durch privatwirtschaftliche Zusammenschlüsse seien nicht zu gewärtigen. Eine Politik der Exportsteigerung durch Senkung von Löhnen sei weder lohnpolitisch möglich- noch andererseits zweckmäßig wegen der dann erfolgenden weiteren Zollabsperrung der Absatzländer.
Dr. M ü l l e r-Oerlinghausen, Mitglied des Reichswirtschaftsrates, erklärte anschließend, soweit das paneuropäische Programm ein Sofortprogramm bilden solle, müsse es als eine völlige Unmöglichkeit bei der augenblicklichen Lage der deutschen Wirtschaft bezeichnet werden. Ein großer Teil der deutschen Landwirtschaft, insbesondere im Olten, würde z. B. durch eine Zollunion der völligen Existenz Vernichtung überantwortet werden. Die wirtschaftliche Umschichtung durch eine in Kürze herbeiaeführte europäische Zollunion würde einen solchen Umfang annehmen, daß sie bei dem heutigen cntkapitalisierten Europa einfach nicht erträglich wäre. Voraussetzung für eine Entscheidung in positivem Sinne sei die Wiederherstellung der politischenund wirtschaftlichen Handelsfreiheit in der deutschen Wirtschaft. Geheimrat Duisberg stellte die Uebereinstimmung seiner Meinung mit der von Dr. Müller-Oerlinghausen fest. Diese Erklärung gab er gleichzeitig auch für Geheimrat Kastl ab.
Sozialdemokratie und Bersicherungsreform.
Berlin. 20. Sept. (DDZ.) Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion faßte einstimmig folgende Entschließung: Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion sieht in den sachlichen Erhebungen und Feststellungen des Sachverständigenausschusses für Arbeitslosenversicherung eine Bestätigung ihrer wiederholt bekundeten Auffassung, wonach die Beseitigung der nachweisbar bestehenden Mißbräuche und eine befristete Beitragserhöhung in Verbindung mit einer sozialen Reuregelung der Saisonarbeitern nt er st ühung die Finanzierung der Arbeitslosenversicherung ermögliche. ohne daß eine allgemeine sozialpolitisch unerträgliche Verschlechterung der Dersicherungs- leistungen vorgenommen wird. Sie stimmt deshalb den Beschlüssen des Sozialpolitischen Ausschusses des Reichstags soweit zu. als sie diesen Rahmen einer Aenderung des Arbeitslosenver- sicherungsgesehes nicht überschreitet. Die Fraktion begrüßt aber gleichzeitig den beharrlichen und geschlossenen Widerstand, den Partei und Gewerkschaften in wochenlangem zähen Ringen gegen alle weitergehenden Gesetzesänderungen und Abbaupläne geleistet haben. Ohne die allgemein politische Bedeutung irgendwie zu verkennen, die sich aus einer weiteren politischen Zuspitzung im Kampf um die Arbeitslosenversicherung ergeben kann, verlangt die Fraktion, daß auch weiterhin der bei den bisherigen Verhandlungen von den sozialdemokratischen Unterhändlern gezogene Rahmen beibehalten wird, da die Sozialdemokratie nur innerhalb dieser Grenzen eine Mitverantwortung für die Reform der Arbeitslosenversicherung zu tragen bereit ist. Obwohl die Sozialdemokratie die Rotwendigkeit anerkennt, die Arbeitslosenversicherung aus eigenen Mitteln zu sanieren, hält sie doch daran fest, daß bei unvorhergesehener Zuspitzung der Lage des Arbeitsmarktes das Reich die Pflicht zur Leistung von Zuschüssen hat. Sie lehnt es entschieden ab. daß die Sanierung der Reichsfinanzen und der Abbau der Steuerlasten durch einen Abbau der sozialpolitischen Leistungen des Reiches erlauft werde.
Soweit die Berliner Blätter zu der Entschließung der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion zur Frage der Arbeitslosenreform Stellung nehmen. weisen sie darauf hin, daß sich an dem bisherigen Standpunkt der Partei nichts geändert hat, daß aber auch die Tür zu weiteren Verhand lungen offen gelassen wird. --- Die „B ö r s e n z e i t u n g" schreibt: Die ..Grenzen", in die die sozialdemokratische Entschließung die Reform pressen wolle, sei für die deutsche Wirtschaft unannehmbar und damit hoffentlich auch für die Deutsche Volkspartei. — Der „B ö r s e n k u r i e r" sagt: Verharre die Sozialdemokratie auf ihrem bisherigen Standpunkt, lediglich, einige Mißbrauchs- bestimmungcn anzunehmcn und über eine geringfügige Sonderregelung der berufsüblichen Arbeitslosigkeit hinaus jede finanzielle Sanierungsmaßnahme abzulehnen, dann sei die Krise kaum mehr zu umgehen. — Der „Lokal- anzeige r" ist der Ausfassung, daß durch die sozialdemokratische Entschließung die Volks- partei vor eine schwierige Lage gestellt wird.
Die Ironien im Abrüstungsausschuß.
Freunde und Gegner der Rüstungsbeschränkung
Genf, 20. Sept. (WB.) Im 21 b r ü ft u n g s a u s« ausschuß sprach sich in der anschließenden Aussprache über den englischen Antrag zur Abrüstungs- srage S o k a l (Polen) unter wiederholte Stellungnahme gegen die Ausführungen des Grafen Bernstorfs im «inne der französisch-italienisch-japanischen Stellungnahme gegen den englischen Antrag aus. Die südslawische Delegation nahm die gleiche Haltung ein. Vorbehaltlos f ü r den englischen Antrag sprachen sich dagegen die Vertreter von Norwegen, Dänemark und Schweden, Ungarn und Oe st erreich aus. Der norwegische Delegierte erklärte u. a., er sehe nicht ein, warum die Völkerbundsversammlung dem Vorbereitungsausschuß feine Wünsche aussprechen könne, in welcher Richtung sie die Arbeiten orientiert sehen wolle. Den gestrigen Ausführungen des Grafen Bernstorff könne er sich voll anschließen.
Der dänische Außenminister Munch unterbreitete den Abrüstungsplan der Interparlamentarischen Union, der der Abrüstungskonferenz vorgelegt werden soll, ebenso wie der der sowjet- russischen Regierung. Der Redner trat dafür ein, die Abrüstungskonferenz m ö g l i ch st bald ein- zubcrusen. Wenn die erste Abrüstungskonvention auch nur die Einstellung des Wettrüstens und eine bescheidene Abrüstung bringen und eine schrittweise Abrüstung vorsehen würde, so wäre das in den Augen der Oeffentlichkeit ganz be- stemmt kein Mißerfolg. Der ungarische Delegierte T a n c z o s erklärte, daß eine Abrüstungskonvention auf Grund der jetzigen Vorschläge des Vorbereitungsausschusses nicht dem Ziel entsprechen und auch nicht einmal einen ersten Schritt zur Abrüstung bedeuten würde. Der englische
Oeffeniliche Finanzwirischast und Kapitalmarkt
Scharfe Kritik des Essener Oberbürgermeisters an der Finanzgebahrung der öffentlichen Hand.
Essen, 19.Sept. (TU.) Bei einem geselligen Beisammensein der Essener Stadtverordnetenversammlung hielt Oberbürgermeister Bracht eine programmatische Rede über die zukünftigen Aufgaben von Groß-Essen, toobei_ er auch die Finanzgebarung der öffentlichen Hand kritisierte. Bracht betonte, es sei unverantwortlich, große Projekte mit den heutige n Zinssätzen wo möglich gar noch mit kurzfristigen Krediten in Angriff nehmen zu wollen. Erst wenn fünf- oder sechsprozentige langfristige Anleihen der Stadt zur Verfügung ständen, könne man über das unbedingt notwendige Maß hinaus kostspielige Pläne ausführen. Der Zeitpunkt, wo der i n - ländische oder ausländische Kapitalmarkt derartige langfristige Anleihen mit einem allenfalls noch erträglichen Zinsfuß wieder zulassen werde, werde niemals kommen, wenn die öffentliche Hand im Reiche, Ländern und Gemeinden derartig weiter wirtschafte, wie das seit 1924 bei uns geschehe. Solange auf dem Kapitalmarkt alles, auch zu den ungünstigsten Bedingungen mit Beschlag gelegt werde, würden wir nicht zur Ruhe kommen'und werde unsere Wirtschaft innerlich nicht gesunden. Bei den heutigen Zinssätzen gehe der Mittelstand einfach zugrunde. Auch die mittleren Industrien könnten, noch dazu, wenn sie noch Zahlungsziele bewilligen müßten, auf die Dauer dabei nicht bestehen. Rur auf einer gesunden Wirtschaft könne die kommunale Arbeit aufbauen. Deshalb sei heutzutage eine starke Zurückhaltung in der Aufnahme neuer großer Verbindlich
keiten oberste Pflicht jedes verantwortungsbewußten Kommunalpolitikers. Solange man in den Parlamenten des Reichs und der Länder immer nur vo-n Steuerabbau spreche und sich um die heikle Frage eiines Abbaues der Ausgaben, insbesondere der zwangsläufigen Ausgaben herumdrücke, glaube er nicht an die ernstliche Absicht einer wirklich grvßzügiaen Finanzreform, namentlich, wenn man auf der anderen Seite den Gemeinden immer neue Aufgaben und Lasten zuweise, und ihnen dabei noch ihre bisherigen Einnahmequellen verkürze. Es müsse endlich gehandelt werden und zwar an allen Stellen. Das erste und wichtigste sei, mit der Aufnahme neuer Schulden zu stoppen, um den Kapitalmarkt einmal zur Ruhe kommen zu lassen. Vermutlich werde schon ein Zeitraum von drei bis fünf Jahren genügen, um die Verhältnisse wesentlich zu bessern. Schließlich seien auch die gewaltigen Leistungen der öffentlichen Hand in dem letzten halben Jahrzehnt namentlich auf dem Gebiete des Verkehrs und der öffentlichen Wirtschaft Ausdruckssorm eines starken Lebenswillens. Zur Zeit bestehe aber die Gefahr eines sich Ueberlebens, das sich nicht weiter so hemmungslos wie bisher auswirken dürfte, ohne die Gefahr e ines gefährlichen Rückschlages nach sich zu ziehen. Richts sei mehr zu wünschen, als, daß es gelingen möge, auch diese schwierige und sicher unpopuläre Aufgabe einer grundlegenden Reform der Finanzgebarung der öffentlichenHand zu bewältigen. 3e eher das geschehe und je weniger dabei vom verfassungsmäßigen Wege abgewichen werde, um so besser.
tigen Weg. Auch der österreichische Delegierte Entschließungsantrag zeige daher den einzig rich- Pflügl trat vorbehaltlos für den englischen Entschließungsantrag ein. Die Staaten, die im Vorbereitungsausschuß nicht vertreten sind, mühten endlich auch Gelegenheit haben, zum Abrüstungsproblem Stellung zu nehmen. Die Sitzung schloß mit einer Erwiderung des Grafen Bernstorff an Sokal-Polen, der davon gesprochen hatte, daß Graf Bernstorff im Ausschuß radikale und unzulässige Vor sch läge unterbreitet hätte. Gras Bernstorff erklärte, er wisse nichts von solchen Vorschlägen, nehme aber an, daß Sokal an Lord Robert Cecil gedacht habe. Er habe den Eindruck, immer sehr maßvolle Vorschläge gemacht zu haben, die im wesentlichen nur die Verminderung der Rüstungen bezweckten. Was der Vorbereitungsausschuß auszuarbeiten im Begriffe sei, könne höchstens zu einem Abkommen für Rü stun g s st i l l st an d, aber niemals zu einem Abkommen über die Verminderung der Rüstungen führem Ein Rüstungsstillstandsabkommen würde aber weder den Verträgen, noch dem Dölkerbunds- pakt entsprechen. Rach einer furxeu Entgegnung Sokals teilte der Vorsitzende Be ne sch mit, daß er den Ausschußmitgliedern bereits eine neue Entschließung vorgelegt habe, auf Grund deren, wie er hoffe, die Aussprache über das Rüstungsproolem rasch abgeschlossen werden könne.
Die Londoner
Abrüstungskonferenz.
Kein Diktat der angelsächsischen Mächte.
Washington, 20. Sept. (TU.) In amtlichen Kreisen herrscht große Befriedigung darüber, daß England die Einladung zur Teilnahme an der Fünf-Mächte-Konferenz in London ergehen läßt, obgleich ursprünglich die Abrüstungsbemühungen vom Präsidenten Hoover ausgegangen sind. Man nimmt an, daß M a c - donald den Vorsitz auf der Konferenz führen wird. Die amerikanische Abordnung wird Staatssekretär S t i m s o n oder Staatssekretär Hughes führen. Auf Grund der aus dem Auslande eingelaufenen Berichte betonen die amerikanischen Blätter immer wieder, daß ein fe st es Uebereinkommen zwischen England und Amerika bezüglich ihrer eigenen Kriegsschiffe und denen der anderen Mächte nicht abgeschlossen sei, und daß die zum Ausdruck gebrachten Vermutungen, die anderen Mächte sollten lediglich das Abkommen ratifizieren, nicht stimmten. In' den englisch-amerikanischen Flottenverhandlungen seien keineZif- f e r n bezüglich der Tonnage Frankreichs, Italiens und Iapans festgelegt worden. Die Blätter weifen darauf hin, daß die formale Entscheidung, ob Amerika 18 oder 21 10 000-Tonnen-Kreuzer erhalten solle, ebenfalls der Konferenz Vorbehalten bleibe.
Eckeners Pläne.
Ter Transozeanvcrkehr. — Die nächsten Fahrten des „Graf Zeppelin".
Friedrichshafen, 20. Sept. (WB.) In einer längeren Unterredung mit einigen Pressevertretern erklärte Dr. Eckener zu dem Stande der Verhandlungen über die Einrichtung ständiger Luftschifflinien, daß nach der bereits erfolgten Fühlungnahme mit Vertretern der Hapag in den nächsten Tagen auch Besprechungen mit anderen deutschen Jn- tereffentengruppen aufgenommen würden. Der Ausgangspunkt einer deutsch-amerikanischen Luftfahrtlinie werde selbstverständlich in Deutschland zu finden fein. Allerdings fei es nicht unmöglich, daß gegebenenfalls auch eine Zwischenlandeft elle in der Nähe der französischen Küste aus naoigatorischen Gründen ausgebaut werde, die es den Luftschifführern bei schlechtem Wetter über Mitteleuropa erlauben würde, die Fahrt zu unterbrechen. Die Lösung der Frage, wo in Deutschland der neue Luftschiffhafen eventuell errichtet werde, sei gleichfalls noch zukünftigen Beratungen Vorbehalten. Vorläufig stehe das Interesse des Luftschiffverkehrs mit Rordamerika im Vordergründe. Transkontinentale Strecken, die im Etappenflug überwunden werden könnten, sollte man ruhig dem Flugzeug überlassen.
Zu der von der Aero-Arctic für Anfang 1930 geplanten Rordpolfahrt teilte Dr. Eckener mit, daß er wahrscheinlich an diesem Fluge nicht teilnehmen werde. Schließlich äußerte sich Dr. Eckener auch noch über die Fahrten der nächsten Zeit. Der Besuch
Berlins werde keinesfalls vor Ende September bzw. Anfang Oktober stattfinden können, da bis dahin noch wichtige Arbeiten zu erledigen seien. Auch eine baldige Fahrt nach Skandinavien sei nicht ausgeschlossen. Diese Unternehmungen seien selbstverständlich vom Wetter abhängig.
Gegen die Schulgelderhöhung inHeffen
Darmstadt, 20.Sept. (WTB.) Dem Beispiel derDeutschenVolkspartei folgend, die beim Landtag die Mißbilligung der Schulgelderhöhung beantragt hat, folgen jetzt auch die Demokraten. In einer Resolution der demokratischen Parteiversammlung vom 18 d. M. in Darmstadt heißt es: „Die Versammlung hat mit Befremden von der für den 1. Oktober angeordneten Schulgelderhöhung Kenntnis genommen. Sie ersucht die zuständigen Parteistellen, alles zu tun, um diese Maßnahme rückgängig zu machen, da durch diese unsoziale Einstellung der Behörden „Bildung" immer mehr ein Privileg der wohlhabenden Schichten zu werden droht."
Aus aller Welt.
DieFordcrungcn der deutschen Postbeamten
Der 18. Derbandstag des Reichsverbandes Deutscher Post- uNd Telegraphenbeamten ist in Berlin zu Ende gegangen. Der Verbandstag nahm zahlreiche Anträge an, in denen die Forderungen der Postbeamten niedergelegt sind. Es werden u. a. größere Mittel zu billigem Zinsfuß für den Wohnungsbau, Zuschüsse für die teuren Reubauwohnungen, Källe- schuhkleidung für Außenbeamte, Beseitigung des Zustelldienstes an Sonn- und Feiertagen usw. verlangt. Der Verbands- vorstand erhielt die Ermächtigung zum Abschluß einer Arbeitsgemeinschaft mit den österreichischen Postverbänden, und es wurde auch die Beteiligung des Reichsverbanöes an der Reichspostarbeitsgemeinschaft gebilligt.
57. Versammlung
Deutscher Philologen und Schulmänner.
Vor 92 Iahren wurde in Göttingen von Männern wie Alexander von Humboldt, den Gebrüdern Grimm und anderen beschlossen, alljährlich eine Wanderversammlung der Deutschen Philologen und Schulmänner abzuhalten, um in Vortrag und Aussprache die wissenschaftlichen Fragen zu behandeln. Diese Versammlungen, bald nur alle zwei Iahre, haben in allen Teilen des deutschen Landes auf die interessierten Kreise von jeher eine große Anziehungskraft ausgeübt. In diesem Iahre findet sie in der Zeit vom 24. bis 28. September in Salzburg statt. In zwölf Sektionen nehmen hundert Gelehrte das Wort. Dazu kommen die Versammlungen verschiedener Verbände, wissenschaftliche Ausflüge, Führungen usw., so daß die Besucher eine Fülle von Anregungen mit nach Hause nehmen. Eine besondere Rote erhält die diesjährige Tagung dadurch, daß auf ihr die so drängende Frage nach der Reugestaltung des Philologiestudiums eine eigene Behandlung erfährt.
Krankenversicherung und Verjüngungsoperation.
Vor dem Amtsgericht Schöneberg beginnt ein Prozeß, in dem die Frage entschieden werden soll, ob Derjüngungsoperationen von Krankenversicherungen zu bezahlen sind. In dem zur Verhandlung stehenden Fall hat ein 60jähriger Wann an sich eine Derjüngungsopera- tion vornehmen lassen, die erfolgreich verlief. Als der Patient von seiner Krankenversicherung die Uebernahme der Kosten verlangte, lehnte diese die Rückerstattung ab, da sie Al ter nicht als Krankheit anerkannte.
Gefängnis für den „blinden" Zeppelin-Passagier.
Der „blinde" Passagier des Zeppelin, der sich vor der letzten Abfahrt nach Amerika von der Decke der Halle auf das abfahrende Luftschiff geschwungen hatte, wurde vorn Amtsgericht Tettnang bei Friedrichshafen zu drei Wochen Gefängnis verurteilt, die aber als durch die Untersuchungshaft verbüßt gelten.
3m Kraftwagen lebendig verbrannt.
In der Rähe des Dusch-Sportplatzes verbrannte der frühere Schönebecker Dürstenfabrikant Winkler in seinem Kraftwagen bis zur Unkenntlichkeit. Winkler war mit seinem Kraftwagen von seiner in Magdeburg gelegenen Wohnung nach Schönebeck gekommen, um auf den Schießständen Sport zu treiben. Kurz nach 6 Uhr fuhr er allein wieder ab. Kurze Zeit darauf sah ein Mann auf dem Wege einen brennenden Kraftwagen. Ec benachrichtigte den Buschwirt, der mit einem
Mitglied des Schützenvereins an das Auto ging. In dem brennenden Wagen konnten sie einen am Steuer zusammengesunkenen Mann sitzen sehen. Die eine Hand hielt den Griff der Bremse umklammert. Eine Rettung des Marmes war nicht möglich, da keinerlei Löschgeräte in der Rähe waren. Lange Stichflammen schlugen aus dem Wagen. Die Hitze war derart unerträglich, daß alle Versuche, Winkler zu retten, aufgegeben werden mußten. Als Ursache des Unglücks wurde festgestellt, daß der Vergaser mit einem Lappen umwickelt war. Dieser Lappen nahm Gase auf und entzündete s i ch dann an dem heißen Motor. Es entwickelten sich außerdem B e n z i n g a s e, die Winkler betäubt haben müssen. Das Feuer ist zunächst am Fußtrittbrett ausgebrochen und hat Winklers Kleidung zuerst ersaßt.
Fußgänger, seid vorsichtig!
Das Düsseldorfer Schöffengericht verhandelte über ein Autounglück, das im Iuni d. I. am Woringer Platz drei Todesopfer forderte, als ein Benzintankwagen beim Ausweichen eines Passanten auf eine Schutzinsel fuhr. Die Verhandlung ergab, daß der Chauffeur mit genügender Vorsicht gefahren war, und daß er keine Schuld an dem Unfall hatte. Dagegen wurde der Fußgänger, der im letzten Moment und ohne sich umzusehen den Fahrdamm überqueren wollte, zu einem Monat Gefängnis verurteilt. Der Vorsitzende betonte, der Erfolg dieser Strafe möge fein, daß das Publikum einsieht, wie es andere gefährdet, wenn es nicht die Verkehrsvorschriften beachtet.
Zwei Deutsche in den Alpen tödlich abgestürzk.
Zwei Deutsche, der 23jährige Heinrich Radetzki und der 22jährige Otto Monsteiner stürzten während einer gefährlichen Besteigung der Latemer-Gruppe ineinentiefenAbgrund. Das Seil, mit dem sie angebunden waren, verwickelte sich an einer Fels- spitze, die Bergsteiger rutschten aus und schwebten 24 Stunden lang in der Luft. Den Bemühungen der Führer und anderer Bergsteiger gelang es nicht, die beiden zu befreien. Sie st ü r z t e n ab und blieben völlig zerschmettert liegen. Die Leichen konnten noch nicht geborgen werden.
30 Tote beim Kentern eines Motorbootes.
Nach Meldungen aus Mexiko kenterte während eines schweren Sturmes ein mit heimkehrenden Aus- flüglern besetztes Motorboot in der Nähe von Puerto Fallerta im Staate Jalisco. 30 Ausflügler e r • tranken. Es handelt sich um Angestellte der Montgomery Fruit Company.
Ein Auto vom Zuge erfaßt.
Ein ein Brüssel bedienstetes Mädchen, bad seinen Urlaub bei den Eltern in Bachem bei Köln verbringen wollte, benutzte vom Bahnhof Frechen aus eine Kraftdroschke. Auf der Landstraße, einige hundert Meter vor der elterlichen Wlch- nung des Mädchens, versuchte der Chauffeur, kurz vor einem herannahenden Dri- kettgüterzug ein Privatgleis z u überqueren. Das Auto wurde vom Zuge erfaßt, einige hundert Meter mitgeschleift und vollständig zertrümmert. Der auS Bachem stammende Chauffeur wurde sofort getö- t e t. Das Mädchen ist später im Krankenhaus den Verletzungen erlegen.
Der Ozeansegler Paul Müller wiederum gestrandet.
Wie die Küstenwache berichtet, ist das Segelboot „Aga II", mit dem sich der deutsche Ozeansegler Paul Müller auf dem Wege von Char- lefton nach Neuyork befand, auf einer der bcioen Ocraccock-Jnseln gestrandet und zerschellt. Müller selbst blieb unverletzt.
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Wettervoraussage.
Mit dem Einbruch kühler Luftmassen durch die nördliche Störung hat der unbeständige Witterungscharakter eingesetzt, wobei allgemeiner Temperaturrückgang herrscht und Regenschauer auftreten. Obwohl von Südwesten her über Frankreich der Luftdruck kräftig angeftiegen ist und er auch bei uns steigende Tendenz zeigt, behält der Störungseinfluh noch die Vorherrschaft. Unter wechselnder Bewölkung, die von Aufheiterung unterbrochen wird, treten gelegentlich noch einzelne Regenschauer auf, und das Wetter bleibt kühl.
Wettervoraussage für Sonntag: Kühles, teils wolkiges, teils aufheitemdes Wetter, anfänglich noch vereinzelte Regenschauer.
Wettervoraussage für Montag: Zeitweise aufheiternd, Temperaturen schwankend, im allgemeinen etwas wärmer.
ßuftemperaturen am 20. September: mittags 17,2 Grad Celsius, abends 11,3 Grad; am 21. September: morgens 10,1 Grad. Maximum 20,2 Grad, Minimum 8,7 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 20. September: abends 18,1 Grad; am 21. September: morgens 13,4 Grad Celsius. — Niederschlag 10,4 mm. — Sonnenschtzindauer IM Stunden.


