Ausgabe 
21.2.1929
 
Einzelbild herunterladen

Das Trausferproblem vor den Sachverständigen, pari». 20.$tbt. (WIB.) 3n der heutigen Sitzung der Reparotlonssochverfläodigenausschuste» erstattete der englische Delegierte Sir Josiah Stomp im Namen de» Fünferausschusie» Berid)t über die Arbeiten dieses Ausschusses. Gesprochen wurde dann in der Hauptsache über die deutsche Handels- und Zahlungsbilanz, aber nicht über die Dohlstandsrichtzahl, die bisher überhaupt nicht Gegenstand der Dicfuffion gewesen ist. Sehr ein- gehend wurde die Trausferfähigkeit Deutsch, lands behandelt. Der Eindruck der heutigen Sitzung ist. daß die sachlichen Schwierigkeiten sür die Auf. stellung eines Arbeitsprogramms nunmehr al» überwunden angesehen werden können, so dah in der Sitzung am Freitag ein voller Einvernehmen erzielt werden dürfte. Bei der ganzen gegenwär. tigcu Erörterung handelt er sich darum, den in der nächsten Zeit zu behandelnden Fragenkomplex a b - zugren ; en. damit die Diskussion nicht ins Ufer­lose geht. Oie Frage, ob man zur Einsetzung von Unterausschüssen übergehen wird, ist noch nicht ge- klärt.

Ueber die Beratungen berichtetMalin": Man sei von dem Gedanken ausgegangen, dah der Dawes- plan verschiedene Möglichkeiten bietet, um so mehr, als er in gewissen, und zwar nicht den unwesentlich­sten Punkten zu Beginn feines Funktionierens sich nur mit Voraussagen besagt, aber der Zukunft die Sorge überlassen habe, diese Voraussagen zu recht- fertigen oder zu dementieren. Deshalb sei e» nicht erstaunlich, wenn Sir Josiah Stomp im Namen de» Fünserausschusses auseinandergeseht habe, es sei von größtem Interesse, ehe man an die Dis­kussion bestimmter Summen heran- trete, das Transferp.oblem gründlich zu studieren. Insbesondere müsse man wissen, auf welche weise bisher die Transferierung durchge- führl habe und in welchem Ausmaß Deutschland aus die im Dawesplan enthaltenen Schutzklau­seln verzichten könne, die sich noch allgemeiner An. sicht nicht al» besonder» nützlich erwiesen hätten. Der Sachverstäadlgenausschuß habe auf Grund dieser Ausführungen den Unterausschuß mit der Prüfung des Iransferproblem» beauftragt, wor­über heute Bericht erstattet werden soll.

Erhält Trotzki die Einreiseerlaubnis?

Schwere Bedenken.

Berlin. 23. Febr. (Privatmeldung.) Wie in Politischen Kreisen verlautet, ist im Auswär­tigen Amt «ine Mitteilung des deutschen Äon» su'ats in Pera (Türkei) eingegangen, in drr be- stättgt wird, dah das bekannte Telegramm Trotzkis an den ReichStagspräsiden- t e n L ö b e e ch t sei. Es wird weiter mitgeleilt. dah Trotzki für sich und sein« Familie Visa für Deutschland beantragt hat. Es ist an?,unehmen, dah sich das Reichskabinett in den nächsten Lagen über diesen Antrag entscheiden wird.

Während nach einer Meldung deSB. T." die sozialdemokratischen Kabinetts- Mitglieder im allgemeinen die Bewilligung der Einreise für den verbannten Volkskommissar Trotzki befürworten, werden von anderer Seite sehr lebhafte Bedenken auhen- und innenpolitischer Art geltend gemacht, wobei auch mit dem Argument gearbeitet wird, daß angesichts der politischen Bedeutung deS Falles kein«sentrmen'alen" Gründe, wie sie etwa di« Sicherung des Achlrechtes darstelle, Geltung ha­ben könnten. Siark wird für die Entscheidung des Kabinetts ins Gewicht fallen, dah sich das Zentrum mit aller Entschiedenheit gegen die Einreisebewilligung ausgesprochen hat. Als Argumente für die Aichterteilung der Einreise Bewilligung werden angeführt: Einmal be­steh« die Gefahr, daß die deutsche Regierung in d i e i n n e r r u ss i s ch en Auseinander­setzungen hineingezogen werde: ferner sei Trotzki stets der Gefahr eines Attentats von Fanatikern ausgefetzt, und schließlich wirb da.auf verwiefen, daß Trotzki sich seinen Lebens­unterhalt verdienen müise, und daß schon dieser Zwang zur Arbeit chm eine absolut« Zu- rückyaltung unmöglich machen würde.

Die Beschäftigung von Erwerbslosen in den mittel­deutschen Vraunkohlengruben. Halle. IS. Febr. (TLl.) Der deutsche Draun- kvhlenindustrieverein teilt mit: Bor einigen Ta­gen ging eine Rotiz durch di« Presse, in der zum Ausdruck gebracht wurde, daß es auf große Schwierigkeiten stoße, im mitteldeutschen Braun­kohle nbezirk Arbeiter, insbesondere Erwerbslose, zum Verladen der Vorhände nenBri- kettstapelvorräte zu bekommen. Dem­gegenüber wird von linksgerichteten Organen be­stritten, daß derartige Erfahrungen mit Erwerbs­losen tatsächlich vorlägen. Zur Beleuchtung der tatsächlichen Derhältnisfe seien deshalb nachstehend einige Fälle ausgezeichnet:

Auf einer der größten Tagebaugruben des gesanUen Reviers, der Grube Elisabeth bei Mücheln, habe» sich di« Verhältnisse fol- gendeanaßen gestaltet: Dorn Arbeitsamt Halle, Reben stell« Querfurt, wurden am 9. Februar 30 Mann angefordert. Am 11. Fe­bruar wurden 23 Mann überwiesen, von die­sen verweigerten 5 die Arbeit, 8 nahmen die Arbeit nicht aus und nur 10 Mann nahmen die Arbeit am 13. Februar auf. Von diesen verließen 7 Mann nach einer Schicht die Arbeit und fehlen seitdem. Ein Mann meldete sich nach einer Schicht krank.

Am 11. Februar fordert« die genannte Grube 40 Mann an. Es wurden am 12. Februar 31 Mann überwiesen. Hiervon verweigerten 14 Mann die Arbeit. 9 nahmen die Arbeit nicht auf. 3 nahmen die Arbeit am 13. Februar auf. Zwei hiervon verließen die Arbeit nach einer Schicht, sie feiern seitdem krank. Zwei Arbeiter nahmen die Arbeit am 14. Februar auf. nach einer Schicht verließen sie sie wieder. Drei Mann nahmen die:beit am 15. Februar auf.

Am 13. Februar überwieg das Arbeitsamt 17 Mann. Hiervon nahmen vier die Arbeit nicht

Aus den Spuren

(Starte Äerdachtsgründe für die

Berlin. 19. Februar.

Die Aufklärung d«S großen BankeinbrucheS am Wittenbergplatz ist ein große- Stück vor­wärts gekommen. Während bisher für die Täterschaft der drei Brüder Sah nur allgemeine Umstände sprachen, ist eS der Polizei gelungen, einige direkte Tatindizien zu ermitteln. Die drei verhafteten Brüder Sah wurden unter sorgsamer Bedeckung unauffällig an den Tatort des Dankeinbruches am Wittenbergplah geführt. Die Kriminalpolizei stellte sie zunächst den einzelnen Bankbeamten gegenüber, um zu ermitteln, ob die Brüder Saß vielleicht in dem Tresor ein Schließfach besessen haben. Diese Ermittlungen sind noch nicht abgeschlossen. ES ergab sich aber bei der Gegenüber st ellung der Brüder Sah mitdenHausbewohnern und mit einzelnen Passanten, die in den frag­lichen Rächten verdächtige Gestalten vor dem Hause und in dem Haushof bemerkt haben wollten, eine sensationelle Ueberraschung, durch die die Kriminalpolizei in ihrem Glauben an die Täterschaft der Saß bestärkt wurde. Die drei Brüder Sah wurden nämlich von mehreren Hausbewohnern und von den genannten Straßenpafsanten ohne jeden Zweifel wieder erkannt. Diese Zeugen sagten über­einstimmend auS, baß die drei Brüder Sah in den in Frage kommenden Rächten vor dem Haus und auf dem Hose von ihnen beobachtet worden sind. Diese Zeugen sind um so wichtiger, als den Zeugen die Brüder Sah nicht als die vermutlichen Täter vorgesührt wurden, sondern sie wurden von ihnen aus der Reihe von

her Bankräuber.

Täterschaft der Gebrüder Saß.

nichtuniformierten Beamte» ein­wandfrei erkannt.

Auf Grund de- bisher zusammengebrachten Beweismaterials werden die drei Bruder Saß bereits heute vormittag unter dem d.ringenden Verdacht des Bankraubes dem Verneh­mungsrichter. Dr. Pieter, im Polizeiprä­sidium vor geführt, der nach Prüfung der Sachlage den Haftbefehl der Polizei bestätigen soll. Die drei Verhafteten werden dadurch be­sonders belastet, daß sie in der Zeit, in der die Vorarbeiten für den Einbruch geleistet wurden, insbesondere in der fraglichen Rächt vom Sams­tag zum Sonntag, nicht zuHause waren. 2hr Alibi hat sich als falsch herausgestellt. Die rechtmäßigen Inhaber der drei bei den Brü­dern gefundenen goldenen Uhren konnten noch nicht festgestellt werden. Es handelt sich um neue Uhren, die noch keinerlei Reparaturen aufweisen und keine Monogramme tragen. Ge­lingt es der Kriminalpolizei, auch noch den Rach- weis zu erbringen, daß diese drei Uhren aus dem Tresorraum stammen, so würden die Gebrüder Saß der Beteiligung an 6em Einbruch überführt fein.

Die Berliner Kriminalpolizei hat die P r a g e r Behörden ersucht, Rachforschungen über den Zweck einer Reise des Max Sah nach Prag an­zustellen. die dieser kurz vor dem Dankeinbruch unternommen hatte. Als verdächtig wird auch der Desiy eines GolddollarS angesehen, den man bei Erich Sah sand und über dessen Herkunft er weit - auseinandergehende Angaben machte. Tatsächlich hat sich im Stahlfach einer Dame ein Golddollar befunden.

Giapellaus bei der Hapag.

Hamburg, 20. Febr. (WTB.) Heute nachintttag wurde auf der Werft von Blohm & Voß der jüngste Motorschiffneubau der Hamburg-Amerika-Linie seinem Element übergeben. In Gegenwart eines großen Gästekreises vollzog sich das festliche Schau­spiel bei strahlendem Sonnenschein. Der Bürger­meister von Milwaukee, H o o n , begleitet von seiner Gattin und mehreren Herren der Stadtverwaltung von Milwaukee, hielt auf der mit deutschen und amerikanischen Fahnen geschmückten Taufkanzel die F e st r e d e , in der er u. a. sagte:

Wenn sich die Entwicklung der rein menschlichen Beziehungen zwischen den Angehörigen der beiden großen Narionen wieder in friedlichen Bahnen ab- spielt, so daß ein großes Unternehmen wie die Ham- burg-Amerika-Linie sich entschlossen hat, ihren Schif­fen Namen von Städten des anderen Landes zu geben. st> ist das sicherlich ein glänzender Beweis für die Entwicklung der internationalen Beziehungen überhaupt und für den Fortschritt des guten Wil­lens und gegenseitigen Verstehens. Wir lieben unsere Stadt so wie Ihre Bürger Hamburg lieben. Nahezu die Hälfte unserer Bürger sind deutscher Abstammung. Die Ehre, die Sie uns erwiesen haoen, rührt uns tief. Alle Bürger Milwaukees sind hocherfreut, daß der Name unserer Stadt am Bug dieses Schiffes stehen wird. Haan schloß seine Nede mit einem Dank an die Hapag und Hamburg und sprach den Wunsch aus, daß dieMilwaukee" als Symbol des Völkerfrie­dens immer glücklich die Meere befahren möge. DieMilwaukee", ein Schwesterschiff derSt. Louis", ist für die Route H a m b u r g N e u y o r k be­stimmt und das größte Motorschiff der deutschen Handelsflotte in der Nordatlantikfahrt.

Zu Ehren der amerikanischen Gäste gab die Hapag heute abend ein Festessen, das über 150 Gäste mit

dem Vorstand und Aufsichtsrat der Gesellschaft ver­einigte. In der Begrüßungsansprache hieß Ge- heimrat C u n o die Gäste aus Milwaukee, die eigens zur laufe des neuen Schiffes nach Deutschland ge­kommen waren, besonders herzlich willkommen. Milwaukee sei eine Stadt, die überwiegend von Menschen deutscher Abstammung bewohnt werde, in denen als aufrichtige und loyale Bürger der Der- einigten Staaten stets auch das Gedenken an die alte Heimat, an die Heimat ihrer Väter und Mütter lebendig fei. Diesem Gedenken habe die Hamburg-Amerika-Linie nicht besser Rechnung tragen zu können geglaubt, als eines ihrer Schiffe nach der amerikanischen Stadt zu benennen, in deren Mauern so viele Deutsche es zu Wohlstand und An­sehen gebracht hätten.

Dürgermeister Hoan überbrachte die Grüße der Bevölkerung Milwaukees und gedachte der gro­ßen Verdienste, die das deutsche Clement sich um die Entwicklung dieser Stadt erworben habe. Diese ^Betätigung habe der Stadt ein so starkes Gepräge gegeben, dah sie sich wahrscheinlich a l 5 deutscheste aller amerikanischen Städte behaupten werde. Der Redner be­tonte dann die große Friedensliebe der Bevöl­kerung, die tief ergriffen sei von der Ehre, die ihr durch die Benennung eines Schiffe- der größten deutschen Schiffahrtsgesellschaft nach ihrer Stadt erwiesen werde. Er sprach die Hoffnung aus, daß dieser großmütige Entschluß dazu bei­tragen werde, die Bande der Freundschaft zwi­schen beiden Ländern fester zu knüpfen, damit beide, immer an führender Stelle unter den Völ­kern ständen, die Frieden auf Erden und Freund­schaft unter den Völkern wünschten.

auf, einer nahm am 13. Februar die Arbeit auf, 11 am 14. Februar. Vier verliehen die Arbeit nach einer Schicht, ein Mann nach zwei Schichten. Ein Mann nahm die Arbeit am 15. Fe­bruar auf, er verließ die Arbeit nach einer Schicht.

Am 13. Februar forderte die Grube 20 Mann an. Am 14. Februar wurden 27 Mann überwiesen. Es meldeten sich hiervon 19 Mann. 8 meldeten sich nicht. Zwei verweigerten die Aufnahme der Arbeit, 10 Mann nahmen die Arbeit nicht auf, 6 nahmen die Arbett am 15. Februar auf; davon verließen zwei Mann die Arbeit nach einer Schicht und feiern seitdem krank. Ein Mann nahm die Arbeit am 15. Februar auf, «r blieb nach einer Schicht weg.

Am 15. Februar überwies das Arbeitsamt vier Mann. Hiervon hat keiner die Arbeit ausgenommen.

Am 16. Februar überwies das Arbeitsamt fünf Mann. Hiervon haben nur zwei Mann die Arbett aufgenommen.

Insgesamt ergibt sich also für diese Grube folgen­des Bild: Angefordert wurden 90 Mann, vom Ar­beitsamt überwiesen 107 Mann. Es meldeten sich 99 Mann. Acht Mann haben sich nicht zur Arbeit gemeldet, 21 Mann verweigerten die Arbeit, 38 Mann haben die Arbeit nicht aufgenommen, 40 Mann haben die Arbeit aufgenommen. Hiervon haben 20 Mann die Arbeit bereits nach einer Schicht wieder aufgegeben, ein Mann nach zwei Schichten.

Der Betriebsratsvorfitzende Reck der Grube Elisabeth gibt hierzu die nachstchehends E r - r u n g ab:

Der unterzeichnete Betriebsratsvorsitzende der Grube Elisabeth bestätigt hierdurch, daß er sich selbst davon überzeugte, daß es den an- hattischen Kohlenwerken, Grube Elisabeth, bei Mncheln, tut Zeit nicht möglich ist, genügend Arbeitskräfte zum Verladen der in reichlicher Menge auf Stapel liegenden Briketts trotz der augenblick­lichen Notlage zu bekommen. Es find von der Werk­leitung etwa hundert Mann angefordert worden, die auch seitens des Arbeitsamtes Querfurt ange­wiesen worden sind, sich zur Zeit zu melden. Es haben aber nur ein Drittel davon s i ch überhaupt bereit erklärt, die Arbeit aufzunehmen und von diesem Drittel ist der größt« Teil bereits wieder nach Verfahren nur einer Schicht abgekehrt, hat gefeiert oder sich sofort krank gemeldet. Ein weiterer Teil dieses Drittels leistet im Stapelverladen von Briketts weit unter dem, was sonst als Normalleistung anerkannt wird. Es sind nur einige wenige Leute, di« die normale Leistung, wie sie von den übrigen Belegschaftsmit­gliedern der Grube Elisabeth bei Stapeloerladen er­reicht wird, ebenfalls erreichen. Die Akkordsätze, die seitens der Werkleitung für das Stapelverladen ge­zahlt werden, sind so bemessen, daß bei der nor­malen Leistung ein Schichtlohn von 7 bis 8 Mark

verdient werden kann, der damit etwa 2 Mark höher liegt, als der sonstige durchschnittliche Tarif­lohn. Der Unterzeichnete kommt nach seinen Beob­achtungen zu der Ansicht, daß der weitaus größte Teil der überwiesenen Arbeitslosen keine Lust Hai, die Arbeit, zu der er angefordert ist, auszu­führen. Der Unterzeichner selbst ist Zeuge gewesen, wie wiederholt die Arbeitslosen, sowohl bei der Meldung, als auch, soweit die Arbeit ausgenommen wurde, im Arbeitsverhältnis sich in einer unflätigen Weife gegen die Beamten des Werkes benahmen, und daß die Leute, nachdem sie einen Tag gear­beitet hatten, dann mehrere Tage gefeiert hatten, und an dem einen Arbeitstage nur zwei Tonnen ge­laden hatten, während die normale Leistung zehn dis zwölf Tonnen beträgt, Vorschuß haben wollten, der ihnen natürlich vom Werk aus nicht gegeben werden konnte und sich bei der Ablehnung ebenfalls in ungehöriger Weise benommen haben/

Don der Grube Eeeili«. Lützkendorf wurden vom 11. bis 14. Februar teils in Quer­furt, teils beim Amtsvorsteher in Reumark (Meldestelle) 82 Mann angefordert. Ss meldeten sich zur Arbeitsaufnahme 89 Mann. Davon haben 34 Mann die Arbeit ausgenommen. Dis zum 16. Februar gaben hiervon 22 wiederum die Arbeit auf. Die meisten lehnen die Arbeit mit derBegründung ab, sie seien gelernte Arbeiter und brauchten die Arbeit nicht zu verrichten. Ferner wurden am 15. Februar in Querfurt und in Reumark für die Verladung je 30 Mann, in Merseburg für die Grubenarbeiten 10 Mann angefordert. Es wurden von Reumark und Quer­furt 50 Mann überwiesen. Diese forderten am 11. Februar durch einen Sprecher von der Werk­leitung 1,15 Mark Stundenlohn, warme Winter­kleidung, Ohrenklappen. Handschuhe, Holz'chuhe usio. Zur Arbeitsaufnahme meldete sich keiner.

Don der Grube Wolters-Hoffnung wurden in Querfurt 30 Arbeitslose angefordert. Von den überwiesenen 30 Arbeitslosen verwei­gerten sechs die Arbeitsaufnahme, fünf meldeten sich nicht zur Arbeitsaufnahme. Die Grube Cred- ner forderte beim OrtZvorsteher Aseleben 28 Ar­beitslose an. Vier meldeten sich nicht zur Ar­beitsaufnahme, zwei meldeten sich krank. Die Schwelerei Wolters-Hoffnung forderte bei der Arbeitsvermittlung Ober-Röb.ingen 21 Mann an. 15 Mann wurden überwiesen, sechs verweigerten hiervon von vornherein die Arbeitsaufnahme.

Kleine politische Nachrichten.

Am 9. und 10. März hält die Deutsche Volks- Partei, Landesverband Hessen, in Mainz ihren diesjährigen Landesparteitag ab. Am Samstag- nachmiltag werden der bekannte volksparteilich« Kommunalpolitiker Dr. von Hansemann (Reutz)

und der ßanMag»abgeorbnete Dr. Riepoth (Schlitz) sprechen. Am Abend wird der Reichs- tagSabgeordnete Dingeldey das Wort ergreifen. Bet den Hauptverhandlungen am Sonntag spre­chen der Vorsitzende der AeichStagssraktion Dr. Scholz, die Reichstagsabgeordneten Graf Stoll- berg-Wernigerode. Frau Dr. Matz und Worath, ferner der Vorsitzende der hessischen Landtags­fraktion Dr. Keller und der preußische Land- tagSabgeordnete Bayer.

Die Spihenorganisation der deutschen Film- i n d u st r i e hat in Verbindung mit dem Reichs- verband großdeutscher Lichtspieltheater- Besitzer an den Reichsfinanzminister und an den Oberbürgermeister von Berlin Telegramme ge- richtet, in denen auf di« durch die lange Kälte­periode und Wirtschaftsdepressionen hervorgeru­fene Rot der Lichtspieltheater hin- gewiesen und um Entlastung vön drücken­der LustbarkeitSsteuer gebeten wird. 3m Sinne dieser Telegramme ist die Spitzenorgani- sation sofort beim ReichSrat und in den Parla­menten vorstellig geworden.

Aus aller Welt.

Auf Eisschollen auf dem Rhein abgetrieben.

Auf dem für den Verkehr freigegebenen Eis auf dem zugefronenen Rhein an der Ruhrort-Hvm- berger Drücke lösten sich abends plötzlich einige Schollen und trieben stromabwärts, al- etwa 150 Personen sich auf dem EiS befanden. Das EiS brach in verschiedene Schollen, auf denen sich biS zu zehn Personen befanden, die in höch­ster Lebensgefahr schwebten, da die Schol­len immer kleiner wurden. Es gelang Zu­schauern, viele der treibenden Personen fcreitä kurz hinter der Drücke an Land zu bringen. Die herbeigerufene Schutzpolizei beteiligte sich ebenfalls an dem Rettungswerk. Schließlich wurde die Feuerwehr alarmiert, die mit Lettern und Stöcken zu den Eisschollen vordrang und die letzten Gruppen am Erzlager Phoenix in Sicher­heit brachte. Di« AettungSarbeilen endeten erst während der Dunkelheit. DiS jetzt wird noch niemand vermißt. Anscheinend ist e» gelungen, sämtliche Personen an Land zu bringen.

Schwere Erfrierungen auf einer HUfsexpedillou.

Dom Zwölfer-Kogel bei Bad Außer wurden, wie die Blätter berichten, Notsignale gesehen, die man auf im Schneetreiben verirrte Berg, steiger und Holzfäller zurückführte. Dis Gendarmerie sandte eine Hilfstruppe aus, die jedoch keine Spuren von Verunglückten finden konnte. Infolge der furchtbaren Kälte, es wurden nachts Temperaturen bis 33 Grad Kälte gemessen, erlitten fünf Teilnehmer der Rettungsexpedition schwere Erfrierungen. Einem Gendarmen sind beide Füße erfroren. Drei andere haben Erfrierungen an der Nase, dem Kinn, den Füßen und Händen er­litten. Einem Hüttenwttt ist der rechte Fuß abge­froren.

verunglückte Alpinisten.

Don fünf Alpinisten, die von einer vor dntaen Tagen in Der Umgegend von «Sterling unter­nommenen Bergtour nicht Hurückgekehrt find, sind zwei aU Leichen aufgefunden worden.

Jifomaurke plant einen neuen Ozeanflug.

Der irisch« Oberst Fitzmaurice. der aus dem Militärdienst auSgeschieden ist. um sich ganz der Zivilluftfahrt zu widmen, beabsichtigt, einen neuen Flug über den Atlantischen Ozean in der Richtung von Osten nach Westen, zu dem er im Juni von Deutschland aus statten will. Er beabsichtigt dabei, die bei dem Flug deS amerikanischen Flugzeuges »Question Mark' gemachten Erfahrungen au verwerten und das Ozeanflugzeug in der Äähe von Irland und eventuell noch bei Reufundland von einem an­deren Flugzeug auS in der Luft mit Brenn­stoff versorgen zu lassen.

Unfall eine» Arbeiterzuges in Amerika.

Vier Wagen eines Zuges, der 800 Bergarbeiter zu einem 15 Meilen von Pretoria (Illinois) ent­fernten Bergwerk beförderte, entgleisten wäh­rend der Fahrt wahrscheinlich infolge eines Schienen- bruches und gerieten in Brand. Fünf Leichen mür­ben unter den Trümmern geborgen, ebenso zwölf Schwerverletzte. Ambulanzen und Aerzte in Privat- outos haben sich zur Hilfeleistung an die Unglücks­stelle begeben.

Der Brand in der Neuyorker Untergrundbahn.

Die Ermittlungen über die Ursache des Bran­des in der Llntergrundbahn haben ergeben, daß der Boden des Tunnels mit Schmier­öl bedeckt war, daS durch einen elektrischen Funken oder durch eine achtlos fortgeworfene Zigarette in Brand geraten ist. Der Brand dürfte Kurzschluß verursacht haben, der zur Folge hatte, daß der 3ug mitten in den Flammen stehen blieb. Don den Ver­letzten sind zwölf Personen rwch Im Kranken­haus, während 200 durch die Rauchentwicklung erkrankte oder verletzte Personen nach der ersten ärztlichen Behandlung ihr« Wohnungen auf- gesucht haben.

Späte Sühne.

Das Schöffengericht Köln verurteilte zwei Bur­schen. di« am 18. Oktober 1919 irn Walde brr Kerpen einen Kassenboten überfallen und ihm Lo.)ngelder im Betrage von 10 000 Mk. geraubt hatten, zu einer Gefängnisstrafe von drei bzw. zweieinhalb Jahren. Davon sollen zwei bis anderthalb Jahr« ausgesetzt werden, fall- sich die Verurteilten im Gefängnis einwandfrei füh­ren. Wegen derselben Straftat waren Im Jahre 1920 zwei Kerpener Einwohner, die sich durch unbedachte Redensarten verdächtig gemacht hatten, auf Grund eine- Indizien­beweise- vom Schwurgericht zu mehrjäh­rigen Zuchthausstrafen verurteilt worden. Erst später konnten auf Grund von Redereien die wahren Schuldigen ermittelt wer- den. Bei der Festsetzung des Strafmaßes in dem nun ergangenen Urteil hat sich das Gerich' von der Berücksichtigung der damaligen Zttt- Verhältnisse und von dem Umstand leiten lassen daß die Tat bald zehn Jahre zurückliegt.

Arleden-schluß im Hause Stcrnheim.

In dem Auseinandersehungsstreit, der zwischen dem in der Schweiz krank darniederliegend en Dichter Karl Sternheim und seiner srüher-n Gattin entstanden ist, konnte jetzt durch Verhand­lungen der Anwälte Sternheim- mit dem Ver­treter der Frau ein Vergleich erzielt werden. Sternheim erhält dadurch die Villa in Utwil sowie die wertvolle Bibliothek, doch sollen bdbe Objekte, wie verlautet, sofort verkauft toerben, um durch den Erlös sowie durch den ertrag seiner Werke die Existenz des Dichters sicher« zustellen.