Ausgabe 
19.8.1929
 
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Am zehnten Jahrestag des Polenausstandes in Oberschlesien.

Die zersplitterte Polensront.

K a t t o w i h , 19. Aug. ($11. Funkspruch.) Die Feiern aus Anlaß des 10. Jahrestages des Pol­nischen Aufstandes sind in der Wojewodschafts­hauptstadt, soweit bisher bekannt ist, ohne we­sentliche Zwischenfälle verlausen. Schon am Samstag wurden die Feierlichkeiten durch den Wettmarsch der Aufständischen an die Oder eingeleitet, wobei ein Teilnehmer am Ziel vom Hihschlag getroffen wurde. Am Abend fand unter der Beteiligung des Militärs und der militäri­schen Organisationen ein Zapfenstreich statt mit anschließender Kranzniederlegung am Aufstän- dischen-Denkmal. .

Ein für die politischen Verhältnisse m Ober­schlesien charakteristisches Bild bot sich den Zu­schauern am Sonntag morgen, wo aus alten Teilen der Wojewodschaft die polnische Bevöl­kerung zusammenströmte und in zwei scharf getrennten Lagern an den Feierlichkeiten teilnahm. Da für das christlich-natio-^ n a l e Lager unter Führung K o r f a n t y s ieg- lichen Umzug von seilen der Polizei verboten war fand die nach mehreren Zehntausenden zählende Menge, die sich aus allen Schichten der Bevölkerung zusammensehte, sich lediglich zum Gottesdienste in der Kathedrale, em und begab sich anschließend an das Aufständischendenkmal, wo Korfanth in einer Ansprache der gefal­lenen Helden gedachte, aber auch zugleich mit unverbmmter Ironie auf die Rechtszu- stände im befreiten Polen hinwies, die dazu geführt hätten, daß die polnische Ein­heit in Oberschlesien zersplittert worden sei. Es war sehr bezeichnend, daß die Veranstaltung der Korfantypartei von einem starken Polizeiaufgebot mit auf» gevflanztem Seitengewehr begleitet wurde.

Tie zurmoralischen Sanierung" stehenden Organisationen hatten alles aufgeboten, um v o r dem Staatspräsidenten in Massen zu demonstrieren. Noch im letzten Augenblick wur­den den Aufständischen neue Uniformen unentgeltlich geliefert und jedem ein Trink­geld zugesichert, um recht viele Teilnehmer zu gewinnen. Den Ortsgruppenführern wurden Be­lohnungen angeboten, damit sie recht viel Leute auf die Beine brächten. Trotz dieser Lockmittel war die Beteiligung an den Feierlich- lichleiten der Regierungsrichtung sehr mäßig. Dor dem neuen Wojewodschaftsgebäude wurde ein Gottesdienst abgehalten. Anschließend daran fand eine Vorbeimarsch vor dem Staatspräsi­denten, dem Wojewoden und den Vertretern der Behörden und am Abend eine Empfang im Wojewodschaftsgebäude statt. Die Kattowiher Bevölkerung war gegenüber den Veranstaltungen sehr zurückhaltend.

BSuirge Zusammenstöße in Oesterreich.

Graz, 18. Aug. (WB.) In der Ortschaft Sankt Lorenzen in Ober-Steiermark kam es heute nachmittag zu schweren Zusammenstößen zwischen H e i m weh r le u te n und So­zi aldemokraten. Im Verlauf eines über­aus heftigen Handgemenges fielen mehrere Schüsse. Ein Mann, angeblich ein sozialdemo­kratischer Parteigänger, wurde getötet. Zehn Personen sind schwer, vierzig leicht verletzt wor­den. Die Verletzten gehören beiden politischen Gruppen an. Es dauerte ziemlich lange, bis ein großes Aufgebot von Gendarmerie die Ruhe wieder hergestellt hatte. In Sankt Lorenzen hatte eine sozialdemokratische Versamm­lung stattgefunden, zu der am Rachmittag auch politische Gegner erschienen waren. Rach längeren Plänkeleien kam es zu Handgreiflich­keiten, die rasch zu einer großen Rauferei

Wege zu einer Verständigung auf dem internationalen Kohlenmarkt.

Berlin, 19. Aug. (Priv.-Tel.) Seit etwa zwei Jahren beschäftigt sich die Oeffentlichkeit mit der Frage einer internationalen bzw. euro­päischen Kohlenverständigung, ohne daß aber seitens der unmittelbar interessierten Kreise ir­gendwelche erwähnenswerten Schritte unternom­men worden wären. Der Bericht desReichs- kohlenverbandes über das Jahr 1928/29 zeigt mit erschreckender Deutlichkeit, wie ver­worren die Verhältnisse auf dem Weltmärkte für Kohle sind und wie schwer durch die sich gegenseitig unterbietende Konkurrenz Englands, Deutschlands und Polens der Bergbau dieser Länder selbst in Mitleidenschaft gezogen und in seiner Rentabilität getroffen wird. Bei einer Betrachtung der internationalen Kohlenmarkt­lage darf man vor allem nicht die Konkur­renz der polnischen Kohle, die ihre Produktion am höchsten gesteigert hat und noch weiter zu vergrößern bemüht ist, unterschätzen: der polnischen Kohle ist es gelungen, wesent­liche Teile des skandinavischen Marktes für sich zu gewinnen unter Verdrän­gung der deutschen und englischen Kohle. In diese ganze Zusammenhänge hineinzuleuchten und die Wahrheit offen auszusprechen, ist dem eng­lischen Wirtschaftsminister Graham Vorbehal­ten geblieben. Er hat sogar auf der politischen Haager Konferenz offen zugegeben, daß nicht allein die Beseitigung der Konkurrenz durch die deutschen Reparationskohlenlieferungen dem eng­lischen Bergbau Helsen kann, sondern daß dar­über hinaus eine internationale Ver­ständigung zum mindesten aber eine Ver­einbarung zwischen dem deutschen und englischen Bergbau die Lösung der Hauptschwierigkeiten be­deuten würde.

Es hat also hier der offizielle Regierungsver­treter Englands gesprochen, und Loucheur, der französische Wirtschaftsminister, hat die Aus­führungen seines englischen Kollegen noch be­sonders unterstrichen und daraus hingewiesen, daß bereits vor zwei Jahren auf der Genfer Weltwirtschaftskonferenz Pläne einer Verstän­digung auf dem Gebiete der Kohle und des Zuckers erörtert worden seien, deren Umsetzung in die Praxis jedoch sich schon damals infolge der unnachgiebigen Haltung der englischen Dele­gierten von vornherein als unmöglich erwies. Wenn nun der offizielle Regierungsvertreter Englands jetzt offen auf die Rotwendigkeit einer europäischen Kohkenverständigung hingewiesen hat, so ist mit Sicherheit anzunehmen, daß er dies nicht getan hätte, wenn nicht vorher irgend­eine Fühlungnahme mit den Bergbaukreisen Eng­lands stattgefunden hätte. In der Tat liegen die Dinge heute int englischen Bergbau wesentlich anders als vor zwei Jahren. Die Hoffnung des englischen Bergbaues, daß es ihm gelingen werde, durch seine niedrigeren Löhne und Ge­

stehungskosten die Konkurrenz der deutschen Kohle zu schlagen, ist n i ch t in Erfüllung gegangen, der deutsche Bergbau ist restlos rationalisiert und womöglich, auf den maschinellen Betrieb um­gestellt. Produktionsvvrteile, die die niedrigeren Gestehungskosten des englischen Bergbaus wieder, aufwiegen. Die Aufgabe dieser Hoffnung hat Wohl den ersten Anfang zu einer beginnenden Kartell­neigung in England hervorgerufen.

Die gegenwärtige englische Regierung, der eine Behebung der englischen Bergbaukrise sehr am Herzen liegt, hat sich positiv für eine Syndizierung des englischen Berg­baues erklärt und es nicht nur bei dieser Er­klärung belassen, sondern bereits auch Maßnah­men ergriffen, um diesen Zusammenschluß im englischen Bergbau möglichst rasch zu erreichen. Wenn es erst einmal ein englisches Kohlen­kartell gibt, dann ist anzunehmen, daß der deutsche Bergbau wahrscheinlich auch aus seiner bisherigen Taktik der äußersten Zurückhaltung gegenüber allen internationalen Kartellierungsbe­strebungen heraustreten wird, weil dann der eng­lische Bergbau als organisierter Verhandlungs­partner geschlossen aufzutreten in der Lage wäre. Die Bestrebungen, die vorläufig auf priva­ter Seite noch nicht zu irgendwelchen Verhand­lungen geführt haben (direkte Verhandlungen zwischen dem englischen und deutschen Bergbau sind nicht bekannt), werden zweifellos durch die Vorgänge auf der Haager Konferenz eine weit­gehende Unterstützung erfahren. Es fei daran er­innert, daß Ende September vor dem Völ­kerbund, der zu diesem Thema auch eine Denkschrift ausgearbeitet hat, zwischen Vertre­tern der Arbeitgeber und Arbeitnehmer des Bergbaus Besprechungen über die Möglich­keit einer internationalen Kohlenverständigung stattfinden, die sicherlich durch die Erörterungen auf der Haager Konferenz eine Beschleunigung erfahren werden. Daß die Ueberproduk- tion an Kohlen, die nun schon seit Jahren besteht, nur durch ein internationales Kontingent­abkommen, durch das sich die einzelnen Länder weitgehende Produktionseinschränkungen auferle­gen, beseitigt werden kann, ist Wohl klar: nüt auf diesem Wege kann die Unwirtschaftlichkeit des Bergbaus aufgehoben werden, nachdem es sich gezeigt hat, daß der Ausbau der Kohle­verflüssigung und der anderen Kohlenverwer­tungsmöglichkeiten doch nicht genügt, um die bestehende Ueberkapazität zu beseitigen. Auch für den deutschen Inlandmarkt wäre ein solches Abkommen nicht von Rachteil, da es dann nicht mehr nötig wäre, den Verlust des Export­geschäftes durch hohe Inlandpreise auszugleichen. Daß diese Verluste sehr groß sind, beweist Wohl am besten die hohe Syndikatsumlage des Ruhr­bergbaues.

ausarteten. Der Vorfall hat in ganz Steiermark große Erregung ausgelöst, man erwartet poli­tische Konsequenzen und entscheidende Maßnah­men der Regierung. Ein Heimwehrfest und eine sozialdemokratische Kundgebung in Rieder- Oesterreich verliefen ohne jeden Zwischenfall.

Ein getadelter Volkskommissar.

Kow n o, 17. Aug. (TU.) Wie aus Moskau ge­meldet wird, haben das Zentralkomitee und die Zentralkommission der Kommunistischen Partei dem Volkskommissar für Volksbildung, Lünor­ts ch a r s k i, ihre Unzufriedenheit wegen der Ab­tragung der Kapelle am Roten Platz aus­gesprochen, in der das berühmte Muttergottesbild sich befand. Das Zentralkomitee und namentlich die Zentralkontrollkommission sind der Auffassung, daß KOTCTnrsrrBBiDrMmÄ-rtjsKweaeHHHeQeBOTÄnEKixBBSSKiMBi

diese Maßnahme Lunartscharskis den Interessen der Sowjetunion auf innerpolitischem Gebiet nicht ent­sprochen habe. Die Partei hatte bekanntlich Lunar- tscharski bereits vor einiger Zeit einen Verweis dafür erteilt, daß er in Leningrad den Moskauer Eisenbahnzmg aufhalten ließ, um seine Frau mittommen zu lassen, die sich um einige Minuten verspätet hatte.

Rußland beklagt sich über chinesische Grenzüberfälle.

Moskau, 18. Aug. (WB.) Wie die Telegra­phenagentur der Sowjetunion berichtet, sind wie­derholt Ueberfälle im Gebiet der O st - china-Dahn auf Sowjetgrenzposten und fried­liche Bevölkerung durch Weißgardisten und chinesische Banden gemacht worden.

Oie Mücken Von Bangkok.

Von W. K. von Nohara.

Ursprünglich sollte der ArtikelDas Rächt- leben von Bangkok" heißen, aber bei näherem Besehen ist das Nachtleben da unten in Siam eine Überschrift nicht wert: dagegen sind es die Mücken. Von sechs Uhr abends bis acht Uhr abends beherrschen die Mücken das ganze ani­malische und soziale Leben von Bangkok: sie sind es, die dem Leben die einzige Abwechslung, der Gesellschaft das einzige Gesprächsthema, dem Zeitungsmann den einzigen Stoff zu einem Feuilleton bieten. China hat seine Bürgerkriege, Japan seine Erdbeben, Indien seine Gemetzel, überall istetwas los", Siam hat aber in der Hauptsache nur seine Mücken und das große Glück des Unbekanntseins, des Abseitsliegens.

Was weiß man in Europa von Siam? Von allen Kaiserreichen ist keines so unbekannt, hat keines so wenig von sich reden gemacht, wie Siam. Das Kaiserreich Korea ist unter­gegangen, das Kaiserreich Japan hat einen merk­würdigen Aufschwung genommen, das riesige China hat seinen jugendlichen Kaiser gefangen gesetzt nur Siam ist das alte geblieben. Es hat keine Probleme, es hat keine Krisen, cd baut keinen Gummi und keine Kriegshäfen, es rüstet nicht ab, und es rüstet nicht auf.

Doch, einige junge siamesische Herren in Bang­kok lernen das Fliegen.

Die jungen siamesischen Herren von Bangkok bewegen sich, wie das heutzutage bei allen Asia­ten, mit Ausnahme der Japaner, der Fall ist, mit völliger Freiheit in der weihen Gesellschaft. (Die Ausnahme Japan: da bewegen sich die weißen Herren mit völliger Freiheit in der japanischen Gesellschaft.) Sie sitzen mit Eng­ländern und Franzosen an der Bar und spielen mit ihnen Golf die zwei Dinge, die der Asiate heute zuerst von seinen weißen Lehrmeistern lernt.

Die jungen siamesischen Damen von Bangkok tragen mit Anstand und Grazie den seidenen Sarong", der allerdings immer mehr das Batik» muster verliert,Pastelltöne" annimmt und knie­lang, d. h. kniekurz zu werden die Reigung zeigt, iioAU seidene Blusen, oder Jumper, Schuhe oder Sie batoi kein^-otrümpfe und den Herrenschnitt. -- wie schnell daeßen Schwestern alles abgcgudt beweglich, unbelaste-geht! sie sind jungenhaft, qcn viel und tanze. fi& trinken ein wenig, rau- einmal hinter dem unmäßig und laufen auch tragen sie nicht nGolfball her. Rur Hüte stens einmal ein Tuchrkwürdigerweise höch- Xopf und Schultern, h oder einen Schleier, um

L

Bangkok liegt auf der einen Seite des sumpfi­gen Menam: auf der anderen Seite liegt die Dschungel. Diesseits wohnen etwa eine halbe Million Menschen, drüben approximativ (auf jeden Menschen 30 Mücken gerechnet) 15 Mil­lionen Moskitos, die jeden Abend um Punkt sechs Ähr (die alten Bangkokesen richten ihre Taschenuhren danach) samt und sonders einen Raid auf die Stadt unternehmen. Bis dahin hat sich das Tagewerk der Weißen Residenten etwa folgendermaßen abgerollt: Etwas Arbeit, viel Bridge, unmäßig viel Curry und nun kommt das Golf.

Rach vier Ähr ist die weihe Landstraße nach dem Sport-Club in eine, einzige Staubwolke ge­hüllt. Auto um Auto saust zwischen den Bam­bushainen hindurch, deren schlanke Rohre sich im Winde neigen. Die Herren tragen alleshorts, kurze Jungenhosen, die nur die Oberschenkel ver­hüllen: die Damen sehen aus wie eben Damen überall in der Welt aussehen. Der Golfplatz ist flach, hart und allgemein miserabel, aber jeder spielt Golf. Kurz vor sechs, in den wenigen Minuten tropischer Dämmerung, die der Rächt vorausgehen, kommen die Golfer, verschwitzt, ver­staubt, mehr oder weniger verärgert, von den Links zurück. In tiefen Rohrsesseln haben wir eine Ahnung, wie tief und bequem ein Rohrsessel fein kann, bis wohin man die Beine strecken kann!, an kleinen Tischen, auf denen Windlichter stehen, wird ein Cocktail oder Whisky und Soda getrunken. Die Damen stecken die Beine bis über die Knie in Leinwandsäcke, um allzu galante Moskitos nicht in Versuchung zu führen. Die Männer, wie eben Männer sind nehmen nicht zu solchen Mitteln Zuflucht: sie schlagen sich recht heldenhaft mit den mörderi­schen Insekten herum oder führen die nackten Knie spazieren. Immer auf und ab vor der Veranda des Klubhauses.

Es gibt natürlich Mittel gegen Moskitos und Mvskitostiche, aber damit ist es wie mit den Mottenpulvern: es gibt Moskitos, die dafür schwännen und sich den Bauch gar nicht voll genug damit schlagen können. Man sagt: Wenn man Alkohol trinkt, kommen die Moskitos nicht an einen heran: aber auch unter diesen in­teressanten Insekten gibt es, scheint's, Anti-Pro­hibitionisten. Gern und viel wird eine Art Weih­rauch verbrannt; aber im Freien verpufft er wirkungslos, und im geschlossenen Zimmer räu­men die Menschen zuerst das Feld im weiten Abstand vor den Moskitos.

Das einzige wirklich wirksame Mittel ist: tot­schlagen. Aber möglichst vor dem Stich.

Wenn also jeder das auf ihn entfallende | Quantum von 30 Stück totgeschlagen hat, ist es

Zeit zum Diner geworden, und man geht sich die Hände waschen. Im Speisesaal, an der Bar überall jeden Abend die gleichen Gesichter.

So geht das die ganze Woche hindurch. Rur der Sonntag macht eine Ausnahme: da wird zweimal Golf gespielt: morgens und abends. Änd nachts, wenn die Moskitos erschlagen oder zur Ruhe gegangen sind, vielleicht ein Spaziergang am Ufer des Menam oder zwischen den Reis- sümpfen. Die Blumen, die tagsüber schlafen, haben ihre Kelche geöffnet; der Lotos, der feine Blütenblätter beim ersten Morgenlicht zur Faust ballt, parfümiert die Rächt mit einem betäu­benden Duft, der sonst nur in exotischen No­vellen vorkommt.

Millionen Frosche singen; wahrhaftig, sie qua­ken nicht, sie fingen! Die Frosche von Bang­kok, die Bäuche schön gefüllt mit fetten Moskitos, die ihrerseits den Bauch voll Menschenblut hat­ten, fingen in hohen, dem menschlichen Ohr an­genehmen Tonen.

Änd so, indem man verliebt zu zweien oder verträumt allein über die erhöhten Wege zwischen denklongs" dahinwandelt und dem melodischen Gesang der zufriedenen Frösche lauscht, hat man doch noch etwas von dem Blut, das einem die Mücken abgezapft haben.

Hochschulnachrichten.

Der Ordinarius der Pharmakologie an der Univer­sität Köln, Dr. med. et phil. Joses Schüller, hat den an ihn vor einiger Zeit ergangenen Ruf nach Göttingen als Nachfolger von Prof. W. Heubner abgelehnt. Der Privat­dozentin für Aesthetik und Jugendpsychologie an der Wiener Universität, Dr. Charlotte Büh­ler, ist der Titel eines außerordentlichen Pro­fessors verliehen worden. Die aus Berlin ge­bürtige Psychologin studierte in Freiburg i. B., Kiel, Berlin und München, besonders unter Carl Stumpf, Oswald Külpe und Karl Bühler und erwarb 1917 in München den Doktorgrad über Gedankenentstehung. Drei Jahre später erhielt Frau Dr. Bühler die Lehrberechtigung für Aesthetik und pädagogische Psychologie an der Technischen Hochschule in Dresden, von wo sie 1923 an die Wiener Äniversität übersiedelte. Hier wurde sie zugleich erster Assistent am psycho­logischen Institut. Frau Pros. Bühler ist Her­ausgeberin derQuellen und Studien zur Ju­gendkunde". Ihre zahlreichen Arbeiten betreffen Fragen der Aesthetik und Kunstpsychologie, der Jugendpsychologie und -Pädagogik. Ihr Werk Das Seelenleben der Jugendlichen" ist in meh­reren Auflagen verbreitet.

Die UeberfäHe haben insbesondere in den fetzten Tagen bei der Bahnstation Mandschurin und dem Dorfe Poltawskaja in der Nähe der Station Pogranitschnaja einen herausfordernden Charakter angenommen. Chinesische Meldun­gen, daß die Initiative der Angriffe angeblich von Sowjetseite ausgeht, werden als böswillige Erfindung bezeichnet. Die Telegraphenagentuv der Sowjetunion ist bevollmächtigt, entschieden zu erklären, daß in allen Fällen ohne Ausnahme die Sowjetgrenztruppen sich nur auf entschlossene Abwehr der Äeberfälle sowie der Versuche der Weißgardisten und chinesischen Banden, im Sow­jetgebiet einzudringen, beschränken.

Staat und evangelische Kirche in Preußen.

Ein Konkordatsvertrag noch für den Herbst in Aussicht.

Berlin, 19. Aug. (DDZ.) An zuständiger Stelle rechnet man damit, daß die Verhand­lungen mit den evangelischen Kirchen so rasch vonstatten gehen, daß der Preußische Landtag sich bereits i m H e r b st abschließend mit dieser Materie beschäftigen kann. Es würde damit sowohl den Wünschen der evangelischen Kirchen wie auch denen des Landtages entspro­chen werden, der ja in seiner bei der Verab­schiedung des Konkordates angenommenen Reso­lution den alsbaldigen Abschluß gleich­wertiger Verträge" verlangt hatte. Entsprechend diesem Wunsche des Landtages dürfte die Ver­einbarung nicht in die Form eines Staatsgesetzes, sondern in die eines Vertrages ähn­lich dem römischen Vertrage gekleidet werden. Man rechnet damit, daß die acht evan­gelischen Kirchen ein gemeinsames Gremium bil­den, das als einheitlicher Vertragspartner dem Staate gegenüberstehen würde.

Nach dem bisherigen Verlauf der Verhand­lungen wird den evangelischen Kirchen eine Er­höhung ihrer Dotativnen zugestanden, bereu Ausmaß aber noch nicht fest steht. Die evangelischen Kirchen ihrerseits werden analog den Bestimmungen des Konkordates dem Staate ein gewisses Mitbestimmungsrecht bei der Besetzung hoher kirchlicher Aemter einräumen. Reben diesen Hauptdingen wird man noch darüber zu verhandeln haben, daß gewisse Fonds, die bis jetzt bei mehreren Regierungshauptkassen als ausschließliches kirch­liches Eigentum bestehen, auch äußerlich aus der Staatsapparatur herausgeholt werden. Schließlich wird auch hier in Analogie zu dem römischen Vertrage darüber zu beraten sein, ob und wie den evangelischen Kirchen ein Mit­bestimmungsrecht bei der De setzung evangelischer Lehrstühle and en Uni­versitäten zuzugestehen ist. Durch die Som­merferien waren bisher die Verhandlungen mit den evangelischen Kirchen nur langsam vor­angekommen, doch vollzogen sie sich durchaus reibungslos. Bereits in den nächsten Tagen sind aber die maßgebenden Referenten wieder selbst im Amt, und man glaubt, daß dann die erwünschte Verständigung nicht lange auf sich warten lasse.

Gewerkschaften und Arbeiislosenversicherungöreform.

Berlin, 19. Aug. (Priv.-Tel.) Die Vertreter der drei gewerkschaftlichen Spitzenver­bände sind mit dem Stand der Reform der Ar­beitslosenversicherung beschäftigt. Die Gewerkschaften rechnen damit, daß die Regierung eine Erhohung der Beiträge um 0,5 v. ch. vorsehen wird. Gegen den Vorschlag, Beitragshöhe und A n w a r t - s ch a f t s b ei u e r miteinander zu verbinden, wurde lebhafter Widerstand geltend gemacht. Mit einer Reihe anderer Vorschläge sollen die Gewerkschaften sich einverstanden erklärt haben. Entgegen anders lautenden Blättermeldungen bezeichnet es der

persische Komödie.

Von Bruno Manuel.

Ein Fellhändler in Ispahan, welcher Feth Ali hieß, war des Diebstahls angeschuldigt an einem Silberfuchs. Ein nicht ganz einwandfrei erwiesener Fall.

Ali, unter Ausstoßung heiliger Eide, leug­nete die Tat. Doch glaubte man ihm nicht.

In Ispahan herrschen aber primitive Rechts­gebräuche. Wenn man nicht genau weiß, ob je­mand gestohlen hat, läßt man ihn einen Buß­gang an treten rund um die Stadt. Zwecks gründ­lichen Beweises mit Erbsen in den Schuhen. Ent­weder man hält es aus, dann gut. Oder man bricht zusammen, dann ist man über führt. Eine andere Methode der Entlarvung kennt man nicht.

Es gibt nichts, was den Ispahanem entsetzlicher ist, als dieser Büßgang.

Mit Recht überliefen Feth Ali kalte Schauer. Bei seinem Pech fein Wunder. Ihm fielen fämt- liche Sünden ein. Die Sache mit den Teppichen und die Sache mit den Kamelhaaren. Die Sache mit dem Silberfuchs übrigens auch. Änd aus diesem einleuchtenden Grunde war Feth Ali erheblich aufgeregt.

Habiba, fein braves Weib, war es mitnichten. Unter Anwendung größten Wohlwollens berei­tete sie die heikle Angelegenheit vor. Tat Erb­sen in die Schuhe und half Ali ermunternd auf die Deine. ;

Mit sehr gemischten Gefühlen machte er sich auf. Ihm schien, als gössen unsichtbare Hände Ciswasser über seinen Rücken. Bebend kroch er dabin.

Ganz Ispahan verfolgte das aufreibende Er­eignis. Keiner gab sich übertriebenen Hoffnungen hin. Man hatte das unumstößliche Gefühl, daß es kein gutes Ende nehme.

So vergingen bange Stunden, denn Ispahan ist eine größere Stadt.

Die gesamte Verwandtschaft stand aufgelöst und erging sich in Befürchtungen.

Alis Töchter schluchzten in den höchsten Tönen.

Doch Habiba war heiteren Sinnes und verkün­dete äußerst prahlerisch Alis Unschuld.

Plötzlich gegen Abend ging ein Rauschen durch die Menge. Ali kam, ein von leibhaftigen Wun­dern begünstigter Herr. Leichtfüßig und adrett.

Das Volk erstickte vor Rührung und sah üjn starr an.

Die Töchter fielen erschüttert in die Knie. Habiba schrie vor Verwunderung leise auf. Erlöst trat Ali auf sie zu, umarmte und küßte sie und flüsterte ihr ins Ohr:

Uebrigens, Habiba: das war doch eine aus­gezeichnete Idee von dir. daß du die Erbsen gekocht hattest!"