Ausgabe 
22.4.1929
 
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Prinz Heinrich von Preußen f.

fiitl, 20. April. (2BB.) Prinz Heinrich von Preußen ist heule nachmittag gegen 2 Uhr auf Schloß hemmelmark bei Eckernförde g e sl o r - ben. Der Prinz litt schon seit längerer Zeit an einer Bronchitis, zu der vorgestern Lungen­entzündung getreten war. Der Prinz verschied heute nachmittag 130 Uhr ohne jeden Todeskampf. Am Sterbelager weilte die Londgräsin von Hessen. Die Beerdigung erfolgt im Erbbegräbnis auf Schloß hemmelmark.

Vie Nachricht von dem plötzlichen Ableben des Prinzen hat in ollen Kreisen der Provinz Schles­wig-Holstein und besonders in den Kieler INarine- kreisen tiefe Anteilnahme erweckt. Bei dem Hof- marschallamt des prinzlichen Gutes hemmelmark sind zahlreiche Beileidstelegramme eingegangen, dar­unter auch eins vom König vou England. Der Reichspräsident Hot der Prinzessin Hein­rich in einem persönlichen Telegramm sein Beileid ausgesprochen. Eingetroffen sind bis jetzt auf hemmelmark der ehemalige Grohherzog und die Großherzogin von Hessen, die Kronprinzessin von Schweden und der Prinz Lippe. Der ehemalige deutsche Kronprinz und die Prinzen des preußischen Hauses werden in diesen Tagen erwartet. Am Montag findet im eng­sten Kreise eine Abendmahlfeier statt. Die Kron­prinzessin Cäcilie wird nach der Beisetzung nach hemmelmark kommen, um hier einige Zeit bei der Gattin des Prinzen Heinrich zu verweilen. Die Totenwache bei dem verstorbenen Prinzen haben ehemalige Offiziere übernommen, die dem prinz- lichen Hause besonders nahestanden.

Der Tod des Prinzen Heinrich, des Bruders des ehemaligen deutschen Kaisers, ist insofern überraschend gekommen, als man in der Oeffent« lichkeit nichts von seiner Erkrankung erfahren hatte. Prinz Heinrich, am 14. August 1862 als Sohn Kaiser Friedrichs III. und der Prinzessin Viktoria von England geboren, hatte sich von früher Tugend an dem deutschen Seedienst ge­widmet. Rachdem er die verschiedenen Grade der Seeoffizierlaufbahn durchlaufen hatte, wurde er 1906 Chef der aktiven Schlachtflotte, trat jedoch am 4. September 1909 vom Kommando der Hoch­seeflotte zurück, woraufhin er unter gleichzeitiger Beförderung zum Großadmiral zum General­inspekteur der Mari ne ernannt wurde. Mit besonderem Interesse hatte sich Prinz Hein­rich zeitlebens den verschiedenen Zweigen des Sportes zugewandt. Als leidenschaftlicher Auto­mobilfahrer beteiligte er sich an vielen inter­nationalen Rennen, veranlaßte auch die Einfüh­rung des Automobilwesens in die Heeresverwal­tung .und stellte sich an die Spitze des deutschen freiwilligen Automobilkorps. Reben dem Auto­sport war es aber auch das Flugwesen, dem er sein ganzes Interesse widmete, und an dem er auch aktiv teilnahm, nachdem er in den Euler- Werken bei Frankfurt a. M. sein Pilotenzeugnis erworben hatte. Rach dem Kriege zog er sich auf sein Gut Hemmelmark bei Kiel zurück, wo er jetzt verstorben ist. Prinz Heinrich war mit der Prin­zessin Irene von Hessen verheiratet, einer Schwe­ster des ehemaligen Grohherzogs Ernst Ludwig.

Oer Bankkredit des Reichs.

Die schwierige Aasseulage.

Berlin. 21. April. (Priv.-Tel.) Die seit einigen Togen wieder aufgenommenen Verhandlungen zwi­schen dem Reichsfinanzministerium und den Ban­ken über die Aufnahme neuer Ultimo­kredite werden, wie wir erfahren, fortgesetzt. In Anbetracht der Tatsache, daß es bis jetzt noch nicht möglich gewesen ist, eine Verkleinerung des Kasse ndesizits des Reiches, das sich auf 1,25. Milliarden beläuft, zu erzielen, soll der dies­malige Kredit möglichst langfristig sein, damit der Reichssinanzminister in der Zwischenzeit in die Lage kommt, eine Verminderung des Defizits her­beizuführen. Die Banken find naturgemäß schon aus Gründen der Liquidität gezwungen, einen sol­chen Kredit nach einem bestimmten Rück­zahl u ng s p l a n zur Verfügung zu stellen. Es handelt sich diesmal um einen Betrag, der höher als 150 Millionen ist, der aber, wie wir aus dem Reichsfinanzminifterium erfahren, 200 Millionen noch nicht erreicht.

In diesem Zusammenhänge muß darauf hinge- wiesen werden, daß im Gegensatz zu gewissen Mel­dungen nicht von einer Ablehnung eines Kredits an das Reichs seitens der Banken gesprochen werden kann. Die Banken selbst sind diesmal nicht nur durch die l)-Banken vertreten, der Kreis ist vielmehr etwas erweitert worden. Auf beiden Seiten legt man den größten Wert darauf, möglichst eine prin­zipielle Lösung zu erzielen, damit spätere Rochverhandlungen ausgeschlossen bleiben. Es ist an­zunehmen, daß die Verhandlungen noch einige Tage dauern werden, zumal das Reich dem Wunsche der Banken auf Beibringung ausreichen- d e r U n t e r l a g e n für die Beurteilung der Kassen­gebarung des Reichs entspr.chen will. Im einzelnen lallen auch im Gegensatz zu dem letzten, am 16. er. termingerecht zurückgezahlte,t Kontokorrentkredit die Konditionen eine gewiss. Abänderung erfahren, es lind jedoch darüber noch unserer Information noch keine bestimmten Beschlüsse gefaßt worden.

Das Schicksal der Gewerbesteuer in Preußen.

Berlin, 21. April. (Priv.-Tel.) Die gestrigen Landtagsberctungen über die Gewerbesteuer ha.en gezeigt, daß die Anhänger der Einbeziehung der freien Berufe ihre Absicht noch immer nicht ausgegeben haben. In der Aussprache haben sich die Parteien ihre wirklichen und vermeint­lichen gegenseitigen Sünden vorgeworfen, ohne daß die Oeffcntlichkeit sich dafür besonders zu interessieren brauchte. Dann verschwand die Vor- lage im S t e u e r a u s s ch u h, um daraus wahr­scheinlich >n der nächsten Woche wiederzukehren. Die verfassungsrechtliche Frage aber ist noch keineswegs geklärt, denn die Opposition Hot die ernste Absicht, einen etwaigen neuen Beschluß über die Gewerbesteuer vor dem Staats- gerrchtshof anzufechten. Und zwar mit der Begründung, daß es nach der preußischen Der- assung unzulasstg sei. eine einmal abge- lehnte Vorlage - - B

ben Session zur Weiterhin sind für di Abänderungsan träge

nocymals rn derlei- Deratung zu stellen. : Ausschußberatung «mehrere gestellt, so will man u. a.

Hundert Jahre Archäologisches Institut des Deutschen Reiches.

Eine Zestfihung in Berlin. Oie Internationale der Wissenschaften.

Berlin, 21. April. (WB.) Vor 100 Jahren, am 21. April, wurde das Archäologische Institut des Deutschen Reiches im Palazzo Caffarelli in Rom gegründet. Die Hundertjahrfeier des In­stitutes, des älteste seiner Art, wurde mit einer Festsitzung im Plenarsaal des Reichstages Sonn­tagabend würdig eingeleitet. Die Vertreter der Reichs- und Staotsregierung, die offiziellen Ver­treter aus aller Herren Länder, die Diplomaten, die Rektoren der Hochschulen füllten Saal und Logen bis auf den letzten Platz. Unter den Feft- gästen sah man auch den Prinzen Ferdinand von Savoyen und den ungarischen Kultus­minister Grafen Klebelsberg. Reichspräsi­dent von Hindenburg, der der Feier per­sönlich beizuwohnen gedachte, mußte leider aus gesundheitlichen Rücksichten absagen. Er hat aber an das Archäologische Institut ein Schreiben ge­richtet, in dem er ihm seine herzlichen und auf­richtigen Glückwünsche ausspricht und dem auf­richtigen Wunsche Ausdruck gibt, daß das In­stitut auch künftig die Kenntnis der Antike er­weitern und die Verbindung zwischen den Ken­nern auf dem Gebiete der Altertumsforschung er­folgreich pflegen möge. Die Festrede hielt

der Präsident des Archäologischen Institutes des Deutschen Reiches Prof. Or. Gerhart Rodenwaldt:

Das Lebenswerk Winckelmanns bildete die Voraussetzung des Instituts: Goethe und Wilhelm von Humboldt haben mit för­derndem Interesse bei der Gründung Pate ge- öunzpiayuZ 23Q aahvb aiq qun usquost begleitet. Entsprechend dem internationalen Cha­rakter der klassizistischen Epoche wurde das In­stitut in Rom als internationale Organisation gegründet. Die Künstler des Klassizismus, an der Spitze Thorwaldsen, Schinkel und Rauch, standen zu der Gründung in naher Beziehung. Karl Josias von Bunsen, der als Rachfolger Riebuhrs die Tradition Wil­helm von Humboldts in Rom fortsetzte, war der erste Leiter. Die eigentliche Initiative, die zur Gründung führte, und der zähe Wille, der das Institut auch in schweren Zeiten aufrecht erhielt, gehörte einem Fachgelehrten, Eduard Ger­hard. In einer glänzenden Darlegung führte Präsident Rodenwaldt dann die Festversamm­lung durch die 100 Jahre vergangener wissen­schaftlicher Arbeit. Aus dem Institut der An­fänge, demInstitut für archäologische Korre­spondenz", einer privaten Vereinigung von Ge­lehrten und Altertumsfreunden, an der sich auch der damals tonangebende Adel aller Rationen, an seiner Spitze der spätere König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen, betet igte, ist in hundertjähriger Entwicklung über das preußische Institut das Reichsinstitut geworden.

Reichsminister des Auswärtigen Dr. Strefemann

sprach im Ramen der Reichsregierung dem Ar­chäologischen Institut herz'iche Glückwünsche aus. Wer unsere Äultur verstehen und ganz sein eigen nennen will, der muh auch die Wurzeln kennen, aus denen sie erwachsen ist. Diese Wur­zeln aufzuzeigen, ist die hohe Aufgabe der archäo­logischen Wissenschaft. Sie ist ja nicht ein Wüh­len in toten Dingen, sie läßt vielmehr den Geist lebendig werden, der hinter diesen Dingen steht, und lehrt uns die seelischen und geistigen Strafte verstehen, die, mag auch die Form ihrer Aeuhe-

rung sich oft gewandelt haben, über die unend­liche Kette der Geschlechter hinweg auch in uns nachwirken. So pflegt sie ein großes Erbe, von dem alle Völker zehren. Darum haben sich in ihr auch immer olle Rationen im gegen­seitigen Verstehen auf dem Wege zum gleichen Ziel zusammengefunden. 3ebe ge­meinsame Arbeit im Dienste der Wissenschaft ober ist Arbeit am Frieden. Es war ein Beweis tiefen Verständnisses für den völkerver­bindenden Charakter des Institutes, als Preußen und später unter Bismarck das Deutsche Reich das Institut in seine Obhut nahm. Das Archäo­logische Institut hält heute Rückschau auf die Arbeit eines Jahrhunderts, stolz auf seine Er­folge und beseelt von dem Willen, seine große Tradition würdig sortzuführen. Auch das Aus­wärtige Amt ist sich bewußt, daß es nur einer ehrenvollen Llebcrlieserung folgt, wenn es auch in Zukunft dem Institut seinen Schuh und seine Hilfe ongedeihen läßt. Wir nehmen teil an der Jubelfeier in aufrichtiger Bewunderung für die wertvollen Leistungen des vergangenen Jahr­hunderts, in dankbarer Anerkennung der frucht­bringenden Arbeit in der Gegenwart und in freudigem Vertrauen auf die Blüte des Insti­tutes in den kommenden Zeiten.

Weitere Gratulanten.

Noch einer weiteren Ansprache des preußischen Kultusministers Dr. Becker überbrachte Ober­bürgermeister Böß namens der Reichshauptstadt Berlin und des Deutschen Städtetages die herzlichsten Grüße und Glückwünsche. Die Grüße und Glück­wünsche des K ö n i g s v o n I t a l i e n, der italieni­schen Regierung und des Archäologischen Instituts in Rom überbrachte Prinz Ferdinand von Savoyen, Fürst von Udine. Für Frankreich sprach dessen Berliner Botschaften de Margeri e. Der Vertreter Englands, Sir Maurice de Bunsen, gab seiner Freude Ausdruck, daß er als Enkel einer der Mitbegründer die Wünsche der eng­lischen Regierung überbringen dürfe. Als Bevoll­mächtigter des P a p st e s P i u s XI. sprach General­direktor Nogara (Rom), Prof. Konstantin Ku- r u n i o t i s beglückwünschte das deutsche Institut im Namen der griechischen Regierung und teilte mit, daß seine Regierung beschlossen habe, dem Institut ein größeres Grund st ück zum Bau des neuen Jnstituthauses zu schenken. Den Dank aller auswärtigen Delegierten sprach sodann Professor Christian Blinckenberg (Kopenhagen) aus. Von besonders lebhaftem Beifall begrüßt betrat darauf Wirkl. Geh. Rot Prof. Dr. v. Wilomowitz- M ö l l e n d o r f die Rednertribüne, um für die ge­samte Wissenschaft und für die Gesamtheit ihrer Ver­treter den Dank an das Institut auszusprechen. So­dann verkündete Präsident Rodenwaldt eine Reihe von Ehrungen durch das Institut aus Anlaß seines Jubiläums, u. a. die Verleihung der Wink- kelmann-Medaille an den Kronprinzen Gustaf von Schweden und an die Stadt Ro m. Weiter teilte Präsident Rodenwaldt mit, daß sich aus Anlaß der Hunderjahrfeier des Archäologi­schen Instituts unter dem Ehrenvorsitz des Reichs- m.nisters des Auswärtigen Dr. Stresemann und des Staatsministers Prof. Dr. Becker eine G e - fellschaft der Freunde dieses Institutes ge­bildet habe, in welcher Persönlichkeiten der Fi­nanz und der Industrie sich zur besonderen Förde­rung der Aufgaben der auf eine bedeutende Ge­schichte zurückblickeirden, in das internationale Kul­turleben eingegliederten Einrichtung zusammenge­funden haben. Zum Schluß konnte Präsident Roden­waldt eine Anzahl von Stiftungen bekanntgeben.

die Gewerbesteuer der unteren Stufen in ihren Lasten erleichtern, ein deutschnationaler Antrag will die öffentlichen Betriebe zu den Gemeindelaften heranziehen und die steuer­liche Bevorzugung einzelner Betriebsarten, z. D. der Konsumvereine, beseitigen. Die Deutsche Dolkspartei bringt gleichfalls eine Reihe von Abänderungsanträgen vor, die sich in ähnlicher Richtung bewegen, und ohne deren Berücksich­tigung sie dem Gewerbefteuergeseh nicht zustim­men wolle.

Bergarbeiter als Gemüsezüchter. Ein neuer Erwerbszweig der Industrie­arbeiter. Die Erfolge im Ruhrgebiet.

Berlin, 21. April. (Priv.-Tel.) Das preuß. Wohlsahrtsministerium hat vor einiger Zeit, um den zahlreichen erwerbslosen Bergarbeitern eine neue Existenzmöglichkeit zu schaffen. Mittel zur Verfügung gestellt, durch die es den Arbeits­losen möglich gemacht worden ist, durch Be­schäftigung in der F r ü h g e m ü s e z u ch t neue Erwerbsmöglichkeiten zu finden. Die zur Verfügung gestellten älnterstützun. en auch seitens der Industrie sind zur Ausbildung von Berufsgärtnern und zur Anlegung von Treibhäusern, in denen Frühgemüse gezüchtet wird, verwendet worden. Die bisher vorliegenden Ergebnisse sind nicht nur wirtschaft­lich. sondern auch sozialpolitisch gesehen, außer­ordentlich erfreulich. Es hat sich nämlich gezeigt, daß die gerade jetzt vorliegenden Ernteergebnisse der neuen Frühgemüsezucht im Ruhrgebiet ein beträchtlicher Ansporn für eine Weiterent­wicklung dieses neuen Erwerbszweiges im Indu­striegebiet geworden sind.

Die Erfolge sind zurückzuführen auf die Richt­linien der preußischen Regierung vom Jahre 1928, in denen die Einschränkung getroffen ist, für die Gewährung von Stwatskredi- ten an Klein- und Gemüsezüchter nur ar» bertslose Bergarbeiter heranzuziehen.

ein weiteres Aufblühen der Gemüsezucht nn Ruhrbergbau zu beschleunigen, hat, wie wir Horen, jetzt der Derbandspräsident des Ruhrsied­lungsverbandes der Staatsregierung den Antrag vorgelegt, auch anderen aus dem Erwerbs- Prozeß ausgesch'.edenen Industriearbeitern die Vorteile der Gewährung von Staatskrediten zu- kommen zu lassen Die Erfolge, die bishergemacht Horden sind, haben, wie wir hören, sogar in

Industrie zu den Erwägungen geführt, ob mH lir !n Iunc9en Erwerbszweig nicht großzügig £roXr Snöuftnefreöite ausbauen = 8 -ba£,ei an die Anlegung von Aie - ffi1n^tB^aUcfern gedacht, ferner an die toa« 9r°^r Sernheizanlagen und dur möuftriemafiigcn Gemüsezucht ge­hört. Diesem Gedanken steht zedoch die Regierung

nicht alr8u freundlich gegenüber, da sie ihre Unterstützung bis jetzt davon abhängig gemacht hat, daß eben gerade der Kleinsiedler den Ruhen hat.

Das Zentrum für Wahlrechtsreform.

Essen, 21. April. (WTD.) Der Reichspartei­vorstand der deutschen Zentrumspartei befaßte sich besonders mit der Wahlrechtsreform. Hier­zu wurde eine Entschließung angenommen, in der es heißt: Soweit die Mißstände auf das heutige Wahlsystem zurückzuführen sind, ist die Her­stellung einer engeren persönlichen Verbindung zwischen Wählern und Gewählten vordringliche Angabe, insbeson­dere auq) bei Aufstellung der Kandidaten. Das in der letzten Zeit lebhaft erörterte System der sogenannten freien Listen kann trotz mancher­lei Vorteile feine brauchbare Lösung bieten. Als geeigneter Weg zur Verbesserung des bestehenden Wahlrechts erscheint dagegen die Verkleine­rung der Wahlkreise mit einer festen Be­grenzung der Kandidatenziffer für die einzelnen Parlamente.

Eröffnung des italienischen Parlaments.

Rom, 20. April. (WTD.) Heute erfolgte unter dem üblichen Zeremoniell die feierliche Eröffnung der Kammertagung. Der König, die Königin, die königlichen Prinzen und Prinzessinnen fuhren im feierlichen Zuge vom Quirinal zur Kammer auf den Monte Cittorio. Längs des Weges bil­deten Truppen Spalier. Die Glocken läuteten. Die Geschütze auf dem Monte Mario gaben Salven ab. Das Publikum bereitete dem könig­lichen Paar stürmische Ovationen. In­zwischen hatten sich in der Kammer die Sena­toren, die Abgeordneten sowie die Mitglieder der Regierung versammelt. Rach 10 Uhr stimm­ten die Abgeordneten die Giovinezza (die faszistische Hymne) an, die das Haus stehend an­hörte. Rach dem Erscheinen der Königin und des Königs fand die neue Vereidigung der Ab­geordneten statt. Darauf verlas der König die Thronrede. Besonderen Beifall sanden die Stellen, die die Verdienste des faszistischen Sy­stems, die Rüstungen und die soziale Frage be­trafen. Als zu Beginn der Thronrede die Aus - söhnung mit dem Vatikan erwähnt wurde, brach das Haus in lebhaften Beifall aus. Der Feier in der Kammer wohnte auch das diplomatische Korps bei. Rach der Thronrede fuhren der König und die Königin sowie der ganze Hofstaat wieder zum Quirincck zurück. Rach Auflösung des Truppenkordons stürmte die Menge zum königlichen Palast, um dem König, ber auf dem Balkon erschien, eine Huldigung darzubringen.

Aus aller Wett.

Zwei Faltboolfahrer ertrunken.

Bei Berlin kenterte im Stößenfee infolge des starken Windes ein Faltboot, das mit zwei jungen Leuten besetzt mar. Beide Insassen fielen ins Wasser. Während es dem einen gelang, sich an dem Faltboot festzuklammern, ging der andere so­fort unter. Der Besitzer eines Motorbootes steuerte auf die Hilferufe des sich an das Faltbot klammern­den jungen Mannes sofort auf die Unfallstelle zu, doch wurde er infolge einer plötzlichen Motor­störung und durch den starken Wellengang abge­trieben, so daß auch der zweite junge Mann infolge Erschöpfung in den Wellen versank. Die Wasierpolizei konnte nur das Faltbot bergen, während von den Leichen noch keine Spur zu fin­den war.

vergiftet.

In Leipzig fielen dem zweijährigen Rudi Wese mehrere Chinintabletten,, die sei­ner Mutter vom Arzt verschrieben worden waren, in die Hände. Das Kind fünf bis acht Stück und starb, noch ehe es ins Kranken­haus eingeliefert werden konnte.

Familientrogödie.

Als der Invalide Schmidt in Delitzsch abends in angetrunkenem Zustande nach Hause kam, mißhandelte er seine Ange­hörigen. Der 19jährige Sohn setzte sich zur Wehr und schlug mit einem Krückstock auf den Vater solange ein, bis dieser schwer verletzt zusammenbrach. Im Krankenhaus ist Schmidt seinen Verletzungen erlegen. Der Sohn wurde in Haft genommen.

Schweres Vauunglück in Reuyork.

Während der Arbeiten auf dem 24stöckigen Neu­bau des Gebäudes der Western Union im Süd- westen Neuyorks brach der Ausleger eines Krans beim Hochziehen mehrerer Stahlträger in der Höhe des 11. Stockwerks. Die Stahlträger krachten durch das Stahlfachwerk und das Mauerwerk und zer­trümmerten die Fassaden der aüf der anderen Seite der Straße gelegenen Häuser. Vier Arbeiter, die sich auf dem Gerüst am 11. Stockwerk befanden, wurden getötet: fünf weitere wurden von den Trümmern begraben und konnten noch nicht befreit werden. Mehrere Personen wurden verletzt Der Neubau liegt in dem Viertel der Produktengeschäfte, in dessen engen Straßen ein starker Wagenverkehr herrscht. Der Unfall rief in der ganzen Gegend eine Panik hervor.

Bundesversammlung des Deutschen Rentnerbundes.

Auf der Bundesversammlung des Deutschen Rentnerbundes in (Stuttgart wurde nach einem Vortrag des Dundesvorsitzenden überDer Deutsche Rentnerbund in Vergangenheit, Gegen­wart und Zukunft" der bisherigen Geschäfts- und Kassenführung einstimmig Entlastung er­teilt. Der alte Vorstand mit feinem langjährigen Vorsitzenden. General Vogel, an der Spitze, wurde ebenfalls einstimmig wiedergewählt und durch Zuwahl eines süddeutschen Vertreters er­gänzt. x

Berliner Börse.

CB e r I in, 22. A ril. (WTD. Funlspruch) Zum Wochenbeginn wurden im heutigen Frühverkehr die Aussichten für Paris nach den Zeitungs­nachrichten etwas optimistischer beurteilt, so daß man für heute mit gebesserten Kursen zu rechnen können glaubt. Vorläufig ist aber noch nichts zu hören und das Geschäft bleibt minimal. Am Devisenmarkt nannte man: London gegen Paris 124.25, London gegen Mailand 92.67, London gegen Spanien 33.01 zu 33.05, London gegen Kabel 4.8525, London gegen Derlin 20.47, Kabel gegen Derlin 4.2180.

Die Wetterlage.

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Wettervoraussage.

Die gestern nördlich von Island gelegene Störung hat sich weiter vertieft und noch Skandinavien hin verlagert. An ihrer Rückseite kommt es in Verbin­dung mit der Vorderseite des nordwestlichen Hoch­druckgebietes weiter zum Zustrom kalter Luftmassen nach dem Kontinent. Das Wetter bleibt infolgedessen immer noch kühl, und nachts treten leichte Fröste auf.

Wettervoraussage für Dienstag: Teils heiteres, teils wolk.ges Wetter, noch kühl, leichter Nachtfrost, trocken.

Wettervoraussage für Mittwoch: Immer noch kühles, zeitweise bewölktes Wetter.

Lufttemperaturen am 21. April: mittags 8,8 Grad ^^^^.obends 1 Grad; am 22. April: morgens 1,1 Grad. Maximum 9 Grad, Minimum3,1 Grad. Sonnenscheindauer 9% Stunden. Erdtemvera» turen in 10 cm Tiefe am 21. April: abends 8.1 Grad; am 22. April: morgens 2,9 Grad Celsius.