Nr. 141 Erster Blatt
179. Jahrgang
Mittwoch, 19. Juni 1929
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Dr. Friede. Wilh. Lange. Deranttoortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen.
Hilferding über Reichsfinanzen und Aoung-plan.
Panzerkreuzer und Reichsanleihe.
Don unserer Berliner Redaktion.
Die Sozialdemokraten haben also wirklich den Mut aufgebracht, beim W e h r e t a t gegen den Panzerkreuzer zu stimmen. Die Mehrheit für den Bau war trotzdem sehr stark. Kommunisten und Sozialdemokraten brachten es auf 153 gegen 224, woraus zu entnehmen ist, daß ein Teil der Sozialdemokraten jedenfalls an der Abstimmung nicht beteiligt war. Nur die Minister dursten mit Ja stimmen, die übrigen Regierungsparteien lassen sich aber anscheinend diese dauernden Seitensprünge der Sozialdemokraten auch weiter gefallen. Sie sind nicht leicht aus der Ruhe zu bringen. Das zeigt sich auch bei der Rede des F i n a n z m i n i st e r s , der im Zusammenhang mit dem Etat der allgemeinen Finanzverwaltung doch wohl das Bedürfnis hat, einiges über die Finanzlage des Reiches zu sagen. Aber was er dazu oorbringt, geht an der Hauptsache soweit vorüber, daß es fast wie eine Verhöhnung nicht nur des Reichstages, sondern der ganzen Oeffentlichkeit wirkt. Herr Hilferding hat ausgerechnet, daß in dem Etat noch ein Defizit von 22 Millionen steckt. Die Finanzsachverständigen haben vor wenigen Wochen das Defizit schon auf 150 Millionen geschätzt. Ihn ficht das weiter nicht an. Er hält auch daran fest, daß er — vermutlich als einziger im ganzen Deutschen Reich — mit dem Ergebnis der Anleihe verhältnismäßig zufrieden ist, obwohl der Mißerfolg doch eigentlich zum Himmel schreit. Aber den Finanzminister stört das alles nicht weiter. Er macht in Zukunftsmusik und tröstet sich- mit dem Finanzprogramm, daß er im Herbst vorlegen wird, ohne allerdings auch diesnsvl nur anzudeuten, mit welchen Absichten er sich trägt; wobei er sich immer dahinter versteckt, daß er „politische Handlungsfreiheit" erst nach der Annahme des Doungplans hat. Ein Glück für ihn, daß die Parteien sich sehr bald in den Aoungplan verbeißen, der ihnen wichtiger ist als die allgemeine Finanzlage. Sonst wäre es eigentlich unvermeidlich gewesen, daß von allen Seiten die Hiebe gegen diesen Finanzminister hageldicht fallen.
Sitzungsbericht.
Berlin, 18. Juni. (BDZ.) Auf der Tagesordnung steht die zweite Beratung des Haushaltes der allgemeinen Finanzverwaltung.
ReichSfinanzministep Dr. Hilserding.
Och habe in meiner Ctatsrede mit voller Absicht das etwaige Ergebnis der Pariser Verhandlungen ganz außer Betracht gelassen. Ich habe unter Zustimmung der Mehrheit des Reichstages die Aufstellung eines Defizitötats abgelehnt. Ich rechnete damals mit den stillen Reserven, die wir in der A l k o h o l b e st e u e r u n g hatten. Der Reichstag hat es abgelehnt, dieses Stcuergebiet in Anspruch zu nehmen. Er hat das Defizit durch starke Abstriche ausgeglichen und alle Reserven aufgebraucht. Jetzt bleibt ein Fehlbetrag von 22 Millionen. Dis zur dritten Lesung wird auch die Ausgabenseite erhöht werden müssen, beispielsweise für die Lohnerhöhung der Rcichsarbeiter. Die Schwierigkeiten der Kassenlage im Mai sind vor allem durch die steuerfreie Anleihe behoben worden. Der Geldmarkt hat inzwischen eine Erleichterung erfahren, die deutsche Währung hat sich als absolut gesichert erwiesen. Die Beunruhigung der Oeffentlichkeit über unsere Kassenlage muß endlich aufhören, denn sie schädigt auch den Kredit der deutschen Wirtschaft. Um solchen Schwierigkeiten, wie wir sie in der letzten Zeit durchmachten, für die Zukunft vorzubeugen, wird es notwendig sein, wieder einen Detriebsmittelfonds anzusammeln. Das aus 1928 übernommene Defizit von 150 Millionen muß noch aus den Ergebnissen dieses Etatsjahrcs abgedeckt werden. Für das Etatsjahr 1930 müssen wir zu einer Klärung des finanzpolitischen Derhältnisses zwischen Reich und Ländern kommen. Ich kann auf Einzelheiten nicht eingehen, bevor die Verhandlungen abgeschlossen sind, die sich mit der Verwirklichung des Voung-Planes befassen. Ein erschöpfendes Finanzprogramm werde ich vorlegen in dem Zeitpunkt, wo ich politische Handlungsfreiheit habe.
Abg. Dr. Quaatz (Dntl.) bezeichnet den sachlichen Inhalt der Ministerrede als recht dürftig. Noch immer ist die Einnahmeseite des Etats nicht genau festgestellt. Die Frage, ob wir ein organisches Budget haben oder nicht, kann der Minister auch heute nicht beantworten.
3d) halte es für gefährlich, dem Ausland vor- z u t ä u f ch e n, daß wir in der Lage wären, durch normale Steuern unser Defizit aus- zugleichZn. Ls muß dem Ausland gesagt werden. daß unsere wirtschaft mit Steuern ü b e r l a st e t ist, daß trotzdem mit diesen Steuern das Defizit nicht ausgeglichen werden kann, daß wir auch keine Anleihe unlerbringen können.
Daraus ergibt sich die Konsequenz, daß wir uns nicht selbst belügen sollen, sondern eine wesentliche Herabsetzung unserer Tributleistun- ae n verlangen müssen. Das deutsche Volk, das doch schließlich die Lasten aufzubringen hat, muß schweigen, bis der letzte Diplomat den letzten Strich unter das Dokument gesetzt hat, das uns und unsere Kinder und Kindeskinder auf 70 Jahre in Schuld
knechtschaft bringt. Dann wird die Drucksache vorgelegt, und nach ein paar Tagen wird der Tributvertrag angenommen durch eine Reichstagsmehrheit ohne Verantwortung. Dieser Etat ist ja frisiert. Das Defizit übersteigt tatsächlich eine halbe Milliarde. Warum wird denn dem Ausland eine Leistungsfähigkeit oorgespiegelt, die das deutsche Volk und die deutsche Wirtschaft gar nicht hat? Ich richte an den Finanzminister den MppeU: Ist es richtig, daß der Reichskanzler Müller mit Wissen der Reichsregierung a n b i e Sachverständigen einen Brief geschrieben hat des Inhalts, daß die Reichsregie-' rung der Ansicht sei, daß der Plan angenommen werden müsse, auch wenn wirtschaftliche Erwägungen dem entgegenständen. (Hört! Hört! rechts.) Ich bitte um eine Antwort, ob die Regierung eine Verantvortung für Paris tragen kann, tragen muß und tragen will.
Vizepräsident Esser teilt mit, daß inzwischen von der deutschnationalen Fraktton ein M i h - trauensantrag gegen den Reichsfinanzminister eingegangen ist.
Abg. Keil (Soz.): Das Defizit ist entstanden unter den Regierungen, an denen die Deutschnationalen beteiligt waren. Die Deutschnationalen haben auch durch Abkommandierung der Hälfte ifjrcr Fraktion erst die Annahme der Dawesgesetze ermöglicht, die sie jetzt bekämpfen. Wenn die Daweslast um 700 Millionen jährlich erleichtert wird durch das Ergebnis der Pariser Verhandlungen, so kann man das nicht einen Bettelpfennig nennen. Wir respektieren das Pariser Ergebnis, wenn wir auch nicht wissen, wie der neue Mechanismus funktionieren wird. Das durch die Sünden der Vergangenheit entstandene Defizit muß gedeckt werden. Vorher lehnen wir eine Steuersenkung ab, denn zunächst sind dringliche finanzielle Aufgaben zu erfüllen, vor allem die Sanierung der Arbeitslosenversicherung, nachdem unser Vorschlag einer Beitragserhöhung bisher keine Mehrheit gefunden hat. Wenn nach der Sanierung unserer Finanzen an eine Steuersenkung gedacht werden kann, dann müssen in erster Linie die Verbrauchssteuern und die viel zu hohe Lohnsteuer gesenkt werden. Hier wird die Beratung unterbrochen durch die gestern zurückgestellten Abstimmungen zum W e h r e t a t. Die Wehretat wird in der vom Ausschuß vvrgeschlagenen Form angenommen.
Beim TTlarineetat wird der kommunistische Antrag auf Streichung der zweiten Rate für den Panzerkreuzer A in namentlicher Abstimmung mit 224 gegen 153 Stimmen bei fünf Stimmenthaltungen abgelehnl. Für die Streichung hat auch die sozialdemokratische Fraktion gestimmt mit Ausnahme der sozialdemokratischen Minister, die rote Rein-Karten gegen den kommunistischen Antrag abgaben.
Es wird die Aussprache über die allgemeine Finanzverwaltung fortgesetzt.
Abg. Dr. Brüning (Zentr.) erklärt: Das Zentrum kann sich dem Abg. Keil nicht darin anschliehen, daß wir das Pariser Ergebnis annehmen unbeschadet der Prüfung, ob es für unser Volk tragbar ist und ob es für unsere Währung die erforderliche Sicherheit gewährleistet. V)ir können auch nicht mit dem Abg. Keil von einer „finanziellen Mißwirtschaft der letzten vier Jahre" sprechen. Die Ursachen des Defizits liegen einmal in dem ungedeckten Arbeitsbeschaffungsprogramm von 1 92 6 und in der Arbeitslosenversicherung. Der Redner erinnert an die Rotwendigkeit einer Steuersenkung, namentlich einer Senkung der Real steuern. Die Länder mühten instand gesetzt werden, diese Steuersenkung auch tatsächlich durchzuführen. An den Polizeiausgaben lasse sich zweifellos noch sparen. Eine Steuererhöhung zur Beseitigung der schwierigen Kassenlage sei ausgeschlossen. Auch auf die Reparationserleich terungen dürfe man zu diesem Zweck nicht hoffen.
Abg. Dr. Kulenkamp (D.V.P.) fordert, daß sich der S p a r w i l l e bei Reich, Ländern und Gemeinden immer weiter durchsetze. Von dem guten Willen der Beteiligten werde es abhängen, ob der Reichstag ein Sperrgesetz gegen die Ueberhöhung der Realste uern schaffen müsse. Man müsse nötigenfalls auch zum Aufgabenabbau schreiten, um den Äus- gabenabbau zu ermöglichen.
Steuern und Soziallafien befragen heule bei einer Produktion von etwas über 60 Milliarden über 33 o. h. gegenüber 12,5 v. h. vor dem Kriege bei einer Produktion von 40 Milliarden.
Als besondere Belastung hat die deutsche Wirtschaft noch die Feindtribute zu tragen. Diejenigen, die immer den Forderungen der Feinde nachzugeben geneigt sind, sollten sich darüber klar sein, daß die Heberspannung der Tribute den Zwang zur Zurückdrängung anderer Rotwendigkeiten zur Folge haben muh, wobei man schließlich auch vor dem Lohn an den Arbeitnehmern nicht halt machen kann. Der Redner verlangt, daß neue Ausgaben unter keinen Umständen bewilligt werden. Auch vor der Gefahr der Unpopularität dürfe man nicht zurückschrecken. Der Haushalt müsse ein Minimum darstellen, nicht ein Maximum. Kein Pfennig der in Paris ersparten Ausgaben dürfe an
ders verwandt werden als zur L a st e n s e n - kung.
Abg. M o l l a t h (Wirtsch.-P.) wundert sich über die Bescheidenheit des Finanzministers, den das Zeichnungsergebnis der Reichsanleihe befriedigt habe, und macht auf die Folgen der Reichsanleihe bei den Ländern aufmerksam: Sachsen habe aussichtsreiche Verhandlungen mit den Banken über eine 45-Millionen-Anleihe geführt, die nach Bekanntwerden der Anleihewünsche des Reichs abgebrochen wurden. Bedauerlich sei es, daß der Sozialdemokrat Keil schon abschließend zum Voung-Plan Stellung genommen habe. Daß dieser Plan, so erklärt der Redner put erhobener Stimme, mit der Räu
mung der besetzten Gebiete in Verbindung gebracht werden muh, ist für uns eine Selbstverständlichkeit. Der Redner verlangt weiter dringend eine Reform der Arbeitslosenversicherung und eine Senkung der Realsteuern. Das deutsche Handwerk und die Bauern mühten durch Zölle gegen das Dumping des Auslandes geschützt werben.
Abg. v. S h b e l (Chr.-Ratl. Bp.) betrachtet das Ergebnis der Anleihe als ein Mißtrauens- Votum des deutschen Volkes für den Finanzminister Dr. Hilserding. Durch Zollerhöhungen könnte man unmittelbar die Reichsfinanzen und mittelbar den nationalen Wohlstand stärken. p
Der neue Kurs in England.
Neue Abrüstungspläne der angelsächsischen Seemächte. — General Dawes macht erste Vorschläge.
Das Pilgrimsbankett.
. London, 18. Juni. (WB.) Bei dem Essen, das die Pilgrims-Gesellschast heute abend zu Ehren des neuen amerikanischen Botschafters in London, General Dawes, gab, brachte in Abwesenheit des Premierministers Staatssekretär Henderson den Trinkspruch auf General Dawes aus. Die Demokratien, fo erklärte der Staatssekretär, die Sie jUnb wir vertreten, sind während eines langen Zeitraumes in kamerads^astlichem Einvernehmen Seite an Seite marschiert. Beide Nationen sind eins in dem Wunsche, den Krieg aus der Sphäre der internationalen Beziehungen zu beseitigen und das mächtige Friedcnsgesühl der Völker in praktische Friedensmaßnahmen umzuwandeln. Ich hoffe und glaube, daß unsere beiden Länder bestrebt sind, gemeinsam mit den anderen Nationen einen neuen und erfolgreichen Versuch zu unternehmen, das Ziel endgültiger A b - rüstung zu erreichen. Die Welt braucht Abrüstung, die Völker sehnen sich danach, die Regie- rungen würden sie begrüßen. Die Völker der Welt sind der Ansicht, daß die Zeit zum Handeln gekommen ist.
Nach der Ansprache Hendersons führte General Dawes in einer mit Spannung erwarteten Rede u.a. aus: Ein baldiges Abkommen über eine Verminderung der Flotten fei von größter Bedeutung in der gegenwärtigen Zeit und erscheine als der nächste Schritt, der in Richtung auf den Weltfrieden getan werden sollte. Eine Vereinbarung über die Methoden der Verhandlungen müsse von Anfang an alle interessierten Flottenmächte umfassen und müsse die Sanktion nicht nur eines Teiles der Welt, sondern der ganzen Welt haben. Bei den Verhandlungen müßten die technischen Marinesachverständigen und die Staatsmänner Hand in Hand arbeiten. Dem Staatsmann obliege in erster Linie die Pflicht, für den Frieden zu sorgen, und er müsse bei den Verhandlungen die Initiative behalten. Sache des Staatsmannes sei es, eine neue Ordnung aufzubauen. Der erste Beitrag der Flottensachverstandigen müsse die Definition der abstrakten Gleichheit fein. Ein Maßstab müsse gefunben werden, um den Gefechts- roert einzelner Schiffe zu bestimmen. Vermöge eines derartigen Maßstabes müsse es möglich gemacht werden, z. B. Kreuzerflotten oder die kombinierten Flotten von zwei Ländern zu vergleichen
und Parität zwischen ihnen herzustellen. Dawes schlug vor, einen solchen Maßstab durch einen Ausschuß von Staatsmännern auf der Grundlage der von den technischen Sachverständigen gegebenen Definition feststellen zu lassen. Diese Staatsmänner müßten außerdem die Aufgabe haben, die Bestimmungen eines endgültigen Ab - kommens über Flottenverminderung zu entwerfen.
Macdonald und die Vereinigten Staaten.
London, 18. Juni. (WTB.) Premierminister Macdonald hielt in Loffiemouth, wo er vor einigen Tagen mit dem neuen amerikanischen Botschafter Dawes eine wichtige Besprechung über die englisch-amerikanischen Beziehungen hatte, eine Rede, in der er zunächst erklärte: Ich habe es sowohl vor als auch während der Wahlen klargemacht, daß ich unsere Beziehungen mit den Vereinigten Staaten in den Vordergrund der nationalen Interessen stelle, lieber feine Besprechung mit General Dawes bemerkte der Premierminister: Wir sind zusammengekommen in der Hoffnung, daß wir dazu anregen können, einen Tisch vorzubereiten, um den die anderen Rationen schließlich in zusammenwirkender Kameradschaft sitzen können, die Wege des Friedens zu ermitteln, ein Gefühl der Sicherheit zu gewinnen, nicht durch Waffenschuh, sondern ohne Waffen. Die mächtige Republik jenseits des Atlantischen Ozeans wird sich in keine europäischen Verwicklungen und Bündnisse einlassen, aber niemand braucht zu argwöhnen, daß sie ablehnen wird, den gemeinsamen Interessen des Friedens und der Demokratie zu dienen. Es gibt Hindernisse, die überwunden werden müssen, auseinandergehende Interessen, die versöhnt werden müssen, berechtigte Rivalitäten, die auf ihre Gebiete beschränkt werden müssen, und Erwägungen, die untersucht und geregelt werden müssen. Dies ist die ruhmreiche Aufgabe, die die glücklichen Besprechungen zwischen dem amerikanischen Botschafter und mir eröffnet haben, und ich bitte die gesamte Ration ohne Rücksicht auf die Partei, uns zu ermöglichen, das Werk zu einem erfolgreichen Abschluß zu bringen.
Frankreich stimmt dem Nomig-plan zu.
Ein Beschluß des Ministerrais. — poincar^S Bedingungen für die Räumung.
Paris, 18. 3uni. (WTB.) heule vormittag fand unter dem Vorsitz des Präsidenten der Republik ein M i n i ft e r r a t statt, über den folgendes Kommunique ausgegeben wurde: Der Ministerrat hat die Fragen der Reparationen und auswärtigen Schulden geprüft. Poincare, Brianb und ChLron gaben einen Ueberblirf über die Lage. Die Regierung hat einmütig beschlossen, bie Vorschläge des Sachverständigenausschus- f e s über die Reparationsregelung zu billigen und deren Ratifizierung im Einvernehmen mit den interessierten Regierungen zu betreiben. Der Ministerrat hat sich gleichfalls auf die Erklärungen geeinigt, die der Ministerpräsident, der Minister für auswärtige Angelegenheiten und der Finanzminister morgen vor den Kammer- a u s f d) ü f f e n für Finanzen und auswärtige Angelegenheiten abgeben werden. „Echo de Paris" berichtet, daß im Minifterrat auch über die Folgen der Anregungen des Sachverftändigenplanes gesprochen worden sei. 3n Hinsicht auf die Unterredungen, die heute am Quai d'Orsay zwischen Strefemann, Brianö und Poincare stattfinden würden, hätten die Minister zum ersten Male versucht, die Bedingungen festzulegen, die Frankreich für den Fall der Räumung des besetzten Rheinland e s stellen werde. Line Einigung über diese heikle Frage habe innerhalb des Kabinetts noch nicht erzielt werden können. Poincare und
M a g i n o f hätten nachdrücklich ihren Standpunkt verteidigt, der darauf hinauslaufe, daß eine Räumung nicht in Frage komme, solange nicht mit der Durchführung der Mobilisierung des Guthabens, das Frankreich bei Deutschland habe, ein ernstlicher Anfang gemacht worden fei. Diese These entspreche auch der allgemeinen Auffassung der Parlamentarier der Regierungsmehrheit.
(Sfrefemann in Barcelona.
Der Reichsautzenminister hat eine Begegnung mit Poincare in Paris.
Barcelona, 18. Juni. (WTB.) Reichsminister Dr. Stresemcmn ist aus Madrid kommend in Barcelona eingetroffen. Er wurde von den Behörden, von der deutschen Kolonie und von einer zahlreichen Volksmenge empfangen und begrüßt. Die Zeitungen begrüßen den deutschen Minister des Aeußeren, loben sein Friedenswerk und die Art, wie er das Minoritätenproblem behandelt hat. Strefemann besuchte in Begleitung des Chefs der Presseabteilung, Ministerialdirektor Dr. Z e ch l i n , u. a. die Kathedrale, von wo er sich zur Weltausstellung begab, um u. a. den deutschen Pavillon zu besuchen. Rach einer Besichtigung ber Stadt sand ein Essen im Restaurant „Miramar" statt. Hm 15.22 Tlhr reiste der Minister nach Paris ab. Er wurde am Bahnhof von


