Ausgabe 
22.1.1929
 
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zien 1 s zugesteht, bat In ihrem Namen verhandeln kann. Unsere Forderungen, wie ich sie auch dem König unterbreitet habe, bestehen im wesentlichen darin, daß wir unsere kroatische Regie­rung und unser kroatische» Parla­ment haben wollen, das sich mit allen Angelegen­heiten beschäftigen soll, die nicht kollektiv den gan­zen südslawischen Staat in seinen Beziehungen zu dem A u s l o n d e betreffen. Deiche Gefahr ist zu befürchten, wenn man den Kroaten die Autonomie bewilligt? wir mühten Selbstmordgedanken hoben, wenn wir uns von den Serben trennen wollten, wohin würden wir gehen? Nimmt man denn etwa an. dah wir den Wunsch zu Experimenten mit un­teren Nachbarn haben? Die unabwendbarste Not- wendigkeit, fa sogar die Sicherheit unserer Existenz zwingt uns, geeinigt zu bleiben un­ter dem jetzigen König, was wir fordern, ist nur, entsprechend unseren Bedürfnisten turd) Männer verwaltet zu werden, die unsere Bedürfnisse ver­stehen. wenn wir die Geste des Königs zunächst auch mit Begeisterung ausgenommen haben, muh ich doch jetzt, um ehrlich zu sein, hlnzufügen, dah wir fürchten, dah serbische Politiker die guten Absichten des Königs, die wir niemals in Zweifel gezogen haben, mihbrauchen.

Das neue Regime in Kabul.

Rußland fürchtet Rückkehr unter das britische Protektorat.

Moskau. 21. San. (Telegraphenagentur der Sowjetunion.) Sn Kabul, wo 5jabib All* loh die Macht ausübt. ist noch keine neue Regierung gebildet worden. Dorausftchtllch werden das Alnt errichts- und Sustiz* ministerium aufgehoben werden. Die Frage des Weiterbestehens des Außenrnnn- steriums ist noch nicht geklärt. Die toemut)en Schulen sollen geschlossen und die Kadr-Ge­richte wieder eingeführt werden. Es besteht bei der Regierung die Neigung, jegliche Beziehungen zu auswärtigen Staaten, mit Ausnahme Englands, abzubrechen und den Staat wieder in die Lage zurückzuver­sehen. die vor der Verkündung der afghanischen Alnabhängigkeit bestand. Sn afghanischen Krei­sen wird 6rhauptet, dah die englische Gesandt­schaft bereits einen entsprechenden Vorschlag ge­macht habe, und dah der Entwurf einer Verein­barung vorliege, nach der England wie früher an die Emire Subventionen zahlen werde. Die Derwirtlichung dieses Planes stöht auf den Widerstand der Geistlichkeit und der Kaufmannschaft. Bezeichnend ist, dah sich Habib Alllah in seinem anlählich seiner Thronbesteigung an die Bevölkerung gerichteten Erlah nicht Padischa (König), sondern wie früher die afghanischen Herrscher bis 1925 sich Emir nennt.

Wie weiter gemeldet wird, hat Habib Alllah die deutsche und die französische Schule in Kabul geschlossen. Das Sn- ventar wurde verkauft.

Aman Alllah soll im Hinblick auf die Ab­setzung Snahat Alllahs in Kandahar die Erklä­rung veröffentlicht haben, daß er seine Ab­dankung für nichtig erllärt und d i e Herrschaft wieder übernimmt.

Llnabhängigkeiiswünsche des Irak.

England hält feine Vormundschaft auch weiter für erforderlich.

Bagdad, 21. San. (Reuter.) Das Kabinett des Königreichs Srak (Mesopotamien), das bri­tisches Völkerbundsmandat ist, hat dem König seine Demission überrreicht. Sämtliche Mi­nister erklärten, dah sie ihr Amt nur aus der Grundlage der von ihnen gestellten Forderungen wieder übernehmen würden. Diese bezvrhen sich auf verschiedene Punkte in dem Militär- und Finanzabkommen zwischen dem Srak und Grohbritannien. England ist der Auffassung, dah es nicht auf alle Forderun­gen des Srak eingehen kann, namentlich nicht auf diejenigen, die das Militär abkommen be­treffen, denn es ist der Ansicht, dah der Srak noch nicht imstande sei, die Verant­wortung für die Verteidigung seiner Grenzen zu übernehmen. Die Politiker des Srak fordern völlige Unabhängigkeit und wünschen sozusagen die Aufhebung der britischen Oberaufsicht. Die Haltung der Führer der gegenwärtigen Opposition ist im Grunde genommen dieselbe wie diejenige der zurückgetretenen Minister. Die Bi.düng der neuen Regierung wird darum wahrscheinlich schwierig sein.

Parteien,Haushalt und Koalition.

Die Schlüsselstellung des Zentrums.

Berlin, 22. San. (Eigene Meldung.) Das parlamentarische Leben ist jetzt langsam wieder in Gang gekommen, nachdem die Retchstags- fraktionen der Drohen Koalition zur Beratung über den Haushalt des Herrn Hilferding zu­sammentreten. Die sozialdemokratische Fraktion hat sich mit der weniger aktuellen Frage des Steuer vereinheitlichungs- g e s e tz e s besaht. Viel wichtiger sind die Be­ratungen des Zentrums, well bei dieser Partei der Schlüssel der gegenwärtigen parla­mentarischen Lage liegt. Für das Zentrum ist die Stellungnahme zu den Steuerforderungen des Herrn Hllferding um so schwieriger, als die mühsam gewonnene Fühlung mit der Baye­rischen Dolkspartei bei dieser Gelegen- heit nicht gleich wieder abreihen soll. Sn Zen­trumskreisen drängt man jetzt auf eine be­schleunigte Losung der Koalitions- frage. Sn sozialdemokratischen Kreisen dagegen möchte man dieses Problem noch länger hinausschieben, insbesondere soll der Reichskanzler Hermann Müller der Auffassung fein, dah es besser sei, mit der jetzigen losen Regierungsgemeinschaft weiter zu regieren, als die Gefahr einer Krise unmittelbar vor dem Beginn der Reparationsverhandlungen herauf­zubeschwören. Sm Hintergründe steht die Forde­rung der Deutschen Dolkspartei, dah nun endlich mit der Drohen Koalition in Preuhen ernst gemacht wird. Herr von Kordorfs hat bei der Reichsgründungsseier die­sem Verlangen seiner Partei in so deutlicher Weise Ausdruck gegeben, dah auch das preu-

Völkerbund und Weltwirtschaft.

Mageres Ergebnis

der Beratungen des Wirtschastskomitees.

Berlin, 22. San. (Priv.-Tel.) Das Wirt- schaftskomitee des Völkerbundes hat feine jüngste Tagung beendet und Dr. T-r e n- delenburg, Staatssekretär im Reichswirt­schaftsministerium, hat als fein Vorsitzender zu- sammenfajsend über das Ergebnis biefer Tagung berichtet. Gewiß handelt es sich bei dem Auf­gabengebiet dieses Ausschusses um eine sehr schwierige und vielfach komplizierte Materie; denn es werden einzelne Produktionsgebiete aus der Gesamtheit der Wirtschaft herausgenommen, um im Sinne der Empfehlungen der Welt- wirtschaftskonserenz von 1927 neuen Gesichtspunkten internationalen Regelungen un- terworfen zu werden. Aber trotzdem kann man auch mit dem größten grundsätzlichen Optimis­mus das Ergebnis der jüngsten Tagung als recht mager bezeichnen.

lieber die Neuregelung der M ei st beg ün st r- gung in Handelsverträgen ist ein Bericht an den Völkerbundsrat ausgearbeitet worden, der eine Musterklausel enthält,, und es sind bestimmte Ge- sichtspunüe herausgestellt worden, die für den Fall von Kollektivverträgen Bedeutung haben; aber bei der gegenwärtigen Tendenz der Handels- verlragspolitik fast aller Staaten hat diese Arbeit im Augenblick wenig praktische Bedeu­tung. Die Versuche, für Aluminium und Zement einen kollektiven Zollabbau her­beizuführen. sind fehl geschlagen,, für Alu­minium sogar vermutlich definitiv. Eine allge­meine Verständigung über die internationale Kohlenfrage vermochte durch die herbei- geführte Aussorache der Sachverständigen gleich­falls nicht geschaffen zu werden, wenn auch der Bericht einengünstigen Eindruck' ihrer Aus- spraa-e verzeichnet. Sn der Zuckerfrage, in der man sich ebenfalls um eine internationale Verständigung bemüht, hat manbedeutsame Be­richte" entgegengenommen, aber der Versuch, eine Kontingentierung des Anbaus und der Fabrikation herbeizuführen, muhte ebenfalls aufgegeben werden, und man hat

den Spieh umgedreht: man will versuchen, den Konsum zu vermehren. Heber die iirternalionalen Kartelle ist weiter throre.isch beraten worden, ferner sind verschiedene Gutachten zur Frage der wirtschaftlichen Tendenzen, die den Frieden gefährden könnten, zur Frage des Grenzschutzes gegen Pflanzenkrankheiten und zu ähnlichen Din­gen überreicht worden. Das einzige Gebiet, auf dem ein wirklicher Fortschritt zu verzeichnen ist, ist die Arbeit an der V e r e i n h e i t 1 i ch u n g der Zollnomenklatur, die freilich sehr wichtig ist. weil der gegenwärtige Stand der Zoll­tarife überhaupt keine Vergleichungen gestattet und Veriragsverhandlungen oder gar Bemühun­gen um Kollektiv'rerträge nahezu illusorisch macht.

Hebersieht man also die Gesamtarbeit der jüng­sten Session, so findet man in der Praxis recht wenig Fortschritte und eine Tendenz zur Zu­rückhaltung und zur Vorsicht, die eine wirkliche Abwicklung des Programms der Weltwirtschafts­konferenz im gleichen Tempo über Sahr- zehnte und über Generationen ver­teilen würde. Damit ist natürlich nichts zu er­reichen. Alnb es ist auffällig, dah gerade unter dem Vorsitz eines so hervorragenden deutschen Fachmannes, wie des Staatssekretär5 Trendelen­burg, der Eindruck der Komiteearbeiten ein Der» hällnismähig ungünstiger ist. Alnter seinem Vor­gänger Serruys sind immerhin einige Erfolge in der Frage der Ein- und Ausfuhrverbote, der Knochenverwertung usw. erzielt worden. Die Divergenz liegt bestimmt nicht an den Vor­sitzenden und noch weniger an ihren Ländern, denn unter allen Grohmächten ist Deutschland diejenige, die am aktiv st en und konse­quentesten auf die Riederreihung der Wirt­schaftsschranken hinarbeitet. Es scheint also fast, als hätte man es vermeiden wollen, unter deut­scher Führung allzu entschlossene Schritte vor- wärts zu tun. Wenn dieser Circhruck falsch ist. so kann man nur hoffen, dah ihn die nächste Sitzung verwischt.

hische Zentrum seine Konkordatsbedenken dem­gegenüber nicht mehr lange wird aufrechterhalten können.

Kleine politische Nachrichten.

Reichspräsident v. Hindenburg emp­fing den Besuch des Kronprinzen Gustaf Adolf von Schweden, der von dem schwedi­schen Gesandten af Wirsen begleitet war.

Der Vorstand der Demokratischen Partei in Hessen hat einstimmig folgende Entschliehung ge­faßt:Der Vorstand bekennt sich nach wie vor zu dem Gedanken des dezentralisierten Einheitsstaates. Er erwartet von dem demoketischen Mitglied der hessischen Regierung und der demokratischen Landtagssrakllon ein tat­kräftiges Eintreten für dieses Ziel und lehnt jede Konzession an den Länderpartikularismys ab. Ferner wurde beschlossen, den Partei­tag am 3. und 4. oder 9. und 10. März in Worms abzuhalten, wobei als Hauptthema Einheitsstaat und Hessen" behandelt werden soll.

Sn der St. Hedwigs-Basilika in Berlin fand das Requiem für den verstorbenen Berliner Weihbischof Dr. Deitmer unter außerordent­lich starker Beteiligung der katholischen Bevölke­rung statt. Die Totenmesse las der Fürstbischof von Breslau, Kardinal Bertram; ter päpst­liche Runtius Paeeili, zahlreiche Bischöfe und Prälaten und die gesamte Geistlichkeit des Dele- gatuxbezirks nahmen teil. Unter den Trauer- gäftert bemerkte man die Reichsminister von Guerard und Schätzet, den preußischen Minister Dr. Decker, Staatssekretär Pünder von der Reichskanzlei, Staatssekretär Weismann in Ver­tretung des preußischen Ministerpräsidenten, wei­ter den hessischen Gesandten Nuß und die ehe­maligen Reichsminister Dr. Brauns, Dr. Bell pnd Giesberts.

Parker Gilbert verabschiedete sich von Staatssekretär Kellogg. Er ha i» längere Unter­redungen mit führenden Beamten der West­europa-Abteilung des Staatsdepartements. Sm übrigen bewahrte er vollständiges Stillschweigen über den Snßalt der Konferenzen und erklärte lediglich, die Gerüchte über feinen Rücktritt seien vollkommen unbegründet. Er werde am Freitag die Rückreise nach Berlin antreten.

Die Pressestelle der Mecklenburgischen Staats- regierung teilt mit: Die von einem Teil der Presse verbreitete Nachricht, dah der Frei­staat Mecklenburg-Schwerin wegen Derzinsung und Tllgung der restlichen Eisen­bahnabfindungen K.age beim Staatsge­richtshof erhoben habe, entspricht nicht den Tat­sachen. Mecklenburg-Schwerin hat keineKlage erhoben.

Aus aller Well.

Die Produktion in Doklorarbelleu.

Eine interessante Statistik über die Zahl der Doktorarbeiten in Deutschland bringt eine Fest­schrift, die dem scheidenden Direktor der Staats­bibliothek, Geheimrat Kuhnert, gewidmet ist Aus ihr geht hervor, daß in der Zeit von 1885 bis 1926, also im Zeitraum von 40 Jahren, in Deutsch­land 155 570 Doktorarbeiten geschrieben wurden. In den ersten Jahren nach 1885 sind im Durchschnitt ungefähr jährlich 1500 Doktorarbeiten zu verze chnen. Damals besaß also der Doktor­titel noch einen gewissen Seltenheitswert. Erst um die Jahrhundertwende setzt eine Zunahme der Zahl der jährlichen Dissertationen ein, die sich bis zum Kriege ziemlich stetig weiter entwickelt. Selbstverständlich mußte der Krieg einen starken Rückgang mit fid) bringen, der aber nach dem Kriege um so schneller wieder eingeholt wurde. So ist dann 1923, das schwerste Jahr der Inslationsnot, gleichzeitig das Rekordjahr mit 11 441 Dissertationen geworden. Die annähernd 160 000 deutichen Doktorarbeiten der erfaßten 40 Sahre verteilen sich mit 62 314 Dissertationen auf die Medizin, mit 53 016 auf die Philosophie, mit 31799 aus die Rechtswissenschaften, mit 3556 auf die Technischen Hochschulen, die aber erst

feit 1913 gezählt sind und mit 1220 auf die Theologie. Seit 1924 kommen noch auf ver­schiedenen Sondergebieten weitere Doktorarbeiten hinzu, wie z. B. 353 Dissertationen der Tier­ärztlichen Hochschulen, 151 der Land­wirtschaftlichen. 22 von bAn Bergaka­demien und 6 von den Forsthochschulen. Sehr seltsame Ergebnisse zeitigt die Statistik über die Neteiliq-mn der Alnbierf'täten an den Doktor­arbeiten. 1924 stand z. B. Berlin mit der sehr hohen Zahl von 1033 Dissertationen so ziemlich an der.Spitze aller deutschen Alniöerfitäten, wäh­rend es im darausfolgenden Sahr, 1925, an die siebente Stelle gerutscht ist. Diese starken Schwan­kungen dürften aber auch zum Teil mit der un­ruhigen Entwicklung der Snllationsjahre in Zu­sammenhang stehen, obgleich hier Motive eine Rolle spielen, die sich Wohl niemals konkret ganz erfassen lassen.

Studentenaustausch Deutschland-Amerika.

Wie wir hören, wird das Auslandamt der Deutschen Studentenschaft tmEin­vernehmen mit dem deutsch-amerikanischen Sn- ftitut den bisher mit England und Frank­reich eingerichteten Studentenaustausch auch auf die Bereinigten Staaten von Nordame­rika ausdehnen. Den Studenten werden Dom Snftitut kostenlose Ferienunterbringung in Ame­rika bzw. in Deutschland vermittelt, während die Studierenden allerdings die Aleberfahrtskosten sel­ber auf bringen müssen.

Lessing-Feier der Akademie der Künste.

Die Sektion für Dichtkunst der Preußischen Akademie der Künste hielt am Vorabend des 200. Geburtstage Lessings im Festsaal der 2llade- mie ihre Lessing-Feier ab. Alnter den geladenen Gästen befanden sich u. a. der preußische Kul­turminister Dr. Becker und der franzö­sische Botschafter, ferner Vertreter von Staat, Regierung und Behörden, sowie hervor­ragende Vertreter von Literatur und Kunst. Nach einem Musikvortrag sprach Präsident Prof. Dr. Mast Liebermann cinlci.enbe Worte, in denen er sagte, frische, freie Luft ströme noch heute aus Lessings Schriften. Der Geist, der diese Schriften schuf, sei unsterblich. Wir könnten nur wünschen, daß uns heute, 200 Sahre nach Lessing; ein neuer Lessing geboren werde. Prof. Dr. Sulius Petersen gab darauf einen Rück­blick über 200 Sahre Lessing. Niemand habe ursprünglicher deut ch ge chrieben als Luther und Lessing. Lessing, der Reformator der Literatur, habe uns von dem Soch des Buchstabens befreit. Prof. Dr. Thomas Mann beschäftigte sich als Dritter Referent mit Lessing Z nationaler Sen­dung, die in kritischer Klärung bestanden habe. Er sei der Künder eines mythischen Typus der Klassiker. Der Geist öe3 historischen Lessing habe seine Ausgabe, deren Wichtigkeit nicht zu unter­schätzen und die heute mehr denn je 'zu würdigen sei.

Neapel j eiert dieEmden".

Sm Hotel Cxcelsior fand ein Dom königlichen Kommissar für die Provinz Neapel dem Kapi­tän und den Offizieren des deutschen Schul­schiffes .Emden" gegebenes Bankett statt. An dem Bankett nahm außer dem Kommissar für die Provinz Neapel und anderen städtischen, militärischen und faschistischen Behörden und Ver­tretern auch der deutsche Botschafter F r h r. v. Neurath teil. Beim Trinkspruch erhob der königliche Kommissar das Glas zu Ehren der deutschen Nation, während die Musik die deutsche Hymne anstimmte. Shm erwiderte Botschafter Frhr. v. Neurath, der für die herzliche Gast­freundschaft seinen Dank aussprach und sein Glas auf die Größe Stallens und die Gesundheit des Königs leerte. Die Musik stimmte dann die italienische Königshymne an. Cs folgte eine Tanzunterhaltung, an der bedeutende städtische Persönlichkeiten und die Offiziere des Schulschiffes .Emden" teilnahmen.

Das Todesurteil

gegen einen 70jährigen Gattenmörder bestätigt.

Das Schwurgericht Lyck ßitte den Allbesitzer Sebrowski wegen Mordes zum Tode verurteilt. Dem 70jährigen Angeklagten war zur Last gelegt, seine eigene Frau, mit der er seit dem Sahre 1914 in zerrütteten Eheverhällnissen lebte, ermor­det zu haben. S. leugnete die Tat. gilt aber als überführt, seine Frau, der er Beziehungen zu Soldaten während der Kriegsjahre vorwarf, von

hinten überfallen, gedrosselt und dann mit einem zurechtgelegten Strick aufgehängt zu haben. Durch Verwerfung der Revision durch den zweiten Strafsenat des Reichsgerich es ist das Airteil somit rechtskräftig geworden.

wieder drei Todesfälle durch Kohlenoxyd.

Auf dem ostpreußischen Gute Haselau bei Hei­ligend eil sind in der Nacht drei Melker durch Kohlenoxydvergiftung infolge vorzeitiger Schlie­ßung des Ofens ums Leben gekommen.

wieder eine Schlägerei zwischen Zimmerleuten.

In einer Dresdener Wirtschaft kam es abermals zu einer blutigen Schlägerei zwischen den feindlichen Zimmererorganisationen derFreien Vogt­länder" und derRot- und Schwarz- Schlips e". Als das Ueberfallkommando erschien, waren die an der Schlägerei Beteiligten bereits g e ° flüchtet. Sie wurden jedoch auf der Marienbrücke eingeholt. Etwa 40 Mann, die zum TeU mit Aexten und anderen Werkzeugen beroafnet waren, wurden verhaftet und nach dem Polizeipräsidium ge­bracht. Sie werden wegen schweren Land­friedensbruchs der Staatsanwallschaft oorge- führt werden.

Ein fideles Gefängnis.

In der Kirche des Sonneburger Zucht­hauses, die provisorisch als Gerichtssaal herge- richtet ist, trat das erweiterte Schöffengericht Frank­furt a. O. zu dem aussehenerregenden Prozeß gegen 21 Beamte dieser Strafanstalt zusammen. Die Anklage wirft den angeschuldigten Beamten aller Grade, vom Inspektor bis zum Hilfsaufseher, Diebstahl, Unterschlagung, Hehlerei und Verleitung zum Meineid vor, und zwar im Zusammenhang mit der in der letzten Zeit vielfach erörterten Verschleuderung von ehemaligem Heeresgut. Der Hilfswacht- meister W e i t h e , dem zur Last gelegt wird, daß er sich Militärbekleidungsstücke aus dem Altverwer­tungsbetrieb durch Vermittlung von Gefangenen angeeignet habe, soll versucht haben, den Gefange­nen Pasch zum Meineid zu verleiten, indem Pasch angeben sollte, daß die von Weithe empfangenen Sachen ordnungsmäßig gebucht seien. Während Weithe in seinen Aussagen ziemlich unsicher war, bestritten die nach ihm vernommenen angeklagten Beamten sehr entschieden und klar jegliches Ver­schulden, und zwar setzten sie auseinander, in welcher Weise die Vorwürfe als Racheaktion von Gefangenen zustandegekommen seien. Haupt- Wachtmeister Henschke, der 28 Jayre in Sonne­burg ist, erklärte:Sin letzten Jahre herrschte hier eine f o zügellose Führung, daß wir keine Unterstützung durch den Direktor fanden. In der Schneiderstube arbeiteten von 32 Leuten nur sieben. Als ich allen Arbeit zuteille, haben sie trotzdem nur das gearbeitet, was ihnen g e - paßt hat. Es wurde auch heimlich geraucht und Karten gespielt. Alle unsere Anzeigen an Hauptwachtmeister Schulz waren vergeblich imt> gingen in den Papierkorb." Hauptwachtmeister Kluck bekundete:Eine Zeitlang erschienen die Ge­fangenen zur Freistunde so, daß sie in de r Iin» ken Hand d i e Tabakpfeife, in der rechten Hand das Taschenmesser trugen. Direktor Lüdecke ist ja auch schon von einem Ge­fangenen verwundet worden."

Oie Wetterlage.

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Montag d.21 .Jan.1929.7h at)ds.

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Wettervoraussage.

Die Temperaturverteilung zeigt heute über Deutsch­land wieder stärkere Gegensätze. So lagen im Osten besonders über Schlesien, wo der Einfluß des ton- tinentalen ^ochs vorherrscht, die Temperaturen bis über 10 Grad unter Rull. Westdeutschland dagegen zeigt Temperaturen um Rull und darüber. Hagen heute morgen plus 4 Grad. Milde von Westen her stammende Luftmassen haben sich hier bereits mehr durchgesetzt und zur Erwärmung geführt. An der Ausgleitfront, die sich von Wilhelms­haven südwärts nach unserem Gebiet erstreckt, fallen Niederschläge teils als Schnee und Regen. Wahr- (cßeinl-d) werden d.e milden Luftmassen vorläufig zu meist wolkigem Wetter führen und die Tempera­turen zunächst um den Gefrierpunkt und darüber halten.

Wettervorhersage für Mittwoch: Vorwiegemd wolllges Wetter mit Temperaturen tagsüber um Null.

Witterungsaussichten für Don­nerstag: Zeitweise stärier bewölkt, und Tem­peraturen um Null schwankend.

Lufttemperaturen am 21. Januar: mittags 4- 0,4 Grad Celsius, abends plus 0,9 Grad Celsius; am 22. Januar: morgens 0 Grad Cesius. Maximum + 1,1 Grad Celsius, Minimum 4,6 Grad Celsius. Erdtcmperaturen in 10 Zentimeter Tiefe am 21. Januar: abends 1,3 Grad Celsius; am 22. Ja­nuar: morgens1,1 Grad elsius. Schneedecke 8 Zentimeter.