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Mitglied des Wiesenvor- und verpflichte! worden, irde zum stellvertretenden . verpflichtet.

Nr. 248 Erstes Blatt

179. Jahrgang

Dienstag, 22. Oktober 1929

Gr|d)e tm loglich, außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte

Gießener Familienblätter Heimat im BUd Die Schalle

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GietzemrAnzeiger

General-Anzeiger sür Oberhessen

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Chefredakteur:

Dr. Friedr. Will). Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton vr.H.THyriat; für den übrigen Teil Ernst Dlumfchein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen.

Radoslawow.

Wenige Wochen vor der Vollendung seines 75. Lebensjahres ist nach sechsmonatiger schwe­rer Krankheit in der Berliner Charite der ehe- ntaltge bu g arische Ministeprä i ent Wassil Ra­do s l a w o w gestorben. Eine tiefe Tragik liegt über dem Abschluß seines Gebend, ja eigentlich über seiner ganzen Laufbahn. Er ist schon früh m die bulgarische Politik eingetreten, er war bereits Ministerpräsident, als Bulgarien nach Absetzung des Fürsten von Battenberg sich einen reuen Fürsten suchte. Mit Ferdinand von SC d b u r g hat er sich zunächst nicht gestanden, ist sogar ins Gefängnis gewandert, aber der spätere König mußte ihn nachher doch holen, weil er der einzige Bulgare war, der genug Ver­trauen bei der Bevölkerung fand, um nach dem Abschluß des Balkankrieges und des folgenden serbisch-rumänischen Kampfes gegen Bulgarien den Rückzug und den Verzicht auf die groh- bulgarischen Träume zu vertreten. Er ebenso­wenig wie König Ferdinand hat auf die Rache verzichtet, es war deshalb nur verständlich, daß er von dem Beginn seiner Ministerpräsidentschaft an auf die deutsche Karte setzte er hat nicht umsonst in Deutschland studiert und von langer Hand den Anschluß Bulgariens an die Mittelmächte vorbereitet; gewiß nicht um unserer schönen Augen willen, er wollte Rache haben, und er sah an der Seite Deutsch­lands die einzige Möglichkeit, den Serben und Rumänien die Beute wieder abzujagen, um die sie Bulgarien betrogen hatten.

Der Erfolg schien ihm zunächst recht zu geben. Hm die Mitte des Krieges war Radoslawow der mächtigste und angesehenste Mann seiner Hei­mat, aber er hat die Widerstandskräfte seines Volkes doch Wohl überschätzt. Schließlich standen die Bulgaren fast zehn Jahre hinter­einander im Krieg, die Friedenssehnsucht war also groß, und die russenfreundlichen Strö­mungen waren von Radoslawow nur vorüber- gehend ausgeschaltet. Sie wagten sich in den Vordergrund, als England und Frankre.ch mit großen Versprechungen für den Fall eines Ab­falls Bulgariens hervortraten, Radoslawow wurde gestürzt, der Widerstand an der Sa­lonikifront brach zusammen, und Bulgarien ist fast schlechter noch als Deutschland von den Sie­gern wie von seinen Rachbarn behandelt worden.

Dafür hat Radoslawow büßen müssen, er ging ebenso wie König Ferdinand außer Landes und lebte seit 1920 in freiwilliger Verban­nung in Berlin. Ratürlich wurde er auch vor den Staatsgerichtshof gestellt. Ein Gewalturteil verdammte ihn zu lebenslänglicher Haft und zur Erstattung aller Kriegskosten. Erst vor einem Vierteljahr wurde er amnestiert und hatte die stille Hoffnung, die letzten Jahre seines Lebens in seiner geliebten Heimat verbringen \\i können. Der Tod hat ihm einen Strich durch die Rechnung gemacht. Er ist im Exil ge­storben. Er hat aber daran festgehalten, daß die Politik, die er lobte, für Bulgarien die rich­tige war, und das auch in einem großen Werk begründet. Begreiflich genug, wenn Bulgarien heute noch nicht die nötige Distanz gewonnen hat, um ihm gerecht zu werden. Aber ebenso sicher ist, daß einmal die 3eit kommen wird, wo alle bulgarischen Parteien in ihm den großen Patrioten verehren, der auf dem rechten Wege war.

Genaiswahlen im Elsaß.

Kein Erfolg der Aulonomiften.

In Frankreich haben am letzten Sonntag Nach- roah len zum Senat stattgefunden. Sie haben einen leichten Ruck nach links gebracht, sind aber im wesentlichen für Deutschland ohne Interesse. Anders dagegen die Wahlen im Elsaß, die auch dies­mal wieder im Zeichen einer scharfen Auseinander- setzung zwischen Autonomisten und Antiautonomisten standen. Die Heimatbewegung hatte den Abbe Haegy oorgeschickt, der im ersten Wahlgang nicht weniger als 433 Stimmen erhielt, während auf seinen Gegner, den Kandidaten der Nationalkatho­liken, Dr. Pfleger, nur 324 Stimmen entfielen. Erst im dritten Wahlgang vermochte Dr. Pfle­ger die absolute Me h r h e i t auf sich zu ver­einigen Das gelang aber nur mit Hilfe der So z i a I i ft e n , die fast restlos ihre Stimmen dem Nationalkatholiken gegeben hallen. Dr. Haegy ist also unterlegen, immerhin wurde doch fast ine Halste aller Stimmen zu seinen Gunsten abgegeben, was an sich schon ein recht schöner Erfolg ist, wenn man bedenkt, daß die Autonomisten nach wie fd)arfen Verfolgungen airsgesetzt sind unb bei jeder Wahl­handlung alle Parteien einschließlich ter Sozialisten gegen s i ch sehen. Es wäre wahrscheinlich nicht zu 'der Niederlage Haegys gekommen, wenn nicht der Straßburger Bischof Ruch den tm Elsaß recht beliebten Dr. Pfleger als Gegenkandidaten aufge­stellt, und wenn die Pariser Regierung darauf ver­zichtet hätte, zwischen den einzelnen Wahlgängen die Wahlmänner in der stärksten Weise in ihrem ein ne zu bearbeiten. So kam denn schließlich ein Wahl­ergebnis zustande, das zwar den Autonomisten den Einzug in den Senat unmöglich macht, aber doch gezeigt hat, wie stark die Heimatbewegung im letz- ten Jahr geworden ist.

*

Zur Wahl Dr. Pflegers im Departement Ober­rhein schreibt derM a t i n: Abbö H ae g Y, der Großmeister des Autonomismus, war Kandidat. Er gelangte in den beiden ersten Wahlgangen an die Spitze; im dritten lag das Schicksal rn den .Händen der Sozialisten. Aber um den mit dem Kommunismus verbündeten Autonomismus zu

Oer Anleihe- und Monopolvertrag mit Ivar Kreuzer.

Abschluß des Vorvertrags mit dem schwedischen Zündholztrust: Ein Zündholzmonopol für 50 Lahre. Gewährung einer Anleihe von 500 Millionen Mark zu sechs Prozent.

Eine amtliche Mitteilung.

Berlin, 21. Ott (IBB.) Amtlich. Zwischen dem Reich einerseits und Herrn Ivar Kreuger an­dererseits ist heute im Reichsfinanzministerium ein Vorvertrag über eine im Zusammenhang mit der Neuregelung der deutschen Zündholzwirtschast tehende Anleihe paraphiert worden. Hebet die Grundlagen eines endgültigen Bertragsab- chlusses besteht volles Einverständnis. Einige Einzelheiten sind noch Gegenstand von Ver­handlungen. Der Abschluß des Vertrages selbst wird in einigen Tagen erfolgen. Die Oeffentlichkeit wird sodann über den Inhalt des Abkommens eingehend unterrichtet werden.

0er Inhalt des Vertrags.

Einzelhandelspreis der Zündhölzer auf

3v Pfennig erhöht.

Stockholm, 21.Ott. (WB.) Die amtliche Schwedische Nachrichtenagentur verbreitet folgendes Kommunique des Kreuger-Konzerns: Lin endgül­tiges Abtommen wurde heute zwischen der deut­schen Regierung einerseits und der S v e n s t a Tand st i ck 21. B. und der JL B. Binancieele 2H i j fireuger L Toll andererseits unter­zeichnet, wodurch das Alleinrecht des Ver­kaufs und der Lin- und Ausfuhr von Zündhölzern innerhai ' Deutschlands der Deutschen Zündholz Verkaufs -A.-G. übertragen wird, welche ihren Namen später ändern wird. Die Dauer des Monopolvertrages wurde auf mindestens 32 und auf höchstens 50 Jahre festgesetzt. Diese Zeitspanne ist von der Rückzahlung der dem Deutschen Reich gewähr­ten Anleihe abhängig. Während des Bestehens des Monopolvertrages dürfen in Deutschland keine neuen Z ii n d h o l z f a b r i k e n errichtet werden. Die eine Hälfte der Aktien der Monopolgesell­schaft wird im Besitz der Svenska Tändstick A. B. und der International Match Corporation, die an­dere Hälfte im Besitz der deutschen Fabriken und der Rcichskreditgesellschaft sein. Die Produktions­quote der Zündhotzfabriken wurde so festgesetzt, daß die dem schwedischen Trust gehörenden Fabriken wie bisher etwa 65 Prozent und die deutschen Fabriken wie bisher 35 Prozent produzieren. Der Preis der Zündhölzer wird im Einzel­handel von 25 auf 30 Pf. erhöht wer­den. Die Inhaber der Aktien der Monopolgesell- schäft erhalten eine taufende Dividende von acht Prozent. Das Reich erhält 13 Reichsmark für die Kiste von 10 000 Schachteln, der eventuelle Netto­gewinn wird zwischen dem Reich und den schwe­dischen Interessenten zu gleichen Teilen verteilt. Die N. V. Kreuger L Toll gewährt dem Reich eine A n - leihe von 125 Millionen Dollar auf SOJahre mit sechsProzeni Verzinsung und mit konvertierungsrecht zu pari nach zehn Jahren (Lmissionskurs 93 Prozent). Die Anleihe wird in zwei Raten gezahlt: 50 Mil­lionen Dollar sieben Monate nach Inkrafttreten des Abkommens, 75 Millionen nach weiteren neun Mo­naten.

Erste preffestimmen.

Ernsthafte Inangriffnahme der Finanz­reform gefordert.

Berlin, 22. Qkt. (TU.) Zu dem vorläufigen Abschluß des Zündholzvertrages zwischen der Reichsregierung und dem Schwedentrust schreibt dieD. A. Z." (volksparteil.), das Geschäft, so betrüblich es für das Prestige des Reiches sei, wäre hinzunehmen, wenn gleichzeitig eine grundlegende Reform der Ausga­benwirtschaft vorgelegt würde. Aber da­von sei nichts zu merken. DieGerma - n i a (Zentr.) sagt, dem Zündholzanleiheplan könne man bei allen sonstigen Bedenken nur dann die Zustimmung gewähren, wenn er einen ersten und von ihm untrennbaren Schritt zu einer entschlossenen Reichsfinanz- re form bedeute. Es müsse streng darauf ge­

achtet werden, daß die Erträgnisse der Anleihe zu nichts anderem als zu der notwendigen Beseitigung der nun einmal vorhanderen anor­malen Kassen- und Finanzlage benutzt wür­den. DieB ö rs e n z ei tu n g" (natl) meint, es bestehe die Gefahr, daß bei der gegenwärtigen Finanzwirtschaft jede Erleichterung nur zur Verschleierung der tatsächlichen Lage beitrage und somit zur Fortführung der Mißwirtschaft geradezu ver­locke. DerB ö r f c n - Cu r i e r" (dem.) sagt, diese Monopolanleihe sei ein Zeichen der düsteren finanziellen Lage Deutschlands, die nicht zuletzt die Folge der langen Passivität und der unzu­länglichen Maßnahmen der Finanzverwaltung sei. DerT a g" (Hugenberg) sieht in dem Ver­trag den Beginn des Ausverkaufs deutscher Mo­nopole, dessen Bedeutung nicht zu unterschätzen

sei. DasBerliner Tageblatt" (dem.) bezeichnet den Vertrag als einen wichtigen Schritt zur Konsolidierung der Reichsfinanzen. Der Vorwärts" (soz.) sagt, im Falle der Schweden­anleihe erfolge zwar keine neue Ueberfremdung. denn an den Herrschaftsverhältnissen des schwedi­schen Kapitals in Deutschland ändere sich im ganzen nichts. Cs könne aber und darin liegt zweifellos eine schwere volkswirtschaft­liche Gefahr die Verknüpfung von Moiw- polbedingungen mit öffentlichen Anleihevermitt­lungen zum System werden, mit dem Ergebnis, daß ganze Wirtschaftszweige, und nicht zuletzt Teile der öffentlichen Wirtschaft, unter aus­ländische Kontrolle gebracht würden. Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion werde vor eine ernste Verantwortung gestellt sein.

Ein Avftns der hessischen StaMegiernng.

Darmstadt, 21. OIL (Wolff) Die hessi- sche Staatsregierung hat heute folgen­den Aufruf an die hessische Bevölkerung er­lassen:

Mehr als zehn Jahre hat die Bevölkerung am Rhein, hat das hessische Volk in Ungewiß­heit auf die Stunde der Befreiung ge­wartet. Für den Zusammenhalt des Reiches hat es geduldet und im stillen und zähen Kamps ge­rungen. Dieser Kamps hielt sich fern von großen Worten. Gewalt verschmähend, vertraute er auf den Sieg des Rechts. Darum hat die hessische Be­völkerung auch treu zur Politik der Verständi­gung gehalten, die jetzt vom Volksbegehren an­gegriffen wird. Der Kampf der Anhänger dieses Volksbegehrens läßt jede Berücksichti­gung der hessischen Verhältnisse vermissen. Für das Land Hessen und die hessische Bevölkerung besteht ein besonderes Interesse an der Aenderung des bisheri­gen Zustandes. Auch der Voungplan belastet Deutschland schwer, aber bei weitem nicht so wie das bis heute gültige Dawesabkommen, auf Grund dessen Deutschland allein in den nächsten zehn Jahren 6V2 Milliarden Mark mehr zahlen müßte. Diese zehn Jahre sind aber für Deutschland von entscheidender Bedeutung. Der jetzige Zustand hindert das Reich, Ländern und Gemeinden erhöhte Steueranteile zu überweisen. Die Senkung der Realsteuern wird ohne Senkung der Reparationslasten bestimmt undurch­führbar bleiben. Damit muß namentlich die hessische Landwirts cha st unddas hes­sische Gewerbe rechnen. Rach der Absicht der Reichsregierung sollen ferner die auf Grund' des Dawesplanes alljährlich von der Landwirt­schaft aufzubringenden Rentenbankzinsen künftig restlos sortsallen. Diese Erleichterung würde in Hessen in erster Linie den kleinen

und mittleren Landwirten zugute k o m m e n.

Härter als jedes deutsche Land -wurde Hessen auch durch die Besatzung getroffen. Aus seinen Schultern liegt heute die Hauptlast deck Besatzung. Run besteht die Möglichkeit des Ab­marsches. In kürzester Frist, am 30. Juni 1930, soll kein fremder Soldat mehr auf deutschem Boden stehen. Rahezu fünf Jahre früher, als nach dem Versailler Vertrag, würde also auch für die rheinhesfische Heimat die Stunde der Be­freiung schlagen. Dies alles soll nun verhindert werden? Wir wenden uns an die politische Ein­sicht und den gesunden Sinn der hessischen Be­völkerung: Kein Hesse, der seine Heimat wirklich liebt, kann solchem Unternehmen Beihllse lei­sten. Die hessische Bevölkerung hat in allen ihren Schichten ihre deutsche Gesinnung durch opferbereite Tat bewiesen. Sie wird sich dagegen zu wehren wissen, daß Politiker oXne Verant­wortung die Arbeit für die Befriedung und Befreiung stören und unser Land wie beim Ruhrkrieg erneut in schwere Wirren­stürzen wollen. Die hessische Bevölkerung hat im Abwehrkampf zur Separatistenzeit über alle Partetgrenzen hinweg sich zusammengefunden. Sie muß es zurückweisen, daß in diesem Volks­begehren d i e persönliche und politi­sche Ehrenhaftigkeit der deutschen Be­freiungspolitiker verdächtigt wird. In der festen Ueberzeugung, damit dem Wohl des ganzen Hessenlandes zu dienen, fordern wir deshalb alle Hessen, Männer und Frauen, auf, mit uns gemeinsam dem Volksbegehren ihr ^Rein" entgegenzusetzen. Wer für das Volksbegehren eintritt und sich in die Listen einzeichnet, handelt gegen das ganze deutsche Volk und besonders! gegen Hessen und das Wohl seiner Bevölkerung.

gez. Adelung. Kirnberger. Leuschner. Korell.

Was koste! «ad wer bezahlt das Volksbegehren?

Don unserer Berliner Redaktion.

Berlin, 22, Oft. Im Zusammenhang mit den politischen und wirtschaftlichen Diskussionen über das Für und Wider des Bolksbegehrens erscheint es auch notwendig, einen Ueberblick über die Kosten dieses Bolksbegehrens zu gewinnen. Dem Staate selbst erwachsen nur dann Ausgaben, wenn es den Veranstaltern gelingt, das Volksbegehren durch- z ii b r i n g c n. Zunächst sind die Beran ft alter verpflichtet, einen bestimmten Betrag, der sich um 100 000 Mark herum bewegt, für die Durchführung des Volksbegehrens zu hinterlegen. Gelangt das Volksbegehren zur Annahme, so erhalten die Ver­anstalter den hinterlegten Betrag zurück. Auch bei diesem Volksbegehren ist beim Reichsministerium ein bestimmter Betrag hinterlegt worden. Die Verteilung der Kosten im Falle der 2lnnahme des Volksbegehrens erfolgt in der Weise, daß auf Grund der Bestimmungen des § 44 des Gesetzes über den Volksentscheid und des § 42 des Reichs­wahlgesetzes 4/s der Kosten z u Lasten des Reiches gehen, wärend 1/s der Kosten di e Gemeinden zu tragen haben. Zunächst haben die Gemeinden auf Vorschußkonto zur Durchfüh­rung des Eintragungsverfahrens die notwendigen

Beträge auszuwerfen. Später erfolgt dann die Rück­zahlung durch das Reich.

Die Kosten für die Veranstalter selber lassen sich nur schwer schätzen, sie richten sich ganz nach dem Aufwand, der von ihnen getrieben wird. Als Maß­stab mögen hier die Kosten des Volksbegehrens über die Fürstenenteignung für die Sozialdemokratische Pnrtei im Jahre 1926 dienen. Damals hat die So- zialdemvkratische Partei nach authentischen Angaben für Versammlungen, Flugblätter, Plakate und Hilfs­kräfte Ausgaben im Betrage von 512 000 Mark ge­habt. Sie hat 12 846 Versammlungen abgehalten, 24 Millionen Flugblätter, 8 Millionen Handzettel und über 2 Millionen Broschüren zur Verteilung gebracht und 300 000 Einzeichnungslisten Herstellen lassen. Der Kostenaufwand wäre damals noch er­heblich größer gewesen, wenn die Werbearbeit nicht zu 99 v. H. ehrenamtlich geleistet worden wäre. Es ist berechnet worden, daß die Kosten für den Volks­entscheid etwa 1,5 Millionen Mark für die Partei betragen hätten, und die Kosten für Volksbegehren zusammen mit Volksentscheid 2 Millionen Mark. Dabei sind freilich noch nicht miteingerechnet die Kosten, die der Kommunistischen Partei durch ihre Aktion erwachsen sind.

schlagen, haben die elsässischen Sozia­listen, die stets bewiesen haben, daß sie der französischen Sache zugetan sind, nicht gezögert, für den national-katholischen Kan­didaten Dr. Pfleger zu stimmen. Dieser wurde unter den Klängen der Marseillaise ge- wählt. In ihrem Aerger haben die Autonomisten die Waske fallen lassen und die Rationalhymne ausgepfiffen. Das ist eine magere Belohnung für einen bezeichnenden Mißerfolg." Die Hal­tung der Sozialisten, die die Wahl Dr. Pflegers allein besiegelte, wird auch von dem offiziellen Organ der Sozialistischen ParteiLe Popu- laire" gutgehelßen. Es schreibt:Unsere Ge­nossen haben recht getan, und die ganze Partei wird ihre Haltung billigen."

Wechsel in der italienischen Botschaft in Berlin.

Berlin, 22. Oft (Priv.-Tel.) Der italienische Botschafter GrasAldoorandi-Marescotti hat einen Urlaub angetreten und wird nicht mehr auf (einen Posten zurückkehren. Gleichzeitig mit dem Botschafter sind der bisherige Botschaftsrat Rocco und die drei Botschaftssekretäre von Berlin abge- rufen worden. Dieser Wechsel hat auf die Be­ziehungen zwischen dem Deutschen Reich und Ita­lien, die nach wie vor korrekt und freundschaftlich sind, keinerlei Auswirkungen. Es handelt sich viel­mehr um eine Maßnahme, die auf Differenzen verwaltungstechnischer Natur zwischen der Botschaft und der römischen Zentralbehörde zu­

rückzuführen sind. Unter den Kandidaten für die Nachfolgeschaft Graf Aldovrandis, der sein Land seit März 1926 in Berlin vertrat, wird der italienische Botschafter in Moskau, Dittorio Cerruti, genannt. LautVorwärts" erfolgte die Abberufung des Bot­schafters, weil vor kurzer Zeit auf bisher ungeklärte Weise der geheime diplomatische Zifferschlüs- s e l der italienischen Botschaft entwendet wurde.

Oie Eintragungen zum Volksbegehren.

Berlin, 21. Oft. (WTB.) In Großberlin wurden am 19. und 20. Oktober zusammen 40111 Eintragungen zum Volksbegehren vorgenommen. Mit ben Eintragungen an den Vortagen haben sich in Großberlin insgesamt 93 829 Personen in die Listen eingezeichnet. In Köln haben stch