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vom Reiche, sondern nur von den Sin* dern, Provinzen und Gemeinden dorgenommen werden können. Die Sparbewegung steht erst im Anfang ihrer Entwicklung. Die Deutsche Dollspartei ist überzeugt, mit der För­derung dieser Bewegung eine Mission zu erfüllen, wie sie Dr. Stresemann mit seiner realen und zu­gleich nationalen Außenpolitik erfüllt hat.

polnischesVeweismaterial". DaS Zustandekommen der Anklage gegen den Bottsbundführer Ulitz

B e r l i n, 20. März. (WB.) DieSchlesische Volks­zeitung" veröffentlicht heute ein polizeiliches P r ot o k o l l. das Aufschlüsse darüber gibt, wie das gegen Ulitz, den Führer des Deutschen Volksbun­des, vorgebrachte Anklagematerial zustande- gekommen ist. Hiernach hat im Untersuchungsgefäng­nis in Breslau auf Befragen ein Strafgefan­gener namens Josef Paul Negrrer, der von Ende 1923 bis Ende 1926 im polnischen Nachrichtendienst für Kapitän Bey und Oberleutnant Mynarek tätig gewesen sein will, erklärt, daß fast alle Agenten des polnischen Nachrichtendien st es in Katto- witz sowie die Organe der polnischen Staatspolizei gegen dos Versprechen hoher Bezahlung von ihren Auftraggebern die Weisung gehabt hätten, Material jeder

8rf, ob zutreffendes oder erdachtes, gegen den Deutschen Volksbund zu liefe en. Im Herbst 1922 habe Kapitän Bey bei einer Besprechung wörtlich zu U)m, Negwer, gesagt:Mein Ziel, mein Auftrag und meine Hauptarbeit ist, den Ulitz und den Volksbund zu erledigen. Das ist auch die Meinung meiner Vorgesetzten in Krakau und Warschau. Der Volksbund ist die Sammelstätte aller polenfeindlichen Elemente. Der Dolksbund muß aufgelöst werden, eher gibt es in Polen keine Ruhe." Anfang 1926 habe Kapitän Beo wörtlich folgendes zu ihm gesagt:Beschaffen Sie mir Beweise für die staatsfeindliche Tätigkeit des Ulitz oder des Dolksbundes, und Sie bekommen sofort ein paar tausend Zloty ausge­zahlt. Sie haben doch Bekannte im Volkskunde; beschaffen Sie sich Formulare von diesen, und das andere ist dann Ihre Sache. Ihnen glauben wir und auch die polnischen Gerichte mehr als denen beim Dokksbund. Wer das intelligent genug macht, hat schnell ein paar tausend Zloty verdient." Ferner äußerte Dey, das für die De- kämpfung bzw. Unschädlichmachung des Deuffchen Dolksbundes immer Geld vorhanden fei. und wenn es geborgt werden müsse. Schließlich habe Bey auch noch darauf hingewiesen, daß das zu beschaffende Material derart sein müsse, daß dem Ulitz die B e - günftigung de r Desertion polnffcher Hee» respflichtiger nachgewiesen werden könne.

Hilfe für das abgeschmrte Ostpreußen.

Eine Aktion des Reichs und Preußens für die gefährdete Grenzprovinz.

Berlin, 21. März. (Priv.-Lel.) Unter dem Vorsitz des Reichspräsidenten hat das Reichskabinett un'.er Hinzuziehung der in Frage kommenden preußischen Mini st er Hilfsmaßnahmen für die wirtschaftlich schwer be­drängte Provinz Ostpreußen beschlossen. Die Tat­sache, daß der Reichspräsident dieser wichtigen Sitzung des Kabinetts persönlich präsidierte, be­zeichnet den ganzen Ernst der Sachlage. ES ist bekannt, daß Hindenburg von jeher das stärkste Interesse an den Hilfsmaßnahmen für Ostpreußen gezeigt hat, denn es handelt sich hier nicht um rein wirtschaftliche Fragen allein, sondern um eine nationalpolitische Angelegen­heit, an der das ganze deutsche Volk in höchstem Maße interessiert ist.

Die wirtschaftliche Aotlage Ostpreußens ist zum wesentliHen Teil durch seine Abschnürung vom Mutterlande bedingt. Diese unglück­liche Provinz wird daher, solange der durch den Versailler Vertrag geschaffene sinnwidrige Zu­stand andauert, immer mehr oder weniger auf Hilfsmaßnahmen Gesamtdeutschlands angewiesen sein. Nirgends hat sich die Rot der Land­wirtschaft stärker fühlbar gemacht, als gerade hier. Nirgends ist durch die wirtschaftliche De­pression der gesamte Mittelstand mehr in Mitleidenschaft gezogen worden. Schon in den vergangenen Jahren sind viele tausende dort früher seßhafter Menschen ausgewandert, weil sie in dieser Provinz keine Nahrung mehr finden konnten. Eine solche Entvölkerung Ost­preußens aber bedeutet eine ungeheuere nationalpolitische Gefahr. Denn die polnische AuSdchnungsPropaganda, gestützt auf überreichliche Mittel des polnischen Staates, war­tet nur auf die Gelegenheit, diese Provinz wirt­schaftlich zu durchdringen und uralten deut­schen Boden dem Deutschtum zu ent­fremden. Der Kampf zwischen Deutschen und Polen an der Grenze der beiden Sprachen und Kulturen geht schon durch viele hundert Jahre. Denn die nationalpolitische Schwäche des Deut­schen Reiches dahin führen sollte, das schwer kämpfende Deutschtum im Osten ohne Llnterstüt- zung zu lassen, dann entsteht die ernste Gefahr, daß im Frieden noch eine Provinz verloren wird, über alles baS hinaus, was uns das Diktat von Versailles gekostet hat.

Deshalb ist es höchste Zeit, daß endlich einmal mit der Wirtschaftshilfe für Ostpreußen ernst gemacht wird. Gewiß haben Reich und Preußen schon vorher manches getan, um die dringendste Not zu lindern. Aber man muß leider feststellen,

daß alle diese Hilfen bisher nichts von Grund auf bessern konnten. Hoffentlich geschieht nun­mehr wirklich etwas Durchgreifendes, wobei allerdings nicht verschwiegen werden soll, daß bei den verworrenen staatsrechtlichen Zu­ständigkeiten jede Hilfsaktion auf große Schwie­rigkeiten stößt, weil zunächst einmal stets öie Instanzensrage geklärt werden muß. Ge­rade solche staatspolitischen Maßnahmen, bei denen es auf schnelle Entscheidungen an­kommt. geraten stets in die Gefahr des Ver­sandens, wenn allzuviel Instanzen daran beteiligt sind. Deshalb wird die sachlich so notwendige Fürsorge für die deutschen Grenzlande und be­sonders Ostpreußen erst dann in vollem Um­fange wirksam werden können, wenn durch eine durchgreifende Neuordnung der staatsrechtlichen Verhältnisse Deutschlands eine starke und einheitliche Zentralgewalt sicherge­stellt ist.

Die Notlage Ostpreußens hat in der Provinz selbst eine geradezu verzweifelte Stimmung her- bor gebracht Gerüchtemacher fanden einen gün­stigen Boden für ein ganz haltloses Geschwätz. Man erzählte sich in allen Konventikeln. daß maßgebende WirtschaftZtreise Ostpreußens die Loslösung vom Reiche propagierten und eine Art Freistaat nach Danziger Vorbild zu schassen beabsichtigen. Von amtlicher und pri­vater Seite sind diese böswillig ausgestreuten Gerüchte schon längst als das bezeichnet worden, was sie sind, nämlich als barer Unsinn. Je­dermann weiß, daß Ostpreußen seine wirtschaft­liche Rettung nur im Rahmen des Rei­ches finden kann, und das Danziger Vorbild verlockt heute wirklich keinen einsichtigen Men­schen mehr, denn die überwältigende Mehrheit der Danziger würde heute trotz aller wirtschaft­lichen Schwierigkeiten sofort, wenn es politisch möglich wäre, zu Deutschland zurückkehren, weil sie genau weiß, daß dieser sogenannte Freistaat ohne den Rückhalt Deutschlands binnen kurzem die Beute des polnischen Imperia­lismus werden müßte. Da aber die Reichs­treue der Ostpreußen über jeden Zweifel erhaben ist, muh das übrige Deutschland sich seiner Pflich­ten gegenüber seiner gesährdetsten Grenzprovinz um so stärker bewußt bleiben. Die Lage ist des­halb doppelt gefährlich, weil hier die national- politischen Gefahren und die wirtschaftliche Not sich gegenseitig steigern und weil diese Provinz aus eigener wirtschaftlicher Kraft und ohne die Hilfe Deutschlands nicht über den toten Punkt Hinwegkommen kann.

Die Lage der Landwirtschaft in Hessen.

Arbeiismimster Korell über die landwirtschaftliche Verschuldung.

Darmstadt, 20.März. (WTD.) Auf der Tagesordnung steht die Beratung des Kap. 64 (Förderung einzelner Zweige der Landwirtschaft). AlS erster erhält das Wort:

Minister für Arbeit und Wirtschaft Korell: Lieber die Notlage der Landwirtschaft herrscht in urteilsfähigen Kreisen nur eine Mei­nung. Meinungsverschiedenheiten bestehen nur darüber, wie dieser Notlage abzuhelfen ist. LI n - möglich ist das Rezept einer Erhöhung der Zölle, die unsere Reparationsmöglichkeit zerstören, die Arbeitslosigkeit vergrößern und die Konsumfähigkeit der Massen für landwirt­schaftliche Produkte nur herabsetzen wird. Der umgekehrte Weg muß beschritten werden. Es muß ein Abbau der industriellen Zölle auf Rohstoffe erfolgen, damit die Fertig- industrie ihre Waren billiger an den Landmann verkaufen kann. Die Landwirtschaft muß auch zur Rationalisierung ihrer Betriebe schreiten. Untere hessische Landwirtschaft hat namentlich größere Aussichten auf dem Gebiete der Obst-, Gemüse-, Gier- und Milch­verwertung. 1,5 Milliarden Mark gehen für diese Dinge, die ebensogut im eigenen Lande hergestellt werden könnten, ins Ausland. Hier ist es auch nicht die Billigkeit, die dem Ausland- Produkt den Vorsprung gibt, sondern einfach die fehlende Quantität und Quali­tät der Inlandware. Ich hoffe, daß daS kommende Reichsmilchgefeh einen Standard auf* richten wird, der die Qualität wesentlich hebt. Bei Obst und Gemüse ist es ähnlich.

Der Obst-, Gemüse- und Weinbau hat von jeher schon »ine große Rolle in unserer hessischen Landwirtschaft gespielt und hat sie vor der Not geschützt, die weite Teile der getreidebauenden Landwirtschaft ergriffen hat Während diese letztere bereits wieder seit der Inflation neue Schulden aufgehäust hat scheint es der hessischen Landwirtschaft bester zu gehen. Die Zentralstelle für Landesstatistik hat mir auf Grund eines von 34 Finanzämtern gelieferten Materials aus 283 typischen Betrieben der drei Provinzen eine Zusammenstellung über die Verschuldung

der hessischen Landwirtschaft geliefert, die Erstaunen Hervorrufen wird.

Danach zeigt sich, daß bei einem vergleich der- selben Betriebe 1913 und 1927 die Verschul­dung pro Hektar ganz bedeutend zu­rückgegangen ist. Die schuldenfreien Be­triebe Haden in Starkenburg von 37 auf 58 und in Rheinhessen von 32 auf 41 zugenom­men. In Oberhessen sind sie allerdings zurückgegangen von 42 auf 31. In ganz Hessen haben sie von 111 auf 130 zugenommen. Demnach ist etwa die Hälfte der untersuchten Betriebe schuldenfrei. Bei der anderen Hälfte hat die Zahl der Betriebe mit mittlerer Ver­schuldung (bis 500 Mark pro Hektar) von 73 auf 139 zugenommen, dagegen ist die Zahl der Betriebe mit höherer Verschuldung (über 500 Mark pro Hektar) von 99 auf 14 zurück­gegangen.

Die Derschuldungssumm« hat also auch bei dieser Hälfte wesenllich abgenommen. Sie beträgt nur 28,75 Prozent der Verschuldung von 1913. Weiterhin ist sestzustellen, daß die Ver­schuldung in allen Betriebsgrößen in Ober- Hessen größer ist als in Starkenburg und Rheinhessen. Nur bei den Betrieben über zwan­zig Hektar steht Rheinhessen an der Spitze. Bei der Beurteilung dieser Zahlen muß man aller­dings berücksichtigen, daß die Verzinsung um daS Doppelte etwa gestiegen ist, so daß eine Schuld von 1000 Mk. heute eben­soviel Zinsen beansprucht wie eine von 2000 Wk. in 1913. Wenn also ein Landwirt heute nur noch 50 Prozent der Verschuldung von 1913 hat, muh er doch dieselbe Zinsensumme aufbringen. Die Gesamtverschuldung beträgt aber, wie schwn oben gesagt, nur 28,75 Prozent derjenigen von 1913.

Weiterhin ist noch zu berücksichligen die Höhe der steuerlichen Belastung, die infolge des Krieges von 27,8 Mk. pro Hektar in 1913 auf 61 Mk. pro Hektar in 1927, also um 33,2 Mk. durchschnittlich, gestiegen

ist. Da» Bild der Verschuldung und steuerlichen Belastung der hessischen Landwirtschaft erscheint im Lichte dieser streng sachlichen Feststellungen der Finanzämter ander- als in der Beleuch­tung mancher Agitationsredner. Trotzdem sei die Notlage der Landwirtschaft anerkannt. An ihrer Hebung im Sinne meiner Ausführungen mitzuarbeiten, werde ich auch hn kommenden Jahre als meine vornehmste Aufgabe betrachten.

Sortierung der Agrarde-attte

Abg. Maurer (S.) stimmt für seine Freunde dem Anträge zu, 10 000 Reichsmark zur Be­kämpfung des KartosselkrebseS zu ge­währen. Grundsätzlich könne die SubventionSpoli- tik für die Landwirtschaft nicht gebilligt werden. Er bekennt sich zu dem Gedanken des Getreide» außenhandelsmonopolS. Die Einfuhr müsse auf die Zeit deS inländischen Bedarfes beschränkt werden. Die Erntesinanzierung werde dadurch ebenfalls erleichtert. Seine Partei fordere außer­dem Stärkung der Preußenkasse, Abbau der Futtermittelzölle, Qualitätsverbesserung, Absatz- kontrvlle und Freimachung der Landwirte von der Agitationspolitik deS Landbundes.

Abg. Dr. Müller (Bbd.) wendet sich gegen den grundsätzlichen Optimismus deS Ministers. Durch die niedrigen Zolle sei die Kaufkraft der Landwirtschaft gesunken. Er wendet sich gegen daS Getreioemonopol, das eine Politi­sierung der Preise durch die Linke bringen werde. Wo - ^uch die Landwirtschaft zum Teil schulden­frei geb teben sei, so seien z. B. aber in Nassau nur .v Prozent der Landwirte zur Einkommen­steuer veranlagt worden.

Abg. Blank (Z.) wünscht einen Vergleich der Verschuldung von 1927 mit der heutigen. Wenn die Ziffern des Ministers ins Land gingen, werde der Kampf zwischen Erzeugern und Verbrauchern verschärft werden, obwohl der Minister damit keine allgemein gültigen Zahlen habe geben wollen. Die Zollgesetzgebung müsse heute aufrechterhalten werden.

Minister Korell stellt fest, daß feine Ziffern eine objektive Auslese aus einer wissenschaftlichen Arbeit des Statistischen Amtes darstellten, die nicht übertrieben, aber auch nicht unterschätzt werden dürsten. Er wolle nur der Wahrheit näher kommen.

Abg. Schott (D.D.P.) lehnt das ®etreibe* Monopol ab. Selbst wenn die Zahlen deS Mi­nisters richtig feien, gäben sie ein objektiv falsches Bild, weil die anderen Schul­den der Landwirtschaft für Viehkäufe, Futter- unb Düngemittel, Geräte usw. bei der Steuer­erklärung nicht berücksichtigt würden. 80 Prozent ber Kleinbetriebe seien verschuldet.

Die rückständigen Etatkapitel 78 (Hochbau- Wesen). 83 (Dodenverbesserung) un­ter Erhöhung des Staatszuschusses für Feldbe­reinigung auf 50 000 Mk., Kapitel 8 (Forde­rung einzelner Zweige der Landwirtschaft unter Einsetzung von 10000 Mark zur Schädlingsbe­kämpfung auf dem Gebiete des Ackerbaues, be­sonders des Kartoffelkrebses) und Kapitel 85 (Landwirtschaftskammer) werden angenommen.

Zu Kapitel 88 (Arbeitsnachweis und Wohl­fahrtspflege) erklärt Minister Korell, daß tatsächlich beim Arbeitsam t Gießen An­träge auf Erwerbslosenunterstützung erst nach beet b is vier Wochen von den Bürger­meistereien weitergegeben wurden. Mi- nister Leuschner sagt strenge Untersuchung in allen Fallen zu, weil die Gemeinden zu schleu­niger Erledigung angewiesen seien. Abg. Dr. Riepoth (D.V.) erkennt an, bah eine Er­werbslosenfürsorge notwendig sei, aber ebenso eine Ab stellung der Mängel und Miß­bräuche beim gegenwärtigen Arbeitslofenver- sicherungsgesetz.

Vor fast leerem Lause

beflogt Dbg. A x t (DRP.) die Haltung ber ein­zelnen Parteien zum Rentnerversorgungsgesetz und bringt Klagen der Wohlfahrtsempfänger vor. Ministerialrat Linkenheld stellt unter an­derem fest, daß vom Staat, den Gemeinden und Gemeindeverbänden insgesamt 9 Millionen Mark für die gehobene Fürsorge aufgebracht wurden. Der Staat habe mit den übrigen Sondermaßnah- rnen alles finanziell Mögliche getan. Das Ka- fittcl wird angenommen. Für die gehobene Fur- orge wird außerdem ein Betrag von 130000 Mark bewilligt. Die Regierung wird in einet Entschließung ersucht, die Notstands- und laufen­den Staatsaufträge sofort in Angriff zu nehmen.

Bei Kapitel 99 (Kunstgewerbliche und gewerb­liche Zwecke) bringen die Abg. Donath (Dem.) und Lautenbacher (Zentr.) neue Klagen über Benachteiligung bei hessischen Handwerks bei der Vergebung von Auf­trägen durch den Staat und besonders durch die Schutzpolizei vor. deren strenge Nachprüfung von der Regierung zugesagt wird. Neben dem Kapitel wird auch ein Betrag von 10 000 Mark für die Handwerkskammerstelle zur Gewerbe­förderung und Betriebsberatung in Gießen bewilligt.

Es folgt Hann die Beratung deS Etats deS Justizministeriums, zu dem die 'Abg. Kaul (Soz.), Best (DRP.), von der Schmitt (Kom.) und Dr. Böhm (Dnl.) Wünsche Vorbringen. Minister Kirnberger erklärt, daß die hessische Regie­rung von der bisher geübten Praxis, gefällte Todesurteile nicht zurDollstreckung zu zu lassen, nicht abgehen werde. Die Ab­stimmungen zu den einzelnen Kapiteln und ebenso zu den dann vorgenommenen Kapiteln des Fi­nanzministeriums und der Etaatsschuldenverwal- tung werden auf morgen vertagt, da das Haus beschlußunfähig ist. Die erste Lesung deS Etatsgesetzes ist damit erledigt.

Aus alter Wett.

Der Mord im Hanfe Stolberg-Wernigerode.

Die Ermittlungen der Landeskriminalpolizei- stelle Liegnitz haben im Lause des Mittwoch wenigstens soviel ergeben, daß sich der Derdacht, Angehörige der gräflichen Familie könnten mittelbar oder unmittelbar an ber Tat des Grasen Christian an Stolberg-Wernigerode beteiligt fein, nicht mehr aufrechterhalten läßt. Als Täter kommt nach allen Anzeichen nur noch der Sohn allein In Frage. Neuerdings rechnet man auch mit der Möglichkeit, daß ent­gegen der ersten Annahme Fahrlässigkeit von selten des Grafen Ehristian Friedrich vor- üegt In diesem Falle hatte der Sohn einen Mord durch Einbrecher nur vorgetäuscht, um sich den Folgen zu entziehen. Die Aussagen des Verhafteten widersprechen sich nach wie vor. Seine Angaben über drn angeblichen Einbruch, den Weg der angeblichen Einbrecher usw. sind

so unwahrscheinlich, daß sie nicht auf einen vor her durchdachten Plan zu deuten scheinen. Jedenfalls ist die Konstruktion der an­geblichen Einbrecher sehr unüberlegt Auch ber Täter hätte wissen müssen, daß das Jagdgewehr, aus dem der tödliche Schuß erfolgte, von den Eindringlingen aus dem Schrank hätte genommen und geladen werden müffen. ohne daß es der auf dem Sofa sitzende Majoratsherr behindert hätte. Der Sohn bleibt einstweilen noch bei seinen ersten Aussagen, deren Widersvrüche er aber nicht auszu- flären dermaa. Gründe dafür, daß der Sohn seinen Vater vorsätzlich getötet haben könnte, sind gleichfalls vorhanden, zumal der Sohn nach dem Tode des Majoratsherrn in ber Lage ge­wesen wäre, das Gut zu Gelb zu machen. DaS etwa 8000 Morgen große Majorat soll stark ver­schuldet gewesen fein. Annähernd 60 000 Mt an Steuern seien rückständig. DaS Majorat durfte nach dem Gesetz erst nach dem Tode- deS alten Grasen aufgelöst werden. Die Bewirtschaftung des Besitztumes durch den Grafen gefiel jedoch dem künftigen Erben nicht. Er sei zu gut zu leichffinnig, nicht streng genug gewesen. Der junge Graf soll sich mit der Absicht getragen haben, nach dem Tode deS alten Herrn größere Teile des Gutes zu verkaufen, um Geld in die Hände zu bekommen.

Llu agrarpolitischer Bodragsabenb der Noigemeinschaft

Im Reichstagsgebäude sand eine Sit­zung statt in der aus dem Kreise der Notgemein­schaft der deuffchen Wiffenschaft Über For- - schungsarbeiten auf dem Gebiete der Landwirtschaft berichtet wurde. Anwesend waren viele prominente Abgeordnete und Ge­lehrte. Geheimrat Bros. Dr. Haber, Direktor des Kalser-Wilhelm-InstituteS, sprach über »Landwirtschaft und Ehemie". Weiter sprachen Prof. Dr. C a ß n e r, Braunschweig, über .Pflan­zenkrankheiten", Prof. Dr. Zwick von der Llni- versität Gießen überFragen der Tiermedi­zin". Prof. Dr. Kronacher von der Sierärat* lichen Hochschule in Hannover über .Tierzucht" und Prof. Dr. Baur, der Direktor deS In­stitutes für DererbungSforschung, über .Züchtung und Kreuzung". Im Anschluß an die Vorträge fand eine rege Diskussion statt

Wiederwahl Wallauer»

zum präflbenlen der BÜhneugeuofsenfchafl.

Die Dühnengenossenschaft, die Berufsorganisation der Schauspieler, hat den bisherigen Präsidenten Wallauer mit 172 von 226 abgegebenen Stimmen, also mit mehr als absoluter Majorität, erneut zum Präsidenten der Genossenschaft gewählt. Erich Otto, bisheriger zweiter Präsident, wurde mit 156 von 226 abgegebenen Stimmen zum stellvertreten­den Präsidenten gewählt. Bei den Wahlen zum Verwaltungsrat wurden die bisherigen Mitglieder Eduard von Winterstein» Grete Ilm, Emil Lind, Friedrich Ulmer, John Gläser und Hermann Va­lentin wiedergewähli und Karl Soetber anstelle des zurückgetretenen Leo Peukert gemäht.

Bruno Waller verläßt Berlin.

Generalmusikdirektor Bruno Walter hat in einer Unterredung mit dem Generalintendanten Tietjen endgültig erklärt, daß er seinen am 17. April d. I. ablaufenden Vertrag mit der Städ­tischen Oper nicht mehr erneuere und Berlin verlassen wolle, um einen Antrag nach Leipzig anzunehmen, wo er die Leitung ber Gewand­haus-Konzerte übernehmen wird.

Oie Wetterlage.

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Mittv/odi, 20. Marz 1929,7 3DdS.

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Wettervoraussage.

Die Tiefdruckstörung über Island hat sich weiter vertieft, aber nur wenig an Ausdehnung gewonnen. An ihrer Vorderseite haben warme Luftmasien über den Britischen Inseln kräftige Erwärmung und ver­breitete Niederschläge gebracht. Die südwestlichen Lustmassen find bereits auch schon auf dem Fest­land vorgedrunaen und bringen unter Temperatur- anftieg an der Küste Frankreichs, namentlich in der Bretagne, Niederschlage. Auch bei uns werden die Winde nach Südwesten drehen und zunächst zu wolkigem und nebliaem Wetter führen. Die Tempe­raturen werden auch nachts jetzt über Null Grad zu liegen kommen.

Wettervoraussage für Freitag: Stel­lenweise neblig, tagsüber wolkges Wetter, mild und vorwiegend trocken.

Wettervoraussage für Samstag: Weiterhin wolkiges Wetter mit wenig veränderten Temperaturen, stellenweise Neigung zu Nieder­schlägen.

Lufttemperaturen am 20. März: mittags 13L Grad Celsius, abends 4,1 Grad: am 21. März: morgens 0,2 Grad. Maximum 14*5 Grad, Minimum 1 Grad. Erdtemperaturen in 10 an Tiefe am 20. März: abends 4,8 Grad: am 21. Marz: morgens 0,1 Grad Celsius. Sonnenscheindauer VA Stunden,