Ausgabe 
19.6.1929
 
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frem Gouverneur tmö dem GenerakkcchitSn von Katalonien, dem Bürgermeister, dem deutschen Konsul und Mitgliedern der deutschen Kolonie sowie von einigen hundert Personen begrüßt. Bei der Abfahrt des Zuges war der Minister Gegenstand lebhafter Kundgebungen. Wie der Ternps" berichtet, wird Dr. Stresemann, der morgen vormittag kurz nach 9 ^Ihr in Paris eintreffen wird, gegen Mittag dem Außenminister B r i a n d einen Besuch abstatten. Driand wird zu Ehren des deutschen Außenministers ein Frühstück veranstalten, an dem mehrere Mit­glieder der französischen Regierung teilnehmen werden. Ministerpräsident Poincare wird sich nach dem Essen nach dem Quai d'Orsay begeben und dort seinerseits eine Begegnung mit Dr. Stresemann haben.

Die Reparationskonferenz.

Keiue Rechtsgrundlage für eine ständige Kontrolle.

London, 18. Suni. (WTD.) DerDaily Telegraph" schreibt: Sn britischen amtlichen Krei­sen war gestern nichts über eine vorberei­tende Konferenz des deutschen und der alliierten Außenminister bekannt, die nach Ma­drider und Pariser Meldungen diese Woche in Paris stattfinden soll. Sn London ist man nicht der Meinung, daß eine vorbereitende Konferenz notwendig ist, um zu einer Einigung über das Datum und den Ort der R e p a r a - tions- und Rheinlandkonferenz zu kommen. Man glaubt, daß dies auf dem ge­wöhnlichen Wege diplomatischer Verhandlungen geregelt werden kann. Was die Konferenz selbst anbetrifft, so wird in amtlichen britischen Kreisen nach wie vor mit Rachdruck die Ansicht ver­treten, daß London der geeignetste Ort für ihren Zusammentritt ist. Man hofft in London, daß keiner der Alliierten auf der Einsetzung einer permanenten internationalen Kontrollkommission für das Rhein­land bestehen wird, da der Versailler Vertrag keine legale Grundlage für eine solche Kontrolle, zum mindestens nicht über die Der- tragsdauer hinaus, gebe. Sn finanzieller Hinsicht zeigen die britischen amtlichen Kreise große Vor­sicht. Die französische Forderung, daß die fran­zösischen Schuldenzahlungen von dem Ein­gang der deutschen Schuldenzahlun­gen abhängig gemacht werden sollen, wird britischerseits für unerträglich erachtet, da dann im Falle eines Ausbleibens der bedingten deutschen Zahlungen Großbritannien von Deutsch­land und von Frankreich nichts erhalten würde, während Frankreich den bedingten Teil der deut­schen Zahlungen erhalte.

Die Agrarzötte.

Schweden macht Schwierigkeiten.

Berlin, 18. Juni. (Priv.-Tel.) Die Lösung des Zoüproblems für Brotgetreide steht kurz vor der Entscheidung, wenn man noch die entsprechende Regelung im Rahmen der (oommertagung des Reichstages durchführen will. Aber die Schwierig­keiten sind augenblicklich ganz außerordentlich groß, so daß Pessimisten bereits, ähnlich wie bei der Re­form der Arbeitslosenversicherung, von einer Ver­tagung sprechen. Der Sachoerständigenausschuß, den der Reichsernährunasminister zur Beratung über die Brotgetreidepreise eingesetzt hat, ist zwar bei der Arbeit, kann aber vor der Rückkehr des Staatssekretärs H e u k a m p aus Stockholm wohl kaum irgendeinen Beschluß fassen. Eine Zoll­erhöhung im Rahmen der Zwischenzölle ist ohne Verhandlungen mit anderen Mächten möglich, doch scheint eine 'solche Regeluna der Landwirtschaft nicht zu genügen, so daß eine Zollsteigerung darüber hinaus, wenn sie noch für diese Ernte wirksam sein soll, davon abhängig ist, ob Schweden zu einem Entgegenkommen sich bereitfindet.

An sich "ist Schweden an einer Heraufsetzung der Getreidezölle direkt nicht interessiert, trotzdem rechnen aber die eingeweihten Kreise mit einem starken Widerstand Stockholms. Man geht wohl in der Vermutung nicht fehl, daß hier bereits eine Art Snteressengemeinschaft der nor­dischen Länder hergestellt ist und daß die Schweden vor allem auf Wunsch Dänemarks und Finnlands nur für Gegenkonzessionen auf dem Gebiet der Vieh-, Fleisch- und Buttereinfuhr zu einem Entgegenkommen gegenüber Deutschland bereit sein wird. Ob damit aber den Snteressen der Gesamtlandwirtschaft ge­dient ist, erscheint zum mindestens sehr zweifel­haft. Cs bleibt natürlich noch der Ausweg einer formalen Kündigung des deutsch-schwedischen Handelsvertrages zum 31. Dezember d. S., womit aber ebenfalls eine Zollerhöhung für diese Ernte nicht möglich wäre.

Aber auch die anderen vorgeschlagenen Wege für eine bald wirksame Beeinflussung der Brotge­treidepreise stoßen auf die größten Schwierigkeiten. Der Monopolgedanke spielt nach vor eine große Rolle, aber in unterrichteten Kreisen nimmt man an, daß ein solches Getreidemonopol frühe- stens im Laufe von 14 bis 2 Jahren in Kraft treten könnte. Es bleibt also noch die vom Reichsernährungsminister voraeschlagene Preisausgleichsgebühr, -die sofort durch- g führt werden könnte, die aber auf den Widerstand der Sozialdemokraten stößt. Daneben tauchen noch verschiedene andere Vorschläge auf, wie z. B. der Plan der Mühlenindustrie, den diese in einer Ein­gabe an das Ernährungsministerium dieser Tage formuliert hat und der auf einen Mahlzwang für Weizen hinausläuft. Nach diesem Entwurf sollen die Mühlen verpflichtet werden, auf Grund einer Festsetzung des Reichsernährungsministers be­stimmte Mindest mengen v o«n deutschem W e i z en zu verwenden. Wie die Negierung durch alle die Vorschläge und Schwierigkeiten hindurch­finden wird, ist noch nicht zu übersehen.

Noch kein Ministerpräsident in Sachsen.

Starke Zersplitterung im ersten Wahlgang.

Dresden. 18. 3uni. (WB.) Sn der heutigen Landtagssitzung staird die Wahl des Minister­präsidenten auf der Tagesordnung. Es wurden 94 gültige Stimmen abgegeben. Davon entfielen auf Fle ner (Sozialdemokrat) 31, Dr. Blü - bet (Deutsche Dolkspartei) 13, Dr. Eberle (Sn.) 9, auf den Abgeordneten Kaiser (Wirt- fchaftspartei) 1, Dock (Altsozialist) 1, auf den gegenwärtigen Ministerpräsidenten Heldt (Alt­sozialist) 2, den Snnenminister Dr. Apelt (De­mokrat) 4, Volksbildungsminister Dr. Dünger (Deutsche Dolkspartei) 1 und auf den Abgeord­neten Dr. Schreiber (Landbund) 5, während

17 weiße Zettel abgegeben wurden. Da kein Kandidat die absolute Mehrheit er­reicht hat, so ist die Wahl ergebnislos g'e- blieben. Sie soll am Donnerstag wiederholt wer­den. Rach Schluß der Sitzung erhob sich auf den Tribünen ein ungeheuerer Tumult, bei dem die Kommunisten und Sozialdemokraten heftige Schimpfworte gegeneinander schleuderten. Die Tumultszenen setzten sich auch noch auf der Straße fort.

Zwischenfall im Stinnes-Prozeß.

Reichskommissar

Heiuzmann über die Pariser Borgänge.

Berlin, 18. Suni. (WB.) Sm Stinnesprozeß wird der ehemalige Sonderkommisfar für die Ablösung von Markanleihen in Paris, Heinzmann, als Zeuge vernommen. Der Zeuge erklärt, das- Anleiheablösungsgesetz habe sich in Paris im allgemeinen reibungslos abge­wickelt. Ein Entscheidungsrecht über die Aufwer­tung habe er nicht besessene er habe lediglich die Anleihen auf ihre Richtigkeit zu prü- f e n gehabt und sodann an den Reichskommissar in Berlin weitergeleitet. Der Vorsitzende fordert den Zeugen auf, sich an Hand der Akten über die Aufwertungsanträge zu äußern, die von den Angeklagten eingereicht worden waren. Der Zeuge Übersetzt den französischen Wortlaut der Anmelde­formulare und weist insbesondere auf die fal­schen Angaben beglich der Altbesih- begründung hin. Rachdem die Anträge bew reits an den Reichskommissar in Berlin weiter- gegeben worden seien, habe sich ein gewisser Lewith in Paris erboten, gegen eine ange­messene Provision größere Anleiheschie­bungen aufzudecken. Anhand des Kontos des Angeklagten v. Waldow bei der Banque Centrale sei dann die Entdeckung gemacht wor­den, daß im Rovember 1926 für größere Summen deutsche Reichsanleihen in London zu dem Zweck gekauft worden seien, sie als Alt- besitz anzumelden.. Der Zeuge erklärt, er habe darauf sofort in Berlin Anzeige er- st a t t e t. Dem französischen Abgeordneten Cal- m a n habe er erzählt, daß gegen ihn, Calman, wahrscheinlich ein Strafverfahren eingeleitet werden würde. Anläßlich eines Aufenthaltes in Berlin habe der Zeuge aber die Weisung erhal- ten, Colman zum Be rzicht auf Alt- und Reu­besitz zu veranlassen, da für ein Strafverfahren bei der Regierung keine Stimmung bestand. Cal­man habe sich, da er sah, daß er in eine gefähr­liche Angelegenheit verwickelt worden war, auch bereit erklärt, diesen Verzicht auszusprechen.

Am 7. September 1927 hat Calman mir gegen­über zum ersten Male den Ramen Stinnes genannt, jedoch hinzugefügt, daß es schwer sein werde, ein Beweismittel gegen Stinnes persön­lich in die Hand zu bekommen. Ferner hat er mir gegenüber den ganzen Sachverhalt offen dar­gelegt und erklärt, daß irgendwelche Alt­besitzansprüche nie bestanden hätten. Sch habe dann die Angelegenheit mit aller Ener­gie verfolgt und die Angaben Calmans in ge­radezu grotesker Weise bestätigt gefunden. Es stellte sich nämlich heraus, daß mehrere Per­sonen, in deren Ramen die Aufwertungsansprüche gestellt worden waren, davon überhaupt keine Ahnüng hatten.

Rechtsanwalt Alsberg wirft dem Zeugen vor, die Beschuldigungen Calmans gegen die An­geklagten Stinnes und v. Waldow nicht ob­jektiv genug geprüft zu haben. Zeuge Heinzmann erwidert in erregtem Tone, er habe alles getan, was in seiner Macht stand, die ob­jektive Wahrheit herauszubekommen. Rechtsan­walt Dr. Alsberg erklärt, erregt aufspringend, die Verteidigung wolle nachweisen, daß das Auf­treten Heinzmanns in diesem Verfahren an einer Reihe von Stellen gesetzwidrig gewesen sei, daß es ihm ferner nur darauf angekommen fei, unter allen Umständen Stinneszur Strecke zu bringen. Der Verteidiger Rechtsanwalt Dr. Hock wirft dem Zeugen Heinzmann sogar Erpressung vor, so daß der Vorsitzende sich veranlaßt sieht, zu erklären:Wir haben jetzt über die Schuld der Angeklagten zu entscheiden und nicht über die Schuld des Zeugen Heinzmann. Sch bitte doch, die Prozeßrollen nicht zu vertausche n.

DerVerlinerKongreZdesWeltbundes für staatsbürgerliche Frauenarbeit.

Berlin, 18. Juni. (WB.) Am zweiten Kongreß­tage des Weltbundes für staatsbürgerliche Frauen­arbeit wurden die zusammenfassenden E n t s ch l i e - jungen bekanntgegeben. Der elfte Kongreß des Weltbundes hat sich zunächst erneut zu den Grund­sätzen bekannt, die seine Arbeit 25 Jahre hindurch geleitet haben. In bezug auf das F r a u e n st i m m - recht beauftragte der Kongreß den Vorstand des Weltbundes, sich in allen Staaten, die das Frauen­stimmrecht noch nicht besitzen, für die Gewährung desselben einzusetzen, damit überall dieVolksregie­rung" auch wirklich das gesamte Volk umfasse. Fer­ner erklärte es der Kongreß als Pflicht der Frauen aller Länder, für freundschaftliche Be­ziehungen der Völker untereinander zu arbeiten und sprach sich für den Völker­bund als Basis des Friedens aus. Auf wirtschaftlichem Gebiete forderte der Kongreß, daß alleArbeitsgebiete denFrauen offen« st e h e n und daß alle Zweige der Berufsausbildung den Frauen unter denselben Bedingungen wie den Männern zugänglich seien. In bezug auf die 'S i t t - lichkeit erstrebt der Kongreß einen höheren, sitt­lichen Maßstab als bisher für Männer wie für Frauen. Was die Gesetzgebung anbelangt, fordert der Kongreß, daß die verheiratete Frau das gleiche Recht wie der Mann be- sitze, die Staatsangehörigkeit zu behal­ten oder zu wechseln. Nach Bekanntgabe der zu­sammenfassenden Entschließungen wurden die Be­ziehungen zu dem Internationalen Frauenbund ausgenommen, indem man einen Verbindungsaus­schuß einsetzte.

Der Reichskanzler und Frau Müller veran­stalteten heute nachmittag einen Tee-Empfang zu Ehren des in Berlin tagenden Weltfrauenkongresses. Die Mehrzahl der ausländischen Delegierten und der Vertreterinnen deutscher Frauenverbände waren der Einladung gefolgt. Don deutscher Seite waren außer den Gastgebern erschienen die Reichsminister G r o e ner, o. Gu 6 rard, Scoering und Wissell mit ihren Damen, die Staatssekretäre Zweigert und Geid, Ministerialdirektor Dr. Köpke, Po­lizeipräsident 3 ö r g i e b e I und Polizeikommandeur Heimannsberg. Ferner sah man eine Anzahl Abgeordneter und Angehöriger der Presse.

GroßfeuermemerVerlmerFabrik

SchwierigesRettungswerk.-EinTodesoPfer

Berlin, 18. Suni. (WB.) Sn einer auf dem Grundstück Alt-Moabit 104 untergebrachten che­misch-pharmazeutischen Fabrik brach heute nachmittag aus bisher noch unaufgeklärter Ursache ein Brand aus, der rasch einen derarti­gen Umfang annahm, daß der Einsatz von zehn Zügen der Feuerwehr und zwei Feuerlöschbooten notwendig wurde. Das Feuer war gegen 17 Uhr noch nicht niedergekämpft. Die drei um den Hin­teren Hof des Grundstücks gelegenen Gebäude standen vom zweiten bis zum vierten Stockwerk in Flammen. Dagegen ist es inzwischen ge­lungen, die zahlreichen Menschen, die in dem Gebäude beschäftigt waren und deren Leben durch die ungewöhnlich rasche Ausdehnung des Bran­des gefährdet war, wenn auch unter großen Mühen, zu retten.

Das Grundstück Alt-Moabit 104 wird von einem Wohnhaus an der Straße, einem ersten Fabrikhof und einem zweiten Fabrikhof gebildet. Das Feuer kam im zweiten Hofe im rechten Seitenflügel im Betrieb der chemischen Fabrik dadurch zum Ausbruch, daß ein Angestellter, dem ein Bleistift in einen Spiritus­behälter gefallen war, die Fahrlässigkeit beging, mit einem Streichholz in den Behälter hineinzuleuchten. Sofort schlug eine Stichflamme empor, die im nächsten Augenblick auf einen neben dem Spiri­tusbehälter stehenden großen Benzinbehäl- t e r übersprang. Wenige Minuten darauf stand das ganze zweite Stockwerk des Seitenflügels in Flammen, von wo aus der Brand auch auf die beiden angrenzenden Gebäude des Komplexes Übergriff und so auch die Treppen versperrte.

Sm dritten Stockwerk des Hauses befindet sich eine Litzenfabrik, deren 21 Angestellte sowie die beiden Snhaber den Weg ins Freie verlegt fanden. Ebenso waren im zweiten Stockwerk im Betrieb der ' chemischen Fabrik fünf Angestellte abgeschnitten. Die Feuerwehr breitete sofort Sprungtücher aus. Vier der Angestellten haben sich jedoch trotz der Sprungtücher beim Llbspringen erheblich verletzt. Sn den Fenstern des vierten Stock­werks erschienen ebenfalls Menschen und schrien um Hilfe. Es gelang schließlich, teils über die Seitentreppen, teils über die mechanischen Lei­tern sämtliche im vierten Stockwerk befindlichen 23 Personen ebenfalls in Sicherheit zu bringen. Den übrigen Angestellten war es noch rechtzeitig gelungen, zu flüchten.

Der Expedient W o i n o w s k i, auf dessen un­vorsichtiges Hantieren mit einem Streichholz der Brand zurückzuführen ist, hat bei der Explosion des Spiritusbehälters so schwere Verletz­ungen erlitten, daß er im Krankenhaus ver­starb. Die Arbeit der Feuerwehr erlitt eine Verzögerung dadurch, daß die ersten Hydran­ten, an die man die Schläuche anschloß, ver­sagten, so daß erst von einer anderen Stelle Wasser beschafft werden mußte.

Aus dem Finanzausschuß des Hessischen Landtags.

Darmstadt, 18. Suni. Der Finanzausschuß des Hessischen Landtages lehnte mit 6 gegen 7 Stimmen einen Antrag Kaul (S.) ab, Der die Umwandlung von sechs Polizeileutnantstellen in Polizeihauptleutestellen verlangte. Die Regie­rungsvorlage über die Errichtung von Bade» einrichtungen in Deamtendienstwohnungen in der Dergwerksdirektion Wölfersheim (3700 Mark) wurde einstimmig gebilligt: ebenso die 27 000 Mk. für die Verwaltung der Landessteuern durch die Finanzämter bzw. der Vorkontrolle durch hessische Beamte. Einstimmige Annahme fand auch die Regierungsvorlage über die Rationalisie­rung des Handwerks, wofür bekanntlich 100 000 Mark angefordert wurden. Eine Reihe von Eingaben wird durch die meist ablehnende Regierungsantwort für erledigt erklärt.

Oie Buch- und Betriebsprüfungen.

Berlin, 18. Juni. (TU.) Der Reichsfinanz­minister hat dem Reichstag eine Ueberficht der wäh­rend des Rechnungsjahres 1928 im Reiche vorgenom- menen Buch- und Betriebsprüfungen zugehen lassen. Danach haben in insgesamt 51687 Fällen Prüfungen stattgefunden. Die Ge­samtsumme des an Reichssteuern festgesetzten Me hrbetrages erreichte die Höhe von 121277 555 Mark, was gegenüber dem Vorjahre eine Steige­rung von mehr als 16 v.H. bedeutet. An Landes-, Kirchen- und anderen Steuern wurden Mehrbeträge von rund 21 Millionen festgesetzt. Die verhängten Geld st rasen betrugen 2 891 526 Mark.

Aus aller Welt.

Schweres Flugzeugunglück im Kanal.

London, 17. Juni. (TU.) Ein am Montagvor­mittag fahrplanmäßig um 10.30 Uhr mit 11 Reisen­den, dem Piloten und dem Mechaniker an Bord von Eroyden abgeflogene Verkehrsflugzeug der Strecke London Paris Zürich sah sich drei Meilen von der englischen Küste ent­fernt zur Notlandung gezwungen. Wäh­rend alle Meldungen noch bis zum späten Nach­mittag von einem glatten Verlauf der Lan­dung und Rettung sämtlicher Insassen sprachen, und auch eine entsprechende amtliche Mitteilung dieses Inhaltes herausgegeben wurde, wird nun amtlich der Verlust von 7 Menschenleben bekanntgegeben. Von der Imperial Airway wird folgender Bericht herausgegeben:

Das heule vormittag um 10.30 Uhr abgeflogene Verkehrsflugzeug der Linie London Zürich sandte Jloff ignale aus, als es sich 15 Meilen von der englischen Küste entfernt über dem Kanal befand. Der Pilot kehrte um, mußte aber drei Meilen von der Küste entfernt nieder­gehen. Er teilte drahtlos mit, daß er längsseits eines Fischdampfers niedergehen werde, was auch geschah. Auf Grund der ständigen Rotslandsoor­kehrungen wurden sosorl nach Eingang des Rol- signals weitere Schiffe an die Unglücksstelle ent­sandt. Bedauerlicherweise haben 7 Reisende i h r Leben verloren, vier Reisende, der Pilot und der Mechaniker wurden verwundet, wie man hofft, nicht ernsthaft.

Aus der harmlos erschienenen Rotlandung, über deren günstigen Verlauf noch am Spätnach­mittag Augenzeugenberichte veröffentlicht wurden,

ist danach ein Verkehrsunfall ersten Ranges geworden, da neben den sieben Toten alle weiteren Snsassen des Flugzeugs verletzt, wurden. Gin ähnliches schweres Unglück im eng­lischen Luftverkehrsdienst hat sich am Heiligen Abend 1924 ereignet, als ein Flugzeug kurz nach Verlassen von Croyden notlanden wollte, sich überschlug und in Flammen aufging, wobei sie­ben Reisende und der Pilot ihr Leben verloren. Ueber die Ursache des Verkehrsunglücks feh­len noch alle zuverlässigen Hinweise, da alle früheren Meldungen davon sprachen, daß das Flugzeug sich an der Oberfläche hielt. Die Rei­senden, die sich auf den Tragflächen halten konn­ten, sollen von einem nur P/i Meile entfernten französifchen Fifchdampfer und an­deren, gleichfalls in der Rähe befindlichen Fahr­zeugen auf genommen worden sein. Dem­gegenüber steht nun fest, daß das Flugzeug in den Hafen eingeschleppt wurde. Von den Toten sind bisher nur drei ans Land ge­bracht worden. Vier weitere Tote sind, wie man annimmt, in der von Beginn der Rotlan­dung an völlig unter Wasser liegenden Kabine noch eingeschlvssen. Bei dem verunglück­ten Flugzeug handelt es sich um einen Hand­let) Page-Doppeldecker mit zwei Motoren von 1000 Pferdekräften, der im März 1926 In Dienst gestellt wurde, bisher 250 000 Meilen zurücklegte und etwa 1000 mal den Kanal überflogen hatte.

vom D-5ug ein Arm abgerissen.

Auf der Fahrt von Raumburg nach Leipzig lehnte sich ein Leipziger Schul­mädchen zwischen Weißenfels und Cvrbetha weit aus dem Fenster des Personenzuges hinaus, um Kameradinnen, die sich in einem anderen Wagen befanden, zuzuwinken. Sn diesem Augenblick kam ein O-Zug vorbeigefah­ren und riß dem Mädchen einen Arm oberhalb des Ellenbogens ab. Die Verletzte wurde in Cor- betha sofort ins Krankenhaus geschafft.

Die Hitzewelle in Reuyork.

Reuyvrk leidet noch immer unter der Hitze­welle. die feit zehn Tagen andauert. Dienstag nachmittag stand das Thermometer auf 33,3 Grad Celsius im Schatten, was einen Rekord bedeutet. Mehr als zehn Personen starben in­folge der Hitze, und zwölf ertranken während des Wochenendes, wo Millionen von Menschen im Meer und in den Flüssen Erleichterung vor der Sonnenglut suchten.

Bluttat in der Strafanstalt.

Sm Gerichtsgefängnis in Snsterburg ist der Tlntersuchungsgefangene Pauleck von dem ilnter- suchungsgefangenen Raibutzki mit einem Schemel erschlagen worden. Es besteht die Möglich­keit, daß Raibutzki, der die Tat geftanö, in einem Anf all von Geistesgestörtheit gehandelt hat. Er war Anfang des Sahres zur Beobachtung in einer Srrenanftalt, von wo er als normal entlassen wurde mit dem Ergebnis, daß er simuliere. Der getötete Pauleck und ein anderer ilnterfudjungägefangener waren mit Rai­butzki auf ärztliche Anordnung in eine Kranken- Äefie gelegt worden mit dem Auftrag, auf Rai­butzki aufzupassen.

Tödlicher Flugzeugunfall in Leipzig.

Auf dem Flugplatz Leipzig-lMockau stürzte der 23jährige Flugschüler Benno Hacke aus Torgau auf einem Prüfungsflug zum Erwerb des Zwi­schenscheines aus einer Höhe von 150 Meter mit dem Flugzeug ab. Die Maschine wurde voll­ständig zertrümmert. Der Flugschüler erlitt einen Schädelbruch und zahlreiche Knochenbrüche und konnte nur als Leiche geborgen werden. Es wird angenommen, daß er eine Linkskurve zu steil genommen hat, so daß das Flugzeug abrutfchte und zur Erde stürzte.

Oie Wetterlage.

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Wettervoraussage.

Die Luftdruckoerteilung zeigt nur wenig Aende- rung. Langsam wandert der Kern des Hochdruck­gebietes ostwärts ab. Ganz Deutschland wird weiter­hin von der Hochdruckwetterlage beherrscht. Sie hält zunächst weiter stand, jedoch nimmt mit der fortschreitenden Erwärmung und dem Umdrehen der Winde die Neigung zu Gewitterstörungen zu.

Wettervoraussage für Donnerstag: Meist heiteres Wetter, sehr warm, Neigung zu lokalen Gewitterstörungen.

Wettervoraussage für Freitag: Wenig Aenderung der Wetterlage.

Lufttemperaturen am 18. Juni: mittags 24,1 Grad Celsius, abends 17,7 Grad am 19. Juni: morgens 18,1 Grad. Maximum 25 Grad, Minimum 11 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 18. Juni: abends 25,9 Grad am 19. Juni: morgens 19,4 Grad Celsius. Sonnenscheindauer 12)4 Stunden.