Ausgabe 
19.6.1929
 
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Aus -er Provinzialhaupifiadi.

©laßen, den 19. Shtni 1929.

Oer sommerliche Oarmkaiarrh.

Zu den unerfreulichen Nebenerscheinungen je­den Sommers gehört das häufige Auftreten Von Darmkatarrhen. Sie können ganz besonders für den Säugling zu einer ernsten Gefahr werden. Hier ist die Ursache meist in der durch die Sommerhitze verdorbenen Säuglingsnahrung, der Milch, zu suchen. Deshalb ist Kühlhalten der Milch, Bezug aus einer einwandfreien Quelle und peinlichste Sauberkeit der Gefäße, in denen die Milch aufbewahrt wird, das beste Dor­beugungsmittel. Am sichersten wird natürlich diejenige Mutter ihr Kind vor Krankheit oder Tod bewahren, die es selbst stillt. Für den Er­wachsenen spielt der an sich besonders zu empfeh­lende Obstgenuß als Ursache für vielfache Tormerkrantungen eine Rolle, und die Richt- t-cachtung der notwendigen hygienischen Dor- sichtsmaßregeln fordert manches Opfer. Die Ober­fläche jeder Frucht ist der Verunreinigung durch Staub und Schmutz, durch Menschenhand und durch Insekten ausgesetzt. Deshalb ist es nötig, jedes Obst vor dem Genuß sorgfältig zu waschen, oder, wo dies möglich ist, das Obst zu schälen. Man hüte sich auch, beim Obstessen größere Men- gen Wasser zu trinken. Aber auch sonst sollte man im Sommer mit dem W a s s e r t r i n k e n zur Verhütung von Darmkatarrhen und ähn­lichen Erkrankungen besonders vorsichtig sein. Vor allem vermeide man, wie es leider auf Wande­rungen so oft geschieht, Wasser von unbekannter Herkunft zu genießen. Ist man dazu gezwungen, so lasse man es mindestens vorher sorgfältig ab- kochen; allenfalls ist ein Schluck aus einem kla­ren Gebirgsquell als hygienisch einwandfrei betrachten. Im übrigen sei für heiße Tage ein wenig kalter Kaffee, kalter Tee, oder ein Stück Schokolade zur Stillung des Durstes empfoh­len. Außer der Rahrung selbst spielt aber auch sowohl für den Säugling, als auch für ältere Kinder und Erwachsene die Fliegenplage eine große Rolle bei der Entstehung des sommer­lichen Darmkatarrhs. Tausenderlei Unreinlichkei- ten, Bakterien und Krankheitsgifte haften den Miegenbeinen an und werden so, zumal wenn die Fliegen Gegenstände berühren, wie den Sauaer der Milchflasche oder Speisen und Geräte, die wir dann zum Munde führen, in unseren Ver- dauunaskanal gebracht. Der Kampf gegen den Darmkatarrh ist also zugleich ein Kampf gegen die ^Fliege. Daher bedecke man alle Speisen mit einem Drahtkorb, oder einen für die Fliegen undurchlässigen Deckel. Man suche durch Fliegen­papiere und dergleichen die Fliegen einzufangen, man sorge für Durchlüftung namentlich abends nach Sonnenuntergang, kurz man setze in die Tat um den Kampfruf des Reichsausschusses für hygienische Volksbelehrung:Tötet d i e Fliegen, sonst töten sie dich."

Date« für Donnerstag, 20. Juni.

Sonnenaufgang: 3.43 Uhr. Sonnenuntergang: 20.19 Uhr; Mondaufgang 19.12 Uhr, Mond­untergang: 2.16 Uhr.

1849: der Dichter Franz v. Schönthan in Wien geb. (gest. 1913). 1868: der Schriftsteller Walter Bloem in Elberfeld geb.

Bornotizeu.

Tageskalender für Mittwoch. Goethe-Bund: Mitglieder-Jahresoersammlung, 20 Uhr, Hotel Schutz. Englisches Seminar: Vortrag The New Internationalism, 20.15 Uhr, im Kunst­wissenschaftlichen Hörsaal. Lichtspielhaus, Dahn- Hofstraße:Totentanz der Liebe".

Stadttheater Gießen. Aus dem Stadttheaterbureau wird und geschrieben: Als nächste Premiere der Sommerspielzeit geht am Dienstag, 2. Juli, die UraufführungLiebe auf den zweiten Blick", Komödie in drei Akten von Miles MaNeson (nach dem RomanSafeth First" von Margot Reville) Deutsch von Held in Szene. Spielleitung: Oberspielleiter Hans T a n n e r t.

Gießener Konzertoerei n. Morgen, Donnerstag, 20. Juni, in der Neuen Aula der Uni­versität Dolkskonzert. Näheres in der heutigen An­zeige.

D e r neue Internationalismus'. Heute 20.15 Uhr im Hörsaal des Kunstwissen­schaftlichen Instituts, Ludwigstrahe 34, Vortrag in englischer Sprache von Miß M. L. R o o t überDer neue "Internationalismus".

E i n Lichtbilderoortrag über TempelstättenGriechenlands wird von Dr. Johannes Hemleben (Kassel) am Freitag, 21. Juni, im Singsaale der Oberrealschule gehalten. Näheres in der heutigen Anzeige.

Straßensperrungen. Dom Ober­hessischen Automobil-Club (A.V.D.), Gießen, wird uns mitgeteilt: Die Strecke Eibelshausen- Siegen im Zuge der Straße Dillenburg Siegen ist von Kilometer 1,7 bis 2,3 bis zum 29. Iuni gesperrt. Umleitung über Bergebers- o buch. Die Straße H e r b o r n H a ch e n- bürg ist von Kilometer 31,7 bis 32,1 vom 22. bis 26. Iuni gesperrt. Umleitung über Roth- Driedorf. Die Strecke S t a d e n Rieder- Mockstadt im Zuge der Straße Friedberg Ridda ist ab 24. Iuni bis auf weiteres gesperrt. Umleitung über LeidheckenBlofeldDauern- h e imOber-Mockstadt.

** Aus dem Gießener Standesamt s- re gift er. Es verstarben in der Zeit vom 1. bis 15. Iuni: 3. Iuni: Elisabeth Klose, geb. Roll, Witwe, 65 Iahre, Gartenstraße 26; Katharine Hardt, geb. Graß, 80 Iahre, Hammstrahe 4. 4. Iuni: Martha Heckmann, geb. Meng, Witwe, 61 Iahre, Stephanstr. 3. 6. Iuni: Eduard Karl Ritsert, Kaufmann, 35 Iahre, Kaiserallee 60. 9. Iuni: Wilhelmine Schultes, geb. Steinebach, 65 Iahre, Walltorstr. 44; Wilhelm Kretzer, Händler 80 Iahre, Teufelslustgärtchen 3. 12. Ium: Ferdinand Weil, Kaufmann, 56 Iahre, Ludwigstr. 3. 14. Iuni: Ottilie Wittich. Priva- tin, 79 Jahre, Seltersweg 63.

** Heugrasversteigerung. Bei der gestrigen Heugrasversteigerung der Stadt Gießen wurden bei großer Rachfrage gute Preise er­zielt. Don den Wiesen im Reustädter Feld im Durchschnitt pro Morgen 100 Mk., im Heegstrauch 80 Mk., im Wiesecktal 60100 Mk.

** Konzert in der Chiru rgischen Kli- n i k. Am Sonntagnachmittag erfreute der Mädchen­chor der evangelischen Jugendoereinigung Klein- Linden die Patienten und das Personal der Chirur­gischen Klinik mit einem wohlgelungenen Gesangs­konzert. Helle Freude strahlte aus den Augen der großen und kleinen Patienten, und inniger Dank

Umbau im Gießener Bahnhof.

Schon feit Jahren sind die unzulänglichen Raum­verhältnisse im Gießener Bahnhofsgelände allge­mein bekannt. Die Reichsbahnverwaltung selbst kennt aus ihren eigenen Betriebserfahrungen die vielfachen Unliebsamkeiten und Schwierigkeiten, die aus den mangelnden Raumverhältnissen sich ergeben, und sie hätte sicherlich schon längst Abhilfe geschaf- en, wenn die Finanzlage ihr das gestattet hätte. Nunmehr wird aber doch der erste Schritt zur Ab- tellung der Schwierigkeiten im Gebiete unseres Bahnhofs getan. Seit einiger Zeit sind Vermessun­gen des Geländes in der Richtung nach Klein-Linden zu im Gange, die den Zweck haben, die Verle­gung des Eisenbahnbetriebswerkes aus dem Güte rb ahn Hof und die Neu­errichtung dieses Werkes bei Klein- Linden in die Wege zu leiten. Nach den für die- en Zweck ausgearbeiteten Plänen soll das neue kisenbahnbetriebswerk mit Lokomotivschuppen, Werk- tätten, Bekohlunasanlagen, Wasserkranen, Dreh- cheiben usw. in der Nähe des Stellwerks Klein- Linden neu erichtet werden. Durch die Beseitigung des jetzigen Werkstättengebäudes im Güterbahnhof wird ein wesentliches Stück Gelände gewonnen, das mit Gleisen versehen und dem Güterbahnhofsbetrieb dienstbar gemacht werden soll. Der Verkehr zwischen dem geplanten neuen Werkstättengebäude bei Klein-

Linden und dem Personen, und Güterbahnhof soll durch ein besonderes Maschinenzuführungsgleis ge­regelt werden. Im Güterbahnhofsbetrieb wird durch die vorzunehmende Gleiserweiterung eine Anzahl der jetzigen Sammelgleise vermehrt und die Abwick­lung des oft gehemmten Wagenablaufs vom Rangier­berg, wie auch die Arbeiten der Rangierkolonnen wesentlich erleichtert werden. Die Kosten für dieses großzügige Bauprojekt belaufen sich, wie man uns berichtet, auf 5 bis 7 Millionen Mark. Von Eisen­bahnseite hören wir, daß diese Kostenangabe zu hoch gegriffen sei. Die vorstehend beschriebenen Umbauten sind als der e r st e Abschnitt eines groß- angelegten Umbauprogramms für unseren Bahnhof anzusehen, das im Verlause der nächsten zehn Jahre zur Durchführung kommen soll. Die Gesamt kosten für das ganze, auf Jahre berechnete Umbauprogramm werden nach dem heutigen Stande der Dinge auf rund25Millio- n e n Mark berechnet. Hieraus wäre allerdings ersichtlich, daß die Kostenangabe für den obenerwähn­ten ersten Bauabschnitt zu hoch beziffert ist. Aber abgesehen davon ist es in der Tat erfreulich, daß man nun endlich mit dem Umbau des Gießener Bahn- I Hofs beginnen und damit einer schon seit langen Jahren als dringend notwendig erkannten Forde- I rung gerecht werden will.

Ser Voranschlag des Kreises Gießen für 1929.

Die Kreisverwaltung des Kreises Gießen hat gestern den Mitgliedern des Kreistages den Voranschlag des Kreises Gießen für das Rechnungsjahr 1929 und die Ein­ladung zu der diesjährigen ordentlichen Sitzung des Kreistages am 29. Iuni übermittelt.

Der Voranschlag für 1 929 schließt in Einnahme und Ausgabe mit 1 003 260 Mk. gegen 940 999 Mk. im Vorjahre ab. Davon entfallen auf die Betriebsrechnung für 1929 ins­gesamt 769 069 Mk. gegen 720 036 Mk. im Vor­jahre, auf die Vermögensrcchnung 234 191 Mk. für 1929 gegen 220 963 Mk. im Iahre 1928.

In der B e t r ieb sr echnun g sind für die einzelnen Verwaltungszweige vorgesehen: All­gemeine Verwaltung: Einnahme 2215 Mk. (Vor­jahr 2000 Mk.), Ausgabe 19 790 Mk. (Vorjahr 28 000 Mk.); Polizeiwesen: Einnahme 28 705Mk. (Vorjahr 27 700 Mk.). Ausgabe 32 685 Mk. (Vor­jahr 30 210 Mk.); Schulwesen: Einnahme 10 Mk. (50 Mk.). Ausgabe 11 348 Mk. (10 898 Mk.); Kunst und Wissenschaft: Einnahme 200 Mk. (200 Mk.), Ausgabe 2400 Mk. (2100 Mk.); Bauwesen: Ein. nähme 4285 Mk.^4216 Mk.), Ausgabe 18 651 OHL (18 508 Mk.); Allgemeine Förderung der Wirt­schaft: Einnahme nichts. Ausgabe 5620 Mark (5405 Mk.); Wohlfahrtspflege und Gesundheits­wesen, einschließlich Erwerbslosen- und Woh- nungsfürsorge: Einnahme 261 892 Mk. (248 024 Mk.). Ausgabe 480 379 Mk. (460 822 Mk.); An­stalten und Einrichtungen: Einnahme 3140 Mk. (3025 Mk.). Ausgabe 13 990 Mk. (11870 Mk.); Finanz- und Steuerwesen: Einnahme 458 944 Mk. (428 405 Mk.), Ausgabe 176 777 Wk. (148 064 Mk.); Grundstücksverwaltung: Einnahme 39Mk.

(47 Mk.). Ausgabe 20 Mk. (20 Mk.); Kapitalver­mögen und Kapitalschulden: Einnahme 9639 Mk. (6369 Mk.), Ausgaben 7409 Mk. (4139 Mk.).

In der Dermögensrechnung sind vor­gesehen: Reste und Ausgleichsstock: Einnahme 215 716 Mk. (203 124 Mk.). Ausgabe 215 716 Mk. (203 124 Mk); Kapitalien- und Erneuerungsfonds: Einnahme 18 475 Mk. (17 839 Mk.), Ausgaben 18 475 Mk. (17 839 Mk.).

Die Ausgaben betragen in der Betriebs­rechnung 769 069 Mk., die Einnahme einschl. der Reichssteueranteile und der kleineren Kreis­steuern 549 069 Mk.. so daß sich der Um- lagenbedarf für 1929 auf 220 000 Mk. stellt. Vie Tagesordnung der Kreisiagssitzung.

Am Samstag. 2 9. Iuni. vormittags 10 Uhr, findet im Sitzungssaals des Regierungs­gebäudes zu Gießen eine öffentliche Sit­zung desKreistagsmit folgender Tages­ordnung statt:

1. Diensteinweisung zweier Kreistagsmitglieder;

2. Rechnung der Kreiskasse und Derwaltungs- bericht des Kreisausschusses für 1927 Rj.;

3. Voranschlag des Kreises Gießen für das Rj. 1929 und Festsetzung der Ausschlagssätze für die Kreisumlagen für 1929;

4. Tätigkeitsbericht ter Dezirksfürsorgestelle und des Kreisjugendamts für 1928 und Bericht des Kreisschularztes für 1928;

5. Festsetzung des Ausschlagssahes für die endgültige Kreisgewerbesteuer für 1928 Rj.;

6. Ausdehnung der Unfallversicherung; hier: Zusammenschluß der Hess. Provinzen und Kreise für alle unsallverficherungspflichtigen Betriebe zu einem Dersicherungsverband.

war den Sängerinnen und ihrem Chorleiter, Lehrer R a u , für die genußreichen und abwechslungsreichen Liederoorträge gewiß. In den Pausen fangen die Mädchen uyd jungen Burschen Volkslieder zur Laute.

** DerHessischeBe trm tprfru n d hält am nächsten Sonntag in Darmstadt seinen 10. Bundestag ab. Besondere Aufmerksamkeit verdient der Vortrag überDie Neugestaltung der Rechtsverhältnisse der Beamten in Reich und Ländern", den der Leiter der Rechtsabteilung des Deutschen Beamtenbundes, Dr. R i ch h a r d t aus Berlin, halten wird.

Kein Heu und Stroh an Bahn­dämmen lagern! Zur Vermeidung von Feldbränden ist es erforderlich, erneut darauf hinzuweisen, daß nach den behördlichen Vorschrif­ten leicht entzündbare Gegenstände wie Heu, Stroh, Getreide usw. nicht an Bahndämmen ge­lagert werden dürfen. Wenn das doch der Fall ist, dann müssen diese Gegenstände durch feuer­feste Bedachung oder sonstige Schutzvorrichtungen vor Funkenflug und glühenden Kohlen geschützt sein. Das Material darf erst in einer Entfernung von mindestens 38 Meter vom Schienenstrang schutzlos gelagert sein. Auch frisch gemähtes Ge­treide und Strohpuppen müssen mindestens 18 Meter vom Bahnkörper entfernt liegen. Für etwa eintretende Brandschäden haftet immer der Besitzer des brennenboren Materials. Die Reichs­bahn haftet für solche Schäden nicht.

Beanstandung des Offenbacher Eiais durch das Ministerium.

WSR. Offenbach a. M., 17. Iuni. Der Minister des unnern empfiehlt dem Oberbürger­meister in einem Schreiben an das Kreisamt bezüglich des Haushaltsplanes, der einen ungedeckten Fehlbetrag von 670000 Mark ergibt, nochmals über den Haushaltsplan zu beraten, und schreibt, daß selbst bei Berück­sichtigung der besonders schwierigen wirtschaft­lichen Verhältnisse in der Stadt Offenbach es vom Standpunkt einer geordneten Finanzwirt­schaft unter keinen Umständen vertret­bar sei, den vorgesehenen Voranschlag ab - z u s ch l i e h e n und einen so erheblichen Teil der laufenden Ausgaben unge­deckt zu lassen und auf die Anleihe zu ver­weisen. Rach einer Verwaltungsbesprechung wurde beschlossen, die Angelegenheit dem Finanz­ausschuß zu überweisen und in der Stadtrats­sitzung zu beantragen, zur Fortführung der städtischen Wirtschaft über den 1. Iuli hinaus auf Grund des vorjährigen Haushaltsplanes die Ermächtigung zu erteilen.

Aus dem Amtsverkündigungsblaii.

* Da s Amtsverkündigungsblatt Nr.42 vom 18. Juni enthält: Straßensperre-Aufhebung. Mitgliederversammlung des Hessischen Schutzvereins für entlassene Gefangene e. V. Dienstnachrichten.

Berliner Börse.

Berlin, 19. Juni. (WTB. Funkspruch.) Da für heute Anregungen fast gar nicht vorliegen, bot her Frühverkehr das übliche geschäftslose Bild. Die Ten­denz bleibt abwartend, aber nicht unfreundlich. Kurse sind noch nicht zu hören, man taxiert sie behauptet. Am Devisenmarkt nannte man London gegen Paris

123,93, London gegen Mailand 92,67, London gegen Spanien 34,21 zu 34,25, London gegen Kabel 4,847750, London gegen Berlin 20,3175 zu 20,32, Kabel gegen Berlin 4,1910 zu 4,1915.

Volkshochschule im Freien.

W a henborn-Steinberg.18. Iuni. Die StiftungfürVorträgeausderdeut- schen Geschichte veranstaltete am Sonntag nachmittag ihre erste Feier durch einen Vor­trag von Prof. Dr. Aubin überEntstehen und Vergehen der R ö m e r h e r r sch a f t in S ü d w e st d e u t s ch l a n d." An einer aus Dasaltblöcken errichteten Terrasse, die eine pracht­volle Aussicht auf Taunus, Westerwald, Düns- berg mit Gleiberg und Vetzberg, sowie die Stadt Gießen über dem Walde und östlich nach dem Vogelsberg bietet, versammelten sich über drei­hundert Hörer aus Watzenborn-Steinberg, Gie­ßen, Hausen, Garbenteich, sowie Lechgestern, Lang-Göns, Grüningen und weiter aus der Wetterau bei prachtvollem Wetter an der Stelle, die von der ©rüninger Landstraße leicht zu er­reichen ist.

Rach kurzer Begrüßung durch Geheimrat Sommer stellte Prof. Aubin in außerordent­lich klarer und packender Weise den Einbruch der Romer, zuerst unter Cäsar, bann seinen Rach­folgern, in Südwestdeutschland dar, der schließlich zur Errichtung des Grenzwalles östlich des Rheines und nördlich der Donau führte. Dieser wurde mehrfach, wie es besonders im Odenwald zu beobachten ist, vorgeschoben, um die Grenze des römischen Reiches in das germanische Land vorzurücken und bas eingeschlossene Gebiet für Rom zu sichern. Der Grenzwall lief vom Rhein in der Rähe von Engers zunächst südlich, überschritt die Lahn in der Rähe von Ems, ging dann süd­lich durch den Taunus, dann östlich am Rord- rand des Feldberges vorbei. Hier war er durch die Saalburg bei Homburg gesichert, kreuzte dann das Tal an der Lochmühle, ging über den Winterstein im Dogen an Ziegenberg vorbei auf die Höhen bei Butzbach und llef dann, jetzt von der Bahn zwischen Gießen und Butzbach durch­schnitten, auf der Wasserscheide zwischen Wetter (Main) und Lahn bis zu der Stelle zwischen Grüningen und Watzenborn-Steinberg, die von Geheimrat Sommer durch einen Denkstein gekennzeichnet wurde. An dieser Stelle biegt der Grenzwall nach Osten, dann nach Süden äff der Ostseite der Wetterau um, läuft zum Main, dann an der rechten Mainseite in der am weitesten vorgeschobenen Linie in der Rahe von Milten­berg nach Süden und gewinnt, nach dem Zug durch Schwaben scharf nach Osten abbiegend, Verbindung mit dem rätischen Limes, der die Donau nach Rorden sicherte. Der Redner schil­derte in dramatischer Weise die Vorgänge, bis der Zusammenbruch der Römerherrschaft im Süd- westen durch eine Ueberflutung des Grenzwalles zwischen Rhein und Donau durch die Germanen erfolgte, wobei die Chatten (Hessen) in unserer Gegend eine wesentliche Bedeutung hatten. Der Vortrag wurde mit großer Spannung und leb­haftem Beifall ausgenommen.

Dann gab Geheimrat Sommer noch eine kurze Darstellung der Stiftung, die organisch aus seinen vielfachen Beziehungen zu der Be­

völkerung und Ku der Landschaft her ausgewachsen ist. Schließlich sprach Bürgermeister Schäfer und entwickelte einen Plan für di« nächste Feier, die 1930, wie die jetzige an dem Sonntag vor der Sonnenwende, an der gleichen Stelle statt- finden soll. Er schlug vor, die 800jährige Er­innerung an die Geschichte des ganzen Gebietes zwischen Gleiberg und vchifsenberg mit Gießen und Watzenborn-Steinberg, das urkundlich sehr früh erwähnt wird, bei dem zweiten Vortrag 1930 zu feiern, wenn mögllch durch ein geschicht­liches Festspiel. Der Plan wurde durch Geheim­rat Sommer sehr begrüßt und von der großen Versammlung mit starkem Beifall auf genommen.

Dann folgte der im Stistungsbrief vorgesehene gemeinsame Gang zum Grenzwall über das Hochland von Obersteinberg, das pracht­volle Aussichten bietet. Am Denkstein gab Ge- heimrat Sommer eine kurz« Geschichte der Erwerbung und Erhaltung des Limes an dieser Stelle, sowie der Entstehung des Denksteins. Dieser trägt die Inschrift: Limes imperii ro- mani. Memoriae romanorum barbarus, Anno 1912. An der Seite steht: R. S. Civis Qiessensis cum uxore. Die Worte bedeuten: Grenze deS römi­schen Reiches. Dem Andenken der Römer ein Barbare. Seitlich: R. S., ein Gießener Bürger mit seiner Frau. Der selbst ironische Ausblick Darbare war ahnungsvoll gewählt, zwei Iahre später, am Anfang des Weltkrieges, wurde er uns von den Feinden gegeben. 100 Meter vom Denkstein zeigt sich, jetzt durch eine Daumreihe gekennzeichnet, der stumpfe Winkel, der daS Ab­biegen des Grenzwalles nach Osten und später nach Süden zum Main andeutet.

Rach einem Hoch auf den Redner d«S Tage-, Pros. Dr. Aubin, der ein wichtiges Stück der deutschen Geschichte lebendig gemacht hatte, schloß die Feier mit dem LiedeDeutschland, Deutsch­land über alles".

Die Volkshochschule im Freien hat sich vorzüglich bewährt, die Veranstaltung zeigte das lebhafte Interesse,, das in weiten VolkS- kreisen für Unsere deutsche Geschichte vorhan­den ist.

Stirnen, Sport unö Spiet.

RuderklubHassia"-Giehen siegreich.

Dei der ersten diesjährigen Regatta des Süd­deutschen Ruderverbandes am 15. und 16. Iuni in Mühlheim a. M. gelang es dem Ruder­klubH a s s i a", Gießen, mit seiner alt­bewährten Ruppmannschaft, einen schönen Sieg im Senior-Vierer gegen stärkste Konkurrenz, wie Mainz-Kastel, Offenbach, Mühlheim und Rüssels­heim, zu erringen. Ebenfalls erfolgreich war der Iungmann-Vierer, der im Ermunterungs-Rennen den Sieg für dieHassia" erringen konnte.

Rachstehend die Schilderung der Rennen, die der RuderklubHassia" bestritt:

Degrüßungs-Vierer: 1.Vorwärts", Mannheim 2. RuderklubHassia", Gießen; 3.Freiheit", Mühlheim. In diesem Rennen trafen sich die besten Vierer des Verbandes. In den beiden Vorrennen, die vom Ruderklub Hassia" bzw.Vorwärts", Mannheim, gewon­nen wurden, schieden Mainz 03 undGermania" Offenbach aus. In dem Hauptrennen lieferten ftch Mannheim undHassia" Gießen einen erbitterten Kampf über die ganze Strecke, den im Ziel Mannheim mit einem halben Meter Vorsprung für sich entscheiden konnte.

Iungmann-Vierer: 1.Dorussia" Frank­furt; 2.Hassia" Gießen; 3.Vorwärts" Offen­bach. Dies war Wohl das schönste Rennen deS ganzen Tages. Vom Start bis zum Ziel lagen die drei Boote Bord an Bord, und der Abstand zwischen dem ersten und zweiten Boot hn Ziel war so knapp, daß nur der Zielrichter den Sie­ger feststellen konnte.

Senior-Einer: 1.Vorwärts" Mannheim (Gutfrucht); 2.Hassia" Gießen (Denzler).Denzler, der zweimalige Meister des Verbandes, wurde von dem Mannheimer Iunior mit fünf Längen geschlagen. D., der vier Iahre mit Rudern ausgesetzt hat, dürfte durch intensives Training seine frühere Form bald wieder erreichen.

2. Senior-Achter: 1. Mainz-Kasteler Ru- dergesellsch.Germania"; 2. RuderklubHassia". In diesem Rennen siegte Mainz-Kastel überlegen, da vier Mann aus dem Achter derHassia" durch die vorausgegangenen Vor- bzw. Haupt- rennen sich zu stark verausgabt hatten.

2. Senior-Vierer: 1. RuderklubHassia" (Müller, Valentin, Eisebach, Rupp, Steuer Roll); 2.Germania" Mainz-Kastel; 3.Freiheit" Mühlheim. In zwei Vorrennen, die vonHassia" Gießen bzw.Freiheit" Mühlheim gewonnen wurden, schiedenGermania" Offenbach und Undine" Rüsselsheim aus. ImHauptrennen siegte Hassia" im Endspurt mit zwei Längen, nach­dem auf der Strecke die drei Gegner abwechselnd in Führung lagen.

Ermunterungs-Vierer: 1. Ruderklub Hassia" (Goldhorn, Dechert, Dehus, Döbus, Steuer Roll); 2.Dorussia" Frankfurt; 3. Wasser- sportverein Offenbach-Dürgel.Undine" Frank­furt undFreiheit" Mühlheim im Cßorrennen ausgeschieden. Auch hier wieder ein Kampf fast gleichwertiger Mannschaften bis 1500 Meter. Dann gingHassia" in Front und siegte mit zwei Längen. Die Schüler muhten im Dorrennen auS- scheiden.

Handball im Lahn-Oünsberg-(Sau.

LV. Garbenteich, komb. Td. Wohnbach, komb^ 9:5.

Am Sonntag trafen sich diese Mannschaften zum Gesellschaftsspiel in Garbenteich. Obwohl Wohnbach Garbenteich körperlich überlegen war, sah man keine Partei im Vorteil. Das Spiel, das von Anfang an bis zum Schluß mit sehr flottem Tempo abgewickelt wurde, trug den Charakter eines Freundschaftsspieles. Der Schieds­richter leitete sehr gut, die Fairneß auf beiden Seiten erleichterte ihm fein Amt.

Die Faustballmeisterschaft des Gaues.

Am Sonntagvormittag wurde in Garbenteich die Fausthallmeisterschaft des Lahn- Dünsberg-Gaues ausgettagen. Es standen sich die Mannschaften der Turnvereine Hausen und Garbenteich gegenüber. Garbenteich konnte das Vorspiel (50: 38); sowie das Rückspiel (44: 37) für sich entscheiden und sicherte sich damit abermals den Titel eines Gaumeisters.

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