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22.3.1929
 
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Zreitag, 22. März 1929

Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)

Nr. 69 Dritter Blatt

In etwa zwei Jahren soll Ne Farm vollbesetzt sein und jährlich wenigstens neunzig junge Löwen liefern! Wenn man erwägt, baß ein junger Löwe von sechs bis acht wLonaten durchschnittlich fünf­hundert Dollar einbringt, und ein voll ausgewach­sener zwölf, bis fünfzehnhundert, so ist leicht zu er­kennen. ein wie gewinnbringendes Unternehmen

Lm Namen des Volkes.

Was über und unter den Urteilen steht.

Wer einen Prozeß führt, und sich nicht ver­gleicht, wird verurteilt oder gewinnt. Sn beiden 'Fällen erhält er das Urteil abschriftlich zugestellt, und da in Deutschland jährlich viele Millionen Prozesselausen", kann cs kaum ausbleiben, daß jeder Staatsbürger einmal im Leben ein solches älrteil zu sehen bekommt. Alle Urteile der Welt werden gefällt im Ramen dessen, von dem die Staatsgewalt auLgcht: in Monarchien im Ramen des Herrschers, in Republiken im Ramen des Volkes. _ . .

Allerdings gibt es Ausnahmen und Aenderun- gcn. Das Reichsgerich t zum Beispiel schreibt seit seiner Gründung im Jahre 1879 bis auf den heutigen Tag ohne Rücksichtnahme darauf, ob Deutschland eine Monarchie oder eine Repu­blik sei. über alle Urteile:3 m Romen des Reichs" und darunterVon Rechts we­gen", wahrend unter allen anderen Urteilen nur die Unterschriften sämtlicher Richter des betresfenden Senats oder der Kammer stehen. Das Kammcrgericht in Berlin verkündete seine Urteile schon unter Friedrich dem Großen als preußisches Obertribunal und Appellationsgericht 3m Ramen des Königs" und behielt diese Rorm bei. als es 1871 den anderen preußischen Ober­landesgerichten gleichgestellt wurde und gleich­zeitig höchste 3nstanz für gewisse Landesstraf­sachen in Preußen blieb.

Dis 1918 schrieben die deutschen Gerichte stets im Ramen des betreffenden Landesherrn. 3n Preußen, Bayern, Sachsen, Württemberg hieß es 3m Ramen des Königs", in Baben. Oldenburg, Mecklenburg, Hessen und Sachsen-Weimar3m Ramen des Großherzogs" usw. bis zu Hamburg, Bremen und Lübeck, wo die Urteile3m Ramen der Freien und Hansestadt" verkündet wurden. Vom Ausbruch der Revolution ab bis zum 3n- frafttreten der neuen deutschen Verfassung im 3ahre 1920 fielen die Uebcrschriften bei allen deutschen Gerichten fort, das Recht wurde alfo theoretisch im Ramen niemandes verkündet und gesprochen. Sobald die Verfassung in Kraft trat, hieß es in allen Urteilen:3 m Ramen des Volkes" gemäß Artikel 1:Die Staatsgewalt geht vom Volke aus.

Trotzdem kann es oortommen, daß dieser Satz über einem Urteil fehlt, vergessen wird. jo. es wäre denkbar, daß heute noch irgendein altes Formular benutzt wird, welches am Kopf die Worte trägt3m Ramen des Königs". 3n beiden Fällen ist weder das Urteil ungültig, noch ist dadurch ein Revisionsgrund gegeben, Denn die Worte am Kopf eines Urteils sind nur ein Schmuck, eine reine Formsache, sie haben keinen Einfluß auf das Urteil oder dessen Be­gründung. Als einziges deutsches Land macht übrigens Bayern eine Ausnahme, über dessen Urteilen heute überhaupt nichts mehr steht. 3n den Reichsländern sowie in den Ko­lonien wurde das Recht .,3 m Ramen des Kaiser s" verbündet. Ausnahmen machen heute noch das Saargebiet, wo die Richter über ihre Urteile .,3 m Namen der Regierungs- toin Mission" schreiben müssen, sowie das Reichspatentamt, das seine Urteile im eigenen Ramen, also3m tarnen des R. P. A. fällt. Von ausländischen Staaten schreiben Schweden und Finnland gar nichts über ihre Urteile, wäh­rend in England. 3talien, Spanien und anderen Monarchien3 m Ramen des König s". in Frankreicn3m Ramen der Republik' die Sprüche verkündet werden. England macht nur eine Ausnahme in Strafsachen. Während es nämlich sonst überall heißt:3n der Strafsache gegen den Kaufmann Müller wegen Urkunden­fälschung" usw., beginnen die Akten und Urteile in England mit der Klausel:3n Sachen des Königs gegen den Kaufmann Smith wegen betrügerischen Bankerotts". Mit Ausnahme des deutschen Reichsgerichts sind die Türken die einzigen, die noch etwas unter ihre Urteile schreiben, nämlich:Allah weiß es besser Und wahrscheinlich haben sie nicht so Unrecht.

7?ur noch ein Meier Wasser über Caligula!

Tßoti Gustav W. Gberleiu, Jto-m.

Es ist also ausgemacht: an Ostern taucht Gaftis Eäsar Ealigula aus der Versenkung auf, in der er 1900 3ahre lang Zeit hatte, über seine Sünden nachzudenken. Ein schrecklicher Mensch das, man wagt ihn einer höheren Tochter kaum vorzustellen. Uebrigens lag das in der Familie. Seine Mutter starb auf einer Verbannungsinsel den Hungertod, well sie, die Witwe des ©er- manikus. bei der Polizei nicht gut ungeschrieben war und seine Schwester, die in Köln geborene 3ulia Agrippina, gab ihrem Mann, dem Kaller Claudius, Gift, damit ihr Sohn aus erster Ehe auf den Thron tarne. Er hieß Rero und zahlte cs ihr bekanntlich auf ähnliche Weise beim.

Aus dem Strafregister des Gaius kann uns heute interessieren, daß er gleichfalls am schonen Rhein seine Kindheit verlebte, unter den Be- sahungstruppen, die den Spihnam^ Sol­datenstiefelchen" gaben, eoen Caligula S>er Tod des Tiberius brachte chm die S«rfd)aft über Rom ein wv er ein mondänes Leben führte. Es wirb ihm nun vorgeworfen, den Helligen Hain der Diana, den Nemus Dianae. SU unsitt­lichen Zwecken mißbraucht, ia, auf DemSpiegel der Diana", dem spiegelglatten Kratersee dort eine Prachtgaleere, ein Prunkschiff, einen schläm­menden Orgienpalast unterhalten zu haben, die­ses corpus delicti kommt nun alfo in Renn zum Vorschein. Auf Befehl des Casars Mussolini.

Blättert man in den Akten, so erscheint es zweifelhaft, ob die wütende Diana das Schiff schon zu Lebzeiten Caligulas in den Grund bohrte, oder vorsichtigerweise erst dann, als der Tyrann den vorbildlichen Tod Cäsars ge­storben war. Wir wissen nur, das kann man bereits sehen, daß die verdächtige Behausung mit dem Heck voran in den Hafen geschleppt und birz davor von den sonst so sanften Fluten Der* schlungen worden war. Die Taucher haben die Lage des Wracks einwandfrei festgestellt, dre Geometer eine Länge von 61 Meter abgesteckt und heute traf mein tiefgehender Ruder,chlag etwas Hartes, worauf sich das Wasser mulmig trübte.

3m Löwenpark in Kalifornien.

Wohl jeder Besucher eines Lichtspielhauses sieht hin und wieder das Bild eines riesigen Löwen. Eine mächtige Mähne umwallt den König der Wüste, und wie zum vernichtenden Angriff öffnet er den Rachen. Plötzlich aber vertauscht er seine grimmige Miene sozusagen mit einem harmlosen Lächeln, kloppt den Rachen zu und trollt sich davon.

Woher stammen diese wie ein Hund gezähmten Bestien? 9n der Nähe von El Monte, einem Städt­chen fünfzehn Meilen östlich von Los Angeles, kaufte vor drei Jahren ein gewisser Charles Gay drei Acker Land und richtete mit einigen jungen Tieren als erster eine Löwenfarm ein. Heute bezieht er daraus ein Lahreseinkommen von über hundert- tausend Dollar und erfreut sich der besten Zu­kunftsaussichten. Als die Filminduftrie begann, wilde Tiere in ihren Darstellungen zu benutzen, war Gay der erste, der erkannte, daß etwas mehr nötig wäre, als nur ein gewöhnlicher Akt mit abgerichte­ten Tieren, und er beschloß, Löwen für den Film auszubilden". Mit drei erwachsenen Tieren be­gann er seine Hochschule. Nach vier Jahren hatte sich die Löwenfamilie so vermehrt, daß er sich nach einem größeren Heim umsehen mußte, und so kaufte er das Grundstück bei El Monte. Heute besitzt Gay eine Herde von 92 Prachtexemplaren desKönigs der Tiere". Sie stehen im Alter von sechs Wochen bis fünfzehn Jahren. Die meisten sind jedoch unter drei Jahren und wurden auf der Farm geboren.

Die Löwenfarm könnte richtiger ein Löwenpark genannt werden, denn tropische und halbtropische Pflanzen verdecken fast die Häuser und freien Plätze, Tiere, die widerspenstig sind oder bald Junge werfen oder solche haben, werden in den Gebäuden gehalten, während alle anderen auf dem weiten, eingczäunten Gelände frei umherstreifen, spielen und schlafen und träumen., Löwen sind trage Geschöpfe und bringen einen großen Teil ihrer Zeit schlafend zu, außer, wenn ihr Bändiger in die Arena tritt und sie seinen Besuchern vorfuhrt. Freundlichkeit und Geduld sind notwendig, um tue Freundschaft der Löwen zu gewinnen. Zuweilen zeigen einige von ihnen bei den Hebungen die Zähne und lassen ein Knurren Horen, doch wagen sie höchst selten eine feindliche Bewegung.

(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.) London, Mitte März 1929.

Es scheint nunmehr festzustehen, daß die Wahlen endgültig im M a i stattfinden werden. Das Unter-- haus wird am 28. März in die Osterferien gehen, und am 10. Mai findet die Auflösung des Parla­mentes stall, so daß die Neuwahlen am 20. Mai ftattfinben können. Die drei großen Parteien befin­den sich augenblicklich in fdjärfftem Wahl­kampf. Wetten werden abgeschlossen zugunsten der einen oder der anderen Partei, aber noch kann nie­mand voraussagen, wem das Glück hold sein wird.

Die Konservativen unter Baldwin haben einen großen Fonds für den Kampf zur Verfügung, während die Arbeiterpartei mit Mne­tz o n a l d an der Spitze keine Gelegenheit Vorbei­gehen läßt, neue Propagandapläne aufzustellen. Nur die Liberalen verlassen sich bisher ganz auf bie Initiative ihres greifen Führers Lloyd George, sie wissen, daß sie das Zünglein an der Waage fein werden und haben daher keine Eile. So groß auch die augenblickliche Mehrheit der Konservativen sein mag, es steht zweifellos fest, daß ein fünfjähriges Regieren abnützl. I e d e Regierung begeht Irr­tümer und macht Fehler, für die die Opposition auf dem Sprung steht, um sie zu ihrem Nutzen auszu­werten, davon aber bis zum völligen Zusammen­bruch der jetzigen Regierungspartei, der allein eine Aenderung der Politik herbeiführen konnte, ist es noa') sehr weit entfernt. Es hat vielmehr den An­schein, als ob auch diesmal wieder eine mehr oder weniger große Mehrheit der Konserva­tiv e n in das neue Parlament einziehen wird, denn um in England eine Partei so entscheidend zu schla­gen, daß an ihre Rcgierungsfähigkeit nicht mehr zu denken ist, dazu bedarf es schwerwiegender Ereig­nisse, die ein ganzes Volk gegen die Politik einer Regierung aufiehnen.

Das ist aber in London nicht der /taU, im Gegen­teil, die Regierung Baldwin hat sehr viel Vorsicht gezeigt, sowohl in der Innen- wie auch in der Außenpolitik. Was ihr die Opposition vorwirft, ist in der Innenpolitik der Mangel an Initiative zur praktischen Lösung der A r b e i t s l o f c n. f r a g c und a's jüngstes Ereignis, das damit indirekt im Zusammenhang steht, der Versuch, das Wofhingtoner Arbeitszeitabkommen einer Revision zu unterziehen, um es dehnbarer zu gestalten. Allerdings war der Zeitpunkt für die Diskussion dieser Frage eußerft ungünstig gewählt, und die Regierung Halle viel­leicht besser getan, bis nach dem Ausgang der Wah­len zu märten; auf der anderen Seite aber haben seinerzeit auch die Arbeiterparteiler ihr Versprechen, dieses Abkommen zu ratifizieren, nicht gehalten. Die Arbeifslosenfrage besteht schon seit Beendigung des Krieges, und auch die Arbeiterpartei, die bis 1924 am öiuder war und sich auf die Mitarbeit der Libe­ralen stützen konnte, hat es nicht fertig gebracht, dieses Problem zu losen. Ja noch mehr, sie hat nicht einmal einen ernstlichen Versuch dazu gemacht, während man der jetzigen Regierung demgegenüber zugute halten muß, daß sie durch die Ver­schickung von Landarbeitern nach Kanada und die bei der australischen Regierung unternom­menen Schrille zur Unterbringung von Arbeitslosen wenigstens den guten Willen gezeigt hat, der drin­gendsten Not abzuhelfen.

In der Außenpolitik tadelt man vor allem das Verhalten der Regierung n der Abrüstungs­frage und die immer noch be tehendc Spannung zwischen Washington und London über d,e Be­dingungen einer allgemeinen Begrenzung der See- rüftungen. Aussöhnung mit Amerika und Rußland sind daher auch die neuesten Devisen der Konserva­tiven. Aus alle Fälle werden die Konservativen sich energisch rühren müssen, um eine arbeitsfähige Mehrheit ins Unterhaus zu bringen. Die Möglich­keit dafür ist gegeben und wird um so größer fein, als es Baldwin gelingt, die beiden großen Freunde Lloyd Georges, nämlich die Presselords Rother­me r e und 'B e a v e r b r o o k an der Unterstützung der Liberalen zu hindern.

Die Aussichten für die Labonr Party sind eigentlich gar nicht so rosig, wie dies zum Teil m

die sie nicht bekämpfen, sondern gegen Labour unter­stützen. Mit der anderen Hälfte hat es genau dieselbe Bewandtnis, nur mit dem Unterschied, daß hier die Unterstützung auf feiten der Labour Party lag. Nun heißt es aber, gegen beide Seiten kämpsen, und mancher wird in diesem Kampf zerguetsckst wer den Es kommt allerdings hinzu, daß Lloyd George in- Lord Beaverbrook und Rothermere im konser­vativen Lager zwei große Freunde besitzt, die ihm unter Umständen sehr viel nützen können.

Wohlunterrichtet über das Gewicht der Ar­beitslosen in der Wahlbalance hat er einen Plan aufgestellt, der allerdings bei näherer Betrach­tung nur dazu geeignet sein kann, der großen Masse zu imponieren. Er will während zweier Jahre 750 OOO Arbeitslose von 1 400 000 die es in Eng­land gibt an großen öffentlichen Arbei­ten beschäftigen, für die ein Kredit von etwa 160 Millionen Pfund bereitgestellt werden soll. Wenn nun dieser Kredit aufgebraucht fein wird, wird dann die Arbeitslosenfrage in England geregelt sein? Kommt Zeit, kommt Rat, aber für derartige Augen blicksersolge dürften wohl die wenigsten zu haben sein. Gesetzt der Fall, daß es ihm nicht gelingt, die nötige Stimmenzahl aufzubrinaen, um die Balance im kommenden Unterhaus zu hallen, er aber durch feine Opposition den Konservativen eine Million Stimmen abjagen kann, dann ist die konservative Stimmenzahl schon gefährlich an die Labourgrenze herangekommen und seine Lage wesentlich verbessert. Lloyd George besitzt unbedingt die Energie und die persönliche Selbständigkeit gegenüber seinen^Frak tionsgenossen, um sie restlos zur gegebenen Stunde für das Schlagwort einzusetzen.

Wie aber auch die Wahl ausgehen mag, soviel steht heute schon fest, eine Mehrheitsregierung wie die augenblickliche wird es in England nach den Wahlen nicht geben, ein knappes Resultat zu­gunsten der einen oder anderen Partei wird zustande kommen, wobei es diesmal weniger auf die Partei Propaganda als auf die zur Zeit der Wahlen im Lande herrschende Stimmung ankommen wird. Fort ­schritt und Aufbau versprechen alle drei Parteien. Eine englische Wahl ist aber nun einmal Glückssache, wobei sich mit Wahlarithmetik leider nicht viel an­fangen läßt.

Kirche und Schule.

Dekanatstag des Dekanats Gießen.

2lm Mittwoch trat im 3ohannessaal der De­kanatstag des Dekanats Giehen zu­sammen. Er wurde mit Lied und einer erbaulichen Ansprache über Phil. 2, 111, gehalten von Pfarrer Andres (Aliendorf a. d. Lda.), eröffnet. Erschienen waren 54 Abgeordnete (von 59).

Dekan Gußmann (Krrchberg) begrüßte mit einem Blick auf den Ernst der gegenwärtigen Lage der Landeskirche und in der Hoffnung, daß die schwebenden Verhandlungen Über die Auseinandersetzung zwischen Staat und Kirche bald zu eiyem erfreulichen Ergebnis führen, die Tagung. Der verstorbenen Abgeordneten 3.Ger­st a r d t V. (Steinbach), Mitglied des Dekanats­ausschusses, und Lehrer Weisel (Garbenteich) wurde in ehrender Weise gedacht.

Der im Druck vorliegende Jahresbericht über öaS 3ahr 1927/28 wurde besprochen: ebenso die Berichte über Aeutzere und Innere Mission. Guftav-Adols-Verein, Evangelischen Bund imb Dekanatskirchengesangvereine. Pfarrer S tau - b a ch, der Vertrauensmann d6r letzteren, lud dabei zu dem großen Kirchengesangvereinsfest in Gießen am 12. Mai ein.

Für die Wahl der vier weltlichen Mit­glieder des Dekanatsausschusses und deren SteUvertreter war nur ein Wahlvorschlnp eingegangen. Es erübrigte sich die Wahl und gelten als gewählt: Landgerichtspräsident Aeuenhagen (Gießen), Professor Dr. Wei­mar (Gießen), Altbürgermeister Leun (Dro- ßen-Linden), Bürgermeister Schmidt (Collar). Die ersten drei gehörten schon dem seitherigen Dekanatsausfchuh, der letztere als Stellvertreter ihm an. Stellvertreter wurden: Kaufmann Horst (Gießen), Reallehrer Haber (Gießen), Bürger­meister Horn (Annerod), Lehrer Walter (Treis a. d. Lda.). Zum Dekan wurde Dekan Guß mann (Kirchberg) einstimmig wiederge-

ben an der Londoner Börse abgeschlossenen Wetten zum Ausdruck kommt. Der Stand dieser Wetten stellte sich am vergangenen Freitag auf 275 bis 279 Konservative, 258 bis 262 Arbeiterparteiler und 76 bis 80 Liberale, also für die Ladours einGewinn von 1 0 0 S i tz e n. Ob die Arbeiterpartei eine der­artige Mehrheit aufzubringen in der Lage ist, kann bezweifelt werden, denn obwohl sie es verstanden hat, die Bergarbeiternot in den Vordergrund des Interesses zu schieben, hat sie sich sehr viel Sym­pathien dadurch verscherzt, daß sie die uneigennützige Aktion des Prinzen von Wales an ihren Karren spannen wollte. Sollte aber die Prognose wirklich stimmen, so wäre eine solche Situation parlamen­tarisch nur hallbar, wenn das Zünglein, die Libe­ralen, die Arbeiterpartei bei den Abstimmungen im Unterhaus fortlaufend unterstützen würden. Eme Annahme, die aber höchst unwahrscheinlich ist.

In den Reihen der Arbeiterpartei selbst scheint auch seit einiger Zeit nicht mehr die gewohnte Einig­keit zu herrschen. Wenn auch noch nicht feststeht, ob die Kriegserklärung Maxtons an Macdonald zur Absplitterung eines sinken Flügels führen roirb,, so geben diese Meinungsverschiedenheiten nach außen hin doch den Anstrich von etwas Halbfertigem und werden viele Wankelmütige davon abhotten, ihre Stimme für sie in die Urne zu werfen. Chancen hat die Arbeiterpartei zweifellos in der Spekulation auf die zunehmende Arbeitslosigkeit und die rückständige Wohlfahrtspolitik der gegenwärtigen Regierung. Die Unnachgiebigkeit der offiziellen und inoffiziellen Bet­telei für die notleidenden Bergarbeiter geht der Bevölkerung naturgemäß mit der Zeit auf bie Nerven, aber die vom Unterhaus bewilligte Summe von 12 Millionen Mark für den Hilfsfonds für die Bergarbeiter wird, wenn auch etwas spät, viele wie- der aussohnen. Es soll dabei nicht verkannt werden, daß die Zustände in einzelnen Bezirken wirklich jeder Beschreibung spotten. Wenn selbst konservatme Zeitschriften Zt'.geben, daß die Ansführungsbestlm- mungen zu den Versicherunasgesetzen und der Ar- beitslosenbeihilfe so geschickt formuliert sind, daß die erwachsenen männlichen Bergarbeiter überhaupt keinen Anspruch auf Unterstützung haben, sondern nur auf die Armenunterstützung angewiesen sind, so muß doch ein Kern Wahrheit daran sein.

Als weiteres Plus haben die Labours den Streit um das Washingtoner Slrbeitsgeitab- kommen für sich zu buchen, dessen Ratifizierung denn auch als erstes auf der Tagesordnung ihres Regierungsprogramms steht, mit dem sie jetzt eifrig hausieren gehen. Sie wird am kommenden Donners­tag wiederum die Stellungnahme des Ar- beitsminifters Steel Maitland zur Washingtoner Konvention zum Anlaß eines Vor­stoßes im Unterhaus benutzen und hat als Redner den ehemaligen Arbeitsminister im Kabinett Mac­donald, Tom Shaw, damit beauftragt, die Regie- rung zu interpellieren. Daß die Labour Party bei den bevorstehenden Wahlen einen bedeutenden Stimmenzuwachs erhalten wird, daran zwei­felt ja auch nicht der optimistischste Konservative, Zahlen aber, wie sie die ArbeiterzeitschriftNew Leader" nennt, nämlich 314 Arbeiterparteiler und 253 Konservative, dürften doch wohl etwas über­trieben sein. Das Wirtschastsprogramm der Partei ist auch bereits zu lange vor den Wahlen bekannt geworden. Die Opposition hat reichlich Geleaenheit gehabt, es in aller Ruhe zu zerpflücken und ihm die aktuelle Neuheit zu nehmen, die es zu einem Schlag­wort macht, von dem sich die Massen hinreißen lassen.

Bleiben die Liberalen, Lloyd George wettet 2:1, daß weder eine Mehrheit Baldwins, noch eine solche Macdonalds zustande kommt, und Baldwin elbft gab noch kürzlich seiner Meinung dahingehend Ausdruck, daß wohl die Liberalen zwischen beiden Parteien den Ausschlag geben werden. Sie werden das Zünglein on der Waage fein, darauf schwört Lloyd George. Er hofft, die Sitze seiner Partei von 40 auf 70 vermehren zu können, neben­bei ein äußerst gewagtes Experiment, denn von den 40 gewählten Liberalen verdankt die Hälfte ihren Sieg einem Wahlabkommen mit den Konservativ-.'*.,

jene Löwen wirkten in der Szene mit, als plötzlich und ohne Warnung einer von ihnen es sich ein­fallen ließ, seine wettere THtmirtung zu versagen mit wütendem Gebrüll stürzte er auf vier Zulu - Häuptlinge am andern Ende der Arena zu. Trotz­dem sie barfuß waren, gaben sie einen schonen Be­weis affenartiger Geschwindigkeit im Klettern im Handumdrehen saßen sie zur größten Enttäu schung des Löwen oben auf dem zwanzia Fuß hohen Drahtzaun. Für diesen Tag war allen die Lust zu weiteren Aufnahmen vergangen. Der einzige Löwe, der nicht mehr mitzumachen braucht, ist der in den Ruhestand versetzteZvklon", der über ein besonderes Gehege für sich verfügt. Er ist fünfzehn Jahre all und der Batet der ©rupwr, benu er ist einer der drei Löwen, mit denen ine Züchterei begann. Dreiundsiebzig der jetzigen Farm infaffen sind feine Sprößlinge. Auch die Löwin Roste" 6at sich als gute Famllienmutter erwiesen, denn in den sieben Jahren ihres Wirkens auf der Farm brachte sie 46 Junge zur Welt. Der berühm­tere der ganzen Herde istNuma", ein prachtvoller, sechs Jahre alter Lowc. Jeder Filmsiebhaber in Amerika hat ihn gesehen, wie er irgendeinen be­rühmten tzilmkvmiker über leere Baustellen, in Keller und Häuser und über Dächer verfolgt. Er scheint genau zu wissen, was von ihm verlangt wird, und hat in seiner ganzen Laufbahn auch nicht einmal nur den Versuch gemacht, den Mitwirkenden ein Leid anzutun. Er bringt feinem Herrn etwa zehntausend Dollar jährsich ein, und sein Wert wird auf über hunderttausend Dollar geschätzt. Numas Rivale ist fein KäfiggenosseSkats", der als der schönste in Gefangenschaft lebende Löwe gllt. Sein von einer gewaltigen Mähne umwalltes Haupt ist die Schutzmarke einer großen Filmgesellschaft. Sein Fach sind die Rollen von Bösewichtern, und, ob­wohl es auf den Bildern den Anschein hat, als wolle er sich jeden Augenblick auf seine Opfer stür­zen, so ist das Arbeiten mit ihm in Wirklichkeit doch ebenso sicher wie mitNuma".

Kürzlich sollte auf der Farm ein Film aufgenom- , men werden, in dem eine Gruppe Neger eingebo- diese Lowensarm darstellt. rene Afrikaner darstellen sollte. Sieben ausgewach- I

England vor den Neuwahlen

Von unserem -^.-Berichterstatter.

Da hilft kein Leugnen mehr, die Skeptiker sind I geschlagen: nur noch ein Meter 'Wasser über | dem pompösen Sarg!

Bleiben wir ganz nüchtern, rechnen wir ohne Furcht vor den giftigen Fliegen TutanchamonS: die Pumpen saugen täglich 5 Zentimeter Wasser­höhe ab, macht in 14 Tagen 70 Zentimeter. Da aber der Abgang durch Regenfälle wieder aus» geglichen wird, andererseits jetzt neue Pumpen, tieferliegende., in Betrieb gesetzt wurden, die Tag und Rächt saugen, saugen, saugen so muh am 25. März der (Spiegel der Diana von der Reeling durchstoßen werden. Dann wird inan fieberhaft scheuern und putzen, denn das Schiss liegt nicht etwa glasklar vor den märchen­hungrigen Rügen wie die Schätze Vlnetas, Ion- Dem ist von dem Schutt und Geröll, das so viele 3ahre von den Kraterwänden abbröckelte, und in den Seetrichter stürzte, eingemummt, dann wird der Duce kommen, der den kühnen Aderlaß vornahm, und dann, wenn die Oster­glocken läuten, wenn sie die Ruferstehung des Herrn feiern, dann nun, es ist ja nicht nötig, denen den Mund wässerig zu machen, die nicht dabei sein können. Die Archäologen schlafen schon nicht mehr.

3n einer endlosen Rutokette, die den Tiber mit dem Kratersee verbindet, strömt das Pu­blikum bereits jetzt an den Sonntagen zu dem Sensationsprozeh. Die meisten Reugierigen blei­ben freilich am Topsrand kleben, denn der Ab­stieg ist deshalb nicht sehr angenehm, weil man auch wieder hinauf muh, aber Scharen von Arbeitern arbeiten bei Sonne und Fackeln, um die fahrbare Straße, die bis zu den Schiffen führen wird, rechtzeittg zur Hochsaison fertig zu bringen.

Dabei fördern sie Haufen von antikem Ge­rümpel zutage, irdene Krüge, gewöhnliche Wasser­krüge und solche mit wundervollen Ziselierungen, jetzt ein Medusenhaupt, jetzt einen bronzenen Rageh dort sogar einen eisernen, Eichenrippen. Marmor... Man wird den ganzen Seegrund durchsieben.

Das eine Schiff liegt mit dem Heck nur 5 Meter tief, mit der Spitze 12. dos andere, größere. 71 Meter lang, jedoch 15 und 20 Meter, so daß der Sommer vergehen wird, bis die ganze Herrlichkeit trocken liegt und eine wundersame | Legende sich in ein Museum verwandelt.