Heuchelheim, Krofdorf, Lützellinden und Wetzlar. Da die erste Mannschaft des Tv. 1846 in Marburg an den Pokalspielen des T.- u. Sp.-B. Marburg von 1860 verpflichtet war, war der Ausgang der Bezirksspiele vollkommen offen. Wie der Verlauf der Spiele ergab, war die Spielstarke von seltener Ausgeglichenheit. Lieber- raschend kam die Niederlage des Tv. 1846 Gießen gegen Tv. Wetzlar mit wenigen Punkten, noch mehr überraschte es, daß es dem Tv. Lützellinden gelang, die Gießener zu schlagen, wenn auch nur knapp mit dem Ergebnis von 40:37. Daß die Krofdorfer Mannschaft an letzter Stelle landete, verdankte sie nur dem mangelnden Verständnis der Spieler untereinander, das Einzelspiel war nicht schlecht. Der Stand der Tabelle hatte nach Schluß der Spiele folgendes Aussehen: Tv. Wetzlar 8, Tv. Lützellinden 6, Tv. Gießen 1846 4, Tv. Heuchelheim 2, Tv. Krofdorf 0 Punkte.
Vezir^meister für 1929 ist somit Tv. Wetzlar.
Die Jugendmannschaft des Männerturnvereins Gießen, sowie die Turnerinnen desselben Vereins konnten kampflos in ihrer Gruppe Sieger werden. Als Spielrichter hatten sich neben dem Bezirksspielwart Turner''des Tv. 1846 Gießen, des Mtv. Gießen sowie der Vereine Wetzlar und Lützellinden verdient gemacht. Der Mtv.- Platz war durch die Spielabteilung des Vereins zu zwei hübschen Spielfeldern hergerichtet, wofür ihr Dank gebührt.
T.I.v.l846S!eger bei den Pokalspielen des Turn- und Sportvereins 1860 Marburg.
Ein schöner Erfolg war der 1. Faustballmannschaft am Sonntag in Marburg beschieden. Wie in jedem Jahr, so kämpften auch diesmal die spielstärksten Gauvereine um den Sieg, und zwar der Gaumeister Turngemeinde Friedberg, Tv. Frankenau, T. u. Sp. 1860 Marburg und Tv. von 1846 Gießen. Trotz ersatzgeschwächter Mannschaft gelang es den Gießenern, die Schlappe der Gaumeisterschaftsspiele wettzumachen und Turngemeinde Friedberg in zwei Spielen einwandfrei zu schlagen. Die Spiele gegen Frankenau und T. u. Sp. Marburg waren ebenfalls eine sichere Sache der 1846er, die gestützt auf den in guter Form befindlichen Mittelspieler und die sichere Hintermannschaft mit überlegener Ruhe gewannen. 1846 ist damit zum drittenmal in den Besitz des Pokales gelangt.
Die 2. Mannschaft verlor bei den am gleichen Tage ausgetragenen Bezirksspielen knapp gegen Wetzlar und Lützellinden und kam so auf den dritten Platz.
Spielvereinigung 1900 Gießen.
ö. Bon dem Debüt der 1900er in Gießen in der peuen Saison konnte man nicht recht erbaut sein, denn entgegen den beiden letzten auswärtigen Spielen muß man die Leistungen diesmal als schwach bezeichnen. Für die durch den plötzlichen Beginn der Verbandsspiele in Süddeutschland verhinderten Frankfurt-Rödelheimer griff man auf den spielfreien V. f. R. Butzbach zurück, der ein planloses, schlechtes Spiel lieferte, dabei aber die Körperlraft so stark mitspielen ließ, daß das Spiel zeitweise (besonders in der zweiten Spielhälfte) recht unschöne Formen annahm. Die Gießener begannen vielversprechend und lagen ständig im Angriff. Auf Flanke von rechts schoß Heilmann in der siebzehnten Minute 8um ersten Male ein. Einer der vielen Alleingänge des Halbrechten Seiler führte durch Schuß aus ganz spitzem Winkel zum zweiten Treffer, und einen Rachschuß auf einen Strafstoß lenrte Balser durch eleganten Kopfball placiert über den herauslaufenden Torwart zum dritten Erfolg für die Blauweißen ein. Auch nach dem Wechsel hatte der Plahverein die weit günstigeren Chancen, da er den viel besseren Spielausbau zeigte. Wenn es nicht mehr zu Erfolgen reichen sollte, so lag dies wohl in erster Linie an dem Ausfall der beiden Halbstürmer,
Dämonen der Zeit.
ZRoman von Arthur Brausewetter.
8. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
Sow2 das Essen beendet war, bestieg Herr Faßbender sein draußen wartendes Auto, um in das Sägewerk und auf die Holzfelder zu fahren. Klaus Körber aber saß mit dem Glockenschlag drei auf seinem ihm Angewiesenen Pultsessel in der Exportabteilung und blickte auf ein gegen das des Vormittags völlig verändertes Bild.
In freundlicher Behaglichkeit verkehrten die Herren und Damen der verschiedenen Abteilungen miteinander, tauschten ihre Erlebnisse aus, boten sich gegenseitig Süßigkeiten oder Zigaretten an, erzählten, wie preiswert sie diese erstanden, machten Verabredungen für bpn Abend und dachten an alles andere eher als an die Arbeit. Selbst der heute morgen vor Dienstbeflissenheit ersterbende Herr Pintscher ließ die großen, auf feinem Pulte ausgeschlagenen Bücher unberührt, erzählte zur Belustigung nicht nur der Duch- halterei, in der fein Pult stand, sondern sämtlicher vier Abteilungen, deren sonst streng aufrechterhaltene Schranken heute samt und sonders durchbrochen waren, von einem lustigen Stück, das er gestern im Theater gesehen, verließ dabei seinen Sessel, mimte, fang, tanzte Szenen daraus vor. Man merkte sofort, daß das ganze Geschäft von Herrn Faßbenders Fahrt zu den Sägewerken und Holzfeldern genau unterrichtet war und wußte, daß er vor einer bestimmten Stunde nicht zurück fein fcyjntc.
Rur einer beteiligte sich an der allgemeinen Fröhlichkeit nicht: Herr Rimmersatt, der Leiter der Cxportabteilung. Der hielt feine Würde dem neu eingestellten Korrespondenten gegenüber mit fühlbarer Geflissenheit aufrecht und gab dem ihm Anvertrauten, in Miene, Haltung, ja, in jedem Worte seinen hohen Chef, Herrn Faßbinder, kopierend, die nötige Unterweisung für seine Arbeit. Er war der bei weitem älteste, aber keineswegs fähigste der männlichen Angestellten und wurde an Jahren nur von Fräulein Heimsten, der Hauptkrsft der Buchhalterei, übertroffen, die vor einigen Monaten ihr 25jähriges Jubiläum im Hause Reichenbach & Co. gefeiert hatte. Während sie sich eines allgemeinen Ansehens im Geschäft erfreute, konnte man ein gleiches von Herrn Rimmersatt nicht behaupten. 2luf seinem verhutzelten Gesicht mit dem dünnen Kinnbart, ja, über feiner eckigen, hageren Erscheinung, die wie eine augenscheinliche Veranschaulichung seines Ramens anmutete, lag etwas Abwartendes, in steter Bereitschaft Seiendes, als wäre er überall auf einen Angriff, zu mindestens auf eine Zurücksetzung gefaßt, die ihm trotz _ seines leitenden Postens von dem jüngeren und übermütigen Per
besonders des bot bet Pause vorzüglichen Halbrechten Zeiler, da beide ernstlich verletzt wurden. Butzbach spielte mit weiten Schlägen ein durchbruchartiges Spiel und hatte auch bald die Schwäche in der Gießener Deckung (rechter Ersah- läufer) erkannt. Schiedsrichter Kreiling leitete zufriedenstellend. 1900s Sieg mit 3: 2 Toren war immerhin verdient.
Entgegengesetzt zu diesem Spiel war das an- schliestende Jugendspiel 1900 II. — Leihhgestem I. ein reiner Genuß. Glänzende Leistungen der körperlich schwächeren Gießener liehen diese zu einem verdienten 4:1-Sieg kommen. Beiderseits wurde mit eminentem Eifer gekämpft. Schiedsrichter Grote leitete vorzüglich.
1900s zweite Seniorenelf sollte nach Grünberg reisen. Es fuhr aber nur ein Spieler der etatmäßigen Zweiten, die bereits am Samstag gegen die Liga von Heuchelheim tätig gewesen war. Als Ersatz sprangen die Spieler der dritten und vierten Mannschaft, die spielfrei waren, in die Bresche, die Elf konnte natürlich gegen die zur Zeit recht guten Grünberger nicht aufkommen, sondern mußte eine 5:0-Riederlage einstecken.
Auch das Samstagspiel 1900s II. gegen Heuchelheim Liga enttäuschte. Der Platzverein siegte mit 4:1 (Halbzeit 1:0).
V. f. B.
Die Ligamannschaft verlor ihr Gesellschaftsspiel gegen „D. f. D.-Kurhessen" Marburg knapp mit 2:3. Leider mußte sie ersatzgeschwächt den Marburgern gegenübertreten. Wenn die Elf trotzdem nur mit einem Tor Unterschied verlor und dabei noch dem Platzverein ein meistenteils gleichwertiges, zeitweise sogar überlegenes Spiel vorführte, so darf man dies als einen erfreulichen Achtungserfolg bezeichnen, der um so höher zu bewerten ist, als er auf dortigem Platz erftritten wurde. Bemerkenswert war der Kampfgeist und der Siegeswille, den die V. f. D.-Mannschaft diesmal im Gegensatz zum Spiel gegen Klein- Steinheim aufbrachte. Auch in Technik und Zuspiel war ihre Leistung befriedigend. Zu dem Verlauf des von Anfang bis Ende interessanten Spiels fei folgendes berichtet: Während es V. f. D. anfangs schwer fiel, sich zu finden, kam Marburg gleich in Schwung und war die ersten zwanzig Minuten leicht überlegen, ohne jedoch zum Erfolg zu kommen. Langsam kam auch Gießen auf und vermochte dem Gegner bis zur Pause eine gleichwertige Partie zu liefern, konnte jedoch nicht verhindern, daß Marburg in dieser Zeit den Führungstreffer erzielte. Rach dem Wechsel forcierte Gießen stark das Tempo und wurde mehr und mehr überlegen. Aus einer ganzen Anzahl von planvoll vorgetragenen Angriffen wurden sehr gute Torchancen heraus-» gearbeitet, von denen jedoch nur zwei zum Ausgleichs- und Führungstreffer verwandelt wurden. Ein dritter Erfolg wurde, obwohl er regelrecht erzielt war, von dem Spielleiter, einem Schiedsrichteranwärter, unverständlicherweise nicht gewertet. V. f. D.-Kurhessen hatte mit seinen Gegenangriffen reichlich Glück und konnte den Ausgleich und zwei Minuten vor Schluß noch den Siegestreffer erzwingen.
Das Spiel der Ligareserven beider Vereine tarn nicht zustande.
Die dritte Mannschaft war bei der ersten Lichs zu Gast. Obwohl sie zahlenmäßig geschwächt antrat, vermochte sie die Platzelf hoch mit 8:0 zu schlagen.
Die zweite Jugendmannschaft hatte sich der ersten Jugend Lollars zu einem Gesellschaftsspiel auf dortigem Platz verpflichtet. Obgleich sie durch vier Spieler der ersten Jugend verstärkt war, mußte sie sich eine 1:3-Riederlage gefallen lassen.
Sportverein 1928 Garbenteich.
Am vergangenen Sonntag weilten die III. Jugend- und I. Schülermannschaft des V. f. D. Gießen in Garbenteich. Die erste Jugendmann-
fchaft beS Gastgebers konnte nach langem fairen Kampfe das Spiel gegen D. f. D. Gießen III. Jugend mit 1:0 Toren für sich entscheiden. Die Einheimischen, welche lange Zeit ohne Spiel waren, konnten kaum restlos gefallen. Man merkte, daß in ihren Reihen der Halblinke Stürmer fehlte. Dabei ist noch zu bemerken, daß der Torhüter des V. f. B. Gießen ein fast unüberwindbares Hindernis war.
Die erste Schülermannschaft des Sportvereins mußte gegen die körperlich stärkeren Schüler des V. f. D. Gießen eine 4:1-Riederlage hinnehmen. (Halbzeit 1:0 für Garbenteich.) Hier war Gießen die bessere Mannschaft und gewann verdient.
Gießener Tennisklub 1922.
In dem vom 15. bis 18. August in Bad- Rauheim stattgefundenen Internationalen Tennisturnier konnten die Gießener eine Reihe beachtlicher Erfolge gegen stärkste Konkurrenz erzielen. Dr. Kirchner, der erstmalig in der ersten Klasse startete, lieferte dem Frankfurter Champion Gosewich einen ausgezeichneten Kampf um jedes Spiel und erhielt den lebhaften Beifall des Publikums für seine tapfere Verteidigung. Im Doppel hatte man ihm dem Münchner Baer zugeteilt. Diese Gießen-Münchener Kombination fand sich ausgezeichnet zusammen und schlug zur allgemeinen Ueberraschung das Paar E r Wen- Mi k h a i l o f s in drei Sähen. Der Sieg über den Münchener Spitzenspieler und dem zweitbesten Frankfurter dürfte für den Gießener! Klub den schönsten Erfolg in Rauheim bedeuten. Auch im anschließenden Spiel gegen die Meisterkombination F r o i tz h e i m - Dr. Buß hielten sich Dr. Kirchner - Baer wacker und nahmen in jedem Satz den Cracks ein Spiel ab. Im Damen-Einzel spielte Frau D u m u r ebenfalls in der ersten Klasse und hielt sich gegen Frau Ewald (Sobemheim) ausgezeichnet. Erst nach hartem Kampf im zweiten Satz überließ sie 7:5 der bekannten Ranglistenspielerin den Sieg.
In der 8-Klasse verhalf Dr. Schopp er dem Gießener Club zu einem neuen Erfolg. Er schlug im Einzel nacheinander Dr. Bartsch (Frankfurt), Krenzler (Barmen) und Kleyer (Frankfurt). Um den Eintritt in die Schlußrunde verlor er knapp gegen den Cndsieger Bran - benberger, z.T. infolge eines Mißverständnisses. Sein Vordringen bis zur Vorschlußrunde brachte ihm einen dritten Preis. Scriba hatte das Pech, bereits in der ersten Runde auf den erst 16jährigen Leußer (Würzburg) zu treffen, der ein wunderbares Spiel vorsührte. Trotzdem der Gießener im zweiten Sah zu ganz großer Form auflief, konnte er den Sieg des Juniors nicht verhindern, von G r o I m a n schlug QH inet) (Antwerpen) wie er wollte, mußte sich dann jedoch dem Sicherheitsspiel des Duisburgers Rau, der vorher auch E n g i s ch nach Kampf ausgeschaltet hatte, ergeben. Bei den Damen kämpfte Fräulein Berg anfänglich erbittert gegen Frau 03 re n bet (Frankfurt), mußte schließlich jeboch klein beigeben. Frau ©üttmann blieb leicht Siegerin über Frl. Eiermann unb ergab sich dem größeren Können von Frau Jhenburg (Köln) erst nach Kampf.
Im Herren-Doppel verhinderte Pech in bet Auslosung einen Sieg ber starken Gießener Dr. Schopper - Scriba. Sie trafen bereits in ber ersten Runde auf den Sieger dieser Konkurrenz, Probst - Heierhoff (Aachen), unb mußten ihnen knapp bieses Match unb damit wahrscheinlich auch den ersten Preis im Herren- Doppel B überlassen, v. Grolman - Engi s ch verloren in drei Sähen gegen Hofmann- Weidmann (Dad-Rauheim).
Im Mixed unterlagen Frau D u m u r - von Grolman dem Darmstädter Paar Fräulein Fischer-Krämer. Die Riederlage geht auf Konto v. Grolman. Ausgezeichnet hielten sich
fona! auch oft genug zuteil wurde. Da er unbeweibt war unb in feiner Abteilung mit Ausnahme des englischen Korrespondenten nur Damen beschäftigt waren, so hatte er zwei Spitznamen, die sich nur in der mehr oder minder zarten Ramengebung unterschieden: Bei den Damen der Firma hieß er allgemein der „Pascha", bei den Herren ber „Eunuch".
Seinem neuen Mitarbeiter, der in Aussehen unb Haltung wie in seiner ganzen Art sich zu geben, einen ihm weit überlegenen Eindruck machte, von dem er außerbem wußte, bah er der Freunb und der Regimentskamerad des eigentlichen Inhabers der Firma war, trat er vom ersten Augenblicke an mit einem bei ihm leicht verständlichen Argwohn entgegen. Mußte er doch fürchten, daß der noch junge Mann dazu ausersehen war, ihn in absehbarer Zeit in seiner leitenden Stellung zu ersetzen.
Eine kleine Stunde dauerte das lustige Geplänkel und unbefangene Spiel von Tisch zu Tisch, von Pult zu Pult um Klaus Körber herum.
Auch jetzt nahm man wenig Rotiz von ihm. Dazu war man zu sehr unter sich. Man brauchte unb wollte keinen Fremben, am wenigsten einen, der sich vielleicht infolge seines gesellschaftlichen Ranges und der einmal innegehabten selbständigen Stellung über die anderen erhob.
So fühlte sich Klaus vom ersten Tage an durch eine undurchdringliche Mauer von feinen Mitarbeitern getrennt und machte seinerseits keinerlei Anstrengungen, sie zu durchbrechen. Sich mit Würde und Gleichmut in ein unabänderliches Schicksal zu finden, das ihn aus einem Herrn zum Untergebenen gemacht, war das einzige, was ihm übrig blieb. Aber das Gefühl einer wachsenden Einsamkeit und Verlassenheit vermochte er um so weniger zu unterdrücken, je froher und geselliger sich hier alles um ihn her aneinander- schloß.
„Jetzt kommt er gleich,' vernahm er mit einem Male eine Frauenstimme dicht neben sich. Er konnte sich nicht recht denken, daß dieses in leise vertraulichem Ton gesprochene Wort ihm gelten könnte — da sah er ein helles Augenpaar auf fi ch gerichtet, und ein frischrosiges Mädchengesicht mit dichtem, auf die glatte Stirn herab- gezogenem, die Ohrmuschel bedeckendem Blondhaar und einem entzückend kecken Stumpfnäschen wandte sich ihm zu, eine gewisse Schüchternheit bekämpfend, als wäre es sich nicht sicher, ob ihm diese Art der Annäherung auch willkommen wäre.
„Sobald kann er von seinen Holzfeldern nicht zurück sein," gab er ebenso leise und auf ihren Ton eingehend, wieder.
„Ich meine ja nicht Herrn Faßbender," entgegnete sie wiederum schüchtern, aber doch mit einer gewissen Ueberlegenheit. .Ich meine den Alten."
Run wurde er aufmerksam. „Ach so... den Oberst... Kommt er heute?"
„Er kommt jeden Abend. Punkt fünf Uhr betritt er das Kontor. Punkt acht Uhr verläßt er es. Die anderen sind dann schon lange fort. Auch Herr Faßbender, wenn er überhaupt des Rachmittags hier ist, geht um sieben Uhr. Die beiden arbeiten wenig ober nur das Rotwendigste miteinander."
„Darum kommt er wohl nie des Vormittags?"
„Rein... das hat einen anderen Grund."
„Einen anderen Grund? Welchen denn?" fragte er, immer aufmerksamer werdend.
„Das möchte ich Ihnen hier nicht aufeinander» setzen. Vielleicht ein andermal."
„3ft denn der Oberst des Abends immer allein hier?" nahm Klaus das Gespräch mit seiner Rachbarin wieder auf.
„Rein. Ich bleibe bei ihm. Er macht mit mir Abrechnungen, geht die Besrachtungs- und Stapel-Tabellen durch und diktiert mir auch polnische Briese ins Stenogramm. Es sind natürlich Ueberstunden. Aber wenn ich mein Butterbrot mitnehme, ist's noch Zeit, in die U. T. zu gehen, wenn sie was Reues geben. Und da er meine Arbeit gut bezahlt und ich ihn gern habe —“
„Sie haben ihn gern?" warf er, mit ganz anderen Gedanken befdjäftigt, nebenhin.
Eine leise Blutwelle stieg in die klare Mädchenstirn. „Ja — warum sollte ich ihn nicht gern» haben? Er ist doch ein alter Mann."
„Gewiß...so meinte ich es ja auch gar nicht", erwiderte er wiederum leichthin, und immer noch gingen seine Gedanken ihre eigene Bahn.
„Wir haben ihn hier alle gern... da können Sie in jeder Abteilung fragen. Viel lieber als den steifen, strengen Faßbender, der nie ein anderes Wort mit einem spricht, als vom Geschäft. Schließlich ist man doch noch Mensch. Und der Alte versteht seine Sache, wenn er auch nur Oberst und niemals Kaufmann war."
„Das macht die praktische Ader, die man so als Soldat hat. Da findet man sich leichter in andere Gebiete."
„Ja, das sagt Herr Pintscher auch. Und Sie selber —"
„Run, wie Sie sehen: ich sitze auf der Schulbank und fange von vorne an.“
„Sie waren Offizier im Regiment des Herrn Obersten?" fragte sie mit schlecht verhohlener Reugier.
„Ja, so war es."
„Das waren die 128er, nicht wahr?"
„Rein, die Grenadiere."
„Ach, die Grenadiere! Das war wohl ein schönes Regiment, nicht wahr?"
„Ra... Sie waren damals noch ein Kind", meinte er, mit einem leisen Lächeln ihre jugendliche Gestalt umfassend.
Frk. Berg - Dr. Schopper, die nach Stegen über Fräulein Führ - Krenzler (Bab-Rau- beim) und Fräulein Löv - Brandenberger (Darmstadt) um den Eintritt in die Vorschlußrunde an dem Aachener Paar Frl. Bucken - S>eier* hoff scheiterten. Frau Düttrnann- Scriba verloren glatt gegen Frl. Ambach- Schmidt. Engisch gewann mit Frl. Eiermann gegen Euler (Frankfurt) und Partnerin in drei, Sätzen und hielt sich tapfer gegen Frau Erweis Leußer.
Im Damen-Doppel schließlich, das nur in einer Klasse gespielt wurde, siegten Frau Du- m ur» Frau S ievert über Frau Dü 11- mann-Schloomer glatt, mußten dann abefl gegen die starke süddeutsche Kombination Frl. Hammer- Frl. R a g l e r , die vermeintlichen Endsiegerinnen, die Waffen strecken. Fräulein Berg spielte mit ihrer Bezwingerin, Frau Brendel, siegreich gegen Frl. Beyer - Frl. von Löv, scheiterte dann aber ebenfalls an einem der stärksten Paare, an Frau Kunze- Ewald.
Last not least: für gute Schiedsrichterleistungen erhielten Scriba und v. Grolman einen Schiedsrichterpreis. Ty. ,
Schwerathletik.
Bei stärkster Konkurrenz aus Göttingen. Kassel, Marburg, Gießen, Friedberg, Alsfeld, Hersfeld, Wanfried, Treffurt u. a. fanden am Sonntag in Friedberg die Kreismeisterschaf- ten im Stemmen, Ringen und Boxen (Kreis Hessen und Hessen-Rassau) statt. Trotz des ungünstigen Wetters — es regnete zeitweise in Strömen — wurden prächtige Leistungen erzielt. Hervorragenden Anteil an den Kämpfen nahm der 1. Kraft- und Sportklub 1893 Gießen.
Rachstehend die ersten Gießener Preisträger! S t a u b a ch , Hch., (Altersklasse): Stemmen 1. Pr. (Kreismeister), Ringen 2. Preis: Schepers, Adolf, (aktiv Schwergewicht): Ringen 1.Preis (Kreismeister): Bell off, Willi, (aktiv Mittelgewicht): Ringen 1. Preis (Kreismeister), Stemmen 3. Preis: Forbach, Albert (aktiv Mittelgewicht): Stemmen 4. Preis: Funk, Alois, (aktiv Federgewicht): Ringen 2. Preis: Klotz, Ludwig, (aktiv Leichtgewicht): Boxen 1. Preis (Kreismeister): Arnreich, Karl, (aktiv Bantamgewicht): Boxen 1. Preis (Kreisineister)r Hardt, Ludwig, (aktiv Leichtgewicht): Boxen 2. Preis: Weis, Hans, (aktiv Cchwermittel- gewicht): Hammerwerfen 1. Preis (Kreismeister), leichtathl. Dreikampf 3. Preis.
Wasserball.
Realgymnasium — Oberrealschule 8:1.
Montagnachmittag trafen sich die beiden Schulen in der Müllerschen Badeanstalt zum ersten Male zum Austrag eines Wasserballspiels. Es ist erfreulich, daß auch dieses Gebiet des Sports nunmehr von den Schulen betrieben wird, nachdem bereits alle anderen volkstümlichen Ballspiele bei ihnen Eingang gefunden haben. Besonders erfreulich aber ist die Feststellung, daß beide Schulen Mannschaften aufstellen konnten, die über die ersten Anfänge längst hinaus sind. Beide Schulen, insbesondere das Realgymnasium, könnten gegen manche Vereinsmannschaft mit Erfolg antreten.
Das Realgymnasium war von vornherein überlegen und blieb es auch bis zum Schluß. Dee Stand bei Halbzeit war 4:1, bei Beendigung 8:1. Das Resultat entspricht dem Stärkeverhältnis der beiden Mannschaften. Den Ober- realschülem fehlte die Schnelligkeit, der sichere Wurf aufs Tor und überhaupt die sichere Ballbehandlung. Einige Tore hätten sie auch durch besonderes Abdecken vermeiden können: die Realgymnasiasten konnten wiederholt unbehindert durchbrechen.
Weitere Sportnachrichten auf der 4. Seite.
„Aber meine ältere Schwester, die einen früheren Sergeanten von den 128ern geheiratet, bat mir oft davon erzählt, und deren Oberst war Herr Reichenbach? .Unb Sie waren mit ihm befreundet?"
„Wenn man das so nennen darf. Ich verehrts ihn wie einen Vater."
„Sehen (Sie... so meinte ich es vorhin auch.-« ganz ähnlich so", fügte sie, wiederum leise errötend, hinzu, als fürchtete sie, etwas Dummes gesagt zu haben. „And dann... er tut mir oft so furchtbar leid."
„Er tut Ihnen leid?" fragte er schnell und nicht ohne eine merkbare Erregung.
„Und es ist schließlich vielleicht gar nicht feine Schuld."
2hre Worte ließen seine Erregung wachsen, Was steckte hinter alledem, was sie da sagte? Wurden die Geheimnisse immer größer und dichter, die dieses Haus, dieses Geschäft umgaben?
Er wollte sie weiter fragen, wollte näheres von ihr wissen. Da kehrte Herr Rimmersatt mit seinem leisen, schlürfenden Schritt aus der Fernsprechzelle zurück.
„Sind Sie mit Ihrem Brief fertig, Herr Körber ?" wandte er sich mit gewichtiger Geschäftsmiene an Klaus. „Sie müssen ihn mir noch in deutscher Liebersetzung vorlesen, bevor er Herrn Reichenbach zur Unterschrift vorgelegt wird, denn er muß unter allen Umständen heute abend noch zur Post."
Die Federn raschelten, die Schreibmaschitzen klapperten — tiefe Arbeitsstille war in allen vier Abteilungen des Hauses Bleichenbach & Co. Ernst und eintönig begleitete sie der laut tickende Pendel der großen Wanduhr von dem schmalen, zwischen den vorderen und hinteren Räumen gelegenen Flur her. Jetzt holte sie zum Schlage aus... eins, zwei, drei, vier, fünf — da, ein kurzer, energischer Ruck der Tür, und den flei- non Flur schnellen Fußes durchschreitend trat ein herkulisch gebauter Mann, stiernackig, ein wenig kurzgliedrig, mit prachtvoll hochgewölbter Stirn und einem auf den gewaltigen Brustkasten herabfallenden grauschwarzen Bart, in das Kontor.
„Guten Abend, meine Damen, guten Abend, meine Herren", so grüßte er mit der volltönenden Stimme zu den Tischen der vorderen Räume hinüber.
Und „Guten Abend, Herr Oberst!" klang es freudig und freundlich aus männlichen und weiblichen Kehlen zurück.
Herr Faßbender liebte die militärische Bezeichnung im Geschäft nicht: in seiner Gegenwart durfte sie nicht gebraucht werden. Aber die da auf ihren Schreibsesseln wußten, daß der alte Herr sie gern hatte und taten ihm den Gefallen, ihn, wenn der Prokurist Vicht anwesend war, mit diesem Titel zu benennen, der ihm etwas Heiliges war. (Fortsetzung folgt) u
r-
Mark 227 6 trieb: frage sehr gi W f litat 4( tiifje II bis 250 bis 60'
0ie
De ifl 9 zahl' sollw bant schie aller *2Je diese
zu § De f(hen noch komm * den 2 angen Dein« Hessen gestiel gelvor tzchw ist die 240 0) Me nien sich u des pro hat. über Mai span hoh und Ung, Der des s bürg hessis
• Di Magisti heutige Konsorl Seehan von 30 gen mi angeni lich du der 6; ausfitf) 15 M lifyn 1
' D Allg über t Frank mit b< tergesi daß fi in bei Derhc seht, Konso Mitte Frank Bank! geschlo die 3d gen - glatt ei sahsinai Allgenn ®. in. b. entgege, furter ‘ Äataftti Die Fr den Kc spruch Lität i lchlvsse mehr
SS
.„’W b®°N «Mal rüchch
KSch»
♦% Cefa
4o,° N
3$


