Nr. 93 Erster Blatt
IT 9. Jahrgang
Montag, 22. April 1929
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Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle.
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Die
deutschen Sachverständigen
berichten
in Berlin.
putzig Blut!
Von unserer Berliner Redaktion.
Das erstemal seit dem verlorenen Kriege hat das deutsche Volk, hat auch die deutsche Presse währetid schicksalsschwerer Verhandlungen eine geschlossene Haltung gezeigt. Die Einhei ts front gegenüber dem 2luslande war für deutsche Verhältnisse selten stark. ist
es klar, daß es sich bei den Pariser Verhandlungen um das Wohl und Wehe jedes einzelnen und darüber hinaus um das Schicksal von Kindern und Enkeln drehte. Es handelte sich darum, ob die gegenwärtige Generation ein zwar schweres aber doch einigermaßen menschenwürdiges Dasein führen soll, und ob die Kinder wieder ein freies Deutschland erleben werden. Es handelte sich um das Ersticken im Sumpfe einer langen Sklaverei, oder ob man sich entschließen wolle, diesen Dersklavungsversuchen den entschiedenen Freiheits- und Daseinswillen der deutschen Ration entgegenzusehen. Es ist ein schwerer, wahrscheinlich auch ein sehr langer, aber g a n z gewiß ein aussichtsreicher Kampf. Deutschland hat nun einmal durch eine Kette nicht mehr gutzumachender Fehler zwar nicht die moralische Pflicht, aber den aus der feindlichen Heber- macht sich ergebenden Zwang der Zahlung von 'Tributen als Folge des verlorenen Krieges an- erkannt. Es hat aber nie und nirgends einge- willigt, daß die Tribute so bemessen werden sollen, daß über der Tributpflicht das Volk zugrunde geht. Die Tributpflicht endigt an der Grenze des für die deutsche Zukunft Erträglichen. Diese Tributpflicht wird nicht bestimmt durch die Wahlperiode einer Regierung und ihrer Budgetschwierigkeiten. Ein Moratorium für eine Regierung ist nicht identisch mit dem Schicksal des deutschen Volkes.
In Paris kämpften Männer mit zäher Energie für die deutsche Sache. Sie haben ihre Linie gehalten. Sie haben keinen Zweifel darüber gelassen, daß sie nur auf das Mögliche eingehen und das Llnmögliche ablehnen werden. Der beste Beweis dafür, daß sie richtig gehandelt Haden, ist der, daß die französische Presse gegenüber den einfachen und jedem verständlichen Richtlinien nichts anders aufzubringen weiß als den jetzt bald durch ein Jahrzehnt erprobten Bluffversuch, mit dem es bisher noch jedesmal geglückt ist. die öffentliche Meinung Deutschlands zu spalte» und der jeweiligen Regierung das nötige Kniezittern beizubringen. Aus einem Artikel Breitscheids im „Vorwärts spricht bereits eine recht bedenkliche Stimmung. Man kann da recht deutlich zwischen den Zeilen lesen, daß bereits diejenigen Gemüter unter uns, die Frieden um jeden Preis wünschen, durch das feste Auftreten der deutschen Delegierten in Paris in gelinde Unruhe verseht worden
Man hat immer wieder betonen hören, daß die öffentliche Meinung und die Presse Deutschlands, von ganz unverantwortlichen Grüppchen ganz rechts und ganz links abgesehen, geschlossen hinter der deutschen Delegation gestanden hat. Eine Lockerung dieser Geschlossenheit wäre sehr zu bedauern. Und es wäre wünschenswert, daß die kurze Anwesenheit Schachts und Vöglers in Berlin dazu gedient hat, alle Beunruhigungen und Besorgnisse dieser Art zu zerstreuen. Ob man mit jedem einzelnen Punkt in der Denkschrift oder mit jedem einzelnen Sah. den Schacht oder Bögler oder ein anderer Sachverständiger in Paris gesprochen hat oder gesprochen haben soll, einverstanden ist, spielt keine Rolle, sondern ist völlig nebensächlich. Die Hauptsache ist, daß die deutschen Delegierten sich kräftig und nachdrücklich für das Interesse Deutschlands eingesetzt haben, und daß die Regierung wie das deutsche Volk ebenso fest und tatkräftig hinter ihnen stehen. Ein Schwanken und Wanken könne» wir in einer solchen Lage, wie der jetzigen, nicht brauchen. Wenn irgend etwas nicht am Platze ist. dann ist es Rervosität und schwächliche Angst vor etwaigen Folgen. Die Konferenz und die Haltung unserer Delegation ist bei uns so sorgfältig und so vollständig vorbereitet worden, daß man sich weder durch Zwischenfälle noch auch durch einen Abbruch, falls dieser unvermeidlich fein sollte, irremachen lasten darf. Jetzt besonders heißt es, kaltes Blut und Ruhe bewahren!
Dr. Schacht
vor dem Reichskabinett.
Berlin, 21. April. (IDB.) Die beiden Sachverständigen ReichsbankpräfidentDr. Schacht und Dr. Bögler weilten am Sonntag in Berlin und haben die Mitglieder des Reichs- kabinells über den Stand der Expertenberatungen in Paris informiert. Sie berichteten insbesondere über die Bedeutung und die Behandlung des deutschen Memorandums. Die Sachverständigen stellten dabei fest, daß keinerlei politische, sondern nur wirtschaftliche Anregungen in dem Memorandum enthalten seien, ferner, daß derjenige Teil des Memorandums, dem von anderer Seite politischer Charakter beigemessen worden ist, weder im Unlerausschuh, noch im Plenum erör
tert wurde, sowie daß das Memorandum genauso wie die übrigen Memoranden als Diskussionsgrundlage dienen sollte. Die Minister nahmen den Bericht entgegen und erklärten, daß sie auch fernerhin den Sachverständigen ihre unveränderte Berhandlungsfreiheit zu belassen wünschten. Die Sachverständigen haben sich heute abend nach Paris zurückbegeben, um morgen nachmittag an der BoUsihung der Konferenz wieder teilzunehmen.
3n Berliner politischen Krisen stellt man sich die nächste Sitzung der pariser Konferenz so vor, daß lunädjft über die B er Handlungen im Revel st oke-Ausschuß berichtet wird, und daß sich daran eine Diskussion anschlieht. 3n dem Kommunique über die heutige Kabinettssihung wird ausdrücklich betont, daß 'auch das deutsche Memorandum nur als eine Diskussionsgrundlage zu betrachten ist, und in diesem Sinne hat ja auch Dr. Schacht sich einem französischen 3ouma- listen gegenüber geäußert. Außerdem ist unterstrichen worden, daß mit dem Hinweis auf die Boraussehungen der deutschen Leistungsfähigkeit keine politischen Forderungen gestellt worden sind. Wenn die deutschen Sachverständigen die Frage einer Erweiterung unserer Rohstoffbasis vorgebracht haben, so sollte das nicht heißen, daß damit die Forderung auf Rückgabe der Kolonien oder des Korridors gestellt würde. Die Boraussehungen der deutschen Leistungsfähigkeit umfassen vielmehr noch eine ganze Reihe anderer Fragen; so ist es doch, um nur ein Beispiel zu nennen, nur eine selbstverständliche Feststellung, daß die Leistungsfähigkeit sich heben würde, wenn sich Wege für eine Besserung der Lage unserer Landwirtschast finden lassen. Es ist wohl anzunehmen, daß die deutschen Sachverständigen in der nächsten Sitzung ihre Auffassung in diesem Sinne darlegen werden, und man neigt in Berlin zu der Ansicht, daß damit
London, 22. April. (2BXB. Funkspruch.) Der pariser Korrespondent der „Financial Times" gibt eine Erklärung des zweiten deutschen Delegierten, Geheimrat Ludwig ft a ft l wieder. Darin heißt es u. a., es fei den Deutschen von Anfang an klar gewesen, daß die Delegierten der Gläubigernationen zu der ftonferenj kamen, ohne eine klare Borstellung zu haben, was sie schuldeten, oder welchen Betrag die Gesamtheit ihrer Forderungen ergeben würde. Die deutsche Delegation habe dagegen auf Grund sorgfältig vorbereiteter Dokumente schon eine Darstellung davon gehabt, daß die gesamten Forderungen weit über d i e Dawes;ahlungen hinausgehen würden. Bei Bekanntgabe der einzelnen Forderungen habe sich eine so hohe Gesamtsumme ergeben, daß die Delegierten, die die einzelnen Forderungen vorbrachlen, selbst überrascht gewesen seien. Geheimrat ft a ft l fuhr fort:
Es wurde ein Unterausschuß eingesetzt, um die einzelnen Forderungen herabzusehen, wir haben guten Grund zu glauben, daß sich dabei große Schwierigkeiten zwischen den verschiedenen Gläubigerdelegierten ergaben. Schließlich standen wir einer Gesamtsorderung von 2 900 Millionen Mark jährlich gegenüber, wir sind aber zur Konferenz als nüchterne und unabhängige Geschäftsleute gekommen und sind nicht berit, gewissermaßen einen Scheck zu unterschreiben, den wir bei der Borlegung nicht auszahlen könnten. wir können unsere Zahlungsfähigkeit nicht durch Ausfuhr steigern infolge der hohen Zollschranken, die alle Rationen seit dem Kriege gegen die Einfuhr deutscher waren errichtet haben. Nachdem wir auf die verschiedenen Minuspositionen hingewiesen hatten, ersuchten wir die Gläubigerdelegierten, uns zu zeigen, wie wir unsere Zahlungsfähigkeit steigern konnten.
Geheimrat Ka ft l erwähnte dann die in dem deutschen Memorandum enthaltenen beiden Pläne und ihre Boraussehungen und schloß: wir sind bereit und wünschen, die Dinge mit unseren sachverständigen Kollegen weiter zu erörtern; wir wünschen nicht, daß die konseren; abgebrochen ober auf unbestimmte Zeit vertagt wird. Aber als unabhängige, sachkundige Geschäftsleute, die frei von der Kontrolle der deutschen Regierung sind, haben wir die Ueberzeugung, daß es die deutsche Leistungsfähigkeit zu sehr belasten würde, über die Annuität von 1650 Mill. Mk. hinauszugehen, außer, wenn die Bertreter der Gläubigernationen uns einen an- deren Ausweg zeigen, was sie b i s h e r nicht getan haben.
Die Aachsvlge Lord Revelstokes.
Paris, 20. April. (WTD.) Die Leiche Lord Revelstokes ist heute nachmittag zum Bahnhof übergeführt worden und abends nach Le Havre
ein abruptes Ende der Behandlungen In diesem Stadium vermieden und die Konferenz zunächst sachlich weiter beraten wird. Allerdings hat man bei der Beurteilung der Lage auch vermerken müssen, daß den deutschen Sachverständigen in der heutigen Kabinettssihung ihre Unabhängigkeit ausdrücklich erneut garantiert worden ist. Das ist von Bedeutung gegenüber französischen presse- slimmen, die die Lage so darstellen, als wenn da« Reichskabinett unseren Sachverständigen Weisungen erteilen würde und sie deshalb aus dem Berliner Aufenthalt der Herren Schacht und Bögler eine ganz neue Grundlage erwarten. (Ein solches (Eingreifen der Reichsregierung liegt aber nicht vor, sondern die deutschen Sachverständigen werden auch in der nächsten Sitzung nach ihrem Er messen handeln.
0er Reichsbankpräsident hofft auf Einsicht in Paris.
Ein Interview mit Dr. Schacht.
Pari«, 22. April. (WTB. Funkspruch.) Kurz vor seiner Abreise nach Paris gewährte Reichsbankpräsident Dr. Schacht einem Vertreter des „Montag" eine Llnterredung, in der Dr. Schacht u. a. ausführte, daß er mit der gleichen Ruhe, mit der er nach Berlin gekommen sei, auch wieder nach Paris zurückkehre. Er werde dort die Verhandlungen wieder aufnehmen und abwarten, wie die Vertreter der übrigen Staaten in der Vollkonferenz zu den Vorgängen im Llnterausschnh sich einstellen würden. Wörtlich sagte Dr. Schacht am Schluß seiner Ausführungen: „Ich fahre mit dem Gedanken, bah ich in Paris selbst die ungläubigsten Thomasse noch davon überzeugen werde, daß wir nicht mehr lei st en können und daß man Deutschlands Leistungsfähigkeit nur steigern kann, wenn man seine Produktionsfähigkeil fördert."
gebracht worden, um von dort mit dem Dampfer nach England befördert zu werden. Sonntag vormittag wird in Paris ein Trauergottes- d i e n st abgehalten werden. Der deutsche Botschafter in London hat im Auftrag der Reichsregierung und des Reichsaußenministers auf dem Foreign Office das Beileid der deutschen Regierung zum Tode Lord Revelstokes ausgesprochen. Wie der diplomatische Korrespondent der „Morning Post" zu wissen glaubt, wird voraussichtlich das Mitglied des Direktoriums der Dank von England, Sir Basil Dlackett, beauftragt werden, die durch den Tod Lord Revelstokes entstandene Lücke im Sachverständigenausschuß auszufüllen. Rach dem „Daily Telegraph" kommt auch Sir Charles Addis in Betracht.
Annehmbare Vorschläge.
Senator Vorab über Schachts Angebot.
Paris, 22. April. (WTB. Funkspruch.) „Lhi- fago Tribüne" meldet aus Washington, Senator Borat) habe gestern noch einmal erklärt, daß er die Borschläge Dr. Schachts auf der Reparationskonferenz als annehmbar für Frankreich anfehe. Bei dem Abschluß des Mellon-Berenguer- Abkommens hätten die französischen Delegierten sich darauf berufen, daß Frankreich nicht in der Lage fei, die Gesamtheit der den Bereinigten Staaten zukom- menben Summen zu zahlen. Die gleiche These könne aus Dutschland angewandt werden, wenn Frankreich also ble von Deutschland gemachten Angebote a b l e h n e n sollte, würden die Bereinigten Staaten wahrscheinlich gezwungen sein, von Frankreich die re st lose Bezahlung aller von ihm eingegangenen Schulden zu fordern.
Englische Erwartungen.
Londoner Pressestimmen zur Konferenz
London, 21. April. (TU.) Die Sonntagsblätter widmen den größten Teil ihres Raumes den Pariser Besprechungen und dem Schuldenvorstoß Snowdens. Der „O b s e r v e r" sagt, Großbritannien sei außerstande, weitere Opfer zu bringen. Das englische Schuldenabkommen, ein Ergebnis englischen Stolzes, sei Der f r ü h t gewesen. Die Rachteile einer Politik, die die Schuldenfrage mit den deutschen Zahlungen verknüpfe, seien nicht von der Hand zu weisen, aber gerade diese Erkenntnis müsse dazu führen, nun unbedingt an den Grundsätzen der Balfour-Rote fe st zuhalten. Deutschland müsse man wünsche», daß es von allen „überstürzten und kurzsichtigen Handlungen, schnellen Entscheidungen und nicht wieder gutzumachenden Taten bewahrt bleibe", die in einer tragischen Woche im Jahre 1914 die Welt in ein Chaos verwandelt haben. — Die „S u n d a h Times" kommt auf die Behauptungen zurück, daß man auf deutscher Seite eine Vertagung der Pariser Verhandlungen bis nach den englischen Wahlen, in der Hoffnung auf
eine arbeiterparteiliche Regierung anstrebc. Da« Blatt sagt dann weiter, daß die Aussichten für die Fortführung der Verhandlungen in den letzten 36 Stunde» wieder günstiger geworden seien. Es stützt diese Ansicht auf die Verhandlungsbereitschaft Schachts und die Mitteilungen, daß von deutscher Seite politische Forderungen nicht gestellt würden. Hieran, so meint das Blatt, wären die Besprechungen zweifellos gescheitert. Die Lage sei nicht hoffnungslos und es ei durchaus möglich, daß erst noch einige weitere Jahre Erfahrungen mit dem Dawes-Plan gc» ammelt werden müßten, bevor die ganze Reparationsfrage im richtigen Lichte erscheine.
England und die Schuldenfrage.
Das Duell Snowden-Churchill wird fortgesetzt
London, 21. April. (TU.) Auf den Borstoß S n o w d c n ö in der Schuldenfrage hat jetzt Churchill in der „Sunday Times" eine Artwort erteilt. Er stellt in dem Blatt fest, daß sich Snowden bei seinem Vorstoß vom Haß gegen Frankreich habe leiten lassen. Churchill hält auf der einen Seite zwar an der Balfournote fest, lehnt aber den Grundsatz der allgemeinen Schuldenstreichung ab. Nach Churchills Rechnung würde eine solche Schuldenstreichung dem Erlaß von 900 Millionen Pfund durch die Vereinigten Staaten, ein solcher von zwei Milliarden gegenüberstehen, was demnach für England einen 93 e r l u ft von rund 1 Milliarde bedeuten würde.
In einem Leitartikel in der „Sunday Expreß" sagt Snowden, daß sich seine Beanstandungen auf die Einseitigkeit der britischen Opfer bezogen haben. Er beruft sich dabei auf die von tön- feroatiüer Seite dauernd übersehene Tatsache, daß Frankreich sein Schuldenabkommen mit England noch nicht ratifiziert habe, ihm gegenüber also die Grundsätze der Balfournote nicht bindend sein könnten. Demgegenüber bliebe das italienisch-englische Schuldenabkommen in Kraft, auch wenn sich eine Gelegenheit zur Abänderung des interalliierten Schuldenausgleichs böte. Das Abkommen zwischen England und Amerika lege England Verpflichtungen auf, die auf eine Verdreifachung der ursprünglichen Schuld hinausliefe», während Frankreich und Italien zusammen weniger als den ursprünglichen Betrag ihrer Schuld an England zu zahlen hätten. Snowden beruft sich im übrigen darauf, daß England seine Schuld an Amerika nicht für sich ausgenommen, sondern sie an seine Kriegsverbündeten weitergegeben habe.
Räumung und Reparationen.
Tas Saargebiet lehnt erhöhte Lasten für eine vorzeitige Befreiung ab.
Saarbrücken, 22. April. (TLl.) Angesichts der Krise der Pariser Reparationsverhandlungen schreibt die „Saarburger Zeitung", das Hauptorgan der saarländischen Zentrumspartei, u. a.: Lins Deutsche im besetzten Gebiet und an der Saar trifft ein Scheitern der Verhandlungen am unmittelbarsten und am schwersten. Wir haben die berechtigte Hoffnung, bei einem guten Abschluß in Paris die vorzeitige Räumung der noch besetzten Gebiete und eine alsbaldige Rückkehr der Saar zu Deutschland erwarten zu dürfen. Die neue Enttäuschung, so bitter wir sie auch empfinden, kann uns heute nicht aus d e m Gleichgewicht bringen. Was wir fast zehn Jahre geduldig getragen haben, müssen wir eben, wenn in Paris keine Vereinbarung zustande kommt, i n Fassung noch weitere fünf Jahre auf uns nehmen. Einmal schlägt uns allen doch die Stunde der Freiheit. Dies durch Klagen oder durch einen Druck auf die Aeichsregierung zu beschleunigen, lehnen die Rhein- und Saarländer einmütig ab. Ohne eine Ausnahme stehen sie vielmehr auf dem Standpunkt des Führers der Zentrumspartei, des Prälaten Kaas: Lieber ein ehrliches Rein, als ein unehrliches Ja. Auch die Drohungen nationalistischer französischer Blätter, die Besetzung fortdauern zu lassen, bis Deutschland zur Annahme der Forderungen bereit fei, vermögen uns in dieser Anschauung nicht zu erschüttern. Im Gegenteil, keiner von uns will, daß Deutschland um die Befreiung der besetzten Gebiete und der Saar neue erhöhte Lasten auf sich nehmen soll."
Englische Politiker
an der westpreußischen Grenze.
Marienburg (Westpreußen), 20. April. (WTB.) Eine Abordnung englischer konservativer Politiker, darunter ein Mitglied des Oberhauses und ein Mitglied des Llnterhauses, besuchte dieser Tage den Regierungsbezirk W e st p r e u ß e n. Rach Besichtigung des Schlosses in Marienburg unterrichteten sich die Herren auf einer Fahrt über Stuhm - Weißenberg an denfünfWeichseldör- f cm entlang bis Kurzebrack über die Grenzverhältnisse bei Kurzebrack und an der im Abbruch befindlichen MünsterwalderWeich- s e I b r ü e, von der zurzeit nur noch drei mittlere Bogen über dem Flußlauf stehen, während die Anschluhstücke rechts und links bereits beseitigt find. - -♦ •’*' *• i
Geheimrat fiafll über den Verlaus der Konferenz.


