Wiffells Aeformeniwurf zur Arbeitslosenversicherung.
Berlin, 21. Aug. (WTD.) Amtlich. Die Reichsregierung hat dem Reichsrat den Entwurf eines Gesetzes zur Aenderung des Gesetzes über Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung vorgelegt. Aus den Bestimmungen des Entwurfes sei folgendes hervorgehoben: Der Begriff der Arbeitslosigkeit wird im Gesetz definiert. Es kann also künftig nicht mehr vorkommen, daß Personen, die in Wirklichkeit keine Arbeitnehmer sind, die Arbeitslosenunterstützung beziehen. G e - ringfügige Beschäftigungen sollen künftig nur dann versicherungspflichtig sein, wenn sie von Personen, die berufsmäßig überwiegend als Arbeitnehmer tätig zu sein pflegen, berufsmäßig ausgeübt werden. Die Sperrfristen, die bei unberechtigter Arbeitsverweigerung oder bei freiwilliger Aufgabe oder schuldhaftem Verlust einer Arbeit verhängt werden, sollen künftig nicht starr auf vier Wochen festgesetzt sein, sondern der Entwurf gibt den durchführenden Stellen einen elastischen Rahmen von zwei bis acht Wochen. Durch eine Reihe weiterer Vorschriften wird die Kontrolle verstärkt. Der Arbeitslose, der einen Antrag auf Unterstützung stellt, muß künftig angeben, in welchen versicherungspflichtigen Beschäftigungen und wie lange er in diesen seit dem Beginn der Anwartschaft gestanden hat.
Die W a r t e-z e i t soll künftig nicht mehr allgemein sieben Tage betragen, sondern nach dem Familienstande gestaffelt sein, so daß Arbeitslose ohne zuschlagsberechtigte Angehörige eine Wartezeit von 14 Tagen, solche mit einem, zwei oder drei Angehörigen eine Wartezeit von sieben Tagen und solche mit vier oder mehr Angehörigen eine Wartezeit von drei Tagen zurückzulegen haben. Gegen eine Umgehung der Wartezeitvorschriften trifft der Entwurf Sicherung. Wartegehälter und Ruhegehälter sollen in Zukunft auf die Arbeitslosenunker- st-ühung angerechnet werden, ebenso in gewissem Umfange auch die Renten derSozialver- s i ch e r u n g. Dagegen bleiben die V e r s v r - gungsrenten von der Anrechnung frei.
Die Beiträge zur Krankenversicherung der Arbeitslosen, die aus Mitteln der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung bestritten werden müssen, werden herabgesetzt. Der Entwurf rechnet mit einer Durchfchnittsziffer von 1,1 Millionen Hauptunterstühungsempfänger. Dies bedeutet bei dem gegenwärtigen Rechtszustand einen Gesamtaufwand von 1119 Millionen Maick im Jahre. Diesem Aufwand stehen Beitragseinnahmen von etwa 840 Millionen Mark im Jahr gegenüber. Das ergibt ein jährliches Defizit von 279 .Millionen Mark. Dieser Fehlbetrag wird durch den Entwurf vermindert. Soweit eine Schätzung möglich ist, kommt der Entwurf mit allen Vorbehalten zu folgendem Ergebnis:
Es werden voraussichtlich erspart werden: RM.
durch die Verlängerung der Wartezeit 25 000 000
durch die Anrechnung von Wartegeld,
Ruhegehalt und Sozialrenten 16 000 000
durch die Herabsetzung der Krankenkassenbeiträge 30 000 000
durch die Aenderung der Sätze bei berufsüblicher Arbeitslosigkeit 21000 000
zusammen 92 000 000
alles auf ein Jahr berechnet. Dadurch vermindert sich also der Fehlbetrag von 279 000 000 RM. auf 187000000 RM.
Zum Ausgleich sieht der Entwurf eine E r - Höhung der Versicherungsbeiträge um 0,5 v. H. vor, die zunächst bis zum 31. März 1931 eingeführt werden soll. Diese Erhöhung bedeutet eine
Steigerung der Einnahmen um 140 000 000 RM. im Jahre, so daß noch ein D e f i z i t o o n 47 000 000 bleibt.
Oie Aussprache imGozialpolitischen Ausschuß.
Berlin, 21. Aug (DDZ.)Im Sozialpcli.i.chen Ausschuß des Reichstages wurde Die allgemeine Aussprache über die Reform der Arbeitslosenversicherung durch Ausführungen des Reichs- arbeitsminiflers Wissel! eingeleitet, der bei der Begründung der neuen Regierungsvorlage vor allem auf die Punkte einging, in denen der Gesetzentwurf von dem Gutachten des Sachverständigenausschusses abweicht. Bei einer Beitragserhöhung um 0,5 v. H., wie sie die Vorlage vorsieht, bleibe ein Fehlbetrag von 47 Millionen ungedeckt. Diese Lücke sei in der Regierungsvorlage nicht ausgefüllt. Die Regierung überlasse es dem Reichstag, über die Deckung geeignete Vorschläge zu machen.
Abg. Grahmann (Soz.) wandte sich gegen eine generelle Herabsetzung der Leistungen. Eine Relation zwischen Beiträgen und Leistungen müsse abgelehnt werden, dagegen sei die Sozialdemokratie gern bereit, an der Abstellung bestehender Mißbräuche mitzuwirken. Reichszuschüsse würden sich auch in Zukunft Nicht immer vermeiden lassen. e
Abg. Pfeffer (Dtfch. Vp.) erklärte, daß es für die Deutsche Volkspartei überflüssig sei, zu erwähnen, daß sie mit der Vorlage nicht einverstand en sei. Cs fehle das Hauptstück, und es sei ein ziemliches Rovum in der parlamentarischen Geschichte, daß das Kabinett eine unfertige Vorlage dem Reichstag vvrlege. Aach Auffassung seiner Fraktion müsse klar und deutlich unterschieden werden zwischen den Versicherungsleistungen, die man den langfristig Beschäftigten gebe, und den kurzfristig Beschäftigten, die auf Grund ihrer Beiträge nicht auf versicherungsmähige Leistung, sondern nur auf Leistungen, die der Fürsorge ähnlich wären, Anspruch haben könnten. Wenn man diesen Grundsatz durchführe, würde mit einigen anderen Ersparnissen so viel gespart werden können, daß eine Beitragserhöhung überflüssig sei.
Abg. Dr. Haß lach er (Dn.) erklärte die Zustimmung seiner Fraktion zum größten Teil der Vorschläge, wie sie in der Regierungsvorlage enthalten sind. Er bemängelte aber, daß in dem Kernpunkt der Frage das Hauptstück, das auch in den Verhandlungen der Sachverständigenkommission die Hauptrolle gespielt habe, h e r ausgelassen sei. Die deutschnationalen Anträge hätten zum Grundgedanken gehabt, die Verstärkung des Versicherungsgedankens im Arbeitslosenversicherungsgesetz, indem sie zur Durchführung bringen wollten eine Bemessung der Unterstüt- zunasleistung nach der Höhe der gezahlten Beiträge, d. 6. der Anwart- fchaitszeit. Die Deutschnationalen seien der Ile» berzeugung, das den harten Aotwendigkeiten der Lage im verarmten Deutschland nicht anders Rechnung getragen werden könne als durch einen Abbau der Verficherungsleistungen da eine Erhöhung der Beiträge für Arbeitnehmer wie für Arbeitgeber völlig außer Frage stünde. Lege man zugrunde, daß die Durchführung der Anträge Rresener-Esser eine Ersparnis um 130 Millionen bringen könne, so sei die für das Aormaljahr von der Reichsregieruna errechnete Fehlsumme von 187 Millionen durch die erwähnten Ersparnismöglichkeiten sicher voll gedeckt, und darüber hinaus jetzt durch Beitragserhöhung weitere Summen zu beschaffen, sei nicht nötig. — Hierauf vertagte sich der Ausschuß aus Donnerstag.
nach Norden wegen der herrschenden Windverhältnisse miteinbezogen. Das Luftschiff hat nämlich, je nördlicher es sich hält, mit um so längeren Tagen und kürzerer Dunkelheit zu rechnen. Wenn alles gut geht, wird in etwa 85 Stu n- den, d. h. in rund 3i Tagen, das amerikanische Festland erreicht sein. Interessant ist es, daß bereits am zweiten Tage der Reise über den Stillen Ozean die Datumsgrenze überschritten wird. Damit ändert sich die Berechnung der Längengrade und es ist bei Verfolg der einlaufenden Standortnachrichten dann genau zu unterscheiden, ob eine Länge östlich oder westlich von Greenwich angegeben ist. Der jetzige Ausgangspunkt des Luftschiffes liegt auf dem 140. Breitengrad östlich Greenwich, vom 180. Grad gehen jedoch die Ziffern wieder nach rückwärts. Die amerikanische Küste wird ungefähr auf dem 120. Grad westlicher Länge angesteuert werden. Die Berechnung der Zeitangaben und die Umrechnung für die mitteleuropäische Zeit erfolgt dann nach einer feststehenden Tabelle.
Amerika und die Sowjetunion.
Moskau „noch nicht reif" für eine Anerkennung durch Washington.
Berlin, 22. Aug. (Priv.-Tel.) Mitglieder der amerikanischen Delegation, die soeben ihren Besuch in Sowjetrußland beendet haben, erklärten einem Mitarbeiter der „Voss. Ztg.", daß auf Grund ihres in der Sowjetunion gewonnenen Eindruckes die Anerkennung derSowjet- regierung durch die Vereinigten Staaten nicht in Frage kommen dürfte. Von 42 führenden Mitgliedern der amerikanischen Delegation sind nur 13 von der Ratsamkeit oder Aot- Wendigkeit einer solchen Anerkennung überzeugt: die sämtlichen übrigen Delegierten sprachen sich gegen einen derartigen Schritt und einer von Üjnen, der Präsident einer großen technischen Gesellschaft in Chikago, erklärte mit Zustimmung seiner Kollegen, es dürfte mindestens ein Jahrzehnt vergehen, ehe die Sowjetregierung außenpolitisch reif genug sei für die Aufnahme ehrlicher offizieller Beziehungen zu den ^Bereinigten Staaten.
Wenn auch die Sowjetbehörden in jeder Beziehung entgegenkommend waren und alles taten, um unsere Rußlandreise bequem, interessant und wirtschaftlich nützlich zu gestalten, so find die meisten Mitglieder unserer Delegation doch davon überzeugt, daß die Russen besonders auf politischem Gebiet nicht aufrichtig zu uns waren. Sie wollten uns etwas vormachen und politisch einwickeln, betonte dieser amerikanische Wirtschaftler mit Aachdruck.
Anders als über die Anerkennung der Sowjetregierung durch Washington denken die Führer der Delegation über die Frage von engeren Wirtschaftsbeziehungen zu Sowjetrußland. Mehrere Mitglieder der amerikanischen Delegation benutzten ihren Aufenthalt in Moskau dazu, wirtschaftliche Beziehungen zu den maßgebenden Stellen der Sowjetregierung anzuknüp- . fen, mit dem Erfolg, daß bisher Verträge und Vorverträge für die Lieferung von Maschinen und Werkzeugen, die Errichtung von industriellen Neubauten unter der Leitung von amerikanischen technischen Sachverständigen i n einer Gesamthöhe von etwa 25 Mil- lidnen Dollar zustandekommen konnten. Dagegen hat kein einziges Mitglied der amerikanischen Delegation über eine langjährige Investierung größerer amerikanischer Kapitalien in der Sowjetunion verhandelt.
Kämpfe in her Mandschurei.
Tokio, 21. Aug. (WB.) Aus Mandschuli wird den hiesigen Zeitungen gemeldet, daß russische Panzerzüge sich gestern bis auf 500 Meter den chinesischen Stellungen in Mandschuli näherten. Aus den Zügen stiegen Jnfanterie- soldaten, die unter dem Schutz von Geschützfeuer au f d i e Chinesen schossen. Die Chinesen erwiderten das Feuer mit Haubitzen. Nach einem zweistündigen Kampfe zogen sich die Russen zurück. Die Chinesen verloren 30 Mann, erbeuteten jedoch zahlreiche Geschütze und viel Munition.
ßinoneue Eisenbahnlinie im Tanganjika Territorium.
London, 21. Aug. (WB.) Nach einer Meldung des Gouverneurs des Tanganjika-Territoriums, der ehemaligen Kolonie D e u t s ch - O st a f r i k a s , ist die Verlängerung der im nordwestlichen Teil des Territoriums gelegenen BahnlinieTangan — Moschi bis Arascha vollendet worden. Es handelt sich um eine Strecke von etwa 80 Kilometer, die das Hochland des Berugebirges, in dem 'sich viele Europäer angesiedelt haben, erschließen wird. Mit dem Bau der Bahn, dessen Kosten aus der vom englischen Parlament im Jahre 1926 bewilligten Ostafrika-Anleihe von 10 000 000 Pfund Sterling gedeckt werden, war 1928 nach der Vollendung der Bahnlinie Tabora—Muansa begonnen worden.
Oie Krisis in Oesterreich.
Die Schüsse von St. Lorenzen.
Berlin, 22. Aug. (Priv.-Tel.) In der Steiermark ist ein schwerer Zusammenstoß zwischen dem sozialdemokratischen Schutzbund und den bürgerlichen Heimwehren erfolgt, bei dem es Tote und Hunderte von Verwundeten gegeben hat. Die Schuldfrage ist noch nicht geklärt. Darüber werden noch 'die Gerichte zu sprechen haben. Sehr viel ernsthafter sind doch die politischen Auswirkungen. Wäre dieser Stampf eine Einzelerscheinung, dann würde man mit einem leichten Bedauern darüber hinwegkommen. Leider aber ist er viel mehr, ist er der Ausbruch eines Vulkans, der unterirdisch unter dem österreichischen Staat arbeitet. Dieser Staat ist, so haben verständige Leute von Ansang an behauptet, lebensunfähig, schon deshalb, weil der Wasserkopf Wien als Hauptstadt für das übrige Land zu groß ist, und deshalb gar nicht die Möglichkeit besteht, eine aktive Finanzpolitik zu treiben. Die Siegerstaaten haben das bestritten, sie haben deshalb Geld zur Verfügung gestellt und gleichzeitig einen Finanzkommissar eingesetzt, der später wieder abberufen wurde, nachdem Herr Seipel den Beweis der Lebensfähigkeit erbracht zu haben glaubte.
Ob er auch heute noch so denkt? Die sozialen Gegensätze hat er jedenfalls nicht ausgleichen können. Die radikale Bevölkerung Wiens steht in heftigem Gegensatz zu den Bauern der Länder, und dieser Kampf findet in den Organisationen des Schutzbundes wie der Heimwehr seinen sichtbaren Ausdruck. Vorpostcngefechte hat es schon wiederholt gegeben. Die Schüsse von St. Lorenzen bedeuten
den ersten Ausbruch der Leidenschaften. Wer die Entwicklung aufmerksam verfolgt hat, muß sehr zweifelhaft sein, ob es auch dem besten Willen noch gelingen kann, hier einen Ausgleich zu schaffen. Jedenfalls» sprechen alle Anzeichen dafür, daß die Entladung mit der Gefahr eines Bürgerkrieges früher oder später kommt. Es wäre gefährlich, vor diesen Möglichkeiten die Augen verschließen zu wollen. Die Verantwortung freilich bleibt an den Siegerstaaten hängen, die, nur weil sie die Vereinigung von Deutschland und Oesterreich verhindern wollten, künstlich einen Staat schufen, der so mit Hypotheken belastet ist, daß er darüber zusam- menbrechen muß, und dessen einzige Rettung nur darin besteht, daß er möglichst rasch in Deutschland aufgeht.
Oie produktive Erwerbslosenfürsorge.
Berlin, 22. Aug. (Priv.-Tel.) Gestern nachmittag fand im Reichstag eine Besprechung zwischen Mitgliedern des Sozialpolitischen Ausschusses und Vertretern des Reichsarbeitsministeriums statt, wobei es sich darum handelte, ob Mittel für die produktive Erwerbslosenfürsorge im Wege einer Nachtragsforderung vom Reichstage verlangt werden sollen. Die Erörterung führte dazu, daß von dem Gedanken Abstand genommen wurde. In politischen Kreisen spricht man von einem neuen Plan, gesetzlich festzulegen, daß gewisse öffentliche Bauten im Winter aufzusühren seien, ferner davon, die Unterwerfung der Länder und der Gemeinden unter die Vorschriften über das öffentliche Derdingungswesen von Reichs wegen neu zuordnen.
Aus aller Welt.
33. Deutscher firankenkafsentag in Nürnberg.
Der Hauptverband deutscher Krankenkassen eröffnete seinen 33. Krankenkassentag mit einem Vortrag des Vorsitzenden des Hauptverbandes. Lehmann, Berlin, über „Die Reform der Reichsversicherungsordnung". Von den Leitsätzen, Die mit großer Mehrheit angenommen wurden, find folgende von Bedeutung: Die Vorschriften der Reichsversicherungsordnung über die Krankenversicherung würden weder den sozialen Bedürfnissen des werktägigen Volkes, noch den Erfordernissen der Gesundheitspflege gerecht. Deshalb müsse die Bahn freigemacht werden, um die Krankcnsürsorge wirksamer zu gestalten, ohne die Wirtschaft stärker zu belasten. Zu diesem Zwecke sei die Sozialversicherung grundsätzlich zu rationalisieren. Rationalisierung der Organisation bedeute Zusammenfassung der finan
ziellen Kräfte, Lastenausgleich und Vereinfachung der Verwaltung. Bezüglich des Umfanges der Versicherung wird u. a. gefordert, daß d ieVer - sicherungspflichtgrenze bei 6000Mk. Iahresarbeitsverdienst liege und daß d i e Kleingewerbetreibenden und Kleinbauern in die Krankenversicherung miteinbezogen werden. Für die Rationalisierung der Leistungen werden u. a. folgende grundsätzliche Forderungen erhoben: Neuordnung des kassenärztlichen Dienstes, Anstellung von Vertrauensärzten, die bei der Gestaltung des Heilplanes mitzuwirken sowie die Arbeitsunfähigkeit festzustellen haben. Weiter wird gefordert Schadenersatzpflicht der Kassenärzte bei Schädigungen der Krankenkassen durch unwirtschaftliche Behandlungsweise. Das kassenärztliche Gesamteinkommen ist durch eine angemessene Pauschalsumme zu begrenzen, Gewährung von Krankenpflege an Versicherte auf die Dauer von 52 Wochen, Beteiligung der Invaliden- und Angestelltenversicherung an den Kosten des Heilverfahrens der Krankenversicherung für chronische Kranke, Gewährung von Hausgeld in Höhe des Krankengeldes bei Krankenhaus-, Kurheim-, Genesungsheim- und Erholungsheimpflege. Volle Grsatzpflicht der Unfallversicherung für Leistungen der Krankenkasse an arbeitsunfähige Unfallverletzte.
Die Rekordzeit der „Bremen" nicht geschlagen.
Die „Mauretania", die Mittwoch vormittag in Plymouth ankam, hat den Rekord der „Bremen" nicht schlagen können. Ihre Durchschnittsaeschwin- digkeit betrug 27,22 Knoten, die der „Bremen" 27,9 Knoten.
Lin Einbrecher
als blinder Passagier auf der „Bremen".
An Bord der „Bremen" befand sich wieder ein blinder Passagier, der 32jährige Hans Derklage. Er hatte in Bremen die Uniform eines Stewards gestohlen und war so an Bord gelangt. Die Reise benutzte er zu Raubzügen in Den Luxuskabinen des Schiffes, wobei ihm Wertsachen im Betrage von etwa 1 0 0 0 0 0 M k. in die Hände fielen. Kurz vor der Ankunft in Reuyort wurde er entdeckt. Er wird schnellstens nach Bremen zurückgeschafft und dort abgeurteilt werden.
Eine Geisteskranke als zwötffoche Brandstifterin.
In Neufahn (Niederbayern- und Umgebung brachen in ganz kurzer Zeit zwölf Brände aus, deren Entstehungsursachen nicht ermittelt werden konnten, und die die größte Beunruhigung im ganzen Lande heroorriesen. Durch
Zufall konnte die 55 Jahre alte Lcmdwirtswitws Maria Högl aus Neufahn, deren großes Anwesen seinerzeit als erstes in Flammen aufging, als Brandstifterin entlarvt werden. Zuletzt lief sie einem fahrenden He u w a- g e n nach und zündete diesen auf offener! Straße an. Eine auf dem Wagen sitzende Frau zog sich beim Abspringen von dem brennenden Wagen empfindliche Verletzungen zu. Als die Brandstifterin bemerkte, daß man sie verfolgte, warf sie sich in Den Straßengraben und schlug sich selbst mit Ziegelsteinen so heftig auf den Kopf, daß sie ziemlich schwere Wunden erlitt Die Frau, die g e i st e s g e st ö r t ist, hat eingestanden, die zwölf Brände angelegt zu haben.
Europäische Flugpost nach Persien.
Nach Verhandlungen zwischen den Postverwaltungen in Persien und dem Irak, sowie d«r Junkers-Gesellschaft ist ein Abkommen erzielt worden, wonach Junkers-Flugzeuge Post aus dem Irak, sowie europäische Post, die von Flugzeugen der Imperial Airways Co. in Bagdad abgeliefert wird, nach Persien befördert werden. Auf diese Weise wird ein Luftpostdienst Europa— Persien her gestellt.
Generalstreikgefahr im polnischen Kohlenbergbau.
Die Bergarbeiter des Dombrvwaer Industriegebiets haben an die Arbeitgeber die Forderung auf Einführung der achtstündigen Arbeitszeit einschließlich Ein- und Ausfahrt gestellt. Verhandlungen in dieser Richtung blieben bisher erfolglos. Die Arbeitnehmer stellten darauf die strikte Forderung, den Achtstundentag in der gewünschten Form einzuführen, andernfalls am 24. August der Generalstreik der Bergarbeiter einsetzen werde. Die Streikstimmung ist ziemlich stark, da bereits jetzt Teilstreiks zu verzeichnen sind.
Opfer der Berge.
Drei Alpinisten, zwei Franzosen und ein Schweizer sind beim Besteigen des Mont- Blanc in einen Gewittersturm geraten. Die Franzosen erlitten beim Sturz Gehirnerschütterungen, der Schweizer wurde vom Blitz getötet.
Täglich 200 000 Franken für wahrsagen.
Ein früherer Beamter der Pariser Präfektur, der über den Wahrsagebetrieb in der französischen Hauptstadt gut unterrichtet ist, stellt in einer Pariser Zeitung eine kuriose Statistik über die in der Seine-Metropole tätigen Kartenschlägerinnen, Handlinienleser, Astrologen und anderen Vertretern ähnlichen Gewerbes auf, aus der hervorhebt, daß es zur Zeit in der G»ite ßumiere rund 3 4 600 WahrsagesalvnS gibt, die täglich etwa zweihunderttausend Franks einnehmen, was die nette Summe von 73 Millionen Franks im Jahre ausmacht.
Gefängnis für einen Posträuber.
Das Stader Schöffengericht verurteilte den Postschaffner Peters aus Bremervörde wegen schweren Diebstahls und Unterschlagung zu eineinhalb Jahren Gefängnis. Es handelt sich um einen Postraub aus dem Zug Bremervörde—Wesermünde am 21. Januar 1927, der großes Aufsehen erregt hatte. Es war eine KistemitPostgeldern non über 23000 Mark verschwunden. Peters hatte die Summe in seinem Hause versteckt. Alle Nachforschungen blieben vergeblich bis im Juli d.I. der Diebstahl durch einen Zufall — Kinder spielten auf dem Boden mit gefundenen Geldscheinen — auf» gedeckt wurde. 4000 Mark in Scheinen waren achtlos verbrannt worden, da man sie für Inflationsgeld hielt, 6380 Mark tourben gerettet. Den Rest Der Summe hatte Peters vervraucht.
Oie Wetterlage.
«ft
Ä
/6
22
La <onjna.
Owomenios. O neue*. <j nan> otdecxi ® woiwig e oeaeCKi elfeattL
V Sehnet a Graupeln. 5 Nebel K Gewitter,(g)WindstiHe.«O< seh* cicnier Ost massiger Südsüdwest» <S stürmischer nordwesl Oie Piene fliegen mit dem Winde. Die oeiden Stationen stehenden Zahlen gehen die Temperatur an. Die Linien VerOindto Orte <nil gleicht^ »uf neercsniveau umoexctuieUr» Luftdruck
Wettervoraussage.
Die Luftdruckverteilung zeigt seit gestern wenig Aenderung. Heber" Island lagert weiter das Fallgebiet, und hoher Druck erstreckt sich bandförmig von Frankreich über Deutschland nach dem Baltikum. Eine ausgesprochene Hochdruckwetter-, läge entwickelt sich jedoch nicht, denn mit der Zufuhr maritimer Luft tritt weiterhin Bewölkung auf. Zu Niederschlägen wird es in unserem Bezirk nicht kommen. Auch erfahren die Temperaturen keine merkliche Aenderung.
Wettervoraussage für Freitag: Stellenweise Frühnebel, teils wolkig, teils auf» heiternd, wenig Aenderung Der Temperaturen, trocken.
Wettervoraussage für Samstag: Fortdauer der herrschenden Wetterlage.
Lufttemperaturen am 21. August: mittags 19,4 Grad Celsius, abends 15,2 Grad: am 22 August: morgens 11,6 Grad. Maximum 19,6 Grad, Minimum 7 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 21. August: abends 20,5 Grad, am 22. August morgens 15,4 Grad. — Sonnenscheindauer 3 Stunden,


