Ausgabe 
21.9.1929
 
Einzelbild herunterladen

durch privatwirtschaftliche Zusammenschlüsse seien nicht zu gewärtigen. Eine Politik der Exportsteige­rung durch Senkung von Löhnen sei weder lohnpoli­tisch möglich- noch andererseits zweckmäßig wegen der dann erfolgenden weiteren Zollabsperrung der Absatzländer.

Dr. M ü l l e r-Oerlinghausen, Mitglied des Reichs­wirtschaftsrates, erklärte anschließend, soweit das paneuropäische Programm ein Sofortprogramm bil­den solle, müsse es als eine völlige Unmög­lichkeit bei der augenblicklichen Lage der deutschen Wirtschaft bezeichnet werden. Ein großer Teil der deutschen Landwirtschaft, ins­besondere im Olten, würde z. B. durch eine Zoll­union der völligen Existenz Vernichtung überantwortet werden. Die wirtschaftliche Umschich­tung durch eine in Kürze herbeiaeführte europäische Zollunion würde einen solchen Umfang annehmen, daß sie bei dem heutigen cntkapitalisierten Europa einfach nicht erträglich wäre. Voraussetzung für eine Entscheidung in positivem Sinne sei die Wiederherstellung der politischenund wirtschaftlichen Handelsfreiheit in der deutschen Wirtschaft. Geheimrat Duisberg stellte die Uebereinstimmung seiner Meinung mit der von Dr. Müller-Oerlinghausen fest. Diese Erklärung gab er gleichzeitig auch für Geheimrat Kastl ab.

Sozialdemokratie und Bersicherungsreform.

Berlin. 20. Sept. (DDZ.) Die sozialdemo­kratische Reichstagsfraktion faßte einstimmig fol­gende Entschließung: Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion sieht in den sachlichen Er­hebungen und Feststellungen des Sachverstän­digenausschusses für Arbeitslosenversicherung eine Bestätigung ihrer wiederholt bekundeten Auf­fassung, wonach die Beseitigung der nach­weisbar bestehenden Mißbräuche und eine befristete Beitragserhöhung in Verbindung mit einer sozialen Reuregelung der Saisonarbeitern nt er st ühung die Finanzierung der Arbeitslosenversicherung er­mögliche. ohne daß eine allgemeine sozialpolitisch unerträgliche Verschlechterung der Dersicherungs- leistungen vorgenommen wird. Sie stimmt des­halb den Beschlüssen des Sozialpolitischen Aus­schusses des Reichstags soweit zu. als sie diesen Rahmen einer Aenderung des Arbeitslosenver- sicherungsgesehes nicht überschreitet. Die Frak­tion begrüßt aber gleichzeitig den beharrlichen und geschlossenen Widerstand, den Partei und Gewerkschaften in wochenlangem zähen Rin­gen gegen alle weitergehenden Ge­setzesänderungen und Abbaupläne geleistet haben. Ohne die allgemein politische Bedeutung irgendwie zu verkennen, die sich aus einer weiteren politischen Zuspitzung im Kampf um die Arbeitslosenversicherung ergeben kann, verlangt die Fraktion, daß auch weiterhin der bei den bisherigen Verhandlungen von den sozial­demokratischen Unterhändlern gezogene Rahmen beibehalten wird, da die Sozialdemokratie nur innerhalb dieser Grenzen eine Mitver­antwortung für die Reform der Arbeitslosenver­sicherung zu tragen bereit ist. Obwohl die Sozial­demokratie die Rotwendigkeit anerkennt, die Ar­beitslosenversicherung aus eigenen Mit­teln zu sanieren, hält sie doch daran fest, daß bei unvorhergesehener Zuspitzung der Lage des Arbeitsmarktes das Reich die Pflicht zur Leistung von Zuschüssen hat. Sie lehnt es entschieden ab. daß die Sanierung der Reichs­finanzen und der Abbau der Steuerlasten durch einen Abbau der sozialpolitischen Leistungen des Reiches erlauft werde.

Soweit die Berliner Blätter zu der Entschlie­ßung der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion zur Frage der Arbeitslosenreform Stellung neh­men. weisen sie darauf hin, daß sich an dem bisherigen Standpunkt der Partei nichts geän­dert hat, daß aber auch die Tür zu wei­teren Verhand lungen offen gelassen wird. --- DieB ö r s e n z e i t u n g" schreibt: Die ..Grenzen", in die die sozialdemokratische Ent­schließung die Reform pressen wolle, sei für die deutsche Wirtschaft unannehm­bar und damit hoffentlich auch für die Deutsche Volkspartei. DerB ö r s e n k u r i e r" sagt: Verharre die Sozialdemokratie auf ihrem bis­herigen Standpunkt, lediglich, einige Mißbrauchs- bestimmungcn anzunehmcn und über eine gering­fügige Sonderregelung der berufsüblichen Ar­beitslosigkeit hinaus jede finanzielle Sanierungs­maßnahme abzulehnen, dann sei die Krise kaum mehr zu umgehen. DerLokal- anzeige r" ist der Ausfassung, daß durch die sozialdemokratische Entschließung die Volks- partei vor eine schwierige Lage ge­stellt wird.

Die Ironien im Abrüstungsausschuß.

Freunde und Gegner der Rüstungs­beschränkung

Genf, 20. Sept. (WB.) Im 21 b r ü ft u n g s a u s« ausschuß sprach sich in der anschließenden Aus­sprache über den englischen Antrag zur Abrüstungs- srage S o k a l (Polen) unter wiederholte Stellung­nahme gegen die Ausführungen des Grafen Bern­storfs im «inne der französisch-italienisch-japanischen Stellungnahme gegen den englischen An­trag aus. Die südslawische Delegation nahm die gleiche Haltung ein. Vorbehaltlos f ü r den eng­lischen Antrag sprachen sich dagegen die Vertreter von Norwegen, Dänemark und Schwe­den, Ungarn und Oe st erreich aus. Der nor­wegische Delegierte erklärte u. a., er sehe nicht ein, warum die Völkerbundsversammlung dem Vorbe­reitungsausschuß feine Wünsche aussprechen könne, in welcher Richtung sie die Arbeiten orientiert sehen wolle. Den gestrigen Ausführungen des Grafen Bernstorff könne er sich voll anschließen.

Der dänische Außenminister Munch unter­breitete den Abrüstungsplan der Interparla­mentarischen Union, der der Abrüstungskonferenz vorgelegt werden soll, ebenso wie der der sowjet- russischen Regierung. Der Redner trat dafür ein, die Abrüstungskonferenz m ö g l i ch st bald ein- zubcrusen. Wenn die erste Abrüstungskonvention auch nur die Einstellung des Wettrüstens und eine bescheidene Abrüstung bringen und eine schrittweise Abrüstung vorsehen würde, so wäre das in den Augen der Oeffentlichkeit ganz be- stemmt kein Mißerfolg. Der ungarische Delegierte T a n c z o s erklärte, daß eine Abrüstungskon­vention auf Grund der jetzigen Vorschläge des Vorbereitungsausschusses nicht dem Ziel entspre­chen und auch nicht einmal einen ersten Schritt zur Abrüstung bedeuten würde. Der englische

Oeffeniliche Finanzwirischast und Kapitalmarkt

Scharfe Kritik des Essener Oberbürgermeisters an der Finanzgebahrung der öffentlichen Hand.

Essen, 19.Sept. (TU.) Bei einem geselligen Beisammensein der Essener Stadtverordnetenver­sammlung hielt Oberbürgermeister Bracht eine programmatische Rede über die zukünftigen Auf­gaben von Groß-Essen, toobei_ er auch die Finanzgebarung der öffentlichen Hand kritisierte. Bracht betonte, es sei unver­antwortlich, große Projekte mit den heuti­ge n Zinssätzen wo möglich gar noch mit kurzfristigen Krediten in Angriff nehmen zu wollen. Erst wenn fünf- oder sechsprozen­tige langfristige Anleihen der Stadt zur Verfügung ständen, könne man über das unbedingt notwendige Maß hinaus kostspielige Pläne ausführen. Der Zeitpunkt, wo der i n - ländische oder ausländische Kapital­markt derartige langfristige Anleihen mit einem allenfalls noch erträglichen Zinsfuß wieder zu­lassen werde, werde niemals kommen, wenn die öffentliche Hand im Reiche, Ländern und Gemeinden derartig weiter wirt­schafte, wie das seit 1924 bei uns geschehe. Solange auf dem Kapitalmarkt alles, auch zu den ungünstigsten Bedingungen mit Beschlag gelegt werde, würden wir nicht zur Ruhe kommen'und werde unsere Wirt­schaft innerlich nicht gesunden. Bei den heutigen Zinssätzen gehe der Mittelstand einfach zugrunde. Auch die mittleren Industrien könnten, noch dazu, wenn sie noch Zahlungs­ziele bewilligen müßten, auf die Dauer dabei nicht bestehen. Rur auf einer gesunden Wirtschaft könne die kommunale Arbeit aufbauen. Deshalb sei heutzutage eine starke Zurückhaltung in der Auf­nahme neuer großer Verbindlich­

keiten oberste Pflicht jedes verantwortungsbe­wußten Kommunalpolitikers. Solange man in den Parlamenten des Reichs und der Länder immer nur vo-n Steuerabbau spreche und sich um die heikle Frage eiines Abbaues der Ausgaben, insbesondere der zwangsläufigen Ausgaben herumdrücke, glaube er nicht an die ernstliche Absicht einer wirklich grvßzügiaen Finanzreform, namentlich, wenn man auf der anderen Seite den Gemeinden immer neue Aufgaben und Lasten zuweise, und ihnen dabei noch ihre bisherigen Einnahmequellen verkürze. Es müsse endlich gehandelt werden und zwar an allen Stellen. Das erste und wichtigste sei, mit der Aufnahme neuer Schulden zu stoppen, um den Kapitalmarkt einmal zur Ruhe kommen zu las­sen. Vermutlich werde schon ein Zeitraum von drei bis fünf Jahren genügen, um die Verhält­nisse wesentlich zu bessern. Schließlich seien auch die gewaltigen Leistungen der öffentlichen Hand in dem letzten halben Jahrzehnt namentlich auf dem Gebiete des Verkehrs und der öffentlichen Wirtschaft Ausdruckssorm eines starken Lebens­willens. Zur Zeit bestehe aber die Gefahr eines sich Ueberlebens, das sich nicht weiter so hemmungslos wie bisher auswirken dürfte, ohne die Gefahr e ines gefährlichen Rück­schlages nach sich zu ziehen. Richts sei mehr zu wünschen, als, daß es gelingen möge, auch diese schwierige und sicher unpopuläre Aufgabe einer grundlegenden Reform der Fi­nanzgebarung der öffentlichenHand zu bewältigen. 3e eher das geschehe und je weniger dabei vom verfassungsmäßigen Wege abgewichen werde, um so besser.

tigen Weg. Auch der österreichische Delegierte Entschließungsantrag zeige daher den einzig rich- Pflügl trat vorbehaltlos für den englischen Entschließungsantrag ein. Die Staaten, die im Vorbereitungsausschuß nicht vertreten sind, müh­ten endlich auch Gelegenheit haben, zum Ab­rüstungsproblem Stellung zu nehmen. Die Sit­zung schloß mit einer Erwiderung des Grafen Bernstorff an Sokal-Polen, der davon ge­sprochen hatte, daß Graf Bernstorff im Ausschuß radikale und unzulässige Vor sch läge unterbreitet hätte. Gras Bernstorff erklärte, er wisse nichts von solchen Vorschlägen, nehme aber an, daß Sokal an Lord Robert Cecil gedacht habe. Er habe den Eindruck, immer sehr maß­volle Vorschläge gemacht zu haben, die im wesent­lichen nur die Verminderung der Rüstungen be­zweckten. Was der Vorbereitungsausschuß aus­zuarbeiten im Begriffe sei, könne höchstens zu einem Abkommen für stun g s st i l l st an d, aber niemals zu einem Abkommen über die Ver­minderung der Rüstungen führem Ein Rüstungs­stillstandsabkommen würde aber weder den Verträgen, noch dem Dölkerbunds- pakt entsprechen. Rach einer furxeu Ent­gegnung Sokals teilte der Vorsitzende Be ne sch mit, daß er den Ausschußmitgliedern bereits eine neue Entschließung vorgelegt habe, auf Grund deren, wie er hoffe, die Aussprache über das Rüstungsproolem rasch abgeschlossen wer­den könne.

Die Londoner

Abrüstungskonferenz.

Kein Diktat der angelsächsischen Mächte.

Washington, 20. Sept. (TU.) In amt­lichen Kreisen herrscht große Befriedigung dar­über, daß England die Einladung zur Teil­nahme an der Fünf-Mächte-Konferenz in Lon­don ergehen läßt, obgleich ursprünglich die Ab­rüstungsbemühungen vom Präsidenten Hoover ausgegangen sind. Man nimmt an, daß M a c - donald den Vorsitz auf der Konfe­renz führen wird. Die amerikanische Abord­nung wird Staatssekretär S t i m s o n oder Staatssekretär Hughes führen. Auf Grund der aus dem Auslande eingelaufenen Berichte betonen die amerikanischen Blätter immer wieder, daß ein fe st es Uebereinkommen zwischen England und Amerika bezüglich ihrer eigenen Kriegsschiffe und denen der anderen Mächte nicht abgeschlossen sei, und daß die zum Ausdruck gebrachten Vermutungen, die anderen Mächte sollten lediglich das Abkommen rati­fizieren, nicht stimmten. In' den englisch-ameri­kanischen Flottenverhandlungen seien keineZif- f e r n bezüglich der Tonnage Frankreichs, Ita­liens und Iapans festgelegt worden. Die Blätter weifen darauf hin, daß die formale Entscheidung, ob Amerika 18 oder 21 10 000-Tonnen-Kreuzer erhalten solle, ebenfalls der Konferenz Vorbehal­ten bleibe.

Eckeners Pläne.

Ter Transozeanvcrkehr. Die nächsten Fahrten desGraf Zeppelin".

Friedrichshafen, 20. Sept. (WB.) In einer längeren Unterredung mit einigen Pressevertretern erklärte Dr. Eckener zu dem Stande der Verhand­lungen über die Einrichtung ständiger Luftschiff­linien, daß nach der bereits erfolgten Fühlungnahme mit Vertretern der Hapag in den nächsten Tagen auch Besprechungen mit anderen deutschen Jn- tereffentengruppen aufgenommen würden. Der Aus­gangspunkt einer deutsch-amerikanischen Luftfahrt­linie werde selbstverständlich in Deutschland zu finden fein. Allerdings fei es nicht unmöglich, daß gegebenenfalls auch eine Zwischenlande­ft elle in der Nähe der französischen Küste aus naoigatorischen Gründen ausgebaut werde, die es den Luftschifführern bei schlech­tem Wetter über Mitteleuropa erlauben würde, die Fahrt zu unterbrechen. Die Lösung der Frage, wo in Deutschland der neue Luftschiff­hafen eventuell errichtet werde, sei gleichfalls noch zukünftigen Beratungen Vorbehalten. Vor­läufig stehe das Interesse des Luftschiffverkehrs mit Rordamerika im Vordergründe. Transkontinentale Strecken, die im Etappenflug überwunden werden könnten, sollte man ruhig dem Flugzeug überlassen.

Zu der von der Aero-Arctic für Anfang 1930 geplanten Rordpolfahrt teilte Dr. Eckener mit, daß er wahrscheinlich an diesem Fluge nicht teilnehmen werde. Schließ­lich äußerte sich Dr. Eckener auch noch über die Fahrten der nächsten Zeit. Der Besuch

Berlins werde keinesfalls vor Ende Sep­tember bzw. Anfang Oktober stattfinden können, da bis dahin noch wichtige Arbeiten zu erledi­gen seien. Auch eine baldige Fahrt nach Skandinavien sei nicht ausgeschlossen. Diese Unternehmungen seien selbstverständlich vom Wetter abhängig.

Gegen die Schulgelderhöhung inHeffen

Darmstadt, 20.Sept. (WTB.) Dem Beispiel derDeutschenVolkspartei folgend, die beim Landtag die Mißbilligung der Schulgeld­erhöhung beantragt hat, folgen jetzt auch die Demokraten. In einer Resolution der demokra­tischen Parteiversammlung vom 18 d. M. in Darm­stadt heißt es:Die Versammlung hat mit Be­fremden von der für den 1. Oktober angeordneten Schulgelderhöhung Kenntnis genommen. Sie ersucht die zuständigen Parteistellen, alles zu tun, um diese Maßnahme rückgängig zu machen, da durch diese unsoziale Einstellung der BehördenBildung" immer mehr ein Privileg der wohlhabenden Schich­ten zu werden droht."

Aus aller Welt.

DieFordcrungcn der deutschen Postbeamten

Der 18. Derbandstag des Reichsverbandes Deutscher Post- uNd Telegraphenbeamten ist in Berlin zu Ende gegangen. Der Verbandstag nahm zahlreiche Anträge an, in denen die For­derungen der Postbeamten niedergelegt sind. Es werden u. a. größere Mittel zu billigem Zins­fuß für den Wohnungsbau, Zuschüsse für die teuren Reubauwohnungen, Källe- schuhkleidung für Außenbeamte, Beseitigung des Zustelldienstes an Sonn- und Feiertagen usw. verlangt. Der Verbands- vorstand erhielt die Ermächtigung zum Ab­schluß einer Arbeitsgemeinschaft mit den öster­reichischen Postverbänden, und es wurde auch die Beteiligung des Reichsverbanöes an der Reichspostarbeitsgemeinschaft gebilligt.

57. Versammlung

Deutscher Philologen und Schulmänner.

Vor 92 Iahren wurde in Göttingen von Männern wie Alexander von Humboldt, den Gebrüdern Grimm und anderen beschlossen, all­jährlich eine Wanderversammlung der Deutschen Philologen und Schulmänner abzuhalten, um in Vortrag und Aussprache die wissenschaftlichen Fragen zu behandeln. Diese Versammlungen, bald nur alle zwei Iahre, haben in allen Teilen des deutschen Landes auf die interessierten Kreise von jeher eine große Anziehungskraft ausgeübt. In diesem Iahre findet sie in der Zeit vom 24. bis 28. September in Salzburg statt. In zwölf Sektionen nehmen hundert Gelehrte das Wort. Dazu kommen die Versammlungen verschiedener Verbände, wissenschaftliche Ausflüge, Führungen usw., so daß die Besucher eine Fülle von An­regungen mit nach Hause nehmen. Eine be­sondere Rote erhält die diesjährige Tagung da­durch, daß auf ihr die so drängende Frage nach der Reugestaltung des Philologiestudiums eine eigene Behandlung erfährt.

Krankenversicherung und Verjüngungsoperation.

Vor dem Amtsgericht Schöneberg beginnt ein Prozeß, in dem die Frage entschieden werden soll, ob Derjüngungsoperationen von Kran­kenversicherungen zu bezahlen sind. In dem zur Verhandlung stehenden Fall hat ein 60jähriger Wann an sich eine Derjüngungsopera- tion vornehmen lassen, die erfolgreich verlief. Als der Patient von seiner Krankenversicherung die Uebernahme der Kosten verlangte, lehnte diese die Rückerstattung ab, da sie Al ter nicht als Krankheit anerkannte.

Gefängnis für denblinden" Zeppelin-Passagier.

Derblinde" Passagier des Zeppelin, der sich vor der letzten Abfahrt nach Amerika von der Decke der Halle auf das abfahrende Luftschiff geschwungen hatte, wurde vorn Amtsgericht Tettnang bei Fried­richshafen zu drei Wochen Gefängnis ver­urteilt, die aber als durch die Untersuchungshaft verbüßt gelten.

3m Kraftwagen lebendig verbrannt.

In der Rähe des Dusch-Sportplatzes verbrannte der frühere Schönebecker Dürstenfabrikant Wink­ler in seinem Kraftwagen bis zur Unkenntlichkeit. Winkler war mit seinem Kraftwagen von seiner in Magdeburg gelegenen Wohnung nach Schöne­beck gekommen, um auf den Schießständen Sport zu treiben. Kurz nach 6 Uhr fuhr er allein wieder ab. Kurze Zeit darauf sah ein Mann auf dem Wege einen brennenden Kraftwagen. Ec benachrichtigte den Buschwirt, der mit einem

Mitglied des Schützenvereins an das Auto ging. In dem brennenden Wagen konnten sie einen am Steuer zusammengesunkenen Mann sitzen sehen. Die eine Hand hielt den Griff der Bremse umklammert. Eine Rettung des Marmes war nicht möglich, da keinerlei Lösch­geräte in der Rähe waren. Lange Stichflammen schlugen aus dem Wagen. Die Hitze war derart unerträglich, daß alle Versuche, Winkler zu retten, aufgegeben werden mußten. Als Ursache des Un­glücks wurde festgestellt, daß der Vergaser mit einem Lappen umwickelt war. Dieser Lappen nahm Gase auf und entzündete s i ch dann an dem heißen Motor. Es entwickelten sich außerdem B e n z i n g a s e, die Winkler be­täubt haben müssen. Das Feuer ist zunächst am Fußtrittbrett ausgebrochen und hat Winklers Kleidung zuerst ersaßt.

Fußgänger, seid vorsichtig!

Das Düsseldorfer Schöffengericht verhandelte über ein Autounglück, das im Iuni d. I. am Woringer Platz drei Todesopfer for­derte, als ein Benzintankwagen beim Aus­weichen eines Passanten auf eine Schutzinsel fuhr. Die Verhandlung ergab, daß der Chauffeur mit genügender Vor­sicht gefahren war, und daß er keine Schuld an dem Unfall hatte. Dagegen wurde der Fuß­gänger, der im letzten Moment und ohne sich umzusehen den Fahrdamm über­queren wollte, zu einem Monat Ge­fängnis verurteilt. Der Vorsitzende be­tonte, der Erfolg dieser Strafe möge fein, daß das Publikum einsieht, wie es andere gefährdet, wenn es nicht die Verkehrsvorschriften beachtet.

Zwei Deutsche in den Alpen tödlich abgestürzk.

Zwei Deutsche, der 23jährige Heinrich Radetzki und der 22jährige Otto Monsteiner stürzten während einer gefährlichen Besteigung der Latemer-Gruppe ineinentiefenAbgrund. Das Seil, mit dem sie angebunden waren, verwickelte sich an einer Fels- spitze, die Bergsteiger rutschten aus und schwebten 24 Stunden lang in der Luft. Den Be­mühungen der Führer und anderer Bergsteiger ge­lang es nicht, die beiden zu befreien. Sie st ü r z t e n ab und blieben völlig zerschmettert liegen. Die Leichen konnten noch nicht geborgen werden.

30 Tote beim Kentern eines Motorbootes.

Nach Meldungen aus Mexiko kenterte während eines schweren Sturmes ein mit heimkehrenden Aus- flüglern besetztes Motorboot in der Nähe von Puerto Fallerta im Staate Jalisco. 30 Ausflügler e r tranken. Es handelt sich um Angestellte der Montgomery Fruit Company.

Ein Auto vom Zuge erfaßt.

Ein ein Brüssel bedienstetes Mädchen, bad seinen Urlaub bei den Eltern in Bachem bei Köln verbringen wollte, benutzte vom Bahnhof Fre­chen aus eine Kraftdroschke. Auf der Landstraße, einige hundert Meter vor der elterlichen Wlch- nung des Mädchens, versuchte der Chauffeur, kurz vor einem herannahenden Dri- kettgüterzug ein Privatgleis z u überqueren. Das Auto wurde vom Zuge er­faßt, einige hundert Meter mitgeschleift und vollständig zertrümmert. Der auS Ba­chem stammende Chauffeur wurde sofort getö- t e t. Das Mädchen ist später im Krankenhaus den Verletzungen erlegen.

Der Ozeansegler Paul Müller wiederum gestrandet.

Wie die Küstenwache berichtet, ist das Segel­bootAga II", mit dem sich der deutsche Ozean­segler Paul Müller auf dem Wege von Char- lefton nach Neuyork befand, auf einer der bcioen Ocraccock-Jnseln gestrandet und zerschellt. Müller selbst blieb unverletzt.

Oie Wetterlage.

Treitaa,

-Jan rtayen-

Seydlst

Hordoyan.

0

Tjwrsn

9)4

S

44.

)\

c o

O woiKtnios. O neuer. (H naiD DedetKt. ® woltig. oedecxt

¥ Schnee a (kaupeln, e Mtbci K 0ewitter.(§)Win<i$tille.«O> stt» «enter Ost -nissiger Südsüdwest q stürmischer 'lordrfesl Oie »feue fliegen mit dem winde. Die oei den Stationen stehenden Zah­len geben die Temperatur an. Die Linien verbinden Orte mit gleichen} e*l Meeresniveau umgertchnelen Ujftdruct

Wettervoraussage.

Mit dem Einbruch kühler Luftmassen durch die nördliche Störung hat der unbeständige Witte­rungscharakter eingesetzt, wobei allgemeiner Tem­peraturrückgang herrscht und Regenschauer auf­treten. Obwohl von Südwesten her über Frank­reich der Luftdruck kräftig angeftiegen ist und er auch bei uns steigende Tendenz zeigt, behält der Störungseinfluh noch die Vorherrschaft. Un­ter wechselnder Bewölkung, die von Aufheiterung unterbrochen wird, treten gelegentlich noch ein­zelne Regenschauer auf, und das Wetter bleibt kühl.

Wettervoraussage für Sonntag: Kühles, teils wolkiges, teils aufheitemdes Wet­ter, anfänglich noch vereinzelte Regenschauer.

Wettervoraussage für Montag: Zeitweise aufheiternd, Temperaturen schwankend, im allgemeinen etwas wärmer.

ßuftemperaturen am 20. September: mittags 17,2 Grad Celsius, abends 11,3 Grad; am 21. September: morgens 10,1 Grad. Maximum 20,2 Grad, Minimum 8,7 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 20. September: abends 18,1 Grad; am 21. Septem­ber: morgens 13,4 Grad Celsius. Niederschlag 10,4 mm. Sonnenschtzindauer IM Stunden.