Ausgabe 
20.4.1929
 
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Nr. 92 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberhesfen) Samstag,: 0 April (929

Burendank.

Eine verlorene Schlacht des Deutschtums in Südweft.

Bon Or. Paul Rohrbach.

9n S ti d w e st a f r i k a stehen Neuwahlen zum ßanbcsrat, der die parlamentarische Ver- tretung der Einwohnerschaft des Mandatgebiets bildet, bevor. Um Klarheit über die Absichten der Mandatsregierung wegen der zukünftigen Behand­lung der deutschen Wünsche zu erhalten, wurde eine Abordnung nach Kapstadt an den Premierminister General He r ft o g geschickt. Sie sollte dem General folgende Wünsche vortragen

1. Abkürzung der Frist, in der deutsche Ein­wandererin Südwestafrika dasWahlrccht durch Naturalisation erlangen können;

2. Anerkennung der deutschen Sprache als dritte Amtssprache;

3. bctr. Schulen:

I. Schaffung rein deutscher Staatsschulcn mit dem Recht aus Anstellung im Staatsdienst auf Grund der dort bestandenen Prüfungen;

II. eventuell

a) Anerkennung des Abschlufeexarnens deutscher P r i v a t s ch u l e n ;

b) Erhöhung der jetzigen Beihilfe pro Kind und Jahr in den Privatschulen;

111. Unterstützung der deutschen Fortbildungs­schule n in Südwcst seitens der Regierung.

Die Verhandlung liefe sich zuerst günstig an bis eine Gegenabordnung, die der Administrator von Südwestafrika, Herr W e r t b, von Windhuk aus den Deutschen nachgeschickt hatte, in Kapstadt eintraf. Der Administrator ist, wie er bei früheren Gelegenheiten selbst betont hat, d e u t s ch er Ab- st a m m ung , gehört aber ganz zu r A f r i k a n e r - Partei, d. h. er ist Vertreter des jetzigenburi- schen" Regiments in Südafrika. Er war vor einigen Monaten in Deutschland und ist hier auch vom R e i ch s k a n z l e r H e r m a n n M ü l l e r empfan­gen worden. Als er nach Windhuk zurückkam, er­zählte er den dortigen Deutschen, der Reichskanzler habe zu ihm gesagt, Deutschlandbrauchegar keine Ko l o n i e n eine Aeufeerung, der Herr Werth die wohlwollende Zensur hinzufügte:Der Reichskanzler ist ein sehr verständiger Mann!"

Am 5. März trug die deutsche Abordnung in Kap­stadt dem General Hertzog die deutschen Wünsche vor und begründete sie eingehend. Namentlich machte, sie geltend^ die deutsche Bevölkerung von Südwestafrika hätte seinerzeit dem Berliner Abkommen, wonach die Deutschen in unseren! alten Schutzgebiet d i eauto­matische" Naturalisation als britische Untertanen annahmen, mit aus dem Grunde zugestimmt, weil Einwanderer das Stinunrecht schon nach zweijährigem Aufenthalt im Lande erhalten sollten. Diese Frist wurde i 'äter durch einseitige Ver­fügung der Unionsregierung von Südafrika au f stinf Iahre erhöht, was natürlich eine starke Benachteiligung des Deutschtums enthielt.

Die eigentlichen Gegner des Deutschtums in Siid- mestafrika sind viel weniger die Engländer als die Buren. Das Burentum, die Afrikanerpartei, geht planmäßig darauf aus, das Deutschtum zu überwäl­tigen und das Land burisch zu machen. Sie svricht e:> offen aus, im Landesrat in Windhuk wie in ihrer Presse, daß die Deutschen überhaupt nur geduldet seien und dafe sic irgendwelche Rechte nicht zu beanspruchen hätten. Um die Afri- kanisierung von Südwestafrika zu beschleunigen, wird jetzt die Ansiedlung einiger Hundert verkom­mener Burenfamilien aus der portugiesischen Ko­lonie Angola, im Norden von Südwestafrika, mit grofecn Mitteln betrieben. Diese Buren waren bis­her rechtlich portugiesische Staatsangehörige; ihnen aber wird, entgegen der Verordnung über die fünf­jährige Einbürgerungssrist, das Bürger- und Stimmrecht von der Mandatsoerwaltung schon nach einem Jahr erteilt!

Zwei Tage nach der deutschen Abordnung emp­fing General Hertzog die Deputation der Gegen­partei, die der Administrator hatte kommen lassen; zu ihr gehörte auch der schärfste Feind der Deut­schen, der Parteisekretär der "Afrikaner, Herr Tal- jaard aus Windhuk. Am' 8. März wurde den Deut- schen mitgeteilt, dafe ihre Wünsche abge-

Erzählen Sie von der dergner!

Am nächsten Mai tag wird man im Licht­spielhaus den FilmFräulein Else" zu sehen bekommen, welcher nach der gleich­namigen Novelle von Artur Schnitzler ge­dreht wurde. Wir mochten schon heute darauf Hinweisen, weil man hier Gelegenheit haben wird, einige der berühmtesten deutschen Schauspieler miteinander agieren zu sehen: B a s s e r m a n n , den verstorbenen Stein- r ü cf in seiner letzten Filmrolle und die B e r g n c r. Von ihr erzählt im folgenden der bekannte Berliner Kritiker Artur E l o c s - [er; die kleine Plauderei ist dem bei Wil­liams & Eo. in Eharlottenburg erschienenen schonen Bergner-Buch entnommen, das der Verfasser selbst als eine Liebeserklärung be­zeichnet hat.

Ja, was soll ich von icr Bcrgner erzählen? Wie. sie aussieht, wißt ihr ja, von den Bildern und aus einigen Filmen. Die Bcrgner ist nämlich auch eine auscrwählte Filmschauspielerin. Das wird sich bald herumgesprochen haben. Erinnert ihr euch an die unglückliche kleine Nju, wie sie, .Gott sei Dank, noch recht unfertig zwischen zwei höchst fertigen Filmmännern, zuerst erschien? Zwilchen zwei Kon- nerschaften und Sicherheiten war sie das Erlebnis, ein Seelchen, ein Flämmchen, aufflackernd und ver­löschend wie von dem ersten starken Windstoß. Sie ist ein Wundern, ein Bitten, ein Flehen. xM)r Auge sieht euch sicher noch an. Ihr ganzes Figürchen i|t Auge, ist Blick geworden, von den Fußspitzen an. Ober der Geiger von Florenz. Ein ziemlich unbedenk­liches Melodram. Aber wenn sic geigt, ist sie die Musik, und wenn sie tanzt, ist sie der 2mnz selbst. Das ist die Krast der Konzentration, der Ausfüllung des Augenblicks, höchste Spannung in höchster Knappheit. Immer ganz Gedicht, ein Bild, mal der Verzweiflung, mal der Hoffnung, mal der Liebe, oder vielmehr der Genius von dem allen, weil fie immer auf Flügeln fährt. Zum Teufel, wir sind gerührt, aber Gott sei Dam, wir sind nicht zu sehr gerührt, weil sie uns nicht belastet, weil sie das Matz hat, das die Keuschheit der Kiinst ist. Sie reitet als Junge auf einem Esel nach I . licn hinein, das ist so dumm und so banal, wie es der Film sein darf. Aber wie vcrwssen, wie verängstigt, wie sittsam auch, trotz angemagter Jungenhaftigkeit, hängen ihre Berne

lehnt seien. An der 5jährigen Frjst müsse festge­holten werden; derüberwiegende Teil" der süd­westafrikanischen Bevölkerung |ci gegen d i e An­erkennung des Deutschen als Amts­sprache, die Schulfrage endlich fei eine in­terne Angelegenheit des Mandatsgebietes von Süd­westafrika und müsse durch Verhandlungen mit dem Administrator geregelt werden. Der Sache nach bedeutet auch diese Antwort auf den dritten Punkt eine Ablehnung.

Vom Rechtsstandpunkt aus muß zu der Entschei- dung des Generals Hertzog bemerkt werden, dafe es unzulässig ist, Bestimmungen für die britischen Dominien auf Südwestafnka anzuwcnden, das kein Bestandteil der Union von Südafrika, also eines Do- miniums, ist, sondern Mandatsgebiet. Bei den Man­datsgebieten handelt es sich um die Ausübung einer Vormundschaft", die nicht nach parteipolitischen Rück­sichten der Mandatsverwaltuna geführt werden darf. General Hertzog hat früher, als er noch nicht Premierminister der südafrikanischen Union war, starke P r o 1 c st e gegen die Vergewaltigung beut- chen Besitzes, gegen die Unterdrtickuna deutscher Art und Sprache, überhaupt gegen den Angrisf auf Südwestafrika, den er alsunberechtigt" erklärte, geführt. Von diesem seinem früheren Standpunkt ist nichts übriggeblieben. Es ist kaum noch ein Un­terschied zwischen seinem Verhalten und dem der deutschfeindlichen, in Windhuk erscheinenden Zeitung Suidwes Afrikaner", die zwar vorgibt, einer

besseren Verständigung zwischen Deutschtum und Afrikanertum das Wort zu reden, in Wirklichkeit ober von den Deutschen eine bedingungslose Preisgabe ihres Standpunkts verlangt.

Zu der Abfertigung der deutschen Forderungen durch den General Hertzog und den Administrator Werth kommen noch die neuen Einwande- rungsvorschristen für Südwestafrika, die fo- oben imWindhuker Amtsblatt" veröffentlicht ivor den find. Die seither zugestandene Einwanderung von Deutschen auf Grund von Anstellungsvcrträgen mit einer südweftasrikanischen Firma ist fortan nur noch erlaubt, wenn gleichzeitig mit diesen Verträgen auch eine Haftsumme von 40 Pfund Sterling für Erwachsene uni) 25 Pfund für Kinder bar bei der Einwanderungsbehörde deponiert wird. Zwei Jahre lang muß das Geld bei dieser liegen bleiben. Auch die Ausführungsbestimmungen sind in den Einzel­heiten darauf berechnet, Deutschen das Kom­men zu verleiden oder zu erschweren. Umge­kehrt sind die Angolaburen auf S t a a t s k o st e n ins Land gebracht und mit weitgehender Staats- untersttitzung angesiedelt worden. Stimmvieh- Import nennen es die Deutschen. Sic haben recht damit, und sie haben auch damit Recht, dafe es die Absicht der Burenverwaltung ist, das Deutschtum au unterdrücken und aus Südwestafrika ein- reines Burenland zu machen. Die Deutschen drüben sind aber nicht entmutigt. Sie haben eine Schlacht ver­loren, fic kämpfen weiter für ihr Recht.

Jahrestemperatur, d. h. 20 Grad weniger als das Land der alten Sumerer!

Den Gedanken nun, daß wir mit dieser Entwick­lung noch keineswegs nm Ende angelangt find, sondern daß die Menschheit ihre Kultur noch sehr viel weiter als heute noch den Polen zu verfchie ben kann und verschieben wird, behandelt in einem sehr fesselnden Buche der bekannte kanadische Polar­forscher Bilhjalmur Steffansson unter dem Titel"Neuland im Norden. Die Bedeutung der Arktis fiir Siedlung, Verkehr und Wirtschaft der Zukunft". Slesfanfson ist berühmt geworden durch eine über mehr als zivei Jahr,zehnte fortgefetztc kühne und zähe arktische Forschertätigkcit in den hochnordischen Gegenden nördlich von der Festlands käste Nordamerikas und an den Westrändern des arktischen Archipels. Etwas Besonderes an diesen Expeditionen, woraus er selbst einen Hauptwert ge legt hak, war dies, daß er diese Reisen mit denkbar geringster Ausrüstung unternahm, um damit zu zeigen, daß man auch im höchsten Nordenvom Lande leben" könnte; daß die arktischen Regionen keineswegs eine für ben Menschen so unbrauchbare Wüste seien, wie man fie sich bis heute noch allge­mein vorftellt.

Sein neues Buch ist die Gesamtfrucht seiner bis­herigen Reiseerfahrungen in diesem Sinne. Mit einer jugendlich glänzenden Energie und mit be­stechend logischer Beweisführung verficht er die (Er­oberung und Erschließung des hohen Nordens für die menschliche Siedlung und Wirtschaft.

Die Eroberung des Nordens

Die arktische Wett in der Wirtschaft der Zukunft.

Kultur und Klima.

Von Dr. Georg Wegener, Professor der Geographie an der Handels-Hochschule Berlin.

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Die deutsche Bücherproduktion im Jahre 1928.

es war wie erloschen, von der Gefangenschaft zertreten. Unb dann hat sie gefragt: wie teuer die Lerchen feien? 120 Mark. Unb feit Diefent- Tage ist die grofee Sparsamkeit über sie gekom­men.

Unb nun kommt eine Sonnenwoche, schüch­terne, keusche Sonne. Ein Sausen unb Wehen liegt in der Lust, als ob der Frühling schon atmet. Cs ist acht Uhr in der Frühe. Um neun Uhr beginnt ihr Unterricht. Der Laden wird eben aufgemacht. Sie hat die 120 Mark zusam­men. Reicht fie hin wie etwas Selbstverständ­liches. Als ob sie bas Gelb so im Hanbumbrehen verbient habe, als ob sie die Tochter begüterter Eltern sei. Sie gibt das Geld hin wie ein Nichts. Unb nimmt die vier Käsige mit ben zwölf Ler­chen entgegen. Läuft hinaus, auf bie Wiese, die schon einen schüchtern grünen Schimmer hat, öff­net bie Käsige unb bie Lerchen fahren hinaus. Erlöst. Stoßen hoch, ins Himmelsblau. Zwölf Lerchen ziehen sich am glihemben Faden ihres Liedes in ben Himmel. Ihr Glück ist ohne Grenzen. Das Glück der Freiheit!

Unb unter ihnen steht die junge Lehrerin unb starrt, mit freubegeröteten Wangen, nach oben, wie in ein unbegreifliches Wunder. Lange hält fie bie Hände gefaltet, reifet sich ben Hut vom Kopfe, winkt nach oben, wo im Blauen, wie singende Punkte, die Lerchen schweben.

Die Lehrerin wird vom Gesang her zwölf Ler­chen wie gehoben. Die Lerchen fingen ihr ein Lieb. Unb der Wind bewegt das Mädchenhaar wie eine jubelnde Flamme.

Unb nun biegt sie, halb tänzelnb, vor sich hin­summend, auf den Weg ein, der sie nach ihrer Schule bringt. Zwölf Lerchen haben die kleine Lehrerin in ihr Lieb ausgenommen. Unb fingen dieses Lied zwischen Himmel unb Erde. Unb die Welt wirb bei diesem Gesang schöner und seliger.

Sie spartI So etwas habe ich nun doch nicht gedacht. Sie schränkt sich ein. Geht nicht mehr in der Woche zweimal in das Kino. Saust im ganzen Monat nur einmal. Stopft sogar ihre seidenen Strümpfe. Das hat fie früher nicht ge­tan. Hatten die Strümpfe Löcher, wurden fie fortgeworfen unb neue gekauft. Sie spart. Aber wozu? Sie ist ja eine blutjunge Lehrerin, hat ihr Auskommen. Ja. es ist keine Kleinigkeit, wenn ein erbenfrohes Fräulein plötzlich die -Lur vor der Rase zuhaut unb gleichsam sagt: es war sehr schön damals, aber jetzt, ist Schluß!

Alles hat schließlich seinen Grund. Da geht ihr Schulweg an einem Geschäft vorüber, wo es le­bende Tiere gibt: Eichhörnchen, Frosche, Schlan­gen. Q3ogcl unb weiße Mäuse. Alles lustig und poussierlich anzusehen. Aber da sind vier Käfige. Und in jedem Käfig sind drei Lerchen. Zwölf gefangene Lerchen. Unb sie fitzen in ihrem Gefängnis so freudlos, so ohne Lieb unb Flügel- breiten. Sie hüpfen mal hierhin unb Dorthin, aber in den kleinen Tieraugen liegt ein Glanz, der ein Menschenherz schon rühren kann. Ein­mal hat sie schnell das Ohr an die Ladenscheibc gelegt, um zu erfahren, ob noch in den zwölf Lerchen das Fünklein einer Melodie lebt, aber

Sportliteratur zurückgegangen ist. Ueber Kunst unb Kunstgewerbe erschienen 568 Bücher und bei­nahe ebensoviel über Musik, Theater, Tanz unb Kino. Die Uebersehungsliteratur zeigt gegenüber Dem Vorjahr ein Stei­gen um 1 6,6 Prozent; es wurden im ganzen 1477 Werke überseht (!). Was die Preisberech­nung der Bücher angeht, so ist ein ganz geringer Rückgang der Bücherpreise gegenüber dem Vor­jahr zu konstatieren. Während noch 1927 seitens des Buchhändler-Börsenvercins ein Buchdurch­schnittspreis von 5,62 Mk. errechnet worden ist.

Die führenden Kulturen der Erbe liegen alle in den gemäßigten Breiten des Globus. Das ist heute so allgemein bekannt, daß der Laie geneigt ist, dar­aus grofee allgemeine Gesetze abzuleitcn von der unmittelbaren Gebundenheit geistiger Entwicklung an gemäßigte Temperaturgrabs.

Aber man muß La doch vorsichtig (ein; so ganz einfach liegen die Dinge doch nicht. Erinnern wir uns, daß die ältesten großen Kulturen Der Mensch­heit, auf Deren Schultern mir heute noch stehen, die aber selbst wahrscheinlich ganz aus sich allein zu ihrer Höhe emporftiegen, keineswegs in Den ge­mäßigten Zonen Der Erde lagen, sondern im Gegen­teil in Gebieten, die mindestens während eines gro­ßen Teiles des Jahres zu Den allerheißestcn ge­hören: Aegypten, Mesopotamien, Indien! Ferner, dafe selbst in ausgesprochen schwülen Tropengegen­den mit äquatorialer Dauerwärmc, wie im Lande der Khmer in Hinterindien, der Singhalesen aus Ceylon, der Malaien auf Java, der Mayavölker auf der Halbinsel Pucatan, Kulturen entstanden, deren Ruinenstätten wie die von Angkor, Anurad- hapura, Borobudur, Palenque usw. zu den er­staunlichsten des Erdballes gehören. Es ist da noch mancherlei zu erforschen unb zu erwägen.

Immerhin ist aber doch als eine höchst bemer­kenswerte Tatsache zu beobachten, daß seit ältesten Zeiten eine fortschreitende Verlagerung der führen- ben Kulturen nach kühleren Breiten stattgefunden hat. Professor Gill Fillan hat vor einigen Jahren eine sehr eindrucksvolle graphische Darstellung der Verschiebung der maßgebenden Kultursitze nach 'Norden im Lauf der Jahrhunderte veröffentlicht. Hiernach lag die älteste der mesopotamischen Kul­turen, b;e der Sumerer, um 3400 v. Ehr., in einer mittleren Jahreswärme von 24 Grad Celsius. Das Zentrum der ihr folgenden, der Akkader, in einer ein wenig niedrigeren, gegen 23 Grad. Die ägyp­tische, mit Unterägypten, wohin zur Zeit des Königs Necho (600 v. Chr.) sich der Schwerpunkt nordwärts verschob, in einer Temperatur von 25 bis 22,5 Grad Celsius. Zur Zeit der Ptolemäer lag Aegyptens Machtzentrum ganz am äußersten Nordrande, in Alerandria, in einer Jahreswärme von etwas unter 21 Grad. In Der gleichen lagen etwa die Kulturen Kretas und der Phönizier. Noch etwas niedriger, 20,5 Grad, war die Jahreswärme des assyrischen Ninive, das wiederum etwas nördlicher liegt als Kreta und Tyrus. Im Laufe des ersten Jahrtausends v. Chr.

über dem Tier. Und welche Federkrast darin, wenn sie den geliebten Mann endlich anf'pringt, wenn sie, leichter als die Luft, ganz Sprung und Schwung wird. Nicht als ob fie Leichtathletin wäre, aber fie hat die Form, die uns der Schwerkraft entlastet, die Anmut, die Kindern und schönen Tieren gleichmacht. Eine französische Tragödin des 18. Jahrhunderts fagte: Wie kann ich am Abend die Königinnen pieken, wenn ich mich am Tage nicht königlich be­nehme! Ich hätte die Majestäten dieser Komödiantin nicht sehen mögen, die schon am Tage die Nase hoch trug Aber die' Bcrgner, daraus könnt ihr euch ver­lassen, trägt ihre Nase, dieses feine, empfindliche, auch stolze, eigenwillige Näschen auf der Bühne genau wie im Leben. Ein ausaepr.gtes Kulturwesen, ja, immer auch eine in die Kultur Verbannte.^von wo anders Hergekommene, aus Verstecken der Scheuheit Herausgeholte. Trotz allem Selbstbewußtscin, trotz aller Verwöhntheit ...

Zwölf Lerchen und ein Mensch.

Von Max Zungnickel.

31 026 Werke teils als Reucrscheinungen. teils als Reuauslagen verlegt. 1928 konnten jedoch nur" 27 794 Werke herausgebracht werden. Die Zahl der Reuerfcheinungen und Reuauflagen ist überhaupt in den Jahren nach dem Kriege erheblichen Schwankungen unterworfen gewesen. So zählte das Jahr 1919 15 876 Reuerfcheinun­gen, das Jahr 1922 22 614 und das Jahr 1924. nur 18 003 Reuerfcheinungen. 1926 waren es dann wieder 24 276 Rovitäten, die auf dem deutschen Büchermarkt erschienen. In diese letzten Zahlen sind allerdings die Reuauflagen nicht mit eingerechnet. Das Jahr 1927 brachte an reinen Reuerfcheinungen bann wieder 22 951 Werke. Diese Zahlenschwankungen. denen Die Vorkriegs­zeit als außerordentlich konstant gegenübersteht, lassen erkennen, wie ungesund die Verhältnisse am deutschen Büchermarkt, auf die anläßlich des deutschen Buchtags ja bereits gebührend hinge­wiesen worden ist. noch immer find. Unter Der deutschen Buchproduktion des vergangenen JahreS nimmt die schöne Literatur den weitaus größten Teil ein. Sie ist mit 4491 _ Werken registriert. Ihr folgen bann bie Schulbücher mit 2281 Erscheinungen, schließlich die Verlagsver- öfsentlichungen der Religionswissenschaften, My­thologie und Theologie, die an Dritter Stelle mit 2088 Reuerscheinungen stehen. Ungefähr gleich groß ist Die Zahl Der Reuerfcheinungen und Neuauflagen auf Dem Gebiet der Wirtfchafts- unD Sozialwissenschasten sowie die der Politik unb Statistik. Mit rund 1670 Reuerscheinungen warten bann bie technischen Wissenschaften und bie Rechtswissenschaft auf. An Jugendschriften wurden 1548 Werke verlegt und an geistes­wissenschaftlichen Büchern ungefähr ebensoviel. Bemerkenswert ist es schließlich auch, daß die

Geistvoll und lebendig behandelt er zunächst den von uns oben angedeuteten Gedanken der allmäh­lichen Nordwanderung der Kultur überhaupt seit den ältesten Zeiten und erzählt dabei einige sehr in- teressante Beispiele fiir den Umschwung in der 'Be­wertung nordischer Gegenden. Bei den Verhandlun­gen des Friedens von 1763 nach dem großen nord amerikanischen Kolonialkrieg zwischen den Englän­dern und Franzosen verlangten die Engländer von letzteren als Siegespreis die Zuckerinsel Guadeloupe. Die Franzosen wehrten sich und sagten, fic würden lieber ganz Kanada dafür abtreten. England wei­gerte sich lange, auf diesen Tausch einzugeheii; Ka­nada fei doch wirtschaftlich so ungleich viel weniger wert als Guadeloupe. Schließlich kam es doch da­zu, und mit Recht fagt der Verfasser: wieviel Men Idjen wissen gegenwärtig überhaupt ohne Nach schlagen, wo Guadeloupe liegt und was ist umge- kehrt heute schon aus Kanada geworden! Oder: die Vereinigten Staaten von Nordamerika fühlten sich Rußland für Hilfe während des Se zessionskrieges zu großem Dank verpflichtet. Das war der Hauptgrund, weshalb fic 1867 darauf ein­gingen, ihm das Gebiet von Alaska für bie Summe von 7,2 Millionen Dollar abzukaufen, die damals abenteuerlich hoch erschien, da Käufer wie Verkäufer diesen Erdraum für gleich nutzlos hiel­ten. In den Vereinigten Staaten wurde die Regie­rung deswegen aufs heftigste angegriffen unb in Europa glaubte man vielfach, die Union hätte da­mit mir zeigen wollen (ähnlich wie Friedrich 11., als er nach dem Siebenjährigen Kriege das Neue Palais baute), daß fie nicht etwa bankerott fei. Es verging aber nur ein einziges Menschenalter, als in Alaska, 1898, die erstaunlichen Goldsck)ätze gefunden wurden. Wenig später wurden Kupferlager von noch viel größerer Zukunftsbedeutung entdeckt. Kohlenlager sind ebenfalls feftgeftellt worden: die ungeheuren Wälder gewinnen mit 'Berbefferung der Verkehrs­mittel einen Wert, der wahrscheinlich all dies noch übertreffen wird, und nur durch den Versand von Büchfenlachs von den Stiften Alaskas erzielte man allein im Jahre 1918 zweiundzwanzig Millionen Dollar, bas Dreifache der Kauffuimne von 1867! Und das ist alles erst noch Anfang einer sicheren weiteren Entwicklung Alaskas. Man hat jetzt z. B. die in der gleichen Gegend Asiens feit alters geübte Renntierzucht, die den Eingeborenen Amerikas bis­her unbekannt gewesen war, mit glänzendem Er­folge eingeführt. Herden von Hunderttausenden weiden dort schon, unb nach einer Berechnung des Landwirtschastsministeriums der Vereinigten Staa­ten wird der Betrag an Renntierfleisch aus Alaska in etwa anderthalb Jahrzehnten 45 bis 60 Millio­nen Dollar ivert sein.

Was für Alaska gilt, das kann man nach Stcffan» ffon auch von allen anderen zirkumpolaren Land­gebieten und Ktiftengelväffern erwarten. Es ist be-

vollzieht sich dann ein sprunghaftes Verlagern in Gegenden noch tieferer Temperaturen. Das hoch­gelegene Jerusalem, um 1000 v. Chr. der geistige Mittelpunkt der hebräischen Kultur, wo die Funda­mente für die später welterobernde Bibel geschaffen wurden, hat 17 Grad, Karthago, im Meeresspiegel, dessen das phönizische Mutterland ablösende Welt­geltung um 600 v. Chr. beginnt, immerhin nur 19 bis 20 Grad Jahreswärme. Jetzt entwickeln sich rasch auch die glanzvollen Kulturen der nördlicheren Mittelmeerländer. Es liegen das großgriechifche Syrakus in 18,5 Grad, Athen in 17,5, das geheim­nisreiche vorrömische Etrurien sogar in nur 14,5 Grad mittlerer Iahreswärme. In Der späteren Griechen­zeit verschiebt sich das Machtzentrum von Hellas wiederum nach Norden, nach Makedonien, mit 16 Grad. In den Jahrhunderten um Christi Geburt liegt die Vormacht in Nom mit einer Jahreswärme von 15,5 Grad.

Um diese Zeit erkennen wir schon, wie Gegenden, die man Jahrhunderte vorher als rauhe, klimatisch unwirtliche Barbarenländer betrachtet hatte, Mittel­punkte höchstentwickelter Gesittung geworden sind; denn als solches Land galt beispielsweise der grö­ßere Teil Italiens zur ersten Zeit der großgriechi- schcn Kolonisation in Stiditalien noch durchaus. Während der Römerzeit sehen wir dann den Pro­zeß der Eroberung des Nordens überraschend schnell weitergehen. Noch zur Zeit Hannibals waren die Alpen bie Grenze des römischen Horizontes, die Gegenden jenseits von ihnen ein finsteres Land von Himatifd)er Unmöglichkeit, wie für uns heute etwa die nordfibirifchen Waldgebiete. Wenige Jahrhun­derte später ist Gallien, Südwestgermanien, ein großer Teil des Donavlandes, mehr als die Stid- hälfte Großbritanniens blühendes römisches Kul­turland, mit luxuriösen Villen und Kaiserpalästen. Und der Prozeß schreitet fort. Noch ein Jahrtau­send weiter, da sind diese Gegenden nicht mehr De- pendenzen des Südens, sondern selbst Kultur- und Machtmittelpunkte erster Ordnung: London hat 10,5, Antwerpen, Paris etwa 10 Grad Jahrestempe­ratur. Norddeutfchland tritt hinzu: Lübecks Hanfa- Blüte dauert vom 12. bis 16. Jahrhundert. Mit dein 18. Jahrhundert beginnt Preußens, ja Rußlands Aufstieg zu maßgebenden Mächten, nachdem vorher schon Schweden bedeutsam geworden war. Stock­holm, Norddeutschland hat 7 bis 9 Grad, 5 bis 6 Grad, Petersburg und Moskau um 4 Grad mittlere

Die Statistik Der deutschen literarischen Pro­duktion im Jahre 1928 zeigt nach den letzten Veröffentlichungen des Deutschen Buchhänbler- Börsenvereins ein nicht unbeträchtliches Sinken < la^nunepuci» von o.vz, jui. /r-

gegenüber dem Jahre 1927. Es wurden 1927 | betrug Dieser für Das Jahr 1928 nur 6,5o Mi.