Ausgabe 
21.11.1929
 
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len gewünscht wurde, wurde vom Ausschuß für unmöglich erklärt. 3n der Nachprüfung war der Ausschuß sehr weitherzig und erkannte auch unvollkommene Unterschriften an, wenn die Bür­germeistereien die Bescheinigung dec persönlichen Eintragungen aussprachen.

Aus dem Gesetzgebungsausschuß des Hessischen Landtags.

D a r m st a d t, 19. Nov. (Wolff.) 3m Ge­setzgebungsausschuh des Hessischen Land­tags entspinnt sich eine eingehende Aussprache über den Antrag Haury, die Regierung möge baldigst in Hessen die Mietberechtigungs­karten einführen. Abg. Haury erklärt u. a., das bisherige Wohnungszuweisungsverfahren habe sich als durchaus unzweckmäßig und unwirtschaftlich erwiesen und sei kaum in der Lage gewesen, den Wohnungsuchenden zu helfen. Eine Reihe von Großstädten habe daher die sogenannten Mietberechtigungskarten einge­führt und es den Wohnungsuchenden überlassen, ihren Bedarf selbst zu decken. Dadurch sei nicht nur eine beträchtliche finan­zielle Entlastung der Kommunen ein­getreten, sondern auch alle Verärgerung der Wohnungsuchenden und der Vermietenden habe aufgehört. Die Regierung erklärte, daß sie bereit sei, den einzelnen Gemeinden und Städten, die einen Antrag auf Einführung der Miet­karten stellen würden, diese Genehmigung zu erteilen. Für die generelle Anordnung der Einführung der Karten in Hessen liege kein Anlaß vor. 3m Ausschuß sind die Ansichten, ob die Einführung der Mietkarten praktisch und nutzbar sei, geteilt. Don der Linken wird insbeson­dere der Befürchtung Ausdruck gegeben, daß Fami­lien mit zahlreichen Kindern benachteiligt wür­den. Der Ausschuß erklärte schließlich gegen vier Stimmen der Rechten den Antrag Haury als durch die Regierungsantwort erledigt.

Eine längere Aussprache ergab auch der de­mokratische Antrag, die Zulassung.der Amtsgerichtsanwälte zu den über­geordneten Landgerichten spätestens fünf 3ahre nach erfolgter Niederlassung zu er­teilen. Die Regierung wandte sich gegen den An­trag und wollte einen anderen Zulassungsmodus in Anwendung gebracht wissen. Der Aus­schuß nahm jedoch den demokratischen Antrag ge­gen eine Stimme an.

Der Ausschuh nahm einstimmig einen Antrag der Rechten an, in dem verlangt wird, daß Assessoren und jüngere Richter als Hilfsrichter bei den Landgerichten zugezogen werden können. Eine Aen- derung des Kirchen st euergesehes wurde einstimmig genehmigt. Nach ihr sollen die für das 3ahr 1929 gewählten Steuervertretungen auf Wunsch auch für das 3ahr 1930 im Amte bleiben. Eine Regierungsvorlage, die die Amtszeit aller unbesoldeten Bei­geordneten in den Städten, die im 3ahre 1925 wiedergewählt worden sind, auf neun 3ahre erstrecken will, wurde ebenfalls einstimmig an­genommen.

Das neue badische Kabinett.

Negierunqskoalition ZentrumSozialdemokratie.

Karlsruhe, 19. Rcv. (WTD.) Nachdem die Demokraten und die Deutsche Volks- Partei die Llcbernahme des 3ustizmin'.steriums erneut ab gelehnt haben, werden Zentrum und Sozialdemokraten die Regie u.'.g allein bilden. Das Zentrum erhält.zunächst den Staatspräsidenten und üb r.nrnmt das Ministerium des 3nnern sowie das der Fi­nanzen. Die Sozialdemokratie ihrerseits be­seht in Personalunion durch den bisherigen 3nnenminister Dr. R e m m e l e das M n ster'u.n für Kultus und äln ter richt sowie das 3ustizministerium. Daneben erhält die Sv- zialdemolralie noch einen Staatsrat. 3n einer Mitteilung des Zentrums wird g Jagt, dah die beiden liberalen Parteien die Verantwortung für das Scheitern der Großen Koalition zu tragen hätten, weil sie von ihrem Anspruch auf das Unterrichtsministerium nicht abgegangen siien. Durch die älcbernahme des Innenministeriums habe das Zentrum die Er­füllung seiner Fordcrung gefunden, welche es bei Beginn der Koalitionsvrrhandlungen gcst'llt habe, nämlich einen dem Wahlergebnis entspre­chenden Einfluß in der Regierung zu b kommen. Das Finanzministerium wrrd wieder der bis­herige 3nhaber Dr. Schmitt vom Zentrum übernehmen. Als Kandidaten für den Posten des Innenministers wird das Zentrum den Prä­sidenten des Rechnungshofes 3vsef Witte- mann Vorschlägen.

Ein neuer Zeuge im Soll Lanipel.

Berlin, 21. Rov. (WTD.) Dem Unter­suchungsrichter beim Landgericht Reihe ist von dem Derteidiger des in Untersuchungshaft be­findlichen Schriftstellers Lampe! ein neuer Zeuge benannt worden, der wichtige Bekundun­gen, insbesondere über die Person des erschosse­nen Fritz Köhler, machen könne. Rach den Behauptungen des neuen Zeugen, eines ge­wissen Kandt, soll Köhler seine Leute gegen die Stammkompagnie aufgewiegelt und sich ständig rebellisch benommen haben. So soll er mit seinen Leuten einen Ueberfall auf die Stammkompagnic geplant und sich zu die­sem Zweck Waffen beschafft haben. Plötzlich fei er in der Nähe des Waffenverstecks, bei der Scheune von Wackenau, aufgetaucht, wo chn von Beulwitz überraschte. Der Zeuge Kandt wird umgehend vom Untersuchungsrichter ge­laden.

Lockerung des Eprachen- verbots in Südtirol.

Deutsch auf Speisekarte und Gasthaus, gcschirr.

Bozen, 19.Nov. (WB.) DieAlpenzeitung" veröffentlicht heute folgende Rundschreiben d e r P r ä f e k t u r an die Amtsbürgecmeister der Gemeinden der Provinz Bozen: 3n Abweichung von dem Dekret über den Gebrauch der italienischen Sprache auf Ankündigungen und Mitteilungen im allgemeinen, die an die Oeffentlichkeit gerichtet sind, wird bis auf wei­teres gestattet: 1. in den öffentlichen Lokalen die Ausfüllung der Speifenkarte in meh­reren Sprachen, auch in der deutschen.

Oie Bestrafung des Ehebruchs.

Ablehnung des $ 312 im Rechtsausschuß.

Berlin, 19. Rov. Heute beschäftigte sich der Strafrechtsausschuh mit § 312, der den Ehe­bruch auf Antrag mit Gefängnis bis zu einem 3ahr bestrafen will.

' Abg. Ehlermann (Dem.) sprach gegen die Erweiterung des Racheaktes der St.a a 'zeige gegen früher, denn früher habe der Antrag gegen den Eindringling in die Ehe gemein- sam von den Ehegatten gestellt wer­den müssen, jetzt genüge der eine Gatte. Tat­sächlich seien es immer Menschen von niedriger Gesinnung, die solche Anträge stellten.

Abg. Dr. Hanemann (Dnt.) beantragte, die Strafverfolgung dann zuzulasfen, wenn die Ehe wegen dies s Ehebruches rechtskräftig geschieden ist, und sie nicht vor einem An­trag abhängig zu machen.

Reichsjustizminister von Gusrard: Ich möchte keine Zweifel darüber lassen, daß ich eine Streichung dieser Strafvorschrift nicht für erträglich halte. Ein Blick auf das Recht des Auslandes zeigt, daß bis heute fast alle Kultur­staaten an der Strafbarkeit des Ehebruchs feftge- halten haben. Es ist davon auszugehen, daß die monogame Ehe eine der wichtigen Grundlagen des Staates überhaupt ist. Auf jhr baut sich die Familie als die Kernzelle des staatlichen Lebens auf. Dieser Bedeutung der Ehe hat die Verfassung dadurch Rechnung getragen, daß sie die Ehe im Artikel 119 unter den besonderen Schutz der Ver­fassung und des Staates gestellt hat. Zur Ausführung der verfassungsmäßigen Aufgaben des Staates für die Reinerhaltung der Familie zu sor­gen, erscheint es mir Pflicht des Gesetzgebers, alle verfüabaren Mittel zur Erfüllung dieser Aufgabe einzusetzen. Hierzu gehört u. a. der Schutz der Ehe durch das Strafrecht. Ernste Beachtung verdient der Einwand, daß der Strafantrag häufig nur gestellt werde, um ein R a ch e b e d ü r f n i s zu b'.friedigen, oder daß mit der Drohung, Strafantrag zu stellen, günstigere Scheidungsbedingungen

erpreßt werden. Indesten kann man Bedenken gleicher Art gegen eine große Zahl von Strafbestim­mungen erheben, auf die doch nach allgemeinem Ur­teil nicht verzichtet werden kann. Weiteste Kreise unseres Volkes würden einen Verzicht auf den straf- rechtlichen Schutz der Ehe einfach nicht verstehen und sicher dahin auslegen, daß der Gesetzgeber heute den Ehebruch nicht mehr wie bisher sittlich miß­billige. Die Beibehaltung einer Straf- Vorschrift gegen Ehebruch erscheint mir geboten, um dem Standpunkt der weiten Kreise des deutschen Volkes gerecht zu werden, die in einer Verletzung der ehelichen Treuepflicht einen sittlichen Verstoß schwerster Art und in der Strafdrohung des Staates eine Billigung dieser ihrer sittlichen Auf- fassung mit Recht erblicken.

Abg. Landsberg (Soz.) widersprach der Auffassung des 3ustizministers, als ob die Strei­chung des Paragraphen 312 im Dolke als Billi­gung des Ehebruches oder Minderung der Würdi der Che aufgefaßt werden könne. Er glaube nicht, daß die 3ünger 3esu z. D. diese Auffassung ge­habt hätten, als Christus der Ehebrecherin ver­ziehen habe. Er empfahl Streichung des Para­graphen.

Abg. Dr. Wunderlich (D. D.) berichtete, volkspshchologisch würde eine Streichung des Pa­ragraphen 312 weitreichende heruntersetze.rde Wir­kung auf die Anschauung von der ehelichen Treue haben. Dem wolle er cntgcgentrcten.

Vorsitzender D. Dr. Kahl (D. D.) teilte mit, dah für ihn eine ganze Reihe von Punkten noch nicht abftimmungsreif sei. Er werde jetzt bei der ersten Lesung für die Auf rechterhal- tung der Vorschrift stimmen. 3n der Ab­stimmung wird mit 14 Stimmen der Demokraten, Sozialdemokraten und der Kommunisten gegen 14 Stimmen der übrigen Parteien, also mit Stimmengleichheit, der Paragraph 312 abge- lehnt.

unter der Bedingung, daß der italienische Text an erster Stelle steht: 2. in den Gasthäusern der Gebrauch von S e r v i c e g e g e n st ä n d e n, wie Bestecke, Geschirr und Wäschestücke, die i n d e u t- scher Sprache markiert sind, bis diese Gegenstände außer Gebrauch gesetzt werden müssen; 3. in kaufmännischen Briefen und Rundschreiben nach dem italienischen Text die deutsche älebersehung.

Aus aller Wett.

Keine Klärung in Düsseldorf.

Düsseldorf, 19.31od. (TU.) In einer Presse- besprechung bei der Düsseldorfer Kriminaldirektion kamen vor allen Dingen die sich widersprechenden Meldungen über denFundeinesHalstuches das Blutflecken aufweisen sollte, und über einen in einer Laube in der Nähe der Fundstelle der Leiche der ermordeten Gertrud Albermann gefundenen T o t s ch l a g e r zur Erörterung. Es handelt sich zu- nächst um einen Tuchfetzen von roter Farbe, auf dem s'ch drei angebliche Blutflecken befinden. Nach dem Urteil mehrerer Sachverständiger handelt es sich aber nicht umBlut, sondern um F a r b f l e ck e n. Die noch oorzunehmende Untersuchung wird hierüber erst end- güUige Klärung bringen. Bei der angeblichen Mord­

Hilfesür -iedeutschenAuswanderer

EmAufrufdesReichspsäsidenten.-WissetthatkeineMttelfürAnsie-lungimOsten

Berlin, 19. Rov. (DIB.) Zur Linderung der Rot der bei Moskau versammelten deutschen Kolo­nisten hat der Reichspräsident aus seinem Dispositionsfonds einen Betrag von 200 000 Mark Zur Verfügung gestellt. Der Reichspräsident richtet analle Deutschen im 3n-undAuslaude die Bitte, daß jeder nach seinen Kräften dazu beitragen möge, den deutschen Stam- mesgenossen zu helfen. Der Reichspräsidenl hält es für eine Ehrenpflicht aller amtlichen deut­schen Stellen sowie aller öffentlichen und privaten Organisationen, dieses Hilfswerk zu unter- stlihen. Die Reichsregierung wird ihrerseits dec Hilfsaktion jede nur mögliche Förderung ange- deihen lassen. Auch die der Reichsregierung nahe­stehenden Parteien, sowie die D c u t s ch n a t i o- nale Volkspartei und die W i r t s ch a s t s - Partei haben sich bereit erklärt, das Hilfswerk in jeder weise zu unter st ätzen.

*

Wie mir erfahren, ist bereits gestern unmittelbar nach der Kabinettsfitzung, in der die Mittel zum vorübergehenden Aufenthalt der deutschen Rußland- bauern bewilligt wurden, das erste Kontin­gent dieser Sauern durch den Reichskommissar Siücklen telegraphisch angefordert roor» den. Diese Trupps werden in den Sammel­lagern Hamm er st ein und Schneide- mühl untergebracht und, soweit ihr Wei- tertransport nach Brasilien bereits fest- steht, sofort nach den Auswandererhäfen üb er geführt. Sobald auch für die weiteren Dauern in Süd- und Nordamerika Einreisebewilli­gungen vorliegen, werden Schub für Schub wei­tere Kontingente in Deutschland aufgenoin- men, und man hofft, so schnell wie nur irgend mög­lich alle Rußlandbauern, -die sich vor Moskau an­gesammelt haben, in die deutschen Uebergangslager übergeführt zu haben. Allerdings hat die Sowjet- rcgierung unter Hinansetzung aller Menschenrechte bereits einen Teil dieser unglücklichen Menschen wieder nach Sibirien zurücktranspor- tiert, wo sie dem Hunger und der Kälte preis- gegeben sind. Aus diesem Grunde sind seitens des deutschen Botschafters in Moskau sofort bei der rus­sischen Regierung energische Schritte unternommen worden, in denen eine sofortige Unterlassung dieser unglaublichen Maßnahmen, die jeglichen Hu­manitätsgefühls spotten, gefordert wurde. In unter­richteten Berliner Kreisen erwartet man, daß es nunmehr möglich sein wird, diese Rußlandbauern zu retten. Was die Frage der Ansiedlung dieser Bauern betrifft, so hat sich Reichsarbeitsminister W i s s e l l in der letzten Kabinettssitzung mit aller Entschiedenheit dagegen ausgesprochen, da h i e r- sür keine Mittel vorhanden seien, und die bereitstehenden Mittel nicht einmal ausreichen, um die deutschen Siedler anzusiedeln. Es könnten aller- höchstens einige hundert Bauern dafür in Frage

kommen, die für eine solche Ansiedlung in Ostpreu­ßen besonders qualifiziert sind. Die Finanzierung der Aufnahme der Rußlandbauern, die das Kabinett beschlossen hat, und hie sich auf sechs Millionen be­läuft, soll in diesen Tagen von dem Haushaltsaus- schuß des Reichstages erörtert werden, der die Summe im Etat anfordern wird.

Wachsende Not vor Moskau. Die Sowjetbehörden verweigern die Aus­reisegenehmigung.

K o w n o, 20. Nov. (SU.) Nach einer Meldung aus Moskau hat der deutsche Botschaftsrat von Twardowski mit führenden Persönlichkeiten des russischen Außenkommissariats erneut eine längere Unterredung über die Auswanderung der deut­schen Kolonisten aus der Sowjetunion gehabt. Lieber das Ergebnis dieser Unterredung ist noch nichts bekannt geworden. Die Sowjetregierung hat trotz der Erteilung der Einreiseerlaubnis für 1000 Kolonisten durch die deutschen Behörden d i e Pässe noch nicht ausgestellt. Die deut­schen Kolonisten befinden sich in einer furcht­baren Lage, da inzwischen ihre Geld- mittel zu Ende gehen. 3nfolge des Brot­kartenzwanges in Moskau haben sie auch nicht die Möglichkeit, sich auf normalem Wege Lebens­rnittel zu ^beschaffen. Der Auswandererstrom hält trotz der Zwangsmaßnahmen der Sowjetregierung an. Die deutschen Kolonisten, die mit der Eisen­bahn aus verschiedenen Richtungen kommen, ver­lassen 5060 km vor Mo.kau die Züge und ver­suchen zu Fuß oder zu Pferde in die Stadt zu kommen, um so der Stadtkontrolle zu entgehen. Wie der Vertreter des WTB. erfährt, verwei­gern die Verwaltungsbehörden die Ausreise­genehmigung für die deutschstämmigen Kolonisten und überlassen die Entscheidung der Frage dem Rate der Volkskommissare. Welche Gründe für diese Entschließung, die vollständig unerwartet kommt, vorliegen, ist nicht bekannt.

Deutsche Geistliche in der Sowjet- ukra ne verhaftet.

Berlin, 20. Nov. (TU.) Die »D. A. Z." be­richtet aus Charkow, daß in den letzten Tagen in der Sowjetukraine eine Reihe deutscher Geist­licher verhaftet worden ist. Sie werden beschul­digt, das »Auswanderungsfieber" der deutschen Dauern erzeugt und geschürt zu haben. Unter den Verhafteten befindet sich der Qleltcfte der Mennoniten-Sekte, Cdiger, und der Leiter der evangrlisch-luthe- rischen Kirche der Nordukraine Birth. Durch diese Maßnahmen der G. P. U. wird indessen das erwünschte Ziel keineswegs erreicht, da gerade die Pastoren die Dauern zu besonne­nem Abwarten angehalten und vor einer nichtorganisierten und überstürztrn Aus­wanderung gewarnt haben.

waffe handelt es sich um ein Stück Gummischlauch, das, als es aufaefunden wurde, mit Sand gefüllt gewesen sein soll. Als Mordwaffe für die Gertrud Albermann und die Maria Hahn kommt dieser Gummischlauch schon aus dem Grunde nicht in Frage, weil beide durch Messer oder Dolch, st i ch e getötet wurden. Ganz unzutreffend sind die Meldungen, daß die Düsseldorfer Polizei nach einem jungen Menschen fahndet, der an­geblich fürdie Polizeibeschäftigt gewesen sei. In diesem Zusammenhang wurde auch darauf hingewiesen, daß die Meldungen auswärtiger Blät­ter, daß es sich bei den Düsseldorfer Verbrechen um 19 Morde handelt, vollkommen u n z u t r e f - send seien. In Düsseldorf sind seit Februar neun Mordfälle zu verzeichnen, von denen einige nach Lage der Dinge von den Kindermorden und UeberfaUen auf Frauen geschieden werden müssen. Die Gesamtzahl der Morde, Ueberfäüe und angeblichen Ueberfäüe in dem genannten Zeit­raum belaufen sich allerdings auf 19. Man war sich darüber klar, daß es keineswegs zur Aufklärung der scheußlichen Verbrechen beitragt, wenn immer wieder neue unbegründete Gerüchte über mögliche neue Mordtaten in die Well hinausgehen. In Düs- leldors selbst ist glücklicherweise einige Beruhigung eingetreten, °

Huldigungsfeier für den neuen Bischof von Bettln.

Die Katholische Aktion von Berlin veranstaltete im Sportpalast eine große Kundgebung, bei der der neue Bischof von Berlin und der Mark Brandenburg, Dr. Schreiber, zum ersten Male sich öffentlich zeigte. Der bis auf den letzten Platz gefüllte Sportpalast war unter Leitung des Reichskunstwartes Dr. Redslob mit den Fahnen des Reiches, Preußens, der Stadt Berlin und der weiß-goldenen Kirchenfahne geschmückt. Reben vielen geistlichen Würdenträgern waren die Mi­nister v. Guörard, Stegerwald, Wirth, Dr. Schätzt, Steiger, Schmidt, Reichskanzler a. D. Dr. Marx, der badische und der hessische Gesandte und an­dere staatliche Würdenträger erschienen. Mini­sterialdirektor Dr. K 1 a u s e n e r gab von einem Telegramm an den Heiligen Vater Kennt­nis. Die Katholiken wollten als weltnahe Men­schen mitarbeiten im öffentlichen Leben in heißer Liebe zu Volk und Vaterland. Sie seien Vergangenheit und Zukunft und wertvollste Gegenwart für die Weltgeltung deutscher Kultur. Daher richteten sich ihre Blicke in dieser Stunde auf den Reichspräsidenten v. Hinden­burg, dieses erhabene Beispiel von Verantwor­tungsgefühl, Pflichttreue und gläubigen Christen­tum. 3n einem Telegramm an den Reichspräsi^ öenten sei zum Ausdruck gebracht, daß die Katho­liken ihre staatsbürgerlichen Pflichten aus ihrem Glauben heraus erfüllen wollen. Der neue Bischof Dr. Sch reißet erklärte dann, er sehe sich die Linderung der Wohnungs­not und die Hebung der Arbeitslosigkeit zum Ziel. Er tret" ein für gerechte Entlohnung. und fsir ein E-istenzminimum, das dem Stande entspreche.. Auf der anderen Seite müsse aber darauf geachtet werden. daß der Betrieb deS Arbeitgebers Wirtschaft ich bl ibe und ein An­sporn vorhanden sei, die Betriebe w?iterzuf ähren. Der Bischof betonte sodann fein Eintreten für den Ausgleich der Konfessionen. Nach und nach müsse man zu einer wirklichen und lebendigen Volksgemeinschaft kommen.

Automatische Steuerung für Flugzeuge.

Techniker der britischen Luftstreitkräfte haben nach longtoicrjccn Versuchen ein Hilfsmittel für Flugzeuge konstruiert, dem große Bedeutung beigemessen wird. Es handelt sich um einen Mechanismus, der unabhängig vom Pi­loten das Flugzeug verm'.t.els eines Gyro­skops nicht nur in der Gleichgewichts­lage, sondern auch auf dem Kur- hält. Der Apparat, der etwa 100 Pfund wiegt, kontrolliert durch Ventile die Seiten» und Querst euer. Er muß natürlich von dem Flug­zeugführer bedient werden, kann jedoch, wenn dieser anderweitig von Reparaturen oder dgl. in Anspruch genommen wird, das Flugzeug auch bei ungünstigem Wetter auf längere Strecken selbsttätig steuern. Ter Mechanismus hat sich bei Versuchslügen glän-jenb bewährt.

Der Diebstahl in der französischen Botschaft.

3n dem Diebstahlsprozeß gegen den Portier der französischen Botschaft, den ehemaligen russi­schen Oberst Michailow, Farn das Gericht nach mehr als anderthalbstündiger Beratung zu einer Freisprechung des Angeklagten, Da es die rechtswidrige Aneignung verneinte. Rach Ansicht des Gerichtes hat der Angeklagte den Vorsatz gehabt, den Schmuck fortzunehmen, um dem Chauffeur, einem ehemaligen russischen Rittmeister, eins auszuwischen und den Schmuck nachher dem Botschafter wieder zurückzustel- I e n. Der Haftbefehl wurde aufgehoben und der Angeklagte sofort aus dem Untersuchungsgefäng­nis entlassen

Die Wetterlage.

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Wettervoraussage.

Die Luftdruckoerteilung zeigt seit gestern nur wenig Veränderung: wenn auch der Kern der nord­westlichen Störung sich nordwärts verlagert und ab- flacht, und im Osten der hohe Druck sich weiter auf- baut, so ist über Deutschland noch der gleiche von Norden nach Süden gerichtete Jsobarenverlauf. Der Witterungscharaktcr dürfte infolge der Konstantheit der Luftdruckverteilung sich wenig ändern, wenn auch stellenweise Nebelbildungen zu erwarten sind und der Frost zunächst eine Abschwächung erfahren dürfte.

Aussichten für Freitag: Stellenweise nebelig, tagsüber leicht wolkig, trocken, Rück­gang des Nachtfrostes.

Aussichten für Samstag: 3m allge­meinen wenig Aenderung der Wetterlage.

Lufttemperaturen am 20. November: mittags 5,9 Grad Eelsius, abends0.4 Grad: am 21. Novem­ber: morgens3 Grad. Maximum 6,4 Grad, Mini­mum 3,8 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 20. November: abends 1,6 Grad: am 21. No- vember: morgens 1 Grad Celsius, Sonnenjcheikp dauer 5h Stunden,