nmt Freilich machen gerade die Dickhäuter in dieser Beziehung manchmal eine Ausnahme. Es ist schon norgelommcn, daß Elefanten, die von der Reise noch erregt waren, in der ungewohnten Umgebung erst einmal einen orientierenden Ausflug unternahmen. So riß sich beim Aufbau eines großen Zirkus ein Elefant los, der in einer naheliegenden Bäckerei frische Brötchen witterte. Er trabte zum Bäckerladen und gab sich nicht eher zufrieden, bis er sämtliche Brötchen vertilgt hatte. Rach diesem Seitensprung lieh er sich ohne Widerstreben von seinem Wärter nach Hause führen.
Wenn ein großer Zirkus umzieht, hat der Transportchef olle Hände voll zu tun. Es gibt Unternehmen, die ihr Hab und Gut in mehr als 200 Lastautos mit sich führen. Die Wagen werden teils mit der Eisenbahn befördert, teils auf den Landstraßen von Traktoren gezogen. Zst die Zirkuskarawane am Bestimmungsort angelangt, so muß zunächst die Zeltstadt errichtet werden, die nicht nur aus dem Zuschauerraum und der Manege. sondern auch aus den Unterkunftsstätten für den größten Teil der Tiere besteht. Um das große Dorführungszelt zu errichten, müssen geübte Arbeiter fast sieben Stunden tätig sein, wie schwer diese Arbeit ist. geht daraus hervor, daß das Zeltdach aus Dahnen besteht, die ungefähr sieben Zentner wiegen. Dabei muß der Llltfbau sehr sorgfältig geschehen, damit bei großem An
drang kein Unglück vorkommt. Wenn das Gastspiel dann beendet ist, vereinigen sich das Zirkuspersonal und die Artisten, um die schwierige Arbeit des Einpackens zu bewältigen: sogar das Ballett-Personal muh sich nützlich machen und Stühle in die Lastautos verstauen. Der Auszug aus der Stadt geht nicht immer glatt von- statten: es ist z. D. kein besonderes Vergnügen, unternehmungslustige Elefanten zur Bahn zu bringen. Bon den anderen Schwierigkeiten macht sich das Publikum gewöhnlich ebenfalls keine rechte Vorstellung. Zn jedem großen Zirkus sind Angehörige aller Rassen und Rationen beschäftigt. die nicht immer eine gemeinsame Sprache sprechen, so daß sie sich zuweilen nicht miteinander verständigen können. Der Bahntransport eines großen Zirkusunternehmens kostet natürlich gewaltige Summen und gereicht nur der Reichsbahn zur Freude, die für einen der größten Betriebe dieser Art sieben Sonderzüge zur Verfügung stellen muh. Insgesamt gibt es heute in Deutschland vierzig Zirkusunternehmen mit cttoa„ 8000 Angestellten, die sich alle in kurzen Abständen auf die Wanderschaft begeben — natürlich nicht nur in Deutschland. Der deutsche Zirkus reist durch die ganze Welt und verschafft seinem Transportchef das zweifelhafte Vergnügen. Fachmann für die Transportschwierigkeiten in allen Ländern und in allen Erdteilen zu werden.
Krankenkassentagung in Darmstadt
Vom 13. bis 15. Mai hielt der Reichs- verbandder DeutschenLandkranken- k a s s e n seine diesjährige Reichstagung in Darmstadt ab. Zu der Tagung waren etwa 900 Delegierte der Landkrankenkassen aus allen Gegenden deS Reiches, ferner zahlreiche Vertreter der Reichs- und Landesbehörden und vieler öffentlicher Körperschaften erschienen.
Rach Eröffnung und Begrüßung durch den Vorsitzenden des Verbandes, Rittergutsbesitzer Dr. Krüger. Allerheiligen, und Erledigung des Geschäfts- und Kassenberichts, sowie der Abnahme der IahreSrechnung für 1928 folgte der erste Vortrag über
„Die Richtlinien über die Gesundheitsfürsorge in der versicherten Bevölkerung".
Der Referent, Ministerialrat Dr. Wankel- m u t h vom Reichsarbeitsministerium, gab einen Ueberblid über den Inhalt der neuen Richtlinien, welche die Bildung von Arbeitsgemeinschaften zur Bekämpfung von Volls- krankheiten der Tuberkulose und der Geschlechtskrankheiten und zur Hebung der Volksgesundheit bezwecken. Der Vortragende gab dabei eine Uebersicht über die zur Durchführung dieser Grundsätze geplanten Maßnahmen unter besonderer Mitwirkung der Krankenkassen. Die Richtlinien stellen einen Versuch dar, auf Grund dessen Erfahrungen die Arbeitsgemeinschaft später auch auf die Bekämpfung anderer Krankheitsgebiete ausgedehnt werden soll.
Der Vorsitzende versicherte dem Referenten die Mitarbeit des Reichsverbandes deutscher Krankenkassen bei dieser Frage.
Alsdann folgte ein Vortrag von Universitätsprofessor Dr. von D i e tz e . Jena, über
„Stand und Aussichten der ländlichen Arbeiter- Verhältnisse in Deutschland".
Der Redner ging auf die Aenderungen der Arbeitsverhältnisse ein, die auch bei der Landarbeiterschaft gegenüber der Vorkriegszeit hinsichtlich der Löhne und Tarife eingetreten seien. Er erörterte die verschiedenen Gründe des Rückganges der ländlichen Arbeiterschaft. Die Gestaltung der Aussichten für die ländlichen Arbeiterverhältnisse werden nach Ansicht des Refe
renten wesentlich von der künftigen Gestaltung wirtschaftlicher Fragen abhängen, insbesondere von der Regelung der Reparationslasten. Er schloß mit einem Appell an das Verantwortungs- und Pflichtgefühl für alle in der Landwirtschaft tätigen Personen. An diesen Vortrag schloß sich eine rege Aussprache, die das Problem der Landarbeiterschaft vom Standpunkt der Arbeitgeber und Arbeitnehmer erörterte.
Ueber das Thema
„Rheuma als volkskrankheil"
sprach dann Ministerialdirektor i. R. Professor Dr. Dietrich. Vorsitzender der deutschen Gesellschaft für Rh e um ab Dämpfung in Berlin, der auf die steigende Tendenz und die erhebliche Belastung der Wirtschaft durch diese Dolkskrank- heit aufmerksam machte. Er gab einen Ueberblick über das Wesen der Krankheit und deren Ursachen und über die Maßnahmen zu deren Erforschung zwecks Einschränkung der Krankheit und Anwendung geeigneter Mittel zur Heilung, wobei er die rechtzeitige Einleitung des Dehand- lungsversährens als sehr wichtig' bezeichnete.
Verwaltungsdirektor Unger ergänzte die Ausführungen durch zahlenmäßige Angaben, wie sich die Belastung einer Landkrankenkasse durch Rheuma auswirkte, wobei er nachwies, daß 10 Prozent aller Mitglieder der betreffenden Kasse einmal im Jahre an Rheuma erkrankt seien. Er empfahl den Landkranlenkassen, der Bekämpfung dieser Dolkskrankheit ihre Aufmerksamkeit zu widmen.
Den Höhepunkt des ersten Derhandlungstages bildete der darauffolgende Vortrag des Landrats D. Dr. Dr. G e r c £ e . Präsidenten des deutschen Landgemeindetages über
„Selbstverwaltung in der Sozialversicherung".
Zn klaren, scharf durchdachten Gedanken erläuterte der mit hervorragender Rednergabe aus- gestattete Referent in äußerst interessanter Weise den Begriff der Selbstverwaltung und dessen Be- beutung und Stärkung auch für die deutschen Landkrankenkassen. Auch die Träger der Sozialversicherung haben alle Ursache, darüber zu wachen, daß nicht auch ihnen ihre Selbständigkeit genommen wird. Er begründete diesen Hinweis
Maus um Mim.
Roman von Senia Neckel.
Copyright bei Greiner & Co., Berlin NW 6.
1. Fortsetzung Nachdruck verboten.
„Warum fahren wir nicht weiter?" fuhr er nervös den Chauffeur an.
„Verkehrsstockung, Mr. Wellton!"
Ein unterdrückter Fluch.
George ballte die Zeitung zusammen. Ein Blatt fiel heraus. Und plötzlich verschwamm alles vor seinen Augen. Aus der Zeitung blickten ihn die großen lockenden Augen der Frau an. die er mit allen Fasern des Herzens ersehnte.
Er riß das Blatt hoch.
Zn diesem Moment setzte sich die wariende Wagenkolonne wieder in Bewegung. Ein Ruck schleuderte George in die Ecke des Autos zurück.
Krampfhaft hielt er das Zeitungsblatt umklammert.
Licht flammte auf.
Seine Augen bohrten sich in das Bild. Fragend tasteten sie sich zur Unterschrift.
Ellinor Stanley, die einzige Tochter des Zeitungstönigs Mae Stanley, die vor drei Tagen auf rätselhafte
Weise verschwand!
Richts weiter. Kein erklärender Artikel. Rur diese mysteriöse Unterschrist zu dem Bild.
Also Ellinor Stanley hieß sie. Wenigstens etwas, ein kleiner Anhaltspunkt.
Du mußt mich suchen, hatte sie gesagt. Also war sie freiwillig verschwunden. Vielleicht floh sie vor irgend etwas, vielleicht verfolgte man sie. Warum hatte sie sich ihm nicht anvertraut, sie liebte ihn doch?
Rätsel über Rätsel.
Aber er hatte die erste Spur. Er allein wußte, daß sie in Reuyork war.
Doch in den letzten vierundzwanzig Stunden konnte schon allerhand passiert sein.
Der Mann im Auto zerbiß nervös seine Zigarette.
Jetzt konnte nur Bobby Helsen.
„Zum Club, bitte!"
Gehorsam bog das Auto in eine Rebenstraße ein.
III.
„Ditte Zentral 1149!"
„Besetzt!"
Aergerlich knallte der Redakteur Smith den Hörer in die Gabel.
Es war zum Verzweifeln.
Seit einer halben Stunde verlangte er die Privatnummer von Mae Stanley und immer war sie beseht.
Wie sollte man da Reportage machen? Und der Sonderdicnst mußte noch heute heraus. Er muhte aktuell sein. Die Sache muhte unbedingt groß aufgemacht ins Morgenblatt.
Endlich einmal eine Sensation nach den öden Wochen!
Ellinor Stanley verschwunden!
Wundervoll, ganz wundervoll!
„Zst Zentral 1149 immer noch beseht?"
„Ich kann Sie jetzt nicht verbinden, der Teilnehmer wünscht keinen Anruf mehr!"
„Verflucht noch mal!"
Wie von einer Tarantel gestochen, fuhr Smith auf.
„Jetzt geh ich in die Höhle des Löwen und wenn es mich meine Stellung kostet. Es ist Befehl „von oben“ gekommen, die Sache möglichst groß aufzuziehen.
Das ist doch gefundenes Fressen für uns, der Konkurrenz eins auszuwischen.
Ich wünsche ja dem alten Stanley nichts Böses, aber so ein netter kleiner Skandal ist doch etwas zu Schönes.
Keine Kleinigkeit, wenn einem die Tochter durchbrennt!
Also los, Mr. Smith, zeig mal, was du kannst!
Smith stülpte den Hut auf, nahm sich kaum Zeit, den Mantel zuzuknöpfen und stürzte auf die Straße.
Er winkte einer Taxe.
,. Zur Evening Review!"
„Well!"
Im riesigen Verlagshaus der Evening Review schwirrte es wie ein Ameisenhaufen durcheinander. Zn den Redaktionen saßen die Herren zusammen und berieten.
Das war ja eine fatale Angelegenheit! Die schöne Tochter des Chefs war verschwunden!
„Was sagt der Alte?"
„Er sitzt in seinem Zimmer und läßt keinen vor." „Verständlich!"
„Rur Hopkins ist bei ihm!"
Hopkins war der Chefredakteur des Hauses, ein alter Herr, schon jahrelang im Dienst. Als er gestern abend die Rachricht von Cllinors Verschwinden in den Qlbcnbblättern gelesen hatte, toar es ihm, als träfe ihn der Schlag. Er kannte Ellinor von Kind auf und verehrte sie mit einer väterlichen Liebe
J^bej wie konnten die anderen Blätter zu dieser Rachricht kommen, er selbst wußte doch nichts davon. Ihm war nichts gemeldet worden.
Er hatte sich noch am selben Abend zu Stan- leb begeben und war sofort empfangen worden. Die Unterredung wurde unter vier Augen geführt.
Als er nach zwei Stunden die prachtvolle Villa Stanleys verlieh, waren seine Augen feucht.
durch einen Vergleich mit der Entwicklung der Selbstverwaltung der Gemeinden feit der letzten Reichsfinanzreform. Sehr interessant waren die Ausführungen des Redners über den Finanzausgleich und seine Auswirkung, insbesondere auf die Bewohner des flachen Landes, die gegenüber den großen Städten benachteiligt seien. Der Redner schloß seine Ausführungen mit dem Hinweis, daß, je stärker das Landvolk fei, desto bessere Aussichten sich auch für unsere deutschen Gemeinden, für den Wiederaufbau des deutschen Vaterlandes eröffnen. Den Ausführungen dieses Redners folgte ein stürmischer Beifall, wie man ihn auf derartigen Tagungen selten findet.
Der Rachmittag des ersten Verhandlungstages führte die Teilnehmer der Tagung mit einem Sonderzuge nach Bad-Rauheim zur Be- sichtigung des im herrlichen Frühlingsschmucke prangenden Weltbades.
_ Am zweiten Verhandlungstage hielt Direktor S ch r o e b e r , Geschäftsführer des Reichsnerbandes der deutschen Landkrankenkassen, ein Referat über „Dünsche zur Tfenbcrung der Reichsversicherungs- orbnung“,
wobei er insbesondere in bezug auf die Organisation und die Leistungen der Krankenkassen beachtenswerte Vorschläge machte, die bei einer künftigen Aenderung der Gesetzgebung auf dem Gebiete der Krankenversicherung .zu berücksichtigen seien. Im Anschluß an das Referat, das eine rege Aussprache auslöste, wurde eine längere
Entschließung
angenommen, die den Grundsatz an die Spitze stellt, daß die Erhaltung der ländlichen Krankenversicherung eine Notwendigkeit ist. Ein weiterer Ausbau der Leistungen erscheint im Hinblick.auf die schwierige Lage der deutschen Landwirtschaft mir tragbar, wenn Mittel und Wege gefunden werden, die ungerechtfertigte Inanspruchnahme der Kassen einzu- dämmen. Weiter werden in der Entschließung noch Forderungen hinsichtlich der Abänderung einzelner Bestimmungen der Reichsversicherungsordnung gestellt.
Hierauf folgte ein Vortrag des Derbandssekretärs Hofer vom Zentralverband der Landarbeiter über
„Irrwege der deutschen Sozialpolitik?
Eine Kritik."
Der Redner setzte sich eingehend mit den in der letzten Zeit gegen die deutsche Sozialversicherung erhobenen Anklagen und Vorwürfen auseinander, die er in sehr sachlicher Weise als unbegründet zurückwies. Insbesondere wandte er sich gegen die Behauptung, daß die deutsche Sozialversicherung eine Lähmung des Verantwortungsgefühls und eine demoralisierende Wirkung herbeigeführt habe. Die Forderung auf völligen Abbau und Aufhebung der deutschen Sozialversiä;erung sei ein Unding und nicht ernst zu nehmen. Der Vorschlag, an ihre Stelle einen allgemeinen Sparzwang in Hohe der seither geleisteten Beiträge einzuführen, gehe von ganz unzutreffenden Voraussetzungen aus und sei praktisch ein Fehlschlag.
Im Anschluß an den mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Vortrag wurde auf Vorschlag des Ver- handlungsleiters, Rittergutsbesitzer Dr. Krüger aus Allerheiligen, eine
Entschließung angenommen, die besagt, daß eine berechtigte Kritik anerkannt werde, daß aber der Reichsoer- banb der deutschen Landkrankenkassen an den Grundlagen der bewährten, segensreichen deutschen Sozialoersicherung nicht rütteln lasse.
Damit war die Tagesordnung der Hauptoer- Ijanblungen erschöpft. Als nächster Tagungsort wurde Stettin von der Versammlung besttmmt. Nachmittags fand noch eine Mitgliederversammlung der Allgemeinen Angestellten-Versorgungskasie für deutsche Krankenkassen statt. Den Abschluß der Tagung bildete ein Ausflug nach dem Odenwald, dem Ncckartal und Heidelberg.
„Das Girlh! Das Prachtmädel! Donnerwetter, dazu gehörte Mut! Aber die Ellinor würde es schaffen, keine andere!"
Dann war ein Leuchten über sein altes, gütiges Gesicht gegangen, ein verschmitztes Lächeln. Kichernd rieb er die Hände aneinander:
„Ra, wartet, das gibt ja eine Sache, da werdet chr ja euch die Zähne ausbeißen an dem Rüh- chen, das euch Ellinor zu knacken gibt!“
Im Verlagsgebäude erscholl ein Klingelzeichen.
Die Köpfe der Herren fuhren auseinander. Die Stenotypistinnen schauten neugierig auf. Die Botenjungen zischelten und raunten:
„Das große Signal!"
Aus allen Zimmern strömten die leitenden Herren und Damen und begaben sich unverzüglich in das große Konferenzzimmer.
In erwartungsvollem Schweigen standen alle. Die Türen wurden geschlossen.
Ein leises Raunen:
..Mac Stanley!"
Der Herr des Hauses. Gebieter über viele Millionen. trat ein. Ehrfürchtig machte man ihm Platz.
Wie peinlich muhte es dem alten Herrn sein, heute, wo der Skandal mit feiner Tochter vas- siert war, zu seinen Angestellten reden zu müssen:
Aber Stanley hatte sich eisern in der Gewalt. Beinah konnte man annehmen, er hätte etwas Erfreuliches mitzuteilen.
Die lautlose Stille durchdrang messerscharf seine klare Stimme, als er jetzt begann:
..Meine Damen und Herren!
Sie können sich denken, weshalb ich Sie heute hier zusammenrief. Aus den Blättern der Konkurrenz haben Sie erfahren, daß meine Tochter mich verlassen hat. Ich sehe Ihren bestürzten Mienen an. daß Sie Anteil am Schicksal eines unglücklichen Vaters nehmen. Sie wissen, wie die Welt ist. Sie wissen, daß jeder Skandal gierig aufgegriffen und weiterverbreitet wird. Hierauf gründet sich meine Idee. Sie sehen mich erstaunt an, Sie haben recht, aber der ganze Skandal ist nur eine Idee, eine Reklameidee ..."
Ein Schmunzeln glitt über die Gesichter der Redatteure. Das sah dem alten Stanley mal wieder ähnlich, dem schlauen Fuchs war alles zuzutrauen. Roch wußte man nicht, worauf die Sache hinauslaufen sollte
Stanley fuhr fort:
..Ellinor selbst hat die Rachricht ihres Verschwindens mit einem Bild an die Konkurrenz- bläiter gegeben. Run ist das Interesse der Menge geweckt. Der Skandal ist im Gang. Jetzt beginnt unsere Arbeit. Ich setze eine Belohnung von 100 000 Dollar aus für denjenigen, der mir Elli- nvr in den nächsten vier Wochen toieberbrtngt Ellinor wird mir immer Rachricht geben, wo sie sich anshält. Wir haben da« alleinige Recht,
Oberheffen.
Landkreis Gießen.
CO Klein-Linden, 19. Mai. Am ersten Pftngstfeieriag, vormittags zwischen 10 und 11 Ahr. ereignete sich hier an der Einmündung bet Wetzlarer in die Frankfurter Straße ein schwerer Verkehrsunfall. Ein von Weilburg stammender Motorradfahrer, der zu seinem in der Gießener Klinik liegenden Sohne zu Besuch fahren wollte, rannte mit voller Wucht gegen ein von Gießen Herkommen des Auto, das von einer Dame gesteuert wurde. Der Zusammenstoß war derart heftig, daß die Vorderachse des Autos, das auS Kuxhaven stammt und mit zwei Damen und zwei Herren besetzt war, brach. Der Motorradfahrer wurde, auf dem Motorrad liegend, ein Stück Wegs mitgeschleift Der in dem- Rachbarschaft wohnende Holzyändlcr Jung brachte den Verunglückten mittels Autos in die Chirurgische Klinik nach Gießen, wo bei chm schwere Arm- und Gesichtsverlehungen festgestellt wurden. Die bald nach dem Unglück emtreffenbe Polizei stellte eingehende Untersuchungen an Ort und Stelle an und vernahm die Zeugen. Wen die Schuld an dem Unglück trifft, muß die weitere Untersuchung ergeben. Das Motorrad wurde völlig zertrümmert.
§ Lollar, 18. Mai. Einem hiesigen Baum- s ch u l e n b e s i tz c r ist in seinen Anlagen großer Schaden dadurch entftanöen, daß Hunderte von Zlingbäumchen durch Hasenfraß voll ständig vernichtet worden sind. Die Baumschule konnte im vergangenen Winter nicht mehr umzäunt werden und bot so Meister Lampe willkommene Gelegenheit, seinen Hunger zu stillen.
> Da ik bringen, 18. Mai. Seit dieser Woche können erfteulicherweise wieder 15 Zigarren- arbcitcrinncn durch Herrn H. Schäfer, der in Kommission für eine Laubacher Zigarrenfirma arbeiten läßt, beschäftigt werden.
:—: Beuern, 19. Mai. Zn unserem Dorfe mehren sich die Fälle von BIindbarm- erkr ankungen in erheblichem Maße. So waren in den letzten Wochen vier Krankheitsfälle zu verzeichnen. Die Betroffenen muhten sich in der Klinik zu Gießen umgehend einer Operation unterziehen. Glücklicherweise konnte in allen Fällen rechtzeitig Hilfe gebracht werden.
T Steinheim. 19. Mai. Wieder hat der hiesige Gesangverein „Frohsinn" unter der Leitung seines neuen Dirigenten. Lehrer Dietrich von Rodheim, das sog. P fing st - singen durchgeführt, das bei Gründung des Vereins vor nun 51 Zähren durch Lehrer W ü r t- temberger cingeführt worden war. An etwa zwölf zentral gelegenen Punkten wurden in aller Frühe le zwei Chöre zum Vortrag gebracht, die den schönen Frühling und die stille Weihe des Sonntags priesen. Die ganze Bevölkerung nahm Anteil an dem schönen Brauch. Zum Schluß wurde noch dem Ortsoberhaupt und den beiden Lehrern je ein Ständchen gebracht.
Kreis Büdingen.
* Ridda, 17. Mai. Heute nachmittag stieß hier der Arbeiter beim Hirnmelsbachschen Sägewerk Z. Balser aus Ulfa auf der Heimfahrt auf seinem Fahrrad vor der Landwirtschaftlichen Schule mit einem von Salzhausen kommenden Auto zusammen und kam unter die Vorderräder des Wagens. Dieser wurde von einem hiesigen Einwohner gelenkt, der von einer Dienstfahrt zurückkehrte. Ob jemand ein Verschulden an dem Unfall trifft, konnte noch nicht festgestellt werden. Balser trug schwereDer- le Hungen davon und wurde sofort von Sani- tätsrat Dr. Koch, der ganz nahe bei der Unfallstelle wohnt, verbunden und bann in dasKranken- haus nach Schotten verbracht. Der Verunglückte ist 32 Zähre alt und verhri-alet. Sein Fahrrad war völlig zertrümmert.
in der Presse Mitteilungen über Ellinor veröffentlichen zu dürfen. Sie wissen nun. was Zhre Pflicht ist. meine Herren, die Spalten unserer Zeitung stehen Zhnen zur Verfügung. Machen Sie die Sache geschmackvoll. Halten Sie sich fern von allem üblen Klatsch, der nur meinen Ramen beflecken würde. Die Zagd nach Ellinor soll eine lustige Sache werden. Und nun noch eins: An Ihrer Diskretion hängt alles. Kein Wort zur Konkurrenz! Wenigstens nur das. was unbedingt notwendig ist. Zch rechne auf Zhre Mitarbeit, meine Damen und Herren!"
Mit einer Handbewegung und verbindlichem Ricken entließ Stanley seine Angestellten.
Als Smith eine Viertelstunde später bat. zu einem kurzen Interview zugelassen zu werden, wurde mit einem Achselzucken bedauert. Die ..Evening Review" würde alle notwendigen Auf- klärungxn in den Spalten des Blattes bringen, hieß es. Mit diesem kärglichen Bescheid mußte sich der Reporter zufriedengeben.
Die Schreibmaschinen klapperten, die Telephone klingelten, die Rotationsmaschinen summten Elli- nors Ramen.
Wo ist Ellinor?
100 000 Dollar Belohnung!
Rote Plakate flatterten durch die Straßen, klebten aufdringlich an leeren Hauswänden und Litfaßsäulen, fanden chren Weg in die Schächte der Untergrundbahnen, krochen in die Eisenbahn- ttchees und nahmen Besitz von rauchigen Bahnhöfen und Wartesälen.
Reuyork. San Franzisko und Chikago wurden von einem Fieber gepackt.
Wo war Ellinor?
Die Frau mußte sich doch irgendwie finden lassen. Das konnte doch nicht so schwer fein. Ueberall hing ihr Bild. Ellinor war Allgemeingut geworden.
Ellinor wurde in den Familien besprochen. Verliebte Primaner hängten ihr Bild über ihr Bett. Ellinor war in die Reihe der Vollslieb- lingc getreten, sie galt gleich den Film- und Bvxhelden und rangierte auf gleicher Stufe mit Babe Ruth, dem Baseballkönig und Liebling aller zwischen fünfzehn und Fünfzig.
100000 Dollar. Das war selbst in Amerika eine Riesensumme, wo man doch an große Zahlen gewöhnt war. Aber in Amerika ist cs genau so, wie in anderen Ländern, nur die ganz Großen gebieten über ungeheure Dollarschähe. der einzelne freut sich immer noch über jeden verdienten Dollar, und nun gar 100 000!
Stanley hatte richtig spekuliert. Die Auflage der „Evening Review" stieg um Tausende. 5hc Rubrik „Ellinor" brachte täglich etwas Reues.
(Fortsetzung folgt)


