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21.2.1929
 
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Vereine

Nr. 44 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)Donnerstag, 218ebruaN929

MnderheitenpMk und Völkerbund.

Von unserem Tr. v. H.-Korrespondenten.

Die große Bedeutung, die der Minder- ßeLenfra'e in der internationalen Politik und dank' der Jnitia.ioe Stre.emamrs spe­ziell auch der Völkerbundspoiitik auf dn: nächsten Ratstagung zukommt. Hot unseren Genfer Korrespondenten reranlaßt. in zwei Aussätzen einmal das Grundsätzliche des MinkerheitenproblemS zusammenzustellrn.

Genf, Februar 1929.

1.

Cs unterliegt keinem Zweifel, das; das Schicksal der zahlreichen deutschen Volksgruppen, die im ost- und südosteurvpäischen Raum durch das System der Pariser Vorstadtverträqe vom Deut­schen Reich gelrennt und neugeschaffenrn Staa en zu'eteilt worden sind, und ihr Zusammenhang mit dem gesamtdeutschen Volkstum heute eines der entscheidenstem unmittelbar die zukünftige europäische Entwickeluni berührenden Probleme bildet. Eine zwangsläusige Entwickelung hat im gegenwärtigen Augenblick dir Minderheckenfrage, die Frage der Erhaltung der nationalen Existenz verschiedener, deutscher Mindrrhei engrupprn, von neuem in den Vordergrund kommender größer Auseinandersetzungen im Völkeraundsrat gerückt. Die merkwürdig zusäl ige. un ewo'.lte Art, in der plötzlich auf der Tagung des Völkerbunds­rates in Lugano, aus einer von niemand vorher­gesehenen und von niemand gewollten Situation heraus., lediglich im'ronderabilen Impulsen des Augenblickes folgend, mit einem Schlage das gesamte Minderheitenproblem als die große Frage der europäischen Zukunft aufgeworfen wurde, erscheint heute schon nicht mehr als ein Spiel des Zufalls, sondern als eine geschichtliche Notwendigkeit, als der unmittelbare Ausdruck des Ringens um das großdeutschs, gesamtdeutsche Schicksal-

Das Minderheitenproblem ist ohne Zweifel nach der gegenwärtigen Lage der Dinge heule ein fast ausschließlich deutsches Problem. Die ungeheuerliche und willkürliche Grenz-ichung und Staatenbildung, die in Versailles aus bewußter Unkenntnis der echnoraphischen uyd wirtschaft­lichen Lage im Osten Europas geschasfen worden ist. hat Millionen von Deutschen zu .Minder­heiten" gestempelt, hat national geschlossene De- völlerungsgruppen den neugeschaffenen Staaten zu geführt, mit denen sie weder nationale, noch religiöse, noch kulturelle Bande verbinden Hier­durch find Probleme staatspoli ischer und naiio-- nalpolitsicher Ratur auf gerollt worden, die Immer dringender eine Lösung heischen. Es sind vor ollem deutsche Minderheiten, deren nationale Exi­stenz in verschiedenen ' Teilen Europas aufs schwerste bedroht ist. Die baltischen Randstaaten, Estland, Lettland, Litauen, Po'cn. sodann 3ugo- slawien. Rumänien, die Tschechoslowakei und Italien weisen heute mehr oder weniger ge­schlossene, deutsche Minderheitsgruppen auf, die seit Jahren im schwersten Kampf um ihre be­drohte Existenz stehen. Die absurde Willkür, mit der Europa in Versailles auf "cfeilt worden ist, hat überall den Keim gelegt für einen jetzt un­vermeidlich cewordenen Kampf des deutschen Vol­kes um seine großdeutsche Stellung im mittel- und osteuropäischen Raum Rur aus diesem wei­len Gesichtsfeld heraus kann die Bedeutung der in Angriff genommenen Ausrollung des Minder- heitenprvblems im Rahmen des Völkerbundes richtig erkannt werden.

Wie ist zunächst einmal die rechtspolitische La;e, in. der sich heute die Minderheiten auf Grund der vorhandenen Verträge und Abmachun­gen befinden? Die rechtliche Grundlage des Minderheitenschutzes beruht heute einerseits auf einer Reihe von Verträgen, die während der Der- salller Friedenskonferenz sowie in den unmittel­bar nachfolgenden Jahren geschaffen worden sind, anderseits auf der allgemeinen Zuständigkeit des Völkerbundes als des völkerrechtlichen Garanten der für die Minderheiten geschaffenen Schutz­

bestimmungen. Während der Versailler Konferenz wurde bekanntlich eine Kommission geb.ldet. d e den RamenKommission für die neuen Staaten" erhielt und die von der Konserenzlcitung beauf- tragt wurde, Vertragsentwürfe zum Schuh der Minderhetten in den osteuropäischen Staaten aus­zuarbeiten. Diese Kommission hat einen einheit­lichen Vertragstypus geschaffen, der sodann 1919 und 1920 zum Abschluß von Verträgen zwischen den alliierten und assoziierten Großmächten auf der einen Seite und aus der anderen Seite Polen, Tschechoslowtaei, 3u v lawien, Rumänien, Grie­chenland und Armenien führte. Diese sogenannten Minderheitenverträge enthalten die Formufierung bestimmter, allgemeiner Rechtsgrundsätze über den Schuh der Minderheiten.

Die Prinzipien und Motive der Minderheiten­verträge tourten in Versailles in einem Schrei­ben an Clemenceau als dem Präsidenten der Friedenskonferenz an den Führer der polnischen Delegation, Paderewsky, zusammenfas,end zum Ausdruck gebracht, wobei Cenenceau der pol­nischen Delegation den nach weitgehender Be­rücksichtigung polnischer Wünsche wesentlich abge­änderten Vertragsentwurf übermittelte. Das Schreiben C.'e nenceaus gewinnt im gegenwär­tigen Augenblick eine gewisse grundsätzliche Be­deutung und muß daher kurz w'.edergegeben werden. Er weist zunächst darauf hin, daß Ver­träge über die Minderheiten nicht neu seien und erwähnt hierbei den Berliner Kongreß von 1878 und die damalige Erklärung des Fürsten Bismarck, die die forrrele Anerkennung der da­mals neugeschas enen Staaten mit der Forderung zur Befolgung gewisser Grundsätze in der Form eines inte.-nationalen Abkommens verband. Das damalige S iftem, das eine Garantie _ der Bestimmungen dieser Art durch die Großmächte enthielt, habe jedoch ein unmittelbares Recht der Großmächte auf Einmischung in die Verfassung der betreffenden Staaten geschaffen, das le"eßt zu rein politischen Zwecken verwandt werden konnte. Das neue S)ste.n übertrage dagegen, wie Cle­menceau betont, die Garantie dem Völkerbund. Die Großmächte wären übereingecommen, in die­ser Form eine Verpflichtung des neugebildeten polnischen Staates betreffs der Grundrechte für die neuen Bewohner Polens zu verlangen welche Aenderungen auch innerhalb des polni­schen Staates eintreten mögen. Polen stehe somit nicht unter der Vormundschaft le.- Signa'a ftaaten von Versailles: die neu erworbene Bevölkerung Polens würde sich leichter mit der neuen Gage abfinden, wenn sie wisse, daß ihr vom ersten Augenblick an Schuh und gerechte Garantien gegen jede Gefahr ungerechter Behand­lung oder Bedrückung gewährt worden sei. Allein die Kenntnis dieser Garantien würde eine materielle Aussöhnung erleich­tern und die Rotwendigkeit von Zwangs­maßnahmen verhüten. Es könne keinem Zweifel unterliegen, daß Polen sich bereit erklären würde, seine staatlichen Einrichtungen auf den Grund­sätzen. wie sie in den Verträgen zum Ausdruck kämen, aufzubauen. Hierzu ist zu bemerken, daß der Artikel 109 dec polnischen Siaatsversassung die Schaffung eines besonderen Staatsgesetzes vorsieht, das den nationa'en Minderheiten Po­lens die freie Enthaltung ihrer nationalen Eigen­rechte in autonon en Minderhntsverbänden öffentlich-rechtlichen Charakters im Rahmen der Selbstverwaltungs-Körperschaften sichern solle. Dis heute ist jedoch ein derartiges Gesetz in Polen nicht angenommen worden, und zwar mit der Begründung, eine Kulturautonomie für die Minderheiten Polens entspräche nicht dem pol­nischen Rechtsempfinden!

3n den Minderheitsverträgen werden nun die Rechte der zu einer Minderh it der Raffe, Reli­gion uni) Sprache zu zählenden Staatsangehöri­gen in allgemeinen Linien festgesetzt: die 'Ver­träge sehen Gleichheit vor dem Gesetz, Gleich­heit der bürgerlich-politischen Rechte, Zulassung

zu öffentlichen Aemtem vor, Gebrauch der Mut­tersprache in Kirche, Prefse, öffentlichen 1er- sammlungen. ferner gleiches Recht, mit den an­deren Staatsangehörigen auf eigene Kosten wohl­tätige, religiöse oder soziale Einrichtungen und Schulen zu unterhalten. Ausdrücklich ist hervorge­hoben, die Behandlung der Staatsangehörigen müsse rechtlich und tatsächlich die gleiche fein; endlich enthalten diese Minderh.itenverträge eine Art Katalog von Rechtsgrutrdsähen, nach denen der Unterschied von Rasse, Sprache und Religion niemanden schaden dürfe. Jnternalionalrechtliche Bedeutung gewinnt diese Bestimmung durch die in den Derträgen vorgesehene Verpflichtung, die e Vertragsbestimmungen müßten als Staatsgrund­satz anerkannt werden: zum Schluß wird in den Minderheits-Typenverträgen die Stellung des Völkerbundes als Garant und Patron Lei Min­derheitenschutzes festgelegt, und zwar wird die völkerrechtliche Ratur der Dertragsartikel erklärt, die unter dem Schutz des Völkerbundes als solchem stehen. Hierbei werden jedoch zuglech die Kompetenzen des Völkerbundes festpelegt, die leider praktisch-politisch außerordentlich eng

sind und eine extensive 3nterpretcttion zum min­desten erheblich erschweren. Die Zuständigkeit des Völkerbundes wird in den Verträgen eigen­artigerweise auf mehr prozessuale Rechts,ätze begrenzt, l.edes Mttglied des DölkerbundsrateS soll das Recht haben, den Rat auf jede Ver­letzung der Bestimmungen der Minderh.ckenver- träge oder auf die Gefahr einer solchen Ver­letzung aufmerksam zu machen. Was der Rat . in solchen Fällen zu tun hat, b e'.bt zunächst offen. Meinungsverschiedenheiten innerhaB des Dölker- bundsrates über rechtliche oder tatsächliche Fragen werden als ein Streitfall internationalen Charak­ters erklärt, und es wird Anrufung des Dölker- bundsgerichtshoses im Haag, telfcn Entscheidung inappellabel fein soll, vorgesehen. 3n den nach der Versailler Konferenz folge oben 3ähren haben sodann eine Reihe von Staaten, wie Lettland. Estland, Litauen, vor den Völlerbundsversamm- lungen im Ramen ihrer Regierungen offizielle Erklärungen abgegeben, die im wesentlichen auf eine Annahme der in den Minderhntsverträgen geschaffenen Schuhgarantien Hinauslaufmr.

Die obechesWeMlschasi imWrel928

Heber die Lage und Ent Wicklung von Industrie und Handel im Bezirke der Industrie- und Handelskammer Gießen während des Jahres 1928 erfahren wir auf Grund der Unterlagen der Handelskammer Gießen u. a. folgendes: Im oberhessischen Eisenerzbergbau

ftanb der Beginn des Jahres 1928 im Zeichen des am 33. September 1927 beendigten Ab­baues der staatlichen älnterftühung, die sich ur­sprünglich auf 2 Mk. je Tonne Versanderz stellte, später aber von Monat zu Monat herabgesetzt wurde. Die Entziehung dieses Zuschusses ver­ursachte dem Bergbau schwere Sorgen. War es infolge dieser Staatsprämie durch entsprechende Preissenkung möglich gewesen, einen größeren Absah zu erzielen und ohne Verlust zu arbeiten, so fehlte für 1928 nicht allein diese Vorbedingung, sondern es traten weitere Belastungen durch Lohnsteigerungen, höhere Steuern und soziale Abgaben ein, die den Bergbau unrentabel ge­stalteten. Die Ende 1928 eingetretene Fracht­erhöhung verursachte schließlich noch die Bevor­zugung billigerer Auslanderze, so daß größere Abschlüsse für 1929 noch nicht zustande gekommen sind und voraussichtlich Anlaß zu Betriebsrm- schränkungen und Arbciterentlassungen gegeben sein wird. Die Geschäftslage in der

vasaliindustrie

war im Jahre 1928 nicht befriedigend: den Stra­ßenbaubehörden standen nicht genügend Mittel zur Verfügung zur Ausführung von Kleinpfla­sterstraßen in größerem Umfange. Viele Basalt­betriebe waren infolgedessen gezwungen, auf La­ger zu arbeiten, was mit Verteuerung der Pro­duktion gleichbedeutend war. Die Lage im Schot­tergeschäft ist im Iabre 1928 mit Wirlsamwerden von Großschotteranlagen durch ein erhebliches Überangebot und stetig rückläufige Preise ge­kennzeichnet. Die Geschäftsaussichten für die nächste Zeit sind ungünstig.

Dk BautäfiJcU

im Jahre 1928 kann im allgemeinen als mittel­mäßig bezeichnet werden. Staatliche Bauten wur­den nur in geringem Umfange errichtet. Städti­sche Bauten kamen erst im Rovember zur Ver- §ebung. Die private Bautätigkeit war infolge er Finanzierungsschwierigkeit sehr schwach. Le­diglich einige Baugenossenschaften konnten eine etwas lebhaftere, aber immerhin hinter dem Jahre 1927 zurückbleibende Bautätigkeit entfal­ten. Auch hier machte sich die für das Tau- Sewerbe unangenehme Erscheinung bemerlbar, daß ie Bauten erst im Spätherbst begonnen wurden, da die Mittel aus der Harcszinösteuer erst dann flüssig wurden. Der Konkurrenzkampf im Bau­gewerbe hat sich derart verschärft, daß in vielen

Fällen Lauabschlüsse getätigt wurden, öte mcht einmal die Deckung der Gestehungskosten gewähr­leisteten. Die Entwicklung der Bautätigkeit im Jahre 1929 kann noch nicht übersehen werden, da diese ganz von der Flüssigmachung der Haus­zinssteuer abhängt. Bei der Geldknappheit in Reich und Kommunen ist jedoch damit zu rechnen, daß die Bautätigkeit in diesem Jahre noch Weit hinter der letztjährigen zurückbleiben wird.

Die Dampfziegeleieu

sind teilweise vom Geschäftsgang des vergange­nen Jahres einigermaßen befriedigt, teilweise fin­den sich Klagen über mangelnden Absatz und nicht unerhebliche Lagerbestände. Diese Klagen rühren in der Hauptsache von denjenigen Ziege­leien her, welche in erster Linie Lanükundschast beliefern. Der Landwirtschaft ist aber in ihrer jetzigen Rotlage das Bauen nur in ganz be­schränktem Maße möglich. In den Städten war die Bautätigkeit reger, so daß die Dampfziege­leien mit überwiegender Stadtkundschaft mit mehr Befriedigung auf das vergangene Jahr zurück- blicken können. Im Großhandel mit Baumateria­lien ist die Lage naturgemäß ähnlich: sie wird erschwert durch immer wieder auftauchende Rep- grünbungen, die zwar meistens sehr bald wieder verschwinden, aber doch den Markt durch starke Preisunterbietungen in Verwirrung bringen. Für das Jahr 1929 ist eine Besserung kaum zu er­warten. Wenn auch im

Zemenlgeschäfi

der Gesamtbedarf nur wenig geringer ist als im Vorjahre, so teilen sich in ijn doch mehr Werke, so daß in diesem Jahre zum ersten Male das Auftreten des neuen Wettbewerbs in der vor- ausgesagten schärferen Form sich ausprägt. Es zeigt sich, daß die Aufnahmefähigkeit des Mark­tes hinter der Leistungsfähigkeit der deutschen Zementfabriken um ein erhebliches Teil weiter zurückgeblieben ist. 3n der

Atttngsindustrie

war das Jahr 1928 trotz der regen Bautätigkeit mit Rücksicht auf das viele Schweißen der Rohre nur als normal anzusehen. Im Ausland können sich die in den letzten 10 bis 12 Jahren in fast jedem wichtigeren Exportland entstandenen Kon- lurrenzwerke hinter hohen Zollmauern ungestört entwickeln. Für 1929 läßt sich kaum etwas Vor­aussagen, da der Befchä t:gungs-rad vollständig von der Bautätigkeit abhängig ist. Die Be­schäftigung in der

Fabrikation gefundheilstechnifcher Anlagen und Armaturen

ist einigermaßen gut gewesen. Der Verdienst je­doch ist infolge der durch die große Konkurrenz erzwungenen niedrigen Preise sehr gering ge-

Ans den Berliner Theatern.

ShakespearesLustige Weiber von Wiudsor"

Berlin, im Februar.

Der Spielleiter Heinz Hilpert hat mit feiner Einstudierung derßuftigen Weiber von Windsor" (nach ..TroiluL und Cressida" an der gleichen Stelle) eine starke und eigenartige Leistung vollbracht, deren Wesen auch über Berlin hinaus bekannt zu werden verdient. Er spielt die .Bearbeitung des Deutschen Theaters", man weiß nicht, von wem sie stammt, aber sie ist gut und geschickt, sie bleibt nichts Wesentliches schuldig, zieht kleine Szenen praltlsch und unauffällig auf einem Schauvlatz zusammen und fügt sogar bis­weilen aus eigener Macht etliches hinzu. Kein großer Frevel bet einem Werk, bei dem Shake­speares Anteil gar nicht abzuschätzen ist. Die Ge­stalt des Falstaff stammt aus seinem Geiste. Wer aber benutzte diese Gestalt, um die Fabel der Windsc>r°Weiber darum zu fbinnen? Ganz un­geklärte Fragen. Don wem stammt der Grund- einfall dieser Aufführung? Es ist dieser: das Städtchen wird aus dem historischen elilabctßani» scheu Milieu in eine gemächliche Kleinstadt von Kotzebues und Biedermeiers Gnaden entrückt, die Menschen erscheinen, bis auf den dicken Sir John Falstaff, in lustigen bunten Gehröcken, und der Bühnenbildner Rochus G liefe konnte hier seiner ganzen Phanta ie sehr hübsche und lustige Einfälle verdanken. Cs ist ein ganzes Kleinstadt­volk. das sich da tummelt, in dieser friedlichen Umgebung gedeihen die merkwürdigen Or glnale, die Shakespeare hier haben will, ganz zwang­los, und find sie ein wenig ins Moderne abge­bogen auch in der S irache. der Art der Im­provisationen - so bringt das diesen Spieß- bürgerftclö noch näher. Cs ist deshalb keine Sünde wider den heiligen Geist der Kunst ge­schehen. und kein Mensch braucht sich dieser Reue- rung wegen zu entrüsten. Man hat einfach einen neuen Stil für das Shakespearesche Lustspiel ge» sucht und ihn glücklich gefunden, denn diese Art ließe sich auch aus andere Komödien zwanglos übertragen, so sehr ist sie aus Shakespeares Geist heraus gedacht, aus dem Sinn deS lebendigen Theaters empfunden.

Werner Krauß als Falstaff. Eine sehr hohe Stirn, über der stch nur noch hinten das Grauhaar wölbt. Monokel tm toeinroten Gesicht,

gesträubtes Echnurrbärtchen, ein Plastron aus dem Westcnausschnitt. und einen Smoking: der Einzige unter allen den Bunten, der sich feier­lich und zeremoniell in Schwarz trägt. Cr sagt auch in dieser Fassung noch die bekannten Worte über den Prinzen Heinz (Heinrich IV.) und stellt sich so gleich in die Zeck: er war emmal jemand, jetzt ist er nur noch ein Grandseigneur mit vielen Schulden und bewegt sich seinem Ende zu. Melancholie beschattet chn, und es ist einzig­artig, wie Krauß diese Mischung von Bonhommie. Wehmut des QilfetS. Begierde und letz.er Hoff­nung bringt Cr ist Don Quichote, aber er ist auch Sancho Pansa. Krauß, der größte unter den deut­schen Darstellern, hcck in den letzten 3a.jren den Grabbeschen Hannibal gespielt, den Götzschen Gneisenau, den Peer Ghnt, den Pastor Anger- mann. und in ieder die,er durch Zeiten und Wellen getrennten Bereiche wurzelte er mit einer genialen Sicherheit und Selbstverständlichkeit, b e ihn auch jetzt nicht verlassen hat: auch als Falstasf schwingt die Sphäre einer gewaltigen darstelle­rischen Kraft um ihn, die ihn vor allem zu den Zwischantönen. zu den ausdrücklichen Tönen aufs Allerhöchste befähigt.

Um ihn herum wallet eine Truppe von lauter prominenten und sehr glänzenden Hamen. An ihrer Spitze: Lucie Höflich sie spielte monatelang das Dienstmädchen in Bruckners ^Verbrechern" heute ass blonde und im Tief­sten doch ehrbare Frau Pa e. Die schwarzäugige Leopoldine Konstantin, auch bie,e ehr­bar. aber schon ein wenig leichter, als Frau Fluth. und ein.;erue>enb zwischen allen, die Kup- pelwirtin Frau Hur.ig: Ida Wüst, deren eige­nes Fach diese Art von Frauen ist. Dahinter wieder Prominente, von denen nicht alle genannt sein können, weshalb aus den kleineren Rollen einige hcrausgegrisfen seien, die m.t unmerkbarer Kunst und Eindringlichkell haften ble den werden: der Junker Schmächtig von Heinz R ü h m a n n. Erwin Faber als Dr. Cajus. Hans Reh- mann als Evans.

Wurde also diese Aufführung, abfoLat betrach­tet, ins Kotzebuesche vorgerückt, so erschien sie. von Falstaff, dem Grandscigrear aus dem ver­gangenen Jaör mndert aus gesehen, merkwürdig zeitnah und fand kraft dieses DorzuzS auch sehr schnell den Weg zum Publikum, das mit wachs e>t» ber Spannung folgte, in die offenen Szenen hin­ein applaudierte und sich auch zum Schluß ganz

premierentigcrhaft benahm, als es den Dar­stellern sehr lange und fast unerschöpfliche Ova­tionen beteiiele. O. B.

Ozean-BeLeranen.

Die alten Segelschiffe, die durch 50 ober 80 Jahre gute Dienste auf dem Meer geleistet haben, werden jetzt abgetakelt, denn die Zeit des Segel­schiffes ist ja vorüber. Es finden sich darunter sehr ehrwürdige Veteranen: so hat man z. D. in England erst jetzt ein feines 25°Tonnen°Schiff ,® Jntent" außer Dienst gestellt, öaS im Jahre 1790 erbaut wurde und also an die 133 Jahre den Stürmen und Wogen getrotzt hat. Das Schiss, das am Avon in der Rähe von Bristol liegt, ist noch immer seetüchtig und das älteste brauchbare Fahrzeug der englischen Marine. Einen nicht minder großartigen Rekord hat ein anderes Holzschisf der englischen Handels,lotte aufgestellt,Sie Biene", die vor 126 Jahren zum erstenmal seine Fahrt von Southampton nach der Insel Whigt antrat und erst 1927 auS dem Verkehr gezogen worden ist: der Segler hatte während seiner Laufbahn gegen 40 000 Fahrten ausgesührt. Ein anderer Veteran der britischen Küstenschis, ahrt ist nach dem Bericht einer eng­lischen Fachzeitschrift der 40-Tonncn-Zweimaster Jane", der 1800 zum erstenmal in See stach: er ist das älteste englische Schiff, dos noch immer seinen Dienst tut. und hat eine abenteuerreiche Laufbahn hinter sich, hat im Kriege den Bristol- Kanal befahren, der damals durch deutsche Minen und Unlerfcebooie sehr gefährdet war. Auch an­dere Segler, die zwar nicht zu den hundertjäh­rigen gehören, aber doch auf ein beträchtliches Alter zurückb.icken, durch,urchen noch die Wogen, so z. B. der 73jährige SchonerCoquette", der 63jährige SchonerMadbyman" und der Zwei­master ..Wove", der 60 Jahre alt ist. Die Segel­schiffe. die auf der Themse verkehren, sind eben­falls teilweise über 60 Jahre alt, aber bei ihnen find meistens Umbauten öorgenommen worden, da diese Segler nach 40 oder höchstens 50 Jah­ren Arbeit sonst nicht mehr brauchbar sind. Das älteste Segelschiff der Welt, das sich noch in Dienst befindet, ist die dänische Barke6on» fianee", die 1723 erbaut wurde: sie wird rcoch heute als llebungsschiff im Ha'en von Kopen­hagen benutzt. Ob die Dampfer und Motorschiffe unserer Tage sich solange eines tätigen Daseins erfreuen werden wie diese Segler, ist die Frage.

Bisher hat man noch nicht genügend lange Er­fahrung, aber es gibt auch Dampfer, die ein beträchtliches Alter erreicht haben. Das älteste holländische DampfschiffCaledonia", das 1874 in England gebaut wurde, ist jetzt zum Abbruch verkauft worden: es war 54 Jahre im Dienst. Auf eine bedeutend längere Arbeitszeit blickte der Heine DampferGlengarry" zurück, der vor 83 Jahren zum erstenmal die stürmischen Ge­wässer um die westlichen Inseln von Schottland befuhr: er war das älteste Dampfschiff, bis er 1927 außer Dienst gesetzt wurde. Diesen Ehren- vlah nimmt jetzt der 129-Tonnen--Dergnügungs- oampferPremier" ein, der 1346 von Stapel ging.

Auiographen-Börse.

Auch die Preise der Autogramme sind mannig­fachen Haussen und Baissen u-Veroorfen, und der beste Anzeiger für den autenbl'.cklichen Stand der Schwantungen find die Auk.io.ce.r, wie sie etwa bei Carl Ernst Henrici in Berlin statt finden. Die Feststellungen, die man dort machen konnte, zeigen, daß die Preise für wertvolle Handschriften in kurzer Zeit nicht unerheblich gestiegen sind. Ratürlich wurden wieder die höchsten Preise unter den Driesen deutscher Dichter für Goethe erzielt. Sein Luxemburger Bries an die beiden Herders vom Ottober 1792 mit einer ganzseitigen Feder­zeichnung wurde vom Goethenati^nalmuseum um 3800 Mark erworben. Ein Dries Goethes an Schopenhauer kam auf 1800 Mark, ein Vierzeiler auf 960 Mark. Auch die Korrespondenzen dec Frauen um Goethe wurden hoch geteerte!: ein Schreiben Lillis erzielte 450 Mark. Unter den ausländischen Dichtern steht noch immer Keats wegen der Sellenhrtt seiner Autogranune am höchsten im Kurs. Ein Brief von 17 Zeilen ging um 3500 Mark nach England. Thackeray wurde mit 250 Mark bewertet, ein Gedicht Casanovas mit 830 Mark. Für Philosophen gelten auch ziem lieh hohe Preise. Einzelne Briefe: Kant (300 Mp Leibnitz '500 und 240 Mark). Schopenhauer (47 Marl). Aosseau (130 Mark). Voltaire (460 M'. Kleinere Musiimanuskripte Beethovens te-rb mit 800 und 600 Mark bewertet. Schuberts Kone Position von GoethesGeisterseher" wurde, von Weimar mit 1600 Mark angekauft, seinJager sied" erzielte 450 Mark. Für Dichterbric e wur­den geboten: 3een Paul (290 Matt). Grabi>e (310 Mark), Herder (175 Matt), Hauff (340 Mark).