Ausgabe 
22.6.1929
 
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imb Seerecht werden gewiß eine entscheidende Rolle für die geplante Zusammenarbeit spielen, aber daneben bleiben andere wichtige Fragen zu klären: Eine Einigung über die Stellung beider Länder in Südamerika, in China und das englische Verhältnis zu Japan. Alles Fragen von entscheidender Bedeutung für die Stellung Großbritanniens, so daß die Verwirklichung des an sich verlockenden Gedankens einer Art englische amerikanischen Bundes mit seiner einzig dastehen­den Stoßkraft auf allen Gebieten doch noch recht ernste Hindernisse bieten wird. Aus diesen Ver­handlungen werden der Regierung aber jeden­falls keine innerpolitischen Schwierigkeiten er­wachsen.

Anders liegen die Dinge schon m der Frage der Wiederaufnahme der diplomati­schen Deziehungen zu Moskau. Die Re­gierung kann zwar in diesem Fall bestimmt auf die liberalen Stimmen und vielleicht Stimment­haltung eines kleinen Teils der Konservativen rech­nen. 3m arbeiterparteilichen wie liberalen Wahl­programm hat ja gerade dieser Punkt eine sehr große Rolle gespielt. Aber Macdonald und auch sein Außenminister Henderson mit seinen großen Erfahrungen innerhalb der Bewegung der Zwei­ten Internationale werden sich darüber klar sein, daß ihnen die Dritte Internationale vielleicht noch einmal, wie schon 1924, g e f ä h r l i ch w e r - den kann. Moskau scheint ebenso unbelehrbar wie unberechenbar zu sein, die wüsten Ausfälle gegen eine Regierung, die sich anschickt, die Be­ziehungen mit ihm wieder aufzunehmen, toären sonst unverständlich. Dabei könnte eine englisch- amerikanische Verständigung auch über die Hal­tung gegenüber Rußland für die Sowjetrcgierung eine Frage auf Leben und Tod bedeuten, je nach­dem sie es vorzieht, sich mit dem angelsächsischen Kapital zu verständigen, oder die Theorie der Weltrevolution in englischen Interessensphären weiter auszuprobieren. Das ist um so bedeut­samer, als unter den Fragen der inneren Welt­reichspolitik. mit denen sich die Regierung aus- einanderzusetzcn haben wird, die R e u o r d- nung der Stellung Indiens zu Groß­britannien die weitaus bedeutendste, aber auch gefährlichste ist. Die Befürworter der vollen Unabhängigkeit Indiens auf dem linken arbei- terparteilichrn Flügel und die Swarajisten in Indien werden Macdonald ohnehin Schwierig­keiten genug machen, mehr vielleicht als er zu meistern vermag. Wenn Moskau sich noch berufen fühlen sollte, als Vorkämpfer dieser Freiheits­bestrebungen aufzutreten, dann wäre das Schick­sal der Regierung Macdonalds besiegelt.

Die günstige Erledigung der amerikanischen oder russischen Frage mußte von erheblichem Einfluß auf die allgemein weltpolitische Entwick­lung sein. Aber es ist nicht ohne weiteres sicher, bis zu welchem Grade sie die D e u t s ch l a n d berührenden Fragen direkt beeinflussen werden. Reben der Behandlung der weltpolitischen Ziele wird es daher besonderer Anstrengungen konti­nentalpolitischer Art bedürfen, wenn die englische Regierung wesentliche außenpolitische Erfolge er­zielen will. 2n dieser Hinsicht ist die Lage leider weniger klar als in der amerikanischen oder auch russischen Frage. Es ist zwar durchaus verständ­lich, daß Macdonald in den wenigen Tagen seiner Amtszeit noch keine Zeit fand, auch in der Minderheitenfrage zu intervenieren und die Rheinlandräumung ernsthaft aufzu­fassen abgesehen von dem bekannten, politisch bedeutungslosen Trick-Artikel, der verspätet ver­öffentlicht wurde. Theoretisch ist zu beiden Punk­ten die Stellung der Regierung Deutschland gün­stig, praktisch wird es aber in diesen bisher von Frankreich vollkommen beherrschten Dingen nicht an Verwicklungen fehlen. Macdonald will die englisch-deutschen wie die französisch-deutschen Beziehungen verbessern, ohne gleichzeitig die eng­lisch-französischen Beziehungen zu verschlechtern. Er ist theoretisch für die bedingungslose und sofortige Rheinlandräumung, für die Vermin­derung der Landarmeen und gegen die französische Reservisten-These, er ist, mit einem Wort, so ziemlich in allen Punkten gegen die französische Militär-, Macht- und Bündnispolitik. Es wird sich aber erst zeigen müssen, wieviel der Mi­nisterpräsident Macdonald von den Idealen des Oppositionsführers Mac­donald zu verwirklichen vermag.

Paris wird ihm diese Aufgabe nicht sehr leicht machen, ganz gewiß dann nicht, wenn es über­zeugt ist, daß auch die zweite Regierung Mac­donald nur ein Gastspiel von kurzer Dauer sein wird. Vorläufig ist die englische Regierung in Paris durch Tyr ell als Botschafter vertreten, der sich leicht als gefährlicher Gegenspieler für den Außenminister Henderson erweisen kann. Diese Schwierigkeiten finden zunächst einen ge­wissen Ausgleich durch die mit der Pariser Eini­gung akut gewordene Rheinlandräumung, die der englischen Regierung eine wertvolle Geste durch Zurückziehung ihrer Truppen, sei es mit den französischen und belgischen, sei es ohne sie, in die Hand gibt. Deutschland wird eine solche Geste zu schätzen wissen und auch dafür Verständ­nis haben, daß nach dem durch eine Ironie der Weltgeschichte mit einem halben Nobel­friedenspreis ausgezeichneten frankophilen Cham­berlain nicht sofort eine völlige Umkehr der englischen Außenpolitik erwartet werden kann. Aber Ramsay Macdonald wird auf der anderen Seite nicht erwarten können und wir hoffen auch nicht erwarten wollen, daß Deutschland ständig die Brosamen der ausgestoßenen Ration ißt und im übrigen von den Idealen lebt, die seine Rachbarn ringsum mit Füßen treten. Er wird erwarten können, daß die deutsche Außenpolitik seine Bemühungen nicht durch einen Übertriebenen Druck auf Erfolge auf allen Ge­bieten stört, nachdem man die hohlen Friedens­versicherungen des konservativen Außenministers Chamberlain viereinhalb Jahre lang für bare Münze nahm: er wird gleichzeitig aber auch verstchen, daß auf längere Sicht eine deutsche Außenvolitik, die durch Zugeständnisse bis zum Weißbluten bisher auf keinem Gebiet etwas Ent­scheidendes erreichen konnte, selbst für ein ent­waffnetes und so langmütiges Volk wie das deutsche nicht der Weisheit letzter Schluß fein kann.

Leon Blum fordert die Rheinlandräumung.

3m wohlerwogenen Interesse Frankreichs.

Paris, 21.Juni. (WTD.) 3mPopulaire" fordert der sozialistische Abgeordnete L L o n Blum unverzügliche Rheinlandräumung. Sr schreibt: Welchen wirklichen und vielleicht ein­zigen Zweck kann die Besprechung zwischen den

Regierungen haben? Mit den Verfehlungen, Sanktionen und Kontrollkommissionen aufzuwar­ten, ist doch üherholt. Dor den Regierungen wird nach der Ausarbeitung des Poung-Planes eine einzige ernste Frage aufgeworfen werden, ebenso wie nach der Fertigstellung des Dawes-Planes in London auch,nur eine einzige Frage aufgeworfen worden ist. Damals hat es sich um die Ruhrräumung gehandelt, jetzt handelt es sich um die Rheinland­räumung. Er, Blum, wünsche von Herzen, und zwar im 3nteresse Frankreichs, daß dies unverzüglich die Initiative dazu er­greife, wenn es sie noch nicht ergriffen habe. Die Geste werde doch notwendigerweise erfolgen müssen. Möge Frankreich die Eleganz besitzen, diese Geste spontan zu tun, um die ganze Ehre und den ganzen Gewinn dafür für sich in Anspruch nehmen zu können. Wenn die fran­zösischen Minister das verstehen würden, dann würden die Verhandlungen unter den Regierun­gen sich kaum in die Länge ziehen. Gleichviel ob mit äleberlegung oder spontan könne die Ent­scheidung nur noch ganz wenige Tage hinausgeschoben werden. Bei dem jetzigen Stande der Dinge die Räumung zu verschieben oder zu versuchen, ihr aus dem Wege zu gehen, wäre nicht loyal, ja nicht einmal anständig.

Die Arbeitszeit der Angestellten. Die Genfer Arbeitskonferenz bereitet eine internationale Konvention vor.

Genf, 21. Juni. (WB.) Die Internationale Arbeitstonserenz nahm den an die Regierungen der Mitgliedsstaaten der Arbeitsorganisation zu richtenden Fragebogen über die Aufstellung eines internationalen Llebereinkommens über die Arbeitszeit der Angestellten mit 92 gegen 15 Stimmen an. In diesem Fragebogen wird die Möglichkeit ins Auge gefaßt, die Ar­beitszeit der Angestellten einer internatlo» nalenRegelungzu unterwerfen. Die Haupt­frage lautet, ob die 48 stündige Arbeits­woche für die Angestellten einzusühren

Verlängerung des Republik-Schutzgesetzes.

Deutscher Reichstag.

Auf der Tagesordnung steht die zweite Beratung der Vorlage, durch die das Gesetz zumSchutze der Republik um drei Jahre verlän­gert wird. Der Rechtsausschutz hat der Vorlage zugestimmt.

Abg. Dr. E v e r l i n g (Sn.) erklärt, die Sozial­demokratie rede vom freiesten Freistaat der Welt und feiere mit viel Flaggentuch die Verfassung, um sie gleichzeitig zu brechen und wesentliche Grundrechte aufzuheben und zu Privile­gien der Republikaner zu machen. Sie Monarchie habe ein derartiges Schutzgesetz nie nötig gehabt. Ser Redner nennt das Republikschutzgesetz das Einfallstor für die Politisierung der I u st i z. Es handle sich um ein System Metternich in plumper Neuauflage. Sas Gesetz habe der Re­publik nur ein Senungiantentum und eine Vergiftung der politischen Atmosphäre gebracht. Unter der Regierung Braun seien mehr Beleidigungsklagen anhängig gemacht worden als in der ganzen Regierungszeit des alten Kaisers. Ser Redner fordert, daß das Republikschutzgesetz beseitigt werde.

Abgeordneter Mastowski (Komm.) verlangt die Aushebung des Republikschutzgesetzes und erin­nert daran, daß die letzte Verlängerung dieses Ge­setzes mit den Deutschnationalen be­schlossen worden sei. In feiner praktischen Wir­kung richte sich das Gesetz lediglich gegen links.

Reichsjustizminister v. Gusrard er­widert dem Abg. Sr. Everling, in der vorigen Re- gierung seien auch Mitglieder der Seutsch­nationalen vertreten gewesen. Siese hät­ten die Notwendigkeit der von Everling bekämpften Bestimmungen des Republikschutzgesetzes aner­kannt. Sas ergebe sich daraus, daß in dem letz­ten Regierungsentwurf für die Strafrechtsreform dieselben Bestimmungen enthalten waren. Einem Senunziantentum wolle auch die jetzige Regierung nicht Vorschub leisten.

Abg. Wagner (Nat.-Soz.) bekämpft das Re­publikschutzgesetz. Sie Seutschnationalen hätten frei­lich keinen Grund zur Entrüstung, denn sie hätten ja ein paar lumpiger Ministersitze wegen einer Verlängerung dieses Gesetzes zugestimmt.

Abg. Best (VRP.) lehnt die Verlängerung des Republikschutzgesetzes ab.

Abg. Sr. Rosenfeld (Soz.) stimmt dem kom- munistischen Redner darin zu, daß das Republik­schutzgesetz in der Hauptsache gegen links an­gewandt worden sei. Sas liege aber in der Recht­sprechung des Reichsgerichtes. Nach der letzten Aenderung des Republikschutzgesetzes sei das Strafmaß gegen Kommunisten in keinem Falle hoher gewesen, als es auch nach dem geltenden Strafgesetz gewesen wäre. Surch Strafgesetze allein werde die Liebe zur Republik allerdings nicht ge­weckt. Siese Liebe wolle die Sozialdemokratie wecken durch ihren Kampf um die soziale Ausge­staltung der Republik. Ein strafrechtlicher Schutz dieser Republik lasse sich jetzt noch nicht entbehren.

Abg. Drewitz (WP.) führt aus, ein Staat werde, ganz unabhängig von der Staatsform, niemals auf den gesetzlichen Schuh seiner Auto­rität verzichten können. Die Wirtschaftspartei bekämpfe alle Ausnahmegesetze, also auch das Republikschuhgeseh. Wenn das heutige Strafmaß nicht ausreiche, dann könnte durch eine Novelle das erreicht werden, was wir brauchen. Wir beantragen, das Gesetz bis zum 31. De­zember 1 930 zu verlängern.

2lbg. Dr. Bell (Z.) erklärt, das Republik- schuhgeseh sei allerdings ein Tendenzgesctz ge­wesen, denn seine Tendenz war die Beseitigung der politischen Mordatmosphäre. Ein Ausnah­megesetz sei es nicht, denn es sollte niemals einseitig gegen rechts angewandt werden. (Unruhe rechts.) Alm eine Einigung herbeizu­führen, werde das Zentrum dem Antrag der Wirtschaftspartei zu stimmen.

Abg. Külz (D.) erklärt sich gleichfalls mit dem Antrag der Wirtschaftspartei einverstanden.

Der nationalsozialistische Antrag auf Aus­hebung des Republikschutzgesehes wird im Hammelsprung mit 244 gegen 123 Stimmen ab* gelehnt. Dagegen stimmt mit den Regie­rungsparteien auch die Wirtschaftspartei.

Ser Antrag der Wirtschaftspartei, die Geltungs­dauer bis zum 31. Dezember 1930 zu verlängern, wird mit den Stimmen der Antragsteller und der

Regierungsparteien angenommen. 3n namentlicher Abstimmung wird die so geänderte Vorlage mit 256 gegen 124 Stimmen in zweiter Beratung ange­nommen.

Es folgt die erste Beratung der Vorlage, durch die die Pachtschuhordnung bis zum 31. März 1930 verlängert wird.

Abg. Tempel (S.) bedauert, daß die end­gültige gesetzliche Regelung des Pachtschuhwesens wiederum um ein halbes Iahr verzö- g e r t werde. Die Sozialdemokratie stimme der Vorlage nur in der Erwartung zu, daß schleu­nigst ein soziales Pachtrecht geschaffen werde. Die Vorlage wird in allen drei Le­sungen angenommen. Die Novelle zu dem Gesetz über den gewerblichenRechtsschuh und den Gesetzentwurf über Bereinigung der Grundbücher wird dem Rechtsausschuß überwiesen. Der Geschäftsordnungsausschuß legt hierauf einen Bericht vor über Anträge auf Genehmigung zur Strafverfolgung verschiedener Abgeordneter. In zwölf Fällen be­antragt der Ausschuß die Zurückverweisung der Anträge, dagegen beantragt er die Genehmigung des Antrages des Oberstaatsanwaltes beim Land­gericht III Berlin wegen Durchführung des Dor- führungsbefehls gegen den nationalsozialistischen Abg. Strasser. Abg. Dr. Frick (Nat.-Soz.) beantragt die Zurückverweisung des Falles Strasser an den Ausschuß, da der Antrag des Oberstaatsanwaltes auch auf Verhaftung des Abg. Strasser gehe, was jedoch im Ausschuß­antrag nicht angegeben sei. Abg. Graes- Thü­ringen (Dn.) unterstützt den Antrag Frick. Der Antrag Frick wird gegen Antragsteller und Deutschnationale abgelehnt.

Abg. Dr. Frick (Nat.-Soz.) bezeichnet den Ausschuhantrag im Fall Straßer als Ausnahme- recht gegen die Nationalsozialisten. Wenn Abg. Lipinski im Ausschuß den Abg. Straßer einen Feigling nenne, so werde Straßer das mit schla­genden Argumenten widerlegen. Der Redner erhält Ordnungsrufe wegen Beleidigung der Ab­geordneten Hallmann und Mittelmann. Als er die vom Abg. Straßer veröffentlichten und vom Staatsanwalt verfolgten Beleidigungen zi­tiert, kommt es zu stürmischen Entrüstungs­kundgebungen der Sozialdemokraten. Präsident Löbe erklärt, es könnten unmöglich solche Beschimpfungen in der Form des Zitats im Reichstag wiederholt werden.

Abg. Dr. Mittelmann (D.Vp.) bezeichnet die Behauptung des Abg. Dr. Frick, er sei an Reparationssachlieferungen beteiligt, als glatte Unwahrheit. (Abg. Dr. Kahl (D. Vp.) ruft Dr. Frick zu:Schämen Sie sich!")

Abg. Lipinski (Soz.) führt aus, das Sy­stem des Abg. Straßer, eine ganze Reihe natio­nalsozialistischer Zeitungen verantwortlich zu zeichnen, sich aber unter Berufung auf die Immunität der g e r i ch t l i ch e n V e r- anttoortung zu entziehen, sei ein Miß­brauch der Immunität. Im Taunus fei_ eine Versammlung der Nationalsozialisten angekündigt worden mit dem Satz:Cs kommt Straßer, dcv Schrecken des Reichstages!" (Stürmische Heiter­keit.)

Abg. Strasser (Nat.-Soz.) widerspricht den Ausführungen des Abg. Lipinski. Tatsächlich handle es sich nur um verschiedene K o Pf- bl ä t.t e r mit gleichem Inhalt. 3m übri­gen lehne er es ab, sich über den Begriff Ehre mit Vaterlandsverrätern und Zuhältern zu un­terhalten.

Bei diesen letzten, gegen die Sozialdemokra­ten gerichteten Worten, gegen Die Präsident Löbe durch fortgesetztes Läuten der Glocke vor­geht, stürmen die Sozialdemokraten unter Ru­sen der Empörung gegen die Tribüne vor. Die Nationalsozialisten kommen von der anderen Seite. Es droht einen Moment, zum Hand­gemenge zu kommen. Präsident Löbe kann schließlich den Abg. Strasser aus dem Saal weisen.

Gegen die Nationalsozialisten, Christlichnatio­nalen, Deutschnationalen und Kommunisten wird der Ausschuhantrag auf Genehmigung der Vor­führung und Verhaftung des Abg. Straffer an­genommen.

Samstag 12 Uhr: Die Etats des Auswärti­gen Amtes, der besetzten Gebiete und der Kriegs­lasten.

sei. Eine andere Frage ist die, für welche Kate­gorie von Angestellten eine höhere Arbeits­zeit angezeigt erscheint. Die Konferenz beschloß mit 103 gegen 17 Stimmen, die Frage der Schaf­fung einer internationalen Konven- ti o n auf die Tagesordnung der Tagung der Ar­beitskonferenz von 1930 zu setzen.

Oer Gtinnes-prozeß.

Berlin, 21.3uni. (WB.) Zunächst geben der Prokurist der Firma Eisen und Stahl, G. m. b. H. in Hamburg, deren Geschäftsführer Direktor Nothmann und v. Waldow waren, und der Privatsekretär von Hugo Stinnes jr., Grubba, ate Zeugen an, dah auf Veranlassung von Herrn Stinnes und Herrn v. Waldow größere Geldbeträge zur Finan­zierung des Anleihegeschäftes flüs- f i g gemacht wurden. Die Mittel stammten zum großen Teil aus der FirmaEisen und Stahl", die zum Stinneskonzem gehörte, zum Teil aus dem Besitz Hollissen. Auf die Frage des Vor­sitzenden, ob es richtig sei, daß Stinnes die das Anlechegeschäst betreffenden Akten mit nach England genommen habe, erklärte Grubba, chm sei davon nichts bekannt. Der ZeugeHeinz- m a n n bekundet demgegenüber, dah der Zeuge Grubba bei der Haussuchung in Ham­burg auf seine Frage, wo die Akten über das französische und rumänische Geschäft seien, geant­wortet habe, Stinnes habe sie nach England- mitgenommen. Grubba gibt an, sich darauf nicht mehr entsinnen zu können. Es wurde dann die Vernehmung des Llntersuchungsrich- ters Landgerichtsrat Brühl fortgesetzt. Der Vorsitzende befragte den Zeugen u. a., ob es richtig sei, dah Brühl als Untersuchungsrichter zu dem Beschuldigten v. Waldow gesagt habe: Wenn Stinnes verhaftet wird, können Sie frei- gelassen werden: aber einer von beiden muß sitzen

Zeuge Brühl: Ich fürchtete zwar damals eine Beeinflussung des Angeklagten o. Waldow durch Stinnes, wenn beide sich auf freiem Fuß befänden, aber die Aeußerung, daß einer von beiden sitzen

müsse, habe ich nicht getan. Rschtsanwalt Ehlers: Ich habe diese Aeußerung aber auch gehört und werde sie als Zeuge unter E i d aussagen. Zeuge Brühl bleibt dabei, daß er diese Bemerkung nicht gemacht habe. Als im weiteren Verlauf der Vernehmung Verteidiger und Angeklagte dem Landgerichtsrat Brühl erneut den Vorwurf machen, während der Voruntersuchung versucht zu haben, die Beschuldigten mit der Androhung des Haftbefehls gefügig z u machen, erklärt Landgerichtsrat Brühl: Das ist ja Quatsch! Die Verteidigung verwahrt sich gegen diesen Ausdruck. Der Vorsitzende bittet den Zeugen, durch solche Ausdrücke nicht wieder neue Erregung in die Verhandlung zu tragen. Als nächster Zeuge gab Kriminalkommissar Rassow, der an der Voruntersuchung teilgenomffren hat, eine Schilderung der Verhaftung des Angeklagten von Waldow. Eine Mitteilung, die mir von Waldow machte, so sagte sstassow u. a. aus, mutete mich wie eine Szene aus einem Kriminalroman an. Er sagte mir nämlich, er habe einmal für Stinnes fingierte Korrespondenzen a n f e r t i gen müssen. Er erhielt zu diesem Zweck vier Schreibmaschinen verschiedenen Fabrikats und Brief­bogen mit vier verschiedenen Firmenköpfen. Auch anderen Angestellten sei diese Methode des Chefs, die man allgemein alsR o rn a n s ch r e i d e n" bezeichnete, bekannt gewesen. Weiter bestritt der Zeuge energisch, Herrn v. Waldow gegen Stinnes aufgehetzt zu haben.

Oie landwirischastliche Giedelung.

Berlin, 22. 3uni. (DDZ.) Der Reichstags- ausschuß für landwirtschaftliches Siedlungswesen beendete die Vorberatung über die Reichsricht­linien für die Gewährung von Reichs­zwischenkrediten für landwirtschaft­liche Siedler. Der Reichskredit einschließlich des 'Daukredits des Landes darf bei neuen Siedler st eilen bis zur Gröhe eines selb­ständigen Familienbetriebes 90 Prozent, bei grö­ßeren Dauernsiedlungen bis 25 Hektar 85 Proz., bei Dauemsiedlerstellen von 25 bis 50 Hektar 75 Prozent und bei Restgütern bzw. Siedlerstellen von mehr als 50 Hektar 665/3 Prozent des Pachtwertes der Stelle nicht übersteigen. Dabei dürfen größere Dauernstellen und Restgüter nur unter besonderen Voraussetzungen berücksichtigt werden. Bei Anliegerfiedlern darf der Reichskredit 75 Prozent des Pachtwertes der Zuwachsfläche nicht übersteigen. Nach Ablauf eines Freijahres erfordert der Reichskredit auf neue Siedlerstellen jährlich 4,5 Prozent, bei Anliegersiedlern 5 Prozent Zinsen und 0,5 Pro­zent Amortisation. Der Reichskredit ist im Grund­buch an erster Stelle einzutragen. Nach den Schlußbestinirnungen kann bewährten Sied­lungsunternehmen ausnahmsweise ein nicht für ein Cinzelsiedlungsvorhaben bestimmter Kredit zu 7 Prozent gewährt werden.

Kunst und Wissenschaft.

Das 25jährige 2ubifäum dec Technischen Hochschule in Danzig.

Als Auftakt zu seiner 68. Hauptversammlung in Königsberg veranstaltete anläßlich des 25jährigen Bestehens der Technischen Hochschule Danzig der Verein Deutscher Ingenieur zusammen mit der Deutschen Gesellschaft für Bau­ingenieurwesen eine Kundgebung in der Danziger Technischen Hochschule, der eine Begrü­ßung im Artus-Hof voranging. Zu dem Festakt hatten sich neben den zahlreichen Tagungsteil.

Die Wetterlage.

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Wettervoraussage.

Der Einfluß des hohen Druckes von Westen her nimmt rasch ab, und die durch die Druckver- teilung geschaffene Westströmung wirkt beftim* nend auf die Wetterlage. Sie bringt Bewölkung mit sich und verhindert dadurch die Temperatur- gegcnsähe zwischen Tag und Nacht, auch treten gelegentlich Niederschläge auf. 3m allgemeinen bleibt der Witterungscharakter etwas unbeständig, wobei auch vorübergehend Aufheiterung einseht. Die Temperaturen steigen nicht besonders an.

Wettervoraussage für Sonntag: Wolkiges Wetter, Temperaturen zwischen Tag und Nacht wieder mehr ausgeglichen, mäßig warm, vereinzelt Regen.

Wettervoraussage für Montag: Bei ansteigenden Temperaturen wolkig, noch ver­einzelte Niederschläge wahrscheinlich.

Lufttemperaturen am 21. Juni: mittags 18,3 Grad Celsius: abends 13,4 Grad: am 22. Juni: morgens 13,4 Grad. Maximum 20,8 Grad, Minimum 5,2 Grad. Lufttemperaturen in 10 cm Tiefe am 21. Juni: abends 26,1 Grad: am 22. Juni: morgens 17,8 Grad Celsius. Sonnenscheindou^- 9% Stun­den,