Vie deutsche Delegation mit dem Hinweis ans die Leistungsfähigkeit Deutschlands beantworten konnte. Die Konferenz hatte sich also im Kreise gedreht Die Sachverständigen waren wieder zu dem eigentlichen Thema ihrer Beratungen, der Prüfung der deutschen Leistungsfähigkeit, zurückgeführt. Ob es klug lvar, in diesem Augenblick nun deutscherseits nut einem festumrissenen Angebot herauszukommen, muß die Zeit lehren. Man dürfte heute kaum schon sagen können, ob die Möglichkeit bestand, die alliierten Vorschläge ohne Beantwortung durch ein klares deutsches Gegenangebot zu lassen. Aber darüber werden sich die deutschen Delegierten keinen Illusionen hingegeben haben, daß jede Ziffer, die Deut chland sich entlocken ließ, künftig die Minimalgrenze der alliierten Forderungen sein wird. Gerade aus diesem Grunde hat man das deutsche Angebot von 1650 Millionen Jahresleistungen für die Zeit von 37 Jahren in Deutschland allgemein als u b e r- raschend hoch empfunden. Dabei muß jedoch berücksichtigt werden, daß der deutsche Vorschlag an die Gewährung ganz bestimmter Voraussetzungen anknüpfte. Der Plan A der deutschen Denkschrift forderte, daß man der deutschen Wirtschaft eine Reihe von Chancen zur Erhöhung des Außenhandels und Verbesserung der Zahlungsbilanz gebe. Unter dieser Bedingung, aber nur unter dieser Bedingung erklärte sich die deutsche Delegation bereit, für einen teilweisen Verzicht auf d'-n Transferschutz, also für eine Kommerzialisierung eines Teils der Reparationszahlungen einzutreten. Sollten der deutschen Wirtschast diese notwendigen Erleichterungen jedoch nicht in ausreichendem Maße gewährt werden, so sah das deutsche Memorandum den Plan B vor, der gegenüber dem Dawesplan lediglich eine Minderung der Annuitäten um 850 Millionen bedeutete, im übrigen ober alles beim ulten beließ, namentlich was den Transferschutz angeht. .
Diese Ziffern bedeuten auch trotz ihrer Mmde- inng gegenüber den geltenden des Dawesplans immer noch eine gewaltige Belastung des bentl'djen Volkes. Man erinnere sich nur, daß bis zum Versailler Diktat der höchste in der modernen Geschichte jemals verlangte Kriegstribut, Bismarcks Fünf- Milliarden-Focderung an Frankreich, grade zwei Dawesannuitäten ausmacht, man erinnere sich weiter, daß bereits annähernd fünfzig Milliarden in Var- und Sachleistungen aus uns herausgepreßt find, um zu ermessen, was es bedeutet, für 37 Jahre eine jährliche Tributzahlung von 1650 Millionen freiwillig auf uns zu nehmen. Offenbar hat sich jedoch die deutsche Delegation bei ihrem Vorschlag von dem Grundgedanken leiten lassen, Staat und Wirtschaft wieder ihre volle Bewegungsfreiheit zu verschaffen und deshalb so ausnehmend hohe Zahlungen angeboten, um dafür politische Zugeständnisse als Voraussetzung für eine Wiederherstellung der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit Deutschlands einzutauschen. Kommentare der Pariser Presse, die über diese politische Seite des deutschen Vorschlags in einen besonderen Wutanfall geraten, deuten an, was Dr. Schacht unter den „Chancen" verstanden haben wollte, die er für die deutsche Wirtschast forderte: Beseitigung des polnischen Korridors, Rückgabe von Kolonien, Erleichterung der deutschen Ausfuhr n. a. Es ist bezeichnend für den Geist der Reparationskonferenz, daß sie den Plan A des Schachtjchen Vorschlags, der neue Anregungen bot, und weitschauende Möglichkeiten auch für die Gläubiger eröffnete, der in seinem Grundgedanken einer wirklichen Liquidierung des Krieges den Boden hätte bereiten können, überhaupt nicht zur Diskussion stellte, sondern sich lediglich darauf beschränkte, den gegenüber dem Dawesplan nur in den Zahlen modifizierten Plan B zu erörtern. Kapitalisiert man die Forderungen des alliierten Memorandums einerseits, den deutschen Vorschlag andererseits, so kommt man zu Gegenwartswerten von 39 bzw. 26 Milliarden Mark, es ergibt sich also ein Unterschied von 13 Milliarden, der ungefähr dem entsprechen würde, was die Alliierten über die Bezahlung der Kriegsschulden an Amerika, die amerikanischen Be- satznngskosten unb die Dawesanleihe hieraus an reinen „Wiedergutmachungen" von uns verlangen. Das war natürlich für die Gläubiger ein sehr bitteres Rechenexempel, und es würde ihnen gewiß nicht leicht geworden sein, der öffentlichen Meinung ihrer Völker die notwendige Minderung ihrer Ansprüche plausibel 311 machen. Aber wir tragen gewiß nicht die Verantwortung, wenn in England und mehr noch in Frankreich, alles aus den Wolken fiel, angesichts des deutschen Angebots. Namentlich die Pariser Presse, hat Monate hindurch alle Minen springen lassen, um ihre Leser systematisch an eine geradezu sagenhafte deutsche Zahlungsfähigkeit zu gewöhnen. Ölun ist natürlich die Enttäuschung um io größer, und allzusehr ist man geneigt, dem schlechten Willen des deutschen Volkes und seiner Vertreter auf der Reparationskonferenz die Schuld an dem Scheitern der Sachverständigenarbeiten in die Schuhe zu schieden. Ungünstig auf die Atmosphäre der Konferenz hat daneben natürlich auch die Weigerung Amerikas gewirkt, seinerseits in der Kriegsschuldenfrage entgegenzukommen. Zweifellos hätten Konzessionen der Vereinigten Staaten den Gang der Verhandlungen selber, wie auch die öffentliche. Meinung der Gläubigerländer vorteilhaft beeinflussen können. Das ist nicht geschehen und wir müssen, wie die Dinge heute liegen, damit rechnen, daß die Sachverständigen, ohne zu einem Ergebnis gekommen zu fein, auseinandergehen werden.
Deutschland hatte gewiß kein Interesse an einer Sprengung der Konferenz, die saft unvermeidlich -u sein scheint, die deutsche Delegation hat auf diesen Fehlschlag der Konferenz nicht hingearbei- tct. Denn niemand unterschätzt bei uns die Auswirkungen, die ein endgültiges Versagen der Pariser Konferenz haben muß. Ein wei- leres Fortdauern des Dawesregimes für längere Zeit muß notwendigerweise wenig erfreuliche wirtschaftliche und soziale Konsequenzen für uns im Gefolge haben, und wir sind nicht Illusionisten genug, um die Folgen der jetzt unausweichlichen Diskonterhöhung der Reichsbank, der scharfen Drosselung aller, auch der kurzfristigen Auslandkredite usw. zu übersehen. Möglich auch, daß die Reichsbank sich gezwungen sieht, wieder wie zu Anfang der Stabilisierungsperiode Kreditrestriktionen vorzunehmen. Die Lage ist also ernst genug, um nachdenklich zu stimmen und alle Hebel in Bewegung zu setzen, die reparationspolitische Situation des Reiches zu entspannen. Zu irgendwelcher Panikstimmung, wie sie sich gestern an der Börse breit machte, besteht jedoch absolut kein Anlaß, die deutsche Währung ist sest und wird fest bleiben. Gerade deshalb aber müssen wir auch einstweilen entschlossen und willig die Konsequenzen eines Abbruchs ’oec Sachverständigenarbeiten in wirtschaftlicher Hinsicht auf uns nehmen, solange es nicht gelingt, eine Reparationsregclung zu schaffen, die der deutschen Qlation das Existenzminimum beläßt, was die bisherigen alliierten Forderungen nicht tun.
Um die deutsche Schule in der Tschechoslowakei.
Es ist im Deutschen Reiche nach der Genfer Debatte wieder einigermaßen ruhig um die Frage des Minderheitenschutzes geworden. Richt so dort, wo die Minderheiten wohnen und zumindest im täglichen Kleinkampf die Bedrückungen zu spüren bekommen, die die je- welligen „Herrenvölker" nun einmal nicht unterlassen können. 3n diesen bedrängten Gebieten wird täglich sehnsüchtig über die Grenze nach Deutschland gesehen, das zum ersten Male und ziemlich allein für arte geknechteten Volkstette eingetreten ist. Die Sudeten deutschen in der Tschechoslowakei vor allen Dingen, sie fühlen sich so eng mit den Reichsdeutschen verwandt, daß sie schon auf Grund dieser Beziehungen sich berechtigt glauben, von dort Hilfe zu erwarten. Dabei ist es nicht allein die gegenwärtige alltägliche Rot, die sie gelindert wünschen: weit mehr liegt ihnen die Zukunft ihrer Kinder, die Erhaltung alter deutscher Kultur am Herzen.
Da ist zur Zeit in der Tschechoslowakei eine Schulenquete fertiggestellt und im Parlament besprochen worden, aus der intensiven Debatte soll sich nun ein Schulgesetz herauskristallisieren. Wohl ist es den Sudetendeutschen gelungen, ihre Wünsche für die Minderheitenschule zum Ausdruck zu bringen, aber die Art, wie im Parlament die Mehrheit der Tschechen über die wohlvorbereiteten und gutdurchdachten Vorschläge hinweggegangen ist, gibt recht wenig Hoffnung, daß das kommende Schulgesetz die angestrebten Verbesserungen bringen wird. Wenn es nach dem Präsidenten des Landes, Herrn M a s a r y ck, ginge, hätte wohl alle Rot ein Ende: er trat in herzlichen und wohltönenden Worten für die Versöhnung zwischen Deutschen und Tschechen ein, ohne an die Schwierigkeiten zu denken, wie sie das tägliche Leben im Zusammen- wohnen der Völker immer neu bringt. Unb dabei steht noch zu befürchten, daß er — ähnlich wie der erste tschechische Unterrichtsminister — gezwungen werden wird, einen guten Teil seiner Worte zurückzunehmen. Denn von der überragenden Zahl der Tschechen ist der deutschen Schule Kampf angesagt worden.
So ist es jetzt in den Wohngebieten der Sudetendeutschen Gewohnheitszustand, daß d i e Schulen überfüllt sind. Liber die Klassen dürfen nicht geteilt werden, weil die für Teilungen notwendige Zahl der Schulkinder so hoch angeseht ist, daß sie praktisch nicht erreicht werden kann. Das führt dazu, daß in vielen Klassen 65 und mehr Kinder unterrichtet werden sotten, eine Anzahl, die es dem Lehrer unmöglich macht, das Unterrichtsziel zu erreichen. Gerade diese Erfolglosigkeit a l:r deutschen Schularbeit ist den Tschechen erwünscht, um eines Tages unter dem Vorwande, die deutschen Schulen erfüllten ihren Zweck nicht, die Anstalten zu schließen oder dem tschechischen Regimente zuzuführen. Es wird auf lange Sicht gearbeitet, die Tschechen lassen sich Zeit, um später einmal in großem Ausmaße zu ernten. Und das trotz offizieller Anerkennung eines Rechtes der Minderheit auf Erhaltung ihrer Kultur, trotz der schönen Worte der führenden Männer. Daher in den deutschsprachigen Bezirken immer wieder der Blick über die Grenze: Wird uns das Reich helfen können?
Verhaftung von drei deutschen Studenten in Galizien.
Warschau, 19.April. (WB.) Wie die Polnische Dftagentur ans Lemberg meldet, wurden am 17. April in den ostgalizifchen Städten Stanis- l a u unb D 0 lina drei Studenten der Berliner Universität festgenommen, die die deutschen Kolonien in Ostgalizien bereist hatten. Die Verhafteten sollen angeblich unter der deutschen Minderheit und den anderen Minoritäten Polens Material gesammelt haben, um das für bie Genfer Minderheitsaktion notwendige Material zu ergänzen. Die Verhafteten sollen bereits 30 Ortschaften bereift haben, ohne den Meldevorschriften Genüge zu leisten. Die weitere Untersuchung in dieser Angelegenheit führt die Behörde in Stanislau. Die Namen der drei verhafteten Studenten wurden nicht bekanntgegeben.
Gens und der russische Mmstungsvorschlag.
Genf, 19. April. (WB.) Der Vorbereitungsausschuß für die Abrüstungskonferenz nahm den vom Vorftandsbureau in der vergangenen Nacht unter Fühlungnahme mit den verschiedensten Delegationen ausgearbeiteten Entschließungsentwurf an, durch den das sowjetrussische Teilab- r ü st u n g s 0 b j e k t als Anhang zu dem Bericht, den der Vorbereitungsausschuß nach Abschluß seiner Arbeiten der Abrüstungskonferenz vorlegen muß, an diese selbst weiterzuleiten ist. Die angenommene Entschließung lautet: „Nach Prüfung des von der sowjetrusfischen Delegation unterbreiteten Entschließungsentwurfes besteht im Vorftandsbureau Einigkeit über die Formulierung folgenden Gutachtens:
1. Der vorbereitungsausschuß für die Abrüstungskonferenz ist vom Völkerbundsrat nicht beauftragt worden, die Herabsetzung der Rüstungen durchzuführen, sondern einen plan für die Herabsetzung der nationalen Rüstungen aus ein Minimum auszuarbeiten, das mit der nationalen Sicherheit und mit der Durchführung der für eine gemeinsame Aktion nufer legt en internationalen Verpflichtungen vereinbar ist. Dieser Plan muß der Prüfung und Entscheidung der Regierungen unterbreitet werden, die nicht an der Abrüstungskonferenz teil- nehmen. Der Ausschuß bereitet einen plan vor, der dazu bestimmt ist, die Konferenz in die Lage zu versehen, im Augenblick ihres Zusammentretens eine so fühlbare Herabsetzung bet nationalen Rüstungen vorzunehmen als möglich je in wird, wobei übrigens Linver- fiändnis darüber herrscht, daß bas angenommene Abkommen nach minbeftens je 10 Jahren den Gegenstand einer neuen Prüfung und wenn angezeigt, einer Revision zu bilden hat.
2. Der Ausschuß hat es für n i cf) t richtig erachtet, an der auf dem Prinzip der Proport ionali- t ä t beruhenden Methode bet Herabsetzung sestzu- halten. Indessen ist es keineswegs ausgeschlossen, daß die Vertreter der an der Abrüstungskonferenz teilnehmenden Regierungen bei der endgültigen Ausarbeitung der Abtüstungskonven- tion diesem Prinzip ober jedem anderen Kriterium, das einen ähnlich objektiven Lharakter hat, wie auch den in Artikel 8 des Völkerbundspaktes enthaltenen Kriterien Rechnung tragen.
In der Aussprache erklärte Litwinow, der erste Absatz über die fühlbare Herabsetzung der Rüstungen befriedige die Sowjetdelegation, während der Rest der Entschließung zu dem Vorschlag der Weitergabe des russischen Abrüstungs- Projektes an die Abrüstungskonferenz in Widerspruch stehe. Graf Bernstorff begründete die deutsche Zustimmung zu der Entschließung. Dieser Beschluß besage, daß für die erste Ab- rüstungskonserenz die Sicherheitssrcge bereits geregelt fei. Graf Bernstorff betonte ferner, daß mit der vorgelegten Entschließung das Prinzip der Proportionalität nicht abgelehnt werde, und sprach in bezug auf die Schlußfolgerungen den Wunsch aus, daß die Sowjetdelegation bei den weiteren Arbeiten des Ausschusses und der Abrüstungskonferenz selbst jede Gelegenheit benutzen werde, im Sinne ihres AbrüstungsprojekiesAb änderungsanträge einzubringen. Schließlich erklärte Loudon die Entschließung in ihrem vollen Wortlaut für angenommen.
Als beachtenswertestes Ergebnis ist sestzustellen, erstens, daß der Ausschuß durch die Annahme des Gutachtens ausdrücklich die Vorbereitung einer tats ächlichen und fühlbaren Herabsetzung als Zweck seiner Arbeiten erklärt hat, und zweitens, daß der s 0 w j e t r u s s i s ch e T e i l a b r ü st u n g s v 0 r - schlag nicht, wie seinerzeit der russische Vorschlag auf sofortige Totalabrüstung, glatt abgelefjnt wurde, sondern, ganz abgesehen von der Geltendmachung der sowjelrussischen Ab- rustungsgrundsähe als Anlage zu dem eigenen Abtrnstungsentwurs des Vorbereitungsausschusses an die Abrüstungskonferenz weitergeleitet wird.
Der Ausschuß trat dann in die Beratung des zweiten Punktes der Tagesordnung ein, der den deutschen Antrag auf vollständige Offenlegung aller Rüstungszahlen betrifft. Dieser Antrag bezieht» sich bekanntlich auf Artikel 8 des Dölkerbundspaktes. Graf Bernstorff wies vor allem darauf hin, daß durch die Durchführung des Antrages eine wesentliche Stärkung des internationalen Vertrauens erreicht werden könne. Der deutsche Antrag liege durchaus in der Richtung der bisherigen Arbeiten auf dem Gebiete der vorbereitenden Abrüstungskonferenz. Seine Verwirklichung würde den besten Ausgangspunkt für die Verhandlungen der Abrüstungskonferenz selbst ergeben, da man niemals zur Verwirklichung der eigentlichen Aufgaben der Abrüstungskonferenz, nämlich der R ü st u n g s n i v e 11 i e r un g gelangen könne, solange der gegenwärtige R ü st u n g s st a n d nicht genau bekannt sei. Der deutsche Vorschlag gebe dafür in, Form zahlreicher genauer Tabellen, die für alle Staaten gleichmäßig angewandt werden würden, eine endgültige Lösung.
Viel beachtet wurde die erste grundsätzliche Erklärung, die Lord C u s h e n d u n bei. dieser Gelegenheit abgab. Er führte u. a. aus: die Tatsache, daß die Meinungsverschiedenheiten in der Flottenfrage bisher nicht überwunden werden könnten, dürfe auf keinen Fall den Vorwand dafür abgeben, daß in den beiden anderen Fragen wieder kein positiver Fortschritt erzielt werden könne. Die englische Regierung habe den dringenden Wunsch, die Abrüstungskonferenz zusammentreien zu sehen. England habe in den früheren Tagungen seine Anschauungen über die Abrüstung der Land- und Luftstreitkräfte kundgegeben, habe seine Haltung auch nicht geändert und glaube, daß die von ihm vertretenen Grundsätze am besten geeignet seien, zu guten Resultaten zu führen. Da aber das Hauptinteresse Englands nicht in diesen Fragen liege, so beabsichtige es auch nicht, die einer Verständigung entgegenstehenden Schwierigkeiten durch hartnäckiges Beharren auf seinen Anschauungen zu vermehren.
Das Wohnungsnoigeseh.
Berlin. 19. April. (D.D. Z.) Der Wohnungsausschuß des Reichstages beschloß nach längerer Aussprache Reichsrichtlinien für das Wohnungsnotgesetz. Darin heißt es: Der allgemeine Fehlbedarf an Wohnungen macht erforderlich, das Reichsmietengesetz, das Mieterschuhgesetz und das Wohnungsmangelgeseh noch aufrechtzuerhalten. Ein erheblicher Unterschied zwischen Altbau- und Reubau- mieten ist auf die Dauer wirtschaftlich nicht erträglich. Eine Annäherung beider Mieten ist in erster Linie durch eine Senkung der Reuoaukosten anzustreben. Eine Lockerung der Zwangswirtschaft wird nur dann in Frage kommen, wenn in einzelnen Gemeinden oder für besonders geartete Räume ein ausreichendes Angebot vorhanden ist, so daß die Entscheidung in erster Linie den Ländern überlassen bleiben muh. Auch bei einer Lockerung ist jedoch die Beibehaltung eines ausreichenden Schutzes der Mieter notwendig. Ferner wird zu prüfen sein, in welcher Weise im Allgemeinen Bürgerlichen Mietrecht die rechtlichen Ansprüche des Mieters zu sichern sind. Für die Sicherung der Baukostenzuschüsse und Mietvorauszahlungen, die Mieter vielfach leisten müssen, sind die erforderlichen Schutzmaßnahmen zu treffen.
Die Neuordnung der deutschen Lustfahrt.
Berlin, 19. April. (Privatmeldung.) Wie aus Kreisen der Luftfahrtinteressenten mitgeteilt wird, haben sämtliche deutschen Flugzeug- und Zlugzeugmotorenwerke heute dem Reichsverkehrsministerium die von ihnen einmütig aufgestellten Vorschläge zur Reuordnung der deutschen Luftfahrtwirtschaft überreicht. Staatssekretär Gutbrod, der in Ab
wesenheit des Ministers die Vertreter der 3n» dustrie, nämlich Direktor Mi 1 ah, Direktor von Buttlar und Reichstagsabg. Sachsenberg empfing, begrüßte es. daß die Industrie sich mit den grundlegenden Fragen der gesamten Luftfahrtwirtschaft so eingehend beschäftigt hat. Der Staatssekretär betonte, daß die überreichten Vorschläge zur Grundlage von Besprechungen zwischen den berufenen Stellen gemacht werden sollen, welche in der nächsten Woche stattfinden werden. Er erbat hierfür die aus den grundsätzlichen Vorschlägen sich ergebenden Einzelvorschläge der Industrie zu den Etatsfragen und teilte gleichzeitig mit, daß der Etat des Reichs- verkehrsministeriums vom Reichstag mit Rücksicht auf den neuen Reichsverkehrsminister voraussichtlich erst zu einem späteren Zeitpunkt behandelt werden wird.
Aus aller Welt. ...
Die Versuchsfahrt des „Graf Zeppelin".
Das Luftschiff „Graf Zeppelin" traf Freitag um 15.45 Uhr unter gleich günstigen Witterungsbedingungen wie bei der Abfahrt wieder über Friedrichshafen ein und ist nach einer längeren Kreuzfahrt über dem See und der Umgebung der Stadt um 16.40 Uhr glatt gelandet. Kurz nach 17 Uhr lag das Schiff bereits wieder in der Halle. Während seiner fast zehnstündigen Fahrt berührte das Schiff Schaffhausen, Basel, Freiburg, Karlsruhe, Mannheim, Heidelberg, Heilbronn, Stuttgart, Sigmaringen und Lindau und legte eine Strecke von mehr als 800 Kilometer zurück. Die ursprüngliche Absicht, auch der Stadt Frankfurt a. M. einen Besuch abzustatten, konnte nicht mehr ausgeführt werden. Die Versuche mit dem Kreisel-Kompaß und einem angegliederten Kurs schrei ber erwiesen sich über Erwarten gut. Gleichzeitig fanden auch Versuche mit Sirenen als Schallgeber für das Behmsche Eche101 statt. Die Höhenbestimmung wird aber durch den auseinandergezogenen Ton der Sirene im Gegensatz zum kurzen Knall eines Schusses ungenau. Besser bewährte sich eine neue Schießeinrichtung der Waffenfabrik Mauser.
Karusselleinstur; bei preßburg.
Bei Preßburg brach die Achse eines Karussells, das sich gerade in größter Geschwindigkeit drehte. Der ganze Bau knickte zusammen. Eine der Gondeln wurde in die Menge geschleudert und erschlug eine Frau mit ihrem kleinen Kinde. Außerdem wurden sechs Schulkinder schwer verletzt, darunter ein Knabe lebensgefährlich. Im Gedränge der entsetzt fliehenden Menschen wurden noch zahlreiche Frauen und Kinder niedergestoßen und ebenfalls verletzt. Eine behördliche Kommission stellte fest, daß das Karussell in überaus baufälligem Zustand war. Der Besitzer wurde verhaftet.
Zwei Polizeibeamlc von Kommunisten niederoeschlogen.
3m Rorden Berlins wurden zwei Poltzci- bearnte von Teilnehmern an einem etwa 200 Personen umfassenden Demonstrationszug der Kommunistischen Partei tätlich angegriffen und zu Boden geschlagen. Beide trugen sch w ere K 0 p f- unb Arm Verletzungen davon; sie wurden ins Staatskrankenhaus gebracht. Die Täter sind noch nicht ermittelt worden.
Die Wetterlage.
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Wettervoraussage.
Der skandinavische Wirbel hat sich unter Aufnahme warmer Luftmassen an seiner Südseite weiter vertieft und nach dem Baltikum fortdewegt. Kaltluft an seiner Rückseite wird südwärts nach Deutschland transportiert, die bereits stärkere Bewölkung und Abkühlung verursacht. Unter dem Einfluß der weiter zuströmenden Kaltluft gestaltet sich der Witterungscharakter unbeständig, wobei unter weiterer Abkühlung mit einzelnen Schauern gerechnet werden muß. Da die Luftmassen aus höheren Breiten gleichzeitig zu Barometeranstieg führen und dabei das nordwestliche Hochdruckgebiet nach dem Festland saugen, so ist für später unter Bewölkungsabnahme wieder etwas beständigeres Wetter zu erwarten. Die Temperaturen bleiben noch niedrig und dürften in der Nacht vom Sonntag auf Montag dis in Gefrierpunktnähe zurückgehen, stellenweise auch etwas darunter.
Wettervoraussage für Sonntag: Unbeständiges, wechselnd wolkiges Wetter, kühl, vereinzelt leichte Schauer.
Wettervoraussage für Montag: Ruhigeres, mehr aufheiterndes Wetter, noch kühl, leichte Nachtfrostgefahr, in der Hauptsache trocken.
Lufttemperaturen am 19. April: mittags 20,8 Grad Celsius, abends 11,6 Grad; am 20. April: morgens 10,2 Grad. Maximum 21 Grad, Minimum 1 Grad, — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 19. Avrtlr abends 11,9 Grad; am 20. April: morgens 6,8 ®ra6 Celsius. — Sonnenscheindauer 10% Stunden.


