Ausgabe 
22.3.1929
 
Einzelbild herunterladen

wählt; zum Dekanstellvertreter mit überwiegender Mehrheit ebenso Pfarrer Sattler (Wieseck): ebenso zum Stellvertreter beider Im Dekanats- ausschuh Pfarrer Hartmann (Asien-Buseck).

Der Voranschlag der Dekanatskasse für 1929/30 wurde genehmigt.

Der Dekan verlas dann einen Schriftenwechsel zwischen dem Ministerium für Arbeit und Wirt­schaft und dem Landeskirchenamt betr. Schuh )es höchsten evangelischen Feiertages, des Kar­freitags. Eine dahingehende Entschließung wurde einstimmig angenommen.

Gin Vortrag des Vertrauensmannes des Evang.l schen Dantes, Pfarrer V ö ch n e r (Treis a. d.Lda.), behandelteDie Wichtigkeit der Mischehenfrage". Die Ehe müsse eine geistige Einheit sein, andernfalls werde sie zur Qual, auch im Blick auf die Kindererziehung. Seit dem Vatikanum sei die Spannung zwischen evangelisch und katholisch starker geworden. 3n Deutschland gebe cs eine Ril on e angel sch-k l)o° lische Mischehen: so sei die Mischehennot schon eine Volksnot geworden. Die Mischehe mache auch den konfessionellen Frieden unmöglich, darum sei vor ihr zu warnen. Drauungs- und Taus- ausfälle gingen zum großen Teil auf das Konto der Mischehen, ebenso Abmeldungen aus dem Religionsunterricht und Kirchenaustritte. Sehr stark fei auch die Beteiligung der Mischehen beim Geburtenausfall und bei Ehescheidungen. Mit dem Sakramentscharakter wurde die Che seit dem Tridentinum eine rein kirchliche Angelegenheit und unlösbar, die katholisch-kirchliche Form mache das Cherecht zu einem Teil des Kirchenrechts. Die evangelische Kirche sehe die Ursache als eine Rot ihrer evangelischen Glieder an. der es gelte durch Aufklärung zu begegnen. Eine rege Aus­sprache schloß sich an die mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Ausführungei' an.

Pfarrer Wahl (Lang-Göns) bat um Zu­weisung einer Sonntagssammlung aus dem De­kanat. Inspektor A e h n e l t brachte folgende Entschließung ein, die angenommen wurde:Der am 20. d. M. versammelte Deianatötag erblickt in der Wahl nach Gruppen keine För­derung des kirchlichen Lebens. Er bit­tet deshalb, alle lebendigen Kräfte ohne Rück­sicht auf Parteizugehörigkeit für die großen und ernsten Aufgaben der Kirche nicht zu zersplit­tern. sondern zu sammeln."

Mit einem Schlußgesang schloß der Dekanats- tag. _______________

Oberheffen.

Landkreis Gießen.

: Reiskirchen, 21. März. Am Dorfausgong nach Gießen zu ereignete fick gestern abend durch einen Kraftfahre r ein Unfall. Ein Motor­radfahrer aus G. fuhr in scharfem Tempo um die Straßenbiegung in eine Schar spielender Kinder hinein, ohne rechtzeitig Signal ge­geben zu haben. Ein dreijähriges Mädchen kam zu Fall und wurde am Fuße überfahren. Der sofort herbeigerufene Arzt stellte starke Ver­letzungen am Fuße fest. Der Motorradfahrer wollte unerkannt weilerfahren, konnte ober noch int letz­ten Augenblick durch einen daherkommenden Orts­einwohner gestellt und zur Angabe seines Namens gezwungen werden. Erst dann begab er sich zu den Eltern des verunglückten Kindes und entschuldigte sich. Die Angelegenheit dürfte für ihn noch ein Nach­spiel haben.

+ Grünberg, 21. März. Heute fand hier der erste Schweinemarkt in diesem Jahre statt. Er zeigte ein ganz anderes Bild als in sonstigen Jahren: vor allem fiel der sehr nie­drige Auftrieb an Ferkeln auf, während andrer­seits eine große Zahl Kaufliebhaber vorhanden waren. Die älrsache dieser Erscheinung mag in dem ungewöhnlich strengen Winter zu suchen sein, welcher der Aufzucht der Ferkel schädlich war. Der Auftrieb betrug 137 Ferkel und 5 Läufer. Aach kurzer Zeit war der Markt geräumt, und

Die Liebe derBrigiita Hollermann Vornan von Elisabeth Ney.

Copyright by Marlin Feuchtwanger, Halle (Saale). 13 Fortsetzung Nachdruck verboten.

Kurzum, tq> wurde vorgestern abend noch her- auügfcitüigcIL Drei Straßen von meinem Hause, in einer elenden Kellerwohnung, lag ein alter Mann im Sterben. Er hatte eine Lungenent- zünoung, uno man holle micy erst in letzter Mi- nu.e..nun, ich tonnte auch nichts mehr tun. und wollte schon wwoer gehen, als der Alte mit ungeahnter Kraft meine Hand festhielt uno fleheni.ua) bat, seine Reichte anzuhoren, da er nun und nimmer ruhig steroen könne.

setzte mich aiio st in zu ihm.

Es dauerte lange, epe er nur unter höchster Anstrengung alles gestand, was ihn beoruate. Bei den letzten Worten starb er dann.

Der Mann hieß Paul Aa.felt. Er hatte fünf­mal im uxiängnid uno zweimal im Zuchthaus geiejen, wegen schwerer Einoruchsteeostahce. Hinter einen seiner Einocüche fei oie Pouzei icood) nicht gekommen, beichtete er. Es hanoeue ich um den ins Laboratorium des Herrn Ge­heimrats s)ollermann.

Sein Freuno. oer sVpwarze Sepp, wie er in der Derorech^rwelt genannt tooroen sei, Hut le die Sacye auügchmunyafut. Eines Tageu lj-.be die,er ihm seinen Pian anoectraut. Er ging oafjin, im Laoorator.um ^e^-cimrat Holler.iianns w.rtvOlle Gijte unc vielleicht sogar Radium zu stellen. Der schwarze Sepp war orientiert, dag an jenem Abend bei Ihren Ellern Gesellicha,t war, und hielt deshalb die Zeit für den Einbruch am günstigsten.

Kurz vor elf Uhr an jenem Tage lagen sie im Part, hart am Eingang zum Laboratorium, dann wirtlich auch auf Der Lauer. Aasfelt erzählte, daß da plötzlich von der Dllla her ein Herr ziemlich hastig angelausen getommen und im Laboratorium versa)wundcn sei. Der schwarze Sepp habe ihm nachgewollt, aber er have ihn jurücf gehalten; und es hätte auch nicht lange gedauert, keine fünf Minuten, da sei der Herr wieder zurückgelommen, und durch den Park, ohne die Billa wieder zu betreten, nach der Straße gegangen.

Gleich danach sind die beiden dann einge- brochen. Ter schwarze Sepp haoe oben im Laoo- ratoriumsziu.mer ein ta^er.o es Iauett an sich genommen und gleich a. gezogen; dabei habe er lachend aus diesem Kadett eine lose Zigarette hervorgeholt und gesagt, daß diese üjm sehr zupaß käme, da er gerade großen Appetit habe.

mancher Kaufliebhaber mußte feer ctuSgehen. Die Preise waren hoch, in einzelnen Fällen wurden die Durchschnittspreise noch überstiegen. Es ko­steten 6 Wochen alte Ferkel 40 bis 45 Mk.. 6 bis 8 Wochen alte 45 bis 50 Mk.. 8 bis 13 Wochen alle 50 bis 55 Mk. und Läufer 60 bis 70 Mk.

# Langd, 19. März. Am SamStag wurde hier unter Beteiligung fast der ganzen Gemeinde der Altveteran Iohannes Heckmann zu Grabe getragen. Der Verstorbene hatte die Kriege 1866 und 1870/71 aktiv mitgemacht. Die Gemeinde hat ihm auf dem Ehrenfriedhof an der Seite seines Bruders Konrad Heckmann, der auch Altkriegsteilnehmer war, einen Ehrenplatz als letzte Ruhestätte zugewiesen. Am Samstag fand im hiesigen Gemeindewald eine Rutzholz- versteigerung statt, zu der sich viele Ge­schäftsleute aus der Umgebung, vor allem Wag­ner und Schreiner, eingefunden hatten. Die Preise können als normal bezeichnet werden, lagen jedoch unter denen des Vorjahres. Cichenstammholz 1. Klasse kam auf 15 Mk.. solches 2. Klasse auf 26 bis 28 Mk.. 3. Klasse 38 bis 40 Mk., 4. Klasse 42 Mk. Eine Feldeiche von 1,87 Festmeter er­reichte nur einen Preis von 15 Mk. Wenig Rach­frage herrschte nach Obstbaumstämmen: Kirsch­baumstamm 3. Klasse kam .nur auf 12 Mk. je Festmeter, 4. Klasse und 6. Klasse auf 15 bis 16 Mark. Ein Birnbaum von 1 Festmeter kam gar nur auf 6 Mk.. Für Lindenstammholz 3. Klasse wurden bezahlt 15 bis 16 Mk.. 5. Klasse nur 8 Mk. und 6. Klasse 10 Mk. Fichtenderbstangen 1. Klasse kostete das Stuck 1 bis 2 Mk.. solche 2. Klasse 3 bis 6 Mk. je nach Stärke und Güte. Einen hohen Preis erzielten Ruhreisig (Fichte) in Schichthaufen (10 Meter lang) 72 bis 76 Mk. Hainbuche-Rutzscheit (Rundholz) kosteten 3 Raum­meter durchschnittlich 32,50 bis 42 Mk.

T Steinheim. 20. März. Dieser Tage wurde hier ein Obst - und Gartenbau­verein gegründet, dem sofort 36 Mitglieder beitraten. Der neue Verein beabsichtigt, im kom­menden Jahre ein planmäßiges älmpfropsen in die Wege zu leiten und die allgemeine Schäd­lingsbekämpfung durchzu'ühren. Zur Anei'erring der Mitglieder und zur Festigung des Vereins soll bei einigermaßen Ausfall der diesjährigen Obsternte eine örtliche Obstausstellung unter Zu­lassung benachbarter Züchter veranstaltet werden.

U Rodheim a. d. Horloff, 21. März. 3m vollbesetzten Saale von Reichhardt wurde der FilmGlaube und Heimat" vorgeführt. In der einleitenden Ansprache zeichnete unser Ortsgeistliche. Pfarrer Kornmann, auf des­sen Veranlassung die Vorführung stattfand, den geschichtlichen Hintergrund des fünfaktigen Dra­mas. Der Vorführung war ein voller Erfolg be- schieden. Zur Llnterstühung der in den öster­reichischen Alpenländern in der Zerstreuung woh­nenden evangelischen Glaubensbrüder wurden in den Pausen Schriften verkauft, und am Schlüsse eine Kollekte erhoben. Anfangs dieser Woche fanden im hiesigen Gemeindewald die Holz- ver ft eigerungen stall. Am Montag Halle sich bei der D r e n n h o l z v e r st e i g e r u n g eine große Zahl von Käufern eingefunden, deren Ansprüche nicht alle befriedigt werden konnten. Die Preise waren außerordentlich hoch und sind wohl bisher kaum bei einer anderen Holzder» fteigerung Überboten worden. Es kostete je Raum­meter: Duchenscheit 18 bis 20 Mk., Kiefern­scheit 11 bis 13 Ml.. Eichenscheit 8 bis 17 Mark: Buchenknüppel 11 bis 13 Mk.. Kiefern- knüppel 11 bis 13 Mk., Eichenknüppel 7 bis 9 Mk., Lärchenknüppel 10 bis 14 Mk.: Buchen­stöcke 10 bis 13 Mk.. Eichenstöcke 8 bis 9 Mk.; Duchenreisig 2,50 bis 8 Mk. (8 Mk. 1 Rm.!), Eichenreisig 1 bis 3,25 Mk.. Kiefernreisig 0,50 bis 2,50 Mk., Dirkenreisig 1 bis 3,50 Mk.. Fichtenreisig 0,10 bis 0,60 Mk.. Lärchenreisig 0,10 bis 0,30 Wk. Die Versteigerung wurde von dem Gemeinderat sofort genehmigt. Die am Dienstag folgende Ruhholzversteigerung war von

Er hatte sie augenblicklich angezündet, und sich dann darangemacht, die Flaschen und Schranke zu untersuchen.

.Geh' von dem GlaSballon weg", habe Raffelt plötzlich ausgerufen,eS ist BenzinI"

Unsinn", hätte der schwarze Sepp geant­wortet und die Warnung nicht befolgt.

Raffelt war jedoch schlauer: er war. die Ge­fahr erkennend, eilig geflüchtet, und kaum hatte er den Park betreten, so sei auch schon alles in die Luft geflogen.

Der Tore war also der schwarze Sepp, der das Jackett Doktor Eggenbrechts angezogen hatte. Derjenige aber, der die beiden beinah bei ihrem Einbruch gestört hatte, nämlich Doktor Eggen- brecht, befand sich bei der Explosion schon längst nicht mehr im Laboratorium. Der Fetzen Stoff mit dem Knopfe hatte also nur irregeführt, und wir können hoffen, daß Doktor Eggenbrecht lebt Raffelt machte damals keine Angaben, da er damit den Einbruch hätte eingestehen müssen.

Somit quälten Sie sich die ganze Zeit umsonst, und weinten wohl heiyilich an des schwarzen Sepps Grab. Run, vielleicht taten dem alten Gauner Ihre Tränen wohl. Scheinbar ist Eggen- brecht in seiner Verzweiflung noch in jener Rächt spurlos aus Hamburg abgedampft, und hat somit keine Ahnung, was sich zugetragen hat. Ich werde eifrig nach chm forschen, um ihm tüchtig den Brausekopf zu waschen, daß er unsere kleine Gitta nicht besser gekannt hat und nicht gleich merkte, daß eine Intrige im Spiel war.

Dies, liebe Brigitta, als kleine WeihnachtS- freute von dem alten Onkel Sanitätsrat. Hoffent­lich tut die Rachricht Ihrem Herzen recht wohl, und Gott helfe, daß ich den Ausreißer bald erwische.

Grüßen Sie mir meine alte Christiane, die des Lobes voll von Ihnen ist.

Gott besohlen. Onkel Lührmann."

In Brigittas Gesicht wechselten beim Lesen Röte und Blässe. Sie bebte am ganzen Körper, und vermochte nur mit Mühe einen Au, schrei zu unterdrücken. Dann sprang sie plötzlich auf und stürzte, eine Entschuldigung murmelnd, aus dem Zimmer.

WaS hat Schwester GittaI" riefen der Pastor und der alte Doktor wie aus einem Munde.

Cs ist nichts als eine freudige Rachricht," entgegnete Schwester Christiane:lassen wir sie für Den Abend allein. Auch Freude kann oft krank machen."

Ihre Augen aber blickten traurig-sinnend zu dem jungen Geistlichen hin. Denn sie ahnte, daß in diesem Mannesherzen eine stille Liebe für die blonde Schwester Gitta zu keimen begann. Aus einem Briefe, ter auch für sie von ihrem Bruder eingetroffen war, wußte sie ja, daß Brigitta Hollermann niemals Frau Pastor Wen-

brachte.

(Fortsetzung folgt.)

telin werden konnte, da sie das Bild eines anderen im Herzen trug.

etwa 60 Leuten besucht. SS tarnen zum Verkauf und wurden bezahlt je Festmeter: 8 Eichen­stämme 2. Klasse 38 bis 40 Mk., 29 Eichenstämme 3. Klasse 32 bis 38 Mk., 7 Stämme 4. Klasse 30 bis 32 Mk.: 10 Buchenstämme 3. Klasse 33 bis 35 Mk.. 8 Buchenstämme 4. Klasse 26 bis 33 Mk., 1 S.amrn 5. Klasse 26 Mk.: 5 Fichten­stämme Klasse 1b und 4 Stämme Klasse la 30 bis 36 Mk., 4 Fichtenst^mme Klasse 2a und 2 Stämme 2b 26 bis 30 Mk., 5 Fichtenstämme Klasse 3a 25 bis 26 Mk.: 9 Kiefernstämme Klasse 2b 38 bis 40 Mk., 8 Kiefernstämme Klasse 3a 35 bis 38 Mk.. 5 Stämme Klasse 3b 32 bis 35 Mk., 2 Stämme Klasse 4a 25 bis 32 Mk., 3 Kiefernstämme Klasse 2a 38 bis 40 Mk. Außerdem wurden verkauft: 37 Derbstangen 1. Klasse. 87 Derbstangen 2. Klasse und 869 3. Klasse, ferner 1800 Reisstangen, die alle zu annehmbaren Preisen zu haben waren.

s. Aus Dem Horlofftal. 18. März. All­gemein können unsere Landwirte die Feststellung machen, daß die Wintersaat und Die Klee­bestände Den strengen Frost besser überdauert haben, als anzunehmen war. Auch Die Garten­besitzer, die große Bedenken hegten und deshalb nach Der Schneeschmelze 'sofort Die Beete unter­suchten. finden den Spinat und andere Win­te r g e m ü s e leidlich überwintert vor, aller­dings muß es durch Abdecken gegen grelle Sonne und Rachtfröste geschützt werten. Viele Leute haben sogar im Freien Krautköpfe und Rosen­kohl, die mit Stroh zugeteckt waren, gut über­wintert. Die Ob st bäume an Den Provinz- straßen. Die zur Zeit durch Abkratzen gereinigt werten, weisen fast keine Frostrisse auf, wenn sich diese nicht noch beim Steigen des Saftes zeigen. Dagegen findet man bei Außbäumen häufiger solche, die durch Den Frost geborsten sind. Wäh­rend D i ck w u r z in Feldmieten nur wenig ge­litten haben, sind die Kartoffelvorräte so stark vom Frost mitgenommen Worten, daß manche Landwirte kaum noch ihren eigenen Bedarf an Eßkartoffeln haben. Die erfrorenen Kartoffeln werten von der Brennerei des Hofgutes lltphe angekauft, der Zentner (je nach Stärkegehalt) bis 2 Mk. In der Vogelwelt scheinen stark die Eulen gelitten zu haben, die vorzugsweise auf Mäuse angewiesen sind. Dem Schreiber dieser Zeilen wurden häufige Funde von toten Stein­käuzen und Schleiereulen zur Kenntnis gebracht. In einer Reihe von Gemeinden wurden, einer Anregung des Tierschutzvereins folgend, Rist­kästen besonders für Meisen angebracht, Die von ter Holzschneiderei Schmidt (Laubacher Wald) als Sammelauftrag hergestellt wurden.

Ober-Hörgern, 20.März. Die Ober- Hörgener Bezugs- und Absatzge­nossenschaft hielt ihre diesjährige Gene- ralversammlung ab. Der Geschäftsbericht und Iahresabschluß zeigten wiederum ein erfreu­liches Bild gedeihlicher Weiterentwicklung. Im Anschluß an die Versammlung fand eine schlichte, aber um so eindrucksvollere Feier des 2 5 j ä h r i - genBe stehens derGenossenschafc statt, verbunden mit Der Ehrung eines Der Gründer, des Landlagsabgeordneten Fenchel. 3m Auf­trage des Verbandes der Hessischen Landwirt­schaftlichen Genossenschaften überreichte Oberrevi­sor Eid mann dem Abgeordneten Fenchel eine geschmackvoll ausgestallete Ehrenurkunde. Abgeordneter Fenchel, Der langjährige Vor­sitzende des Aufsichtsrats, dankte mit bewegten Worten für die Ehrung, wie auch für die Glück­wünsche, Die namens Der Vereinsbank Butzbach und Deren erschienenen VorstandsmitglieDer Direk­tor Steinhäuser zugleich auch im Auf­trag des VerbandspräsiDenten, Direktors Bill, Osthcim,, für Die Zentralgenossenschaft Darm­stadt (Herr Bocher. Hungen) und für Die Be­zugs- und Absatzgenossenschaft Gambach lHerr Düringer) überbrachten. Besonderes Inter­esse erweckten Die launigen Ausführungen des ebenfalls als Gratulant erschienenen Altbürger­meisters Eifer von Muschenheim, eines seit

er Ende August auf vierzehn Tage nach Sylt käme.

Es war, als wenn dieser Brief alle Schmerzen in Brigittas Innern aufs neue aufgewühlt habe.

Wo war Hans-Iörg Eggenbrecht?

Dieser Gedanke quälte sie plötzlich Tag und Rächt.

Ihr so rosiges, frisches Gesicht büßte tägllch an Farbe ein. Sie wurde blasser und blasser, bis schließllch Schwester Christiane aufmerffam wurde und Den alten Ortsarzt zu Rate zog. .

»Ein wenig Bleichsucht." konstatierte dieser. Aber Schwester Christianes Augen sahen schärfer. Sie wußte, daß das Hebel tiefer saß, und konnte sich doch dies alles nicht zusammenreimen.

Ende August erschien auch wirllich. Wie ver­sprochen, Sanitätsrat Lührmann.

Schwester Christiane und Brigitta erwarteten ihn am Landungssteg. Hinter ihnen stand der alte Andresen, um daS Gepäck in Empfang zu nehmen.

Lind endlich entdeckten beide zu gleicher Zeit das alte, gütige Gesicht unter den auSsteigenden Reisenden.

Schwester Christiane vergaß alle Würde, und flog dem über alles geliebten Bruder wortlos um den Hals.

.Ra, na, alte Seern, laß man gut sein, brummte dieser gerührt.Siehst gut au«, Christiane, hast dich nicht ein bißchen verändert."

.Bis auf Die weißen Haare," sagte sie lächelnd.

.Dis auf Die Weißen Haare." entgegnete er ernst nickend. »Was tut es aber, siebe Christiane, wenn sich nur das Herz jung hält, und das ist wohl bei uns beiden ter Fall. Aber da ist ja auch noch mein liebes Wahlnichtchen," wandte er sich jetzt rasch an Brigitta, Die bescheiden zurück- getreten war.

Er schob leicht seine Hand unter ihr Kinn, und sah sie einen Moment prüfend an.

.Roch immer recht blaß, liebes Kind, das will mir gar nicht recht gefallen," sagte er dabei kopf­schüttelnd. .Sollte daran immer noch ein gewisser Iemand schuld sein? Möchte nur wissen, wo sich der Satanskerl herumtreibt: er muß doch einfach auf einen anderen Planeten ausgewandert sein, sonst hätte ich ihn sicherlich entdeckt. So ein Kerl, drückt sich als beleidigter Maikäser in der Welt, Gott weih wo, herum, und währenddessen welkt die schönste aller Mädchenblumen für ihn dahin."

Brigitta wandte sich rasch ab, um die auf» steigenden Tränen zu verbergen.

.Kommt, ihr beiden lieben Menschen, ich ver­spüre einen Mordshunger" lenkte DanitätLral Lührmann rasch vom Gespräch ab.

Zu Dritt schritten sie zu dem wartenden Wagen.

Andresen sah bereits auf Dem Kutfcheroock, und knallte lustig mit ter Peitsche, In Anbetracht ter guten Zigarren, Die ihm Der Sanitätsrat mit»

»Hans-Iörg, Hans-Iörg, ist es möglich, er lebt! Aufschluchzenb warf sich Dr'gitta, auf ihrem Zimmer angekommen, auf ihr Bett.

Sie vermochte diese nie erhoffte, überwälti­gende Rachricht nicht zu fassen: es war vorläufig noch zuviel des Glückes.

Der Liebste war nicht tot; er lebte, er lebte!

Wo er sich im Augenblick befand, danach fragte sie in ihrem Glück noch nicht: für sie war es schon höchste Seligkeit, daß er in jener Rächt nicht um ihretwillen blindlings in den Tod ge­gangen war.

In dieser Rächt schlief Brigitta erst beim Morgengrauen ein, und am Morgen hatte sie es gründlich verschlafen.

Schwester Christiane schalt sie nicht, sie wußte ja, daß es ein Schlaf der Genesung nach langer Krankheit gewesen war.

Beschwingt ging Brigitta Hollermann jetzt durch Die Säle Der Kleinen. unD wo man lautes, herzliches Lachen hörte, war sicher Schwester Gitta, dabei.

Ihr Gesicht rundete sich allmählich, und sie er­blühte zu immer größerer Schönheit.

Die Schuld war von ihr genommen. Eggenbrecht lebte! Irgendwo! Sie wußte es nicht. Aber sie fragte vorerst nicht danach. Er lebte, das genügte ihr. Ihr Herz war ganz still, und doch sagte es ihr beglückt mit jedem neuen Schlage:

.Einmal wirst Du ihn Wiedersehen!"

Die Zeit verging, die ersten Frühlingsstürme nabten, und da Die Krankheiten Der Kleinen nach­gelassen hatten, so hatte Drigttta auch mehr freie Zeit.

In Der Mittagsstunde, Die ausschließlich ihr gehörte, wanderte sie oft große Strecken an der Küste entlang.

Dann regte sich Wohl auch in ihr das bange Sehnen nach ih n. Dem über cllles geliebten Mann. Sehnsüchtig lag sie ost am Strande unD sah ge­dankenverloren dem Fluge der Möven nach.

Brigitta Hollermann war glücklich mit ihrem jetziges Leben: es fehlte ihr an nichts, und doch kamen Stunden, in Denen es sie hinauszog in die große, elegante Welt, der sie freiwillig für Immer entsagt hatte.

Anfang August flatterte von Dem alten Sani- tälßrat Lührmann ein Brief ins Haus.

Er schrieb ihr, daß seine Bemühungen, Eggen» brecht aufzustöbern, bisher vergebens gewesen wären aber er würde ihn schon noch erwischen. Im übrigen habe er erfahren, daß ihre Schwester Isa als Gesellschafterin Frau Ri von Salbens nach Iapan oder China genau wisse er es nicht gefahren sei, und zum Schluß ließ er seiner alten Schwester Christiane mitteilen, daß

früher Iugend in der genossenschaftlichen Bewe­gung stehenden Mannes. Herr 3 ä g e r. der Direktor Der Bezugs- und Absatzgenossenschaft, brachte noch einen geschichtlichen ileberblid über die Genossenschaft feit der Zeit ihres Bestehens. Die Ausführungen der Redner, besonders des Abgeordneten Fenchel und des Direktors Sä­ger, zeigten ein hervorragendes Verständnis für genossenschaftliche Dinge. Man kann der Ge­nossenschaft zu ihren bewährten Führern nur gratulieren. Die Versammlung und die ge­ladenen Gäste verlebten nach Erledigung des offi­ziellen Teiles noch einige gemütliche Stunden miteinander, wobei auch Der Humor zu feinem Rechte kam.

Kreis Friedberg.

2$. Dad-Rauheim, 18. März. Die hiesige Volks bank, E. G. m. b. H-, hielt a m Sams­tagabend unter Leitung von Rechtsanwalt und Rotar Stahl, des Vorsitzenden des Aufsichtß- rats, ihre 9 6. ordentliche Generalver­sammlung ob, der als Vertreter ter Stadt Bürgermeister Dr. Ahl beiwohnte. Mit Sach ke'nntnis verbreitete sich ter Vorsitzende über bi derzeitige Wirtschaftslage, die beeinflußt wird von der starken Geldknappheit, die Mitte 1927 einfetzte und sich auch 1928, wenigstens soweit das Realkreditgcschäft in Frage kommt, nicht nennenswert bessern konnte. Ein Rückgang in Industrie und Handel sei unverkennbar: die ver» öffentsichten Wi.tschastsberichte und Die stark ge­steigerten Arbeitslosenziffern seien Die sicheren Beweise hierfür. Die heimische W'rtschaft habe ebenfalls unter ter ungünstigen Konjunktur zu leiden gehabt, wenn auch die hiesige Date- industrie zahlenmäßig im abgelaufenen Iahre einen weiteren Anstieg verzeichnen konnte. Ent- fcheidend für Bad-Rauheirn fei noch immer, daß bei den gesteigerten Steuern und Lasten Die Verdienstspanne in der Hotesindustrie zu gering sei. Doch ist mit Dem weiteren Aufstieg ter Kur» sremdenzisfern eine baldige Wendung zum Befsern zu erwarten. Gedacht wurde auch Der krisenhaften Lage der teutfdjen Landwirtschaft, Die dazu zwinge, geeignete Maßnahmen zu treffen, um eine Katastrophe in diesem wichtigen Wirtschats- zweige zu verhindern. Hier würden dem Ge­nossenschaftswesen noch bedeutende Aufgaben bevorstehen. Trotz ter wenig erfreulichen All- gemcinlage kann Die Volksbank eine befrie- Digente Weiterentwicklung im abgelaufenen Jahre verzeichnen. DaS ging deutlich aus dem vom Vorstandsmitglied Habermehl erstatteten Geschäftsbericht hervor, dem bas Folgende ent­nommen sei: Der Gesarntu m s a h in 1928, Der sich gegen das Vorjahr um rund 33V2 Will. Mark erhöhte, betrug 123 492 350 Mk. Die Bi­lanzsumme stellt sich in Aktiva und Passiva auf 4 023 748 Mk. und ist Damit um rund 650000 Mark über Die Bilanzsummen von 1927 ange- wachfen. Entsprechend dem gesteigerten Ge­schäftsverkehr hat sich auch das G e w inn­er g e b n i s erhöht und ist mit 62 549 Mk. aus­gewiesen. Die Bilanz, sowie die Gewinn» und Verlustrechnung wurden einstimmig genehmigt. Aus tem Reingewinn werten, wie in den Vor­jahren, wieder 10 Proz. Dividende ver­teilt, Die Den Betrag von 29 794 Mk. ergeben. Den Reserven werben 28 000 Mk. zugeschrieben und 3860 Mk. auf neue Rechnung vorgetragen. Der Bestand ter Mitglieder hat sich auf 830 erhöht. Endgültig durchgeführt wurde im ab* gelaufenen Geschäftsjahre Die Aufwertung ter alten Spareinlagen und Geschäftsguthaben. Es kamen zweimal 5 Proz., zusammen 10 Proz., zur sofortigen Auszahlung. Insgesamt tourten rund 180 000 Mk. an Auftoertungsgeltern aus- geschüttet. Die jetzigen Geschäftsräume ter Volksbank erweisen sich als zu Hein. ES tourte daher die Errichtung eines Erweiterungs­baues gutgeheißen, für Den die Versammlung einstimmig Den Betrag von 50000 Mk. bewilligte.