zeichnend, daß ein Kanadier der Vorfechter dieses Optimismus ist. Denn gerade Kanada ist das beste Bei viel einer gewohnten Anschauung von der Unwirtlichkeit nördlicherer Gegenden über tgn Haufen werfenden Entwicklung. In diesem Lande, des,en Name in der neuen Welt so klang wie Sibirien in der alten, unterscheidet sich schon heute der ganze Grenzstreifen im Süden von den Nachbargebieten der Vereinigten Staaten kulturell so gut wie gar nicht mehr: reiche und glänzende Städte liegen hier im Westen und Osten, blühende Kornkommergefilde in der Mitte. Mit dem Bau der noch nördlicher geführten Grand Trunk Railway, die auch wieder zuerst als unsinnig bekämpft wurde, wandelte sich der Charakter auch dieser Gegend zusehends, so daß jetzt schon wieder von dort aus Bahnbauten und Bahnpläne hinausstreben, bis an die Ufer der Hud- fonbay und in andere Gegenden, die früher allein dem einsamen Pelzjäger vorbehalten schienen.
Der Verfasser zeigt dann aus seiner Fülle persönlicher Kenntnis in sehr fesselnder Weise, wie der hohe Norden der Erde klimatisch meist ganz irrig beurteilt werde. Nach seiner Meinung verflüchtigt sich der größte Teil seiner Schrecken, wenn man sich richtig auf die arktische Natur einstellt, im Verhalf nis zu den gegenwärtigen Hilfsmitteln ganz ähnlich wie sich die Unwirtlichkeit des finsteren und rauhen Germaniens, nach Tacitus Auffassung, später ver- flüchtigt hat. Es ist z.B. in den kontinentalen Ge- genden des hohen Nordens im Sommer eher unbehaglich warm statt au kalt; so warm jedenfalls, daß bei geeigneter Fruchtwahl Ackerbau sehr viel hoher hinaufgetrieben werden kann, als man gemeinhin denkt. Ferner sei die erwähnte Renntierzucht noch in größtem Umfang ausdehnbar. Ja mit dem merkwürdigen Polarrind (Moschusochse) der allerhöchsten arktischen Regionen glaubt er auch diese Gegenden zu menschlicher Viehzucht verwendbar machen zu können. Pelztierzucht, dieser bedeutende Produktionszweig der Zukunft, kommt für sie hinzu. Dann Jagd und Fischfang in viel größerem Ausmaß als heute. Endlich die Wahrscheinlichkeit noch viel aus- gedehnterer Funde von Kohlen und Metallen — wie man sie heute schon in Spitzbergen, Alaska, Sibirien kennt.
Solche Erwägungen haben in der Tat eine ungeheure Bedeutung in einer Zeit, wo die Menschheit ernsllich besorgt zu werden anfängt, wie die Oberfläche dieses kleinen Planeten Erde künftig imstande sein soll, die sich stetig mehrende Bewohnerzahl zu ernähren, und wie man neue Fundstätten von Bodenschätzen an Stelle der sich erschöpfenden älteren erschließen kann.
Zum Schluß geht Steffansion auf die Mittel zur Entschleierung, Erforschung, Erschließung, Besiede- lung und Verkehrsverknüpfung der Arktis ein und behandelt als solches vor allem das Luftfahrzeug. In einer Uebersicht über die jüngste Geschichte der Luftfahrten zeigt er, wie das Flug^ug und in noch höheren Graden das lenkbare Luftschiff, ungeachtet solcher — vermeidbarer — Katastrophen wie die Nobllesche, das Hauptwerkzeug der Zukunft für die Entwicklung sein werden.
In diesem Sinne interessiert Steftanssons Buch zur Stunde nirgends mehr als gerade bei uns in Deutschland. Es lehrt mit schlagender Deutlichkeit, daß eine Expedition wie unsere für das nächste Jahr geplante Polarfahrt mit dem Luftschiff „Graf Zeppelin" nicht nur eine theoretische Gelehrten- Angelegenheit ist und nicht nur einen vorübergehenden Charakter hat, sondern daß sie ein organisches Glied in einer großen, unausbleiblichen Entwicklung bildet und schon durch die beabsichtigte Ausprobung der Derwendungsinöglichkeiten dieses zur Zeit vollkommensten aller Luftschiff-Typs in der Arktis, eine entscheidende Phase darin bedeuten wird. Eine große Tat, die Deutschland heute schon und heute noch allein tun kann, die aber, wenn wir es nicht tun, binnen kurzem andere Völker tun werden.
Musikpädagogischer Kursus.
Z. Alsfeld, 18. April. Dieser Tage fand hier unter Leitung von Hochschuldozent Heinrich QBerle (Leipzig) ein musikpädagogischer Kursus statt, an dem 31 Lehrer des Kreises teilnahmen. Aach Eröffnung durch Lehrer Zoll (Alsfeld), der in einleitenden Worten auf die Reformbestrebungen auf dem Gebiete des Musikunterrichts hinwies, begann Dozent W e r I e seine aus dem reichen Schatze eines tiefen Wissens und Könnens geschöpften, hochinteressanten Ausführungen. Er bemerkte einleitend, daß es gelte, sich in die neue Zeit umzustellen, die Epoche der Sachlichkeit, die in der Musik nicht etwas Hebersinn- liches sehe, sondern etwas, was schon im Kinde vorhanden sei, in ihm lebe. Diese grundlegende Tatsache sei schon Richtung gebend für den Weg, den die Musikerziehung einzuschlagen habe. Es könne sich bei der Schulmusikcr iehung nicht darum handeln, Musik an das Kind heranzutragen, sondern in ihm zu entwickeln und zu verankern. 3n den Mittelpunkt seiner Arbeit hatte der Vortragende den Aufbau der Laut-, Stimm« uni) Tonbildung gestellt, als Fundamente eines schönen Gesanges. In praktischen Hebungen wurde die Bildung der Vokale behandelt; dabei zeigte sich, wie notwendig solche Kurse für die Erteilung eines erfolgreichen Unterrichtes find. Don besonderer Bedeutung für die Praxis des Musikunterrichts in der Volksschule waren die neben den theoretischen Belehrungen her- lausenden Lehrproben mit einer Schulklasse
(5. Schuljahr) der hiesigen Stadtschule. Hier zeigte | Dozent Werlä die Einführung in das Tonreich auf einfache naturgemäße Weise unter Anwendung eines von ihm selbst in jahrelanger Arbeit I
erprobten und von ihm selbst zusammengestellten Silbensystems, und kam damit auf das wichtige Gebiet der Gehörbildung. Hier gelte es, Wissenschaft, Kunst und Aatur zu Hilfe zu neh-
Bei Europas Blumenlieferanten.
Oie Nosenkönige von Aalsmeer. - Stille Börse. - Elektrische Auktionen.
Don unserem Dr. G. 8tr.-Sonderberichterstatter.
(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!)
A a l s m e e r (Holland), im Frühling 1929.
Es will hier draußen in Aalsmeer noch immer nicht recht Frühling werden. Denn dieser Winter mit seiner Fülle von Schnee und seinen zähen Frosttemperaturen läßt sich nicht von den ersten warmen Westwinden, die vom Ozean her herüberstreichen, wegscheuchen, aber drinnen in den riesigen Glashäusern herrschte schon Frühling und Sommer, blühte und duftete es in einer wahrhaft tropisch erscheinenden Wärme, während noch nebenan auf den Kanälen die Jugend dem Eislaufsport huldigte. ...
Aber ich muß wohl erst vorstellen, nicht wahr?
Gestatten — Aalsmeer! Drei Meter unter dem Meeresspiegel, eine Stadt mit unzähligen kleinen Gärtnerhäuschen und großartigen Glaspalästen, Tausende und aber Tausende von Garten, als künstliche und natürliche Insel zwischen Graben und Sümpfen gelegen — das ist Aalsmeer!
Die drei Meter unter dem Meeresspiegel sind, so absurd dies auch klingen mag, als „Höhenbezeichnung" zu verstehen, denn diese größte und seit kurzem auch bedeutendste Gärt- nerstadt Europas liegt gleich vielen anderen Orten der Aiederlande unter dem Rormal- spiegel der Aordsee, und zwar am Zugang zum sogenannten Haarlemer Meer.
Das Seltsamste aber ist: die Einwohner von Aalsmeer, samt und sonders Gartenbauer, Gartenarchitekten und Topfpflanzen- sowie Rosen- strauchfabrikanten, diese Leute haben es durch unermüdlichen Fleiß und Erfassung aller nur erdenklichen, modernen Hilfsmittel auf dem Gebiete der Garten- und Treibhaustechnik verlanden, trotz des rauhen, holländischen Klimas ein Blumenparadies zu schaffen, wie es in solcher Ausdehnung von Europa noch nie gesehen wurde
Wollen Sie ein paar Zahlen hören?
Von hier wurden allein im letzten Jahr für 8,5 Millionen Mark Rosen exportiert, das sind mehr als 55 Millionen Stück verkaufte Rosen, die mit dem Flugzeug, mit der Bahn und mit dem Frachtauto noch im frischen Zustande in alle erdenklichen Gegenden gebracht wurden, vor allem natürlich nach Frankreich, Belgien und Deutschland, dann nach England, in die Schweiz, nach den skandinavischen Ländern und selbst weit nach dem Balkan hinunter.
Morgens um 9 Hfjr werden die Rosenstöcke beschnitten, eine Stunde später im prächtigen Dau der „Blumenbörse" von Aalsmeer an die Herren Großexporteure abgesetzt, eine halbe Stunde darauf entweder im Flugzeug oder im v-Zuggüter- wagen verladen, um — wenn der Transport durch die Luft erfolgt — bereits gegen 3 Hhr nachmittags in den Luxusblumengeschäften Londons. Berlins oder Paris' die Bewunderung der Vorübergehenden zu erwecken.
Das ist das Tempo unserer Zeit!
Aber nicht die Rosen allein, von denen es hier die seltensten Züchtungen und geradezu unerschöpfliche Abarten gibt, haben den Ruhm und das Ansehen Aalsmeers begründet. Denn eine besondere Spezialität, von Australien ebenso gesucht wie von Amerika, bilden die in grotesken und bizarren Formen geknechteten Zwerg- bäume und Hecken, die nach dem Willen der unermüdlichen Gärtner oft die Gestalt von Kronen, Urnen, Böcken, Hunden und Vögeln annehmen müssen. Das alles sind zum Tell sündhaft teure Gewächse, die zwanzig, dreißig und auch hundert Jahre brauchen, bis sie richtig „ausgewachsen" sind, um dann in irgend einen amerikanischen Milliardärspark verpflanzt zu werden. Versteht sich, daß Hollywood für derlei Luxusprodukte besonders eifriger Abnehmer ist. Die Leute von Aalsmeer tragen sich schon mit dem Gedanken, in Hollywood eine eigene Expositur zu errichten. Aber finden Sie es nicht sonderbar, daß man im kalifornischen Paradies Gewächse aus dem nebligen Holland bezieht?
Allerdings besitzen die Gärtner von Aalsmeer eine eigene, große Einkaufsorganisation, um in vorteilhafter Weise die erforderlichen Geräte, den notwendigen Dünger, die in die Millionen gehenden Blumentöpfe, die Brennstoffe sowie das Glas zu beschaffen.
Ich bin nicht für Zahlen, aber in diesem Falle sagen sie mehr als alle Worte: 1928 wurden nur 2 Millionen Blumentöpfe und bloß 10,5 Millionen Kilogramm Kohle oder Koks zur Beheizung der Glashäuser verbraucht. Es besteht also hier eine richtige Industrie zur Erzeugung von Blumen.
Hunderterlei, nein tausend Arten von Blumen werden hier gezüchtet, gekreuzt, mit allen Schikanen modernster Gartenbautechnik weiter ent
wickelt, vor allem die holländischen Rationalblumen, die Tulpen und Rarzissen, dann Lev- kohen, Dahlien, Pelargonien und besonders Alpenveilchen, von den verschiedenen Begonien, oarnen, Azalien und — Palmen gar nicht zu reden.
Winter und Sommer, Frühling und Herbst wird ununterbrochen „geerntet“. Die Jahreszeiten spielen in der schwülen Treibhausluft der Glashäuser von Aalsmeer keine Rolle.
Die Blumen blühen zu jeder Zeit, vor allem natürlich nach dem Weltbedarf. Die Wintermonate sind demgemäß die „stärksten". Da konzentriert sich der Blumenhunger ganz Europas auf Aalsmeer, selbst an die Rivier a, nach Cannes, Rizza und Monte Carlo müssen seit dem Kriege alljährlich große Dlumensendungen dirigiert werden, obgleich die Blumenzüchter an der Azurküste auch nicht faul sind. Aber was macht es schon einer amerikanischen Millionärstochter, wenn die „Aufmachung" ihres Lieblingsautos beim großen Dlumenkorso in Cannes den Pappenstiel von 30 000 holländischen Gulden oder 50 000 Goldmark kostet?! Wenn sie nur den „Ersten Preis" erhält, wenn sie nur die anderen, besonders aber die lieben Freundinnen aus 11. S. A. ausstechen kann — alles übrige spielt keine Rolle. Und auf die Erzeugung von Luxusblumen, deren Dreis keine Rolle spielen darf, hat man es natürlich in Aalsmeer besonders abgesehen.
Eine Miß Ruth C. aus Reuhork, zur Zeit Deausoleil bei Monte Carlo, hatte kürzlich eine Waggonladung einer besonders raren Rosenart in Auftrag gegeben, um in Rizza damit Furore zu machen. Der Spaß hat sie ein Vermögen gekostet. ...
3n diesem Winter durften die Leute von Aalsmeer besonders zufrieden sein. Den Kollegen in Südfrankreich und Italien sind wegen der abnormen Kälte der letzten Wochen die meisten Sprößlinge erfroren. In Aalsmeer müssen daher die Blumen im Akkord knospen und blühen. ...
Aalsmeer hat in der „Cooperatieve Tuinbouw Aankoop-Vereeniging“ (C. T. A. V.) seine besondere Einkaufsgenossenschaft und wirtschaftliche Organisation. Die C. T. A. D. baut die Häuser, sie betreibt jetzt sogar eine vollständig eingerichtete „3imnierfabrif‘, sie liefert die Heizungsapparate und regelt die Versorgung mit Brennmaterial. Aalsmeer weist ferner zwei große Gartenbauvereine auf, die „Centrale Aalsmeersche Veiling“ (C. A. V.) und „Dlumenlust". Ferner gibt es dort einen Kontrolleur, der genau zu untersuchen hat, ob die für die Ausfuhr bestimmten Pflanzen und Produkte auch wirklich tadellos und gesund sind. Deshalb werden für sämtliche zum Export gelangenden Blumen besondere Gesundheitszertifikate ausgestellt.
Es gibt zwei „Blumenbörsen" in Aalsmeer, die im Gegensatz zu anderen Börsen, bei denen es bekanntlich recht lärmend zuzugehen pflegt, ruhig, fast feierlich verlaufen.
Jeder Dörsenbesucher hat selbstverständlich seinen bestimmten „Stammplatz". Heber dem Aultionsstand, gegenüber den Tribünen, befindet sich der elektrische „Verkaufsapparat", der aus einem großen Zifferblatt besteht, auf dem ähnlich wie bei einer Hhr die Zahlen 1 bis 100 notiert sind. Die ersten zehn Ziffern weisen eine neuerliche Unterteilung auf. Innerhalb der großen Scheibe befindet sich noch ein Quadrat, das einem besonderen Zwecke dient. Davon soll noch gesprochen werden.
Die Handwagen, auf denen sich die zum Verkauf gelangenden Produkte befinden, werden nacheinander vor die Sitzplätze der Dörsenbesucher gerollt. Richt feiten begnügt man sich damit, nur ein Musterexemplar vorzuzeigen.
Gleichzeitig ruft ein Beamter in die herrschende Stille hinein die Wenge der angebotenen Blumen sowie den Ramen des Züchters. 3m gleichen Augenblick tritt oben an der Wand, gerade über dem Kopfe des Auktionators, der elektrische Apparat in Tätigkeit, der jegliches laute Feilschen überflüssig macht. Der Zeiger bewegt sich nämlich wie auf einer Hhr, von der Ziffer 1 angefangen, langsam im Kreise weiter. Sobald der Zeiger nun die Ziffer erreicht, welche den Betrag in Cent bzw. in Gülden angibt, den einer der Dörsenbesucher anlegen will, so braucht der Kauflustige nur auf einen Knopf, der sich neben jedem Sitz befindet, zu drücken, um den Apparat zum Stehen zu bringen. Sobald aber der Zeiger in seiner Dewegung innehält, erscheint in roter Beleuchtung auf dem vorhin erwähnten, geheimnisvollen Quadrat in der Mitte des Zifferblattes die Sihnummer des Käufers. Der Auktionator stellt den Kaufabschluß fest — schon rollt ein neuer Wagen heran. ...
men. ES sei psychologisch erwiesen, daß unser» Rotennamen kein geeignetes Mittel zur Einführung in die Tonvorstellung für das singend zur Musik kommende Kind seien. Es hätten sich daheim Laufe der Zeit bereits mehrere Tonsilbensysteme herausgebildet (Eilz, Tonika-Do), die aber nach Ansicht des Kursleiters die Einstellung auf unseren inneren Singapparat vermissen lassen. Ein solches System müsse, der physiologischen Forschung folgend, im Kehlkopf verankert sein und anderseits auch die sprachmotorischen Momente berücksichtigen. Endlich müsse es die Möglichkeit der Heberführung in unsere R o t e n s ch r i f t möglichst naturgemäß und leicht gestatten. Alle diese Momente hatten den Redner zur Aufstellung einer neuen Silbentafel veranlaßt, die in ihrer Ausgangstonart die Vokale nach ihrer Klangfarbe (vom dunkelsten [u] zum hellsten sij) ordnet. Zu diesen absolut-en Tonsilben läßt Herr Werle relative Handzeichen treten zur seelischen Beeinflussung, um die betreffende Tonvorstellung wachzurufen; denn Singen sei keine rein technische Angelegenheit. 3n zwei einstündigen Lehrproben mit vollständig unbeeinflußten Kindern erbrachte Dozent Werle den Beweis, daß hier ein Weg liegt, der ohne Hmschweife zum Ziele führt, und auf dem er in seiner Praxis überraschende Erfolge in der Gehörbildung erzielt hatte.
Als weiterer grundlegender Faktor in der Musikerziehung komme der bewußte Atem in Frage. Hier gelte es, jede Spannung im Kehlkopfe zu vermeiden und das Zentrum der Atmung möglichst weit vom Stimmapparat weg zu verlegen. Das Einatmen geschehe bei geschlossenem Munde. Auch die für die Gegenwart bedeutsame Liedgutfrage behandelte der Vortragende eingehend. Bei der Besprechung des Volks - liebes stellte er fest, daß die Auffassung über das Wesen dieser Liebgattung zu jeber Epoche bet Geschichte je nach der Weltanschauung eine andere war. Viele derselben seien mit der Zeit so verändert, daß von ihrer ursprünglichen Form nichts mehr zu verspüren fei; sie seien zersungen. Zu beginnen wäre auf der Hnterftufe mit Dem Spiellied, das den Hebergang zum Schulleben vermitteln helfe. Auch das Sialeltlieb sei nicht zu übersehen. Zu vermeiden seien alle Lieder, die zu gefühlsmäßig eingestellt seien. (Z. D. „CBenn ich den Wandrer frage", «Goldene Abendsonne".) Selbstverständlich müsse auch daS volkstümliche Lied gepflegt werden; doch müsse man sich dabei an eine gute Liedersammlung halten, von denen in letzter Zeit eine Anzahl recht brauchbarer herausgekommen seien. In diesem Zusammenhänge ging Herr Werls auf die Person Schuberts näher ein und charakterisierte das Wesen des Lieberfürsten als eine Offenbarung stärkster Individualität. Aus biefem Grunde feien seine Lieder auch nicht zu Volksliedern geworden. Er blieb bei der Gestaltung unter der Oberfläche (Harmonie) und stand neben Beethoven himmelhoch über feiner Zeit. Herr Werle verstand es in ausgezeichneter Weise, die Erkenntnisse an Hand Schubertscher Werke durch vollendeten Vortrag am Flügel zu veranschaulichen unö bereitete damit den Teilnehmern eine wahre Feierstunde.
Der letzte Tag brachte neben hervorragenden Stimmbildungsübungen noch wichtige Fingerzeige für die erste Einführung in die Rotenschrift. Als Grundsatz gelte, daß erst bann von einer Festlegung des Tones burch die Ro:e die Rebe sein könne, wenn die Tonvorstellu..g erreicht sei. — Da Schulmusik nicht mehr ei;.e Angelegenheit rein künstlerischer Art, sondern eine soziale Sache sei, die ihren Weg in die Familie suchen solle, um von ihr ins Volk zu bringen, müsse es Aufgabe aller berufenen©te.-.n fein, ihr den Weg zu diesem Ziel ebnen zu helfen. An der inneren Bereitschaft der Lehrerschaft ha e es nicht gefehlt; sie gebe auch jetzt noch, trotz der harten Wirklichkeit, einen starken Resonnanzboi en für aufwärtsstrebende Ideen und habe es mit uer selbständigen Inangriffnahme dieser Veranstaltung aufs neue bewiesen.
Daten für Sonntag, 21. April
1488: Ulrich von Hutten auf Burg Steckelberg bei Fulda geboren; — 1782: der Pädagoge Friedl.ch Fröbel zu Oberweisbach i. Th. geboren; — 1828: der Philosoph und Geschichtsschreiber Hippolyte Taine in Bouziers geboren; — 1924: die italienische Schauspielerin Eleonore Düse in Pittsburg gestorben.
Daten für Montag, 22. April.
1073: Papst Gregor' il. führt das Zölibat ein; — 1724: der Philosoph Immanuel Kant zu Königsberg geboren; — 1766: die Schriftstellerin Germaine von Stael-Holstein in Paris geboren; — 1819: der Dichter Friedrich von Bodenstedt in Peine geboren.
Aus dem Amtsverkündigungsblatt.
• Das Amtsverkündigungsblatt Rr. 26 vom 19. April enthält: Den Geschäftsgang beim Kreisamt Gießen. — Landwirtschaftliche Bodenbenuhung. — Feldbereinigungen in Großen-Buseck, Grohen-Linden und Ronnenroth. B WWg lkWen 81k BiaTa o Me indem Sie meinend und abends 1 bis 2 ©erber- Keine nehmen. Sie erhalten Herber-Kerne idivtt in '.Vienoen von 30 Gramm in Slvcn efen 116') )
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Eine die Konstruktion der Henschel- Wagen am sinnfälligsten charakterisierende Eigenschaft ist ihre
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Generalvertretung für Gießen und Umgegend: Ing. R. Güngerich & Co., Gießen, Liebigstraße 58, Fernruf 4186
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