Eingreifen im Falle konkreter Verletzungen der Schuhbestimmungen.
Das ganze so charakterisierte Regime bildet ein wesentliches und dauerndes Gegenstück zu der Tatsache, daß durch die Friedensverträge von 1919 große Dolksteile von ihrer Volksgemeinschaft abgetrennt und der Souveränität eines anderen Staates unterstellt worden sind. Es handelt sich daher nicht nur um ein ^lebcrgangsregime, sondern um die Schaffung einer Grundlage dafür, daß die Angehörigen der Minderheit loyal ihre allgemeinen staatsbürgerlichen Pflichten gegenüber dem Staate erfüllen, dem sie angehören. Deshalb kann die Bekundung des Interesses an der st.riktenBeobachtung der Schuhbestimmungen niemals als unzulässige Einmischung in die Angelegenheiten eines fremden Staates, oder gar als Unterstützung staatsfeindlicher Bewegungen angesehen werden. Die deutsche Regierung hält es für dringend erwünscht, daß der Völkerbundsrat sich noch einmal a u s - drücklich zu den vorstehenden Gesichtspunkten bekennt, um entstandene Zweifel zu beseitigen und den Minderheiten selbst das Gefühl der Beruhigung und des Vertrauens in den Völkerbund zurückzugeben.
Der zweite Teil der Denkschrift untersucht die Frage, in welcher Weise der Völkerbund seiner Verpflichtung zur allgemeinen Lleber- wachung der Lage oer Minderheiten nachzukommen hat. Der Gedanke einer allgemeinen Lleberwachungspflicht ist nicht neu, vielmehr haben, wie an einer Reihe von Beispielen nachgewiesen wird, sowohl der Rat, wie die Vollversammlung des Völkerbundes sich auch seither des öfteren mit Fragen des Minderheitenschutzes außerhalb des Gebiets der Petitionen befaßt. Cs handelt sich jetzt darum, diese bisher ohne System erfolgte ^leberwachung nach b e - stimmten Regeln zu organisieren. Es erscheint nicht ausreichend, diese Aufgaben dem Sekretariat zu übertragen, dessen Tätigkeit durch seine konstitutionelle Stellung feste Grenzen gezogen sind. Unzweckmäßig wäre auch die Zuweisung dieser Tätigkeit an die für die Prüfung der einzelnen Beschwerden eingesetzten Dreierkomitees, die in ihrer Zusammensetzung ständig wechseln und daher nicht die nötigen Erfahrungen sammeln können. So drängt sich von selbst der Gedanke eines besonderen Minderheitenkomitees auf, das ein Gremium darstellen würde, das ein möglichst vollständiges Material über die Lage der Minderheiten zusammenbringen, die grundsätzlichen Fragen klären, Anregungen entgegennehmen und seine Beobachtungen an die verfassungsmäßige Instanz des Völkerbundes heranbringen könnte.
Zur Frage der Behandlung der einzelnen Petitionen übergehend, faßte die Denkschrift die deutschen Verbesserungsoorschläge wie folgt zusammen:
Mitteilung des Ergebnisses der Arbeiten des Dreierkomitees an die einzelnen Ratsmitglieder, größere Publizität des ganzen Verfahrens, um wenigstens auf diesem Dege den beschwerdeführenden Minderheiten Kenntnis über die Behandlung ihrer Petitionen zu geben,
Anerkennung des Rechts der Komitees zwecks Klärung des Tatbestandes, ergänzende Informationen auch von feiten der Minderheiten einzufordern,
Verstärkung der Dreierkomitee» nach der jeweiligen Dichtigkeit des zu behandelnden Falles, Beseitigung der bisher geübten Ausschaltung der Vertreter gewisser Nationen bei der Zusammensetzung der Komitees.
Mit Befriedigung stellt die deutsche Regierung fest, daß die Motive dieser Anregungen auch den Vorschlägen des kanaoischen Vertreters zugrunde liegen. Wenn der Rat sich zur Annahme der Grundgedanken der kanadischen Vorschläge entschließen könnte — Vorführung der Petitionen nicht durch ein Dreierkomitee, sondern durch ein alle Ratsmächte umfassendes Komitee und Einreichung der Petitionen über die Regierung des beteiligten Staates —, so würde damit den deutschen Wünschen im wesentlichen Rechnung getragen sein.
Zum Schluß setzt sich die Denkschrift mit dem auf der Märztagung zum Ausdruck gebrachten Ein- wand auseinander, daß die durch die Minder- heitenoerträge und -erklärungen verpflichteten Staaten nicht in der tiage feien, über diese Verträge und Erklärungen hinaus neue Verpflichtungen zu übernehmen. Demgegenüber wird betont, daß die deutschen Anträge von vornherein nichts anderes im Auge gehabt haben, als eine Reform der Tätigkeit des Völkerbundes auf d e m G e b i e t e d e s M t n d e r- heitenschutzes im Rahmen des geltenden materiellen Rechts herbeizuführen. Sachlich richten sich die erwähnten Einwände gegen das Vorverfahren für diePrüfung der Minder- heitsbeschwerden. Es wird gesagt, daß die Einrichtungen des Dreierkomitees bereits über die bestehenden Verträge hinausginge und daß daher jede Abänderung, oder jeder weitere Ausbau des Vorverfahrens der Zustimmung der Minderheits- staaten bedürfe. Zu diesen Einwänden wird bemerkt, daß
die Einführung einer inoffiziellen Vorverfahren» zur Prüfung der Minderheitenbeschwerden keineswegs im Widerspruch zu den Verträgen steht, daß der Rat bisher nur in einem einzigen Falle die Zustimmung der Minderheitsstaaten für erforderlich geachtet hat und daß vor allem den Minderheitsstaaten daraus der Vorteil erwächst, daß sie die eingegangenen Beschwerden mit ihrenvemerkungen und Kommentaren versehen können, bevor sie an den Rat gelangen.
Wenn somit die Einschaltung der beteiligten Staaten in das Vorverfahren letzten Endes nur deren eigenem Interesse entspricht, so möchte die deutsche Regierung annehmen, daß die Einführung wirklich zweckmäßiger Reformen nicht durch rein formale Gesichtspunkte behindert, sondern daß darüber im Wege der Verständigung unschwer eine Einigung zu erzielen sein wird.
Ausweisung eines deutschen Journalisten aus Eupen.
Essen, 20. Mai. (WB.) Wie die .Rheinisch- Westfälische Zeitung" meldet, wurde heute in W e i m e S (Eupen-Walmedy) der Redakteur Karl Bartz von der .Rheinisch-Westfälischen Zeitung" verhaftet unb ausgewiesen mit der Begründung, fein Aufenthalt gefährde die Sicherheit des belgischen Staates. Dr. Bartz ist
den Angaben des Blattes zufolge in Eupen-MalmedH geboren, hat sich rege in der Heimatbewegung betätigt und ein Buch .Das llnredjt an Gupen-Malmedy" veröffentlicht. Er stand in enger Beziehung zur Christlichen Dolkspartei in Eupen-Malmedy, die in der letzten Zeit sehr große Erfolge zu verzeichnen hatte, und deren Kandidat Iehottay große Aussicht haben soll, bei den Wahlen in die Kammer einzuziehen.
Arbeitsftiede in der Zigarrenindustrie.
Hamburg, 18. Mai. (WB.) Zur Beilegung des bereits seit mehreren Monaten andauernden T a r i f st r e i t e s in der deutschen Zigarrenfabrikation hatte der Reichsarbeitsminister den Hamburger Schlichter Dr. Stenzel zum Sonderschlichter bestellt. Die Verhandlungen, die hier stattfanden, gestalteten sich sehr schwierig. Erst nach vierstündiger Verhandlung gelang es, eine Einigung zwischen den Parteien herbeizufüyren. Der Rahmen-
1 a r i f wurde mit einigen Aenderungen auf zwei weitere Iahre verlängert. Der Lohntarif, der ebenfalls für zwei Iahre abgeschlossen wurde, sieht Zulagen von 3 Prozent ab 1. 7. 1929, weiteren 3 Prozent ab 1. 4. 1930 und nochmals 2 Prozent ab 1. 10. 1930 vor. Durch die Der- einbarung ist der drohende Arbeitskonflikt in der deutschen Zigarrenfabrikation beigelegt.
Am 24. Mai wird im Lohnlonflili der Reichsbahn verhandelt.
Berlin, 17. Mai. Rach dem „D. T." endeten die heutigen Besprechungen der Tarifparteien im Reichsbahnlohnkonflikt vor dem Schlichter Dr. Vö Ickers damit, daß beschlossen wurde, am 24. Mai, vormittags 11 Llhr, im Reichsarbeitsministerium noch einmal zusammenzukommen. In der Zwischenzeit wird jede Partei vier Beisitzer ernennen, damit, wenn in den neuen Verhandlungen keine Einigung erzielt wird, sofort eine Schlichtungskammer eingesetzt werden kann.
Mner über dieSlmmsaM des„GmsZepselm".
Dr. Eckener in Friedrichshafen.
Friedrichshafen, 20. Mai. (TU.) Dr. Ecken er, der am Sonntag nach Friedrichshafen zurückgekehrt ist, gewährte Pressevertretern eine Unterredung, in der er sich ausführlich über die Fahrt des Luftschiffes verbreitete. Dr. Eckener erklärte, daß er den Weg über Gibraltar genommen habe, weil hier nach den Wetternachrichten mit einem schnellen Dorwärts- kvmmen gerechnet werden konnte. Schon kurz über Barcelona hätte ein Steuerbordmotor abgestellt werden müssen, da eine Kurbelwelle gebrochen war. Rach eingehender Beratung mit Graf Soden, der ein ausgezeichneter Techniker sei, sowie mit den Luftschiffführern Lehmann und Flemming sei man zu der Ueberzeugung gekommen, daß der Bruch der Kurbelwelle keinerlei Schlüsse auf die übrigen Motoren zulasse, um so weniger, als alle Motoren auf der letzten Amerikafahrt ganz vorzüglich und ohne jedwede Unterbrechung gearbeitet hätten. Er habe sich daher zur W e i t e r- fa hrt entschlossen. Kurz hinter den Dalearen- Inseln und Kap Rao fei dann ein zweiter Motor, wieder ein Steuerbordmotor, infolge Bruches eines Schwunggewichtes der Kurbelwelle ausgefallen, jetzt habe er s o - fort Kehrt gemacht und sei in schneller Fahrt gegen 10.30 Uhr abends schon wieder über Barcelona gewesen. Von hier ab sei das Vorwärts- kommen immer langsamer geworden.
Der starke Mistral In der Bucht von Lyon habe das Schiff fast nicht mehr vom Fleck kommen lassen. Die Böen hätten etwa 90 bis 95 Stundenkilometer betragen und die Kraft der Motoren gerade dazu ausgereicht, diese Geschwindigkeit „auszukämpfen".
Don Barcelona bis an die Küste Hobe er volle neun Stunden gebraucht, während auf dem Hiüflug die Strecke in zweieinhalb Stunden bewältigt wurde. Gegen elf Uhr morgens wurde N! m e s überflogen. Hier habe er, obwohl die Motoren mit äußerster Kraft liefen, etwa eine halbe Stunde lang nicht vom Fleck kommen können, bis der Wind nachgelassen habe. Gegen drei Uhr nachmittags habe man sich Valence genähert und gehofft, hier bessere Bedingungen vorzufinden. Während dieser ganzen Zeit sei das Luftschiff langsam, aber ruhig und ft e t i g fortgekommen. Von einem Stampfen und Schlingern könne keine Rede sein.
Kurz vor Valence sei er nach Nordosten abgebogen, um den Weg über Genf und die Schweiz zu nehmen. Man habe schon geglaubt, das Schlimmste hinter sich zu haben, als kurz nach drei Uhr östlich von Valence ein dritter Motor d e r f a g t e. Unter diesen Umständen und angesichts der Gefahr, daß noch ein weiterer Motor ausfallen könnte, habe er sich zu einer baldigen Landung entschlossen. Noch in Erwägungen darüber, wo diese Landuna stattfinden sollte, sei ihm die Meldung überreicht worden, wonach auch der vierte Motor eine Panne aufwies.
Alle vier Motoren hätten dieselben Pannen gehabt, nämlich Bruch eines Schwunggewichts an der Kurbelwelle.
Er habe sich sofort mit Lyon in Verbindung gesetzt und Hilfe für eine Notlandung in Valence erbeten, lieber dem Flugplatz von Valence habe er jedoch so kräftige Winde angetroffen, daß an eine Landung nicht gedacht werden konnte. Er habe nunmehr das Luftschiff in ein Seitental des Gebirges gefteuert in dem Glauben, hier günstigere Windverhältnisse anzutreffen. Daraus ergäben sich wahrscheinlich auch die Falschmeldungen, wonach das Luftschiff hilflos ins Gebirge getrieben worden fei. Er fei m i t voller Absicht in das Gebirgsgelände gegangen und habe dabei das Schiff mit einer laufenden Maschine so vollkommen in der Hand gehabt, daß er zwischen den recht hohen Bergen hindurch bis weit hinaus ins Srömetal gelangt fei. Wenn auch der Wind erheblich schwächer als außerhalb des Gebirges gewesen sei, so hätten Fallboen und aufsteigende Winde eine einigermaßen glatte Landung von vornherein unmöglich gemacht. Er habe also den einzig möglichen Ausweg benutzen müssen, etwa 200 Kilometer bis zur Riviera zu fliegen, was dann auch mit einer Geschwindigkeit von etwa 100 Stundenkilometer mit gutem Wind gelungen sei. An dem Landeplatz C u e r s tjabe er zunächst nicht gedacht, da dieser ja in dem verbotenen Fahrtgebiet von Toulon liege. Er habe vielmehr geglaubt, in den Vorbergen der Riviera Windstille und Täler für eine Landung vorzufinden.
Erst später habe er an die Möglichkeit einer Landung in Cuers gedacht und sei gerade im Begriff gewesen, eine Anfrage an das französische Lustfahrtmini st erium wegen einer Landung zu richten, als dieses von sich aus eine Landung in Orly bei Paris oder in Cuers anbot. Obgleich von Toulon aus Anweisung ergangen war, nicht vor i/29 Llhr zu landen, da die unterwegs befindlichen Landetruppen nicht früher zur Stelle sein konnten, habe man sich der Laune des einzigen Motors nicht länger auSsetzen wollen und sei unverzüglich zur Landung geschritten. Rur etwa 30 bis 40 Leute der Platzmannschaft von CuerS hätten auf dem Landefelde gestanden, und in diese hinein habe er bei völliger Windstille daS Luftschiff fallen lassen und noch genug Bremsbalast gehabt, um eine sehr elegante Landung auSführen yt können. Erst als das
Schiff bereits auf dem Boden war, von wenigen Leuten gut gehalten, seien einige hundert Mann eingetroffen, die es mit sehr viel Geschick vor sich und um sich in die Halle gebracht hätten.
Besprechungen
über -re Moiorenfrage.
Friedrichshafen, 20. Mai. (WTD.) Dr. Eckener ist am Sonntagabend von Cuers kommend über die Schweiz zu einem kurzen Aufenthalt nach Friedrichshafen zurückgekehrt. Direktor Maybach, der Leiter der Maybach- Motorenwerke, die bekanntlich die Motoren des Luftschiffes hergestellt haben, war ihm im Kraftwagen bis Zürich entgegengefahren, von wo aus die beiden Herren die Reise nach Friedrichshafen im Auto gemeinsam fortsehten. Im Laufe des heutigen Vormittags begab sich Dr. Eckener zur Werft, wo er einem Heinen Kreise von Pressevertretern in einer etwa eineinhalbstündigen Llnierredung eingehende Mitteilungen über »seine weiteren Pläne, sowie über den Verlauf der abgebrochenen Amerikafahrt und die dabei aufgetretenen Störungen in der Maschinenanlage des Luftschiffes machte. Als den Hauptzweck seiner Rückkehr nach Friedrichshafen bezeichnete Dr. Eckener, daß er vor allen Dingen mit den leitenden Stellen der Maybach-Motorenwerke Fühlung nehmen wolle, um sich über die weiteren Maßnahmen, die ergriffen werden sollen, schlüssig zu werden. Dr. Eckener legte vor allem Wert auf die Feststellung, daß man
erst bas Ergebnis der Untersuchung der defekten Motoren abroarten müsse, um sich ein Urteil über die Ursachen der Störung zu bilden, daß aber entgegen anderslautenden Pressenachrichten das vorliegen von Sabotageakten unter allen Umständen als ausgeschlossen zu betrachten sei.
Auch sei es falsch, das Auftreten dieser Störungen mit den Abänderungen an den Luftschiffmotoren in Zusammenhang zu bringen, die nach der zweiten Mittelmehrfahrt vorgenommen worden seien, bei' der übrigens unter anderem auch ein Sprung an einem Zylinderfuß zu verzeichnen war. Nach dieser Fahrt sind die Versteifungen der verschiedenen Zylinder untereinander etwas gelockert worden, doch steht man auf dem Standpunkt, daß diese Maßnahme keinerlei Einfluß auf die Kurbelwellen der Maschinen ausüben konnte. Nach Ansicht Dr. Eckeners müsse es sich um ein völlig neues, noch unbekanntes. Moment handeln, das die fast gleichzeitig auftretenden Beschädigungen der Motoren bewirkt hat. Worin dieses Moment bestehe, sei vorher noch ein technisches Rätsel, das noch der Lösung harre.
Mit der Konstruktion des Luftschiffes an und für sich hätten die Maschinenstörungen nichts zu tun, was schon dadurch bewiesen sei, daß trotz des Ausfalles von vier Motoren die Landung auf französischem Boden reibungslos ausgeführt werden konnte.
Donnerstag oder Freitag hofft Dr. Eckener mit dem „Graf Zeppelin" wieder nach dem Heimathafen zurückkehren zu können. Die an Bord befindliche Poft und das Frachtgut werden auf Wunsch der einschlägigen Stellen ebenfalls mit dem Luftschiff nach Friedrichshafen zurückgebracht werden. Heute mittag fand zwischen Dr. Eckener, Direktor Dr. Maybach, dem Chefkonstrukteur des Luftschiffes Dr. Dürr und mehreren Ingenieuren der hiesigen Werke eine Besprechung statt, bei der die gesamte Motorenfrage zur Sprache kam. Es wurde festgestellt, daß nach wie vor Klarheit über die Ursachen der Maschinenstörung nicht geschaffen werden könne. Als' Ergebnis der Besprechung wurde mitgeteilt, daß man erst die Ankunft der gebrochenen Teile mit dem Luftschiff abwarten müsse, um sich ein klares Bild über die inneren Vorgänge in den Motoren zu verschaffen, und daß, bevor diese Ursachen ermittelt seien, keine größeren Fahrten mit dem Luftschiff unternommen würden. Dr. Eckener begibt sich, wie er mitteilte, voraussichtlich am Mittwoch wieder nach Cuers zurück.
Riesenbesuch
beim „Graf Zeppelin".
T o u l o n, 20. Mai. (WTD.) Im Verlaufe des Samstagnachmittag war das Luftschiff zur Besichtigung freigegeben, von welcher Möglichkeit die Bevölkerung und die an der Riviera weilenden Touristen und Kurgäste starken Gebrauch machten. Unter den Besuchern befand sich auch der sozialistische Abgeordnete und Berichterstatter für das Budget des Luftsahrt- ministeriums R e n a u d e l, der von Dr. Eckener in liebenswürdiger Weise empfangen wurde.
Am gestrigen Pfingstfeiertage war der Zu- ström der Besucher, die das Zeppelinluftschiff besichtigen wollten, so groß, daß die Aut o- mobil- die Zufahrt st raßen zum Flugplatz vollkommen verstopften. Ein Infanterieregiment auS HytzreS mußte zur Verstärkung des Ordnungsdienstes eingesetzt Werdern Die Mannschaft des „Graf Zeppelin" hat am Rachmittag des ersten Pfingst-
fekertages in Begleitung von französischen trogen die Stadt Toulon besichtigt.
Eckeners Dank.
Toulon, 18. Mai. (Vom Sonderberichterstatter des WTD.) Dr. Eckener hat folgendes Sanftlegramm an den französischen Luftfahrtminister Laurent-Ehnac gesandt: „Ich möchte nicht verfehlen, Herr Minister, meinen aufrichtigen und herzlichen Dank ab- zust allen für die vielfache Unterstützung und Forderung, die Sie uns für die programmähige Durchführung der Fahrt des „Graf Zeppelin" geliehen, und für das Interesse, mit dem Sie diese Fahrt in den einzelnen Phasen begleitet haben. Ganz besonders aber bin ich Ihnen zu Dank verpflichtet für die tatkräftige und unverzügliche Hilfe, die Sie uns, als eine Rot- landung des Luftschiffes infolge -des plötzlichen Ausfalles von zwei Motoren notwendig wurde, dadurch geleistet haben, daß Sie uns glatt Platz und Halle von Cuers zur Verfügung stellten. Wenn das Luftschiff intakt und wohl geborgen uns erhalten geblieben ist, haben wir Ihnendaszu danken.
E ck e n e r.“
Dr. Eckener hat außerdem dem K r i e g s Minister telegraphisch seinen Dank für die Hilfeleistung der Truppen ausgesprochen und ferner ein Danktelegramm an den Marinemini st er gesandt, in dem er besonders die Geschicklichkeit anerkannte, mit der die Landungsmannschaft die Bergung und Einhaltung des Luftschiffes durchführte.
Lustfahrtminister Laurent-Ehnac hat an Dr. Eckener folgendes Telegramm gerichtet: »Ich danke Ihnen für die Depeschen, in denen Sie den Bemühungen unserer Mannschaften Anerkennung zollen. Ich bin glücklich, daß diese Ihnen und Ihrer tapferen Besatzung gelegentlich Ihrer schwierigen Landung nützlich sein konnten." Marineminister Leygues hat an Dr. Eckener als Antwort auf das Danktelegramm Dr. Eckeners folgendes gedrahtet: ,Ich danke Ihnen lebhaft für das Telegramm, in oem Sie die Wirksamkeit der durch das Personal geleisteten Hilfe hervorheben. Ich werde Ihre Botschaft dem Luftfahrtminister und dem Kriegsminister mitteilen. L e y g u e s."
Der Präfekt des Departements Dröme hat Dr. Eckener auf sein Danktelegramm, das besonders die von dem Präfekten angeordnete Unterbrechung der Starkstromleitungen zur Verhütung eines Unfalles des „Graf Zeppelin" anerkannte, mit einem Telegramm geantwortet, In dem er betont, die d e u t- schen Behörden würden gewiß in einem entsprechenden Falle gegenüber einer französischen Mannschaft die gleichen Sicherheits- Vorkehrungen getroffen haben.
Oer Dank -cs Reiches an Frankreich.
Berlin, 18. Mai. (WTB.) Reichsverkchrs- Minister Dr. Stegerwald richtete an den französischen Minister für Luftfahrt, Laurent Sh nac, folgendes Telegramm: „Bon den umsichtigen und energischen Maßnahmen, welche die französische Regierung zur Hilfeleistung für das Luftschiff „Graf Zeppelin" auf dessen Ersuchen in Frankreich in weitestem Umfange getroffen hat, habe ich mit großer Genugtuung Kenntnis genommen. Die glückliche Durchführung der Landung in Toulon ist diesen erfolgreichen Bemühungen zuzuschreiben. Rehmen Sie, Herr Minister, meinen aufrichtigen Dank für Ihre so großzügige und tatkräftige Hilfeleistung entgegen.“
Der deutsche Botschafter v. H o e s ch hat heute vormittag in Abwesenheit des Außenministers B r i a n b zunächst dem Generalsekretär des Ministeriums, Philippe B e r t h e l o t, und hieraus dem Luftfahrtminister Laurent Eynac den Dank der deutschen Regierung für die tatkräftige Hilfeleistung bei oer Landung des Zeppelins in Cuers-Pierrefeu ausgesprochen. Der Luftfahrtminister teilte mit, daß er die notwendigen Instruktionen gegeben habe, damit jede mögliche Hilfeleistung für die notwendigen Ausbesserungen, wenn sie an Ort und Stelle vorgenommen werden sollten, gegeben werde.
Der Luftfahrtminister Laurent Eynac hat an den Reichsverkehrsminister Stegerwald folgendes Telegramm gerichtet: „Ich danke Ihnen für die Depesche, die Sie mir anläßlich der Landung des „Graf Zeppelin" in Cuers Übersandt haben. Wir werden uns bemühen, die notwendigen Reparaturen zu erleichtern. Ich bringe den Wunsch zum Ausdruck, daß Dr. Eckener und seine mutige Besatzung bald an Bord ihres Luft- schiffcs in ihren Heimatflughafen zurückzukehren in der Lage sein werden."
Aus aller Welt.
Eröffnung der internationalen Ausstellung in Barcelona.
Barcelona, 20. Mai. (WTB.) Die internationale Ausstellung ist gestern unter allgemeiner lebhafter Anteilnahme bei prachtvollem Wetter feierlich eröffnet worden. Im Rationalpalast der Ausstellung wurden der König und die Königin von General Primo de Rivera mit sämtlichen Ministern, den Spitzen der Behörden, dem diplomatischen Korps und zahlreichen Vertretern des Auslandes begrüßt. Der Leiter der Ausstellung, Marquis Foronda, und der Bürgermeister von Barcelona, Baron D i v e r, hielten Ansprachen, in denen die Bedeutung der Ausstellung hervor- gehoben wurde. Ministerpräsident Primo d e R i- v e r a hob in seiner Rede die besondere Leistung hervor, die das Zustandekommen zweier Ausstellungen wie die von Sevilla und Barcelona darstelle. Dies bedeute, daß Spanien ganz und gar dem Ideal allgemeiner Brüderlichkeit leben wolle.
Ein Verkehrsflugzeug in die Donau gestürzt.
Budapest, 18. Mal. (WB.) Ein P a s sa g l e r - flugjcug, das den Verkehr zwischen Wien und Budapest vermittell, ist heule nachmittag in der Rähe der Eisenbahnbrücke bei Budapest verunglückt. Augenzeugen berichten, in dem Flugzeug, bas gerade über der Donau schwebte, sei eine Explosion erfolgt, wodurch der eine Flügel abgerissen wurde und die Maschine satyl dem Piloten und in den Insassen in die Donau stürzte und unlerging. Die sofort herbei- geeilten Bettun gs- trab Feuerwehrmannschaf tea


