsch nicht von ihr zu hören erwartet. Aber aus jedem ihrer Worts hörte er doch auch ihre Liebe zu ihm, und es schmeichelte ihn, daß sie mit ihm allein sein wollte. Er druckte sie innig an sich und erwiderte:

Ja, Käthe, das wollen wir. Ich will mit dir reisen und dir die schöne Welt zeigen ..."

Felix!" jauchzte sie auf, von aller heimlichen Qual erlöst.

Da aber strich er ihr leise über das Haar.

Rur ein wenig Geduld muht du haben, Liebste! Ich muh erst manches Geschäftliche^ er­ledigen, ehe ich so lange abwesend sein kann."

Muß das sein?" fragte sie bekümmert.Denk' doch, daß jetzt die schönste Zeit zum Reisen ist. Vielleicht kommt sonst der Herbst heran..."

Lind doch können wir immer den Frühling um uns haben, Liebste! Wir wollen ihn suchen, auch wenn es bei uns Herbst ist, und wir werden ihn finden und ihn begleiten. Frühling soll um dich sein, Käthe, das verspreche ich dir!"

Da senkte sie ergeben das Haupt. Er sah ihre Trauer, lächelte und sagte:

Liebste, soll ich dir sogen, daß das Höchst» im Leben des Mannes die treue Pflichterfül­lung ist?"

Da nickte sie und erwiderte nichts mehr. Lang« Zeit standen sie in schweigender Umarmung, bi« Käthe daran dachte, daß doch er hier war, daß sie fort muhte. Deshalb fließ sie hervor

Aber nach Hause kannst du muß fuhren. Felix? Ich sehne mich, die Tante zu begrüßen..

Auf einmal. Kätherle?"

Da schaute sie ihn an, und aus ihren Blicken las er das selige Geheimnis, das sie noch bot ihm hatte bewahren wollen.

Käthe!" stieß er hervor.Ist es wahr? Oh. du! Wie glücklich machst du mich! Lind morgen, morgen bringe ich dich heim."

Er preßte sie stürmisch und doch vorsichtig an sich und kühle sie.

Lind Käthe war sellg.

Fort! Run durfte sie doch noch fort!

Sie schlief ruhig in dieser Rächt. Am nächsten Morgen fand sie schon alle Koffer gepackt.

Das Auto stand bereit, sie fuhren zum Bahn­hof und bestiegen den Zug.

Käthe tat einen tiefen Atemzug. ' Run war sie aus der Rähe dieses furchtbaren Mannes. Run würde sie alles aufbieten müssen, ihm nie wieder zu begegnen.

Aber wie sollte sie das anfangen? Würde Felix nicht darauf bestehen, nach Tumau zu gehen, wo Berndt Klausen irgendeine Arbeit für ihn ausführen sollte?

Sie mußte ihn bereden, in Berlin zu bleiben. Oder wenn er das nicht wollte, dann mußte et ihr erlauben, bei Tante Adelheid zu wohnen. Sie wollte vorgeben, daß sie jetzt keine fremden Menschen um sich sehen möge.

Woran denkst du, Schah?" fragte da Felix, der sie schon eine Zeitlang schweigend beobachtet und wohl gemerkt hatte, daß sie sich um irgend etwas sorgte.

Käthe schrak zusammen, hatte sich aber sofort wieder in der Gewalt. Lächelnd erwiderte sie:

Ich überlegte mir, ob ich dir etwas beichten sollte, Liebster. Ich habe ein Geheimnis vor dir gehabt..

Du? Dann wird es etwas ganz Schreck­liches sein!" erwiderte er lachend. Fürchtest du denn nicht, daß ich dir nie vergeben könnte?"

Sie schmiegte sich an ihn und schaute zu ihm auf.

Ich werde mich nie vor dir fürchten, Felix", sagte sie ernst.Ich bin fest überzeugt, daß du mir immer und alles vergeben würdest, was es auch sei!"

(Fortsetzung folgt.)

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dieser Angelegenheit an 06793 Karl Seibert, Giefrcn, Stepbanstr.i7ll. Bestimmt zu treffen Mittwoche von vor- uiiliags 8 bis abends 7 Uhr.

Vergebung von Sauarbeiten.

Auf Grund der Reichsverdingungsord- nung sollen die Lieferung, der Anschluß und die Befestigung der Becken usw. für die Be- und Entwässerungsanlage für den Reubau des zweiten Jfolierhauses der Medizinischen Klinik in Gießen vorbehalt­lich ministerieller Genehmigung im öffent­lichen Wettbewerb vergeben werden.

Die Verdingungsunterlagen, sowie Be­dingungen liegen auf unserem Zweig­bureau in der Hautklinik, Sockelgeschoß, Zimmer 36, in der Zeit von 4 bis 6 Uhr nachmittags, zur Einsicht offen. Angebots­vordrucke werden, solange der Vorrat reicht, dort abgegeben. 8712V

Angebote find verschlossen, mit entspre­chender Aufschrift versehen, postfrei, bis zum Eröffnungstermin, Mittwoch, dem 6. November 1929, vormittags 11 Uhr, bei vorbeschriebener Zweigstelle einzureichen.

Zuschlagsfrist 4 Wochen.

Gießen, den 21. Oktober 1929.

Hess. Hochbauamt Gießen.

I. V.: Kuhlmann.

Der Plan über die Herstellung einer unterirdischen Telegraphenlinie in der Rodheimer Straße, und zwar von K. V. an der Westseite der Bahnunterführung bis zur Abzweigung der Straße nach Heuchelheim (Kr Gießen) liegt bei dem Telegraphenamt in Gießen von heute ab 4 Wochen aus. 8716V

Gießen, den 22. Oktober 1929. Telegraphenbauamt.

Bekanntmachung.

Betr.: Prüfung der Geschäftsstenographen.

Am Sonntag, dem 8. Dezember d. 3., morgens 9 Uhr, findet im Sitzungssaal der Industrie- und Handelskammer Gießen, Lonystraße 7, eine Prüfung für Geschäfts­stenographen statt. Geschrieben wird nur nach der Einheitskurzschrist, und zwar in den Abteilungen 150, 180, 200, 220 und 240 Silben. Anmeldungen mit Angabe der Silbenzahl und unter Beifügung von zwei Reichsmark Prüfungsgebühr sind bis spä- testens 30. November 1929 beim Sekre­tariat einzureichen. 8707V

Gießen, 21. Oktober 1929.

Industrie- und Handelskammer Gießen, gez. Schirmer, Kommerzienrat.

Mittwoch, den 23. Oktober 1929, nachmit­tags 2 Uhr. versteigere ich dahier, Neuen­weg 28 (imLöwen"), zwangsweise gegen Barzahlung:

1. 2 Schrunkgramrnophone, 7 Nähmaschi­nen, 1 asmäher, 1 Projektionsappa­rat mit Linse, 1 Ziege, 3 Ladentheken, 3 Ladenregale, 20 Flaschen Sekt, 1 Garderobeständer, 1 Registrierschrank, 1 Personenkraftwagen (Dürkopp" Nr. 5285 12/28 PS), 1 Halbverdeck für Doppelspiinner, 15 Bozener Mäntel, 6 Bücherschränke, 1 Ballen trockene Kranzdärme, 1 Videowaage (10 kg), 10 Tennisschläger, 65 Tennisbälle, 20 Paar Tennisschuhe, 24 Paar Turn­schuhe, 1 Photoapparat, 1 Pianino, 2 Schreibmaschinen Schreibtische, Sofas, Chaiselongues, Zimmerteppiche, meh­rere Oefen und Herde, Gasherde, 1 Lederwalze, 24 Paar Gamaschen, 20 Paar Herrenleisten, 25 Dtzd. Gummi­absätze, 30 Schuhbürsten, 10 Schaffelle, 2 Aktentaschen, 2 Koffer, 10 Fenster­leder u. v. a. 8714D

2. An Ort und Stelle (Bekanntgabe in obigem Lokal) 12 Dutzend Alpakaniesser, -Gabeln und -Löffel, 1 Kaffeemaschine, 1 Büfett, 1 Kredenz, 1 Ausziehtisch, 6 Lederstühle, 1 Chaiselongue, 1 Re­gulator, 1 Zimmerteppich, 1 Pianino, 1 Waschkommode, Wäschemangel.

3. Bestimmt: 1 Koffergrammophon mit 5 Platten, 9 Grammophonplatten, 1 Schrankgrammophon mit 41 Platten. Ferner voraussi ^tlich bestimmt: 1 Ra- dioapparat mit Lautsprecher (Dürer), i

3unfer, Gerichtsvollzieher in Gießen Wiesecker Weg 16 Telephon 3383.

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