keinen Umständen genehmigt werden würde. Hierauf nahm
Stadtverordneter Or. Merton
bas Wort, der versuchte, die Ausführungen Dr. Landmanns zu widerlegen und im wesentlichen seine Anklagen aufrechterhielt. Er erklärte hierbei nochmals, daß er zwar die Fähigkeit Dr. Landmanns als Oberbürgermeister und Kommunalpolitiker anerkennen, ihm aber die Befähigung, den Posten eines A u f - fichtsratsvorsihenden zu bekleiden, in aller Form absprechen müsse. Als letzter Redner hielt
Stadtrat Asch
in Erwiderung auf die Ausführungen Dr. Mertons den durch seine Denkschrift niedergelegten Standpunkt des Magistrats und die Ausführungen des Oberbürgermeisters in vollem Umfange aufrecht. Er betonte, daß die einzelnen Magistratsmitglieder unter persönlicher Verantwortung und Haftung eine Finanzpolitik betrieben, die in jeder Beziehung den Interessen der Frankfurter Bürgerschaft entsprächen, und er bat zum Schluß, auch weiterhin der erfolgreichen Kommunal- und Finanzpolitik der Stadt Frankfurt die Zustimmung zu geben?
Oberheffen.
Landkreis Gießen.
ck. Heuchelheim, 18. Iuni. Nachdem unsere Kirche vor einigen Iahrcn innen vollständig umgebaut und neu hergestellt wurde, soll nunmehr auch ihr äußeres Kleid etwas schmucker werden. Gegenwärtig haben die Weißbinder den Turm vollständig mit einem Gerüst umbaut. Dachdeckermeister Röhrig, Gießen, hat die schwierige Arbeit der Ausbesserung des Schieferdaches übertragen bekommen, die Berputz- und Anstreicherarbeiten werden von den Anstrcicher- meistern Heuchelheims gemeinsam ausgeführt.
00 Klein-Linden, 18. Juni. Nachdem die vorige Sitzung des G e m e i n de r a t s am 10. Juni vor der Erledigung der Tagesordnung abgebrochen worden war, hatte der Bürgermeister den Gemeinderat unter Bezugnahme auf die Artikel 104 und 112 der Landgemeindeordnung zu einer neuen Sitzung auf gestern abend einberufen. Bürgermeister Jung als Vorsitzender leitete die Sitzung, in der außer dem Bürgermeister und Beigeordneten noch vier Gemeinderatsmitglieder anwesend waren, während zwei mit ordnungsmäßiger Entschuldigung fehlten. Der Bürgermeister teilte mit, daß fünf Gemeinderatsmitglieder ihre Aemter niedergelegt hätten, auf Grund desArtikels 104 der Landgemeindeordnung sei aber die Sitzung auch ohne die Zweidrittelmehrheit des Gemeinderats beschlußfähig. Die Instandsetzung der Lehrerwohnung wurde genehmigt und die Arbeiten an Weißbindermeister Haas vergeben. Die Anschaffung einiger Schulbedürfnisse, Schulwandtaseln und Tische für die Mädchenfortbildungsschule, wurde gutgeheihen und die Ausführung der Arbeiten dem Schreinermeister Ludwig Jung übertragen. Auf die zur Besetzung ausgeschriebene Lehrerstelle haben sich fünfzehn Bewerber gemeldet. Der Gemeinderat machte seine Wünsche geltend. Auch wegen der Besetzung der hiesigen Rektorstelle wurde ein Beschluß gefaßt. Um dem großen Wassermangel in der oberen Frankfurter Straße abzuchelfen, wurde beschlossen, die Tieferbohrung des Brunnens an der Ecke Frankfurter Straße Waldwaide oorzunehmen. Das Gießener Braunsteinbergwerk hat sich bereit erklärt, die Arbeiten auszuführen. Der Bürgermeister machte noch einige Mitteilungen über den Stand der Verhandlungen mit der Stadt Gießen wegen der geplanten Wasserleitung. Der Vertrag ist fertiggestellt und bedarf jetzt noch der Beratung und Genehmigung durch den Gemeinderat. Auch die Geldbeschaffungsfrage ist gelöst. Wenn die Arbeiten als Not- MtlWWM
Roman von Edgar Wallace.
5 Fortsetzung. Nachdruck verboten.
5.
Wenige Minuten später ging Larrh, in Gedanken versunken, Dloomsbury Pavement entlang. WaS hatte Fred in Iudds Bureau zu tun? Was bedeutete sein Revolver und das schneeweiße Gesicht des Doktors? Hier lag ein anderes, kleines Rätsel vor, aber Larrh hatte weder Zeit noch Lust, sich damit zu befassen. Vor ihm ging ein Mann langsam und bedächtig seines Weges, die eiserne Zwinge seines Stockes tappte regelmäßig auf das Pflaster. Larrh ging an ihm vorbei und sah ihn noch einmal, während er auf ein leeres Taxi wartete.
„Blind," sagte er vor sich hin, ohne seinen Gedankengang, der sich immer noch mit Fred und Dr. Iudd beschäftigte, zu unterbrechen.
Aber er hatte keine Zeit, sich mit Rebensachen abzugeben. Er stieg in ein Taxi und fuhr nach Westminster, wo eine grausige Pflicht zu erfüllen war. In der Leichenhalle von Westminster fand er zwei Beamte von Scotland Vard, die ihn erwarteten.
Die Llntersuchung des Leichnams war schnell erledigt: außer einer Abschürfung am linken Knöchel waren keinerlei auffallende Merkmale zu sehen. Dann untersuchte Larry die Garderobe des Toten, die im Rebenzimmer aufbewahrt war.
„Da ist das Hemd, Sir," sagte der Beamte und zeigte auf das zusammengewickelte Wäschestück. „Ich kann mir die blauen Flecken auf der Brust nicht erklären."
Larrh faltete das Hemd dicht unter der Lampe auseinander. Ein Frackhemd, kaum getrocknet. Auf der Brust waren deutlich sichtbare, blaurote Flecken.
„Tintenstiftflecken," sagte Larrh, dem im gleichen Augenblick der verschwundene Bleistift einfiel. Was sollten aber diese drei unregelmäßigen Reihen von Krähenfüßen und Haken bedeuten?
And plötzlich fand er die Erklärung. Er drehte schnell das Hemd herum und stieß einen erstaunten Schrei aus. Auf der Innenseite des Hemdes waren drei Zeilen geschrieben, mit Tintenstift. Die Schriftzeichen waren durch den Stoff hin- durchgedrungen und hatten die eigenartigen Mecken auf der Hemdfront verursacht.
Die blauroten Worte waren unter Einfluß des Wassers etwas auseinandergelaufen, aber man konnte noch deutlich lesen:
„Mit dem Tod vor Augen vermache ich, Gor- don Stuart aus Calgarh, Merryhill Ranch, mein ganzes Vermögen meiner Tochter Clairissa und
Reue WellenverieilMg im Rundfunk.
Am Sonntag, 30. Iuni, tritt im Rundfunk nunmehr endgültig die neue Wellenverteilung nach den Beschlüssen der Prager Funkkonserenz in Kraft.
Die deutschen Hauptsender werden vom 30. Iuni ab auf folgenden Wellen betrieben:
183,5 kc/s 1635 m Deutschlandsender
563 „ 533 „ München
635 „ 473 „ Langenberg
716 „ 418 „ Berlin
770 „ 390 „ Frankfurt a. M.
805 „ 372 „ Hamburg
833 „ 360 „ Stuttgart
923 „ 325 „ Gleiwitz
1085 „ 276 „ Königsberg (Pr.)
1157 „ 259 „ Leipzig
1184 „ 253 „ Breslau
1256 „ 239 „ Nürnberg
1319 „ 227 „ Köln
Für die deutsche Zwischenfender sind folgende Wellen vorgesehen:
527 kc/s 572 m Freiburg (Br.)
536 „ 560 „ Augsburg-Hannover .
662 „ 453 „ Aachen-(Danzig)
887 „ 339 „ Bremen
941 „ 319 „ Dresden
1158 283 „ Berlin O, Stettin, Magde-
1112 „ 270 „ Kaiserslautern sburg
1220 „ 246 „ Kiel-Kassel
1283 „ 234 „ Münster (Wests.)
1373 „ 218 „ Flensburg
Wie ersichtlich, ist es bei der Verteilung der Etnzelwellen möglich gewesen, den Drutsch- landsender, sowie die Sender München, Langenberg, Gleiwitz. Königsberg (Pr.) und Nürnberg annähernd auf ihren bisherigen Wellen zu lassen. Die Verlegung des Berliner Senders aus seiner Nähe von Langenberg entspricht einem dringenden Bedürfnis. Berlin ist damit auch dem Ein
fluß von Daventrh entzogen, der künftig auf Welle 752 kc/s 399 m erscheinen wird und somit auch von Langenberg abgerückt ist. Für die Sender Frankfurt a. M., Hamburg und Stuttgart war es wegen der Trennung von Frankfurt a. M. und Stuttgart erwünscht und nach der ausländischen Nachbarschaft auch zweckmäßig, die alte Reihenfolge bestehen zu lassen, zumal die eintretenden Wellenänderungen für diesen Sender nicht sehr erheblich sind. Wesentliche Aenderungen bringt die neue Wellenverteilung unter Berücksichtigung dieser Umstände für die Sender Leipzig, Breslau und Köln. Mit der Aenderung der Leipziger Welle ist der Vorteil verbunden, daß die z. Z. bestehende starke Be^ einträchtigung des Empfangs dieses Senders durch einen ausländischen Sender in Wegfall kommt. Für Breslau und Köln muß berücksichtigt werden, daß in den betreffenden Sendebereichen z. Z. je zwei Einzelwellen liegen, von denen eine mit erhöhter Sendeleistung betrieben wird.
Was den Deuts chlandscnder betrifft, so ist mehrfach der Wunsch hervorgetreten, ihn von Daventrh und Radio Paris wegzuverlegen. Da Deutschland sich nicht des Vorteils begeben kann, in dem Langwellenbereich, der ausschließlich für den Rundfunk bestimmt ist (1550 bis 1875 m), an günstiger Stelle untergebracht zu sein, ist dieser Wunsch nicht erfüllbar. In Prag ist aber erreicht worden, daß zwischen diesen drei Sendern wenigstens 9,5 kc/s liegen und daß der Großsender Charkow, der bisher nahe dem Deutschlandsender arbeitet, verlegt wird.
Für die Zwischensender treten zunächst nennenswerte Aenderungen nicht ein. Zu bemerken ist, daß auch künftig beabsichtigt ist, solange es möglich ist, die Sender Bremen, Dresden, Berlin O-Stettin-Magdeburg, Kaiserslautern und Münster (Wests.) auf von anderen Ländern entliehenen Wellen zu betreiben.
standsarbeiten erklärt werden, kann man mit dem Werk im kommenden Winter beginnen. Der Preis für den Kubikmeter Wasser stellt sich nach den neuesten Berechnungen bei Abnahme von 50 000 Kubikmeter im Jahre auf 11 Pf. pro Kubikmeter, bei Abnahme von nur 40 000 Kubikmeter auf 12 Pfennig.
(D Lollar, 18. Juni. Gestern führte hier die Hessische Lichtbildstelle der Zentralstelle für Volksbildung für unsere Schüler den Film „Der Rattenfänger von Hameln" vor. Da auch die Schulen der Nachbardörfer Staufenberg, Mainzlar, Daubringen, Ruttershausen und Wißmar ein^eladen waren, konnten zwei Vorführungen gegeben werden.
Z. Rödgen, 18. Iuni. Am Montagabend fuhr ein Motorrad außerhalb unseres Dorfes an der Strahenabzweigung nach Trohe i n e i n Auto. Das Motorrad kam von Großen-Duseck, das Auto von Trohe. Das Vorderrad des Motorrades wurde zertrümmert, der Fahrer trug eine Kopfwunde und Hautabschürfungen davon. Am Auto war nur das eine Schutzblech verbogen. Der Führer blieb unverletzt. Die Anglücksstelle ist für Fahrzeuge gefährlich, weil die Einbiegung von Großen- Duseck her scharf und die Troher Straße schmal ist.
Bg. Großen-Buseck, 18. Juni. Die Pfla st erarbeiten auf der in der Nähe unseres Dorfes vorüberziehenden Grünberger Straße gehen iljrem Ende entgegen. Die Vorarbeiten sino bereits bis zu dem an deu L^permühle gelegenen Bahnübergang — dem Schluß der für dieses Iahr vorgesehenen Strecke — gediehen. Die Pflasterarbeiten selbst sind bis zur Einmündung der Großen-Busecker in die Grünberger Straße vorgeschritten. Mühlenbesitzer Fiedler von der hiesigen Spitzmühle machte
auf einen von ihm gelegentlich wahrgenommenen R a n d st e i n der bisher chaussierten Straße aufmerksam, der neben einigen Buchstaben die I a h - reszahl 1816 trägt. — Die Bonitierungsarbeiten der hiesigen Feldbereinigung sind zu einem erheblichen Teile vorgenommen. Hoffentlich findet sich bei der Aufteilung des Geländes ein geeigneter Platz zur Einrichtung eines Fluß - und Schwimmbades. Nachdem die Gemeinde der Iugend einen hübschen Sportplatz zur Verfügung gestellt hat, ist nicht daran zu zweifeln, daß man auch für den überaus gesunden Schwimmsport das nötige Verständnis aufbringt, damit es gelingt, eine Badegelegenheit zu schaffen, die der von unserer Nachbargemeinde Beuern hergestellten würdig an die Seite treten kann.
* Lauter, 18. Juni. Einige Einwohner unseres Dorfes, die den Stahlhelmtag in München mitgemacht und anschließend die Ausstellung der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft in München besucht hatten, brachten von dort etwa 100 selbstgefertigte Aufnahmen von München und von der Ausstellung mit, die am Samstagabend mit einem Lichtbildapparat einer stattlichen Versamm- lung von hiesigen Einwohnern vorgeführt wurden. Die Erläuterungen zu den Bildern gab Th. S ch l o s - s e r von hier.
s. A t p h e, 18. Iuni. Am Sonntag wurde das diesjährige Iugendfest gefeiert. Bei herrlichstem Sommerwetter bewegte sich ein farbenfroher Festzug der Schuljugend, des Krieger-, Gesang- und Turnvereins mit ihren Fahnen durch das Dorf unter Vorantritt der Musik des Turnvereins und der Streich- und Mandolinenkapelle des Gießener Iugendvereins „Wanderlust". Auf dem Festplah wechselten Lieder und Deklamationen der Schüler sowie Chöre des Gesangvereins
bitte die Gerichte, dies als meinen letzten Willen und Testament anerkennen zu wollen. Gordon Stuart."
Darunter eine beinahe unleserliche, plötzlich abgebrochene Zeile, deren erstes Wort mit einem „O" zu beginnen schien:
„O ... hat mich ... ein ... Falle gelvck ..." Larry blickte seinen Untergebenen an.
„Das ist das merkwürdigste Testament, das je gemacht worden ist," sagte er leise.
Er legte das Hemd nieder, ging nach der Leichenkammer zurück und untersuchte den Toten noch einmal. Eine seiner Hände war zusammengekrampft, ein Amstand, der augenscheinlich von dem Aerzten übersehen worden war. Mit großer Mühe brach er die Finger auseinander, und mit leisem Klingen fiel etwas auf den Steinfuß- bodern. Er bückte sich und nahm es auf: ein zerbrochener Manschettenknopf von ganz eigenartigem Muster. Auf schwarzem Emaillegrund ebn Kranz kleiner Diamanten. Er suchte noch einmal mit größter Sorgfalt, ohne aber irgend etwas Neues finden zu können.
Mit gerunzelter Stirn blickte er den Beamten an. Was sollte das bedeuten? Welche Verbindung hatten all die Einzelheiten miteinander? Ein Zusammenhang bestand zwischen diesen — dessen war er ganz sicher —; das merkwürdige Zusammentreffen zwischen Dr. Iudd und Flimmer Fred, das Testament auf dem Oberhemd und jetzt noch dieser neue Fund: der Manschettenknopf.
„Mord!"
Er wußte es, er fühlte es — tausend unsichtbare Stimmen zischten und wisperten um ihn herum:
Mord! Mord!
6.
Eine undurchdringliche, rStselhaste Atmosphäre lag über den ganzen Vorgängen. Wie ein dichter Nebel, in dem sich seltsame Gestalten bewegten, in dem unfaßbare, finstere Schatten auftauchten und verschwanden.
Als er in sein Bureau kam, war daS junge Mädchen im Begriff, auf dem elektrischen Kocher Tee zu bereiten.
„Hallo!" stutzte er. „Ich hatte Sie tatsächlich vergessen."
„Sagen Sie mal," fragte er eilig, „hatte Stuart denn keine Manschettenknöpse?"
Sie nickte und nahm ein kleines Päckchen vom Tisch.
„Der Kommissar hatte vergessen, sie mitzuschicken: sie wurden gebracht, als Sie gerade fortgegangen waren."
Er öffnete das Papier und fand zwei einfache, goldene Knöpfe ohne Monogramm oder Wapven.
Larrh nahm den halben Manschettenknopf in Emaille und Brillanten aus der Tasche und untersuchte chn sorgfältig.
„Was ist das?" fragte sie. „Haben Sie das in seiner —" Sie zauderte.
„3a, ich habe das in seiner Hand gefunden," sagte er kopfnickend.
„Sie glauben also, es ist Mord?"
„Ich bin absolut davon überzeugt," sagte er ruhig. „Es wird aber ungeheuer schwierig sein, den Mord zu beweisen, und wenn sich nicht ein Wunder ereignet, wird der Schuft, 6er dies Verbrechen begangen hat, frei ausgehen."
Er nahm die Schale aus dem Wandschrank cknb legte die beiden goldenen Manschettenknöpfe und den halben, den er in der Hand des Toten gefunden hatte, zu den übrigen Gegenständen.
„Nichts, rein gar nichts," sagte er mit einem Kopfschütteln.
Dann fiel ihm ein, daß er die kleine braune Papierrolle noch nicht näher untersucht hatte. „Ich habe keine Ahnung, was das bedeuten soll: er hatte die Rolle In der Tasche."
Er wickelte sie auseinander und legte daS Papier flach auf den Tisch. Das junge Mädchen, das ihm gegenüber an der anderen Seite des Tisches stand, beugte sich vor und sah zu, wie er den ungefähr zehn Zentimeter langen und kaum halb so breiten Papierstreisen glättete.
„Hier ist nichts zu sehen," sagte er und drehte es um, „und auf der anderen Seite auch nichts. Ich werde es mal morgen photographieren lassen."
„Einen Augenblick, bitte,“ sagte sie auf einmal, nahm ihm das Papier aus der Hand und fuhr vorsichtig mit ihren zarten Fingerspitzen über die Oberfläche.
Er sah, wie sie erbleichte.
„Ich habe es mir gedacht," flüsterte sie, „und ich war beinah sicher, als ich die Erhabenheiten sah."
„Was ist es denn?" fragte et hastig.
„Hier sind einige Worte in Braille geschrieben — Blindenschrift," sagte sie und lieh ihre Fingerspitzen langsam über das Papier hin und her gleiten.
„Braille?" wiederholte er erstaunt.
„Ich habe es in der Blindenanstalt gelernt, aber mehrere Worte sind beschädigt, wahrscheinlich durch das Wasser. Wollen Vie bitte aufschreiben, was ich Ihnen vorbuchstabiere?"
Er ergriff einen Bleistift, riß ein Stück Papier von dem Block und wartete. Cs kam ihm zum Bewußtsein, wie merkwürdig doch auf einmal die Rollen vertauscht waren. Er der Sekretär, sie der Detektiv.
Das erste Wort ist .gemordet'," begann sie, „und dann kommt ein Zwischenraum, dann das Wort ,dearn): dann kommt wieder ein Zwischen-
!) lieber. Hier in Hinsicht auf daS weitere Verständnis unübersehbar.
„Lorelei", die reichen Beifall ernteten, miteinander ab. Durch alle Darbietungen zog sich der Grundgedanke des Iugendwanderns, den auch Lehrer Arnold in seiner Ansprache in den Vordergrund stellte, wobei er warm die Forderungen des Iugendherbergewerks empfahl. In bunter Folge reihten sich daran Spiele der Iugend, wobei besonders Eiertragen und Sackhüpfen viel Heiterkeit erregten. Dazwischen trug die unermüdliche Spielerschar der „Wanderlust" flott gespielte Musikstücke vor, die alljährlich einen Hauptanziehungspunkt des Festes bilden, auch für zahlreiche Auswärtige. Stürmischen Beifall ernteten zwei Theaterstückchen, besonders „Der sah- rende Schüler im Paradeis" von Hans Sachs. Schöne turnerische Vorführungen bot eine Riege des Turnvereins unter Leitung des Turnwarts Karl D e l tz e r am Darren. Eine Ortssammlung, sowie ein vom Gemeinderat bewllligter Betrag ermöglichten es, daß alle Schüler eine große Brezel sowie kleinere Geschenke erhielten.
Kreis Friedberg.
L Melbach, 18. Iuni. Der hiesige Turnverein, der erst vor 14 Tagen in einem Ver- eins-Wetturnen den Wanderpreis Södel-Melbach erringen konnte, erzielte am Sonntag auf dem Gauturnfest des Gaues Wetterau in Glau- berg wiederum bedeutende Erfolge. Zwei Turner des Vereins konnten dort sieben Siege erringen. Im Zwölfkampf sicherte sich Robert Günther den Chrensieg mit 207 Punkten, und im Reunkamps den 1. Sieg mit 162 Punkten. Heinrich Koch erwarb hn Zwölfkampf den 3. Sieg mit 160, und im Neunkampf den 5. Sieg mit 126 Punkten. Beide nahmen auch an den Kämpfen um die Gaumeisterschaft am Deck und am Barren teil. Hier erzielte Heinrich Koch am Reck den 2. Sieg mit 51 Punkten, während Robert Günther mit 72 Punkten am Darren und mit 78 Punkten am Reck Gaumeister für das Iahr 1929 wurde. — Gestern morgen wurde ein hiesiger Landwirt, als er an der Mähmaschine auf der Wiese hantierte, von einem seiner Pferde gegen das Kinn und die D ru st geschlagen. Hierbei erlitt der bedauernswerte Mann starke äußere, ferner auch innere Verletzu ngen, so daß er in bewußtlosem Zustande dem Friedberger Dürgerhospital zugeführt werden mußte. Dort ist er heute morgen, ohne das Bewußtsein wiedererlangt zu haben, seinen schweren Verletzungen erlegen. — Alls gestern nachmittag das Fuhrwerk eines Landwirtes von Södel die abschüssige Hungener Straße herab kam, lief ein kleines Kind direkt in das Fuhrwerk hinein. Das bedauernswerte Kind erlitt dabei einen doppelten Beinbruch und mußte nach erster Hilfeleistung durch den Ortsarzt dem Dür- gerhvspital in Friedberg zugeführt werden.
Preußen.
Kreis Wetzlar.
6 Launsbach, 18. Juni. Heute morgen ercif nete sich hier ein folgenschwerer Unglücks fall. Als das vier Jahre alte Söhnchen eines hiesigen Einwohners in einem Zimmer der elterlichen Wohnung spielte, ging es auch an ein dort stehendes Gewehr (Flobert). Unglücklicherweise war Die Waffe geladen, so daß beim Hantieren des Kindes an der Abzugsvorrichtung plötzlich ein Schuß loskrachte und die volle Schrotladung dem bedauernswerten Kleinen ins Gesicht drang. Leider wurde dadurch «in Auge des armen Kleinen zerstört. Das Jungen wurde der Augenklinik in Gießen zugeführt. Wie wir hören, ist die Schußwaffe nur durch einen un - glückseligen Zufall versehentlich in dem Zimmer unbeaufsichtigt liegen geblieben.
<> Oberkleen, 18. Juni. Der langjährige Seelsorger der hiesigen Gemeinde, Pfarrer Hart- mann, tritt am 1. August in den wohlverdienten Ruhestand.
raum, und jetzt das Wort ,See' — das ist alles."
Die unheimliche Mitteilung lag zwischen ihnen auf dem Tisch, und sie starrten einander an. Welcher bedauernswerte Blinde hatte inmitten all der trüben Schatten, die aus dem Nebel um ihn herum stammelten und schnatterten, diese Botschaft gesandt? Was verbarg sich hinter dem durchweichten Stückchen Papier? Wessen Knopf hielt der tote Mann krampfhaft in feinen erstarrten Fingern? Warum hatte man ihn ermordet? Man hatte Geld in seiner Tasche gefunden, seine Schmuckgegenstände waren unberührt geblieben. Nicht aus Habsucht war er umgebracht worden, auch nicht aus Rache, war er dcch ein unbekannter Fremder.
Eine Tatsache stand unumstößlich fest, und Larry wußte, daß diese alle seine ferneren Handlungen beeinflussen würde.
„Mord," sagte er leise, „Mord, und ich werde den Mann finden, der das getan hat, und wenn ich ihn aus der Hölle holen muß!"
7.
Diana Ward blickte ihren Chef an, und neu erwachtes Interesse sprach aus ihren klaren Augen.
„Braille," sagte er gedämpft, „das ist doch die Schriftsprache der Blinden?"
„3a,“ sagte sie. „Es ist eine Art Punktierschrift, daS Verhältnis der kleinen Punkte zueinander bildet einen Buchstaben."
Sie nahm das Papier auf.
„Wenn blinde Leute schreiben, gebrauchen sie ein fieined Instrument, eine Art Griffel, und einen Führer für diesen. DaS hier ist aber in großer Eile von jemand geschrieben worden, der keinen Führer hatte. Ich kann ja fühlen, wie unregelmäßig punktiert worden ist. Die An- leserlichkeit der Worte, die ich nicht entziffern kann, ist beinah ebenso durch daS schlechte Schreiben wie durch den Einfluß deS WasscrS verursacht worden."
Er hielt dies merkwürdige Beweisstück in beiden Händen und betrachtete es eingehend.
„Könnte Stuart daS mit seinem Bleistift gemacht haben?"
Sie schüttelte den Kovf und fragte schnell: „Haben Sie ihn gefunden?“
„Nein," sagte Larrh verdrießlich, „aber ich habe gesunden, wozu der Bleistift gebraucht wurde."
Er öffnete baB Paket, daS er mitgebracht batte, und zeigte ihr das Hemd mit seiner tragischen Botschaft auf der Innenseite.
„Warum hat er Innen Im Hemd geschrieben." fragte Larrh nachdenklich, „und warum auf linken Seite?"
Diana verstand, was er meinte.
(Fortsetzung folgt.)


