Ausgabe 
18.12.1929
 
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Wohnungspflege in den Altwoh­nungen. Es kommt nur darauf an, daß diese Gedanken richtig durchgeführt werden. Eine größere Einheitlichkeit im Wohnungs­und Siedlungswesen ist dringend notwendig. Hüten mutz man sich vor über.riebenen Schätzun­gen des künftigen Wohnungsbedarfs. Die Groß- städte haben keinen Geburtenüberschuß. Der Zu­zug vorn flachen Lande wird einmal abnehmen, dann bekommen wir eines Tagei im Wohnungs­wesen den großen Kladderadatsch. Die Deutsch- nationalen müßten bei aller Aner.ennung ein­zelner Teile die Richtlinien im ganzen ablehnen.

Abg. Tremmel (Z.) erklärt, an sich sei es überhaupt nicht Au gäbe der Gemci..den, Woh­nungen zu errichten. Solange aber das Woh­nungselend noch so groß sei wie jetzt, müsse durch Reich, Länder und Gemeinden für die Abstellung dieses Elends gesorgt werden. Es dürfe nicht zugclassen werden, daß Länder und Gemeinden auf äämwegen einen weiteren Teil der für den Wohnungsbau be­stimmten Hauszinslleuer zur Deckung des . allgemeinen Finanzbedarfs verwen­den, nämlich die Rückflüsse aus den Hauszins­steuerhypotheken.

Abg. Lucke (Wirtsch.) bekämpft die Richt­linien, deren Zweck die Verewigung der Zwangswirtschaft fei. Die Wohnungsnot sei nur die Folge der Zwangswirtscha.t.

Auf Antrag oes Zentrums wird unter den in den Richtlinien angeführten Aufgaben die Wohnungsaufsicht gestrichen. Gestri­chen wird auch auf Zentrumsantrag die Ermäch­tigung an die Gemeinden, das im Gemeinde- bezirk gelegene Grundeigentum zu über­nehmen und umzulegen. Weiter wird die Be­stimmung gestrichen, dah grötzere Dauvor - haben tunlichst geschloßen einheitlich ver­geben werden sollen. 3m übrigen werden die Richtlinien in der Ausschußfassung angenom­men. Dafür haben die Regierungsparteien, mit Ausnahme der Deutschen Bolkspartei, gestimmt.

Angenommen wird in zweiter Lesung auch der Antrag der Regierungsparteien, wonach die Rückflüsse aus den Hauszins st euer- hypotheken in vollem Umfange wieder für Wohnungsbau und Siedlung ver­wandt werden sollen.

Rach Annahme der Ausschutzentschlietzungen vertagt sich das Haus auf Mittwoch. Mi- nisterpensionsgefeh und kleinere Vorlagen.

Beamte und Volksbegehren.

Verhandlung vor dem Ttaatsgerichtshof.

Leipzig, 17. Dez. (WB.) Vor dem Slaats- gerichtshof für das Deutsche Reich begann unter dem Vorsitz des Reichsgerichtspräsidenten Dr. Vumke die Verhandlung in der Streitsache der Fraktion der Deutschnationalen Volkspartei des Preußischen Landtags ge­gen das Land Preußen über die Frage, ob die Eintragung in die Listen für das Volksbegehren und die T e i l n a h m e am VolksentscheidFreiheitsgesetz" für die preußischen Beamten mit ihren Dienst­pflichten vereinbar ist und ob demgemäß die Stellungnahme der preußischen Regierung iq dieser Frage verfassungswidrig ist oder nicht. 3n sachlich-rechtlicher Beziehung handelt es sich zunächst darum, ob überhaupt die Stimm­abgabe bei einem Volksbegehren Gegenstand disziplinarischer Verfolgung bilden kann.

Ministerialdirektor Dr. 'Darbt erklärte, daß kein einziger Fall eines Verbotes durch eine Nachgeordnete Behörde der Staats­regierung bekannt geworden sei. Dagegen hätten die Behörden vielfach in der Weise Stellung ge­nommen, daß sie erklärt haben, selbstverständlich sei jedermann völlig ungehindert, sich einzu­zeichnen. Es werde aber gehofft, dah jeder nach sorgfältiger Prüfung selbst wisse, was er zu tun habe. Eine Zusammenstellung der angeb­lichen Verbote in einer Broschüre des Reichstags­abgeordneten Everling zeige, daß 99 Prozent aller Fälle völlig aus der Luft gegriffen oder unrichtig dargestellt seien. Das Staatsministerium werde in jedem einzelnen Falle prüfen, ob das Eintreten für das Volksbegehren eine disziplinarische Ahndung zu finden habe oder nicht. Zweifellos sei, auch nach dem Urteil von anerkannten Autoritäten, zu bejahen, dah das Eintreten für das Volksbegehren unter das Diszi- plinarrccht falle.

Rach den bisherigen vorläufigen Schätzungen hatten sich 8000 bis 10 003 Staat > und Reichs­beamte trotz der Warnung in die Listen einge­tragen, ebenso 30 000 bis 40 000 Kommunal­beamte. Der Paragraph 4 des F.'eifeitsgesehcs habe sogar den Anlaß zu einer Spaltung in der deutschnalionalen Partei gegeben. Das beweise die Richtigkeit der Anschauungen der preußischen Staatsregierung. Keinem "? amten solle das Recht verwehrt werden, sachliche Kritik an den Maßnahmen der Regierung zu üben. Hier han­dele es sich aber nicht um eine Beschränkung des Rechtes der freien Meinungsäußerung, son­dern um eine Reinigung des politischen Leben';. Dr. Seelmann-Eggebert erilär e für die Antragsteller, wenn grundsätzlich den Beam e.r das Recht zur Eintragung für jedes Doltsbegeh- ten zustehe, so müsse das auch für die e l Volks­begehren gelten. Zu dem Paragraphen 4 des Volksbegehrens sei zu sagen, daß er nur eine zukünftige Strafandrohung darstelle, worin leine Herabsetzung der gegen­wärtigen M i n i st e r zu erolicken sei. Mini­sterialdirektor B a d t erklärte in längeren Aus­führungen unter Überreichung einer Reihe von Zeitungsartikeln, daß der Paragraph 4 des Volksbegehrens nur den Abschluß einer Ent­wicklung darstelle, die dahin gehe, den politischen Gegner nichts als solchen zu bekämpfen, s'ndern als Landesverräter. Selbst dem Volks­begehren freundliche Bl..t e: hätten sich gegen den Paragraphen 4 erklärt. Gerade der Umstand, daß das Rireau des politischen Kampses so tie gesunken fei, habe die preußische Regierung zum Eingrci,en gezwungen.

Wirischastspartet und Volksentsche d.

Berlin, 17. Dez. (DDZ.) Die Führerkon­ferenz der Wirtschaftspartei nahm am Dienstag einstimmig eine Entschließung an, in der sie den Boungplan auch weiterhin ad­le hnt, aber eine Teilnahme am Volks- ents cheid nicht empfehlen kann. Die Wirtschaftspartei begrüßt den Vorstoß des Reichsbankpräsidenten zur Gesundung der deut­schen Wirtschaft. Als einzig mögliche Lösung aller schwebenden Lebensfragen der deut'chen Ge­samtpolitik erscheint ihr jedoch nach wie vor die Auflösung des Reichs tags.

DieSanierung" Berlins.

Berlin, 18. Dez. (Priv.-Tel.) Roch ist der Sklarek-Standal in aller Munde. 3n langatmigen Untersuchungen soll festgestellt werden, wen die Schuld an den ungeheuerlichen Vorgängen trifft, die in der Reichshauptstadt ein unglaubliches Maß von Korruption hinterlassen haben. Sicher ist nur soviel, dah der Berliner Steuer­zahler die Kosten dieser Luderwirtschaft zu be­zahlen ffat. Einstweilen ist der Schaden auf 10 Millionen Mark beziffert worden. Wieviel an anderen Stellen durch unsachgemäße Wirtschaft verpulvert worden ist, wissen wir nicht. Es steht aber fest, daß die Stadt Berlin zum großen Teil durch das forcierte Tempo ihrer Dauwirt- chaft in die gegenwärtige Finanzmisere hinein­getrieben worden ist. Die Bezirke wetteifern ärmlich, den größten und teuersten Schulpalast ihr eigen zu nennen. Die Gebäude werden in einer Weise ausgestattet, die man unter den heutigen Verhältnissen als verschwenderisch be­zeichnen muß, und die jedenfalls weit das hin­ter sich lassen, was sich Deutschland in den Zeiten früherer wirtschaftlicher Blüte leisten konnte. Anstatt Wohnungen zu bauen, errichtet man kostspielige Planetarien, Stadien, Schwimm­hallen ufto.

Inzwischen hatte die schwebende Schuld der Stadt Berlin eine bedrohliche Höhe erreicht. Der Oberbürgermeister versuchte, durch eine kost- pielige Amerikareise den Weg za einer Aus- landanleihe z t bereiten. Man war soweit ge­kommen, daß ein kurz ristiger Kredit von 63 Millionen Mark in Amerika flüssig gemacht wer­den sollte, der die Vorstufe z t einer lang- ristigen Anleihe bilden sollte. Da kam der Einspruch des R e i c > s ba n kp r ä s i de n- ten. Richt er al.ein £<t sich gegen den neuen Pump der Stadt Derlur gewandt, sondern die große Mehrheit der Beratungsstelle für Aus­landanleihen. Allein der Antragsteller und der Vertreter der Seehandlung waren dafür, alle übrigen dagegen. Das gilt es angesichts der Angriffe fes.zihalien, die jetzt gegen den Reichs- bankpräsidemen gerichtet werden. Die Hrrbei- chafsung des nötigen Geldes, das z i Ultimo Dezember erforderlich ist, konnte nun doch noch ichergestelkt werden durch das Eingreifen der Preußischen Staatsbank, die ein Konsortium von 23 Banken z isammenbrach'.e. Man hat die Aktion des Rei^äbankpräsidenlen und die Weigerung der Großbanken als den Versuch bezeichnet, die öffentliche Wirtschaft der Kominunen z i drosseln. Soviel ist richtig, daß die großen privaten Geldgeber jetzt endlich da­

für sorgen wollen, daß die schwebenden Schulden der öffentlichen Hand nicht mehr länger als eine schwere Last auf der gesamten Wirtschaft ruhen. Einmal ist es den öffentlichen Kreditinstituten noch gelungen, den finanziellen Zusammenbruch einer Großkommune abz iwenden. Wie oft wer­den sie diesen Versuch wiederholen können?

Den Preis für die Folgen der Berliner Finanz- wirlschaft aber müssen die Einwohner zah­len, ihnen mutet man gerade jetzt in einfer schlim­men wirtschaftlichen Lage die Erhöhung der Werktarife und der Tarife für die Verkehrsmittel zu. Es läßt fich gar nicht ermessen, welche neue Welle der Verbitterung dadurch verursacht wird. Gerade die Aermsten der Armen, auf denen diese Mehrausgaben am meisten lasten, machen mit Recht geltend, daß s i e d i e Folgen einer unfähigen Finanz­politik auszubaden ha^en. Das^ Ergebnis wird eine weitere Stärkung des politischen Radi­kalismus auf beiden Flügeln fein. Die Stadt Berlin kann von Glück sagen, daß sie die Stadt­verordnetenwahl hinter sich hat. Sie wäre noch ganz anders ausgefallen, wenn die Bevölkerung dieses Ergebnis einer parteipolitisch verseuchten Verwaltung vorher gekannt hätte.

Keine kommunalen Ausgaben ohne Deckung.

Kassel. 18.De;. (Wolff.) Bei einer Sfabtoer- orönctenbebatte über die Bewilligung einer Wcihnachlsbeihilfe für die Wohlfahrls- uulerslühungsempfänger machte Bürgermeister L ah­me y e r zur Begründung feines ablehnenden Stand­punktes Mitteilung von einer den deutschen Städten zugegangenen Rundoerfügung des preu­ßischen Innenmini st er s. Rach dieser Rund­verfügung ist es den Magistraten der Städte a u f dos schärfste untersagt. Ausgaben zu bewilligen, die nicht vorher von den Aufsichts- bchsrden Regierungspräsident und Bezirksaus­schuß genehmigt wo.den sind, wenn für fie Deckung nicht nach gewiesen werden kann. Der Oberbürgermeister bzw. der Magistrat der Städte s:he sich nach dem Wortlaut der Verfügung bei einer Zuwiderhandlung der sofortigen Eröffnung eines strengen Disziplinarverfahrens aus.

Kohlendebaiie

im britischen Unterhaus.

London, 17. Dez. (WD.) 3m Hinterhaus lei­tete Handelsminister Graham die zweite Lesung des Gesetzentwurfs über den Kohlenbergbau mit einem Hinweis auf die Hauptziele der Regie­rung ein. Er glaube nicht, daß die Zukunft des Kohlenbergbaues düster sei. Durch eine wirk­same Reorganisierung konnten viele Kohlenprobleme gelöst werden. Die Regierung schlage nicht die Verschleuderung der Kohle auf den Auslandmärkten vor. Das wirkliche Ziel des Gesetzes fei, den englischen Bergbau gegen­über den Weltmarktpreisen konkurrenz­fähig zu machen. Die Regierung schlage die Einsetzung eines Ausschusses vor, der einen mög­lichst bald durchzuführenden Plan für die d i - striktweise Zwangsfusionierung der Bergwerkbetriebe ausarbeiten solle. Sie glaube, daß die Arbeitszeit auf V/2 Stun­den täglich ohne LohnHerabsetzung eingefajränft werden könne. Der geplante Zentrallohnrat würde diese Fragen unparteiisch prüfen. Rach der Rede Grahams zogen sich die Führer der Liberalen zu einer Beratung zurück. Der frühere Handelsminister Cunlifse-Lister brachte seinen angekündigten auf eine Ablehnung des Gesetzes hinauslaufenden Vertagungsantrag ein. Der liberale Führer Sir Herbert Samuel stellte fest, daß seine Par.ei gegen die Vermin­derung der Arbeitszeit keine Einwendungen habe. Sie halte auch die Schaffung des als Selbstver­waltungskörper geplanten Rational Board für die Lohnfragen in der Kohlenindustrie für durch­führbar. Dagegen kritisierte er die Ohnmacht der geplanten Kommission für die Zwangsfusionie­rungen unwirtschaftlicher Betriebe und verlangte eine zeitlich knappe Befristung der von den Libe­ralen beanstandeten Bestimmungen über die künf­tige Preis- und Absatzregelung.

Tie Debatte wurde von dem Bergbauminister Den Turner abgeschlossen, der feine Rede mit den Worten beendete, die Liberalen seien klug genug gewesen, zwei Drittel der Kohlen­vorlage zu billigen, und er glaube, wenn sie sich die Sache noch einen oder zwei Tage über­legen würden, bann würden sie vielleicht auch den dritten Teil annehmen. Die Debatte wurde hieraus auf Donnerstag vertagt. Der parlamentarische Mitarbeiter derTimes" be­merkt: Es verlautet, dah weder Lloyd George, noch Sir Herbert Samuel von der Rede Turners völlig befriedigt war. 3ndessen glaubt niemand, daß die Vorlage morgen abend bei der Abstim­mung über die zweite Lesung abgelehnt werden wird.

Aus alter Welt.

Rotlandung französischer Ozcanflieger in Brasilien.

Die beiden französischen Flieger Challe und ßarre» Borges wurden nach Ueberquerung des Atlanti­schen Ozeans in Maracuja (Brasilien) zu einer etwas stürmischen Notlandung gezwungen. Sie haben, wie es scheint, nachdem fie die suoame- rika nische Küste glücklich erreicht hatten, die Orientierung verloren. Der Platz, wo ihr Flugzeug den Boden berührte, liegt etwa sechzig Meilen von der Küste entfernt in der Nähe der Grenzlinie zwischen den brasilianischen Staaten Rio Grande bei Norte und Parahyba. Das Flugzeug ist beim Aufsetzen auf den Boden u m ge­flogen, wobei beide Flieger verletzt wurden. Die Flieger wurden schließlich von einem Trupp Reiter aufgefunden, der, vom Jnlande kom. mend, sich gegen die Küste bewegte. Die Stelle der Landung ist von mensch'.ichen Siedlungen ziemlich weit entfernt, und es nahm deshalb mehrere Stun­den in Anspruch, ehe die Reiter einen Ort erreichten, von wo aus sie über eine private Telegraphenleitung sich mit der Stadt Natal in Verbindung setzen konn­ten. Der Leiter des Flugpostdienstes hat inzwischen ein Flugzeug an die Landungsstelle entsandt. Die

Flieger sind etwa 36bis 39Stunden in der Luft gewesen. Obwohl der von ihnen geplante Nonstopslug bis zur Hauptstadt von Uruguay miß­glückt ist, durften sie doch wenigstens den Erfolg ver­buchen, daß sie, wie fünf andere Flugzeugbesatzungrn vor ihnen, den Flrg über den Atlantischen Ozcan auf der südlichen Route glücklich durchführen konn­ten. Das Dorf Maracuja, in dessen unterer Um­gebung sich ihr Landungsplatz befindet, ist nicht all­zuweit entfernt von louros, wo die Flieger Sarrarin und Delprete im Juli 1928 nach einem Fluge gelandet sind, der damals einen neuen Fern- fiugreforb darstellte. Larre-Borges, der inzwischen in St. Antonio eintraf, berichtet über den Flug: Wir hatten während der ersten Flugstunden gute Winde. Das Wetter wurde jedoch nach Passieren der Kap Verdischen Inseln sehr ungünstig, so daß das Flugzeug, das ursprünglich auf Pernambuco als Landungsplatz zuhielt, den Kurs ändern und auf die nächste Küste zusteuern mußte. Es ergaben sich jedoch Schwierigkeiten für die Orientierung. Die Küste ansteuernd, flogen wir so niedrig als mög­lich, um rechtzeitig Land erblicken zu können, was fich indes als unmöglich erwies, da die Lichter der Küste mit dem grauenden Morgen er­loschen. Mein Kamerad und ich entschlossen uns sch.ießlich, sofort zu landen. Bei der Landung blieben die Räder des Flugzeuges in dem weichen Boden stecken, so daß das Flugzeug fich überschlug.

Winterwetter int Schwarzwald

Freiburg i.Br 18.De;. (WTB. Funkspruch.) Bei aufklärender Witterung hat die vergangene Rächt ein starkes Sinken der Tempera­turen im Gebiet des Südfchwarzwaldes bis in die Täler hinein und in der Rheinebene gebracht. Das Thermometer zeigte heute früh in der Ebene minus 5 Grad und in den höheren Lagen b i s zu minus 14 Grad, was gegenüber gestern einen Rückgang um 10 Grad bedeutet. Der Schnee­fall der letzten Tage hat nicht nur Schnee in den tiefen Lagen gebracht, sondern die Schneedecke auf der höhe bis zu 30 Zentimeter verstärkt.

Oberbürgermeister Adenauer (Köln) mit einer Stimme Mehrheit wiedcrgewählt.

Die außerordentliche Stablverordnetenversamm- lung in Köln war nicht nur im Plenum, sondern auch auf den Tribünen bis auf den letzten Platz besetzt. Bei der Abstimmung gaben sämtliche 95 Stadtverordnete ihre Stimme ab. Dazu kam noch eine Stimme der Verwaltung. Don den 95 Stimmen entfielen 49 auf Dr. Adenauer, 20 auf G 5 rlinger (Vorsitzender der Sozial- demolratischen Fraktion), eine auf Dr. Linde­mann (SPD.), zwei auf Oberbürgermeister Dr. Lehr (Düsseldorf), 13 auf Rechtsanwalt Obuch (Kommunist), vier auf Dr. Frick, München (Rat.- Soz.), sieben auf den Stadtverordneten Boß (W. D.). Somit wurde Dr. Adenauer auf zwölf 3ahre mit einer Stimme Mehrheit wiedergewählt.

Verleihung des Adlerschildes an Lujo Brentano.

Der Reichspräsident hat b:m berühm­ten Rationalölonomen Geheimrat Dr. Lujo Brentano in Münch en zu f i;cm 85. Ge­burtstage den Adlerschild des R ichs verli'.hen und das nachstehende Schreiben übersandt:

Sehr verehrter Herr Geheimrat!

Es ist mir ein aufrichtiges Bedürfnis, 3hnen aus Anlaß 3hres 85. Geburtstages meine herz­lichsten Glückwünsche auszusprechen. 3n einem an Arbeit reichen Leben haben Sie als Leh­rer, Forscher und Herausgeber zahl­reicher wissenschastiichcr Veröffentlichungen auf dem Gebiete der Wirtschaftslehre und Sozialpolitik sich um die Forderung der deutschen Wissenschaft und Sozialpolitik große Verdienste erworben und weit über die Grenzen Deutschlands hinaus hohe Anirlennung gefun­den. Dem Dank, den das deutsch: Volk 3hnen schuldet, möchte ich Ausdruck giben. indem ich 3hnen die Höch st e Ehrung zuerkenne, welche die deutsche Republik verleiht, den Adlerschild.

der auf der Vorderseite das Symbol des Reich-, auf der Rückseite die Widmung »Dem großen Wir.schastölehrer und Förderer deutscher Soz al- Politik" trägt. 3ch habe den Vertreter ber Reichs­regierung in München, den Gesandten Dr. Haniel von Haimhausen, mit der Lieber- gäbe des Adlerschildes beauftragt

Mit dem Ausdruck genz vorzüglicher Hochachtung (gez.) von Hindenburg.

Auch Reichskanzler Müller und Reichs­minister S e v e r i n g sandten Prof. Brentano SlüQwur.schtelegramme.

Deutsche Ausstellungen im Auslande.

Die neuzeitliche deutsche Formgestaltung wird' im 3ahre 1930 auf Ausstellungen im Ausland« gezeigt werden. 3m Einvernehmen mit dem Aus­wärtigen Amt hat der Deutsche Werkbund einen Ausstellungsausschuß, bestehend aus Pro­fessor 3aeckh, Professor Frhr. v. Pechmann, Syn­dikus Dr. Raemisch und dem Architekten Pro­fessor Walter Cropius mit der Leitung der kleinen deutschen Abteilung innerhalb der Früh­jahrsausstellung der Soci£td des artistes d£co- rateurs im Grand Palais in Paris betraut. Gleichzeitig wird im Rahmen der 3nternatio- nalen Kunstgcwerbeausstellung im Schlosse von Monza bei Mailand Architekt Ludwig Hü­ber seine eine zwei Räume umfassende Aus­stellung zeigen, die sich nur auf eine Auswahl neuzeitlicher 3ndustrieformen und Materialien, w'.e Glas, Porzellan und Metall, beschränkt. Auf der 3nternationalen Kunstausstellung in V e n e - d i g wird der deutsche Pavillon von dem Di­rektor der Staatlichen Gemäldegalerie in Dres­den, Dr. Hans Posse, eingerichtet. 3m Herbst findet in Stockholm eine deutsche Kunstaus­stellung mit historischer und moderner Abteilung statt, deren Durchführung in der Hand des Di­rektors der staatlichen Kunsthalle in Hamburg, Professor Gustav Pauli, liegt.

Schwere Explosion in einem amerikanischen Bergwerk.

3n Mc' Llllister in Oklahoma sind durch eine fd)teere Explosion im Kohlenbergwerk 60Berg­arbeiter verschüttet worden. Die Ret­tungsarbeiten sind durch die eingetretene Zer­störung des Stol.eneinyangs außer:rden.liH er­schwert. AUc0 Bergleute sind als Leichen zutagegefordert worben. Beamte er.lären. dah fast alle den Grubengasen erlegen sind.

Vier Kinder berörannt.

3n Flosten (Kreis Goldap) brannte ein 3nst- haus nieder, das von der Familie Pianka be­wohnt wurde. Die Eltern hatten sich zur Ar­beit begeben und ihre vier Kinder im Alter von einem halben bis vier 3ahren zu Hause ge­lassen. Wahrscheinlich haben die Kinder m i t Streichhölzern gespielt und dadurch den Brand verursad)t. Als man das Feuer bemerkte, stand das Gebäude bereits in Hellen Flammen. Die vier Kinder konnten nur als Leichen geborgen werden.

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Durch die neuerdings im Südwesten heranziehende Warmluft fetzt Barometerfall ein. Das gesamte Hoch­druckgebiet wird mehr südöstlich verlagert, namentlich das Kerngebiet, das zufammenschrumpft, wandert nach Frankreich ab. Wir verbleiben jedoch zunächst unter dem Einfluß des Hochs, das den herrschenden Witterungscharalter fortbeftehen läßt.

Wettervoraussage für Donners La g : Trockenes, stellenweise nebliges, sonst wolkiges Wet­ter mit Aufheiterung, Nachtfrost.

Wettervoraussage für Freitag: Mehr wolkiges Wetter, Temperaturen schwankend.

Lufttemperaturen am 17. Dezember: mittags 5 Grad Celsius, abends 0,1 Grad; am 18. Dezem­ber: morgens3,4 Grad. Maximum 5 Grad, Mini­mum 4.3 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 17. Dezember: abends 3 6 Grad; am 18. De­zember: morgens 1,6 Grad Celsius. Niederschlag 1,7 mm. Sonnenscheindauer 1 Stunde.

Amtliche Winterfportnachrichten.

Vogelsberg (Hoherodskops):5 Grad, 3 Zentimeter Pulverschnee, Sportmöglid)keit: keine.

Sauerland (Wintcrbcrg): Heiter, 5 Grad, 15 Zentimeter Pulverschnee, Sportmöglichkeit für Ski und Rodel vorhanden.

Schwarzwald (Feldberg): Bewölkt, 8 Gr., 30 Zentimeter Pulverschnee, Sportmöglichkeit: für Sli. (Ruhestein): Heiter8 Grad, 30 Zenti­meter Pulverschnee, Sportmöglichkeit für Sli vor­handen. (Reustadt): Bewölkt,4 Grad, 25 Zentimeter Pulverschnee, Ski und Rodel sehr gut.

Thüringerwald (3nsels>rg): Rebel,5 Grad Celsius, 20 Zentimeter Pulverschnee, Ski gut, Rodel mäßig.

Alpen (Garmisch-Partenkirchen): 4 Grad. 23 Zentimeter Schnee, gekörnt, Spor^möglichkeit für Sli und Rodel vorhanden. <Dad Tölz): Leichter Schneefall, 4 Grad, 32 Zentimeter Schnee, gekörnt» Ski gut, Rodel mäßig.