Ausgabe 
19.8.1929
 
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Nr. 195 Erstes Blatt

179. Jahrgang

Montag, 19. August 1929

GietzenerAiizeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

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3m Kreise.

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Den Haag, 18. Aug. 1929.

Auf einmal ist schönes und warmes ^Detter nach dem Haag gekommen. Verständlich, daß die Sehnsucht aller Konferenzteilnehmer danach geht, sich mehr in Scheveningen aufzu­halten und dort die Freuden des Bades zu genießen, als in endlosen Sitzungen über Akten zu brüten und tausendmal schon Gesagtes noch einmal zu wiederholen. Aber schließlich sind hier die Sitzungen eben doch nichts anderes als Aussprachen ewiger Wiederho­lungen. Tagelang streitet man sich jetzt herum, um einen Ausweg aus den Schwierigkeiten zu finden, die durch den englischen Vorstoß ent­standen sind, und wenn man ehrlich ist, so ist dieser Ausweg noch nach keiner Richtung hin -m sehen. Es tauchen zwar immer wieder neue Vorschläge auf. Das heißt, neu sind diese Vor­schläge nicht. Denn alles das, was als angeb­liche Patentlösung von der einen oder anderen Seite vorgebracht wird, ist von der anderen oder der einen Seite auch bereits einmal, wenn auch in etwas abgewandelter Formulierung, zur Diskussion gestellt worden. Die Konferenz be­wegt sich im Kreise.

3n Scheveningen hat sich der Zirkus Hagen- beck aufgetan, und trotzdem es allerlei Zerstreuun­gen in dieser gottgesegneten Gegend Hollands gibt, kann man annehmen, daß der eine oder andere der Herren Delegierten, der sich für zircensische Spiele interessiert, auch dieser Attrak­tion seinen Besuch abgestattet hat. Sicher gibt es da auch die sogenannte Hohe Schule, wo Pferdchen um die Manege lausen, auf den Peitschenknall des Stallmeisters hin sich einmal um sich selbst drehen, vielleicht die Vorderbeine hochheben, um dann nach dem Klang der Musik wieder tänzelnd brav hintereinander ausgerichtet, das Rund abzutraben. So ungefähr sieht es auch auf der Konferenz aus. Wie immer in der großen Politik wird eifrig Hohe Schule geritten, älnd zuletzt fällt doch alles in den gleichen Trab und richtet sich nach dem Stallmeister, der mit der Peitsche knallt. Das Schlimme ist hier nur, daß es sozusagen zwei Stallmeister gibt, Einmal Herr B r i a n d und ein andermal Herr Snowden, und solange diese von verschie­denen Ecken mit der Peitsche knallen, geht die Hohe Schule durcheinander und fehlt der Konfe­renz der richtige Rhythmus.

Einigen sich viesc beiden Matadorc, dann wird alles sehr schnell in den richtigen Rhythmus kom­men und dann hat auch das schöne Wetter einen Zweck, da dann Zeit genug dafür ist, die Freu­den des Weltbades zu genießen. Aber w i e soll die Einigung zustande kommen? Zwar hat sich der Klub der Englandgegner, worunter man unter den gegebenen Umständen die Vertreter Frankreichs, Italiens, Belgiens und auch Japans verstehen darf, zusammengetan und mit heißem Bemühen ein Angebot ausgearbeitet, das an­geblich den englischen Wünschen bis auf achtzig Prozent entgegenkommen soll. Dur weih man nicht, ob die Engländer diese Wertung anerkennen und nicht vielmehr der Meinung sind, daß es höchstens vierzig oder auch 'iur dreißig Prozent sind, was man ihnen anbietet. Zuerst sollen sie eine Art -Ultimatum gestellt haben ob mit oder ohne einen Brief des Herrn Snowden, ist nicht mit Sicherheit festzustellen, und dieses Ulti­matum soll dahin gehen, daß endlich Klarheit darüber geschaffen werden muß, ob man ihre Forderungen bewilligt und demnach also die Konferenz mit Aussicht auf ein greifbares Er­gebnis weitergehen kann, oder ob man England unbefriedigt läßt, dann die Konferenz auffliegt und der Binnenhof wieder in seine idyllische Ruhe zurücksinkt.

Inzwischen ist die Entscheidung verschoben worden und man weiß immer noch nicht, was in dem hier versammelten internationalen Kreis als das Wichtigste angesehen wird, ob man zu dem Verteilungsschlüssel von Sva zurückkehrt und auch in der Frage der Sachleistungen eine For­mel findet, mit der man sich in London einver­standen erklärt. Sicher ist, daß es England nicht so sehr, wie das aussieht, auf die materielle Seite ankommt. Die Millionen, um die es sich hier handelt, sind für das reiche England nicht ein so furchtbares Opfer, wie das Herr Snow­den und mit ihm fast die ganze englische Presse darzustellen belieben. Es handelt sich nicht um das Geld, sondern es handelt sich um die ganze Richtung der englischen Po­litik, die eben die Arbeiterregierung grund­sätzlich ändern will und die in wesentlichen Din­gen fortan diametral der Tendenz entgegenlaufen soll, die von der konservativen Vorgängerin verfolgt und sicher nicht zum Dützen Eng­lands allzu stark und zäh innegehalten wurde.

Danach sieht es aus. als wäre eine Verstän­digung nicht möglich. Und wenn Wetten auf­gelegt werden, so stehen sie sicher augenblicklich sehr zugunsten des Abbruchs der Verhandlungen. Aber es gibt eine Konferenzweisheit und eine Art Konferenztradition, und nach dieser muß man schon sagen, daß, wenn die Krise am größten erscheint, die Entspannung am nächsten ist. Also kann auch jetzt noch plötzlich alles in schönster Harmonie fein, können sich die Stallmeister dar­über geeinigt haben, wer jetzt und wer nachher mit der Peitsche Inallen darf, damit die Pferd­chen brav und wie es sich gehört, ihre Kapriolen im Rhythmus machen.

Soll man im Zirkusbild bleiben, um von den Deutschen zu sprechen? Dann kann man nur faßen, sie sind erst die nächste Dummer,

Sonntagsruhe auf der Haager Konferenz.

Haag, 18. Aug. (IM. Funkspruch.) Der heutige Sonntag war im Ganzen genommen ein Ruhetag. Dr. Stresemann unternahm mit den übrigen Mitgliedern der deutschen Abordnung, ebenso wie die meisten übrigen Lpndervertreter, einen Ausflug in die Mmgebung.

Im Laufe des Nachmittags fand lediglich eine kurze Unterredung zwischen Snowden und Iaspar statt. Am Montag sollen nunmehr auf Grund der am Samstag zustande gekommenen Vereinbarung die Finanzsachverständigen des englischen Schatzamtes mit den Sachverständi­gen der vier übrigen Mächte zusammentreten. Sie haben von ihren Regierungen die Anweisung er­halten, in erster Linie den ziffernmäßigen wert des Angebots der vier Mächte an England feftzuftellen. Ihr Bericht soll be- reits am Montagabend abgeschlossen und unverzüg­lich dem englischen Schahkanzler zur Stellungnahme übermittelt werden. Deutschland ist an diesen Ver­handlungen naturgemäß nicht beteiligt. Die Ant­wort Snowdens wird, wie von englischer Seite er­klärt wird, einen endgültigen Charakter tragen, so daß Mitte der Woche die Entscheidung fallen dürfte.

Am Sonntagabend wird hier allgemein bezwei­felt, ob die auf Montag verfchobene Befpre - chung der vier Besatzungsmächte zur Bekanntgabe der endgültigen Räumungs­zeitpunkte tatsächlich staltfinden wird. Zunächst ist lediglich eine private Zusammenkunft zwischen Dr. Stresemann und Briand im Laufe des Montags vorgesehen. Es kann nicht damit gerechnet werden, daß die französische Re­gierung den endgültigen Räumungszeitpunkt vor der Entscheidung über die sinanzie'ren Verhand­lungen mit England bekanntgeben wird. Heber die Bedingungen, unter denen sich Frankreich zur Räumung bereitfinden wird, bestehen zur Zeit Ver­mutungen. Frankreich dürste jedoch unter keinen Hmständen einer Räumung zustimmen, bevor nicht der Zoungplan von den übrigen Mächten an­genommen worden ist. Die Sachlage zeigt somit in der Räumungsfrage noch keine Aenderung.

Die Vertagung der Konfeenz wird hier für Frei­tag oder Samstag erwartet. Eine Einladung, die die Königin von Holland an die Führer der Ab­ordnungen gesandt hat, ist von ihnen bereits an­genommen worden. Allgemein heißt es, daß die Konferenz auf den Oktober oder Novern- der vertagt werden wird, und daß in Genf während der Völkerbundsversammlung lediglich private Besprechungen mit Macdonald stattsinden werden.

Weitere Verschleppung der Näumungsfrage.

Briand wünscht erstKlärunq der finanziellen Probleme.

Haag, 18. Aug. (SU. Funispruch.) Der juri­stische Ausschuß, der sich mit der Frage der Vergleichs- und Feststellungskommission befaßte, trat Samstag vormittag erneut zusammen. Ein materieller Fortschritt ist in den heutigen Ver­handlungen jedoch ebensowenig erfolgt, wie in den bisherigen Beratungen, doch besteht der Ein­druck, daß der englische Vorschlag, eine Unter­kommission des Dölkerbundsrates einzusehen, jetzt stark in den Hinter­grund gerückt ist.

Es besteht allgemein der Eindruck, daß die Be­kanntgabe dcr Räumungstermine, die ur­sprünglich am heutigen Samstag erfolgen sollte, auch aus der für Montag vorgesehenen Be­sprechung der vier Besatzungsmächte nicht

stattsinden wird. Die französische Verschlep­pungstaktik scheint jetzt darin zu bestehen, daß Briand darauf hinweist, die ihm vorliegenden Vorschläge des französischen Gene­ra l st a b e s hinsichtlich der Räumungstermine könnten von ihm nicht vertreten wer­den. Eine Hinauszögerung der Entscheidung wäre daher erforderlich. Hinter dieser Sattif dürfte sich jedoch lediglich die von Briand vom ersten Sage der Konferenz an vertretene Auffassung

Friedrichshafen, 19. Aug. (DIB.) Das Luftschiff befand sich auf seiner Fahrt über Sibirien am Samstagnachmittag 17 Ahr mitteleuropäischer Zeit auf 63 Grad nördlicher Breite und 115 Grad östlicher Länge. Das Luftschiff hatte also feinen nördlichen Kurs beibehalten, der etwa 700 Kilo­meter südlich des Baikal-Sees liegt. Durch geeignete nautische und motorentechnische Maßnahmen war es ihm gelungen, wesentliche Krästeersparnisse zu erzielen und Reserven zu schaffen, ohne dadurch die Durchführung des Fahrtprogramms irgendwie zu verlangsamen. An Bord war alles wohl, die Passagiere in bester Stimmung und begeistert über den guten Verlauf der Fahrt. Das Luftschiff stand bereits mit japanischen Funkstationen in verbin- düng. Um 9 Uhr abends mitteleuropäischer Zeit befand fich das Luftschiff 62,7 Grad Nord, 123 Grad Oft.

Am Sonntag früh um 1 Uhr MEZ. wurde der Graf Zeppelin" 150 Kilometer südöstlich der Stadt Jakutsk am Lena gesichtet. Um 9 Uhr vormittags MEZ. befand es fitf) auf5.5 Grad nördlicher Breite und 139 östlicher Länge in der Nähe von Nikola­jewsk. Um 12.10 Uhr mittags MEZ. meldete der Graf Zeppelin" folgenden Standort: 48 Grad nördlicher Breite, westlich von Sachalin. Das Luft­schiff hatte also die rufsisch-japanische Grenze im Tataren-Sund überflogen und den Südkurs eingeschlagen, Sonntag mitternacht MEZ. fuhr es über die Vulkan-Bay in Richtung Hakodate. In Mororan (Hokkaido) wurde derGraf Zep­pelin" von Tausenden von Menschen auf den Straßen beobachtet. Oeftlich vom Kap Kamui ersuchte Dr. Eckener das japanische Verkehrsministerium um die Erlaubnis, angesichts der Wetterlage (Regen und Nebel) den Kurs ändern zu dürfen und der Ostküste von honschtu bis zur hauplküste zu folgen. Die Erlaubnis hierzu wurde sofort erteilt.

Am Montag 2.50 Uhr früh MEZ. passierte das Luftschiff über dem Meere fliegend Sameoki, etwa 640 Kilometer nördlich Tokio, um 5.30 Uhr MEZ. Schiogamo an der Senday-Bay, etwa 300 Kilometer nördlich Tokio. Um 7.15 Uhr MEZ. (das ist 3.15 Uhr nachmittags Tokioter Zeit) wurde derGraf Zep­pelin" über dem Flugplatz Kasimagaura gesichtet. Um 8.35 Uhr mitteleuropäischer Zeit (4.25 Uhr To­kioter Zeit) ist derGraf Zeppelin" über 0 ft - Tokio eingetroffeti.

Nach einem Drahtbericht der Telegraphen-Union aus N e u y o r k von 10.45 Uhr MEZ. ist das Luft­schiff »Graf Zeppelin" 20 Minuten nach feinem (Ein­treffen über dem Flughafen Kasimugaura glatt gelandet. Die japanischen Mannschaften brachten das Luftschiff unter der Leitung des Flug­hafenkommandanten Kontreadmiral Pedahara bald daraus in die Halle. Die Begeisterung der un­übersehbaren Menschenmenge war groß. Selbst aus ernfemteren Ortschaften waren Taufende und aber Tausende, darunter auch viele Arbeiter und Bauern, gekommen, um dem Schauspiel beizuwohnen. Die deutsche Kolonie von Tokio und Kobe war

verbergen, daß eine endgültige Festsetzung der Räumungstermine ohne eine im französischen Sinne erfolgte Klärung der finanziel­len Fragen vollständig undenkbar sei. Die Ministerbesprechung am Montag wird daher an­gesichts der wenig aussichtsreichen Lage der finanziellen Verhandlungen nur zu einer neuen Hinausschiebung der endgültigen Räu­mungsentscheidung auf unbestimmte Zeit führen können.

vollzählig versammelt. Die Begrüßung durch die japanischen Behörden war äußerst herzlich. Nachdem die Mannschaften das Luftschiff verlassen hatten, wurden sie zunächst nach japanischer Sitte mit ge­rösteten Kastanien und Wein bewirtet. Am heutigen Montagnachmittag wird Dr. E ck e n c r vom Kaiser von Japan empfangen werden.

Fieberhafte Spannung in Japan.

Lebhaftes Interesse aller Bevölkerunqskreise Sorgfältige Landungsvorbcreitungen.

Tokio, 19. Aug. (WSB. Funkspruch.) Das schöne Wetter, das den Flug desGraf Zeppelin" über Sibirien begünstigte, dauert an. Das Luft­schiff wird also wahrscheinlich eine klare End­strecke vor sich haben. Vier Marineflug­zeuge werden ihm entgegenfliegen, um es ein­zuholen. Sonderzüge stehen auf dem Bahnhof in Tokio bereit, um 1400 bevorzugte Galle nach dem Landungsplatz zu befördern. Die Marine- und Luftfahrtbehörden haben alle mög­lichen Vorbereitung en getroffen. Beson­dere Wetterberichte werden stündlich an das Luftschiff gefunkt und starke Abteilungen ausge­bildeter Mannschaften werden bei der Unter­bringung des Luftschiffes helfen. Die Halle ist zwar etwas klein und läßt nur einen Spielraum von 18 Zoll, aber es sind Schienen gelegt worden und es ist durchaus möglich, das Luftschiff heil in die Halle zu bringen. Ein W i r b e l st u r m, der sich während der letzten Tage über die See hin auf Japan zu bewegte, hat sich endgültig in nördlicher Richtung verzogen. Die Bevölke­rung zeigt angesichts der bevorstehenden Landung des Luftschiffes ungeheueres Interesse. Die japanischen Zeitungen geben stündlich Extrablätter heraus. Die Landung wird durch Rundfunk verbreitet werden.

Die deutsche Botschaft gab bekannt, daßGraf Zeppelin" beabsichtige, Über die Haupt­brücke des Kaiser-Palastes zu fliegen zur Begrüßung des Kaisers und des japanischen Volkes. Deutsche, japanische und amerikanische Ingenieure, die mit den Vorbereitungen für die Landung beschäftigt sind, erklärten, die Einnahme von Betriebsstoff lasse sich innerhalb von drei Stunden durchführen. Die Weiter- fahrt des Luftschiffes wird für Donners» t a g oder Freitag erwartet. Karl Beuerle, der Chefingenieur der Zevpelinwerke sprach sich außerordentlich anerkennend über die Mitwirkung der japanischen Marine aus, die durch Entfer­nung dreier japanischer Luftschiffe die Luftschiff­halle in Kasumigaura freigemacht hat. Eines dieser Luftschiffe ist nicht gasgefüllt, um genü­gend Wasserstoffgas für denGraf Zeppelin" zur Verfügung zu haben.

Oer Kampf ums Blaue Band.

DieMauretania" legte in 24 Stunden bis gestern mittag 560 Seemeilen, durchschnittlich also 27,5 Knoten zurück. DieBremen" hat während der gleichen Zeit 611,5 Seemeilen zurückgelegt.

Gras Zeppelin" in Japan gelandet.

Glatte Fahrt über Sibirien und das japanische Inselmeer. - Nach 100 Stunden Fahrldauer über Tokio. Glatte Landung.

und man weiß nicht recht, welche Akrobatik ihnen angesonnen wird, oder mit welcher Akrobatik sie aufwarten werden. Auch ihnen war eine schnelle Entscheidung versprochen. Herr Briand hat zugesagt, daß er sich rasch klar werden wolle, welchen Termin er für die Rheinlandräumung in Aussicht zu stellen vermag. Aber darüber muß man sich klar sein, daß diese Entscheidung und alles, was mit ihr zusammcnhängt, doch nur von der Entscheidung bestimmt wird, die zwischen England und Frankreich fällt. Was nützt es Deutschland schließlich, wenn es nun wirklich von Vriand das Versprechen eines Räumungstermi- nes bekommt, dieses Versprechen aber wieder ir­gendwo in die Luft geschrieben wird und Vor­aussetzungen daran geknüpft sind, über die man gegebenenfalls noch Wochen und Monate verhan­deln muß, ehe sich der berühmte Kompromiß er­gibt. Man hat hier, wenn man so mitten zwischen öen Dingen steht, doch stark den Eindruck, als ob man in Deutschland selbst allzu sehr der Meinung zuneige, die deutschen Fragen wären der eigcntllche Mittelpunkt der Konferenz. Das ist durchaus jedenfalls gegenwärtig nicht der Fall. Man hat über die Rheinlandräumung

sehr eifrig und mit einem Aufwand vieler, Re­den verhandelt und die Dinge sind in der Tat so weit gediehen, daß von allen Seiten so oder so ein Ergebnis gefunden werden muß. Aber alles das, woraus es doch im Grunde genommen ankommt, um die Räumung wirklich effektiv zu machen, die Frage der Kontrolle, die Frage der Entschädigungen, die Frage des weiteren Be­stehens der Rheinlandkommission und ihrer Or° donnanzvollmacht über den Sag der Poung- ratisikation hinaus, alles das ist noch völlig ungeklärt, und solange hierüber noch nicht ganz feste Abmachungen bestehen, kann von einer wirklichen Entscheidung auch noch nicht die Rede sein.

Snowden

erwartet neue Vorschläge.

Haag, 18. Aug. (Reuter.) Ein hervorragen­des Mitglied der britischen Delegation erklärte, die von den Gläubigermächten unterbreitete Denkschrift werde von Snowden als durchaus unbefriedigend und unklar bezeichnet; auch enthalte sie eine Anzahl un­

begründeter Behauptungen. Snowden habe Jas- Par gesagt, wenn dies das letzte Wort der vier Mächte sei, so habe es keinen Zweck, die Ver­handlungen forlzusehen. Aber der belgische Mi­nisterpräsident habe dem englischen Schatzkanzler zu verstehen gegeben, die vier Mächte seien bereit, die Verhandlungen auf der Grund­lage der britischen Antwort f o r t z u s e h e n. Die Vorschläge der vier Mächte werden als lächerlich und unbefriedigend bezeich- uet- Es ist unrichtig zu sagen, sie erfülltem o0 Prozent der britischen Forderungen; tatsächlich befriedigen sie nur 2 0 Proz, und von Zu­geständnissen oder Opfern seitens der vier Glän» bigermachte ist feine Rede. Es wird der Häuptling entgegengetreten, öo/Ti n sich unzugänglich verhal e und sich wei- auf vernünftige Vorschläge zu hören.

Die Tatsache, daß er dem ' ufschub der Sitzung der smanzkommission zuc/estimmt habe, zeige daß er den anderen en bereitwilligst ge­nug e n d Z e i t l a s s e. ach Ansicht Snowdens wurde es nahezu ein Verbrechen fein, die Ver­handlungen zu vertagen, so (lange noch irgendeine -Aussicht auf ein erfolgreiches Ergebnis bestehe.