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blieben. Für die Zukunft läßt sich wenig Voraus­sagen. falls nicht noch größere Aufträge herein- ! mmen. mutz mit gelegentlicher Kurzarbeit ge- echnet werden. Die Steigerung des Ab-- ahes in

Radiatoren und Kesseln

mit der Zunahme der Einrichtung von Zen- alheizungen zu erklären. Der Auslandmarkt in ..ßeisernen Musfendruckröhren zeigt das un- - ränderte Bild stark gedrückter Preise. 3n der

Werkzeugmaschlneninduslrie

irttc sich der Liebergang zur Serienfabrikation jiö die Umstellung auf neue Maschinentypen orrlausend günstiger aus. Trotz der sich seit mehreren Monaten wieder bemerkbar machenden Rückläufigkeit auf dem Eisen- und Ma'chinen- markl ist der Eingang neuer Aufträge, besonders aus dem Auslonde, durchaus zufriedenstellend. Für die

Textilindustrie

hat bas Jahr 1925. das mit verhältnismäßig guten Aussichten begann, nicht den erwarteten günstigen Verlauf genommen. Gegen Ende deS Iahres gingen die Aufträge immer spärlicher ein, fo dah teilweise Detrieb^einschränkungen nötig wurden. Der erhebliche Prei stürz, der den ziem­lich hohen Preisen des Früjahrs folgte, trug dazu bei, datz eine volle Auswertung der Lagerbestande unmöglich wurde. Hierzu kommen, wie überall, die Schwierigkeiten der Geldbeschaffung, die hohen Unkosten für Kredite, die erheblichen Detriebs- unkosten und vor allem die hohen Arbeitslöhne. Auch die Rohmaterialbefchaffung ist nicht leicht, da durch die Flachsspinnereien in Deutschland der Bedarf nicht gedeckt werden kann und die Lage des hierfür in Frage kommenden russi­schen Marktes nicht zu übersehen ist. Da auslän­dische Garne und Gewebe trotz Zoll und Fracht billiger aus dem Auslande eingeführt, als im Znlande hergestellte Ware verkauft werden kön­nen. muh auch aus diesem Gesichtspunkte heraus die künftige Lage der Textilindustrie sehr vor- sichtig beurteilt werden. Für die Preis­bildung der

Berufs- und Acbeilskleidungsinduslrie

ist in erster Linie die amerikanische Baumwoll­ernte richtunggebend. Da einerseits die Baum­wollpreise im Verlaufe der Jahre sehr schwank­ten und in den letzten Monaten weit heruntergin- gen, da anderseits wohl die Preise für Roh­stoffe, nicht aber für die Fertigfabrikate sich diesen Schwankungen anpassen können, wurde trotz genügender Beschäftigung nicht der ent­sprechende Verdienst erzielt. Dazu kam eine Ab­satzminderung, welche durch Aussperrungen, Streiks und die Einführung von Kurzarbeit im letzten Jahre veranlaßt wurde. Die Aussich­ten für das kommende Jahr können nicht als günstig bezeichnet werden.

Die Zigarrenindusirle

ist eine reine Genußmittelindustrie und daher von der jeweiligen Entwicklung der allge­meinen Wirtschaftslage unbedingt abhängig. Geht letztere ganz allgemein zurück, so läßt natur­gemäß auch der Absatz in der Zigarrenindustrie dementsprechend nach. Seit dem März 1928 kann, diese Entwicklung innerhalb der Zigarren-

' industrie deutlich nachgewiesen werden. Seit Mitte des IahreS 1928 wurden teilweise Ar- beitseinschränkungen notwendig, und am Jah­resende hatte sich dieser Zustand so verschärft, daß fast alle Firmen der Zigarrenherstellung zu Einschränkungen und Stillegungen von Betrie­ben übergehen mußten. Im Gießener Bezirk wurden im Dezember 1928 rund 25 Proz. der hier vorhandenen Tabakarbeiter entweder er­werbslos, oder in Kurzarbeit beschäftigt. Der allgemeine Rückgang der Konjunktur im Jahre 1928 und die hierdurch hervorgerufene Absatz- .stockung wurde für die Zigarrenindustrie noch empfindlicher gestaltet durch eine ab 1. März

1928 wirksame Lohnerhöhung von im ganzen 13 Proz., die der Industrie zwangsweise auf- erlegt wurde. Lieber die wirt chaftliche Ent­wicklung in der Zigarrenherstellung im neuen Jahr läßt sich zur Zeit noch gar nichts sagen, da die Lage auf dem Absatzmarkt noch immer völlig unübersichtlich ist. Cs steht zu befürch­ten. dah die allgemeine Absatzkrise zum min­desten noch weitere Monate anbauern wird. Eine Besserung kann auch erst dann eintreten, wenn eine Wendung in der derzeitigen ungünstigen Gesamtlage der deutschen Wirtschaft ganz all­gemein eingetreten sein wird.

Eine reichliche Hopsen- und Gerstenernte, sowie die warme Witterung während des vergangenen Jahres brachte der

Brauinbuftrie

erhöhten Absatz, so daß mit einem zufrieden­stellenden Gewinn gearbeitet werden konnte. Die Aussichten für das kommende Jahr sind an_ und für sich nicht ungünstig: die Braue, len fühlen sich jedoch beunruhigt durch die Pläne der Reichs­regierung wegen der Erhöhung der Biersteuer, die, wenn sie verwirllicht werden, eine Preis­erhöhung und infolgedessen eine Absahminderung mit sich bringen muh.

Die im Jahre 1927 einigermaßen rege Bau­tätigkeit brachte der

oberhcsiischen Sögewerksindustrie

so großen Llbfatz, dah sich gegen Ende des Jahres ein empfindlicher Mangel an Rundholz bemerkbar machte, wodurch die Preise in der Einkaufssaison 1927/28 sehr in die Höhe getrieben wurden. Da aber im Jahr 1928 die Baut tigkeit mangels reichlicher staatlicher Zuschüsse weit hinter dem Vorjahre zurückblieb, wurde auch die Preisstel­lung wieder niedriger, und den Sägewerksbesihern sind aus den teuer eingekauften Vorräten große Verluste entstanden. Unter diesen Verhältnissen werden natürlich die Steuern und sozialen Lasten besonders schwer empfunden; cs ist daher be­greiflich. wenn die Sägewerksindustrie dem Jahr 1929 sehr skeptisch entgegensieht. Auch der

Möbelindustrie

war ein gutes Geschäftsjahr nicht beschieden, da der Absatz unter dem Geld- und Wohnungs- mangel, sowie unter der Konkurrenz der sog. gemeinnützigen Gesellschaften, wie Hausratgesel^ schäften u. dgl.. welche mit staatlichen Mitteln unterstützt werden, naturgemäß sehr leiden muhte. In der Industrie für Möbel aus massiv geboge­nem Holz ist der Absatz oJIerbingd nicht wesent­lich hinter dem von 1927 zurückgeblieben, Wohl aber sind die Preise trotz gesteigerter Löhne, höherer Holzpreise und größerer sozialer Lasten niedriger geworden. Die Zahlweise der Ab­nehmer hat sich außerdem ganz ungewöhnlich verschlechtert, so dah Verluste unausbleiblich sind.

Die Gummiinduslrie

hat ihr Exportgeschäft im vergangenen Jahre weiter ausbauen können, obwohl die Preisge- stallung gegenüber der ausländischen Konkurrenz durch die Erhöhung der Produktionskosten immer schwieriger wird. Für das kommende Jahr sind bereits Lieferungsverträge abgeschlossen; ob aber der Beschäftigungsgrad stabil 6.eiben wird, kann bei der unübersichtlichen Wirtschaftslage heute noch nicht gesagt werden. Mit voller Zu­friedenheit darf die

Stempel- und Farbeninduslrir

auf das vergangene Jahr zurücksehen, in dem es an Arbeit nie gefehlt hat. Auch für das Jahr 1929 liegen schon so zahlreiche Aufträge vor, daß es schwer fällt, sie rechtzeitig zu erledigen. Rur der Geldeingang dürfte endlich eine Besse­rung erfahren. Die

$feninbuftric

leidet unter der Konkurrenz der großen Wasch­mittelfabriken in Deutschland, welchen es dank ihrer großzügigen Rellame gelungen ist. die Haus­frauen immer mehr vom Gebrauch der Kern­

seife zum Waschen abzubringen. Trotz der Still­legung eines Dells der deutschen Seifenfabriken ist daher Ueoerproduktivn vorhanden, waS natür­lich in ungünstigster Weise die Preisbildung beeinflußt. In der Feinseifenindustrie ist die Lage etwas Vesser. Eine scharfe Konkurrenz ist sowohl der Feinseisen-. als auch der Kern- undSchmier- seifemndustrie durch die Se.fenfabriken der Kon­sumvereine erwachsen.

Unter dem allgemeinen Konjunkturrückgang in der zweiten Hälfte deS Vorjahres hatte auch die tz-arhutindustrie

zu leiden. Durch die Verteuerung der Roh­materialien wurde im Herbst eine Erhöhung der Verkaufspreise nötig, wodurch der Absatz natur­gemäß noch weiter erschwert wurde. Dagegen ist eS gelungen, das Exportgeschäft weiter auSzu- dehnen, lieber die Aussichten für das kommende Jahr läßt sich noch nichts sagen.

Es ist auch im abgelaufenen Jahve eine we­sentliche Erstarkung deS

Bankwesen» festzustellen. Allerdings haben die Kreditoren bet den Banken in den Provinzfilialen nicht in dem Maße zugenommen, wie bei den Zentralen. Diese Erscheinung ist darauf zurückzuführen, dah die öffentlichen Kassen und die Sparkassen in­folge ihrer Steuerfreiheit höhere Zinsen zu zahlen in der Lage sind und daß die letzteren Institute die Vorkriegsguthaben im Gegensatz zu den Ban­ken aufwerten konnten. Als erfreuliches Zeichen kann auch festaestellt werden, dah das anlage­suchende Pub.ikum sich in langsam zunehmendem Mähe den Goldpfandbriefen der heimischen Hypo­thekenbanken zuwendet. Da die aus dieser An­lage sich ergebenden Zinsen meist wieder zur Anlage kommen, ist in dieser Beziehung eine ge­sunde Entwickelung zum Sparsinn zu erblicken. Infolge dieser Erscheinung konnten die Hypo­thekenbanken zu größeren Emissionen von Pfand­briefserien schreiten. Die gegen die Jahreswende eingetretene Geldflüssigkeit stellt nicht etwa neue Kapitalbildung dar, sondern sie ist bedingt durch die rückgängige Konjunktur unserer Industrie, in der die Gelder keine nutzbringende Anlage finden können, also brach liegen. Im

Gelceidegrohhandel

zeigte das Wirtschaftsjahr im Anfang noch an­nehmbare Verhältnisse, welche sich jedoch von Monat zu Monat ungünstiger gestalteten. Es bestanden Absatzschwierigkeiten, wie sie in dm letzten Jahren kaum vorgelommen sind: die Preise waren sehr gedrückt. Unter den großen Absah- schwierlgleiten hatten auch)lenindustrie und Mehlhandel schwer zu leiden. Die Aussichten für 1929 sind wenig günstig. Der

Viehhandel

hatte im vergangenen Jahre darüber zu klagen, daß die Landwirtschaft im Kaufen sehr zurück­haltend war. so dah weder im Zucht- noch im Rutzviehgcschäft die Llmsätze der Vorjahre er­reicht wurden. Auch der Handel mit Schlacht­vieh war infolge der erheblichen Preisschwan­kungen mit fallender Tendenz wenig gewinn­bringend. Eine Besserung für das Jahr 1929 sieht vorläufig nicht zu erwarten. Im

Einzelhandel

ist das vergangene Jahr dem Vorjahre nicht gleichgekommen. Die große Knappheit an Bar­mitteln kam in fast allen Branchen zum Aus­druck: die Llmsätze gingen zurück, während die Geschäftsunkosten, Steuern, Löhne und Gehälter usw. immer höher wurden. Eine Besserung steht nicht in Aussicht. Die fortwährenden Schwan­kungen der Konjunktur bringen eine gewisse Lln- sicherheit in das ganze Geschäfts- und Wirt­schaftsleben, das sich vor allem für den Einzel­handel sehr schädigend auswirkt. Dazu kommt noch die große Konkurrenz des immer mehr um sich greifenden Hausierwesens, der Konsumvereine, des Beamtenwarenhandels und die mit Zugaben,

Lotterien und dgl. arbeitende Reklame, durch welche die vorhandenen Schwierigkeiten noch ver- gröhert werden.

Aus der provinzialhauptstadi.

Gießen, den 21. Februar 1929.

Oer Lustraum ist steuerfrei.

Die Rcichshauptstadt und eine Anzahl ande­rer deutscher Gemeinden hatten die Besteue­rung des Luftraumes vorgenommen, d. h. sie hatten eine Anerkennungsgebühr für die An­bringung von Leuchtschildern und Schaukästen, die in städtisches Strahenland hineinragten, er­hoben. Liese steuerliche Mahnahme führte zu Beschwerden des davon betroffenen Einzelhan­dels und sonstiger an der Reklame, interessier­ter Kreise. Die Kommunen stützten' sich habet auf den Paragraph 905 des DGB., der lautet; .Das Recht des Eigentümers eines Grundstückes erstreckt sich auf den Raum über der Oberfläche und auf den Erdkörper unter der Oberfläche. Der Eigentümer kann ledoch Einwirkungen nicht verbieten, die in solcher Höhe oder Tiefe vor­genommen werden, daß er an der Ausschließung kein Interesse hat." Auf Grund dieser Rechts­lage kamen dann die Kommunen zur Erhebung ihrer Anerkennungsgebühr.

Mit Rücksicht auf die Bedeutung dieser An­gelegenheit hatte der Verband Berliner Spezial­geschäfte mit Unterstützung anderer Verband» Feststellungsklage gegen den Ma­gistrat Berlin erhoben und darin be­stritten, daß die Erhebung einer sol­chen Anerkennungsgebühr berechtigt wäre. Diese Klage hatte mit wechselvollem Er­gebnis zwei Instanzen passiert. Nachdem daß Landgericht der Klage stattgegeben, das Kam­mergericht sie aber abgewiesen hatte, hat nun­mehr das Reichsgericht in seinem Urteil vom 16. Februar unter Aufhebung deS Beru- rufungsurleils der Klage der kaufmän­nischen Organisation grundsätzlich stattgegeben. Die Begründung deS Urteils, die noch aussteht, wird gewiß sehr interessant» Einzelheiten für die Beurteilung dieser für di« Gemeinden, wie auch für die SinzelhandelSvev- bände wichtigen Entscheidung bringen.

Zahrplankonferenz in Alsfeld.

Zu einer Besprechung der FahrplanwÜN« sche der Provinz Oberhessen und des von der Reichsbahndirektion Frankfurt a. M. ausgearbeiteten Fahrplanentwurfes für 19 29/30 hat die Reichsbahndirellion Frankfurt c. M. die Derkehrsorgamsationen und öffent­lichen Körperschaften auf Mittwoch, 27. Februar, vormittags 10,30 Uhr. in den Sitzungssaal deS Rathauses zu Alsfeld ernzeladen. U. a. wer­den an der Konferenz teilnehmen: die Vertreter des Ver'ehrsbundeS Oberheffen, des Hessischen Verkehrsverbandes Darmstadt, der Industrie- und Handelskammer Gießen, der beteiligten Kreis- und Stadtverwaltungen, sowie der interessierten Derlehrsvereine.

Talen für Freitag, 22 Februar.

Sonnenaufgang 7.01 Uhr, Sonnenuntergang 17.27 Uhr. Mondaufgang 15.32 Uhr, Monduntergang 657 Uhr.

1788: der Philosoph Artur Schopenhauer in Dan­zig geboren: 1810: der Komponist Friedrich Chopin in Zelazowa Wola geboren; 1903: der Komponist Hugo Wolf in Wien gestorben.

Gießener Wochcnnrarktpreise.

Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Butter 150 bis 170, Matte 30 bis 35, Käse (10 Stück) 60 dis 140, Wirsing 30 bis 35, Weiß­kraut 20 bis 25, Rotkraut 30 bis 35, gelbe Rüben 20 bis 25, rote Rüben 15 bis 20, Spinat 50 bis 60, Unter-Kohlrabi 10, Grünkohl 35 bis 40, Rosenkohl 65 bis 70, Feldsalat 200, Tomaten

Das große Grauen.

Vornan von H. A. von Byern. Urheber-Rechtsschutz d rch Verlag Oskar Meister.

Werdau.

13 Fortsetzung. Nachdruck verboten

Da waren wir nun glücklich wieder bei dem Thema, das in Terofal zum täglichen Brot ge­hörte... Frau Sophy bekam ganz rote Bäckchen:

Den Hahn hab n der Vinzenz und ich für Sie ausgemacht, bisher kam nur einer zur Strecke, den hab' ich vor vier Tagen geschossen, meinen ersten im Hochgebirg!"

3a, sogar mit Kugel, ich führ' dich morgen, Alterle, bergsteig'n brauchst diesmal net, is ganz in der Räh, koa Stund weit zu gehen."

Rach Tisch machten wir einen kleinen Bummel durch den Park, und mein Freund erzählte von der Reise.Aber froh war'n ma doch, als ma wieder in der Hoamat war n, gelt, Sopherl?"

3a, sie schmiegte sich an ihn,ich bin halt auch die Einsamkeit gewohnt, hier sieht man nur den Kaplan und ab und an mal den Riki Per- negg, der ist jetzt drüben, richtet das Schloß ein, will nach der Hochzeit ganz hinziehen."

Haben Sie nicht manchmal Heimweh gehabt nach Ungarn, gnädige Frau?" fragte ich.

Ich hatf ja den Vinzenz!"

Du! Guck mal weg!" Mein Freund drehte mich herum, und ich hörte ein Geräusch, das einem Kutz zum Verwechseln ähnlich Hang. Frau Sophy war dunkelrot geworden und zauste ihren Eheliebsten an den Haaren:

Schämst di denn net?"

Ah wo, Ioan Schein, gelt Alterle, du weiht ah was guat schmeckt, denkst d' noch an den Maschkererball an Bord vomBürgermeister"?"

Ich kniff den Vinzenz in den Arm:

Gar nichts weih ich mehr, gnädige Frau, er sucht bloß nach einem Blitzableiter . . .

. Ja, das sagen Sie! Der Vinzenz wird'S g'rad nit besser getrieben haben wart nur Burscherl, dir komm ich noch auf die Sprüng, aber bann g'freu di', du!"

Wir lachten, ein Helles, klingendes Terzett. Der Abend wurde urgemütlich. Eine riesige Waldmeisterbowle prangte auf dem Tisch, und schließlich holte mein Freund seine Zupsgeig'n.

Aber keine so so, na du weiht ichon was für Lieb ln!" warnte Frau Sopherl.

Wo werd' i denn, Schätzer! mei liab s!" ver­sprach der Vinzenz und legte seelenvergnügt los:

Und ein Maderi von zwölf Jahren Ist mit über den Strudel gefahren, Weil sie noch net liab'n kunt, Fuhr sie sicher über Strudels Gründ.

Karn auf einem schwarzen Rosse Von des Berges stolzem Schlosse Adlig' Fräulein Kunigund, Wollte fahren über Strudels Grund. Lieber Fährmann, sag' mir ehrlich: Ist s denn wirklich so gefährlich?" Wer den Jungfernkranz verloren, Ist dem Tode auserkoren!" Als wir in die Witt'n gekommen, Kam ein großer Rix geschwommen. Packt das Fräulein Kunigund', Zog es auf des Strudels Grund."

Jetzt hörst d' aber auf, ja!" Die junge Frau wurde energisch und nahm ihrem Herrn Ge­bieter einfach das Instrument weg:Marsch, ins Bett, sonst verschlaft's morgen früh!"

Sixt, Qllterle, so treibt sie 's mit mir und nacha gibt's aa no a Gardinenpredigt, na schlaf halt wohl, halber drei komm i weck'n."

Und eine halbe Stunde später lag ich wirk­lich im festen, traumlosen Schlaf. nein, die beiden Menschenkinder waren glücklich, da brauchte ich mich nicht zu sorgen, so glücklich, wie ich es für den Vinzenz erhofft hatte.

Ein bissel übernächtig und verschlafen war ich doch noch, als wir am anderen Morgen in aller Herrgottsfrühe in den Park traten. Am Firmament flimmerte das Sternenheer, da löste sich plötzlich von einem der glimmenden Himmels­lichter ein heller Schein.

Sieh, Vinzenz, eine Sternschnuppe!"

Hast b' dir denn was gewunschen?"

Daraus hab' ich in der Elle vergessen, na, vielleicht ist es ein gutes Vorzeichen, und wir brauchen nicht als Schneider heimkommen."--

Der Faulbaum duftete und die jungen Duchen- triebe; süh und schwer trug der Wind den Hauch herüber. Er roch nach Juchten. Von einem Ein- ödhos Hang ein verlorener Hunbeblaff, Dunkel und Dämmerung woben ihre Schleier. Und jedes­mal, wenn der gelbe Lichtkegel der Heinen La­terne, die mein Freund trug, über den Wegrand hinaushuschle, tauchten in verzerrten, grotesken Formen die flechtenbehangenen Stämme, moos- überwucherte Felsblöcke auf. Zu unserer Rechten rauschte, unsichtbar, dieWlldach", sonst kein Laut, tiefes Schweigen. Auf dem taufeuchten, mit einer dichten Grasnarbe bedeckten Waldweg glitt der Fuß hin und wieder auS. überfjängenbe Zweige streiften mein Gesicht.

Eilt net so, wir können uns Zeit lassen," meinte der Vinzenz und blieb stehen, um feine kurze Stummelpfeife neu zu stopfen, dann sah er auf das Zifferblatt der Uhr: »In a Stund' Ham ma Taglicht'n."

Allmählich gewöhnte llch bas Auge an die Dunkelheit. Zu beiden Seiten fliegen bewaldete Hügel an, schütteres Duchenallholz mit einge­

sprengten Tannen. Vor uns ein Knacken, Dre­chen . . .

Haft d' es gehört? Rotwild! Im Lanks steht's immer da herunt', de Bauern scheuchen, aber es nutzt net viel, wird wieder a nette Wildschaben­rechnung gebn!"

Dann wurden die ersten Stimmen des begin* nenden Morgens laut. Irgendwo im Gezweig regte sich ein Vogel, in den Kronen raunte leise der Frühwind. Mein Freund verlöschte die La­terne und verstaute sie im Rucksack.

So, Alterle, jetzt müass'n ma links aufi, bleib nur immer dicht hinter meiner, san no tausend Schritt."

Vorsichtig nahm ich die Büchse herunter. Es hieß aufpassen, denn überall ringelten sich Wur­zeln, wucherte Farnkraut und Brombeergerank. In Gedanken zählte ich siebenhundert siebenhundertundeins, siebenhundertundzwei--,

ein leichter Druck auf meinem Arm.

Da woll'n ma fürs erst' bleib'n!"

Stichdunkel war es drinnen im Bestand, aber droben über dem Kamm zuckte schon ein fahler Schein, ging über in hellrosa getönte Tinten, durch die sich zartgrüne Streifen zogen. Meinen Wettermantel hatte ich über einen Findlings­block gebreitet, lehnte mit dem Rücken am Stamm einer alten, knorrigen Weißbuche.

Der Vinzenz fließ mich an, ich nickte nur, lauschte . . . Da!

Oerök rök rök . .

Wie elektrisiert fuhr ich zusammen kein Zweifel, da erwachte ein Hahn, stimmte feine rauh gewordene Kehle für ben Minnegefang ...!

Wieder!Oekrökrökrök . . und nun ein gan­zes G'fetz'l:

Klipp, llipp . . . klipeciperip . . . Kisch ktsch ktsch - ktsch lisch . . . llipp . . ."

Der letzte Rest von Müdigkeit war verflogen. Hand in Hand sprangen wir den in voller Balz stehenden Hahn an, kamen heran bis auf etwa hundert Meter da verschwieg der unsichtbare Sänger.

Gok gok. gof . . . Teufel nochmal, also das Hennenvoll war auch in der Rähe, nun hieß es doppelt vorsichtig sein! Zwei, drei Minuten, die sich zu Ewigkeiten dehnten . . .

Endlich!Oerokrök klipp, llipp, klipe- riperip. . "

Mit einem Schlage war es Büchsenllcht ge­worden, Heller, junger Tag. Zwei Augenpaare luchten, suchten . . . Zum Donnerweiter, war der Hahn nun verhext?!

3n ben lichten, noch unbelaubten Buchenkronen, die sich zart, wie feinstes giligran, von bem Morgenhimmel abhoben, hätte ich sogar eine Amsel sehen müssen! Olbet da da? Dreißig Schritte vor uns breitete eine niedrige Schirm­tanne ihre fächerförmigen 2leste, unb kaum in

Manneshöhe, stand der Hahn gar nicht so, wie man ihn in den Werkstätten der Präparatoren oder auf Abbildungen sieht . . lang, dünn, das Kehlgefieder gesträubt, ben kaum merklich entfalteten Stoß leicht gesenkt . . .Klipp lliperiperip . . ."

Zoll um Zoll hob ich die Büchse, lieh das Ziel aufsitzen, ging hinein ins Schwarze ...

Peng!"

Hart und rund peitschte ber Hall beß Äugel* schuf,'es burch das Schweigen, wurde zuruck- geworfen, rollend, grollend ... Und auf weichem WalkNnoor ein gedämpfter Fall ... Mem Freund

sprang vor:

3 gratulier! An ganz an schwarer ist'S, hat seine acht Pfund g'wißi"

Rubinrot rann der Schweiß aus bem halb­geöffneten Schnabel, goldige Reflexe huschten über das metallgrüne Gefieder hm, und ich konnte mich nicht sa.tsehen an den weißen Spiegeln bet Flügeldecken, dem gercimelten Stotz ...

Gesprochen haben wir beide nicht viel, nur ein fester, ehrlicher Händedruck, der mehr sagte, als alle Worte ...

lieber uns, im Gezweig, rief unbekümmert ein rotbrüftiger Buchfink, schmetterte fein helles, klin­gendes:Schick, schick, schick Regen her!" in den Morgen hinein, eine Schwarzamsel flötete, unb Linsendieb!"Linsenbiebl" höhnte die Kohl­

meise.

Der Vinzenz kramte in seinem Schnerfer herum, brachte eine d.cköauchige Flasche und zwei Gläser zum Vorschein:

Gelt, da schaugst. mei' Liaber! 3sAsti spu- mante, ben hat m'r d' Sopherl mitgegeben, no trink' ma hall dem Höh' tot ..." Und das taten wir, gründlich sogar!

Blaue Leberblümchen blühten zwischen dein alten Stockausfchlag, weiße Windröschen und goldgelbe Himmels,chlüsfei. Der braungefledle Stamm einer einzelnen Dirke leuchtete auf, halb verhüllt von zartgrünen Schleiern. Langsam schritten wir ben Fußpfad durch denLangen Grund" entlang. An ben Zweigen ber Kastan.en saßen dicke, braune, klebrige Knospen, aus denen gefieberte Blättchen hervorlugten, rostrot unb rüttelnd stand der Turmfalk über dem Wipfel­meer.Hiiih!" Dann schoß der Sturz- fliegcr senkrecht herab, ausleuchtend im Sonnrn- glast wie ein fallender Feuerfunke.

Und mitten aus meinen Gedanken heraus fragt« ich plötzlich:Wie ist das nun eigentlich. Dinzer^, hast du dir betnen närrischen Aberglauben ab­gewöhnt?"

Er schmunzelte.

Weiht, Alterle, aHtoeil hab' i gar koa 3ctt g'habt, an so was zu denken, unb b Sovher« meint halt auch, es is Unsinn ...

(Fortsetzung folgt)