Ausgabe 
21.12.1929
 
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Oie Berjähruog

F.G.

machen.

ganzen wurden 30 Bedürftige mit einer durch- schnittlichen Beihilfe von 20 2KL bedacht. Mit

von W a f - men Kühl-

Vheinhessen.

WormS, 20. Dez. Zum Direktor beS hiesigen Schlachthofes wurde der Vete- rinärarzt Dr. Wilhelm Eg euer auS Darmstadt gewählt.

Bad-Nauheim, 21. Dez. Wie auS dem gestrigen Anzeigenteil deSGieß. Anz." zu er­sehen war, findet morgen in der Badestadt noch­mals ein großes Lichtfest statt. Was am vorigen Sonntag auf dem Gebiete der Beleuch­tung und Unterhaltung geboten wurde, fini'ct morgen seine Wiederholung. Dazu kommt neu noch eine bengalische Beleuchtung des Parkes. Am 2lbcnd wird durch Lautsprecher da2 Ergevm« der Prämienverlosung verkündet. Es sind bis jetzt rund 120 000 Vrämienkartcn. die bei Ein­käufen von 2,50 OHL an abgegeben wurden, oj- geseht worden. Für die Verlosung stehen zahl­reiche Gewinne zur Verfügung.

Kreis Büdingen.

r Büdingen, 20.Dez. £cute nacht wurde im hiesigen Rathaus. wo sich die Bureou- räume der Bürgermeisterei befinden, eingebrochen. Der Täter ist von der Müller­gasse aus mittels eines Strickes durch ein Fenster tn das Treppenhaus gelangt. Hier hat ec die äußere Tür angsbohrt und dann eingrschlagen. Da jedoch die Türen zu den einzelnen Bureau- räumen verschlossen waren und der Täter durch in der Rachbarschaft entstandene Geräusch? ge­stört worden ist, verschwand er scheinbar Mieder auf dem gleichen Wege. Sicherlich ver- mutele der Täter größere Geldbeträge, da die Erwerbslosen am heutigen Tage ausbezahlt wer­den sollten.

* Ridda. 19. Dez. Auf den b?iden vor kurzem abgchalt n:n Geflügclausstellur- Ö e n in Dauer..h.im und Schotten errangen d:e drei hiesigen, schon seit mehreren Jahren al- hervorragende Zücbter bekannten Au.'steiler Iustizir.fpck or Eduard Bär. Vermrssungsobr- inspektor Theodor S v a m e r und Kaufmann Hermann Roth auf ihre Zuchtstämme rebhuhn­farbiger 3ta:i;n:r b;to. aus einzelne Hähne und Hennen sämtlich je einen I. Preis und Ehren­preis. Ferner erhielt Iustizoberseir tür Harth hier in Dauernheim einen 1. Preis auf Tau­ben. Die Rassegeflügelzucht schreitet auch 6.ec immer mehr vorwärts, und d r Geflügelzucht» verein entfaltet wieder regere Tätigkeit. 3n dem nahen Michelnau wurde in diesem 3ahre eine Geflügelfarm gegründet, die etwa 500 Hennen deä weißen amerikanischen Leghorns be­sitzt und deren Anzahl noch bedeutend vermehren will.

Ueberlassung eines Baume- für die Unterbrin­gung von Geräten wurde entsprochen. Ein in der Badeanstalt vorhandener Daum soll hierfür frei gemacht werden. Die Einsetzung 1 sermessern bei den hier vorhanoei anlagcn wurde beschlossen.

L e i h g e st e r n. 20. Dez. Der Gemeinde- r a t befaßte sich in seiner letzten Sitzung mit der Winterbeihilfe für bedürftige Sozialrent­ner, Erwerbslose und sonstige OrtSarme. 3m

Oberheffen.

Oer Haushaltsplan von Klein-Linden.

00 Kletn-Linden, 18. Dcz. Dem G e - meindsvorstand wurde in seiner jüngsten Sitzung vom Bürgermeister der Voranschlag der Gemeinde für das Dechnungs- jahr 1929 unterbreitet. 3n Rubrik .Grund­stücke" wurden für Unterhaltung und Düngung 150 OKI. und für Reuanpslanzung von Bäumen weitere 100 Mk. abgefetzt. 3n Rubrik 24 tour- den in Ausgabe 10'0 Mk. für eine Badeanstalt gestrichen, ferner wurden die Ausgaben für Oesfentliche Sicherheit um 128 Mk. ermäßigt. 3nfolge dieser Str.ichung war ein-? Herab­setzung des Reservefonds um 1324 Mk. nötig. Der msprürg ich mit 25 000 Mk. vorgesehene 11 m- I lagebedarf konnte auf 26 030 Mk. ermäßigt werden.

Die Betriebsrechnung zeigt nach diesen Abänderungen folgendeZ Bi.d: An Rech- l n u n g s r e st aus dem Vorjahr können 7504 Mk. verbucht werden. Für Gebäude ist die Summe I von 1540 Mk. gegenüber 3040 Mt. im Jahre 1628 aufzubringen. An Einnahmen aus Gebäu­den sind 216 Mk. zu erwarten. Die Einnahme aus Gemeindegrundstücken ist mt 4093 Mk., die Ausgabe mit 550 Mk. angesetzt. DciMessen und Märkten stehen einer Einnahme von 100 Mt. keine Ausgaben gegenüber. Für die 3nstandhaltung einiger Brunnen sind 500Mk. in Ausgabe angesetzt (1928: 2300 Mk.). Die all­gemeine Verwaltung bedarf einer Aus­gabe von 15 664 Mk.. an Einnahmen werden hier 448 Mk. erwartet, für öffentliche Sicher­heit sind 2708 Mk. durch die Gemeinde aufzu- bringen. An Ausgaben für öffentliche Ge­sundheitspflege sind C25 M' für Feuer­löschwesen 300 Mk. und für Armen- pflege 2000 Mk. erforderlich. Die Schu len bringen tn Einnahme 1774 Mk. (Mieten für die Lehrerwohnungen) und belasten die Gemeinde mit 7360 Mk., während für die evangelische ! Kirche 543 Mk. (1928 : 741 Ml., und für den Gemeindefriedhos 430 Mk. erforderlich sind. Recht erhebliche Mittel erfordert die In­standsetzung von Straßen und Wegen,näm­lich 5350 Mk. Es soll aus den Heberschüsfen ein Fonds angesammelt werden, damit beim Dau der Wasserleitung die nötigen Mittel vorhanden sind, um anschließend an den Wafserleitungs- bau gleich die Herstellung von neuen Straßen vornehmen zu können. Die Ausgabe für Lan d- wirtschaftsHwecke beträgt 3990 Mk., wo­von ein erheblicher Teil auf die Faselbaltung entfällt, die Einnahme beträgt 752 Mk. Die Reg lang der Grenzverhältnisfe erforte t nur noch 400 Mt. gegen 1253 Mk. im Jahre 1928. Für dos Orisbürgerwesen sind in Ein­nahme und Ausgabe wie im Vorjahr je 2251 OHart eingestellt. Die Mittel, die zur Instandhal­tung von Graben und Bächen notig sind, wurden mit 2000 Mk. angefetzt. Unter soziale Fürsorge sind die Mittel für die Unter­stützung von Klein- und Sozialrentnern, Kranken­kasse-, Invaliden- und Erwerbslosenfürsorgebet- träge verrechnet. Die hierzu notwendigen Ge­meindezuschüsse betragen 4652 Mk. An Kriegs­und allgemeiner Wohlfahrtspflege sind 503 Mk. aufaut ringen. Für Wohnungssürf orge erscheinen in Einnahme und Ausgabe je 4080 Mark, an Steuern und Abgaben sind 2200 Mk. zu bezahlen. Die Anteile an Reich-steuern, die der Gemeinde Voraussicht ich übertote'en wer­den, sind mit 17 710 Mk. eingesetzt. Als Re­servefon d- sind 3920 Mk. vorgesehen, wäh­rend der Mobiliarerneuerungsfonds in Einnahme mit 113 Mk., tn Ausgabe mit 395 Mark erscheint. Die für Kapitalien benötigten Zinsen mit 168 Mk. werden durch den Einnahme-

Rur Zustellung eines Zahlungsbefehls ober einer Klage vor Jriftablauf schützen den Gläubiger.

Die Vorschriften über d.e Vernäh.u..g_ sind in den Paragraphen 194 folgende des Bürger­lichen Gesetzbuchs geregelt. Es kann im Rah­men einer Zeitung nicht erwartet werden, daß der umfangreich? Gcsehestext, der von der Ver­jährung handelt, hier vollständig abgrdruckt wird. DaS Bürgerliche Gesetzbuch sollte in jeder Familie zu finden fein. Dort lese jeder das Gesetz selbst nach und prüfe den eigenen Fall. 3m § 194 BGB. heißt es Har und be­stimmt: .Das Recht, von einem Anderen ein Tun oder Lassen zu verlangen, unterliegt der Ver­jährung." Unter Tun oder Lassen ist stets eine sogenannte Leistung im Sinne des §241 DGB. zu verstehen. Eine Leistung im Sinne des bür­gerlichen Rechts braucht nicht einen in Geld bestimmten VermögenSwert zu haben: es muß ober ein noch der Anschauung der menschlichen Gesellschaft schutzwürdiges, regelmäßig toi.t chaft- liches Interesse vorliegrn und auch der Eharalter einer rechtlichen Bindung ersichtlich sein. Reine Versprechen, die dem Gebiete des gesellschaft­lichen Lebens, der Freundschaft, der Familie und der Religion angehö.en, kommen nicht in Frage. Eine Leistung selbst richtet sich entweder nach dem Gesetz oder nach einem bestimmten Ver­trage. Hier fei nur hin hingewiefen auf folgende

Stiften:

1. Die regelmäßige Verjährungsfrist be­trägt 30 3 a öre, jedoch bilden die kürzeren Verjährungsfristen die Regel. In 30 Jahren verjähren beispielsweise bare Darlehen oder For­derungen, die durch Vertrag in eine Darlchens- schuld umgewandelt wurden, um sie vor einer kürzeren Verjährung zu schützen, ferner Ansprüche auf eine Vertragsstrafe. Schuldscheine üb~r den Gesamtbetrag einer R-chnung, für deren Sinzel­beträge kürzere Verjährungsfristen laufen (§ 195 BGB.).

2. In vier Jahren verjähren die An­sprüche auf Zinsrückstände, Miet- und Pacht­zinsen, Renten, (böu:rüche) Auszugs!'istungen, Desoldurg'n, Unt.rhalt b.itccg: und alle re "er­mäßig wiederlehrenden Stiftungen (§ 197 BGB.).

3. Bereits in zwei Jahren verjähren u. a. die Ansprüche der Kaufleute, Fabrikanten und Handwerker für Li'ferang von Waren usw. mit Einschluß der Auslagen, cs sei denn, daß die Leistung für den Gewerbebetrieb deS Schuld­ners erfolgt ist, ferner die Ansprüche der Land- und Forstwirte für die Lieferung ihrer Srzeug- niffe, der Gastwirte, der getoerb'ichen QlrEe tcr, der Lehrherren wegen des Lehrgeldes, d^r Unter- richtSanstalten. der Aerzte, Tierär'te, Apotheker, Zahnärzte, Hebammen, der Rechtsanwälte, Ro° täte, Gerichtsvollzieher v. a. m.

Die Verjährung der Ersatzansprüche gegen die Post tritt bereits nach Abbaus von sechs Monaten, vom Tage der Einlieferung an gerechnet, ein. Denn die Reichsvostvcrwal- tung ist nicht in der Lage, die Unzahl von Be­legen, die bei etwaigen Ersatzforderungen in Frage kommen, noch längere Zeit aufzabewah- rcn. Wrr sich durch eine in Verlust geratene Postsendung geschädigt sühlt, wird in jedem Falle gut daran tun, den Schadenersatzanspruch un­verzüglich bei der zuständigen Postbehörde anzu­melden. Die Anmeldung unterbricht stets die Verjährung.

Im Postscheckverkehr verjährt der Anspruch in ?toei Jahren. Die Verjährungsfrist tauft vom Schlüsse deS IahreS an. in welchem der Auftrag dem zuständigen Postscheckamt erteilt wurde.

Für Postanweisungen läuft eine sechsmonatige Verjährungsfrist, das gleiche g'lt für Zahllarten- au'träge und für Ansprüche auf Gebührenrücler- ftattung im Telegrammv-rkehr.

Auch auf die Gefahr hin, daß schon Bekanntes hier wiederholt wird, sei folgender Rat erteilt: Besteht für den Gläubiger die Ge­fahr der Verjährung, so sorge er schleu­nigst, vom Schuldner, wenn irgend möglich in schriftlicher Form, eine vertragsmäßig erneute Anerkenn ung der betreffenden Forderung zu erhalten. Er wandle, wenn möglich, die Kaufgeldforderung in eine Darlehens­forderung um (sich: oben unter Rr. 1). Not­falls nehme er di" Hilfe eines Rechtsanwalt) in Anspruch, der weiß, was zu tun ist. Wer durch seine Saumseligkeit Geld verliert, darf nicht das Gesetz, sondern nur sich selbst verantwortlich

den tthir. Nack einigen Stunden frohgestimmter har­monischer Geselligkeit schied man mit dem Vorsatz, in fünf. Jahren nach Vollendung des 65. Lebens­jahres wieder in festlicher Weise zusammenzukom­men.

U Großen-Linden, 20. Dcz. Am Mitt­wochabend sand unter dem Vorsitz deS Bürger­meisters Lang eine Gemeinderatssit­zung statt. Die Chaussierung der Ranzenschneife im Gcmeindetoald wurde beschlossen und soll alsbald in Angriff genommen werden. Der An­trag auf Gewährung einer Winterbeihilfe, der in der vorletzten Sitzung zurückgcstellt wor­den war, wurde genehmigt. Die Auszahlung soll bestimmt noch vor Weihnachten erfolgen. Eine Eingabe der Gewerbetreibenden an den Minister des Innern wegen der hohen AuS- schlagssätze für 1929 wurde vom Bürgermeister verlesen. Hiernach betragen die Sätze für das Anlage- und Betriebskapital 200. für den Ge- tocrbcertrag 450 und sollen die höchsten in ganz Oberhessen sein. In den Aachbargemeinden, wie Heuchelheim, habe man Sätze von 50 bzw. 210, in Wieseck 92 bzw. 210, in Lich 60 bzw. 220 usw. Hierdurch werde die Konkurrenzfähigkeit der Großen-Lin'cener Gewerbetreibenden unmöglich gemacht, was die ernstefien Folgen zeitigen mühte. Ein Gewerbetreibender vom Gemeinderat trat energisch für die Herabsetzung dieser Sätze ein und wies durch Beispiele und Vergleiche auf die schädlichen Auswirkungen so hoher Sätze hin. Der Punkt wurde vertagt. Einem Antrag deS Arbeiter - Samariter - Bundes um

at» fte, tote toit 6te Rorvmnerrkaner. den Perser- lönig zum Garanten für den Frieden deS Antol- kidas machten, der PanhellaS als Idee endgültig zu Grabe trug.

Es hat einst ein geistiges Paneuropa gegeben, als eine aristokratische Ooerschicht we­sentlich germanischen Blutes, deren führende Menschen das ganz romanische Form- und Btt- dungserbe bewältigt hatten. Dieses gctfhge^an europa stand in einer Seelenstimmung zusammen, bie z. D. Europa bei St. Gotthard a. d. Raab verteidigte. _

Es ist der furchtbare Irrtum unserer demo­kratischen Zeit, daß sie glaubt, es könne a u S wirtschaftlichem Zwang etwa auf dem Wege der Rationalisierung, getoisfermoßen so ähnlich, wie man eine Revolution in eine Lohn­bewegung umbog und im materialistischen Sumpf ersticken tiefe, eine p a neu r opä i sche Flur- berelntgung geschaffen werden, wie ein Trust oder eine Verkaufsgewerkschast, und könne man das dazu etwa nötigeSeelische" Hinzupropa- gieren.

Den wirklichen Paneuropäern ist ihr Gedanke Herzenssache und ihnen fehlt die 6celenfhm- mung nicht: aber man wird ihnen den Vorwurf machen müssen, daß sie nicht wählerisch im Her­anholen der Vorspannpferde sind, dre ihre 3oee in den Raum hineinziehen sollen. Hwr aber liegt vielleicht ihr entscheidender Fehler. Professor Obst bat sicher ganz recht, wenn er die Be­hauptung der Erdteilstellung Europas eine Frage seines gemeinsamen Kulturbewutzt- sein- nennt Je mehr es sich amerikanisiert oder bolschewisiert, um so mehr verliert es diese Sonderstellung und wird amerikanisches ober eurasiatisches Anhängsel. Und die Gefahr zeigt sich auch darin, daß Europa, wenn eS noch Voll- geltung als Weltteil besäße, der einzige wäre, der ein blutüberfülltes Herz mit zu­viel Volksdruck in seinem Ker n - raum hat. Bei allen anderen Weltteilen ist der Devölkerungsdruck ein peripherisches Pro­blem: im Innern sind »tote Herzen" (Aßen. Australien),wide, lone Lands (Australien, Rordamerika) oder wie in den tropischen Er­nährungsräumen der Zukunft. Afrikas und Süd­amerikas. auf denen soviel Hoffnungen bei zu­nehmender Uebervölkerung der Erde ruhen, unter- bewohnte tropische Hylaea. Rur Europa miß- handelt durch Verstümmelung, Zusammendrücken im Lebensraum am meisten sein Herz, in dem wir Deutsche nun eben einmal wohnen. Solange das Herz aber im verzweifelten Druck es ab­lehnen muß. fein Letztes für einen Gesamtkörper herzugeben, der eS mit einem in der Weltge­schichte einzig dastehenden ©ctoaltfrieten ver­stümmelt hat. solange wird der Körper nicht verlangen können, daß dieses Herz in ihm auf« «ehe. Etwas Aehnliches hat schon MeneniuS Agrippa in bezug auf den Magen der römischen Plebejer in seiner berühmten Fabel beigebracht. Die Römer sollen es verstanden haben. Die Paneuropäer verstehen es noch nicht.

Zu keiner Jahreszeit hat die Geschäftswelt im allgemeinen mehr die Augen aufzutun. als am Jahresschlüsse. An ihm drängt sich so vieles zu- s.-'mmen das Weihnachtsgeschäft, das in die en Cafere erstmals am 21. Dez., nachm. spä estenS um 6 Uhr. im Ladenverkauf sein gesetzlich sestgelegies Ende findet, die Reklamatioren, die dann und wann zu erfolgen pflegen, schließlich ber CBüdjer- abschluß und die Inventur. Gar manchem Ge­schäftsmann graut vor diesen Dingen.

Und in den Büchern steckt vielleicht so man­cher Posten, der mit dem Ablauf deS 31. Dezem­ber rechtlich untergeht. Die Silvesterglocken läu­ten gar manchem Recht zu Grabe, das vielleicht, wie eine Darlehensforderung. jahrzehntelang be­standen hat. Verjährung! Für den Misse­täter im Strafrecht eine Erlösung! Für den ehrbaren Kaufmann in Handel und Wandel ein Drohwort. oder gar ein schlimmer Verlust. Tue die Augen auf oder den Beutel! Stecke, vulgär gesprochen, die Rase in deine Bücher und Akten! Prüfe, ob mit dem Jahresschlüsse eines deiner Rechte fast stets kommen nur Forderungsrechte in Frage erlöschen wird, und toenn ja, so tue die nötigen Schritte, um dich vor Schaden zu bewahren. Denn immer wieder wird vom säumigen Schuldner vor Gericht die Einrede dec Verjährung erhoben, und der Klä­ger. der vielleicht im besten Rechte steht, muß eS erleben, daß sein Vorgehen erfolglos bleibt und daß er zu allem Aerger und Schaden auch noch die Kosten eine« verlorenen Prozesse« tragen muß.

Mas versteht man im Rechlsleben unter Verjährung?

Sie ist der Erwerb von Rechten durch Er­sitzung oder Verlust von Rechten aller Art durch Ablauf einer bestimmten Zeit. In letzterem Falle spricht man von erlöschender Ver­jährung. Don dieser allein soll hier die Rede fein.

Durch Zeitablauf wird es dem Fordernden, dem Kläger, unmöglich gemacht, einen Rechts­anspruch zu erzwingen, der an und für sich besteht, toenn sich der Schuldner nicht auf die Verjährung beruft und sie nicht im Prozesse geltend macht.

Die Verjährung des bürgerlichen Rechts soll hier in erster Linie aügehandelt werden.

Rach Paragraph 225 des Bürgerlichen Gesetz­buchs (BGB.) farm die Verjährung durch ein Rechtsgeschäft (Vertrag) weder ausgeschlossen, noch erschwert werden. Bei Kauf- und Werk­verträgen ist allerdings die vertragsmäßige Fest­setzung einer besonderen Verjährungsfrist zu­lässig. kommt jedoch in der Praxis kaum vor.

Die Verjährungseinrede kann sie muß es selbstverständlich nicht im Prozesse im Wege derEinrede geltend gemacht werden. Sie ist niemals daS lauterste Mittel im Kampfe ums Recht, und dennoch muß sie bestehen, d. h. vorgebracht werden können. Denn cs geht nicht an, baß ein Gläuhiger noch stach Jahr und Tag kommen und eine Rechnung präsentieren tarnt, die längst aus dem Gedächtnis des an­deren Teils verschwunden ist und von der etwa der Käufer einer Ware glaubt, daß sie längst I bezahlt sei. Deshalb trägt das Aechtsinstitut der Verjährung dazu bet, geordnetere, sicherere Zustände im Verkehrs- und Rechtsleben zu schassen. Es hat deshalb neben einer materiellen Wirkung geradezu auch eine erzieherische Seite. Sie zwingt den Geschäftsmann zur Ordnung. Der Schuldner aber, der in voller Kenntnis der Tatsache, daß er eine Rechnung noch nicht bezahlt hat, die Forderung eines Lieferanten oder Arztes zunichte macht, wird keinen Anspruch für sich erheben können, daß er vornehm, oder auch nur anständig handle, ilnb doch können Rechts­ansprüche nicht ewig dauern. Sie müssen einmal ein Ende haben: sonst litte die Rechtssicherheit not. Andernfalls träte auch niemand mehr nach langen Jahren, toenn alle Beweismittel ver­loren gegangen, etwa alte Paviere vernichtet worden oder Zeugen gestorben sind, vor einer frivolen Klage sicher. Der Verkehr erfordert klare, sichere Rechtsgrundlagen. Schon das bloße Bestehen der Verjährung zwingt daher den Gläu­biger, sich auf ihre einredeweise Geltendmachung gefaßt zu machen und sich danach einzurichten. Jeder Lehrling sollte schon wissen, daß das einfache Verschicken von Rechnun­gen. oder daß noch so schone oder grobe Mahn- I schreiben niemals eine laufende Verjährung un­terbrechen, selbst dann nicht, trenn sich der Schuld­ner auf sie ausschweigt, d. h. solche Mahn­schreiben unbeantwortet läßt.

posten von 168 Mk. voll gedeckt, während für Schuldentilgung 375 Alk. b:n"fgt werden. Der Gesamteinnahme aus der Betr'.ebs- rechnung mit 40 244 Mk. stehen an Gesamtaus­gaben 66 244 Mk. gegenüber, mithin find noch 26 003 Ml. durch Gemeind e Umlagen aus­zubringen.

Die Derrnögensrechnung zeigt in Kapi­talien- und Erncu:rungSsonds in Einnahme und Ausgabe je 395 Mk.

Der Voranschlag fand die Genehmigung des Gemeinderats. Die Au^schlagssätze für die zur Erhebung kommenden Umlagen werden demnächst sestgelegt.

Landkreis Gies;en.

X Klein-Linden, 20.Dez. Der Altveteran Landwirt Johann Georg Schmidt konnte am Mittwoch in voller geistiger und körperlicher Frische seinen 8 7. Geburtstay Im Kreise seiner An- gehörigen begehen. Aus diesem Anlaß übersandte ihm der Reichspräsident sein Bild mit eigenhändiger Unterschrift. Der Vorsitzende des Kriegerver- eins überbrachte die Glückwünsche des Vereins und überreichte dem Jubilar gleichzeitm im Romen der Hassia" ein Weihnachtsgeschei'.k. Auch die andern drei Altveteranen, die noch lebenden Witwen von solchen wurden von derHassia" mit einem Weih- nacht:gesehenk bedacht, das von dem Vorsitzenden des Kricgervereins überreicht wurde.

* Großen-Linden. 20. Dez. Die im Jahre 1869 geborenen Alterskameraden veranstalteten hier in der GastwirtschaftZum Hüttenberg^ eine schlichte 6 0 e r - F e i e r. Die Veranstaltung, zu der sich fast alle Alterskameraden und Alterskameradinnen ein- gefunben batten, nahm bei Kaffee und Kuchen einen yarmoniscyen Verlauf. Zur Freude aller Teilneh­mer hatte sich auch der jetzt in Lang-Göns im Ruhe- stand lebende Lehrer Diemer. zu dem die jetzigen 60er seinerzeit in di« Schule gegangen waren, ein- gesunden. Herr Diemer war von der ihm bei dieser Gelegenheit bekundeten Anhänglichkeit seiner ehemaligen Schüler sichtlich gerührt und dankte in I herzlichen Worten für die Ehrung, die ihm mit der I Einladung zu dieser Wiedersehensf«i«r bereitet wor-

Liefer Sitzung dürfte wohl der alle GemeinLerat seine Arbeit abgesch.os>en hacren. Vier Mitglieder scheiden durch dre Äeuwahl aus, die anderen acht werden im neuen Parlament ihre Arbeit fort­fetzen. Lurch Len inzwischen emgetretenen otoft wurden die Arbeiten am Denkmalsbau eingestellt. Der größte Teil der Waurer- arbd.cn an der Umfcf,unglmaucr ist fcrLggeftellt, die Schriftplatten vom Steinhauerrneifter Schra­der, Leihgestern, find angeliefert. Auch der eigentliche Denkmalstein liegt fertig bearbeitet zum Aufstellen im Bruch von H. Schmiede- knecht zu Londorf, so daß im Frühjahr bald mit der Fertigstellung des ganzen Gefallenen­denkmals und seiner Einweihung gerechnet wer­den kann.

ck. Heuchelheim. 20. D:z. Dieser Tage fand hier in bei Wirtschaft ..Zum Schwanen" eine Dürgervcrsammlung zwecks Gründung eine- Bürgervereins statt. Rach cing h.nde Be­ratung wurde die Gründung dieses Vereins ein­stimmig beschloßen. Die Vorstandstoahl'hatte fol­gendes Ergebnis: Fr. Karl Rinn, 1. Vorsitzen­der; PH. Böhmer, 2. Vorsitzender; Hermann Renschling. Schriftführer; Hermann Frei- t a g, Kassierer; V. Ludw. Christ, Wilhelm Reidel, Ph. Rinn I. und Hermann Volk­mann, Beisitzer.

* Lumda, 20. Dez. Auf Veranlassung des hie­sigen Spar- und Darlehnskassen-Ver>- eins hielt im Saale von Hch. Schultheiß der Diplomlandwirt Gagel von der Deutschen Super­phosphatindustrie einen Vortrag über neuzeitl che Düngerlehre. Der Vortragende erläuterte in mehr- stündigen Ausführungen an Hand eines im D U» kreis aufgenommenen Filmes die richtige Anwen­dung der verschiedenen Arten von Kunstdünger und 'deren Rentabilität. Der Vortrag wurde mit leb- Haftern Beifall aufgenommen. Die Genossenschaft erachtet es als ihre vornehmste Ausgabe, den Land­wirten durch aufNärende und belehrende Vorträge die zweckentsprechende und nützliche Anwendung von Kunstdünger bekanntzugeben, um sie dadurch vor unwirtschaftlicher und verlustbringender Verwendung der Düngemittel zu bewahren.

6 Göbelnrod, 20. D'z. Heute fand hier eine gemeinsame Sitzung drS Schul- und G e- meindevorstandes statt wegen d.s Reu» baueS eines Schitlhauses. Das zulctzt beschlossene Bauvorhaben, in dem der Umbau des jetzigen SaaleS unter Anbau eines Stückes vorgesehen war. wurde wegen der Unüberseh- barfeit des Aufbruches aufgegeben. Rach dem neuen Plan, den Bauinfpeltor Kimvel vom Hochbauamt vortrug, wird der alte Saal auf- geteilt in zwei Zimmer und eine Kleiderablage und ein völlig neuer Saal auf der Rordseile angebaut. Rach eingehender B ratung und Lolal- schau wurde dieser Plan einftiiimvig angenom­men. Der Plan wird nun sobald al- möglich in Ausführung genommen und bietet auch die Mög­lichleit, in späteren Jahren einen Detsaal aufzu­bauen.

-s- Grünberg, 19. Dez. Auch in diesem Win­ter veranstaltet die Volkshochschule Gie­ßen hier eine Anzahl Vorirage. Diese finden im Zeichensaale der Volksschule ftaXt, den die Stadt unentgeltlich zur Verfügung gestellt hat. Bis jetzt haben folgende Vorträge stattgefunden: Musithören". Einführung in das Verständnis von Musikwerken von Franz Dauer junior, Gießen.Goethes Lyrik" von Lehrer Heinrich Frank, Gießen.Was sagt die heutige Wissen­schaft über die Abstammung des Menschen? Rich­tiges und Falsches int Darwinismus" von Dr. W. Malech, Gießen. Besonders für das letzte Thema schien großes I.teresse vorhanden zu fein, denn der zweite Abend dieses Vortrages, der mit Lichtbildern stattfand, zählte eine Be­sucherzahl von 55 Personen. Rach Reujahr ste­hen noch zwei weitere Vorträge in Aufsicht. Zu­nächst spricht ' Pfarrer Rheinfurt, Brauer- schwend überKriegtzliteratur der Gegenwart. Die Sinnüeutung des KriegserlcbnisseS". Weiter wird dann Dr. W. Malech, Gießen, noch behandeln Reform in Lebensführung und Gesundheits­pflege".

Kreis Friedberg.